Sind schlechte Schüler wirklich schlecht?

Kinder, die in der Schule Mühe haben, stellen ihre Eltern vor Herausforderungen. Was hilft – und wie man seinen Nachwuchs am besten unterstützt.

Es sind nicht wenige, die an einer Lernschwäche leiden: Eine Teenagerin verzweifelt am Schulstoff. Foto: iStock

Ein schulisch schlechtes Kind vergleicht sich mit anderen und stellt fest, dass seine Leistungen nicht mit den Erwartungen der Umwelt, sprich jener der Eltern und Lehrer mithalten können. Es fühlt sich als Versager. Tag für Tag. Dabei sind es die Schüler, die es zu bewundern gilt, dass sie diese Mühsal tagtäglich auf sich nehmen, es immer wieder erneut versuchen – auch wenn nicht wenige von ihnen innerlich bereits abgeschlossen haben mit der Schule.

Die Gründe für leistungsschwache Schüler sind vielfältig. Nicht immer lassen sie sich leicht abspeisen mit lapidaren Aussagen und Vermutungen wie: «Die sitzt halt zu viel vor der Glotze», oder: «Der ist nur faul, der Bub.»

Aber eine Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder eine LRS (Lese-Rechtschreibe-Schwäche) lässt sich nun mal nicht wegtherapieren; es lassen sich höchstens Methoden einüben, die das Verständnis von Zahlen und Buchstaben fördern. Auch ein ADHS lässt sich selbst mit Medikamenten nicht wegradieren. Sauerstoffmangel bei der Geburt und andere Geburtsschäden sind irreparabel und können sich nachweislich negativ auf die intellektuelle Leistung auswirken. Tatsache ist: Es gibt diese Kinder – und es sind nicht wenige, die an einer Lernschwäche leiden oder kognitiv nicht mithalten können.

Zwischen schlechtem Gewissen und Zukunftsängsten

Gerade dieses Unwissen und das Unverständnis in unserer Leistungsgesellschaft lassen manche Eltern verzweifeln. Wo bleibt ihr Vertrauen ins viel beschworene «Alles wird gut»? Wo bleibt die Gelassenheit, und warum lässt es sich so schwer ertragen, wenn das eigene Kind in der Schule nicht zurechtkommt?

Es gibt Eltern, die sich selbst als Versager erleben, und zwar in Bezug auf ihre Erziehung. Sie quälen sich mit dem Gedanken, selber schuld an der schulischen Misere ihrer Kinder zu sein. Das schlechte Gewissen schlummert unter dem Kopfkissen und lässt die elterliche Seele des Öfteren schlecht schlafen. Gedanken kreisen: Haben wir zu viel Druck ausgeübt? Haben wir es schleifen lassen? Sie fragen sich, warum sie sich schämen und es hassen, wenn die Frage aufkommt, wie es ihrem Kind in der Schule geht. Oder schlimmer noch, wenn Zeugnisnoten bei Kaffee und Kuchen in der elterlichen Runde besprochen werden! All dies zerrt an den Kräften.

Eltern von «schlechten» Schülern gehen einen schmalen Grat.

Andere Eltern wiederum plagen vor allem Zukunftsängste. Es sind liebende Eltern, wie alle. Und liebende Eltern haben die Zukunft im Auge. Sie befürchten, dass alles bachab geht, die Kinder den Übertritt in die Sek A nicht schaffen, keine Lehrstelle finden, auf der Strasse landen. Diese Angst ist nicht unbegründet, sind die Anforderungsprofile für etliche Berufe doch enorm hoch.

Ja, Eltern von «schlechten» Schülern gehen einen schmalen Grat. Ständig stehen sie wie Kaffeefiltermaschinen den Forderungen der Schule gegenüber, indem sie versuchen, den Druck und den Schulstoff zu filtern und in verdünnter Form ihren Kindern zu verabreichen. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, Verständnis gepaart mit Beharrlichkeit, eine Engelsgeduld und Nerven wie Drahtseile. Eltern, die Schulkinder haben, welche eben nicht als Selbstläufer durch die Schuljahre flutschen, können ein Lied davon singen. Und eine Arie auf den Hausaufgabenstress dazu.

Was also können diese Eltern Gutes tun, für sich selber und für ihre Kinder?

  • Für das Kind körperlich, emotional und moralisch zur Verfügung stehen.
  • Auf Dauerpredigten und Drohungen verzichten.
  • Zuversicht ausstrahlen anstatt Schreckensszenarien entwerfen!
  • Niemals dem Kind abnehmen, was es selber kann!
  • Weniger Lernstoff abfragen, sondern mit dem Kind über Gott und die Welt reden – auf diese Weise also sein Interesse wecken.
  • Sich selber mal auf die Schulter klopfen. Ihr täglicher Einsatz ist eine Leistung.
  • Das Gefühl der Wertschätzung auch einem Kind vermitteln, welches schulisch nicht top ist.
  • Richten Sie Ihr Augenmerk auf die momentanen Interessen Ihres Kindes!
  • Schaffen Sie Situationen, in denen es Anlass zur Freude und zum Lachen gibt.
  • Sorgen Sie für Erfolgserlebnisse. Fördern Sie die Stärken Ihres Kindes!
  • Hadern Sie nicht. Denken Sie: Wer weiss, wofür es gut ist! Sie werden an Ihrer Lebensaufgabe wachsen und reifen – wie Ihr Kind!

