Quotenregelung, Scheidungs-Tipps und Sex mit Bauch

Happy Birthday, Mamablog! 10 Jahre gibt es ihn bereits, und wir finden, das soll gefeiert werden. Diese Woche widmen wir uns dem Jubiläum, wobei wir an dieser Stelle Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, herzlich danken möchten. Danke für Ihre Begeisterung und Treue und für die vielen wertvollen Diskussionen.

  • Die beiden Mamablog-Gründerinnen Michèle Binswanger (r.) und Nicole Althaus 2012. (Foto: Reto Oeschger)

  • Im Januar 2012 übernahm Nina Merli die Leitung und bloggte mit Andrea Fischer-Schulthess und Jeanette Kuster weiter.

  • 2013 verliess Nina Merli (in der Mitte mit Tochter) den Blog, dies ein Bild ihres Abschieds mit dem Team. Von links: Claudia Marinka, Rinaldo Dieziger, Jeanette Kuster, Raphael Diethelm, Andrea Fischer-Schulthess, Gabriela Braun, Markus Tschannen, Michael Marti.

  • Gabriela Braun übernahm und leitete den Mamablog von Juli 2013 sechs Jahre lang. Ende Woche gibt sie ihren Abschied. (Foto: Rita Palanikumar)

  • Das Mamablog-Team von 2017: Nadia Meier, Gabriela Braun, Jeanette Kuster.

  • Ab 2012 bloggten auch Väter mit. Zwei Papablogger der ersten Stunde: Rinaldo Dieziger (l.) und Maurice Thiriet. (Fotos: PD, Jerôme Depierre)

  • Unsere ständigen Papablogger heute: Markus Tschannen (l.), Nils Pickert. (Fotos: PD)

Entgegen seinem Namen ist der Mamablog kein Blog. Er ist vielmehr ein Phänomen.

Seit der Lancierung im März 2009 sind im Mamablog 2620 Beiträge erschienen, in diesen zehn Jahren haben die Leserinnen und Leser insgesamt eine halbe Million Kommentare gepostet. Und nebst den Hausautorinnen und -autoren schrieben mehr als 200 Gäste in einem Jahrzehnt für die Eltern-Plattform der Tamedia-Newssites: darunter Politikerinnen, Schriftstellerinnen, Professoren, Sexualberaterinnen und gar Hardrocker. Das alles ist in der deutschsprachigen Blog-Landschaft beispiellos.

Beeindruckend zweifellos auch die Themenbreite, die der Mamablog bestreitet. Sie reicht von der Babypflege über die Begabtenförderung bis hin zur Ganzkörper-Haarentfernung. Sie spannt den Bogen vom Scheidungsrecht über die Quotenregelung zur Problematik von Sex mit Bauch. Wissen, Witz, Positionen und Provokationen: Dieses Programm machte den Jubilar schnell zum bekanntesten Blog der Schweiz, den bis zu 250’000 verschiedene Leserinnen und Leser pro Monat besuchen.

Format von ausgewiesener Qualität

Das grosse Glück des Mamablogs und seiner Community (darunter von Anfang an auch sehr viele kinderlose Menschen) war es, dass zwei der klügsten Schweizer Journalistinnen überhaupt sich an das Projekt wagten. Bereits ein Jahr nach dem Start gewannen die berufstätigen Mütter Nicole Althaus (heute Chefredaktorin Magazine bei der NZZ) und Michèle Binswanger (heute Tamedia-Autorin und Publizistin) mit dem Blog den Branchentitel «Journalistinnen des Jahres». «Mit dem Blick über den Wickeltisch hinaus» würden im Mamablog «die grossen gesellschaftlichen Themen um Familie, Kinder und Beziehung diskutiert», hiess die Begründung. Und dies gilt heute genauso wie damals.

Der Mamablog war das erste Schweizer Onlineformat überhaupt, das mit einem renommierten Preis geehrt wurde, und widerlegte damit das auch unter Journalistinnen und Journalisten sehr populäre Vorurteil, digitale Publizistik sei flüchtig, oberflächlich, subjektiv – und mit Sicherheit nicht preiswürdig. Binswanger und Althaus, bald gefragte Interview-Partnerinnen auf allen Kanälen, bewiesen das Gegenteil; ebenso die späteren Mamablog-Teams unter der Leitung von Nina Merli (2012 bis 2013) und Gabriela Braun.

