Schluss mit dem Vereinbarkeitsgejammer!

  • Eben nicht! Noch immer mangelts in der Schweiz an vernünftigen Betreuungsmodellen. (Fotos: Getty Images)

  • Co-Working-Spaces ermöglichen das konzentrierte Arbeiten ...

  • ... und Teamsitzungen, während die Kinder im selben Haus betreut werden.

  • The Wing in Amerika machte es vor, nun zieht die Schweiz nach und eröffnet mit Tadah den ersten Co-Working-Space. (Foto: The Wing)

Gleichstellung, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit – sie sind in aller Munde, all diese Themen rund um die sich verändernde Arbeitswelt. Ganz ehrlich: Mir hängt die Diskussion zum Hals heraus. Denn Fakt ist: Die Arbeitsstrukturen in der Schweiz sind für arbeitende Mütter und Väter oft familienunfreundlich. Und die Betreuungsmodelle alles andere als flexibel.

Klar, es gibt sie, die Firmen, die es den Eltern einfacher machen wollen. Die Teilzeitarbeit (auch bei Männern!) begrüssen und fördern, die Homeoffice erlauben und sogar pushen, die keine Sitzungen um 17.30 Uhr einberufen und die nicht per se darauf bestehen, dass man 8,4 Stunden auf dem Sessel sitzt, sondern seinen Job macht. Und das gut. Aber wir alle wissen: Viele Firmen sind es nicht, die so progressiv agieren.

Starre Rollenverteilung

Die Schweiz weist europaweit am zweitmeisten Teilzeitarbeitende aus. Eine Zahl, die uns hoffen lässt – und die ein gutes Zeichen ist. Und trotzdem: Viele Frauen finden nur schwer einen Teilzeitjob, der inhaltlich demjenigen entspricht, den sie vor dem Muttersein innehatten. Und Väter, die nicht 100 Prozent arbeiten wollen, gelten rasch als unbelastbar – und landen so ebenfalls auf dem Abstellgleis. Was passiert also? Die Rollen bleiben in den meisten Haushalten dieselben. Das bedeutet aber nicht, dass viele sich nicht aufreiben zwischen Familie und Job. Ganz im Gegenteil. Das ist auch bei mir nicht anders. Bis jetzt. Denn ich habe beschlossen, etwas zu ändern.

Ich fordere ein familienfreundlicheres Arbeits- und Betreuungsmodell. Ich möchte dabei nicht noch mehr arbeiten und meine Kinder fünf Tage die Woche fremdbetreuen lassen. Ich möchte, dass es endlich möglich ist, Beruf und Familie zu vereinbaren – und nicht nur zu kombinieren. Ja, ich möchte beidem gerecht werden. Ich will flexibler arbeiten und meine Kinder ebenso flexibel betreuen lassen können. Damit ich meinen Job machen kann, all die E-Mails und Telefonate erledigen kann, um dann Zeit mit meinen Kindern zu verbringen – ohne ebendiese E-Mails und Telefonate. Dass Männer und Frauen gar gleich viel arbeiten und gleich viel daheim sind. Wenn sie denn wollen. Denn genau darum geht es. Darum, dass jeder eigenbestimmt wählen kann, welches Arbeits- und Betreuungsmodell für ihn und seine Familie am besten ist. Ohne sich dabei rechtfertigen zu müssen.

Nicht jammern, machen!

Damit man aber wählen kann, braucht es Auswahl. Die für mich perfekte Lösung gibt es leider nicht. Oder besser: noch nicht. Denn wie gesagt: Jammern hilft nicht. Also habe ich mich mit drei anderen teilzeitarbeitenden Müttern zusammengetan, und gemeinsam gründeten wir den ersten grossen Co-Working-Space mit Kinderbetreuung der Schweiz. Konkret heisst das: Unter demselben Dach (also nicht im selben Raum) wird gearbeitet – und gespielt. Der abgetrennte Kinderbereich wird dabei von einer diplomierten Kleinkinderzieherin geleitet. Und: Die Anzahl Betreuungstage oder Betreuungsstunden kann von den Eltern flexibel gewählt werden.