Und das Allerwichtigste: Bleiben Sie ihrem Kind nahe! Bemühen Sie sich, es als Ganzes zu sehen, nicht nur als Schüler.

Lassen Sie es nicht zu, dass Aussenstehende oder die Gesellschaft ihr schulisch schwaches Kind als minderwertig betrachten. Stehen Sie für ihr Kind ein. Es verdient die gleiche Anerkennung wie Gymischüler. Erfahrene Wanderer wissen: Geradlinige Wege sind langweilig und monoton. Eine Wanderung über Stock und Stein, Hindernisse, Umwege und Abzweigungen: Davon lässt sich später spannend berichten. Letztlich führt jeder Weg irgendwann irgendwo hin. Irgendwie.

Und zum Schluss folgendes Zitat für die Kühlschranktür von Stacia Tauscher: «Wir sorgen uns, was morgen aus unserem Kind werden wird, dabei vergessen wir, dass es heute schon jemand ist.»

Weitere interessante Postings:

53 Kommentare zu «Sind schlechte Schüler wirklich schlecht?»

  • hugentobler sagt:

    nicht alle, die in diesem unserem schulsytem nicht reüssieren, sind „lernbehindert“. es gibt eben auch das andere ende der skala:
    das kind langweilt sich fast zu tode in der schule und sieht (mit recht) nicht ein, dass es all „da züügs“ machen soll, obwohl es das ja längstens kann. vor jahren gab es bloss „mehr desselben“ statt wirklich interessanter aufgaben.
    seinerzeit allerdings auch wehrten sich lehrer, direktorin und schulpsychologe vehement gegen einen klassensprung.
    es blieb nur, den sohn aus der schule zu nehmen. nach zwei jahren „erholung“ vom hiesigen druck (bore-out!), in summerhill, hat er hier in der schweiz sein abitur gemacht und studiert. und ist heute wohlbestallter wirtschafts-ingenieur.

  • JOHANN KREBS sagt:

    Das Scheizerschulsystem versagt da es nur Eliten heranzuechten will. Als bestes beispiel gebe ich hier an wie es mir damals ergangen war als man mir erklaehrte mit 16 Jahren dass ich null Akademischebegabung habe und nur ein Handwerk erlernen kann. Na ja, nach der Berufslehre (sprich billig arbeiter fuer 12Std/Tag/6.5Tage/Woche in Milchwirtschaft) habe ich mir das Geld zusammen getan und bin nach USA auf ein Community College und Universitaeten gegangen und habe ein Studium in Agriculture-Tropical Agriculture sogar mit Agribusiness Master abgeschlossen. Kurz nicht allen bekommt das Schweizersytsem im ersten schub. Und den Eltern kann ich nur sagen gebt nicht auf und findet wege dem Verkorcktsensytem aus dem wege zu gehen und foerdert die Jungen mit viel Geduld und Verstaendnis.

    • Lukas Maurer sagt:

      Bezüglich „Eliten züchten“ würde ich widersprechen. Hochbegabte leiden ebenfalls in unseren Schulen. Unser Schulsystem züchtet gutes Mittelmass. Und wer in dieses Mittelmass nicht reinpasst, hat ein Problem. Und die Schule schafft es immer wieder, den Familien einzureden, dass das Kind das Problem sei oder habe.
      Als Pfarrer habe ich regelmässig mit jungen Menschen am Schluss der obligatorischen Schulzeit zu tun. Und es macht mich immer wieder traurig, dass es junge Menschen gibt, v.a. junge Frauen, die der Schule glauben, sie seien dumm. Ich gebe mir jeweils Mühe, sie von diesem „Lernerfolg“ zu befreien, aber es ist schwierig, gegen 9 Jahre Schulerfahrung anzukommen.
      Es gibt allerdings auch Lehrkräfte, die Menschen sehen und nicht schwache Schüler. Diesen möchte ich hier danken.

      • Sportpapi sagt:

        Man kann auch Mensch sein UND ein schwacher Schüler. Und dann geht es darum, was man aus dieser Ausgangslage machen kann.
        Was bringen Sie denn diesen jungen Menschen bei, die aufgrund schlechter Schulleistungen vielleicht in einem schlechten Job gelandet sind?

  • Elisabeth Waclowsky-Grosch sagt:

    Ich bin immer wieder erstaunt, dass nirgends davon die Rede ist, dass man „richtiges“ Lernen lernen kann. Ich habe Kindern in Grundschulen, an Gymnasien und später Studierenden an der Uni gezeigt, was lerntypspezifisches Lernen heißt und konnte sehen, wie schnell es geht individuelles Lernverhalten zu ändern und erfolgreich zu werden. Das ist kein Hokuspokus und erfordert auch keine „harte Arbeit „. Hier geht es um das lerntypspezifische Erlernen und Anwenden von Lerntechniken und Lernmethoden. Jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder Erwachsenen kann das lernen! Das weiß ich, weil ich 35 Jahre lang intensiv mit unzählig vielen Schülern, Studenten und auch Eltern gearbeitet habe.