Themen, die in unser Leben treffen

Der Mamablog machte viele klüger. Auch uns Journalisten. Der Erfolg der Postings, oft ungleich besser gelesen als die sogenannt ernsten Inhalte aus Politik, Wirtschaft oder Kultur, zeigte, wie lange es der traditionelle, von Männern gesteuerte Journalismus versäumt hatte, sich Themen zuzuwenden, die nicht auf irgendeiner Partei-Agenda stehen, dafür aber am Familientisch für rote Köpfe sorgen, Müttern den Schlaf rauben. Oder Vätern die Gewissheit, was ein guter Vater ist.

Das ist heute anders. Mittlerweile schreiben die Sonntagsblätter über Sex während der Schwangerschaft oder Busen-OPs nach der Niederkunft. Den Mamablog muss dies allerdings nicht bedrohen, wenn er es weiterhin schafft, über Themen zu schreiben, die in unser Leben treffen, zuweilen gar wehtun. Aber nicht nur Eltern, sondern alle fordern und verpflichten.

Doch an Jubiläen soll man vor allem eines tun: den Jubilar angemessen würdigen. Deshalb: Der Mamablog ist ein Stück Schweizer Journalismus-Geschichte. Und bleibt hoffentlich lange noch phänomenal.

31 Kommentare zu «Quotenregelung, Scheidungs-Tipps und Sex mit Bauch»

  • Enrico sagt:

    Sollte natürlich 200 pro Blogg sein. Entschuldigung.
    Also, dieser hier steht nach einem Tag bei 30 Komentaren. Die meisten weit unter Hundert. Und wenn der Exklusivclub der 20 Dauerkomentarschreiber abgezogen werden, bleiben noch……
    Gut, ob die Kolumne gelesen wird, darüber sagt das natürlich nichts aus.
    Aber das Güpli schmeckt mit der Zahl von einer halben Million natürlich besser. Prost !

  • tina sagt:

    HAPPY BIRTHDAY MAMABLOG :)!! werde heute auf dich anstossen 🙂
    ich muss zugeben, warum man sich diese diskussionen mit den kommentatoren antut, ist mir schleierhaft, aber ich bewundere eure starken nerven :).
    danke für den input und die gute unterhaltung!

    • Sportpapi sagt:

      Wer diskutiert denn mit den Kommentatoren? DAS wäre wirklich eine gute Sache, wenn das die Regel und nicht die Ausnahme wäre.

  • Sportpapi sagt:

    „Der Erfolg der Postings, oft ungleich besser gelesen als die sogenannt ernsten Inhalte aus Politik, Wirtschaft oder Kultur, zeigte, wie lange es der traditionelle, von Männern gesteuerte Journalismus versäumt hatte, sich Themen zuzuwenden, die nicht auf irgendeiner Partei-Agenda stehen, dafür aber am Familientisch für rote Köpfe sorgen, Müttern den Schlaf rauben.“
    Eine durchaus pragmatische Sichtweise, die allerdings das Dilemma aufzeigt, in dem hier praktisch täglich diskutiert wird. Denn natürlich wird nicht auf Politik verzichtet. Sondern nur auf die traditionelle journalistische Bearbeitung der Themen.

    • 13 sagt:

      „Denn natürlich wird nicht auf Politik verzichtet. Sondern nur auf die traditionelle journalistische Bearbeitung der Themen.“
      Wow, für einen treuen Leser ist das aber ziemlich harsche Kritik. Und angesichts der Vielfalt der Themen und Autoren alles andere als berechtigt.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich verstehe gerade nicht, ob ich wirklich so harsch kritisiert habe, oder ob du mich einfach falsch verstanden hast.
        Aber ja, bei manchen politischen Beiträgen im MB hätte ich persönlich gerne etwas mehr traditionelle journalistische Bearbeitung gehabt. Was insbesondere heisst, ausgewogen zu berichten und Befürworter und Gegner, für und dawider darzustellen.

  • Nadine Meier sagt:

    Am besten finde ich die Papablogs. Papa sollte generell mehr zu Wort kommen. Heutzutage sind die Väter oft mindestens so präsent!