Wir sind zugegebenermassen ein bisschen wahnsinnig, ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen mit kleinen Kindern daheim. Doch die letzten Monate haben uns ganz klar gezeigt, dass unsere Vision auf fruchtbaren Boden stösst. Auch, weil wir uns so oft gewünscht hätten, es gäbe ihn schon, diesen Ort, an dem wir in einem professionellen Umfeld arbeiten können, während unsere Kinder ebenso betreut werden. Aber auch, weil schon über 350 Personen unsere Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit.com unterstützt haben. Wir sind mittlerweile auf der allerletzten Finanzierungsmeile für unser Projekt – für unsere Antwort auf die Vereinbarkeitsfrage.

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60 Kommentare zu «Schluss mit dem Vereinbarkeitsgejammer!»

  • Amanda sagt:

    Herzliche Gratulation zum Mut, diese Idee umzusetzen. Die Schweiz bräuchte mehr Personen wie Sie. Eigentlich schade, dass das Sozialsystem der Schweiz nicht schon selber solche Vereinbarkeits-Strukturen anbietet (oder ich weiss nichts davon) und dass es „Privatpersonen“, die aus Eigeninitiative handeln, braucht, um die Bestrebungen in der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf voranzutreiben und zu modernisieren. Trotzdem leben wir in einem Land, in dem es die Freiheit erlaubt, aus Möglichkeiten Neues entstehen zu lassen – nur muss es jemand tun. Deshalb: Hut ab für Ihre Eigeninitiative und Durchhaltewillen. Ich wünsche Ihnen erfolgreiches Gelingen und ich werde Ihre Idee mit grossem Interesse verfolgen.

  • Günter sagt:

    Also ich find’s ja super.

  • M. Cesna sagt:

    Die Realität der Schweiz ist halt doch so, dass jeder dritte Schweizer SVP wählt. Deren Ideologie hat knapp die Erfindung der WC-Spülung hinter sich.
    In den nordischen Ländern wären so moderne Ideen wohl viel einfacher zu verwirklichen.
    Die strukturelle Diskriminierung jeglicher Alternativ-Ideen ist hier immer noch immens.

    • Einzelkind sagt:

      Ich gehöre zu diesen (leider nur) 30 Prozent und meine Ideologie ist diejenige der Eigenverantwortung: man soll sich eben überlegen wie man Beruf, Haushalt und Familie organisieren und finanzieren kann BEVOR man sich entscheidet Kinder in die Welt zu setzen! Kann man’s nicht, dann lässt man’s eben bleiben…

      • Christoph Bögli sagt:

        Reden Sie etwa ernsthaft von „Eigenverantwortung“ im Zusammenhang mit der Subventions-und-Überwachungsstaats-Partei SVP? Gerade wenn es um Familien geht ist das doch ein Witz, bei der SVP hält man schliesslich noch nicht einmal etwas von moderner Familienplanung, sondern pflegt eher den guten alten Verhütung-ist-Sünde-und-wenns-passiert-gehört-die-Frau-an-den-Herd-Ansatz.

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        Die SVP ist nicht die Partei der Eigenverantwortung, sondern des Konservatismus, daher auch das dort noch recht verbreitete traditionelle Familienbild.
        Die Partei der Eigenverantwortung waren mal die Liberalen, bevor sie zur Lobbistenvereinigung wurden. Wir haben mMn aktuell keine Partei der Eigenverantwortung in der Schweiz.
        Subventionen per se sind nicht unbedingt schlecht. Ich finde es richtig, dass man die Landwirtschaft unterstützt und die Berggebiete (häufig das Klientel der SVP), umgekehrt auch arbeitstätige Eltern mittels bezahlbaren Kitaplätzen und sinnvollen Tagesstrukturen. Es ist ja ähnlich, beides macht man damit die Betreffenden ihre Berufe/Aufgaben erfüllen können. Ansonsten müsste man diese ganzen Leute gar nicht ausbilden, wenn sie nachher nicht arbeiten können.

  • sole sagt:

    Weil hier wieder einige schreiben, das sei ja eh nur für die super Privilegierten, quasi die obersten 1%, habe ich jetzt mal gegoogelt. Stellt sich heraus, dass die Mehrheit nicht auf dem Bau schuftet. Das Bundesamt für Statistik (BFS) führt hierzu Statistiken. Links sind vermutlich nicht erlaubt, aber googeln Sie mal „wirtschaftsstruktur städte bfs“. In Zürich (und um diesen Standort geht es ja) gibt es bestimmt 20-30%, die mit der oben beschriebenen Kitastruktur etwas anfangen können. Das ist eine grosse Minderheit! Es sind auf alle Fälle nicht nur wenige Privilegierte. Und warum nicht dort anfangen, wo es am einfachsten ist? Dann werden die anderen Branchen hoffentlich irgendwann nachziehen.