  • Doris Reist sagt:

    Bildunterschrift „…Eine Teenagerin…“ Ein Teenager ist sprachlich immer männlich; hört doch bitte mal mit den Anglizismen auf und schreibt schöner, beispielsweise von einem Mädchen oder einer Jugendlichen.
    .
    Die Verwendung elektronischer Geräte mit Internetzugang, stationär und mobil, kann Menschen in der Entwicklung beeinträchtigen, ablenken und sogar bleibend schädigen; beim leider meist übermässigen Konsum, mit zusätzlicher totaler Abschottung vom richtigen Leben mittels Kopf- oder gefährlichen Bluetoothohrhörern, hat die Mutation zum Cyborg freie Bahn und diese vegetieren dann angeschlossen an der Technokratiesteuerung der Elon Musks und Konsorten als transhumanoide Sklavenmarionetten durch ihr erbärmliches Leben. So gesehen ist Schulbildung grundsätzlich unnötig.

  • Eva D sagt:

    Einmal mehr: Es gibt auch Kinder, die haben (noch) keine Stärken. Der Gedanke, X ist in a „schlecht“, kann dafür b besonders gut, ist eben schon an der Wurzel falsch. Und dann gibt es noch Kinder, die sind in allen schulischen Fächern „schlecht“, haben aber eine überdurchschnittliche Sozialkompetenz, die ja leider nicht benotet wird.
    Die Kunst ist, das Kind zu stärken und ihm trotzdem das Gefühl zu geben, wertvoll zu sein.

  • 13 sagt:

    Danke für das Thema. Es ist tatsächlich eine Herausforderung, das Kind einerseits zu fördern/unterstützen, weil man sich ja wünscht, dass es eines Tages auf eigenen Füssen stehen kann und dafür eine Berufsausbildung notwendig ist und andererseits es zu bestärken, dass an ihm nichts Falsches/Schlechtes ist und damit das Selbstbewusstsein aufzubauen. V.a. dann, wenn das Kind selber ja sieht, dass es vielen anderen, vielleicht sogar den besten Freund*innen oder Geschwistern, leicht fällt. Erst recht vielleicht dann, wenn die Eltern selber negative Erfahrungen gemacht haben und das Kind schützen wollen. Nicht alle Begabungen sind schulrelevant und wenn die Stärken eines Kindes in dem Bereich liegen, der nicht bewertet wird, so ist es an den Eltern, ihm diese vor Augen zu führen. Immer wieder.

    • 13 sagt:

      Allerdings macht es m.E. das heutige, sehr intransparente Schulsystem den Eltern schwer, Unterstützung zu bieten oder auch nur zu erkennen, ob und wo ein Kind Probleme hat.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Was meinst du mit dem heutigen instransparenten Schulsystem? Noch nie hatten die Eltern so viel Einblick wie heute, noch nie mussten die Eltern so viele Lernkontrollen unterschreiben wie heute, noch nie hatten wir so viele Elterngespräche etc.
        Die Zeiten, die ich selber erlebt hatte, als ein einzelner Lehrer mit der Klasse im Klassenzimmer verschwand, und dann halbjährlich auf undurchsichtige Art irgendwelche Zeugnisse aus dem Ärmel geschüttelt wurden, sind definitiv vorbei.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ich habe einmal mehr keine Ahnung, wovon du sprichst. Wir haben ein Gespräch pro Jahr, wie zu meiner Schulzeit auch. Ich muss alle Tests unterschreiben, wie meine Eltern auch. Jedoch ist es manchmal schwer herauszufinden, welche Prüfungen nun zählen und welche nicht und was sonst noch zählt. Die Zeit von Notendurchschnittsrechnungen am Kühlschrank ist definitiv vorbei. Uns hat früher keine Zeugnisnote auch nur im mindesten überrascht. Sport vielleicht ausgenommen. Dazu kommen noch Lehrmittel, wo fleissig hin und her gesprungen wird und viele Gruppenarbeiten, wenige Hausaufgaben. Ich finde das nicht per se schlecht, aber halt intransparent. Vielleicht sehen aber Eltern, die Lehrpersonen sind, besser durch. Kann sein, wobei Freunde von mir anderes berichten…

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Ich habe einmal mehr keine Ahnung, wovon du sprichst.“ Ja, so ging es mir bei deinem Beitrag auch, deshalb habe ich die Punkte ja ausgeführt.
        In meiner Primarschulzeit, z.B. Mittelstufe, hatte ich nie Hausaufgaben (in der Schule erledigt), nie als solche deklarierte Prüfungen und schon gar keine benotete. Heute unterschreibe ich praktisch täglich irgendwelche Leistungskontrollen (haben meine Eltern nicht einmal im Gymnasium gemacht), und am Elterngespräch wird detailliert aufgeführt, was läuft. So sehr, dass sich ja manche ärgern, dass ihre Kinder immer in Beobachtung stehen.
        Dass heute mehrere Lehrpersonen da sind und sich auch gegenseitig kontrollieren, dass Elternmitsprache massiv ausgebaut wurde, kommt noch dazu. Selbst über den Lehrplan wird öffentlich debattiert.

      • Sportpapi sagt:

        Zu den Lehrmitteln kann ich nichts sagen, weiss aber auch nicht, warum das relevant sein soll. Aber Hausaufgaben haben meine Jungs meist genug. Und auch hier: es wird ja so häufig bemängelt, dass Hausaufgaben zu viel und nicht mehr zeitgemäss sein.