    • 13 sagt:

      Ich mag den Papablog auch sehr gerne. Gleich wie bei den Müttern den einen Blogger lieber, den anderen etwas weniger. Aber bei „oft mindestens so präsent“ würde Ihnen wohl jede Statistik klar widersprechen.

  • Kurt Normann sagt:

    „Scheidungs-Tipps“
    Finde ich primitiv!

  • Widerspenstige sagt:

    Ich bin eingestiegen, als ich mal zufällig hier mitlas, wie die Fetzen flogen und ein Absturz des Blogs sich abzeichnete. Da war noch Nicole Althaus als Gründerin am Wirken und erst nachher als Gegenpol erschienen Beiträge von Michèle Binswanger oder irre ich mich jetzt? Als kleine Community war die taffe Pipi Langstrumpf als kämpferische Amazone am Toben nebst Katharina, Eni, Cara Mia, Auguste, Alien und natürlich Brunhild Steiner (wen habe ich vergessen?). Kurz: Ich war geschockt über den rauen Ton und forderte die Redi auf, sich darum zu kümmern und nicht diesen Blog vor die Hunde gehen zu lassen, bevor er überhaupt so richtig in Fahrt gekommen sei etc.

    So toll, dass es 10 Jahre schon her ist seit der Gründung und dass er nicht vor die Hunde ging bis heute. Prost! 😀

    • Lichtblau sagt:

      Ach ja, Pippi, Katharina, Alien und der charmante Auguste, der seine Postings jeweils mit stimmigen Songtipps abschloss: Sie sind Geschichte. Genau wie Bionic Hobbit (?) und offenbar Susi (aus der „zweiten Generation“). Schade. Sportpapi, Carolina, RoXY und Muttis Liebling sind noch dabei. Aber vergessen haben Sie natürlich Gabi aus Wien – Ihren grossen Herausforderer.

      • Brunhild Steiner sagt:

        stimmt, Bionic Hobbit fehlt entschieden und auch Auguste- bin jetzt sogar im Stadium für eine seiner vielen Empfehlungen angekommen, I’m just a mother of a teenage daughter, glücklicherweise brauch ich aber fast nie einen Drink deswegen 😉
        wie auch andere langjährige fehlen, Henri oder Dauerempfehler von Anne with a „E“, die Liste könnte sich wohl sehen lassen.
        Wildkatze haben Sie unterschlagen, @Widerspenstige…

      • Carolina sagt:

        🙂

      • Lichtblau sagt:

        @Brunhild: Wildkatze! Nach dem Namen habe ich gesucht. Auch nach dem der Tessiner Mama. Und, wie weiter unten erwähnt: Marie. Die Bernerin mit italienischen Wurzeln, habe ich auch gerne gelesen. Und wo ist Orlando, wenn man ihn braucht?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Lichtblau

        das war Laura TI, das Anhängsel musste sie sich geben weil sie von einer Pseudolaura angegangen worden ist.

        Aber bei Ihnen hab ich immer noch keine Ahnung als wer Sie früher hier unterwegs waren…

      • mila sagt:

        Beim Lesen dieser Namen befiel mich doch, für einen kurzen Augenblick, die Nostalgie. Was waren das für Zeiten hier… Bisweilen herrliche, bisweilen denkwürdige, und manchmal auch (ganz und gar) ab-gründige. Und wenn ich nun mein Köfferchen im Grunde schon gepackt habe, bleibt doch eine halbe Handvoll Freundschaften zurück. Menschen, wichtige, denen ich ohne den Mamablog nicht begegnet wäre. Nicht zuletzt dafür ein herzliches Dankeschön.

    • Patrick Hersiczky sagt:

      Zuerst mal: Happy Birthday, lieber Mamablog!

      @Widerspenstige: Ja, Sie haben absolut Recht was den rauen Ton in den Kommentarspalten anbelangt. Ich habe auch schon Beiträge für den Mamablog geschrieben und bin gleich bei meinem ersten Text ziemlich „durchgereicht“ worden. Aber es gab und gibt immer wieder sehr gute Kommentare, die bereichernd sind und eine andere Sichtweise aufzeigen.

  • Synn sagt:

    Happy anniversary! Bin (meist) stille, dafür treue Mitleserin seit der ersten Stunde.