  • Erika Brugger sagt:

    Ich teile die zynischen Kommentare hier nicht. Natürlich ist das ein Modell, das sich speziell für Freischaffende eignet, ähnlich den meisten Co-Working-Spaces, insofern also nicht ganz neu. Die Idee, beides zu kombinieren, gefällt mir (ich bin selber freischaffend/Mutter), und ich bin gespannt, was bei dem Pilotprojekt herauskommt. Ich denke aber, es wird vor allem für die Kinderbetreuung ein hoher Anspruch sein, den flexiblen Präsenzen der Mütter & Väter gerecht zu werden, weil Kinder ja ebenfalls einen eigenen Rhythmus und erfahrungsgemäss Mühe mit ständig wechselnden Gspänli haben.

  • Röschu sagt:

    Dass die Malerin dann anstatt am Auftragsort in Schwamendingen halt in Albisrieden ein Zimmer neu streicht mag ja noch angehen. Dass aber der Sanitär anstelle der defekten Toilette in Oerlikon ein eigentlich intaktes Klo in der neuen Coworking-Space repariert, halte ich dann doch für etwas übertrieben.

    • Frank sagt:

      @Röschu, der Sanitär-Papi ist halt selbst doof, dass er so eine Büez macht. Der will einfach nicht so fortschrittliche Familienstrukturen unterstützen. Wäre er clever, hätte er sich in eine gutbetuchte Familie gebären lassen und dann eine gutverdienende Frau geehelicht und wäre jetzt BIogschreiber.

    • Christoph Bögli sagt:

      Etwas schlapper Witz. Nur weil nicht jede Lösung für jeden Beruf passt, heisst das doch nicht, dass die Lösung ungeeignet ist für jene Berufe, bei welchen diese funktioniert. Im übrigen, auch beim Maler und Sanitär besteht heute ein signifikanter Teil der Arbeitszeit aus Papierkram und Planung, zumindest wenn man Meister ist und nicht Hilfskraft.

    • Barbara V.E. sagt:

      Ich habe, als meine Tochter, geboren wurde, am Postschalter gearbeitet. Als wir verheiratet waren, schaute der Vater und eine Tagesmutter zum Kind, nach der Scheidung war das Kind meistens bei der Tagesmutter (ein Nachmittag und ein Morgen bei den Grosseltern.
      Die Tagesfamilie war auch flexibel genug, wenn ich mal nicht pünktlich zur Post raus kam, sie sich weiter um das Kind kümmerten.
      In der Tat sind Kinderkrippen unflexibler, Co-Working und HomeOffice funktioniert nicht für jeden Beruf. Mein Favorit ist die Tagesfamilie. Wir hatten erst beim 5. Versuch die richtige Familie. Ich bin heute noch unendlich dankbar und finde es schade, dass die Vergütung so schlecht/unattraktiv ist. Ich hätte nie bezahlen können, was mir die Betreuung wert gewesen ist.

  • Lisa sagt:

    schön, wenn man in einem Beruf arbeiten kann, in welchem man allein in einem abgeschiedenen Zimmerchen für sich etwas tun kann. Die meisten Mamis sind aber im Verkauf oder in einem Grossunternehmen mit Präsenzpflicht tätig, da kann man nicht von daheim aus arbeiten.

    • Claudi sagt:

      @Lisa, es geht ja bei dieser ganze Privilegien/Selbstverwirklichungsdebatte um 2-3% „happy few“, jene die genug Macht haben, ihre Forderungen laut und breit gestreut zu propagieren. Wen kümmern schon die Mamis oder Papis im Verkauf oder der Fabrik. Die neue links-feministische Politik adressiert die Privilegiertesten, um ihnen noch mehr Privilegien zuzuschanzen, auf dem Buckel der restlichen Bevölkerung.