      • 13 sagt:

        Hmm, dann gingst Du definitiv an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit als ich in die Schule. Ich hoffe aber, Du glaubst mir, dass im Kt. Bern in den 90er-Jahren Tests stattfanden, diese benotet retourniert und von den Eltern unterschrieben wurden. Im Gymnasium nicht, für das UG kann ich nicht sprechen. Ich konnte jederzeit meinen Schnitt ausrechnen und es wurde höchstens beim runden noch allgemein bewertet. Ich wusste gerade in der Sek (5.-9. Klasse), wieviele Tests es pro Semester gibt und wie gezählt wird, zählen gewisse doppelt, gibt es Streichnoten etc. Das alles gibt es heute auch Kt BE so nicht. In gewissen Fächern (letztes Jahr, 4. Kl. NMG) gibt es 2 Tests fürs ganze Jahr. Hausaufgaben hatten wir auch, eher mehr als heute.

      • 13 sagt:

        ZU den Lehrmitteln. Hier gibt es neu das Mathewelt. Kennst Du das? Mir gefallen die Aufgaben an sich schon, aber dieses Punkte-System finde ich völlig unlogisch, v.a. da es eben nicht wie anzunehmen wäre, 1 Punkt 3. Klasse, 2 4. Klasse etc. ist. Vom Mille Feuille will ich gar nichts mehr sagen. Insgesamt gibt es aber fast überall eine wilde Mischung zwischen dem Lehrmittel, das angegeben wird und kopierten Arbeitsblättern, dass ich es schwer finde, die Übersicht zu behalten. Und nicht nur ich, ich höre als Rückmeldung vieler Eltern, dass die SuS damit Mühe haben, mein Kind auch. Aber eben, das sind meine persönlichen Erfahrungen. Mag sein, dass es nicht überall gleich läuft.

      • 13 sagt:

        Und zuletzt: Ich will nicht alles schlecht machen. Ich finde viele Änderungen gut, auch die Abnahme der Hausaufgaben oder individuellere Pläne, selbst 2-Jahrgangs-Klassen etc. Ich glaube, dass der grösste Teil der Kinder heute lieber zur Schule geht als zu unserer Zeit. Ich würde mir manchmal einfach etwas mehr Übersicht und Struktur wünschen. Angefangen mit einer „normalen“ Agenda anstatt ein Sammelsurium von Merkblättern, Hausaufgabenheften etc.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich glaube dir alles, was du berichtest. Aber es entspricht nicht meiner Erfahrung. In der war früher die Schule, und insbesondere das Klassenzimmer, eine Blackbox. Heute wird sehr viel mehr kommuniziert und Rechenschaft abgelegt. Aber das wird von den Eltern ja auch verlangt.
        Aber es stimmt, in der Primarschule in Zürich heisst es explizit, dass die Zeugnisnote nicht das Resultat der Prüfungsleistungen darstellen soll, sondern weitere Aspekte berücksichtigen. Unter dem Stichwort Kompetenzorientierung eigentlich logisch. Früher gab es dafür noch die „mündlichen“ Noten, die nicht Qualität, sondern Verhalten (viel Aufstrecken!) bewerteten.
        Aber ja, aktuell ist viel Chaos, wegen Integration, Individualisierung und den vielen Teilzeitpensen.

      • 13 sagt:

        Dann wäre es doch schön, deine Erfahrung als diese zu benennen anstatt als Fakt 😉 .
        Ich hatte in meiner Schulzeit keine einzige mündliche Note, mit Ausnahme von mündlichen Tests und Vorträgen logischerweise. Fleissnoten gab es nur für schön geführte Hefte. Und diese Noten zähltem je nach Lehrperson halb oder nur als Rundungsnote.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Dann wäre es doch schön, deine Erfahrung als diese zu benennen anstatt als Fakt.“
        Ähm: Du hast doch das „heutige, sehr intransparente Schulsystem“ als Fakt hingestellt. Ich habe ein paar Argumente geliefert, warum ich diese Einschätzung nicht teile. Aber vielleicht ist ja in Bern wirklich alles anders, und die Uhren laufen quasi rückwärts.
        Die Bildungsdirektion beschreibt das allerdings ganz anders – die kompetenzorientierte Beurteilung sei förderorientiert, passend zum Unterricht, transparent und umfassend.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Das „m.E.“ ging bei deinem Zitat verloren…absichtlich?
        Und ja, logisch, eine Behörde beschreibt ihre Arbeit wohlwollend. Alles andere würde mich auch überraschen…ich spreche die kompetenzorientierte Beurteilung auch nicht ab, auch nicht dass sie förderorientiert ist, sondern dass ich es schwieriger finde, sie nachzuvollziehen, als meine Eltern zu einer Zeit wo man einfach 11 von 20 Punkten brauchte, um eine 4 zu haben, und das dann linear runter und raufgezählt wurde. Und wo eine 4 und eine 5 eine 4,5 als Zeugnisnote ergaben und nicht unter Berücksichtigung zusätzlicher Kriterien, die man nicht kennt, irgendwas zwischen 4 und 6. Oder gar einfach ein leeres Zeugnis, weil Beurteilungen nicht mehr alle 6 Monate abgegeben werden.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Das m.E. habe ich, meiner Meinung nach korrekt, nicht auf das intransparente Schulsystem bezogen, sondern diesen Fakt „m.E.“ als Grund für das andere.
        Sonst hättest du das m.E nach dem „das“ platziert.
        Aber gut, das andere kann ich nachvollziehen. Es gibt ja immer mehr Druck zur Abschaffung von Noten und Bewertungen, gleichzeitig Wunsch nach ganzheitlichen Bewertungen. Da gehen halt die Meinungen auseinander. Persönlich halte ich auch viel von absolut transparenten Bewertungen. Wie wir das auch erleben, zumindest in der Klasse, in der das dann auch relevant ist (vor Übertritt).

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ich sehe es eher so, dass alles, was nach dem m.E. kommt, eben mein Erachten ist, aber ok. Wir haben es ja geklärt. Ich kenne die Diskussionen, kann sie auch nachvollziehen und kann auch keine super Lösung präsentieren.
        „Persönlich halte ich auch viel von absolut transparenten Bewertungen. Wie wir das auch erleben, zumindest in der Klasse, in der das dann auch relevant ist (vor Übertritt).“
        Das tönt doch gut. Meine Älteste ist in der 5., d.h. was jetzt gerade ist, ist übertrittsrelevant und ich kann das für uns leider nicht unterschreiben. Dass es in den tieferen Klassen so ist, stresst mich gar nicht. Da dürfen sie meiner Meinung nach noch etwas reinwachsen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wir hatten Elterngespräch einen Tag vor Notenabgabe, die verbindlich war für Übertritt ans Gymnasium. Der Klassenlehrer rechnete und sämtliche Schnitte vor und seine Möglichkeiten damit, hatte aber noch zwei Korrekturen offen. Am nächsten Tag kamen auch die zwei Prüfungen noch, inklusive definitiver Gesamtnote.
        Für mich klar, dass man in dieser heiklen Situation sich nicht angreifbar macht, und sich auf die Notenschnitte stützt (und höchstens mal aufrundet).

  • Hanspeter Fischer sagt:

    Kinder sind nach wie vor Kinder.
    Auch ich war mal ein Kind mit vielen Zweifeln und was sagte meine Mutter zu mir „Wenn du denkst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ Das war alles.
    Ich hoffe doch, dass der Kindern heute mehr Verständnis und Zuwendung entgegen gebracht wird. Die Psychologie ist heute auch weiter.

  • Ralph Geh sagt:

    Manchmal liegt es auch schlicht am Lehrpersonal, das bei den Schülern nicht die notwendige Begeisterung (v.a. Bei Mathematik) hervorrufen kann. Bei unserem Sohn gesehen. In der Sek noch Nachhilfeunterricht. Jetzt gibt er selber solchen und will Math studieren. In der BM sogar Bestnote. Warum? Weil der Lehrer ihn für Mathematik begeistern konnte.

  • Christoph Daum sagt:

    Jedes Kind hat seine Stärken, diese gilt es zu entwickeln und besonders bei der Berufswahl zu berücksichtigen. Gute Lehrpersonen verstehen es, in einer Klasse dafür zu sorgen, dass jedes Kind seinen Platz hat und akzeptiert wird. Kinder erfahren schon sehr bald, dass leider die Talente nicht gleichmässig verteilt sind, das wird im Leben so bleiben. Sie lernen aber auch, dass die intellektuelle oder handwerkliche Fertigkeit nicht den Menschen ausmachen, sondern sein Wesen, seine Kameradschaft, seine Kollegialität. Akzeptanz der Kolleginnen und Kollegen, sowie die der Erwachsenen stärken das Selbswertgefühl ungemein und sorgen dafür, dass sich auch ein weniger begabtes Kind als vollwertiger Mensch erlebt und als Erwachsener glücklich durchs Leben gehen kann.

  • Maike sagt:

    In der Schule zeigt es sich zum ersten mal deutlich, ob jemand mit den aktuellen Normen mithalten kann oder nicht. Klar ist Rechnen, Schreiben und Lesen wichtig in unserer Gesellschaft. Aber für den Einen reichen die Grundkentnisse und die Andere benötigt HighEnd Kentnisse, weil sie auf den Nobelpreis in Mathematik aus ist.
    Die Schule ist mit dem derzeitigen Model – 20 Kinder in einer Klasse auf ähnlichem Niveau – ziemlich gekniffen.
    Ich finde, das sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen guten Job macht. Wichtig fände ich, das es generell mehr Lehrkräfte gibt, so das diese auch Zeit finden, Schüler am oberen und unteren Rand besser zu betreuen. Und vor allem, denen am unteren Rand Selbstvertrauen zu vermitteln, das sie nicht doof sind.
    Wären alle Zahnärzte, wer repariert dann was ?

  • Röschu sagt:

    Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch – und somit auch jedes Kind – in (mindestens!) einem Bereich eine spezielle, überdurchschnittliche Begabung hat. Die Frage ist, weshalb wir als Gesellschaft nach wie vor hauptsächlich die Meinung vertreten, dass Generalismus besser als Spezialismus sei.

    • Michèle Pine sagt:

      Was heisst „ein schulisch schlechtes Kind“?
      Damit, mit solchen Bezeichnungen, entlarven sich doch die Verurteilungen, welche weiter unten den Anderen angekreidet werden?