  • 13 sagt:

    Herzlichen Glückwunsch. Die Vielfalt ist wohl das, was treue Leser*innen seit Jahren dahält. Von den lustigen Beiträgen mit leichter Lektüre bis hin zu ernsten gesellschaftlichen Diskussionen. Ich hoffe doch, er bleibt noch lange erhalten.

  • Othmar Riesen sagt:

    Herzliche Gratulation an Frau Binswanger, deren Texte ich sehr schätze.
    Beste Grüsse
    O.R.

  • Maike sagt:

    Nach wie vor finde ich erstaunlich, das unter der Rubrik Mama-Blog der Papa-Blog aufgeführt ist. Ist der Papa-Blog so klein und beschaulich, das er eine Unterrubrik ist und nicht Selbstständiges schafft ?? Oder ist das nur die Feststellung, das hinter jedem starken Mann eine noch stärkere Frau steht ??

    • Blog-Redaktion sagt:

      Liebe Maike, ja, so in der Art ist es in der Tat. Auf die Namensfrage werde ich im Posting von diesem Mittwoch genauer eingehen. Ich bin gespannt auf die Diskussion dazu. Herzl. Gabriela Braun

  • Zwillingspapa sagt:

    Lese den Mamablog gerne und häufig – auch schon, bevor wir Kinder hatten. Kommentiere aber selten.

  • Muttis Liebling sagt:

    10 Jahre, trotz solcher Hammer- Sprache wie ‚Mamablog-Hausautorinnen und -Hausautoren‘, bei der Herr Duden Selbstmord begehen und die Gebrüder Grimm auf Töpfern umsatteln würden.

    10 Jahre bedeute, ich muss fast von Anfang an dabei gewesenen sein. Viele andere auch bis heute. Schade um einige, die verloren gegangen sind. Wenn man manchmal denkt, es kann gar nicht Neues mehr kommen, dann gibt es trotzdem noch etwas. Hochorganisierte Hochsensible in Form von Müttern und Kindern. Wer hätte das ahnen können? Die menschliche Evolution läuft und läuft und läuft, … am schnellsten in der schweizerischen Mittelschicht.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Dann doch auch mal ein Hoch auf die Veteranen!
      Die noch anwesenden, und die verlorengegangenen!

      😀

      • Muttis Liebling sagt:

        Ein Hoch auf die, welche dabei waren, als das erste Mal die 1000 Kommentare- Marke geknackt wurde. Bei einem Blog, versteht sich. Brunhild war dabei und Frau Binswanger hatte den geschrieben. Sie ist denn auch der schmerzlichste Abgang.

      • Carolina sagt:

        Von mir auch ein Hoch auf die Anwesenden und Verlorengegangen – ich habe mich sozusagen über den MB ‚digital sozialisiert‘, war jahrelang eifrigst dabei, denn der MB war der erste Blog, der diesen Süchtigmachfaktor hatte. Es ist mir heute manchmal eine Genugtuung (man könnte es auch Schadenfreude nennen), dass die nachwachsende Generation diese Suchtgefahr immer noch ausgesetzt ist. Für manches schäme ich mich heute, gerade in der Anfangszeit habe ich so manches Mal danebengehauen, auf der anderen Seite habe ich tatsächlich auch heute noch Kontakt mit einigen, und das ist durchaus schön.
        Also danke den Gründerinnen, es war doch eine Art Geniestreich!

      • Carolina sagt:

        ML: In der Anfangszeit (obwohl ich erst nach 1 oder 2 (?) Jahren dazugestossen bin), war es gar nicht selten, dass die Kommentare für ein einziges Thema die tausender Marke (manche legendäre sogar die dreitausender Marke) erreichten.
        Darunter sind ein paar Blogs, die ich gerne vergessen würde…….

      • plop sagt:

        …auch ich wurde hier „digital sozialisiert“ und lese hier wohl fast seit Beginn mit – unglaublich.

        Die Userin „marie“ hätte ich im echten Leben gerne mal kennengelernt und auch den „Auguste“ – da gings ja manchmal rund zu und her… Man hätte auch ein Dating-Portal daraus machen können.

    • Roxy sagt:

      Auf Brunhild, die tapfere Schildmaid.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Roxy

        danke für die Blumen, ich meinerseits bin ja sehr froh sind Sie aus der damaligen Pause wieder zurückgekehrt, das war schon hart gewesen länger nichts mehr von Ihnen unter die Augen bekommen zu haben!
        😀

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