Lohnt sich das Kinderkriegen?

Sie geben einem so viel zurück, sagt man. Doch rentieren Kinder unter dem Strich? Unser Blogger wagt die Rentabilitätsrechnung.

Monetäre Kosten, emotionale Dividende: Die Rentabilität von Kindern zu ermitteln, ist (fast) unmöglich. Foto: iStock

«Kinder geben einem so viel zurück!» Bestimmt kennen sie diesen Satz. Eltern sagen oder hören ihn immer dann, wenn die Kinder grad besonders viel nehmen: Energie, Nerven, dreckige Wörter in den Mund. Leider bleiben wichtige Fragen offen: Wie viel geben sie zurück? Wann kann ich damit rechnen? Lohnt es sich unter dem Strich?

Natürlich kann man es einfach drauf ankommen lassen. Aber ich bin kein emotionaler Lebemann, der «sich spontan etwas gönnt». Ich bin Betriebswirt mit leichtem Hang zum Geiz. Ich rechne mir Investitionen gerne schön, bevor ich sie tätige.

Bei Kindern ist das nicht ganz einfach, aber dazu später mehr. Für eine saubere Rentabilitätsrechnung müssen wir erst einmal die Investitionen und Betriebskosten genauer aufschlüsseln.

Kostenanalyse und Freudeflowrechnung

Was nehmen uns Kinder? Einen schmerzlichen Teil unseres Lebensgehalts. Das fällt für hochbezahlte Verwaltungsratspräsidentinnen natürlich anders ins Gewicht als für einen prekären Mamablogger. Aber alle Eltern bluten irgendwo: Kinder schleppen Krankheiten ins Haus und machen damit die Maximalfranchise zum Risikoentscheid. Und auch ohne Streptokokken und Varizella Zoster kosten Kinder einiges: Unsummen für Windeln, Sackgeld, Studiengebühren, Nerven, 6 x Wohnung streichen, 3 x neues Sofa.

Und plötzlich kickt beim Familienausflug im Zoo der Lebenssinn so richtig rein.

Wie sieht es im Gegenzug mit den Einnahmen aus, also dem was Kinder zurückgeben? Oder wie wir Betriebswirte zu anglisieren pflegen: dem Return on Investment. Da wären einmal die Familienzulagen. Dann die Steuerabzüge und überhaupt die tiefere Steuerprogression wegen dem nunmehr lächerlichen Resteinkommen. Dann helfen uns Kinder, Geld für all die teuren Hobbys zu sparen, die wir mit umgeschnalltem Tragetuch kaum noch ausüben können. Hochsee-Speedboat-Harpunen-Walfang oder Fallschirm-Blitzhalma. Noch höher zu gewichten, sind die emotionalen Einnahmen: Schöne Momente wie das erste Schimpfwort, das Foul du Saison im Fussballverein oder das eine Familien-Selfie mit über 300 Likes. Aber auch jedes strahlende Gesichtlein, das die Elternlaune hebt. Und plötzlich kickt bei einem Familienausflug im Zoo – irgendwo zwischen Hyänen und Alpakas – der Lebenssinn so richtig rein.

Bei der Gegenüberstellung fällt auf, dass die Kosten vor allem monetär anfallen, die Rendite aber in Form von Emotionen überwiesen wird – als Gefühlsdividenden. Das macht eine exakte Rechnung sehr willkürlich. Und noch etwas merken gewiefte Wallstreet-Insider: Neben hohen Anfangsinvestitionen (lustige Bodys in Grösse 56, Bernsteinketteli) sind auch die laufenden Kosten ganz schön happig. Aus der stattlichen Bruttorendite wird so eine eher magere Nettorendite.

Ist das Kind ein Haus oder eine Buckelpiste?

Ein Kind ist vergleichbar mit einer Immobilie. Kostet viel, wirft ordentlich was ab, macht aber auch viel Scherereien. Am Schluss schaut ein kleiner Gewinn raus, wenn man für den eigenen Aufwand einen tiefen Stundenlohn einsetzt.

Möglicherweise ist es mit Kindern aber auch wie mit dem Wintersport: Hohe Kosten, viel Aufwand und Ärger vor dem ersten Pistenmeter. Manchmal stehe ich schwitzend in der engen Gondel, irgend ein Kurt zimmert mir seine Ski ins Fressbrett und ich frage mich: Lohnt sich das alles? Dann beginnt die erste Abfahrt und ich werde mir gewahr: Das ist jeden Aufwand wert.

Ja, die Nettorendite von Kindern liegt rein rechnerisch unter 2 Prozent. Aber man muss die Kleinen auch als Liebhaber- ab drei Stück als Sammlerobjekte betrachten. Dann gehts eigentlich. Risikobewussten Anlegern empfehle ich allerdings Patenkinder.

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