      • Colisa sagt:

        Hi zusammen, genau, das regt mich an dieser Debatte auch immer so auf… Es gibt nicht nur Bürogummis…

      • tina sagt:

        habt ihr den text gelesen? die reisen nicht das maul auf. die haben gemacht. ja, für die bedürfnisse einer bestimmten zielgruppe. diese zielgruppe ist vorhanden in städten. ja klar, für fabrikarbeiterinnen und detailhandelangestellte ist das keine lösung, auch nicht für handwerker. ich arbeite die hälfte meiner arbeitszeit in der verwaltung und ein viertel bearbeite ich webseiten. innerhalb dieser aufgaben ist es mir möglich, einen teil davon irgendwann (in nützlicher frist natürlich) und irgendwo zu machen. das war gerade mit kleinen kindern sehr sehr sehr praktisch, damit kann man gut engpässe jonglieren. privilegiert empfand ich mich weil ich einen chef hatte damals, der wusste, was es heisst, erwerbstätig zu sein und kinder zu haben, aber nicht etwa weil mein job so hochstehend war.

      • tina sagt:

        im gegenteil, ich habe meinen erlernten, interessanten und massiv besser bezahlten job an den nagel gehängt, um einen ohne verantwortung auszuüben, um meiner familie gerecht zu werden. auch das zu können ist ein privileg, das stimmt. oder eher glück. aber nicht privilegiert im sinne von reiches elternhaus oder super ausbildung

      • tina sagt:

        „reisen“ hahaha. freudscher verschreiber, sorry
        .
        was macht ihr denn beruflich?

      • claudi sagt:

        @tina „ich arbeite die hälfte meiner arbeitszeit in der verwaltung und ein viertel bearbeite ich webseiten. “

        eben. perfekt das profil dieses klientels.

      • tina sagt:

        ja claudi, sage ich ja. aber ich habe auch noch eine menge mehr gesagt und gefragt und aufgeworfen. aber du wolltest nur motzen und darum gehst du halt nicht darauf ein. macht nichts.
        jedenfalls sind leute, die es sich beruflich so eingerichtet haben wie ich, weder mächtig noch privilegiert hinsichtlich wohlstand. solche wie mich gibts in städten viele, weiblich und männlich. welche zusätzlichen privilegien ich oder solche wie ich in der hinsicht auf dem buckel weniger privilegierter erhalten sollen kann ich mir nicht vorstellen. da bist du wirklich falsch gewickelt und regst dich völlig unnötig auf. hier haben einfach leute etwas so angepackt, dass es für sie passt. selber.
        für meine familie passte übrigens der städtische hort damals ganz gut. die krippe war vom frauenverein

      • tina sagt:

        ich habe übrigens auch extra in der stadt gewohnt mit kleinen kindern, damit das passt mit der fremdbetreuung. in einem recht unbeliebten quartier, damit die wohnung günstig ist (tiefer standard, aber das ists wert). wie gesagt, musste ich die branche wechseln, sowohl geld verdienen zu können, als auch meinen kindern gerechtzuwerden. wir lebten an der armutsgrenze oder drunter. privilegiert empfand ich mich schon, weil ich es wirklich gut traf mit wohnsituation und arbeitsplatz. das war aber glück

  • Brigitte sagt:

    Niemand hier spricht im Name der KInder. Sie haben es nicht gewollt auf die Erde zu kommen und dann weggeschoben werden. Entweder hat man zeit und Liebe für sie oder dann lässt man es fallen, es ist ja nicht obligatorisch dass man kinder auf die Welt setzt, alors entweder man tut es aber hat Freude daran sie selbst zu erziehen, liebevoll, oder man geht lieber weg von zuhause und hat dann keine Kinder.

    • Yannick sagt:

      Die Kinder hätten am liebsten, wenn man sich 24h um sie kümmert, Mami & Papi. Nur leider geht das nicht, mindestens einer von beiden muss Geld verdienen um die Familie zu ernähren.

      • sophie sagt:

        Yannik : ja EINER von beiden oder einer und halb höchstens ! Aber nicht beide ! Man will sich nicht mehr der Kinder widmen, das ist es vielmals. Sehr gut verdienende Paar könnten eine Gouvernante anstellen oder einfach Haushaltshilfe, aber sie tun es nicht, im Ausland aber schon. Eine Familie welche ich kenne hatte eine ganz liebe Frau aus Polen, die war jahrelang da und scheinte gar nicht ausgenütz sondern zufrieden und happy.

    • Tom sagt:

      Tja, im Paradies ist das vielleicht so. Hier auf Erden haben haben weder Mama Löwin, noch Papa Enterich immer Zeit für die Kleinen. So ist es halt auch bei uns Menschen. Und wissen Sie was: Kinder wachsen auch sehr gut auf ohne 24h-Helikoptereltern – man schaue nur nach Frankreich oder in die DDR, wo es ganz selbstverständlich war, dass Väter und Mütter arbeiten (und zwar nicht nur als Klamottenverkäuferinnen, sondern wirklich gleichberechtigt).