      KEIN Kind ist schlecht.
      Einige können weniger gut rechnen, andere haben mehr Mühe mit Texten. Selten beides zusammen.

      Und alle, jedes, kann irgendetwas besonders gut.

      DAS sollte dem Kind beigebracht werden. Und nicht, dass es sich überall vergleichen soll, es überall verglichen wird.

      Mindestens ein Elternteil kennt die harzigen Schulfächer noch von sich.
      Meistens. Und vielleicht auch die Scham, weil sie deswegen abgewertet wurden.
      Das wollen sie ihrem Kind ersparen.

      Es beginnt mit der Wortwahl und endet bei Akzeptanz und Liebe.

    • Sportpapi sagt:

      @Röschu: Die Überzeugung ist schön. Aber lässt sich das irgendwie auch belegen? Wobei ich eher auf speziell, als auf überdurchschnittlich abziele.
      Ich erinnere mich an den erfahrenen Reallehrer, der mir schon vor Jahren erklärte, dass die Erwartung, dass schlechte Schüler dafür besser im Handwerk wäre, überhaupt nicht stimmt. Und auch im Sport – Ausnahme wohl Fussball – sind viele gute Sportler auch in der Schule erfolgreich.

      • Röschu sagt:

        @Sportpapi
        Ein allgemeingültiger Beleg/Beweis dürfte zugegebenermassen in dieser Frage nur sehr schwer zu erbringen sein. Evtl. gerade weil die Spezialisten-Begabung oft unerkannt bleibt, weil sie mit mutmasslich wichtigem Generalwissen zugeschüttet und im Keim erstickt wird?
        .
        So gibt es z.B. in meinem Umfeld gleich mehrere Personen, die heute auf Ihren Musik-Instrumenten zu den Besten in der Schweiz gehören und die früher von Schule/Eltern/Gesellschaft als „ganz schwache Schüler“ abgestempelt wurden…
        .
        Letztlich geht es darum, dass es mMn besser ist die Stärken konkret zu fördern, wo hingegen in der Praxis (zu) oft nur auf den Schwächen herumgehackt wird.

      • Sportpapi sagt:

        @Röschu: An den Einzelfällen zweifle ich gar nicht. Ich gehe einfach davon aus, dass es häufig Gründe für schlechtere Schulleistungen gibt, die sich auch auf andere Bereiche auswirken. Und damit meine ich nicht nur Intelligenz, sondern vielleicht auch Interesse, Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz, Unterstützung durch das nahe Umfeld, Einstellungen, usw.

      • Röschu sagt:

        @Sportpapi
        Wir drehen uns – mal wieder – im Kreis…
        Sie sehen die Lösung wie üblich darin, die Kinder so lange zu formen, bis diese ins vorhandene Schulsystem passen. Ich bin der Meinung, dass man durchaus auch mal das System hinterfragen und wo nötig anpassen dürfte.

      • Sportpapi sagt:

        @Röschu: Nein, nicht im Kreis, Sie sind gerade munter in ein neues Feld gesprungen.
        Es ging um das Verhältnis zwischen Generalismus und Spezialismus im Schulumfeld. Ich sagte, dass es Faktoren gibt, die Lern- und Schulerfolge über alle Fächer begünstigen bzw. erklären.
        Systeme hinterfragen ist aber immer eine gute Idee, und wird ja auch laufend gemacht.

    • Balu sagt:

      dieser Meinung ist niemand, eher im Gegenteil. Man muss zwar in der Schule in verschiedenen Disziplinen Mindestanforderungen erfüllen, mehr aber auch nicht. Ich bin Generalist, weil ich keine ausgeprägten Begabungen habe, dh bin in allem durchschnittlich gut – in einigem sogar etwas darüber, aber eine ausgeprägte Stärke habe ich nicht. das machte die Berufswahl nicht unbedingt einfacher, ging also mit wenig Begeisterung an die Kanti nur weil ich mich nicht entscheiden konnte. Mein heutiger Beruf war auch dem Zufall geschuldet. Habe Mitschüler, die genau wussten, was sie wollen, immer beneidet – und tue es noch heute, diese Begeisterung für einen Beruf, der hat mir immer gefehlt.

  • Ruedi Tanner sagt:

    Ich frage mich, was die Autorin mit dem viel beschworenen «Alles wird gut» denn meint?
    Das Leben ist zu allermeisten Zeiten von Zufällen abhängig. Einer der maximal entscheidenste ist unser Geburtsort.
    Somit muss absolut rein gar nichts „gut werden“. Es kommt eben wie es kommt und Gelassenheit stünde hier auch Müttern/Eltern in unserer dekadent verwöhnten Vollkasko-Gesellschaft gut an!

  • Tasch sagt:

    Danke für diesen Artikel.

    In unserer Familie ist LRS (oder Legasthenie, wie es zu meiner Zeit noch hiess?) weit verbreitet. Meine Tante ist quasi Analphabetin, ihr Selbstvertrauen wurde in der Schulzeit zerstört „sie isch ebe chlie es dumms“. Bis heute wagt sie sich an keinen Zeitungsartikel, Textnachrichten sind ein Graus.
    Meine Mutter setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um mir und meinem Bruder Ergänzungsunterricht zu besorgen und übte Stundenlang, Woche für Woche, Jahr für Jahr, mit uns. Anders als die Schule gab sie uns nie das Gefühl, doof oder blöd zu sein.

