Leb wohl, Kätzchen!

Der Tod eines geliebten Haustiers ist für Kinder – und oft auch für die Eltern – ein Schock. Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit dem Ereignis.
Mamablog

Kinder bauen oft eine spezielle Bindung zu ihren Haustieren auf – entsprechend gross ist die Trauer, wenn ein Tier stirbt. Foto: iStock

Die letzten Jahre habe ich meine Mamablog-Postings nie alleine geschrieben. Da lag immer ein kleines Samtpfötchen neben meinem Laptop, das es sich auf meinen Notizen gemütlich machte und gelegentlich auf die Laptop-Ausschalttaste drückte, sodass vor meinen Augen alles schwarz wurde. Wie oft habe ich über Letzteres geflucht – und wie sehr wünschte ich mir jetzt, dass es auch heute noch geschehen würde.

Vor einer Woche musste unsere 15-jährige Katze eingeschläfert werden. Schon 2017 habe ich hier im Mamablog darüber sinniert, wie es wohl sein wird, wenn eine unserer zwei Katzen eines Tages stirbt. Ob ich mich als Mutter werde zusammenreissen müssen, den Kindern zuliebe. Mich aufs Trösten fokussieren und meine eigene Trauer in dem Moment etwas wegschieben würde. Diese Frage, über die ich damals so intensiv nachgedacht hatte, stellte sich letzte Woche plötzlich nicht mehr. Ich heulte von dem Moment an, in dem mir klar wurde, dass wir unser Büsi jetzt erlösen mussten, und hörte erst wieder damit auf, als ich spät am Abend eingeschlafen war.

Unsere Katze hatte im letzten halben Jahr immer wieder schlechte Phasen gehabt. Es war absehbar, dass ihr Leben nicht mehr lange dauern würde. So hatte ich die Möglichkeit, mit den Kindern immer und immer wieder über den endgültigen Abschied zu reden. Wir sprachen darüber, wie sehr wir sie vermissen würden. Diskutierten, was wohl mit der Seele passiert, wenn der Körper stirbt. Und wir entschieden uns schon vor ihrem Tod für eine Kremation und dafür, dass wir die Asche zurückerhalten möchten.

Emotional bereit ist man nie

So fühlte ich mich einigermassen gut vorbereitet für den Tag, an dem es so weit sein würde. Bloss: Emotionen lassen sich nicht planen, und die Trauer überrollte mich wie eine riesige Welle. Sie war am ersten Tag so übermächtig, dass ich das Gefühl hatte, darin zu ersticken. Trotzdem organisierte ich alles mit dem Tierarzt und holte die Kinder früher aus dem Hort nach Hause, damit sie sich von unserem Büsi verabschieden konnten. Mein Sohn schrieb der Katze noch einen Abschiedsbrief und malte eine Zeichnung für sie: «Die muss sie beide mitnehmen, sie müssen mit ihr zusammen verbrannt werden.» 

Dann holte der Papa die Kinder ab, und ich machte mich auf den Weg zum Tierarzt. Zuerst hatte ich vorgehabt, die Katze bei uns zu Hause auf ihre letzte Reise gehen zu lassen, im Beisein der Kinder. Solche Hausbesuche bieten sehr viele Tierärzte an – sie helfen Tieren, die in der Arztpraxis ängstlich werden, und fühlen sich auch für viele Erwachsene schöner an. Doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass das für die Kinder zu viel gewesen wäre. Zu Recht, wie mir meine Tochter ein paar Tage später bestätigte: «Ich glaube, ich hätte nur noch geschrien, dass sie ihr keine Spritze geben dürfen», sagte sie, «darum war es wohl doch besser, dass ich nicht dabei gewesen bin.»

Am Tag danach schauten wir uns gemeinsam Fotos unserer Katze an und druckten unsere Lieblingsbilder aus. Jedes Kind rahmte eines davon ein und stellte es neben sein Bett, damit die Katze zumindest visuell anwesend bleibt. Danach wandten sich die beiden sehr bald wieder anderen Beschäftigungen zu. 

Jeder trauert unterschiedlich lang

Während ich erwartet hatte, sie durch ihre Trauer begleiten zu müssen, geschah vielmehr das Umgekehrte: Mich überkam die Trauer die ersten Tage immer wieder, und die Kinder trösteten mich. Zuerst erschien mir das völlig falsch – schliesslich bin ich die Mama und sollte mich um sie kümmern. Doch dann sagte ich mir, dass ich den Kindern ruhig zeigen kann, dass man auch als Erwachsener seine Tränen fliessen lassen darf. Und dass eben nicht jeder auf die gleiche Art trauert, gleich lang oder zum selben Zeitpunkt. Gerade Kinder trauern nämlich oft nicht am Stück, sondern häppchenweise: Vielleicht haken sie das Thema nach kurzer Zeit ab und spielen wieder fröhlich, dafür beschäftigt es sie plötzlich drei Wochen später vor dem Einschlafen wieder. 

Demnächst werden wir die Asche erhalten und diese in den Ferien im Garten meiner Eltern beisetzen, dort wo schon deren Hund und die Katze meiner Schwester vergraben liegen. Bestimmt werden wir dann nochmals schluchzend auf der Wiese sitzen, uns aber auch an all die schönen Erlebnisse mit unserer Katze erinnern.

Tipps:

  • Seien Sie ehrlich! Kinder können erstaunlich gut mit dem Tod umgehen, solange Sie offen mit ihnen darüber sprechen.
  • Haben Sie keine Angst vor Fragen. Wird das Tier kremiert, will das Kind oft sehr genau wissen, warum man das macht und wie das vor sich geht. Sie können auf Wunsch im Tierkrematorium vorbeigehen und sich dort alles erklären lassen.
  • Geben Sie dem Kind Zeit, sich vom Haustier zu verabschieden. Verstirbt das Tier sehr plötzlich, kann es helfen, wenn das Kind das tote Tier noch einmal sehen und streicheln kann.
  • Ein Abschiedsritual hilft ebenfalls. Vielleicht können Sie das Tier beerdigen, im Garten oder auf einem Tierfriedhof. Oder Sie richten ihm zu Hause eine kleine Gedenkstätte mit Fotos und Kerzen ein.
  • Versuchen Sie nicht, das Haustier möglichst rasch durch ein neues zu ersetzen. Das Kind bekommt sonst das Gefühl, dass Sie seine Trauer nicht ernst nehmen.
  • Schämen Sie sich nicht, auch Ihre Trauer zu zeigen. Hatten Sie selber gar keinen so engen Bezug zum Tier, nehmen Sie die kindliche Trauer trotzdem ernst. Auch wenn diese noch Monate später plötzlich wieder hochkommt.

21 Kommentare zu «Leb wohl, Kätzchen!»

  • Verena Luisa sagt:

    Hallo tststs! Was für herzlose und unsachliche Kommentare! Eine Kremation seines vierbeinigen Kameraden ist ist weder ein Luxus noch sonst was, sondern einfach ein letzter Liebesbeweis einem Wesen gegenüber, das während vieler Jahre zur Familie gehörte. Und wenn da noch jeder sein geliebtes Haustier im Wald vergraben würde, wo kämen wir da hin? und Ihrem Ratschlag gemäss nur 80 cm! Schon mal etwas von Füchsen gehört? Und dass solche Aktionen eigentlich verboten sind?

  • Nicole Lauener sagt:

    Auf unserer Kommode steht gemeinsam mit den Familien- und Kinderfotos auch ein Foto unserer verstorbenen Hündin. Sie war bereits vor unseren Kindern da und für diese dann Spielgefährtin, Trösterin, Streicheltier und einfach unser vierbeiniges Familienmitglied. Ihre letzte Ruhe hat sie bei ihrem Lieblingsplätzchen in unserem Garten gefunden. Für unsere Kinder war es wichtig, dass sie von ihr Abschied nehmen und wir uns an sie erinnern konnten. Wir haben gemeinsam im Fotoalbum die alten Bilder angeschaut und getrauert. Seit bald 5 Jahren bereichert eine weitere Fellnase unser Leben. Es waren die Jungs, welche meinten, unsere verstorbene Hündin wäre uns sicherlich nicht böse, wenn wir unsere Zuneigung wieder einem neuen vierbeinigen Familienmitglied schenken würden…

  • Mina Peter sagt:

    Wir haben im kürzlich auch dasselbe durchgemacht. Es war zwar nicht unsere erste Katze, von der wir uns verabschieden mussten, aber diejenige, die uns allen am nächsten stand. Obwohl das Leiden schon offensichtlich war, und wir uns darauf einstellen konnten, war es hart. Aus ihm Tiermehl machen zu lassen, kam für uns auch nicht in Frage. Auch wir haben ihn kremieren lassen. Am meisten getrauert habe dann ich, und das Kind, von dem ich es weniger gedacht hätte. Ein eingerahmtes Foto – auf dem er friedlich schläft – und eine Kerze haben dem Kind sehr geholfen.

  • asouka sagt:

    Wir wollten vor 35 Jahren mein Meerschweinchen in die Kadaversammelstelle bringen. Mein Vater hat ohne zu zögern eine Kehrtwende gemacht und das arme Tier im nahen Wäldchen verbuddelt. Das war zwar unerlaubt, aber das mit dem Container ging gar nicht. Und Wildtiere sterben auch und bleiben wohl liegen. Beim Hund haben wir es dann organisierter gemacht und diesen kremiert. Das ist wie schon gesagt wurde kein Luxus. Wenn man ein Tier gern hatte, kann man es nicht einfach in die stinkende Mülltonne zu den anderen Kadavern schmeisst. Illegal im Wald ein Loch buddeln ist auch nicht jedermanns Sache und je nach Tiergrösse vielleicht auch wirklich unhygienisch.

  • Vreni sagt:

    Noch schlimmer ist es, wenn ein Tier verloren geht. Wir hatten eine aussergewöhnliche Katze und eines Tages kam sie nicht zurück. Jahre später bereuen wir sie immer noch. Dem Kind muss erklärt werden, dass das Tier in den Himmel gegangen ist, nicht das ganze Tier, sondern seine Seele. Was den Körper angeht, vergraben sie ihn wenn möglich im Garten oder behalten sie die Asche auf.
    Es ist ein großer Schmerz nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Starke Empathie, starkes Gefühl des Abschiednehmens und Vermissens sind durchaus Zeichen grundlegender ‚Humanität‘. Einige Tierhalter hängen aber so an ihrem Tier, dass sie es gar nicht zu diesem Schritt der Euthanasie schaffen und es so noch zu lange unnötig leidet.

  • Beat Hodel sagt:

    Ich mag mich erinnern, gerade gestern auf dieser Seite einen Artikel zum Milliardengeschäft mit dem Luxusleben von Schweizer Haustieren gelesen zu haben. Heute dieser Blog über’s Kremieren der Hauskatze. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meine Katze auch, aber alles hat irgendwo seine Grenzen.

    • Martin Frey sagt:

      Einerseits gebe ich Ihnen recht, Herr Hodel. Andererseits geht es nach meinem Empfinden hier nur am Rande um Pets, sondern vielmehr um das Sterben, und den Umgang damit. Die meisten Pets haben nun mal eine viel kürzere Lebenserwartung als die Menschen, bei denen sie leben.

      • Sara sagt:

        Hier geht es ums Sterben von Pets. Ein himmelweiter Unterschied zum Tod eines geliebten Menschen.

      • Martin Frey sagt:

        @Sara
        Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Ich differenziere selber klar zwischen Pets und Menschen, und stehe gewissen (auch emotionalen) Exzessen vieler Petliebhaber sehr kritisch gegenüber. Viele Menschen haben ja ihre Pets völlig vermenschlicht. Teils werden diese sogar offen höher wertgeschätzt als Menschen.
        Aber selbst ohne dies ist eine Nähe, wie auch Trauer, auf jeden Fall legitim. Ich finde den Text daher gelungen.

      • Vreni sagt:

        Sara : wie grausam.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Lieber Herr Hodel
      Die Alternative wäre die Kadaversammelstelle, wo auch Schlachtabfälle gesammelt und weiterverarbeitet werden. Deshalb ist eine Kremation mMn kein Luxus. (Bei so kleinen Tiere ist die übrigens auch nicht teuer.) Und es geht ja auch darum, dass man sich nochmals in Ruhe verabschieden kann, indem man die Asche vergräbt.

      • tststs sagt:

        Es gäbe da noch die Alternative einer Erdbestattung.
        Gratis und Franko.

      • Anna Meier sagt:

        Liebe Frau Kuster
        Da bin ich voll und ganz bei Ihnen. Ein geliebtes Tier einfach in der Kadaverstelle entsorgen ginge für mich auch gar nicht. Das hat gar nichts mit Luxus zu tun sondern ist der würdige Umgang mit einem Lebewesen auch über den Tod hinaus. Sehr oft geben einem die Tiere viel mehr als so manche Menschen.

      • Jeanette Kuster sagt:

        Das stimmt @tststs, aber das fände ich erstens etwas gruselig. Zweitens gibts auch da Vorgaben: Es ist nur auf Privatgrund erlaubt und das Tier muss 1,2m tief vergraben werden. Nicht ganz so einfach also.

      • tststs sagt:

        Hmmm, was ist an einer Erdbestattung gruseliger als an einer Verbrennung?
        Ganz im Gegenteil, da kann man sogar noch einen eigenen Sarg zusammenzimmern.

        Und ganz ehrlich: Wenn Sie selber kein Privatgrundstück besitzen und niemanden kennen, der Ihnen ein Plätzchen zur Verfügung stellt: Ab in den Wald mit der Schaufel. Da kontrolliert auch niemand, ob es jetzt 1.2m oder doch nur 80cm sind… 😉

      • Martin Frey sagt:

        Nun, tststs, ein gewisses Risiko gehen Sie mit ihren „halblegalen“ Vorschlägen schon ein. Ich verweise dazu nur auf den „Friedhof der Kuscheltiere“. 😉

    • Carolina sagt:

      Herr Hodel, ich meine, es ist ein riesiger Unterschied, ein Haustier mit Designerzeugs auszustaffieren und ihm die Steaks zu grillieren und einem würdevollen Abschiednehmen. Ich kann nicht erkennen, inwiefern die Kremation eines Haustieres ein Luxus darstellen soll. Sind Kinder da, ist es meiner Ansicht nach wichtig, diese ersten Begegnungen mit Sterben und Tod ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen, dass Tiere keine Sache sind, die man einfach entsorgt.
      Der Text und vor allem auch die Tipps decken sich voll und ganz mit meinen Erfahrungen. Wir haben schon viele Hunde und Katzen in den Tod begleitet, und für unsere Kinder waren Rituale und Respekt auch vor dem Sterben eines Tieres sehr, sehr wichtig.

      • tststs sagt:

        Bei aller Liebe, das Kremieren von Haustieren (also nicht einfach auf den Scheiterhaufen werfen zwecks Hygiene) ist wirklich Ausdruck eines Luxus, den man ruhig auch Dekadenz schimpfen kann.
        (Dabei gilt es zu beachten, dass eben gerade solcher Luxus auch ein Zeichen von Moral sein kann)

        Und ich möchte noch festhalten (ich weiss nicht, ob Sie es so gemeint haben, Carolina) dass das Abgeben eines Tieres in der Tierkadaverstelle IMHO alles andere als ein Zeichen von „einfach entsorgt“ ist.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Kultur des Menschen begann mit der Bestattung ihrer Toten vor 70’000- 120’000 Jahren. Davor waren Menschen nur Tiere.

        Das jetzt auf Tiere zu erweitern, erscheint mir historisch rückläufig. Tiere sind keine Sache, aber auch keine Menschen.

        An Tieren erleben Kinder vielleicht das erste Mal die grundsätzliche Endlichkeit von Leben, was bedeutet: Der Tod ist nichts Schlechtes. Wir trauern haute, einmalig, um jeden Tod. Morgen aber nicht mehr.

      • tststs sagt:

        „Das jetzt auf Tiere zu erweitern, erscheint mir historisch rückläufig.“
        Jetzt?!?
        Schon mal was von den alten Ägyptern gehört? Wie da die Reichen und ihre Tiere beigesetzt wurden?

        Aber ja, ich vergass, wir sind im ML-Universum… 😉

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