Es muss Liebe sein

«Was wünscht du dir zum Geburtstag?» – «Reitstunden.» Foto: iStock

«Rööössssliiiii!» rufen die Kinder, sobald wir des Weges kommen. Dreikäsehochs treten ehrfurchtsvoll zur Seite, flüstern, wagen schüchtern einen Schritt auf die Pferde zu und möchten sie streicheln. Die samtenen Nüstern. Das weiche Fell.

Ich kenne diese Faszination, bin selbst eines von diesen «Pferdekindern» – das einzige in meiner Familie. Seit wenigen Tagen weiss ich, dass ich das mit einer Berühmtheit teile: Die Schriftstellerin Juli Zeh legt ihre Pferdeliebe in ihrem aktuellen Buch «Gebrauchsanweisung für Pferde» offen. Was darin steht, kommt jedem bekannt vor, der so ein Pferdekind in der Familie hat.

Pferdepostkarten, eine schöner als die andere

«Was wünscht du dir zum Geburtstag?» – «Reitstunden.» – «Was wünscht du dir zu Weihnachten?» – «Geld für Reitstunden.» Meine Wünsche waren immer vorhersagbar. Kein Nagellack, keine pinken Kleidchen, keine Lackschuhe. Nur Pferd.

Der innigste Wunsch war der nach einem Eigenen, aber: Zu teuer und zu elitär, fanden meine Eltern (übrigens auch die von Juli Zeh). Also kaufte ich ersatzweise vom Taschengeld allwöchentlich neue Pferdepostkarten, eine schöner als die andere.

Das Höchste war das Reitferienlager: Wir striegelten die Tiere, misteten, rochen nach Pferdeschweiss. In unseren Nasen kam das Chanel No. 5 gleich, aber nur in unseren. Musste ich nach der Heimkehr die Kleidung in der Waschküche lassen, sog ich noch ein paar Mal den Duft des Pullovers ein, bevor ich ihn der Maschine übergab.

Mein erster Ausritt: Ein Fiasko. Ich hatte bis dahin noch nie mit einem Pferd Hürden übersprungen, aber wen kümmerte das? Der Reitlehrer hielt mich für fähig genug, das zählte. Wir galoppierten auf das erste Hindernis zu, mein Pferd stoppte jäh, ich flog in hohem Bogen aus dem Sattel. Nächstes Hindernis: Abgang mit Karacho. Dritte Hürde: Dasselbe. Viertes Hindernis: Dito. Fünfmal landete ich bei diesem Ritt am Boden. Der Reitlehrer schimpfte, ich heulte – aber nicht ein Gedanke daran, das Reiten aufzugeben. Erstaunlich, nicht?

Es geht um die Beziehung

Juli Zeh versuchte sich als Teenager an einem Pferd, das ebenfalls ein paar Nummern zu gross für sie war. Später erwarb sie ein schwer traumatisiertes Tier. In ihrer «Gebrauchsanweisung» beschreibt sie, wie aus diesem «Rowdy» am Ende ein gutes Reitpferd wird – der Stoff, aus dem Pferdefilme sind. Rowdy brach ihr übrigens dreimal einen Finger. Er brachte sie mehrmals in Lebensgefahr. Trotzdem machte Zeh weiter. Wieso?

Früher ein Rösslimeitli: Die Autorin mit Pferd. Foto: PD

Das ergründet sie in ihrem Buch, einer komischen Mischung aus Autobiografie, Pferdewissen und zuletzt Sinnieren über ihre Arbeit als Schriftstellerin. Stellenweise ist die Lektüre witzig, etwa wenn sie den (nicht reitenden) «Pferdefrauenmännern» Tipps gibt: «Zeige niemals Eifersucht, geschweige denn Ablehnung, Kritik oder auch nur Zweifel am Pferd. Lobe die Fortschritte von Pferd und Frau, auch wenn du nichts davon siehst. Schenke ihr zu jedem Geburtstag eine Regen-, Sommer-, Fliegen-, Thermo- oder Abschwitzdecke, ohne zu fragen, warum das Pferd mehr Jacken braucht als du.» Und zuletzt: «Pferdefrauen haben auch Vorteile! Ihr Hintern bleibt bis ins hohe Alter straff …»

Warum aber fahren vor allem Frauen so auf Pferde ab? Es geht um die Beziehung. Um Kommunikation, schreibt Zeh.

Tatsächlich ist die Kommunikation mit Pferden oft unglaublich: Ein Pferd galoppiert zum Beispiel los, wenn die Reiterin nur ans Galoppieren denkt. Oder es wiehert bereits freudig, wenn frau noch gut 400 Meter vom Stall entfernt und nach menschlichem Dafürhalten weder zu sehen noch zu hören ist. Solche Erlebnisse lassen sich vermutlich damit erklären, dass dieses sensible Tier – einmal auf seinen Menschen «eingetunt» – feinste Zeichen wahrnimmt, die uns nicht bewusst sind, deren Beantwortung uns aber mit Glück erfüllt.

Emotionen, die man lieber nicht hätte

Wenn das Sich-aufeinander-Einstellen mit einem Pferd gelingt, ist das göttlich. Beim Reiten: unbeschreiblich, als würden zwei Lebewesen miteinander fliegen. Mehr davon, giert der Mensch – und bekommt vom Pferd beigebracht, dass es meist schiefgeht, wenn man zu viel will.

Auch das bringt die Pferdeliebe mit sich: Emotionen, die man lieber nicht hätte. Dass einen zum Beispiel der Zorn übermannt, weil «der sture Bock» sich weigert, in den Pferdetransporter zu steigen oder sonst etwas zu tun, das man für nötig hält. Wer sich dann nicht anders zu helfen weiss, greift zu brachialen Mitteln – tägliche, traurige Realität für viele Pferde.

Die glücklichen unter ihnen finden jemanden, der es gut meint mit ihnen wie Juli Zeh. Der sich Pferdewissen aneignet, berechenbar, beharrlich und fair bleibt. Dann macht das Pferd dem Menschen sein grösstes Geschenk: Es vertraut ihm. Es wird mit ihm durch dick und dünn gehen. «Heute, gut zehn Jahre später, kann ich auch Reitanfänger ohne Sorge auf seinen Rücken setzen», schreibt Zeh über ihren ehemaligen Rowdy. «Ein langer Weg. Jeder einzelne Schritt hat sich gelohnt.» Der Traum jedes Mädchens.

Juli Zeh: «Gebrauchsanweisung für Pferde.» Piper-Verlag, ca. 24 Franken

46 Kommentare zu «Es muss Liebe sein»

  • Maike sagt:

    Hmmmm – wieso lese ich hier eigentlich nichts von den Tierschützern ? bevor ein Pferd zu einem Reitpferd wird, muss es doch erst zugeritten werden. Sprich man zwingt ihm auf Sattel und Trense zu akzeptieren. Und schlimmer noch, sitzt der Reiter erst einmal oben drauf, ist es auch schon aus mit dem freien Pferdewillen. Da wird gezogen, getreten und ggf. mit der Peitsche nachgeholfen, nur damit das Pferd dahin geht, wo der Reitesmann respektive Frau es will.
    Abartiger noch finde ich Dressur- und Springreiten. Welches Pferd geht schon freiwillig anderes, als es von der Natur mitbekommen hat ?? Zudem sind Pferde Fluchttiere und wenn sie ein Hindernis sehen, dann würden sie lieber drum rum rennen als drüber rüber.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Es gibt auch sanfte Methoden der Pferdeausbildung, ansonsten könnte man ja auch gleich alle Hundehalter pauschal verurteilen, dass sie ihre Hunde mit Gewalt erziehen.

    • sophie sagt:

      Nein, in der Schweiz ist es nicht mehr so Maike.

      • Gert sagt:

        Ich muß mich in den letzten Jahren immer häufiger an den Kopf fassen.
        Antiautoritäre Erziehung jetzt auch bei den Pferden…… 😮
        Naja, was solls…..Vegetarier sind sie ja jetzt schon.

        Wer wissen will, auf welchem Gewalt-oder Streßlevel man Pferde erziehen muß, sollte sich mal die lieben Tierchen auf der Weide ansehen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.
        Oder gleich eine Herde Wildpferde wie in Dülmen (D).
        Da geht aber die Post ab, wenn ein Gaul dem ranghöheren Kollegen nicht sofort Platz macht.

        Wer zärteln und kuscheln will, soll sich vielleicht besser ein Stofftier kaufen.
        Und wer das auch noch für artgerechte Haltung hält, sollte sich besser Hilfe holen.
        Pferde brauchen klare Ansagen….sonst kriegen die Magengeschwüre.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Gert

        Nur weil man keine Gewalt anwendet, heisst das nicht, dass es keine Regeln gibt. Das hat nichts mit antiautoritär zu tun.

        Dasselbe bei Kindern: Schläge sind Misshandlung. Regeln braucht es trotzdem.

        Ich hoffe, Sie haben weder Kinder, noch Tiere.

  • asouka sagt:

    Ist das jetzt ein Pferdeblog? Ich finde es ja ganz interessant (weil selber geritten), sehe aber irgendwie den Mama-/Papa-Aspekt nicht… Ausser, dass wer reitet, oft bereits als Kind damit beginnt.

  • Gert sagt:

    „Später erwarb sie ein schwer traumatisiertes Tier.“

    Ja nee, ist klar…
    Bis dahin habe ich gelesen, dann war Schluß.

    • Gabriel sagt:

      eventuell hätte ja „später erwarb sie schwer traumatisiert ein Tier“ mehr Sinn ergeben.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Und jetzt? Ich hatte vorher eine schwer traumatisierte Hündin. Was ist daran verwerflich?

      • Albert Augustin sagt:

        @Gert: „Pferde brauchen klare Ansagen….“ Als langjähriger Pferdebesitzer, seit mehr als 30 Jahren leben in unserem Haushalt Pferde, weiss ich, dass Mädchen/Frauen mit diesen Tieren besser umgehen als Männer, die sollten die Finger von diesen Tieren lassen. Wenn ich nur schon an die einfältige Springreiterei denke mit den männlichen Gockel oben drauf. Grüsse Sie freundlich
        Albert Augustin

  • Niggi sagt:

    Nach zwölf Jahren Beziehung mit einem Pferdemeitli, habe ich meine Lektion fürs Leben gelernt: Reiter sind eine eigene Gattung und ich bin nicht mit ihnen kompatibel. Natürlich will ich nicht pauschalisieren, aber je mehr man sich unterordnet, desto mehr verlangt der Partner. Es hat sicherlich mit dem Wesen meiner baldigen Exfrau zu tun, aber wenn Familie, Arbeit und schliesslich auch die Partnerschaft auf der Prioritätenliste hinter dem Hobby stehen, dann stimmt so einiges nicht. Sehr viele Reiter, die ich kenne, sind da nicht anders (die Ausnahmen gibt es). Natürlich ist ein grosser Teil der aktuellen Situation mein Eigenverschulden, aber ich rate jedem, welcher nicht selber ein Reiter ist, sich die Partnerschaft und die dazugehörigen Bedingungen mit einem Pferdemeitli gut zu überlegen

    • Sybille sagt:

      Kann ich bestätigen. War einige Zeit mit einem Pferdenarr liiert und rate jedem/jeder ab, der/die nicht dieselbe Leidenschaft hegt, sich mit einer solchen Person einzulassen. Da kommt man immer an zweiter Stelle, was die Beziehung auf die Dauer zerstört. Typisch für Pferdenarren (Betonung auf Narr…) : finden gerne traumatisierte Tiere, die sie – und nur sie! – dann heilen können. Ein Klischee, dass ich von der sonst so scharfsinnigen Zeh nicht erwartet hätte. Aber bei diesem Thema setzt den Rösselern eben der Verstand aus. NB: ich mag Pferde, habe selbst 2 Ponys…

    • 13 sagt:

      Aus moralischen und rechtlichen Gründen sollten Partnerschaften von Erwachsenen zu „Meitli“ ohnehin gut überlegt und noch besser unterlassen werden….

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13
        Mein erster Gedanke

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Dasselbe kann man über viele Hobbys sagen. Töfffahren, teure Autos usw kosten auch viel Zeit. Wenn da der Partner nicht mitzieht, ist es ebenfalls eher schwierig. Oder rauchen.

        Für mich jedenfalls käme als Partner weder ein Töfffahrer, noch ein Raucher(Gelegenheitsraucher ausgenommen), noch ein Säufer in Frage. Ja!!! Es gibt Leute, welche den feierabendlichen Knellenbesuch und rauchen als Hobby ansehen.

      • Niggi sagt:

        Der war gut. Das Meitli bezieht sich eher auf den geistigen Zustand, einer erwachsenen Frau, in den sie verfällt, wenn sie ein Rössli erblickt oder riecht oder hört oder davon gesprochen wird und dann alles um sich vergisst und man sich vorkommt, als ob man am Stammtisch in der Dorfbeiz sitzt. Statt politischer Themen sind es eben Pferdegeschichten. Hinzukommt, dass diese volljährigen Meitli jegliches Zeitgefühl verlieren, wenn es um ihr Hobby (oder doch ihren Sinn des Lebens) geht.

  • Anh Toàn sagt:

    Auch als Jungs wollten wir reiten. Aber auf Reitstunden, stundenlang im Kreis reiten, im Schritt selbstverständlich, darauf hatten wir keinen Bock. (Meine Schwester hatte jahrelang Reitstunden bis zum ersten Ausritt.)
    Wir gingen dann als Studenten, wie es sich gehört in Karohemden, Halstücher und Cowboystiefel für ein verlängertes Wochenende auf eine Reitfarm, irgendwo im Burgund: Draufsitzen, losreiten und versuchen, oben zu bleiben. Fast alle fielen mindestens einmal vom Pferd. Jeden Tag sechs oder sieben Stunden im Sattel, da haben wir verstanden, woher „blutiger Anfänger“ kommt, nachts wurde auf dem Bauch geschlafen. Das war Abenteuer, Action, Wilder Westen halt. Geschlechterklischee halt: Mädchen wollen eine Beziehung zum Pferd, Jungs wollen reiten drauf.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Die Pferde haben es bestimmt geschätzt, dass ihnen am Maul herumgezerrt wird und ihnen immer wieder in den Rücken geplumst wurde. Anweisungen zu einem guten Sitz und Zügelhaltung wäre das Minimum. Da unterscheidet sich halt, wer ein Tier als Lebewesen ansieht und wer als Sportgerät.

      • Anh Toàn sagt:

        Nicht als Gerät, als Pferd, als Team beim Sport, reiten halt. Manchmal tut’s ein wenig weh beim richtigen Sport. Stundenlang an einer Leine im Kreis gehen ist auch nicht, was Pferde wählen würden, Springreiten auch kaum. Mit ein wenig Konsequenz müssten Sie sich gegen jedes Hobby mit Tieren aussprechen, die haben sich nämlich nicht ausgesucht, uns zu unterhalten. Die könnten sich etwas besseres vorstellen als selbst bestimmte Lebewesen. Sollte man vielleicht so sehen, damals hab‘ ich noch nicht so gedacht.

        P.s. Zu kritisieren ist das Verletzungsrisiko für ein Pferd mit einem unerfahrenen Reiter, bzw. 8 unerfahrenen Reitern und nur 1 Lehrer/Führer.

  • Gwen sagt:

    Ich, selber Pferdemeitli seit frühen Kindesbeinen an, mache mir einige Gedanken diesbezüglich. Auch ich träume vom eigenen Pferd, die Kinder haben mit Reiten angefangen. Aber ist es das, was ich ihnen weitergeben will? Dass wir (oder jmd anderes für uns) ein Tier halten, einzig zu unser eigenen Bedürfnisbeftiedigung? Dass wir aus ökologischen Gründen weitgehend auf Fleisch verzichten, Plastik reduzieren etc. und dann nur zum Spass mit dem Auto (logistisch anders nicht möglich) herumkurven, um dem Hobby zu fröhnen. Irgendwie passt’s nicht zusammen.

  • Bernhard Trachsel sagt:

    Treffend beschrieben, insbesondere die Passage mit dem Sich-aufeinander-Einstellen und wie dies göttlich sei. Eben unbeschreiblich, als würden zwei Lebewesen miteinander fliegen. Was ich deshalb nicht begreifen kann ist, dass sich ein grosser Teil v.a der ambitionierten Reiterinnen und Reiter bereits im Kindes- und Jugendalter von ehrgeizigen Eltern und Trainern zu gefühllosen Sportskanonen umerziehen lässt, die das Pferd nur noch als Instrument betrachten. Das betrübliche Ergebnis kann täglich auf jedem Abreit- oder sogar Springplatz beobachtet werden. Wer’s nicht glaubt, soll einfach mal hingehen.

    • Marie sagt:

      BT : es gibt nun Kaderkurse mit Pferden zum lernen sich auf andere einzustellen, soft und mit vertrauen.
      Ich bin jedoch dagegen dass man ganz kleine Kinder schon auf Pferde setzt weil ein Unglück kann sehr gefährlich sein. Mit 5 Jahre ist ein Kind vom Ross hinabgefallen und hat sich die Hüft gebrochen. Seither hinkt er tief, und er ist nun pensionniert…. Also, achtung, nichts für ganz kleine.

  • roy allen sagt:

    Schade, die Clickbait Überschrift ist einfach nur ärgerlich,- sie stinken, haben dreckige Hosen… und das wollen Mädchen normalerweise ja nicht, weil es Mädchen sind, rosarote Zuckerpüppchen sozusagen? Bravo, Clicheeverstärkung mit einem einzigen Satz zementiert

  • 13 sagt:

    Als Kind war ich immer ein Menschenfreund. Menschen mochte ich, Bücher auch. Tiere? Nun ja, auf die Entfernung waren die ganz toll, aber damit zu tun haben, wollte ich eigentlich nie richtig.
    Und doch bin ich nun mit einem „Pferdemädchen“ gesegnet, weshalb ich seit Monaten einmal pro Woche zum Stall fahren muss, dass sie reiten kann, striegeln, misten und was immer notwendig ist. Vor einigen Wochen gab es einen Hoffnungsschimmer, als sie mir mitteilte, ich müsste nicht immer mitkommen. Wenn ich ihr eine Buskarte besorge, könne sie das alleine. Nun, die Rechnung wurde ohne die kleine Schwester gemacht, die unbemerkt infiziert wurde und nun auch „Rössli luege“ gehen muss…Was soll’s. Sie haben Spass und sind an der frischen Luft (na ja, für Pferdeliebhaber frisch 😉 ).

  • Christoph Bögli sagt:

    Bestätigt etwas meine Sicht auf „Pferdemädchen“, die offenbar so etwas wie das weibliche Pendant zum pathologischen Fussballfan sind. Oder generell Leuten, die einem Sport bzw. einer Freizeitaktivität ihr ganzes Leben unterordnen und sich darum zur Not Mitmenschen gegenüber auch völlig asozial verhalten. Dazu passen jedenfalls auch die Aussagen, dass ein Partner gefälligst das ganze Pferde-Thema nur zu loben und zu fördern habe. Klar sollte man die Leidenschaft des Partners respektieren und unterstützen, aber ein gewisser Ausgleich und offene Kommunikation sollten auch selbstverständlich sein. Sich da nur bedingungslos unterzuordnen ist für mich jedenfalls keine Partnerschaft..

    • Martin Frey sagt:

      @Bögli
      Nun, das aus meiner Sicht spannende am Phänomen der „Pferdemädchen“ ist die im Artikel kaum beleuchtete psychoanalytische Seite, wenn man so will. Mädchen sind in ihrer Entwicklung in dem Alter ja tendenziell weiter als Knaben, und viele Deutungen gehen ja dahin, die typisch weiblich-(vor-)pubertäre Pferdevernarrtheit als Übergang zwischen dem Spiel mit Puppen und der ersten Verliebtheit in einen Mann zu sehen. Nach Oedipus würde man sagen, Mädchen wenden sich Pferden zu, sobald sie merken, dass der Vater schon von der Mutter «besetzt» ist. Freud hatte dazu keine schlüssige Erklärung, meines Wissens. Trotzdem lohnt es sich, den Begriff „Pferd“ im Text insgeheim mal mit „Mann“ zu ersetzen. Oder provokant formuliert, die Pferdephase bereitet Mädchen aufs Leben vor. 😉

      • tststs sagt:

        Dies wäre sicher spannend (oder zumindest belustigend).
        Wenn denn Pferde wirklich so ein Mädchending wären.
        1. sind Pferde, wie von RoXY schon bemerkt, je nach Zeiten oder geografischen Punkt eben so gar keine Sache für Mädchen.
        2. Selbst dort, wo es eher den Mädchen zugeschrieben wird, hat die überwältigende Mehrheit der Mädchen nicht viel mit Rössli zu tun.

      • 13 sagt:

        „Trotzdem lohnt es sich, den Begriff „Pferd“ im Text insgeheim mal mit „Mann“ zu ersetzen.“

        Schon nur im ersten Satz:
        Mädchen, die ehrfürchtig zur Seite treten und schüchtern flüstern, weil sich ein Mann nähert? Gruselig…

      • Martin Frey sagt:

        @tststs
        zu Punkt 1)
        Ueber Jahrhunderte waren Pferde ein Männerding, wie unten genannt aus den aufgeführt naheliegenden Gründen. Oder anders formuliert: Frauen durften nicht. Ob sie es gewollt hätten, wissen wir nicht.
        zu Punkt 2)
        Reiten ist ein aufwändiges, teues, nach wie vor exklusives Hobby. Da gibt es auch ganz praktische Hinderungsgründe. Pferde als Inhalte jedoch, von Romanen über den Zirkus bis zu Serien sind allgegenwärtig. Der ganze CH-Nationalzirkus hat seine Identität darauf aufgebaut (für mich ein Grund, dort nicht mehr hinzugehen 😉 )
        @13
        „Mädchen, die ehrfürchtig zur Seite treten und schüchtern flüstern, weil sich ein Mann nähert? Gruselig…“
        Es geht um das Objekt des Interesses/Begierde: Geh mal mit Tochter an ein Konzert einer Boyband. 😉 ja, ist etwas gruselig.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Oh Gott, Du machst mir Angst. Hoffentlich schlagen sie da nach mir 😉

      • Martin Frey sagt:

        Das wählt man sich nicht aus, 13! 😀

      • 13 sagt:

        Das weiss ich doch, aber solange es nicht Realität ist, funktioniert die Verdrängungsstrategie sehr gut 😀

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Seit Kind auf, wollte ich einen Bauern heiraten und ein eigenes Pferd haben. