Raus aus dem «Schämi-Egge»!

«Ich hasse mich, ich bin so blöd»: Strafen haben oft kontraproduktive Folgen. Foto: iStock

«Geh in dein Zimmer und beruhige dich! Komm erst wieder raus, wenn du wieder normal geworden bist!» Oder, etwas vermeintlich sanfter: «Jetzt reichts, du gehst auf den stillen Stuhl. Fünf Minuten sitzen, und dann kommst du dich entschuldigen, wenn du wieder weisst, wie du dich zu benehmen hast.»

«Die Super Nanny» auf RTL oder Erziehungskurse wie «Triple P» haben eine uralte Methode – den «Schämi-Egge» – wieder populär gemacht. Aber auch unter neuen Namen wie «Time-out», «Auszeit» oder eben «stiller Stuhl» bleibt sie veraltet. Und: Gemäss jüngsten Erkenntnissen funktioniert sie nicht. Diese Methoden wurden oft als Notlösungen für Kinder aus total gestörten familiären Verhältnissen erfunden, also nicht als Universallösung für Alltagsprobleme. Sie mögen kurzfristig scheinbar wirken, weil das Kind gebrochen und zum Gehorsam gezwungen wird. Längerfristig aber sind sie kontraproduktiv.

Diese Botschaften empfängt das Kind

Egal, mit welch vermeintlich guten Absichten die Eltern eine solche Strafe aussprechen: Was zählt, ist nicht die ausgesendete Botschaft («Ich meine es ja nur gut!»), sondern nur das, was beim Kind ankommt. Was passiert also bei den oben erwähnten Sätzen?

  • Die kindliche Integrität wird verletzt. Das Kind hört – oder vielmehr spürt: «Etwas stimmt mit mir nicht.»
  • Die Beziehung wird abgebrochen oder zumindest unterbrochen: «Keiner will mich.»
  • Die Wut wird im Stillen bearbeitet. Aggression wird zum Tabu, darf nicht gezeigt werden. Die Wut richtet sich also oft gegen sich selbst, es kann zu Bauchschmerzen bis Selbstverletzungen kommen. Das Kind denkt: «Ich hasse mich, ich bin so blöd.»
  • Strafen (und Belohnungen) nützen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Es gibt auch eine gewisse Abstumpfung, ich brauche also immer mehr (Belohnung) oder Schlimmeres (Strafen). Das kommt beim Kind an: «Ich mache das nicht mehr, weil ich sonst nicht geliebt werde» – wohl die schrecklichste Erpressung für ein Kind.
  • Das Kind lernt keine Lösungsmöglichkeiten und keine Empathie durch den Abbruch der verfahrenen Situation. Vor allem kleinere Kinder brauchen viel Unterstützung, um sich selbst beruhigen oder regulieren zu können. Das passiert beim Kind: «Ich komme da nie wieder raus, es ist alles vorbei!»
  • Es kann ein total falsches Verständnis von Strafe entstehen. Das denkt das Kind: «Ich kann alles machen und sitze nachher einfach auf den stillen Stuhl, dann ist alles wieder gut.»
  • Eltern demonstrieren so ihre Übermacht als Vorbilder, und die Kinder werden versuchen, es gegenüber Freunden und Geschwistern nachzuahmen.

Die Alternative

Kinder brauchen keine «Methoden», sondern authentische Erwachsene. Eltern, die ihre Gefühle äussern. Ganz praktisch übersetzt, könnte das so klingen: «Mir ist es gerade zu laut und zu wild hier in der Küche. Bitte spiel in deinem Zimmer mit dem Xylofon.» – Kind hämmert noch lauter auf das Xylofon ein. «Okay, es scheint so, als könntest du gerade nicht stoppen. Mir ist es aber zu laut, und ich ertrage es keine Sekunde mehr. Ich gehe jetzt kurz raus auf den Balkon.»

Sobald Sie wieder klarer denken können, folgt die Reflexionsarbeit: «Ah, ich bin müde, mein Kopf schmerzt. Mein Kind war am Morgen im Kindergarten, am Nachmittag waren wir im Einkaufszentrum. Es hat wohl einfach schon zu viel kooperiert und kann jetzt gerade nicht mehr.» Gehen Sie jetzt zu Ihrem Kind, nehmen Sie es in den Arm und bedanken Sie sich bei ihm (nicht jedes Kind mag Umarmungen, es reicht auch einfach, auf Augenhöhe zu kommen). Dann wiederholen Sie nochmals, dass es Ihnen zu laut ist.

Auszeit für die Erwachsenen

Wenn Sie es nicht mehr aushalten, spüren, dass Sie gleich Ihr Kind beschimpfen werden oder es gar schlagen: Gehen Sie in einen anderen Raum, schliessen Sie die Tür ab und beruhigen Sie sich. Beruhigungsmöglichkeiten müssen erlernt werden. Wieso nicht in ruhigen Momenten gleich mit dem Kind zusammen? Die Füsse am Boden spüren, sich vorstellen, dass Wurzeln rauswachsen, tiefe Atemzüge nehmen oder von 10 retour zählen? Oder schlagen Sie wie wild auf ein Kissen ein!

Denn wer in solchen Momenten wirklich eine Auszeit braucht, sind wir – die Eltern.

* Nina Trepp berät Familien bei Erziehungsfragen und in Belastungssituationen. Sie bietet in Bern Elternkurse zu Themen wie Grenzen setzen, Umgang mit Konflikten und elterlicher Führung an. Sie ist Mutter eines Sohnes. Dieser Beitrag erschien zuerst im Online-Familienmagazin www.kleinstadt.ch.

175 Kommentare zu «Raus aus dem «Schämi-Egge»!»

  • Fabienne sagt:

    Nina hat in einem Kurs unglaublich viele wertvolle Tipps abgegeben, wie ich meine Kinder gleichwürdig erziehen kann. Die Zeit ist reif um unsere Kinder nicht mehr zu erziehen, sondern durch sie durch liebevolle Beziehung zu begleiten. Man höre sonst einfach mal Prof. Dr. Gerald Hüther zu….!
    Danke Nina für deine Arbeit und viel Erfolg!

  • Silvia sagt:

    Ich habe den Bericht und auch einige Kommentare gelesen. Nun, ich finde es ziemlich erschreckend, wenn ich die negativen lese und ich frage mich dann immer, wie eine Mutter oder Vater, welche ihr Kind über alles liebt so mit ihm reden kann. Ja, ich bin keine perfekte Mutter und ich habe schon mehr als einmal Dinge, welche ich nachher bereut habe, zu meinen Kinder gesagt. Aber es tat mir nachher leid und ich lernte daraus. Ich denke, dass dies der Unterschied ist.

    • Silvia sagt:

      Jedenfalls gerade heute Mittag hatte ich so eine Situation: Kind wollte nicht reinkommen zu Mittagessen.
      Ich hätte ihr drohen, sie an der Hand mitziehen oder was auch immer können.
      Ich entschied mich fürs reden und fürs klare sprechen.
      Sie kam nicht mit, da ihr ihre Bedürfnisse, draussen spielen, wichtiger waren als die Gemeinschaft mir mir.
      Danach ging ich nochmals raus zu ihr und sprach mit ihr. Ohne drohen, aber ich war wütend.
      Sie antwortete: Ich möchte nicht, dass du so mir mir sprichst.
      Ich dachte darüber nach und kam zum Schluss, dass sie recht hat, denn ich möchte auch nicht, dass sie so mit mir spricht.
      Also sprachen wir in einem normalen Ton miteinander, denn auch so kann man sagen, dass man wütend ist und wir traffen zusammen eine Abmachung. So viel schöner als strafen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Silvia
        möglicherweise haben Sie die kritischen Kommentare nicht aufmerksam genug gelesen?
        Wer hat denn geschrieben dass er drohen/wütend sprechen viel besser findet, oder es nur propagierten Ansatz versus das Destruktive gäbe?

        Ich finde es ziemlich erschreckend wie von Befürworterinnen die Bedürfnisargumentation meist nur kindseits gewichtet ist.
        Aber die Kinderwelt findet in einem grösseren Setting statt mit vielen, sich teilweise gegenlaufenden Bedürfnissen. Es ist unsere Verantwortung zu gewichten, und auch dafür zu sorgen dass Ausgewogenheit herrscht, und nicht einfach andere am System Beteiligte dann leiden müssen, weil deren Bedürfnisse- oder auch ganz simple Fixdinge wie Termine usw- übergangen werden.

  • Lisa sagt:

    Oh mann. die ersten 3 „negativen“ Kommentare haben mir schon gereicht. Ich würde sagen: solche Menschen haben keine Lust, ihre vorgefertigte Meinung zu überdenken. Statt dir an denen die Zähne auszubeißen, konzentriere dich doch auf die anderen. <3
    Ich find den Artikel toll! Kurz und präzise.

  • Sarah sagt:

    Liebesentzug als grösste Strafe: Das kommt mir leider allzu bekannt vor. Ironischerweise sind es jene Erziehungsmethoden, die ich selber am schlimmsten fand, die mir nun reflexartig in Stresssituationen auch einfallen. In diesem Licht sind wohl auch viele Kommentare hier zu sehen („Es kann ja nicht sein, dass das falsch war/ist, was ich praktiziere/praktiziert habe/erleiden musste.“) Kognitive Dissonanzreduktion.
    Aber ich bin so froh um solche Artikel, die mich ermutigen, mich weiter um eine gleichwertige Erziehung zu bemühen, auch wenn es der härtere Weg ist (für uns Eltern).

  • Nina sagt:

    Danke für die wertvollen Hinweise! Immer wieder kam ich an meine Grenzen, jetzt verstehe ich, wie es funktionieren kann.

  • corsc sagt:

    Einem Kind hilft der Rückzug ins Zimmer, ein anderes schickt man nach draussen. Einem Kind empfielt man, sich beim Fussballspielen auszupowern, ein anderes beruhigt sich durch Flötespielen.
    Ein Erwachsener neigt dazu auszuflippen und muss lernen Abstand zu gewinnen, ein anderer kann sich nicht durchsetzen, verausgabt sich und muss lernen auf seine Bedürfnisse zu achten. Mit einer Technik kommt man da nicht hin. Das Leben lernt uns immer neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Also gibt es keine absolute Erziehung. Es gibt keine Eltern, die perfekt sind und keine Literatur, die Fehlverhalten von Eltern verhindern kann. Denn durch die gemachten Fehlern und Lösung derer entsteht Entwicklung. Seit nicht so streng mit diesem Job als Mutter / Vater. Wir sind Menschen, keine Roboter…

  • Silke S. sagt:

    Theorie und Praxis funktionieren leider nicht immer gleich. Trotzdem gefällt mir der Ansatz, dass ein Elternteil sich zurückzieht. Mein Tochter hatte mit ca 3 1/2 bis 5 Jahren öfter massive Tobsuchtsanfälle, bei denen ich nicht mehr weiter wusste und ich merkte, dass meine Geduld am seidenen Faden hing. Das Bedürfnis komplett auszurasten war sehr hoch. Ich wandte mich mit dem Problem an unsere wunderbare Kinderärztin, die mir auch riet, mich in mein Schlafzimmer zurückzuziehen und ins Kissen zu schreien oder zu schlagen oder raus an die frische Luft zu gehen. Beides war extrem hilfreich (und durchführbar, da mein Mann zu Hause die Stellung hielt. Zu ihm war sie selten so). Wir haben danach immer drüber gesprochen und es hat sich später nie mehr wiederholt. Heute? alles prima.

  • corsc sagt:

    Es gibt verschiedene Kinder / Erwachsene. Wenn man sich mit den Kommunikationstechniken beschäftigt, kommt man nicht an den Transaktionsanalysen vorbei. Nichts anderes als Erziehung. Wenn ich im strengen Eltern-ich kommuniziere, reagiert mein Gegenüber im trotzigen Kind-ich. Reagiert ein Kind trotzig, reagieren Eltern erzieherisch, also Eltern-ich. Sprich Trotz fördert strengen, angepasst sein – Milde.
    Es gibt Missverständnisse zu diesem Thema, weil nicht alle die gleichen Typen von Kindern haben. Und nein nicht alles wird anerzogen. Habe ich eher ein angepasstes Kind, mag diese Technik funktionieren, ist mein Kind eher rebellisch, werde ich mich mit dieser Technik kaputtmachen. Ich habe zwei Kinder und arbeite bei beiden mit unterschiedlichen Erziehungsansätzen.

  • Jan Holler sagt:

    Der Artikel krankt daran, dass das Ins-Zimmer-schicken mit der „Schämi-Egge“ gleich gesetzt wird. Das hat miteinander eigentlich nichts zu tun. Das eine ist ein Pranger, das andere ein Rückzugsort. Der gewählte Ansatz (Mutter geht selber raus) ist völlig untauglich und zeigt gegenüber dem Kind nur, wie schnell „das Mami“ (schrecklicher Ausdruck für eine Frau und Mutter) kapituliert und vor Probleme weg rennt. Die Botschaft, die dem Kind vermittelt wird ist übrigens genau die selbe, als wenn es selber ins Zimmer muss, halt einfach nur reziprok.
    Es scheint heute eine beliebte Methode von Ratgeber/innen zu sein. Man bastelt sich unpassende Vergleiche und baut darauf dann seine Ratschläge durchsetzt mit Trivialitäten auf: respektiere Dein Kind, schlage es nicht, beschäme es nicht. Echt?

  • Sonusfaber sagt:

    Im Laufe meines langen Lebens habe ich unzählige Male beobachtet, dass die, welche extreme Positionen vertreten, am krassesten das Gegenteil ausleben. Al würde eine Art Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit bestehen. In allen Lebensbereichen. Dort zum Beispiel, wo man am vehementesten für Verzeihung plädiert – in religiösen Kreisen etwa – werden Verstösse (gegen Gott) am drastischsten geahndet. Daher frage ich mich, wie jene Leser/-innen, die Kinder für absolut unantastbar halten, sich dann de facto als Eltern verhalten. Zum Beispiel tststs, die eine absolut klare, aber eben auch zu radikale Sichtweise vertritt, als dass sie mir nicht verdächtig erscheinen sollte

  • Ladina sagt:

    Es gibt sehr viel Skeptiker hier, frage mich wie sie ihre Kinder erziehen, haben sie das überhaupt so probiert? Wir erziehen unsere Kinder wie oben beschrieben, ich würde sagen mit Respekt, es zahlt sich aus – sie respektiert uns auch. Man braucht keine Strafen, Drohungen, auch keine Belohnungen. Sie macht mit, man kann alles mit ihr besprechen. Und ja, nicht alles ist schwarz und weiss.

  • Anne-Sophie sagt:

    Ein Kind kann durchaus auch mal etwas aushalten und soll es auch!Ins Zimmer schicken ist ja wirklich keine Strafe.Eine kleine Auszeit und danach ein klärendes Gespräch tut in der Regel dem Kind gut.Also,bei meinem Sohn klappt dies gutNach kurzer Zeit kommt er raus und wir besprechen was Vorgefallen ist.Manchmal fängt er an im Zimmer zu spielen und ist wieder vollkommen ausgeglichen.Kinder brauchen Grenzen,sie fordern sie sogar ein! Man tut den Kindern sicher keinen Gefallen,sie in Watte einzupacken.Man kann durchaus etwas von Ihnen Verlangen.

  • sophie sagt:

    Sicher, es kommt auch auf die Sensibilität des Kindes an. In meiner Kindheit war ein Schüler fast den ganzen Tag im „Egge“. Ich weiss nicht was aus ihm geworden ist aber er tat mir leid, hingegen die anderen Kinder lachten ihn aus. Was für eine Kindheit. Zuhause wurde er geschlagen.
    Nur zum sagen : heute verweichelt man die Kinder, früher war es viel zu hat. Ein mittelweg sollte doch existieren ?

  • Marianne sagt:

    Liebe Expertin
    Bitte entschuldigen Sie, aber das ist Blödsinn. Was bringen wir den unseren Kindern so bei? Es ist ok wenn ich meine Eltern und ihre Bedürfnisse nicht respektiere? Ich bin der Mittelpunkt des Universums und kann tun und lassen was mir gefällt, die anderen sind schuld? Meine Eltern können herumgeschubst werden? Kinder brauchen Grenzen sonst werden sie zu sozialinkompatiblen Egomanen. Empathie wird so sicher nicht gefördert.
    Gewalt gehört verboten, aber ein gezieltes Timeout (nach einer Warnung) mit anschliessender Entschuldigung (seitens der Kinder) ist und bleibt das Mittel meiner Wahl.

    • tststs sagt:

      Würden Sie den Experten etwas mehr zuhören, wüssten Sie, dass normale, kindliche Wahrnehmung tatsächlich eine egozentrische ist. Ich muss jetzt einen raushauen: Es grenzt an Kindesmisshandlung, wenn von Kindern verlangt wird, die Bedürfnisse erwachsener Menschen zu erkennen, diese mit den eigenen abzuwägen und dann immer die eigenen grosszügig hintenanstellen…. tststs *kopfschüttel*

    • Doro sagt:

      Liebe Marianne, haben sie den Artikel gelesen? Es geht darum Bedürfnisse der Eltern UND des Kindes wahrzunehmen. Nur wenn ein Kind lernt und merkt das seine Bedürfnisse wichtig sind, wird es auch lernen die anderer wahrzunehmen. Kinder möchten kopieren, wenn nicht, dann können sie es gerade nicht und brauchen dabei Unterstützung. Oftmals erwarten wir von unserem Kind Leistungen die sie noch nicht erbringen können, sie z.b. Perspektivwechsel.
      Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung und Beobachtung sagen das Strafen nie zu sozialen, empathischen, starken, achtsamer Erwachsenen führen 😉

  • gabi sagt:

    Köstlich. Also, dass sich der Mamablog nicht treu bleibt, das muss er sich wirklich nicht nachsagen lassen.

    Nach Jahren immer noch derselbe vollkommen unrealistische Schmarren von „Expertinnen“, die ungefähr so sachkundig daherkommen, als wenn ich hier über Wurzeln gregorianischer Liturgie zu referieren anfinge.

    Ich frage mich nur immer: Wie kommen diese Menschen eigentlich schon nur auf den Gedanken, sich ausgerechnet für einen derart ernsten Beruf zu entscheiden, um ihn dann mit dem Höchstmöglichen Mass an Unernsthaftigkeit anzugehen.

    Der Grundtenor bleibt im Mamablog immer derselbe, nur darf man über die Jahre feststellen, dass er sich seine Realitätsferne jeweils immer noch um ein Quäntchen steigert.

    … Jetzt ist es also schon „ins Zimmer geschickt werden“. Aha.

    • tststs sagt:

      Wissen Sie, vor 200 Jahren hat man sich ungefähr in dieser, Ihrigen Manier über Menschen lustig gemacht, die begaupteten, es gäbe so was wie Kindheit.
      Vor 150 Jahren mussten dann diejenigen dran glauben, die auf die Rute verzichteten.
      Vor 100 Jahren erntete man Gelächter, wenn man Mädchen für ebenso bildungsfähig hielt.
      Vor 50 Jahren wurde man belächelt, wenn man Kinder gewaltfrei erzog.
      Und heute?
      Kindheit ist ein Konzept der Neuzeit und ist dementsprechend schwach erforscht; wir werden hier noch des öfteren eines Besseren belehrt werden.

  • Leo Schmidli sagt:

    Die Kommentare sind bedenklich.
    1. Empathie ist nicht vorhanden. Meine Erziehungsmethode ist die einzig richtige. Reflektion?
    2. Es ist nicht alles schwarz und weiss, es gibt auch ganz viel grau.
    3. Der Begriff „Kinder“ wird zu pauschal verwendet. Es ist ein Unterschied, ob das Kind 3 oder 15 Jahre alt ist.
    4. Es gibt auch Grenzen.
    5. Erwachsene stellen die Regeln auf. Verstehen Kinder den Grund? „Das macht man so.“ Erinnert mich an „Ist so, weil ist so.“ Wollt ihr das?
    6. Kinder durchlaufen Phasen.
    7. Bei Anwendung von Zwang/Strafe: Begreift das Kind oder reagiert es einfach (wie der Pawlowsche Hund)?
    8. Was für Menschen möchte ich grossziehen: Angepasste oder selbständig denkende?

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Leo Schmidli

      ich möchte selbstständig Denkende welche sich gegebenenfalls anpassen können, sprich sich selber einen Schritt zurücknehmen, mal fünf gerade sein lassen, nicht immer auf den eigenen Vorteil bedacht usw usf,
      das lernen sie nicht als Erwachsene, sondern beginnt schon ziemlich früh mit den gelebten Strukturen und später der entsprechender Kommunikation darüber. Dies schliesst Wertschätzung, Respekt und liebevoller Umgang überhaupt nicht aus.

  • Ursel sagt:

    Ein Kind muss von „seinen“ Erwachsenen gesagt bekommen, was gut oder schlecht, was richtig oder falsch ist. Ein Kind weiss nämlich noch nicht, was Logik ist. Und ins Zimmer geschickt zu werden, wenn die grosse Trotzphase kommt, finde ich absolut richtig. So sind wir früher erzogen worden – ohne Schläge – und aus uns ist etwas geworden. Wenn ich sehe, was heutige junge Mütter an ihren Kindern u.a. mit ihrer sogenannten „antiautoritären Erziehung“ alles falsch machen, und wie diese Kinder mit ihren Eltern umgehen, bekomme ich Gänsehaut!

    • 13 sagt:

      „gut oder schlecht“, „richtig oder falsch“….
      Ja, ganz offensichtlich wurden Sie schwarz-weiss erzogen. Traurig.
      „und aus uns ist etwas geworden“
      Ja, Menschen, die nur diese Kategorien kennen und dann andere so beurteilen:
      „was heutige junge Mütter an ihren Kindern u.a. mit ihrer sogenannten „antiautoritären Erziehung“ ALLES falsch machen,“
      Können Sie sich wenigstens im Ansatz vorstellen, dass viele Mütter und Väter eher für ihre Kinder mehr Sensibilität wollen, dass sie sie dahingehend erziehen, auch andere Farben zu sehen?
      So jung bin ich persönlich nicht, aber gerade solche Kommentare wie der Ihre bestärken mich sehr im Erziehungsstil, wie ihn Frau Trepp beschreibt.

    • Ina sagt:

      Unsere Welt sieht allerdings heute alles andere als friedlich aus!!

    • Papperlapapi sagt:

      Die Kritik an der „heutigen Jugend“ ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Googeln sie mal danach!

    • Svenja sagt:

      Bei ihrem Kommentar bekomme ich Gänsehaut. Ich wurde ohne Strafen erzogen, weder physisch noch psychisch. Und nun raten Sie mal: Aus mir ist was geworden.
      Ein Kind lernt nichts, wenn ihm gesagt wird, wie es sich gemäss dem Erwachsenen zu benehmen hat. Ein Kind lernt durch Vorleben. Man kann Kindern sagen was man will, am Ende zählt, was man dem Kind zeigt…wie man sich selbst benimmt. Aber jemand, der wie sie ‚erzogen‘ wurde, wird das nie verstehen.

  • Tobias Meyer sagt:

    Einmal mehr zeigt sich, dass sogenannte ExpertInnen keine Ahnung vom wirklichen Leben haben.

  • Lia sagt:

    und so generieren wir verzärtelte Kotzbrocken, die alles kurz und klein hauen und dann erwarten, dass wir den Karli-Theodor verstehen und in den Arm nehmen, weil es ja an uns liegt.
    Sorry, wenn mein Kind tobt und schreit, geht es in sein Zimmer. Natürlich rede ich nachher mit ihm, aber es kommt ganz sicher NICHT so weit, dass ich als Person, die NICHT die Urheberin des Ärgers bin, das Zimmer verlassen und dann auch noch die Schuld bei mir suchen muss (ich bin gestresst) oder dem Kinde Absolution erteile (es spielt laut Xylophon, weil wir einkaufen waren und es zu viele Eindrücke hatte – häh?). Das sind hobbypsychologische Ansätze, die keinem etwas bringen.

    • tststs sagt:

      Einerseits vetstehe ich Sie, andererseits höre ich schlagartig meine Mama: „De gschiider git nah, de esel bliibt stah“ 😉

    • 13 sagt:

      „die NICHT die Urheberin des Ärgers bin“
      Sind Sie sicher? Immerhin stören Sie ja das Kind beim Xylophon spielen….

  • Magdalena Junker sagt:

    Eine ernst gemeinte Frage an die Expertin: was wäre denn eine gute Lösung, wenn ein Kind andere verletzt, sprich: beisst, kratzt, schlägt? Da kann ich ja nicht einfach als Erwachsener die Situation verlassen.
    Beim Lärm mag das funktionieren, bei einem einzelnen Kind auch.
    Ich schicke das kleinere Kind tatsächlich vereinzelt ins Zimmer, nämlich dann, wenn es andere verletzt und damit nicht aufhört, wenn es ermahnt wird. Dann nehme ich das „plagende“ Kind aus der Situation, erkläre dem „geplagten“, dass ich gleich zum Trösten zurück bin und deeskaliere die Situation so. Ich lasse allerdings keines der Kinder lange alleine, das heisst, sobald das geplagte Kind getröstet und meine Wut verraucht ist, kläre ich die Situation mit dem anderen Kind, tröste auch dieses und nehme es in den Arm.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ins Zimmer gehen ist kein Schämi-Egge. Der Schämi Egge hatte die Bedeutung, dass der „Bösewicht“ vor versammelter Klasse/Familie sozial isoliert und ausgestellt, sprich beschämt wird.

    Am Ende brauchen wir Sozialkompetenz damit wir mit unseren Kindern richtig umgehen. Ob ich jetzt raus gehe oder das Kind. Das WIE ist das Entscheidende. Sonst kommt dann die Nächste, die darüber referiert, wie die Rausgeh-Strategie höchst schädlich sei. „Weil das Kind so verlassen wird und ihm das Gefühl gegeben wird, es sei nichts wert, man würde es am liebsten allein lassen….“

    Uff… wohl dem, der genügend Selbstsicherheit und Verständnis hat.
    Und etwas Verstand um zu unterscheiden, welche Vergleiche legitim sind und welche nicht.

  • Sportpapi sagt:

    Ich finde es sinnvoll, dass der elterliche Methodenrucksack prall gefüllt ist, und man vieles ausprobieren kann. Aber warum müssen Vertreter einer Methode immer über andere herziehen, die als ineffizient und schädlich darstellen, oder zumindest unnütz, obwohl doch die Realität meist etwas anderes belegt (und die behaupteten Wirkungen auf das Kind zumindest empirisch nicht belegbar sind).
    Was mir aber auffällt ist, dass solche „modernen“ Erziehungsmethoden von den Eltern (und meist Müttern) immer mehr Aufwand und Energie verlangen. Die Messlatte wird immer höher gesetzt, Erziehen immer kräftezehrender.
    Und als nächstes ärgert man sich wieder, dass es mit der „Vereinbarung“ so schlecht klappt. Warum tun sich vor allem Mütter immer wieder solche Methoden an?

    • Naijutza sagt:

      Warum tun sich Mütter solche Methoden an? Gerne beantworte ich dir diese Frage: ich bin ein Mami, das vor 4 Jahren ihr erste Kind bekommen hat. Ich hatte keine Ahnung oder Vorstellung, wie ich meine Kinder „erziehen“ wollte. Deshalb ging ich regelmäßig zur Mütterberatung, um mir Tipps zu holen. Gleichzeitig war ich im Internet bei einer Mami-Gruppe, und zu einer spezifischen Frage zum Thema „Gehorsam“ hat mir ein anderes Mami einen Artikel geschickt, der mich total prägte. Ich merkte, dass meine bisherige Vorangehensweise nicht richtig war. Ich begann Bücher zu lesen (zB von Alfie Kohn) und merkte, wie sehr ich mich mit dem Geschriebenen identifizieren kann. Für mich gibt es gar keinen anderen Weg, als diesen. Und ja, es verlangt viel Aufwand und Enegie, aber ich kann einfach nicht anders.

      • Sportpapi sagt:

        @Naijutza: Danke für die ehrliche Rückmeldung. Ja, viele Frauen können einfach nicht anders. Man möchte ja nicht nur eine gute Mutter sein, sondern möglichst die beste.
        Aber es bleibt für mich die Erkenntnis, dass viele Mütter auf das Mehrengagement der Väter reagiert haben, dass sie nun noch mehr um ihre Kinder herumwuseln. Noch nie wurden so viele Stunden und so viel Energie in Kinder investiert wie heute.
        Nötig ist das meiner Meinung nach nicht, und in Widerspruch zu anderen Zielen wie etwa Vereinbarkeit mit Beruf, etc.

  • Sabrina sagt:

    Das sind schöne Denkanstöße, wie ich es besser machen kann. Wie heißt es so schön: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und ich weiß noch, was z.B. dieses “geh in dein Zimmer und komm‘ erst wieder raus, wenn du lieb bist“, mit mir gemacht hat. So etwas hat bei mir innere Selbstzersörung verursacht, schließlich stimmte etwas mit mir nicht. Ich bin dankbar darüber, dass artgerecht-Coaches wie Nina aufzeigen, wie es ander geht. Mit Selbstreflektion, Liebe und auf Augenhöhe.

    • Sportpapi sagt:

      @Sabrina: Immer wieder ist die Rede von „auf Augenhöhe“. Gleichzeitig müssen wir den Kindern aber vieles durchgehen lassen, schliesslich sind sie ja noch keine Erwachsenen.
      Was denn nun?
      Für mich gibt es Rollen für Kinder und für Erwachsene. Mit zunehmender Reife übernehmen Kinder und Jugendliche Verantwortung, und werden entsprechend auch wahrgenommen. Es gibt Privilegien für Kinder, und es gibt Privilegien für Erwachsene.

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Auch bei Erwachsenen lassen wir manches durchgehen und reagieren verschieden auf Äusserungen, je nachdem wer sie äussert und in welchem Zusammenhang. Von einer Freundin nehme ich Kritik anders auf als von einer Fremden im Zug. Ich arbeite in einem sehr emotionalen Bereich und höre mir von meiner Kundschaft einiges an, von der Gegenseite noch mehr, das ich mit einem „es ist eine schwierige Situation für diese Person“ schlucken und über die mangelnde Impulskontrolle und Höflichkeit hinwegsehen muss. Das ändert doch nichts an der Augenhöhe.
        Man kann auch sagen, dass die Fähigkeit sich anders helfen zu können als auf einem Xylophon herumzuhauen ein Privileg darstellt.

      • tststs sagt:

        Prinzipielles Problem ist sicher, dass nicht alle unter dem Begriff „Auf Augenhöhe“ dasselbe verstehen.

        Auf Augenhöhe heisst für mich, ich passe mich der „Höhe“ des Kindes an.
        Das fängt beim rein Physischen an: ich spreche nicht von oben herab, sondern ich gehe nach unten, bis wir uns wortwörtlich auf Augenhöhe befinden.
        Das heisst aber auch, ich passe mein Kommunikationsniveau dem Kindesniveau an (Ihr kennt meine ewige Leier: versucht einem Kleinkind nicht mit Logik beizukommen, es versteht sie nicht); das heisst für mich auch Empathie zeigen, Bewusstsein dafür haben, dass Kinder die Welt anders wahrnehmen…

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Du lässt duchgehen“ ist nicht auf Augenhöhe, sondern aus einer gewissen Machtposition. Machst du, weil es es der Sache dient. Musst du aber nicht. Ebenso entscheiden eben die Eltern, was sie bei Kindern tolerieren, was sie kommentieren, und was sie nicht stehen lassen wollen.
        Und was heisst sich anders helfen? Hat das Kind denn ein Problem? Welches?

      • 13 sagt:

        @ SP
        Die Machtposition ist natürlich, schliesslich hat immer der Erwachsene die Wahl, ob er auf Augenhöhe mit dem Kind geht oder nicht. Egal, wozu man sich entscheidet, wählt letztlich immer der „Erziehungsberechtigte“ die Erziehungsmethode… Aber doch, wenn man es akzeptiert, dass das Kind in mancherlei Hinsicht noch Schwierigkeiten hat (Impulskontrolle, Müdigkeit, Möglichkeit anders auszudrücken, was es wirklich beschäftigt), aber das dem Kind weder zum Vorwurf macht noch es ausnutzt, dann ist das auf Augenhöhe.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Was du beschreibst, ist für mich alles andere als „auf Augenhöhe“. Im Gegenteil.
        Richtig ist, dass wir Eltern in der (Erziehungs-)Verantwortung sind. Und wir tolerieren und verstehen so einiges, weil es ja noch Kinder sind.

      • 13 sagt:

        Ich weiss, was Du meinst, auch wenn ich nicht einig bin:
        Eltern sind in einer Art Doppelrolle: einerseits sind sie eigenständige Menschen mit eigenen Bedürfnissen, Vorstellungen, Wünschen und andererseits sind sie die Fürsprecher ihrer Kinder, also diejenigen, die dafür zu sorgen haben, dass die Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche ihrer Kinder möglichst viel Beachtung finden. Natürlich sind es die Eltern, die entscheiden, ob diese beiden Rollen gleichzusetzen sind, ob sie einfach ihr Ding durchziehen und das zweite vernachlässigen oder sie einfach das Kind vor allem setzen und sich vergessen (überspitz gesagt, natürlich gibt es noch X Abstufungen). Nun, ich bezeichne das Erste durchaus auf Augenhöhe, da beide gleichwertig sind. Aber um Semantik geht es hier letztlich nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Es geht mir gar nicht darum, ob Eltern nun ihre Interessen oder die des Kindes in den Vordergrund stellen. Auch Eltern, die völlig selbstlos ihre eigenen Bedürfnisse immer zurückstellen, handeln letztlich vielfach über den Kopf des Kindes hinweg. Beginnt ja schon beim Säugling. Niemand kommt auf die Idee, hier von Augenhöhe zu sprechen, wenn Eltern ein hilfloses Kleinkind versorgen. Das ändert auch noch nicht, wenn es dann mal laufen und ein paar Sätze sprechen kann. Aber mit zunehmendem Altern, reife, ja sprichwörtlich Wachstum, entsteht letztlich, so nach 15-30 Jahren, eine ausgewogene Beziehung auf Augenhöhe.

  • Miia sagt:

    Ich empfinde den Artikel auch etwas undifferenziert (Alter, emotionaler Zustand des Kindes fehlen zB) Die Botschaft dahinter ist aber trotzdem stimmig für mich. In der Xylophon-Situation prallt Bedürfnis auf Bedürfnis. Das des Kindes nach – keine Ahnung was – zB musikalischer Erfahrung (?) das der Mutter nach Ruhe. Wieso soll nun der Wunsch der Mutter über den des Kindes zu gewichten sein? Und wieso ist es in dieser Situation nicht die sinnvolle Lösung, dass der, welcher sich nervt, den Raum verlässt? Und wieso denken hier Erwachsene, dass ein Kind (<6j) in solchen Situationen genügend Empathie/Reflexionsfähigkeit empfinden kann um Bedürfnis gegen Bedürfnis aufzuwägen und dann eine rationale Entscheidung zu treffen? Und wieso muss es dann für dieses Unvermögen auch noch bestraft werden?

    • Brunhild Steiner sagt:

      Nun, wenn ich in der Küche am arbeiten bin stellt sich für mich nicht die Frage wer den Raum zu verlassen hat.
      Als Erwachsene, welche im Gegensatz zum Kind im Idealfall die Empathie/Reflexionsfähigkeit täglich aktiv hält, kann/darf/soll ich durchaus vorausschauend planen; dh bspw überlegen welche Zonen in der Whg grundsätzlich für was genutzt werden sollen, wann ich wo Zugeständnisse machen kann und wann eher nicht usw.

  • Andrea sagt:

    Danke dir vielmals für diesen Artikel Nina.
    Für viele ist diese Art der Erziehung einfach noch Neuland, was aus einigen Kommentaren deutlich wird. Wir haben noch zu wenig Vorbilder und leider halt auch oft noch ein veraltetes Menschenbild, was Kinder betrifft.
    Mit Kindern auf Augenhöhe zu leben und sie gleichwürdig zu behandeln ist für manche Menschen so weit weg, wie Seiltanzen für mich. Dass dieser Weg einfach ist, hat niemand gesagt. Aber er lohnt sich.
    Und du bist ein der Pionierinnen. Danke dir

    • Brunhild Steiner sagt:

      Unsere Kinder sind zwischen 16 und 20, in keiner Literatur welche ich damals bezüglich Erziehung konsultiert habe ist Würde, Achtung/Respekt, Freundlichkeit uä in Frage gestellt worden.

    • Brenner sagt:

      «Okay, es scheint so, als könntest du gerade nicht stoppen. Mir ist es aber zu laut, und ich ertrage es keine Sekunde mehr. Ich gehe jetzt kurz raus auf den Balkon.»
      Ist das „auf Augenhöhe“ für Sie? Wenn meine Chefin so mit mir reden würde, würde ich das Büro verlassen – und zwar für immer.
      Auf Augenhöhe bedeutet eben gerade, dass man Konflikte austrägt, sich mit den divergierenden Bedürfnissen auseinandersetzt und sich aneinander reibt. Mit dem oben beschriebenen Vorgehen zeige ich meinem Gegenüber einzig, dass ich es nicht für voll nehme.

    • gabi sagt:

      Mit Kinder „auf Augenhöhe“ zu verkehren, müsste ja – LANGE VOR ALLEM ANDEREN – heissen, dass man mit ihnen Vereinbarungen treffen kann und dass sie sich daran halten.

      (Sobald nun plötzlich der Einwand kommen sollte: „Aber sind doch noch Kinder!“, dann muss auch der Blödsinn mit der Augenhöhe nicht mehr erwähnt werden. Okay?)

      Tun sie dies nicht, so muss das – Thema Konsequenz! – Sanktionen nach sich ziehen. Sprich: Strafen. Denn, folgen keine Sanktionen – Thema Konsequenz! – gibt´s überhaupt keinen Grund nicht genau so weiterzumachen, wie es einem als Kind, instinkt- und triebgesteuert, noch lustig sein kann bis ins Erwachsenenalter hinein.

      Und nur um das auch noch zu klären: „Sanktionen“, die nicht als Solche empfunden werden… Sind keine.

  • Hans Meyer-Müller sagt:

    Als Kind musste ich jede Variante von Strafe ertragen: Schläge auf den Kopf, in den Keller eingesperrt sein und schlussendlich auch noch in ein Heim. Das war alles sehr unangenehm. Trotzdem bin ich nicht zum Psychopathen geworden. Ganz anders die zwei Mörder des Columbine Massakers: Die hatten die perfekte Jugend ohne Gewalt, genug Liebe der Eltern und wurden ohne sichtbaren Grund als Jugendliche zu Massenmördern. Mein Fazit: Die beste Erziehung ist immer noch die intuitive. Jeder Mensch bringt seinen Charakter mit, der sich völlig unvoraussehbar entwickeln kann, wie im Extremfall von Columbine gezeigt.

  • Peggy sagt:

    Je öfter ich Kindern andere Wege aufgezeigt habe, umso besser konnten sie sich selbst regulieren, besser entscheiden eine andere Lösung zu finden, empathischer miteinander umgehen. Ich bin öfter kurz raus aus der Situation gegangen, um kurz zu verschnaufen, weil es wirklich zu laut war.
    Dann bin ich rein, habe gesagt:“Kommt wir ziehen uns an, es wird Zeit, dass ihr euch mal bisschen auspowert draußen. Hier drinnen scheint es einfach „zu eng“ für euch zu sein.“
    Ich denke nicht, dass wir den Kindern alles recht machen sollen. Es geht um das Miteinander. Respekt haben alle verdient. Wir können ihnen zeigen, dass wir sie sehen und verstehen. Es geht um das Begleiten von Gefühlen, Stress und Uneinigkeiten klären. Aber auch echt sein unsererseits ist wichtig.

  • fabi sagt:

    Super geschrieben. Hoffentlich für viele Eltern wegweisend und unterstützend!

  • Anna sagt:

    Ganz toll beschrieben Und im Gegensatz zu den ganzen Vorrednern hier in den Kommentaren kann ich nur sagen, dass wir es zuhause genauso handhaben und es funktioniert! Natürlich ist es nicht leicht und bedeutet für uns Eltern eine gewisse „Übung“ aber es wird immer besser und auch leichter wenn man die positiven Ergebnisse erlebt. Also an alle Zweifler hier, einfach mal ausprobieren und sich drauf einlassen

  • Kathy sagt:

    Nachdem all die tollen Alternativen nichts genützt haben und die Katze immer noch gequält wurde, musste meine Tochter ins Zimmer, Tür bleibt offen. Das erste Mal 3min, dann 5 min, 6 und seitdem hat sie es nicht mehr gemacht. Manchmal kann man nicht weg, weil sonst andere leiden.

  • Michel sagt:

    Aha. Wenn jemand sich nicht sozialkompatibel benimmt (unsinnig lärmt, sich aggressiv verhält etc.), muss ich mich entfernen. Lustig. Tue ich aber auch in Zukunft nicht.

    • Christian Thaeler sagt:

      Na ,na da wird aber hr.guggenbühl keine freude haben an ihnen !!!

      • Hedi sagt:

        Stil Guggenbühl, darum kommt Ihnen Guggenbühl in den Sinn aber pauschale Ratschläge bringen nichts. Abgesehen davon Wasser predigen und Wein trinken. Andere erziehen aber eigene alles machen lassen.

  • sole sagt:

    So ähnlich habe ich diese Methode schon ausprobiert. Nicht aus erzieherischen Überlegungen heraus, sondern als authentisches „Ich muss aus dieser Situation raus – sofort“. Was passiert, ist dass meine Kinder panisch (also wirklich panisch) anfangen zu schreien, mir hinterher rennen und mich um jeden Preis davon abhalten wollen, sie jetzt zu verlassen. Die Botschaft, die anzukommen scheint ist, dass Mami sich abwendet und die Beziehung abbricht.

    • Moni sagt:

      Ich habe das selbe festgestellt. Wenn meine Kinder austicken und ich kurz vor dem explodieren das Zimmer verlasse rennen Sie mir nach und weinen ich soll nicht weg gehen. Ich frage mich auch, ob es sinnvoll ist davonzulaufen, ob es dann nicht vermittelt man solle vor Problemen weglaufen?

      • Sara sagt:

        Geht mir genau gleich. Wäre noch gut zu wissen wie man in solchen Situationen vorgehen könnte. Denn zum einen benötigen die Eltern Abstand in solchen Momenten um sich selbst wieder zu beruhigen aber zum anderen möchte man den Kindern nicht zu verstehen geben, dass man sie verlässt. Gibt es hierzu Tipps, Nina?

    • tststs sagt:

      Liebe sole/Moni/Sara: Sie haben IMHO Ihren Kindern nicht geschadet, sondern Ihnen die erste Lektion zum Thema Empathie gegeben. Und es scheint gefruchtet zu haben. Ihre Kinder haben realisiert, dass ihr Verhalten bei Mama eine Reaktion auslöst und haben ihr Verhalten SOFORT angepasst um bei Mama eine wünschenswerte Reaktion auszulösen!
      Und sie sind sich auch total (unter)bewusst, dass Mama nicht vor ihnen (resp. die Beziehung zu ihnen abbricht), sondern vor der Situation davonläuft! Sonst wären sie nicht nachgelaufen!

      Und was ist denn so schlimm daran, dass man vor Problemen davon läuft? Manchmal ist das wirklich die beste Taktik (wird jeder Selbstverteidigungslehrer bestätigen)…

      Also Ladies, IMHO alles richtig gemacht!

    • gabi sagt:

      Da muss ich ehrlich gesagt bereits lachen:

      Das Verfolgen des Mamablogs über Jahre hinweg, legt bei diesem Thema den Schluss nahe, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch dies als eine Methode entlarvt sein wird, die ganz, ganz schrecklich für das Kind sei.

      Ich schätze mal, so um die zwei Jahre und dann lesen Sie dies hier von der nächsten „Expertin“.

      … Und es ist ja auch naheliegend: Braucht doch wohl nicht viel Fantasie, um sich, erfüllt von schlechtem Gewissen, zu fragen, welche psychischen Langzeitschäden, Sie bei Ihren Kindern in Kauf nehmen. Oder was haben Sie sich gedacht, was es bedeuten muss, wenn die „schreiend und weinend“ hinter ihnen her rennen und sie anflehen nicht zu gehen?!

      Es ist einfach nur noch grotesk und immer grotesker.

      • tststs sagt:

        Das einzig Groteske wäre zu behaupten, man besitze der Weisheit letzter Schluss.
        Wenn Sie finden, zu dem Thema sei alles gesagt, weshalb lesen Sie überhaupt diesen Blog?

  • 13 sagt:

    Ein schöner Artikel.
    Mein einziger Kritikpunkt: Wenn man schon K. Saalfrank resp. die „Super-Nanny“ anspricht, sollte man auch erwähnen, dass ja gerade K.S. das heute ganz anders ist und sie wohl dem Artikel zu 100% recht geben würde.
    Abseits der Kindererziehung würde ich mir oft wünschen, wenn Menschen sich auch ansonsten in der Öffentlichkeit das zu Herzen nehmen würden, dass sie die Möglichkeit haben, sich zu entfernen oder zu Hause zu bleiben, anstatt stets von anderen zu verlangen, alles zu tun, damit sie einen nicht nerven.
    Ich kann die Kritik der meisten Kommentatoren daher nicht nachvollziehen. Aber vielleicht liegt es in der Natur des Menschen zuerst mal zurückzuschlagen anstatt nachzudenken, wenn jemand etwas kritisiert, was man selber bisher als normal erachtet hat.

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Ich kann die Kritik der meisten Kommentatoren daher nicht nachvollziehen. Aber vielleicht liegt es in der Natur des Menschen zuerst mal zurückzuschlagen anstatt nachzudenken, wenn jemand etwas kritisiert, was man selber bisher als normal erachtet hat.“
      Ich glaube, kaum jemand hat bis dato für ein „zurückschlagen“ plädiert. Im Gegenteil ist es eher der Artikel der bei an sich guten Ansätzen hier zu wenig differenziert. Wohl ein Stück weit bewusst, das macht es argumentativ halt etwas einfacher.

      • 13 sagt:

        @ MF
        „Ich glaube, kaum jemand hat bis dato für ein „zurückschlagen“ plädiert.“ Das verstehe ich jetzt nicht.
        Beim Kind? Nein, natürlich hat das niemand gemacht. Hoffentlich auch.
        Bei der Autorin, die das liebgewonnene, zu kritisieren darf? Nun, der Mensch ich m.E. von Natur aus nicht unbedingt sehr reflektiert oder selbstkritisch. Aber manchmal ist das eben eine gute Idee. Meine älteste Tochter sass auch schon mal auf der stillen Treppe oder landete im Zimmer, die anderen nicht. Ich werfe mir heute nicht vor, es nicht besser gewusst zu haben, bin aber froh, habe ich heute andere Methoden. Warum sich die also nicht einmal anhören?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Das mit dem Zurückschlagen stammt von Dir. Oder habe ich da was falsch verstanden?
        Sich das anzuhören und sich, seine eigenen Methoden und Ansätze kritisch zu hinterfragen, ist nie falsch. Viele Menschen versuchen das zwar, nur aber um doch auf antrainierte Reflexe und Muster zurückzugreifen wenn es hart auf hart geht. Persönlich finde ich aber bei aller Sympathie für das Thema, dass es sich die Autorin etwas einfach macht, und gewisse Widersprüche verwedelt. Zudem, gewisse Methoden mögen bei einer Familie (und einem Kind) Erfolg haben, bei anderen (nur schon einem anderen Kind) aber nicht. Zudem dünkt mich das Xylophonbeispiel nicht glücklich gewählt, womit die Autorin unfreiwillig ein Stück weit denen Recht gibt, die ihr schnell mal vorwerfen, nicht von dieser Welt zu sein.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ja, ich glaube wie verstehen uns nicht richtig, darum habe ich nachgefragt: Die Autorin kritisiert die Strafe des Ins-Zimmer-Stellens und wird dafür ihrerseits kritisiert. Das meinte ich mit Zurückschlagen.
        Was die Einschätzung der Autorin anbelangt, bin ich nicht der gleichen Meinung und habe auch noch nicht einen vernünftigen Grund gelesen, warum das „nicht von dieser Welt wäre“ resp. nicht machbar? Vielleicht weil ich es fast täglich erlebe, dass es funktioniert? Wie gesagt, ich habe seit Jahren kein Kind ins Zimmer geschickt….

      • 13 sagt:

        …und wir besitzen ein Xylophon 😉

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „…und wir besitzen ein Xylophon“
        Solange es kein Schlagzeug ist, ist ja alles ok.. 😉
        Aber mal ein anderes, mE. realistischeres Beispiel: ein Kind droht, den Teller Spaghetti auf den Boden zu schmeissen. Aussagen im Sinne von „was soll das?“ und danach „wenn Du das tust, nimmst Du die Sauerei auf.“ werden ignoriert. Wenn das Kind das nun in Tat umsetzt, wie sollen Eltern reagieren? Auf den Balkon rennen, äussern „Du musstest wohl heute schon zu viel kooperieren und hast wohl genug gegessen.“ um es dann in den Arm zu nehmen? Soll die Mutter sich bücken und stumm den Boden aufnehmen?
        Oder doch dem Kind klar vermitteln, es soll jetzt den Boden aufnehmen? Wäre dies nun Konsequenz, eine Strafe oder gar ein „Brechen des Kindes“ (wie zb. die Spaghetti vom Boden zu essen)

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Persönlich bin ich gegen Strafen, sowieso gegen „Brechen“, für Respekt und Augenhöhe, aber v.a. auch für Konsequenz. Das hier mit starken Worten gearbeitet und so gar nicht differenziert wird, weder nach Situation, nach Alter, nach Persönlichkeit oder gar Begleitumständen sozialer oder medizinischer Art, werfe ich dem Beitrag vor.

      • 13 sagt:

        Das auch, aber das steht fix im Kinderzimmer, daher erübrigt sich die Diskussion 😉
        Beim Spaghetti-Beispiel finde ich weder die Drohung, noch die Duldung das Beste. Was soll das Bringen? Ich persönlich würde den Teller in Sicherheit bringen, damit hat sich das mit den Konsequenzen schon erledigt. Und dann mit dem Kind zusammen versuchen, herauszufinden, was wirklich los ist. „Einen Teller Spaghetti auf den Boden zu schmeissen“ ist ja für sich kein Bedürfnis. Welches steckt dahinter und wie kann dem anders nachkommen:
        Aufmerksamkeit? Gut! Ich bin da.
        Müdigkeit? Gehen wir ins Bett?
        Wut loswerden? Ok, schreie, schlag in ein Kissen.
        Ausprobieren? Geht das mit etwas anderem? Wasserballone im Garten?
        Und falls er doch fliegt: Komm, wir putzen das und schauen dann weiter.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ist ja gut, wenn es bei dir funktioniert. Wir schicken im schlimmsten Fall die Kinder ins Zimmer. Und es funktioniert auch.
        Das Problem ist ja immer wieder, dass in solchen Ratgebern nicht nur eine neue Idee vorgestellt wird, sondern immer auf völlig übertriebene Weise über alle anderen Methoden hergezogen wird. Kein Wunder, kommt dann Widerstand.

  • marie sagt:

    Ich frage mich wieso man mit den eigenen Kindern anders umgehen soll als man von anderen Erwachsenen behandelt werden möchten.
    Lassen sie sich vom Chef gerne in ein anderes Zimmer schicken, wenn sie bei einem Meeting etwas falsches gesagt haben? Möchten sie bestraft werden, wenn sie vor lauter Emotionen nach einem langen und anstrengenden Tag zu Hause weinen? Vielleicht möchte der Partner ja grad die Sportnews sehen, dann seien sie gefälligst ruhig und gehen sie auf ihr Zimmer. Bitte SOFORT! Und kommen sie erst wieder zurück wenn sie wieder normal sind!!!

    Ich werde meinen Kindern etwas anderes beibringen. Ich möchte dass sie lernen dass Gefühle oke sind. Dass sie nicht im Zimmer versteckt werden müssen.

    Danke Nina Trepp für den Beitrag ❤

    • Pat sagt:

      In einer Sitzung „etwas Falsches gesagt“?! Liebe Marie, wenn man andere beisst oder beschimpft, ja, dann wird man aus der Sitzung geworfen. So ist das. Und würden Sie gebissen oder beschimpft hätten diese den Aggressor auch nicht mehr gerne am selben Tisch.

    • Claude sagt:

      Hallo Marie, ich garantiere Ihnen jeder Chef schickt Sie in ein anderes Zimmer, wenn Sie wärend eines Meetings „zwängelnd“ auf dem Xylofon rumhämmern und das wäre noch das „humanste“ was ein Chef tun würde. Wenn ein Kind aus einem driftigen Grund weint oder bockig ist, wird kein (vernüftiger) Erwachsener von ihm verlangen es soll aufhören, man versucht das Problem zu lösen. Ganz sicher keine Lösung ist, nach Angaben von Richtlinien, „hör auf auf dem Xylofon rum zu hämmern“, auf den Balkon zu gehen und das Kind weiter hämmern zu lassen. Genau so unsinnig ist dem Kind in Italien am Strand zu sagen „wenn du nicht gehorchst fahren wir nach Hause“, es sei denn man ist bereit nach Hause zu fahren. Stellt man Regeln auf, muss man auch bereit sein diese einzufordern bzw. durch zu setzen.

    • sole sagt:

      Angenommen wir wären in einem Meeting, und ich würde jedes Mal, wenn mein Chef anhebt etwas zu sagen, ihm über den Mund fahren. Wenn er dann mehrfach sagt „wart kurz, sole, ich möchte noch fertig reden“ und ich anfange so laut ich kann „Cheeeef! Cheeeef!“ zu schreien, zu stampfen und sonst so allerlei zu machen um die alleinige Aufmerksamkeit zu bekommen. Dann fände ich es voll ok, wenn mein Chef mich in einen anderen Raum schickt.

    • Sonusfaber sagt:

      Ein Chef würde Sie nicht in ein anderes Zimmer schicken, er würde drastischere Massnahmen ergreifen, falls er sie für nötig hält: Sie entlassen, freistellen und so. Ich bin kein Fan von Strafen. Spätestens im Erwachsenenalter erfährt aber jeder von uns, dass keine einzige Gesellschaft alles duldet, Strafen tägliches Brot sind – sei es in Fom einer Busse, einer Entlassung, einer Scheidung und so. Ich bin kein Fan von Strafen, wer aber im Glauben aufwächst, alles werde geduldet bzw. verziehen, dem könnte der Einstieg ins Erwachsenenleben schwerfallen

      • marie sagt:

        Der Punkt ist ja dass ich sehe dass das Prinzip funktioniert. Keine Strafen bedeutet nicht dass Kindern keine Grenzen beigebracht werden. Mein Kind weiss sehr wohl wie es sich verhalten soll. Ich habe es aber kein einziges mal ins Zimmer geschickt. Ich ziehe mich selber zurück. Macht mein Kind Lärm den ich nicht ertrage, darf es den in seinem Zimmer machen. Es weiss das. Es hält sich daran. Ich habe es nie als Strafe oder “logische“ Konsequenz ins Zimmer geschickt. Wenn es mir zu laut ist, spreche ich es darauf an und sage dass ich es nicht ertrage, und es entweder leiser sein soll, oder den Lärm im Zimmer machen soll. Es funktioniert. Ohne Zwang. Kinder wollen kooperieren so gut wie sie können. Kinder sind aber keine Erwachsene, und brauchen unsere Begleitung dabei. Darum geht es doch.

      • 13 sagt:

        @ Sonusfaber
        Warum sehen Sie das so schwarz-weiss? Keine Strafen heisst doch nicht, dass alles geduldet wird?

    • sonic sagt:

      Gefühle sind ok, aber nicht nur die meines Kindes, sondern auch meine und die anderer Menschen. Rücksichtnahme kann ein Kind aber nur lernen, wenn es auch mal seine eigenen Bedürfnisse zurück stecken muss. Mal rausgehen um nicht auszurasten ist ok. Aber sicher nicht als Erziehungsmassnahme. Was lernt das Kind daraus? Mein Verhalten ist ok, Mami kann ja rausgehen wenn es zu laut ist.. Und nein, Ihr Vergleich hinkt, ich verhalte mich meinem Chef gegenüber auch nicht so, wie sich mein Kind mir geegenüber verhält. Oder schreien und täubeln sie vor ihrem Chef??

      • marie sagt:

        Sind sie denn gleich alt wie ihr Kind? Erwachsene können sehr wohl täubele vor dem Chef, sie machen es aber subtiler.

        Und doch, meine Gefühle sind eben genau so wichtig wie die meines Kindes. Aber sie sind auch nicht wichtiger als die meines Kindes.

      • 13 sagt:

        @ Sonic
        Und inwiefern berücksichtigt das „DU musst rausgehen“, weil „ICH es zu laut finde“ die Gefühle aller? Warum muss in der Situation das Kind zurückstecken?
        Bei uns gibt es die Regel: Das Wohnzimmer gehört allen. Darin verhält man sich so, dass alle darin leben können und dass nichts kaputt geht. Ballspielen oder Sofa hüpfen ist z. Bsp. nicht erlaubt. Da aber die Familie aus vielen Menschen besteht, ist der Lärmpegel eben etwas höher, sollte einfach so sein, dass man normal zusammen sprechen kann. Wen das stört (Kind oder Erwachsener), kann sich zurückziehen. Hingegen ist meine Lärmtoleranz in meinem Schlafzimmer viel tiefer, da will ich tatsächlich weder Musikinstrumente noch Hörbücher, denn das ist eben mein Rückzugsort.

      • sonic sagt:

        @marie: Ja eben, meine Kinder sind nicht gleich alt wie ich. Das ist der springende Punkt. Deshalb behandle ich sie auch nicht wie Erwachsene.
        Und nein, meine Gefühle sind nicht wichtiger. Aber wenn ich am Kochen bin und meine Jungs Rambazamba veranstalten und mir das zu viel wird, dann gehen meine Jungs raus nicht ich. Oder sie hören auf. Ich glaube, das hat nichts mit Egoismus zu tun..

      • sonic sagt:

        @13: Das mit dem Wohnzimmer ist bei uns auch so. Aber das heisst eben für uns auch, dass man nicht übermässig rumlärmt oder rumturnt. Weil sich eben alle wohl fühlen sollen. Dafür gibt es bei uns zum Glück das Draussen oder auch das eigene Zimmer. Und wenn ich dann auch noch am Kochen bin, also etwas für alle tue, dann ist einfach nicht der Zeitpunkt, um diese Regel zu strapazieren. Ich verbiete meinen Kindern nicht ihr Bedürfnis auszuleben, aber einfach nicht neben meinen Ohren.
        Und ja, ich finde es wichtig, dass Kinder lernen, dass nicht alle die gleiche Schmerzgrenze haben. Also dass sie ihr tun sehr wohl etwas reflektieren müssen. Eben Rücksichtsnahme. Vielleicht nicht ganz unwesentlich: meine Kinder sind im Primarschulalter, nicht mehr 3 oder 4 jährig.

      • 13 sagt:

        @ Sonic
        Ich habe beides: Primarschulkinder und ein 4jähriges. Das ändert nicht zwangsläufig was. was ich aber sagen möchte, ist: Weil nicht alle das gleiche Schmerzempfinden haben, heisst das gerade nicht, dass man sich einfach dem Schmerzempfinden der Erwachsenen anpassen muss, das hat mit Rücksichtnahme wenig zu tun. Es gibt manchmal Kompromisse und das im Beispiel spielte ja anfangs „normal“ Xylophon und hämmerte erst als Reaktion darauf. Das Zusammenleben kann aber nicht nur am Bedürfnis der Empfindlichsten angepasst werden. Klar, wenn man kocht, ist man ja ortsgebunden, man kann das nicht einfach ins Schlafzimmer verlegen, da sehe ich das auch so. Hingegen kann sich ein Erwachsener z. Bsp. nach dem Essen zurückziehen und den Kindern den Wohnraum lassen. Jeder ist mal dran.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Das Zusammenleben kann aber nicht nur am Bedürfnis der Empfindlichsten angepasst werden.“
        Doch, eigentlich wäre das normale Rücksichtnahme und korrektes Sozialverhalten. Aber im Normalfall gibt es ja Regeln für den öffentlichen Raum, oder hier allenfalls auch für gemeinsame Räume, die eben das Zusammenleben regeln.
        Und gell, offensichtlich will hier das Kind nicht kooperieren (auch wenn das immer als Normalfall behauptet wird). ICH würde es definitiv ohne Lärmgerät ins Zimmer schicken.
        Oder den Fernseher lauter drehen…

  • Nadina sagt:

    Danke für den tollen Artikel. Es wird Zeit, dass umgedacht wird. Ich staune immer noch – im Alltag sowie beim Lesen einiger Kommentare – wie viele von uns denken. Das tut mir irgendwie weh… Ich plädiere für Beziehung statt Erziehung, bedingungslose Liebe, Achtsamkeit und Augenhöhe!

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Nadina
      ich plädiere dafür, dass Beziehung nicht gegen Erziehung ausgespielt wird, gute Erziehung beinhaltet Achtsamkeit, Augenhöhe und ganz viel mehr; was die „Liebe“ betrifft, die sollte ohnehin das Fundament sein. Dann werden Fehlschläge bei egal-welchem-Konzept auch nicht die oben beschriebenen Auswirkungen zeigen.

  • Nathalie sagt:

    Wunderbar hilfreicher Beitrag mit konkreten Lösungsvorschlägen. Verständlich aufgezeigt, warum es so wichtig ist, dass wir Kinder gleichwertig begegnen! Nicht zu verwechseln mit laissez-faire! Wertschätzend und gleichsam verantwortungsvoll (je nach Alter für sie entscheiden und auch nein sagen können) die Kinder begleiten, lässt sie es uns gleicht tun. Wir sind ihre Vorbilder, ob wir mit Machtspielen oder natürlicher Autorität in der Führung sind.

    • Martin Frey sagt:

      Wir können Kindern auch gleichwertig, auf Augenhöhe, authentisch und mit Respekt begegnen, ohne uns von ihnen hertreiben zu lassen oder gar eine Hierarchieumkehr zu kreieren.
      Notabene, sich dafür zu bedanken, dass man vom Kind auf den Balkon vertrieben wurde, ist das Gegenteil von authentisch, und wird beim Kind eher Verwirrung, resp. falsche Anreize auslösen als den gewünschten Effekt. Eine auch wenn nur emotionale Belohnung für dysfunktionales Verhalten gegenüber Dritten kann nicht das Ziel sein. Egal ob Mutter, Lehrerin, Klassenkameraden oder später Lehrmeister.

  • Papperlapapi sagt:

    Verhaltenstherapeutisch sollte man unerwünschtes Verhalten ignorieren, erwünschtes bestärken. Beim Xylophon heisst das: wird darauf herumgehauen um mich zu ärgern, kann ich das ignorieren, es wird aufhören, wenn es das Ziel nicht erreicht.
    Spielt es hingegen aus Freude und Lust am Tun, Ton, Lärm, hat es Freude und Spass am Spiel, dann muss es im Rahmen der Sozialisation lernen, dass hier und jetzt der falsche Ort ist dafür.
    Authentisch ist: „Hör auf mit dem Saukrach!“
    -„Hör jetzt auf, sonst schick ich Dich raus.“
    -„So genug, raus jetzt!“
    Damit sage ich ihm, dass dieses Verhalten nicht gewünscht ist.In den Arm nehmen kann ich es wenn es beispielsweise auf dem Sofa sitzt und ein Buch liest (erwünschtes Verhalten bestärken!).

    • tststs sagt:

      Ganz genau!
      Die Autorin macht IMHO noch den Fehler, dass sie Kritik/Beschimpfung am Verhalten mit Kritik/Beschimpfung am Kind selber gleichsetzt.

      (Einzige Verbesserung: Solche Anweisungen immer als ich-Botschaften äussern)

  • Lisa sagt:

    An alle, die gerade wild schreien, wie furchtbar falsch das ist:
    Nehmt euch doch mal einen Moment Zeit, und versucht euch in das Kind hineinzuversetzen. (ja ich weiß, Empathie ist schwierig für manche…)
    OK, stellt euch also vor, ihr seit arbeiten und regt euch furchtbar auf, über etwas was der Kollege gesagt oder getan hat. Ihr seid also so richtig stinkwütend! Ihr geht durch euer Büro und grummelt uns schimpft. Der Chef kommt rein und sagt, ihr setzt euch sofort auf euren Stuhl und schaut aus dem Fenster, bis ihr euch beruhigt habt, und wenn ihr das nicht macht, gibt’s keine Mittagspause und kein Essen. Wie fühlt ihr euch?
    Und dann im Gegensatz dazu: gleiche Situation, ihr stampft wütend durchs Büro und der Chef kommt rein. Er fragt, was soll ist, was euch ärgert.

    • Angie sagt:

      Wenn ich alleine im Büro bin kann ich schimpfen wie ich will. Wenn ich das in Anwesenheit anderer tue hat die Erziehung bzw Sozialisation total versagt. Wenn ich aus Wut etwas kaputt machen oder anderen ggü handgreiflich würde wäre ich fristlos entlassen. Komisches Beispiel von ihnen…

    • Kathy sagt:

      Und dann nimmt er mich in den Arm? Ich wähle Variante 1…

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Lisa
      es zeugt nicht gerade von Empathie sachlich vorgebrachte Kritik mit dem Etikett „gerade wild schreien“ für gegenstandslos zu erklären.
      So findet keine Auseinadersetzung mit wichtigen Inhalten statt, genausowenig mit Ebenenverschiebung.

  • tststs sagt:

    So, jetzt muss ich doch noch eine Lanze brechen für die Autorin:
    1. Ist es tatsächlich öfters besser, dass der Erwachsene sich entfernt und nicht das Kind vorgeschickt wird. Hintergrund: a) Wenn ein Kind so einen richtigen „Anfall“ hat, dann kann es bei der Aufgabe „Geh ins Zimmer“ fast nur versagen. Anstatt dass sich die Situation raschmöglichst entspannt, wird sie noch verschlimmert (denn darum sollte es doch im Kern gehen: die Situation beruhigen; allzu oft wird jedoch von Eltern ein Wettbewerb daraus gemacht, an Ende dessen jemand als Sieger und jemand als Verlierer herausgeht… was zur Folge hat, dass alle verlieren!). b) Ich (als Erwachsener) bin unzufrieden, und von nicht zufriedenstellenden Gegebenheiten entferne ich mich, am besten mit passendem Kommentar.

    • tststs sagt:

      2. Wieso nicht mal den Weg der Autorin versuchen: nach draussen gehen, beruhigt zurückkommen, Kind umarmen und liebe Worte aussprechen (Dank oder was auch immer). Wenn es nicht funzt, kann man dann immer noch auf die gute alte Furor-und-Geschrei-Schiene zurückwechseln.
      3. Sich äussern: evtl meint die Autorin folgendes: lieber ein frühzeitiges, nettes „Bitte im Zimmer Xylophon spielen“, als zuerst nix sagen und dann 10 Minuten später das Kind anfauchen.

  • Ina sagt:

    Liebe Nina Trepp, mir gefällt der Artikel gut. Endlich wird mal aufgezeigt, weshalb das „weg sperren“ nicht gut ist. Ich verstehe auch, was du mit der eigenen Auszeit meinst. Wenns mich so triggert, dann muss ich kurz MEINEN Kopf durchlüften und nicht sofort das Kind „bestrafen“. Schliesslich ist nicht nur das Kind das “ Unerzogene“ wenn es mal lauter ist und nicht hinhört. Wenn es mich triggert, muss ich für mich reflektieren, wieso das es MICH so stört. Wie Remo Largo so schön sagt: „wir können unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns eh alles nach!“. In dem Sinne, entspannt Euch und versucht das Kind nicht als Tyrann anzusehen, sondern als ein Familienmitglied, dass gleiche Bedürfnisse hat wie jeder Andere auch.

    • Bad Dad sagt:

      Die Kinder können sich sehr wohl wie Tyrannen aufführen. Sehe ich immer bei Freunden, die verständnisvoll reagieren, bis das Kind nicht nur die Eltern sondern auch den Besuch tyrannisiert. Auch Kinder lernen: Ich muss nur genug laut rumschreien, dann kriege ich, was ich will. Ich weiss aus der Praxis, dass das Time-Out funktioniert. Es muss halt der Situation entsprechend eingesetzt werden, z. Bsp. wenn Erwachsene sich unterhalten und das Kind wortwörtlich nach Aufmerksamkeit schreit. Wenn man hier schon sehr früh ansetzt und gezielt ein Timeout einsetzt, funzt es und zwar ohne jeden Zweifel. Wichtig für Eltern: Nach einem Timeout das Kind in den Arm nehmen und es reflektieren lassen. Kinder können das tatsächlich. Besser als wir Erwachsene.

      • tststs sagt:

        Haha, aber bringen Sie jetzt gerade nicht ein Beispiel, wo das Time-Out eben nicht die geeignete Massnahme ist? Kind macht Lärm um Aufmerksamkeit zu erhalten. In dem Moment, da man sich dem Kind zuwendet (und sei es auch nur um es zu bestrafen und ins Time-Out zu schicken) hat das Kind „gewonnen“. Wenn man jetzt dem Kind das ganze noch versucht zu erklären, oder es gar an der Hand in den Schämieggen führt, ist der Triumph komplett.

      • Ina sagt:

        Wenn sich ein Kind wie ein „Tyranne“ aufführt sollte man sowieso zuerst bei sich schauen. Das hat immer eine tiefere Bedeutung als nur „dummes Getue“. Das ist bei Kindern, wie auch bei Erwachsenen so. Und man sollte nie bei anderen schauen wenn man auf Besuch ist. Das sind Momentaufnahmen und meistens sind die Kinder von Aufregung eh schon nervöser. Also immer mit dem Zeigefinger auf die Eltern die „nicht durchgreifen können“. Ich freue mich immer zusehen, wenn die Eltern dann gelassen sein können. Das ist mir jedenfalls sympathischer, als einem Machtspiel zuzusehen.

      • Andrea sagt:

        Nur weil etwas funktioniert, muss es ja nicht das Mittel der Wahl sein. Körperliche Bestrafung „funktioniert“ auch und wird hoffentlich immer weniger als Erziehungsmethode angewandt.
        Nina Trepp hat sehr aufschlussreich beschrieben, wie das Time-Out beim Kind ankommt und was es auslöst. Die Verantwortung dafür muss dann der Erwachsene tragen.
        Danke dir Nina.

      • Bad Dad sagt:

        Wow Andrea. Sie haben gerade die Zurechtweisung mit anschließender liebevoller Umarmung und Reflexion mit einer körperlichen Bestrafung verglichen. Nichts, aber auch gar nichts verstanden.

  • Christoph Bögli sagt:

    Fazit: Statt das Kind in ein Time-out zu schicken sollen sich Eltern also selber eins nehmen. Und das soll ein sinnvolles Vorleben authentischer Gefühle und konstruktiver Konfliktlösung sein? Sobald es etwas schwierig wird raus auf den Balkon flüchten? Das scheint mir eher mal wieder in die Richtung zu gehen, dass Eltern gefälligst all ihre eigenen Emotionen und Interessen unterdrücken sollen, damit das Kind sich ja maximal ausleben kann. Was dieses dann natürlich erst recht ausnutzen wird, letztlich hiesse dieses Vorgehen ja, dass das Kind genau weiss: im Zweifel ein paar Mal laut aufs Xylophon schlagen und schon ist man die alten Nörgler los..

    • tststs sagt:

      Nun ja, wenn man ein Kind hat, dass die Eltern als „alte Nörgler“ wahrnimmt und sie ärgern will, dann stimmen ihre Ausführungen.
      Wenn das Kind aber Xylophon spielt um die Aufmerksamkeit (aka Liebe) seiner Eltern zu erhalten (was übrigens absolut normales Verhalten ist), dann stimmt es eben doch.

      Ich habe ja also Gotti weissgott nicht viel Erziehungsarbeit zu leisten, aber es ist genau meine – äusserst erfolgreiche – Taktik. Ein ehrliches, authentisches „dieses Verhalten nervt mich, damit will ich nichts zu tun haben, und tschüss“. Die Kids machen dann ziemlich schnell eine Güterabwägung, ob sie lieber die Zeit mit mir oder ihrem nervigen Verhalten verbringen wollen.

      Ich habe natürlich vorgesorgt, dass ich gewinne 😉

    • Fredi Mont d'Or sagt:

      Ich denke ähnlich. Ich erachte es auch nicht als „authentisch“, dem Kind zu vermitteln, dass ICH selber ein Problem darstelle, wenn ES Seich macht. Ich denke, es ist besser, dem Kind zu zeigen, wenn es eine Grenze überschreitet, und dass es diese Grenze überschreitet, nicht ich, der ich die Grenze ziehe. – Oder mal anders gefragt: wie ist das, wenn mein Sohn später mal akzeptieren soll, dass bei seiner Freundin ein Nein „Nein“ heisst? Ist dann die Freundin schuld, weil sie sie nicht auf den Balkon ging und sich hinterfragt hat? Total toxisch, sowas, meiner Meinung nach.

    • Caro sagt:

      Es wird dem Kind so eher gezeigt „wenn mir etwas zu viel wird, kann ich mich schützen und die Situation verlassen“ es geht ja nicht um dauerndes Weglaufen! Allemal viiiiel besser als das Kind wegzuschicken/wegsperren! Ein Kind wird deshalb keinen Lärm machen nur um die Eltern loszuwerden. Eher kann es dann auch mal ganz entspannt sagen „mir ist hier zu viel los – ich gehe mal in mein Zimmer“ weil es weiss, dass man das „darf“…

      • sonic sagt:

        @Caro: Was ist denn so schlimm, wenn man von seinem Kind verlangt, Xylophon in seinem Zimmer zu spielen? Oder draussen Dampf abzulassen?n Ich weiss nicht wie bei ihnen das Kinderzimmer aussieht, bei uns ist es kein Gefängnis in das man gesperrt wird. Kinder sollen lernen, wann und wo sie Lärm machen dürfen und wann und wo nicht. Rücksichtsnahme.

  • terepe sagt:

    „Jüngste Erkenntnisse“: 2005

  • Anh Toàn sagt:

    „Das Kind lernt keine Lösungsmöglichkeiten und keine Empathie durch den Abbruch der verfahrenen Situation.“

    „Ich gehe jetzt kurz raus auf den Balkon.“ bricht die verfahrene Situation auch ab.

    Gut finde ich, dass Sie von „auf den Balkon gehen“ reden: Ist eine klassische Taktik, verfahrene Situationen wieder in konstruktive Bahnen zu bekommen. Die Frage ist, ob es einen wesentlichen Unterschied gibt, ob das Kind auf den Balkon muss oder der Erwachsene auf den Balkon geht: Dem Kind wird das Publikum für sein Theater so oder so entzogen, ohne Publikum macht Theater aufführen keinen Spass.

    Für „Strafe“ halte ich beides nicht. Strafe funktioniert, falls überhaupt, als Abschreckung. Überdrehte Kinder muss man irgendwie runterholen, das ist nicht Strafe.

    • Anh Toàn sagt:

      Ist unser Kind überdreht, „muss“ er „zur Strafe“ Kinderfilme auf Youtube sehen.

      • tststs sagt:

        Nun ja, ich würde sagen, die abschliessende Deutungshoheit, was als Strafe gilt, liegt beim „Opfer“, also beim Kind.

      • Anh Toan sagt:

        Aus der abschliessenden Deutungshoheit eines kleinen Kindes wäre impfen oder Zähne putzen auch Strafe.

      • tststs sagt:

        ???
        Verwechseln Sie jetzt Schmerzen/Müssen mit Strafe?
        Selbstverständlich liegt die Deutungshoheit über die qualitative Wahrnehmung (gefällt/gefällt nicht) ebenfalls beim Individuum, das ist jedoch nicht zu verwechseln mit ob eine Konsequenz vom Kind als Belohnung oder Bestrafung wahrgenommen wird.

      • Anh Toàn sagt:

        Die „klassische Schämmi-Ecke“ in der Schule bringt das Kind nicht nur in eine Situation, in welcher es sich beruhigen kann, es stellt das Kind vor der Klasse bloss. Eigentlich entspricht das dem Pranger, also Strafe, Aufgeklärte sagen dem sogar Folter. Ähnlich sind unwürdige Strafecken, Orte an denen man sich nicht aufhalten will, Keller wurden früher gerne genommen dazu, dunkel, kalt. Auch ein kleines Kind merkt, wenn es gefoltert wird. Aber wenn ein Kind auf sein Zimmer geschickt wird, bis es wieder gesellschaftsfähig ist, halte ich dies nicht für Strafe und schon gar nicht für Folter. Wenn es gelingt, das Kind es akzeptiert, auf den Balkon (konkret: in sein Zimmer) geschickt zu werden, muss nicht ich auf den Balkon.

      • Anh Toàn sagt:

        @tststs „Verwechseln Sie jetzt Schmerzen/Müssen mit Strafe?“

        Nicht ich, aber ich denke zumindest kleine Kinder, oft verwechseln sogar Erwachsene das: Umweltkatastrophen sind Strafen Gottes, Krankheiten Strafe für entsprechenden Lebenswandel (die müssen nicht mal Folge sein).

        Ich glaube nicht an das Konzept von Strafen, nicht mal im eigentlichen Strafrecht, im Verkehrs- oder Steuerstrafrecht allenfalls, da wird die Strafe am ehesten kalkuliert. Aber gar nicht bei der Erziehung: Strafe will nicht angewendet werden, das wäre Rache, Strafe will mittels Androhung ernstafter Nachteile von einem Verhalten abhalten. Aber ich will meinem Kind keine ernsthaften Nachteile androhen, und schon gar nicht, diese gegebenenfalls auch umsetzen.

      • Anh Toàn sagt:

        Aber wenn ich meinem Kind die ernsthaften Nachteile nicht zufüge, obwohl es sich nicht ans Verbot / Gebot hielt, werden meine Drohungen leer.

        Meine Nachbarin droht mit keine Fernsehzeit. Das kann man ja umsetzen, ist ja nicht so ein ernsthafter Nachteil. Aber genau deswegen sagte die Tochter der Freundin, die es wie ich mitbekommen hat und überrascht war, dass sie auf dem Spielplatz bleibt und nicht dem Essensruf der Mutter folgt: „Nöö, gehe nicht nach Hause, dann sehe ich heute halt kein Fernsehen“. Man muss wenn schon mit ernsthaften Nachteilen drohen, und „nolens volens“ auch, die umzusetzen, sonst funktioniert „Strafe“ bestimmt nicht.

        Aber nochmal, aufs Zimmer schicken sehe ich nicht als Strafe, das ist Konsequenz: Ist man unsozial, ist man allein. Du gehst oder ich gehe.

      • tststs sagt:

        Aaaahhh, nun verstehe ich Sie besser.
        Nur noch eine kleine Ergänzung (habe es an anderer Stelle schon geschrieben): Eine Strafe hat nie den Zweck der Erziehung; Erziehung hat den Zweck der Erziehung (Stichwort: Strafanstalt vs Zuchthaus).
        Strafe ist Widergutmachung an der Gesellschaft.

        PS: Gehorsam aus Angst vor Strafe ist eben keine Erziehung, sondern Drohung!

    • Lena sagt:

      Den Begriff „Theater“ finde ich in dem Zusammenhang wenig konstruktiv. Letztlich geht es ja in solchen Situationen immer darum, das ein Kind ein Bedürfnis hat, welches es sich erfüllen möchte. Die Nähe zu und Aufmerksamkeit der Bindungsperson ist ja ein wichtiges Grundbedürfnis für das Kind und wenn es das Gefühl hat, nicht genug gesehen oder wahrgenommen zu werden, versucht es eben, das zu ändern. Das finde ich völlig nachvollziehbar und bin der Meinung, dass man hier ansetzen muss und einen bedürfnisorientierten Weg gehen sollte. Wer das Kind ausschließt und solche gruseligen Methoden wie die im obigen Text genannten anwendet, verstärkt im Kind lediglich das Gefühl, dass seine Bedürfnisse nicht gesehen und wahrgenommen werden, was auch das kindliche Verhalten eher verstärkt.

  • Walter Boshalter sagt:

    Find ich gut. Wenn dann dereinst beim Vorstellungsgespräch die potentielle Arbeitgeberseite plötzlich unzufrieden den Raum verlässt, wird das Kind zufrieden in sich gehen und denken: „HA, wieder mal erfolgreich Recht bekommen“.

    • tststs sagt:

      ???
      Sie glauben ernsthaft, es geht einem Kind darum „Recht zu haben“?
      Das ist die Denkart von Erwachsenen! Und von viel zu vielen Eltern… viele Konflikte wären vermeidbar, wenn nicht ständig ein Spiel mit Gewinnern und Verlierern daraus gemacht werden würde. (Sorry, liebe Leute, aber das sieht man heute wieder allzugut: Wieso soll ich das Zimmer verlassen? Ich habe ja nichts falsch gemacht! Das Kind muss… Das Kind hat unrecht…
      Nobody’s right if everbody’s wrong…

  • Luisa sagt:

    Ich möchte von der Autorin gerne wissen, wofür die Mutter sich in dieser Situation bei ihrem Kind bedankt.

  • Marcel sagt:

    Es tut mir wirklich leid, aber dieser Artikel regt mich sehr auf. Wieso werden solche angebliche Feachexperten auf familien losgelassen.
    „Die Wut wird im Stillen bearbeitet. Aggression wird zum Tabu, darf nicht gezeigt werden. “ Aber hallo, ist da nicht die Feminisierung der Schule Schuld. Überall dort wo es nur Weibliche Lehrkräfte gibt, dürfen jungs nicht mehr kämpfen, müssen ruhig sein und ja nicht negativ auffallen; Frau Lehrerin möchte ja in Ruhe arbeiten. Jetzt die Schuld wieder den Eltern zuzuschieben ist doch wohl so etwas von ….
    Und dann auch noch den Hinweiss das die Eltern auf dem Balkon gehen müssen und das ungezogene Kind umarmen müssen. Jawohl was lernt das Kind: Ich kann mich sehr blöd benehmen, es passiert mir nichts, meine Eltern fühlen sich schon schuldig. Super …

    • tststs sagt:

      1. Dieses Ruhig-Sein und Nicht-auffallen gilt für Mädchen und Jungs (Jungs muss man halt eher das Dreinschlagen abgewöhnen, den Mädchen das Ausschliessen von anderen… also einfach das Verhalten, das sie von irgendwo kopieren… aber sicher nicht von den Eltern…. sicher nicht?!?)
      2. Diese Regeln gelten IMHO auch bei männlichen Lehrpersonen.
      3. Ist es wirklich so dermassen daneben, dass Kinder mit dem Gefühl aufwachsen, dass ihre Eltern hinter ihnen stehen, egal was sie tun?

    • Lena sagt:

      Nö! Das Kind lernt durch positive Vorbilder selbst allmählich immer besser seine Gefühle zu regulieren. Es lernt, das Gefühle völlig normal sind und sein dürfen und das es von seinem Bindungsperson bedingungslos geliebt und angenommen wird. Das stärkt das Urvertrauen und die Eltern-Kind-Bindung. Wenn das Verhältnis zwischen Kindern und ihren Eltern stimmt, kann die Situation zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem das Kind sich beruhigt hat, noch einmal besprochen werden und die Eltern können dem Kind mitteilen, wie sie die Situation erlebt und sich gefühlt haben. Dann kann man sich gemeinsam Alternativen überlegen.
      In einer funktionierenden Familie geht es nicht um Schuld sondern darum, wie alle gut und glücklich miteinander leben können und die Integrität aller geachtet wird.

  • Jane Doe sagt:

    Kommt wohl auch etwas auf das Alter der Kindes an. Ich habe in der Regel ganz genau gewusst, wann ich mich als Kind daneben benommen habe und dass ich darum zurechtgewiesen werde und nicht, weil meine Eltern mich nicht lieben oder sowas. Und ich bin heute dankbar, dass meine Eltern sich nicht bei mir bedankt haben, wenn ich mich wie ein Tyrann benommem habe.

  • Anne-Sophie sagt:

    Klar,mach ich jeden Tag.Bei einem Konflikt schlage ich auf ein Kissen drauf los,mach ich auch wenn mein Mann mich nervt.Die Kinder dürfen keine Auszeit nehme.Ich schick sie doch nicht in ihr Zimmer.Es ist ein furchtbarer Ort,da ist unser Keller ja schöner.Ich begleite sie bei jedem Konflikt,da weiss ich immer was sie ä gerade fühlen,und so bin ich immer, ,aber würkli immer, bereit ALLES aufzufangen!;-)

  • Martin Frey sagt:

    Der Artikel wie auch der Link scheitert etwas daran, dass munter verschiedene Dinge, Altersstufen und Situationen vermengt werden, und gleichzeitig nicht differenziert wird zwischen Strafen, Massnahmen und Konsequenzen. Time outs wie der stille Stuhl sind für kleinere Kinder im Ausnahmezustand gedacht und explizit kein Ersatz für die von der Autorin vorgeschlagenen Massnahmen, mit denen man irgendwann anstossen kann. Das Prinzip ist wie die Zeitstrafen im Eishockey zum Abkühlen des Mütchens gedacht und funktioniert sehr wohl. Zudem stehen und fallen diese Massnahmen damit, wie man sie verbal begleitet. Kein Mensch sagt, dass dies so dysfunktional geschehen soll wie geschildert.
    Konsequenzen zu spüren sind in der Erziehung sogar sehr wichtig, und hat mit Strafen primär nichts zu tun.

    • tststs sagt:

      Strafe ist nie für den Bestraften „gedacht“, sondern für die Bestrafenden; quasi die Wiedergutmachung für gebrochenes Recht.

      (So wurden die 2 Minuten in der Kühlbox schon von so manchem Spieler dafür genutzt, einen Rachplan zu ersinnen: Türchen auf, Check, und wieder zurück auf die Strafbank 🙂 )

      • tststs sagt:

        Oder anders gesagt: Wir strafen im Justizsystem auch nicht, um den Täter damit umzuerziehen (dafür gibt es eben Massnahmen), sondern um an der Gesellschaft Wiedergutmachung zu leisten.

  • Nina sagt:

    Mein Gott , für was bedanken? Genau solche Methoden bringen Kinder hervor, die es später im richtigen Leben richtig schwierig haben . Weil sie nicht gelernt haben , zu streiten und Grenzen zu akzeptieren. Mit so einer Methode wäre es bei uns mit 3 Jungs regelmässig eskaliert . Was hätten dann die Jungs gedacht , wenn ich mich einfach zurück gezogen hätte und sie sich einfach so verprügelt hätten ? Da hätten sich mindestens die jüngeren aber richtig gefragt , wieso die Mutter jetzt einfach abhaut.
    Kinder brauchen Grenzen , Streit und auch Strafen resp. Konsequenzen. Sonst haben die Eltern und die Kinder im normalen Leben verloren.
    Ein Kind , ist nicht blöd, es weiss , ob es grundsätzlich geliebt wird und kann Konsequenzen einordnen . Fazit : Viel Liebe aber bleiben Sie bitte realistisch!

    • Fredi Mont d'Or sagt:

      Vielleicht ist das Kind der Autorin ein Einzelkind, geht den ganzen Tag in die Kita oder die Tagesschule und ist froh, wenn ihre Mutter abends mal eine halbe Stunde Zeit für es hat, wenn es nicht mit dem Smartphone ruhiggestellt wurde. Vielleicht leben sie in einer Eigentumswohnung oder einem Haus ohne Nachbarn, ergo ohne Kündigungsdrohung durch den Vermieter wegen Lärm usw. Vielleicht aber auch nicht: man weiss eigentlich kar nicht, aus welcher Lebenserfahrung sie schreibt. Unnötig, das alles.

  • dres sagt:

    Echt? Und dieses esoterische Gschpüri-Geschwätz funktioniert wirklich? Versuchen sie das mal bei meinen Jungs… Gut, mit einer Handvoll Pralinen als Ablenkung oder einer doppelten Portion Eis könnten Sie Erfolg haben…

  • sonic sagt:

    Aha und wenn das Kind in der Schule sich ähnlich benimmt, soll die Lehrerin raus gehen?

    • Bad Dad sagt:

      Hahaha, danke für diese Antwort. Sehr treffend analysiert. Genau so kommt’s!

      • tststs sagt:

        Glauben Sie es oder nicht, aber mit meinem schlimmsten Störefried bin ich genauso verfahren (okeee, nach 3 Wochen war die Geschichte gegessen): Klasse genommen und in ein anderes Schulzimmer gegangen mit dem Kommentar (hier mit dir können wir nicht arbeiten, wir suchen uns jetzt einen ruhigen Ort)

    • Miia sagt:

      Find ich jetzt nicht sooo treffend. Schule ist Schule, da wird das Kind für den Staat sozialisiert. Zu Hause ist zu Hause, da werd ich mein Kind lieben, begleiten und unterstützen, so viel es das eben braucht, so wie es für uns stimmig ist.

      Wieso habt ihr eigentlich alle so eine heiden Angst davor, dass das Kind dann in Schule/Lehre/Berufsleben versagt, wenn es zu Hause ‚weiche‘ Eltern hat? Traut ihr 1 . Euren Kindern nicht zu, dass sie das von selbst lernen, im Umgang mit ihren Peers, wenn sie dazu bereit sind? Und ist 2. die aktuelle Welt/Gesellschaft so erstrebenswert zu erhalten?