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Tom

        die DDR hat ua ein absolut wasserdicht&flächendeckendes Kinderbetreuungssystem, und zwar fast ab Geburt, am laufen gehalten damit die zukünftigen Staatsbürger schön auf Linie laufen, weil vom frühstmöglichen Zeitpunkt indoktriniert.

        Berufliche Verwirklichung und freie Arbeitsplatzwahl waren dort nicht anwesend. Diese Ebenen sind dermassen schief (und mit den allgemeinen Menschenrechten nicht kompatibel) dass Sie es wirklich als Vergleich heranziehen sollten.

      • Tom sagt:

        @Brunhild Naja, ich kenne doch einige, die in der DDR aufgewachsen sind und keineswegs indoktriniert oder anderweitig gestört sind. Und da mein Kommentar sich ausschliesslich auf den Zusammenhang von Fremdbetreuung und dem Kindswohl (als Antwort auf Brigittes Kommentar) bezieht, erlaube ich mir, nicht aus Prinzip einfach mal alles an der DDR zu verteufeln.

      • Brunhild Steiner sagt:

        uhh, selbstverständlich sollte das heissen:
        dass Sie es NICHT als Vergleich heranziehen sollten.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Tom

        es geht um den Zusammenhang warum das so lückenlos aufgebaut war. Da eignen sich nordische Länder besser, da in nordischen Ländern die Gleichstellung eher gewährleistet ist.
        Es geht nicht um „gestört“, sondern um Zugang zu Bildung, Arbeits/Wohnort etc der von Linientreue abhängig war. War man da nicht zu aufmüpfig dann war man in der Tat erfolgreich indoktriniert.
        Ich finde es sehr wichtig dass man diese Zusammenhänge nicht vergisst.

      • Tom sagt:

        Merci Brunhild, die dunklen Seiten der DDR sind mir durchaus bekannt. Darum ging es in meiner Antwort (und auch in dieser Diskussion) nicht. Wir wollen schliesslich beim Thema bleiben.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Berufliche Verwirklichung und freie Arbeitsplatzwahl waren dort (DDR) nicht anwesend.‘

        Oh jeh, Brunhild

  • Jo Mooth sagt:

    Mich verwundern die zahlreichen negativen oder kritischen Kommentare: Da macht mal jemand was und dann wird gleich kritisiert, dass das nicht für alle möglich ist. Na und? Für die, die es nutzen können, ist es doch gut? Vielleicht macht mal jemand eine mobile Kita in einem Wohnmobil bei einer Grossbaustelle auf, damit die Bagger- und Kranführerinnen, die Eisenlegerinnen und Gipserinnen ihre Kleinkinder in den Pausen stillen können. Das ist ja dann auch nicht für alle.

    • peter sagt:

      Das wäre eine tolle Idee! Auch die Papis die auf der Baustelle arbeiten, kònnte ihre Kinder bringen. Ich würde meine Kinder sofort mitnehmen, wenn es das gäbe!

      • tina sagt:

        schonmal auf einer baustelle gewesen? :). da sind viele firmen involviert und all die firmen haben vierschiedene baustellen…..

  • maike sagt:

    Das ist ja eine super neue Erfindung – Co-Working. Früher in der guten alten DDR nannte man das einfach Betriebskindergarten. Das dort arbeitende Elternteil hat den Nachwuch bei Arbeitsbegin hingebracht und nach Ende der Arbeit wieder abgeholt. Das Prinzip funktionierte bestens bei grossen Firmen.
    Für die kleinern Firmen gab es eben die allgemeinen Kindergärten.
    Überträgt man dieses Modell jetzt auf die Schweiz bedeutet es doch ganz einfach – es fehlt an Betreuungsplätzen für den Nachwuchs von berufstätigen Menschen !
    Da muss man dieser Tatsache nicht noch einen neuen Namen geben. Schafft lieber mehr Kindergärten, zahlt den Betreuern einen vernünftigen Lohn und das Thema ist vom Tisch !

    • Frank sagt:

      @Maike, solange in diesen Kindergärten männliche Betreuer als Risiko, als Gefahr und als Teufel rausgeekelt werden, braucht es da sicher nicht noch mehr öffentliche Gelder. Im Gegenteil. Wir müssen keine toxischen männerverachtenden Ideologien und Organisationen unterstützen.

    • Anna Meier sagt:

      Sie haben da was falsch verstanden. Co-Working ist nicht der Name für die angehängte Kinderbetreuungsstätte, sondern für geteilte Büroräumlichkeiten, in denen Leute, die für unterschiedliche Firmen (oder selbständig) arbeiten, flexibel einen Arbeitsplatz haben. Und das ist nun eben der erste Co-Working Space, der auch einen eigenen „Betriebskindergarten“ hat.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @maike

      wie schon gegenüber Tom bemerkt, bitte beachten Sie den totalitären Überbau dieser „Betriebe“ mit Betriebskindergarten.
      Das waren keine unternehmerischen Entscheidungen, sondern in erster Linie ideologisch bedingte!

      • Brunhild Steiner sagt:

        Nachtrag, und „ideologisch bedingt“ nicht im Namen von Freiheit für die Mütter was ihre Berufsverwirklichung und Selbstentfaltung betrifft, sondern im Namen eines totalitären Staatsapparates der seine Schäfchen bis in die Details kontrolliert haben wollte.

  • Caroline Bacher sagt:

    Ich bin ja eine totale Unterstützerin der Vereinbarkeits-Frage, und lebe selbst ein sehr gleichberechrigtes Modell (80/80, 3 Tage Kita, ich verdiene mehr als mein Mann). Aber dieses „ich will ich will ich will“ und „es-muss-doch“ geht mir entschieden zu weit. Nirgendwo steht geschrieben, dass man noch flexibler auf meine Bedürfnisse eingehen muss, dass ich ein Recht habe alles gleichzeitig zu können / zu dürfen… ein gewisses Mass an Kompromiss ist unabdingbar, wenn man Familie gründet. Eine Entscheidung FÜR etwas ist eben immer auch eine Entscheidung GEGEN etwas anderes.
    Nichts gegen das Projekt, aber Teile des Text sind mir einfach als etwas sehr fordernd aufgestossen.
    Bzgl Projekt: das kommt ja sowieso nur für sehr wenige in Betracht!

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Spannend – da hat jemand anderes weiter unten zur selben Zeit den genau selben Text geposted wie Sie (inkl. Schreibfehler)!

      Wir leben übrigens auch ein „gleichberechtigtes“ Modell, obwohl ich mehr arbeite als meine Frau – ich würde das persönlich nicht an den Arbeitsprozenten festmachen.

      • Lina Peeterbach sagt:

        Haha! Zu viele Pseudonyme… 😉

        Ich wollte selbstverständlich nicht sagen, dass es gleichberechtigt, ist, wenn die Frau mehr verdient oder gleich viel / mehr arbeitet – und vor allem nicht, dass alles andere NICHT gleichberechtigt wäre. Mir ging es nur darum zu zeigen, dass das Thema für uns als Familie wichtig und relevant ist, und dass Vereinbarkeit für uns essenziell ist.

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        🙂

        „Mir ging es nur darum zu zeigen, dass das Thema für uns als Familie wichtig und relevant ist, und dass Vereinbarkeit für uns essenziell ist.“

        Diese Aussage gefällt mir sehr gut! Ist bei uns auch so.

  • sophie sagt:

    Der Bildschirm, ja das tut den kleinen natürlich gut …

  • Marek sagt:

    Müssen denn beide Elternteile arbeiten? Sicher, damit sie die KiTa bezahlen können. Wäre es für das Kind nicht viel wertvoller als jegliches Geld dieser Welt, von der eigenen Mutter (Vater) täglich erzogen und betreut zu werden. Das Kind selbst aufzuziehen, ihm selbst Sachen beizubringen. Manche Kinder können, kommen sie in den Kindergarten, nicht einmal die eigenen Schuhe binden oder gar alleine auf die Toilette gehen. In einer KiTa können zwei Betreuer für 10 bis 15 Kinder solche grundlegende sachen keinem Kind beibringen. Es tönt für emanzipierte Mütter tragisch, aber Kindererziehung meiner eigenen Kinder würde ich niemals einer/m Kinderbetreuer/in in keiner KiTa überlassen.

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Man überlässt die Kindererziehung ja nicht der Kita, die meisten Kita-Kinder sind 16 oder 24h/Woche dort. Die Woche hat 168 h.
      Mein Kind ging in die Kita und war mit 2 auf dem Töpfchen während ein uns bekanntes rund-um-die Uhr-vom-Mami-betreutes Kind mit 6 noch Windeln trägt in der Nacht.

    • Melanie sagt:

      @ Marek
      Diese Meinung ist ihr gutes Recht und sie dürfen die Betreuung ihrer Kinder vollumfänglich übernehmen, wenn das für sie stimmt.
      Ich habe eine gute Ausbildung, Spass am Arbeiten (50%), Angst vor Altersarmut und Abhängigkeit, meinen Kindern das Schuhebinden beigebracht und erlebt wie der erste Zahn ausgefallen ist. Die Kita oder Tagesschule sehe ich als Bereicherung, die meinen Kindern den Horizont nochmals erweitert. Meine Kinder sind ein sehr wichtiger Teil in meinem Universum, jedoch finde ich es nicht sinnvoll wenn ich um sie kreise.

      • Lina Peeterbach sagt:

        @Melanie
        „Meine Kinder sind ein sehr wichtiger Teil in meinem Universum, jedoch finde ich es nicht sinnvoll wenn ich um sie kreise.“
        Das haben Sie sehr schön ausgedrückt, muss ich mir merken 🙂

    • sophie sagt:

      marek : ich auch nicht, auf alle Fälle nicht ganztags. Und halbtags nicht schon ab der Geburt oder fast. Was gibt das für Menschen später ? Haben sie dann nicht das Gefühl man wollte sie eigentlich nicht ?

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        „Was gibt das für Menschen später ? Haben sie dann nicht das Gefühl man wollte sie eigentlich nicht ?“

        Zumindest in unseren Falle ein cooles, soziales und cleveres Kind, dass uns als die besten Eltern der Welt bezeichnet. Und das alles, trotz (oder weil) sie seit kleinauf 2 Tage in der Woche in einer Kita war.

      • Lina Peeterbach sagt:

        @Sophie: Nach dieser Logik müssten ja ganze Nationen depressiv bis suizidal sein, da sie „nicht gewollt“ sind: überall dort, wo ausserfamiliäre Betreuung ab einem gewissen Alter ganz normal sind.

    • Kathy sagt:

      Müssen denn beide arbeiten? Bei uns ja, weil auch beide beim Kind sein möchten. Wir würden mit meinem Lohn durchkommen, wenn ich 100% arbeiten würde , aber wie gesagt, möchte ich Zeit mit meinem Kind verbringen. Also haben wir beide reduziert, so weit es unsere Arbeitgeber zugelassen haben – er auf 80%, ich auf 70%. Uner Traum von 60/60 werden wir hoffentlich einmal erreichen.

    • Lina Peeterbach sagt:

      1. 10-15 Kinder für 2 Betreuuer entspricht nicht dem CH-Betreuungsschlüssel einer Kita. Bei uns sind es 3-4 Betreuer für 10-12 Kinder. Bei ganz Kleinen noch besser: 4 Betreuer für 10 Kinder.
      2. Ich überlasse die Erziehung nicht einer Betreuungsperson. Meine Kinder haben einfach mehr als nur 1 oder 2 Bezugspersonen.
      3. Man arbeitet nicht nur fürs Geld. Nur weil man Kinder hat, muss man nicht alle anderen Interessen und Persönlichkeitsaspekte über Bord werfen.

    • sole sagt:

      Woher kommt nur die Annahme, dass Kita-Kinder ihre gesamte Zeit dort verbringen? Die meisten Kinder gehen 2-3 Tage in die Kita, bleiben also noch 4-5 Tage zu Hause + Abende + Nächte. Ich kann der Vorstellung überhaupt nichts abgewinnen, dass ein Kind ständig alleine mit einem Elternteil ist. Kinder gehören erwiesenermassen um andere Kinder rum. Weil wir nicht mehr in Grossfamilien leben, sind Kitas eine super Alternative. Ausserdem muss man Kindern ganz viel nicht aktiv beibringen (z.B. aufs WC gehen), sondern sie lernen es von alleine, wenn die Zeit reif ist und die Umgebung günstig.

  • Kurt sagt:

    „Denn genau darum geht es. Darum, dass jeder eigenbestimmt wählen kann, welches Arbeits- und Betreuungsmodell für ihn und seine Familie am besten ist. Ohne sich dabei rechtfertigen zu müssen.“

    Heute ist es ja so, dass die Frauen wählen können aus verschiedenen Optionen. Wählt hingegen der Mann das was er will, muss er sich rechtfertigen.

    Ja, die Diskussion hängt mir auch zum Hals raus. Alle wollen Opfer sein. Auch die privilegiertesten in unserer Gesellschaft, Akademikerinnen, Gutbetuchte: alles Opfer. Weil Täter und politische Gegner sind ja die männlichen Bauarbeiter, welche für 1200 Fr im Akkord malochen und den Begriff Teilzeitarbeit nicht mal kennen…

  • Esmeralda sagt:

    Mutig, Ihre Entscheidung! Eines der Probleme mit Betriebskinderkrippen ist allerdings, dass das Holen- und Bringen des Kindes/ der Kinder immer am selben Elternteil hängen bleibt. Das ist bestimmt gut für Alleinerziehende. Wenn sich aber Vater und Mutter das Holen- und Bringen aufteilen wollen, dann sollte die Krippe am Wohnort der Familie sein.

  • Hans Wütrich sagt:

    Auch wenn ich diese Co-Workingspaces für ziemliches Hipsterli-Theater halte, danke ich den Initiantinnen, dass sie sie aktiv an der Problematik Familie/Arbeit Lösungsansätze bieten. Sicher wäre es schön weitere solche Projekte zu sehen.
    Was aber nicht bedeuten soll, dass die Vereinbarkeit von Famile & Beruf von ein paar wenigen Privatwirtschaftlichen Projekten getragen werden soll, sondern, dass weiterhin politischer Druck aufrecht erhalten wird, um die Gesetzeslage dahin zu ändern, dass auch Leute in normalen Anstellungsverhältnissen und in allen Branchen diese beiden Teile des Lebens pädagogisch und emotional wertvoll wie auch finanziell tragbar vereinen können.

  • Jonas Baumgartner sagt:

    Sympathisches Projekt, aber eben: Eine solche Kita ist ein Privileg für eine absolute Minderheit von privilegierten Bildschirm-und-Projekt-ArbeiterInnen. Wir brauchen aber Lösungen, die für möglichst viele Eltern funktionieren. Auch für diejenigen, die ihre Kasse und ihre Kunden nicht in die Coworking-Kita mitnehmen können. Oder für solche, die ein Kind in der Kita und eins in der Schule haben (Hallo, inkompatible Betreuungszeiten und lange Reisewege durch die halbe Stadt). Das heisst, wir dürfen nicht aufgeben, für kollektive Lösungen zu kämpfen. Manipulier- und erpressbar sind wir, so lange wir uns vom Wirtschaftsfilz einreden lassen, ein „Einzelfall“ zu sein.

  • Sportpapi sagt:

    Gute Idee. Allerdings eine, von der letztlich nur ganz wenige Mütter und Väter profitieren können. Nämlich Freelancer und andere Leute, die grundsätzlich im „Homeoffice“ arbeiten können.
    Die andere Frage ist, ob das letztlich logistisch aufgeht und finanzierbar ist. Denn einerseits sollten ja die 30 Plätze (stimmt das?) vermutlich immer gut ausgebucht sein, andererseits ist gerade die Flexibilität, quasi zu kommen und zu gehen wie man es an diesem Tag gerade braucht, die Stärke des Projekts. Wenn ich das richtig verstanden habe.
    Viel Erfolg!

    • Lina Peeterbach sagt:

      Ich bin ja eine totale Unterstützerin der Vereinbarkeits-Frage, und lebe selbst ein sehr gleichberechrigtes Modell (80/80, 3 Tage Kita, ich verdiene mehr als mein Mann). Aber dieses „ich will ich will ich will“ und „es-muss-doch“ geht mir entschieden zu weit. Nirgendwo steht geschrieben, dass man noch flexibler auf meine Bedürfnisse eingehen muss, dass ich ein Recht habe alles gleichzeitig zu können / zu dürfen… ein gewisses Mass an Kompromiss ist unabdingbar, wenn man Familie gründet. Eine Entscheidung FÜR etwas ist eben immer auch eine Entscheidung GEGEN etwas anderes.
      Nichts gegen das Projekt, aber Teile des Text sind mir einfach als etwas sehr fordernd aufgestossen.
      Bzgl Projekt: das kommt ja sowieso nur für sehr wenige in Betracht!

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