Freitagsfrage

Was tun nach einem Zeckenbiss?

Wenn man einen der kleinen Blutsauger am eigenen Kind entdeckt, ist die Aufregung meist gross. Doktor Martina Frei sagt, was zu tun ist.

Lassen Sie der Zecke keine Zeit! Nach dem Spielen im Freien sollten Kinder abgesucht werden. Illustration: Benjamin Hermann

Liebe Frau Dr. Frei, ich habe gelesen, dass dieses Jahr die Zeckenplage besonders gross sei. Unsere Söhne (3 und 5) spielen häufig draussen, im Wald oder auf einer Wiese. Nun machen wir uns Sorgen. Falls tatsächlich einmal eine Zecke «zubeissen» sollte: Wie können wir sie am besten entfernen? Und was, wenn der Kopf der Zecke drin bleibt? Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das vorkommen kann. Danke für Ihre Hilfe, Philippe

Hallo Philippe,

Zecken haben acht Beine, einen Körper, einen Stechapparat – aber keinen Kopf. Deshalb kann auch kein Kopf beim Herausziehen drin bleiben. Auf dieser schematischen Zeichnung ist der Körperbau einer Zecke zu sehen. Der Stechapparat erinnert an ein Mini-Sägeblatt mit kleinsten Widerhaken. Um sich in der Haut zu verankern, sondert die Zecke eine Art schnell aushärtenden Zement aus ihren Speicheldrüsen ab, und das ist der Grund, warum es manchmal nicht gelingt, beim Herausziehen alle Teile restlos zu entfernen. Man braucht sich deshalb aber keine Sorgen zu machen; es ist vergleichbar mit einem kleinen Holzsplitter in der Haut.

Allfällige winzige Überreste der Zecke beseitigt der Körper in aller Regel von selbst.

Denn etwaige Krankheitserreger befinden sich im Darm und in den Speicheldrüsen der Zecke, und die wiederum sind in ihrem Körper, den man ja entfernt hat – je rascher, umso besser. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie Ihre Kinder nach dem Spielen im Freien oder spätestens vor dem Zubettgehen auf Zecken absuchen. Oft krabbeln die Tierchen noch eine Weile auf dem Körper herum, bevor sie zustechen. Das tun sie am häufigsten in den Kniekehlen, Leisten und Achselhöhlen, bei Kindern auch im Bereich der Haare. Das «New England Journal of Medicine» hat letztes Jahr sogar von einer Zecke auf dem Trommelfell im Ohr eines Neunjährigen berichtet – zum Glück eine Rarität. 

Abgesehen von den Zecken in der Haut, gibt es noch diejenigen, die «ausgelutscht» werden. Der klassische Hergang: Ein Hund im Haushalt, eine «reife» Zecke, die von ihrem vierbeinigen Opfer abfällt, ein Kleinkind, das diese Zecke herumliegen sieht … und nachher von den Eltern mit blutigem Mund gefunden wird. Beruhigend ist immerhin, dass bisher kein Fall bekannt ist, bei dem sich ein Kind so mit Borreliose oder FSME angesteckt hat.

So entfernen Sie die Zecke

Um eine Zecke von der Haut zu entfernen, eignet sich eine «Zeckenkarte». Sie ähnelt einer Checkkarte mit einem kleinen Schlitz an einer Ecke. Sie können die Zecke aber auch einfach mit den Fingernägeln greifen oder mit einer Pinzette (das Tier dabei möglichst nicht quetschen). Und dann?

Die Stichstelle desinfizieren, das Datum notieren und sich daran erinnern, falls im Nachgang Symptome auftreten (Hautausschlag, grippeähnlicher Infekt). Die kostenlose App «Zecke» dient als Erinnerungshilfe und informiert auch zu den wichtigsten Punkten.

Allfällige winzige Überreste der Zecke in der Haut beseitigt der Körper in aller Regel von selbst. Nur falls es zur Entzündung käme, müssten Sie etwas unternehmen. Ich habe das aber noch nie bei einem Patienten gesehen. Theoretisch können Zecken diverse Krankheitserreger übertragen, die häufigsten sind die zu den Bakterien zählenden Borrelien sowie die FSME-Viren. Hier finden Sie weitere Informationen, zum Beispiel zur Häufigkeit dieser Erkrankungen.

Wichtig: Die Zecke nach dem Entfernen auf Borrelien untersuchen zu lassen, bringt nichts, ausser Kosten. Denn der Test sagt nichts darüber aus, ob Borrelien übertragen wurden, falls die Zecke welche in sich trug. Ausserdem werden manche Zeckenstiche nicht bemerkt, eine Infektion könnte also auch von einer anderen, nicht getesteten Zecke herrühren.

Typischer Hautausschlag und Impfung

Rötet sich die Haut nach einem Zeckenstich nur ein bisschen, wie bei einem Insektenstich, gilt das nicht als Borreliose. Der klassische Borrelienausschlag ist eine im Durchmesser mindestens fünf Zentimeter grosse Rötung, die sich allmählich ringförmig ausbreitet. Die Haut ist dort weder überwärmt noch geschwollen. Zudem juckt die «Wanderröte» typischerweise nicht. Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung, aber – sollte es dazu kommen – wirksame Antibiotika.

Gegen die Hirn- und Hirnhautentzündung (FSME) gibt es eine Impfung. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt sie allen Personen, die «in einem Risikogebiet wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten». Dazu zählt mit Ausnahme des Tessins und des Kantons Genf die gesamte Schweiz.

Prinzipiell können auch Kleinkinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr gegen FSME geimpft werden, das Risiko für schwere FSME-Erkrankungen ist bei ihnen jedoch zum Glück klein: Unter den insgesamt 2031 in der Schweiz registrierten Erkrankungsfällen in den letzten zehn Jahren betrafen 32 Fälle Kinder unter fünf Jahren. Deshalb empfiehlt die EKIF die FSME-Impfung im Allgemeinen erst ab sechs Jahren. Falls Sie dennoch unsicher sein sollten, besprechen Sie diese Punkte am besten beim nächsten Besuch mit Ihrem Kinderarzt.

Alles Gute,

Martina Frei

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