    …ich hoffe, dass ich die selbe Engelsgeduld aufbringen werde, wenn meine Kinder soweit sind. – und das das Schulsystem über die zwei Generationen etwas besser auf solche Kinder vorbereitet ist.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Danke für den guten Blog.
    Ich outete mich hier mal, dass eines meiner Kinder Mühe in der Schule hat(te) und prompt wurde meine Erziehung in Frage gestellt, ja sogar vorgeworfen, dass es Zusatzkosten wegen Abklärungen verursachen würde.

    Ich habe mich grundsätzlich an ihre oben genannten Tipps gehalten. Bin immer positiv geblieben, habe ermutigt, akzeptiert, manchmal auch gefordert. Dann lernte ich noch, dass ich es nicht zu sehr unterstützen, ihm seine Aufgaben nicht abnehmen darf, übertrug ihm mehr Verantwortung, obwohl es die partout nicht wollte. Und in letzter Zeit holt es auf mit Siebenmeilenstiefeln. Letzthin Klassenbester, Note 6, kann plötzlich Dinge, die es nie konnte und ganz vorsichtig flackert Lebensmut und Selbstbewusstsein auf.

    • tststs sagt:

      1. Jup, Kinder und Jugendlich wachsen an Verantwortung.
      2. Schön, dass der Rank jetzt schon gefunden wurde. Aber auch wenn es noch nicht geklappt hat, kann ich alle beruhigen: Das Schweizer Aus- und Weiterbildungssystem ist so ausgerichtet, dass man auch mit Mitte Zwanzig (sogar mit Ende Dreissig oder noch später) den Rank finden kann.

      Haben Sie alle ein wenig Zutrauen in ihre Kinder (und in ihre Erziehung). Nur weil mit 18 noch kein 5.5-LAP da ist, ist noch gar nichts verloren… ganz im Gegenteil.

      Und noch zuletzt ein Lieblingsspruch zu diesem Thema: Umwege erweitern die Ortskenntnis.

      • Anna Meier sagt:

        Und oft ist es sogar eine Täuschung. Wir kennen Erwachsene, die bis zur 4. Klasse durchschnittlich bis schlecht in der Schule waren und dann auf einmal Bestnoten hatten und studiert haben. An der Intelligenz lag es demnach offensichtlich nicht! Viele Kinder reagieren sehr sensibel auf Druck und blockieren einfach bevor sie überhaupt anfangen können zu lernen.

    • Reincarnation of XY sagt:

      tststs – dass er den Rank schon gefunden hat, wäre etwas übertrieben. Er hat schon früher plötzlich aufblitzen lassen, dass noch mehr in ihm steckt.

      Aber manchmal sind die Gründe eben viel komplexer, warum ein Kind Mühe hat in der Schule.
      Wir Menschen sind nicht alle gleich.
      Aber das verstehen einige Leute nicht. Zum Glück gibt es auch Lehrer und Fachleute, die genauer hinschauen und auch mehr verstehen.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: „Wir Menschen sind nicht alle gleich. Aber das verstehen einige Leute nicht.“ Wie kommen Sie auf diesen Vorwurf? Die Frage ist nur, ob die Lehrperson Ressourcen hat, 25 Kinder völlig individuell zu behandeln. Und wie die LP es schafft, dass auch die Eltern nicht nur am gleichen Strick, sondern auch noch in die gleiche Richtung ziehen. Und doch, vielfach muss die Schule, die LP ausbaden, was zu Hause mit besten Absichten vernachlässigt wurde.
        Letztlich ist es aber das Kind selber, das irgendwann den Knopf aufmachen muss.

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP – ich bezog mich nicht auf die Lehrer, wie kommen Sie darauf? Das tun hier andere…
        Ich habe ja stets betont, wie gut ich mein Kind betreut wusste in der Schule. Wie sehr ich es schätzte, wie einige ich war mit der Beurteilung der Lehrer.
        Mit „viele verstehen das nicht“ meinte ich gewisse Kommentierer hier. A la „schlechte Noten = schlechter IQ“

        Natürlich gibt es auch Kinder, welche von überambitionierten Eltern kaputt gemacht werden. Aber aus diesen Fällen einen simplen Kamm zu machen, über den man alles schert, ist total falsch.
        Es ist so ähnlich wie bei der metoo Debatte, wo die Gegner, aufgrund einiger übertriebenen und falschen Anklagen, die ganze absolut notwendige und berechtigte Bewegung ad absurdum reden wollten.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Pädagogen und Erzieher haben die Aufgabe, dem Kind zu helfen, den Knopf aufzumachen.

        Zudem weiss man heute einiges über psychische Belastungen aufgrund von missbräuchlichen Zuständen im Elternhaus.
        Man weiss von den Schwierigkeiten hochbegabter, Autismusspektrum, ADHS, Legasthenie etc.
        Diese Menschen wurden über Jahrhunderte einfach als dumm, faul oder „will halt nicht“ abgestempelt und die Gesellschaft hat ihnen unrecht getan.
        Eigentlich traurig, dass, obwohl diese Dinge allgemein bekannt sein sollten, es immer noch so viele Menschen gibt, die sich lieber an althergebrachten Sprüchen orientieren.

    • Peter S. Grat sagt:

      „Dann lernte ich noch, dass ich es nicht zu sehr unterstützen, ihm seine Aufgaben nicht abnehmen darf, übertrug ihm mehr Verantwortung, obwohl es die partout nicht wollte. Und in letzter Zeit holt es auf mit Siebenmeilenstiefeln.“

      Sehen Sie Roxy, Sie haben genau das gemacht, worauf ich Sie damals hinweisen wollte: Sie haben Ihr Verhalten und Ihre Art der Erziehung geändert und es ging bergauf mit Ihrem Sohn. Sie haben jetzt selber erlebt, dass Ihr Verhalten und Ihre Erziehung eben doch eine Rolle spielen.

      Ich freue mich daher für Sie und verzeihe Ihnen gerne Ihre damalig „Heuchler-Bemerkungen“ mir gegenüber.

      Wichtiger ist mir, dass Sie was gelernt haben.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Sind sind ein Scherzkeks Herr Grat.
        Dieses „noch mehr Verantwortung übergeben“ war und ist ja gerade eine Vertiefung des Prinzips „auf Augenhöhe“, aufgrund dieser Erfahrungen habe ich ja auch damals geschrieben. Und genau wegen diesem Ansatz mir von ihnen und anderen massive Kritik und Unterstellungen eingehandelt.

      • Peter S. Grat sagt:

        Ruhig, Brauner.

        Ich habe Ihnen doch nichts unterstellt. Ich habe nur die (von mir aus berechtigte) Frage gestellt, inwieweit die Eltern eine Mitverantwortung tragen, wenn ein Kind wegen zu viel Gamen in der Schule den Anschluss verliert (das war die von Ihnen geschilderte Ausgangslage).

        Darauf nannten Sie mich einen Heuchler.

        Und nun haben Sie ja selber erkannt, dass Sie Ihr Verhalten als Vater (?) ändern mussten.

        Dazu gratuliere ich Ihnen.

      • Peter S. Grat sagt:

        Einziger Wermutstropfen ist vielleicht, dass Sie nicht selber darauf gekommen sind, sondern offenbar die Hilfe von Experten brauchten.

        Aber ok, dafür sind diese ja da.

  • Martin Frey sagt:

    Alles gut und schön, nur sollten wir aufhören, ständig Kinder pathologisieren zu wollen nur weil sie eine Lernschwäche haben, kognitiv etwas weniger begnadet oder sonstwie auffällig sind. So gut es Leute mit einem IQ von 130 hat, gibt es auch solche mit einem Wert von 70. Wir tun den Kindern, sofern sie nicht wirklich an einer relevanten Störung oder Pathologie leiden, keinen Gefallen.
    Stattdessen sollten wir das tun, was mE hier wieder mal zu kurz kommt: Das Kind bestärken, sein Selbstwertgefühl versuchen zu festigen (anstatt zu zerstören wie es oft passiert) und ihm aufzuzeigen, dass es nicht nur Qualitäten sondern auch eine Chance hat, wenn es an sich glaubt und hart arbeitet.
    Das Problem schliesst das Elternhaus explizit mit ein, die Hilfe wie auch Teil des Problems sein können.

    • Lina Peeterbach sagt:

      Danke, Martin. Bin mal wieder voll bei dir.
      Es ist sicher nicht einfach zuzugeben, dass das eigene Kind nicht das Hellste ist. Aber permanent einen Stein den Berg hinauf rollen zu wollen bringt meist auch nichts. In meiner Familie wurde in 2 aufeinanderfolgenden Generationen der gleiche Fehler gemacht, mit 2x dem gleichen desaströsen Resultat. Die Erkenntnis, dass wir nicht alle Neurochirurgen werden können und auch nicht müssen, ist ein Prozess, den man zulassen muss. Und nicht bei jedem Kind liegt es an den Umständen. Manche sind einfach nicht so helle. Die Kunst ist es sie genauso wertzuschätzen und zu lieben, und sie auf ihrem Weg zu begleiten, zu unterstützen, zu fo(e)rdern. Sucht nicht nach verborgenen Talenten, sondern nehmt an was ist. Leichter gesagt als getan…

      • Amstutz Hanspeter sagt:

        Grundsätzlich stimme ich dieser vernünftigen Einschätzung gerne zu. Als Lehrer gilt es aber, die vorhandenen Begabungen bei schwächeren Schülern zu suchen und genau da den Hebel anzusetzen. Oft sind diese Möglichkeiten zugeschüttet, weil in der Fülle und Breite der schulischen Anforderungen langsam lernende Schüler längst den Mut verloren haben. Ein Blick in den umfangreichen LP 21 genügt! Lernen ist nur dann sinnvoll, wenn sich Kinder mit Zuversicht und Mut dem neuem Schulstoff zuwenden. Dieser muss für diese Kinder gut überschaubar sein. Wird der Stoff in Verkennung der vorhandenen Möglichkeiten nicht deutlich reduziert, kommt es unweigerlich zum schulischen Zusammenbruch. Verständnisvolle Eltern werden eine Konzentration aufs Mögliche akzeptieren können.

    • Peter S. Grat sagt:

      Auch ich schliesse mich Ihnen an, MF.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.