      • sonic sagt:

        Weil es ja irgendwo lernen muss, dass es nicht der Mittelpunkt der Erde ist und nicht alles immer nach seinem Willen geht. Ich denke spätestens die Kindergärtnerin ist froh, wenn sie dies nicht an sie delegieren..

      • Miia sagt:

        @Sonic

        Tja, aber genau das ist die Funktion der Lehrkräfte in unserem System: brave, einheitlich angepasste Arbeitnehmer heranziehen.

        Ich verstehe noch immer nicht, wieso aus einem Kind, das in seiner es überwältigenden Emotion Wut nicht systematisch alleine gelassen wird, ein verzogener Erwachsener werden soll. Wenn es Angst hat, oder traurig ist, dann wird es ja auch von den Eltern begleitet? Der Tipp, dass der Erwachsene raus soll, gilt ja nur in Situationen, wo sich dieser auch nicht unter Kontrolle hat?

  • Angie sagt:

    Funktioniert vielleicht bei einem Kind. Was beraten sie, wenn zwei Kinder im Wohnzimmer sich ständig triezen und sie gleichzeitig kochen sollten? Aus dem Raum gehen? Sich bei einem Kind bedanken und das andere denkt wtf…??

  • Brunhild Steiner sagt:

    Kann mich um 8:17 nur allen, ausser sepp z., anschliessen.

  • tststs sagt:

    Schliesse mich den übrigen Kommentierenden an: etwas gar widersprüchlich.
    Am störendstens finde ich:
    „Kinder brauchen keine «Methoden», sondern authentische Erwachsene. Eltern, die ihre Gefühle äussern. Ganz praktisch übersetzt, könnte das so klingen…“
    Und dann folgt dass absolute Anti-Beispiel einer Gefühlsäusserung. Es ist die vernünftige, verbale Wiedergabe eines vormals erlebten Gefühls. (Sorry, man kann sich nicht unwütig „über“ akute Wut äussern)

    • Miia sagt:

      Vielleicht können Sie das nicht, weil Ihre Eltern das eben so gemacht haben mit dem Zimmer und Stuhl. Schon mal darüber nachgedacht? (Ich kann es auch nicht, will es aber für mein Kind anders)
      Kinder lernen von Erwachsenen durch Nachahmung. Wenn die vorleben, wie sie ihre eigenen Emotionen regulieren, wird es das Kind auch lernen… im Zimmer/auf dem Stuhl ist es alleine mit sehr sehr mächtigen Emotionen. Da wird es sich vielleicht beruhigen, aber gelernt hat es nichts Nützliches. Sondern nur, dass es in Wut nicht willkommen ist oder wer die Macht hat.

      • tststs sagt:

        ???
        Miia, ist Ihr Kommentar für einen anderen Kommentar gedacht?
        Oder meinen Sie, meine Unfähigkeit während eines Wutmoments sich unwütig zu äussern? Da geht es aber nicht um meine fehlende (weil nicht erlernte) Fähigkeit, sondern dass per Definition das niemand kann. Entweder man ist wütend und dann eben nicht fähig sich unwütend zu äussern; oder der Wutmoment ist verraucht, man ist wieder vernünftig und dann auch fähig unwütig darüber zu sprechen…

      • tststs sagt:

        Und zweitens finde ich, dass Sie hier jetzt gar schnell zwei Dinge vermischen:
        Ein auf irgendwas wütendes Kind kann durchaus von den Eltern beruhigt werden. Ein AUF DIE Eltern wütendes Kind eher nicht…

  • Franziska Liechti sagt:

    Meiner Meinung nach werden mit dieser Methode kleine Tyrannen (v)erzogen. Die Kinder bekommen keine Grenzen mehr gesetzt. Ein „Nein“ bzw. „Stop“ der Mutter zählt nicht mehr. Schlussendlich tanzen die Kinder den Eltern auf der Nase rum. Welche Auswirkungen dies hat, sieht man zu genüge.
    Bei uns ist es so, dass sich die Kinder im allgemeinen Raum der Wohnung (Küche, Wohnzimmer, Flur) an Regeln halten müssen. z.B. nicht schreien, kein Schlagen der Geschwister, ein moderater Lärmpegel. Wenn sie sich daran nicht halten können oder wollen, müssen sie in ihr Zimmer. Dort können sie tun, was sie wollen: Teddy anschreien, Krach machen, …
    So lernen sie, dass gewisses Verhalten anderen gegenüber nicht geht und wir Rücksicht aufeinander nehmen (auch auf die müde Mutter).

  • Brenner sagt:

    „Kinder brauchen authentische Erwachsene“ – einverstanden.
    «Mir ist es gerade zu laut und zu wild hier in der Küche. Bitte spiel in deinem Zimmer mit dem Xylofon.» «Okay, es scheint so, als könntest du gerade nicht stoppen. Mir ist es aber zu laut, und ich ertrage es keine Sekunde mehr. Ich gehe jetzt kurz raus auf den Balkon.» – Das nennen Sie Authentizität?
    „Sie ist Mutter eines Sohnes.“ – Ah, okay, mit einem Kind hat man noch Zeit und Nerven für solche Übungen…

  • Bad Dad sagt:

    Das ist genau die Art von Kolumne, die Eltern ratlos zurücklässt im Sinne von: Ja, was denn nun? Am Ende glaubt man keinem Erziehungsexperten mehr. Fakt ist: die stille Treppe funktioniert und ist kein Schäm-di-Egge, sondern ein „komm mal kurz runter-Raum“. Tut allen gut, sofern man das Kind wohlwollend behandelt, sprich: Ich sehe du bist aufgeregt, geh doch kurz auf dein Zimmer und komm wieder, wenn du das Gefühl hast, es gehe jetzt wieder. Meine Kinder haben dadurch in kurzer Zeit den Tyrannen abgelegt. Soweit ich sehen kann, sind meine Teenager deswegen keineswegs traumatisiert.

  • Mona sagt:

    Ich finde den stillen Stuhl auch nicht toll. Dieses Beispiel jedoch ist mehr als fragwürdig. Das Kind hört nicht auf mich, spielt noch lauter auf dem Xylophon und ich bedanke mich dann bei ihm….

    • Astrid Meier sagt:

      …und gehe aus dem Raum, lasse also ein wahrscheinlich kleines und wütendes Kind unbeaufsichtigt. Keine gute Idee, und unpraktizierbar, da die Aufsichtspflicht verletzt wird.

      Seltsam auch, dass das Kind seine Agressionen nicht nach innen wenden soll, aber bei Beachtung dieser Ratschläge von Erwachsenen umgeben ist, die genau das tun, auf ihrem stillen Ort auf dem Balkon.

      • tststs sagt:

        Ein Kind, das einigermassen Xylophon spielen kann, kann man auch mal 10 Minuten unbeaufsichtigt lassen.

  • Lea Meier sagt:

    Was für ein Theoretisches Gewäsch. Kinder brauchen Erziehung und Eltern, die ihnen Rücksicht und Benehmen sowie Werte für Unrecht beibringen. So ist es durchaus legitim, dass Kinder sich schämen sollen für gewisse Verhaltensweisen, zB wenn sie andere tritzen, mobben und sich respektlos verhalten.

  • Claude sagt:

    Das Kind verhält sich nicht regelkonform und dann sollen die Erwachsenen den Raum verlassen? Im ernst?
    – Das Kind hört – oder vielmehr spürt: «Etwas stimmt mit mir nicht.»
    Ganz genau in diesem Moment stimmt mit ihm etwas nicht und das darf man nicht zum Ausdruck bringen?
    – Die Beziehung wird abgebrochen
    So ein Unsinn bzw. wenn der genervte Elterneteil davon läuft nicht auch?
    – Es gibt auch eine gewisse Abstumpfung
    Falls man das Kind dreimal am Tag ins Zimmer schickt eventuell, aber dann stimmt so oder so etwas nicht
    – Das Kind lernt keine Lösungsmöglichkeiten
    Aber wenn der genervte Elternteil davon läuft, tut es das? Stimmt „ich kann machen was ich will es passiert ja eh nichts“.
    Ich seh regelrecht den schreienden 6jährigen an der Kasse vor mir und die Mutter lobt ihn dafür.

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Gebrochen“, „zum Gehorsam gezwungen“ sind ziemlich starke Begriffe.
    „Auszeit/stiller Stuhl/was auch immer“ pauschal so verurteilen und nur desaströse Folgen als Konsequenz an die Wand malen?
    Ob sich ein Kind gewollt&angenommen fühlt entscheidet das Gesamtbild, in einer grundsätzlich von Liebe&Annahme geprägter Umgebung können Auszeiten, mit entsprechender Kommunikation, sehr wohl in ihren Platz haben.

    Die beschriebenen Folgen haben meiner Erfahrung nach nicht sehr viel mit dieser Methode zu tun, sondern eher mit einer Falschanwendung. Zumal alle Methoden/Vorgehensweisen (Ausnahmen immer mit dabei) entsprechend Persönlichkeit/Umstände von Eltern/Kindern abgestimmt sein sollten.

    • Lena sagt:

      Das sehe ich deutlich anders. Gerade da, wo Liebe & Annahme die Umgebung eines Kindes prägen, haben solche Methoden keinen Platz. Denn wer sein Kind so annimmt, wie es ist, vermittelt, das Gefühle sein dürfen und hilft dem Kind dabei die Fähigkeit zur Gefühlsregulation zu erwerben, indem er/sie Trost spendet und einfach da ist. Jemanden aus dem Raum schicken oder in eine Ecke stellen, weil er ist noch nicht schafft seine Emotionen zu regulieren, ist nicht nur bloßstellend und demütigend sondern zerstört auch die Integrität der neu heranreifenden Persönlichkeit und die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Lena
        „jemanden aus dem Raum schicken“, kann auf sehr unterschiedlich gehandhabt werden, es geht zudem um „Auszeiten, mit entsprechender Kommunikation (also dementsprechender Grundhaltung)“.
        Es zeugt von schwarz-weiss-Weltbild wenn den Hinterfragenden starke Begriffe wie „blossstellend, demütigend, zerstört“ angelastet werden.
        Und wird der Komplexität nicht gerecht.

  • sepp z. sagt:

    Das Kind (der Sohn) wird bald genug beschämt werden. Nicht weil es Kind ist, sondern weil es männlichen Geschlechts ist. Es wird in der Schule beginnen, wo Lehrerinnen ihm kundtun werden, dass die Verhaltensweisen der Mädchen gut und das der Knaben schlecht ist. Es wird weitergehen, wenn es beginnt Zeitungen zu lesen und Medien zu konsumieren: Das männliche sei toxisch und das weibliche die Zukunft. Und seine Chancen auf höhere Bildung sind erheblich kleiner, weil er Knabe ist, und man wird ihn fühlen lassen, dass das gut so sei, dass weniger von seinesgleichen es nach oben schaffen.
    Ja, schützen wir diesen Knaben vor der Beschämungstrafe, er wird später von unserer Gesellschaft genug davon kriegen.

  • Glasmost sagt:

    Interessanter Artikel, mir ist nur die vorgeschlagene Alternative nicht ganz klar.
    Ist da nicht die Botschaft ans Kind, das es sich Benehmen kann wie es will, weil es nicht sein Problem ist wenn sich jemand daran stört? Warum müssen die Eltern eine Auszeit nehmen und nicht derjenige der den Konflikt verursacht?
    Was ist wenn mehrere Kinder beteiligt sind, z.B. weil eines die anderen beim Spielen stört? Darf dann der „Tyrann„ weiter machen und das „Opfer“ muss sich mit den Eltern zurück ziehen und auf ein Kissen einschlagen?
    Mir leuchtet schon ein, was ein Zimmerarrest auslösen kann. Die beschriebene Alternative scheint mir aber nicht adäquat. Gibt es nicht bessere Vorschläge?

    • Dada sagt:

      Jedes Kind ist anders und Eltern kennen ihr eigenes Kind am Besten. „Gemäss jüngsten Erkenntnisse“ heisst nicht, es sei so für alle Kinder und Eltern das Beste. Liebe Eltern, findet Zeit für eure Gesundheit, Freunde und Partner. Habt kein schlechtes Gewissen, das Kind an eine Vertrauensperson anzuvertrauen, um Zeit miteinander zu verbringen Euer Kind wird das spüren, dass ihr keine Lust habt, auf dem Balkon zu verweilen

  • Furrersteff sagt:

    Schön haben wir gelesen wie es therroretisch funktionieren sollte.
    Aber sowas von realitätsfernem gschpürschmi Rat bringt ja wohl gar nichts wenn der Kessel pfeift.

    • Mathilde sagt:

      Solche „raus“ und „aus dem Kollektiv rauszunehmen auszuschliessen“ Methoden kenne ich gut aus Hort und Schulen.

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