Eine warme Mahlzeit als Zeichen der Anteilnahme

Die Organisation «Nanas Lunchbox» hilft Familien in schwierigen Zeiten, denen die Zeit zum Kochen fehlt – zum Beispiel, weil ein Kind schwer krank im Spital liegt.

Wie wertvoll das gemeinsame Essen ist, merkt man erst, wenn es nicht mehr stattfindet. Foto: Getty Images

«Something good always comes out of something bad.» Der Spruch klingt beim ersten Hören vielleicht banal. Doch er enthält viel Wahres. Denn wie oft entstehen gerade aus den grössten Krisen ganz wunderbare Dinge? Manchmal sind es sogar richtig grosse Projekte, die wiederum anderen Menschen in schlimmen Krisen helfen. So wie die Organisation «Herzensbilder», über die ich hier im Mamablog bereits einmal geschrieben habe. Oder «Nanas Lunchbox», um die es heute gehen soll.

2012 entdeckte Nannette Keller bei ihrem Sohn geschwollene Lymphknoten und landete schliesslich mit ihm auf der Kinderonkologie-Abteilung des Inselspitals Bern. Diagnose: Leukämie. Der 8-Jährige und seine Eltern verbrachten die folgenden zwei Jahre zu einem grossen Teil im Spital. «Unser Familienleben wurde dadurch völlig auseinandergerissen», sagt Keller. Sie kündigte ihren Job, um sich um die Familie zu kümmern. Um den erkrankten Sohn, aber auch um die beiden Töchter, deren Alltag weiterlief, ja weiterlaufen musste.

Der Familientisch als Ruheinsel

«Was davor normal und alltäglich gewesen war, existierte plötzlich nicht mehr – ein gemeinsames Abendessen zum Beispiel», sagt Keller. Deshalb sei es enorm wertvoll gewesen, dass die Schwiegermutter die Familie in dieser Zeit regelmässig mit warmen Mahlzeiten versorgte. «Einerseits war das Essen natürlich fein, stärkend und eine tolle Abwechslung zu den ewigen Spital-Sandwiches», sagt Keller, «das Wichtigste daran war aber das Zusammensitzen am Esstisch.» Einfach nebeneinandersitzen, plaudern, lachen und einander wieder einmal vom Alltag erzählen – das habe der ganzen Familie unglaublich gut getan.

Nannette Keller mit einer Lunchbox. Foto: PD

Aufgrund dieser Erfahrung hat Nannette Keller 2016 gemeinsam mit Nicole Eisenring und Beatrice Wespi den gemeinnützigen Verein «Nanas Lunchbox» gegründet. Um auch anderen Familien in Krisensituationen solche ruhigen Momente zu ermöglichen, in denen sie neue Kraft tanken können. 

Anfangs war der Verein nur in der Stadt Bern und Umgebung tätig, letztes Jahr wurde das Angebot auf die ganze Schweiz ausgeweitet. «In den vergangenen drei Jahren haben wir mehrere Hundert Familien beliefert», sagt Keller. Wer das Angebot einmal genutzt habe, bestelle oft wieder. «Häufig empfehlen Familien, die den Service schon selber in Anspruch genommen haben, «Nanas Lunchbox» auch weiter oder schenken einer anderen betroffenen Familie ein Essen», so Keller.

Helfen, ohne aufdringlich zu sein

Tatsächlich werden mehr Lunchboxes verschenkt als selber bestellt. Verständlicherweise. Denn wer sich um ein schwer erkranktes Kind oder einen Elternteil sorgt oder gar um ein totgeborenes Kind trauert, kommt gar nicht erst auf die Idee, sich um so etwas Unwichtiges wie eine warme Mahlzeit zu kümmern. «In solchen Situation ist einem nicht bewusst, wie gut ein feines Essen tun könnte», bestätigt Keller. Andererseits sind da Familie und Freunde, die irgendwie helfen wollen, aber nicht wissen wie. «Für sie ist ‹Nanas Lunchbox› ein idealer Weg, ihre Anteilnahme und Unterstützung zu zeigen.»

Wird die Lunchbox verschenkt, kostet das Ganze 20 Franken pro Person plus eine Lieferpauschale von 15 Franken. Bestellt die Familie das Essen für sich selber, bezahlt sie 10 Franken pro Esser und weitere 10 Franken für die Lieferung. Der Preisunterschied ist gewollt, denn oft bringt so eine Krise auch finanzielle Schwierigkeiten mit sich. Was aber ist mit den Familien, die sich auch diese vierzig, fünfzig Franken pro Lunchbox nicht leisten können?

«Es stimmt schon, je nach Situation sind die 10 Franken pro Person bereits ein hoher Betrag, und uns ist bewusst, dass sich nicht alle Familien ‹Nanas Lunchbox› leisten können», sagt Keller. Wer gerne bei ihnen bestellen, den Preis aber nicht bezahlen könne, dürfe sich bei ihr melden. «Wir finden immer eine Lösung.» 

Eine Mahlzeit, zwei Projekte

Zubereitet werden die Mahlzeiten für «Nanas Lunchbox» übrigens von «La Cultina», einem Integrationsprojekt für vorläufig aufgenommene Menschen aus Krisengebieten. Mit einer einzigen Bestellung tut man also gleich an zwei Orten etwas Gutes.

Wer Nannette Kellers Verein unterstützen will, kann dies mit einer einzelnen Spende, einer Gönnerschaft oder als Vereinsmitglied tun. Das Geld fliesst zum grössten Teil direkt an betroffene Familien: Nur dank Spenden können sie die Mahlzeiten für sich selber so günstig bestellen und bekommen jede 5. Lunchbox gratis.

Kennen Sie weitere gemeinnützige Vereine, die Familien in Not unterstützen? Erzählen Sie gerne in den Kommentaren davon.

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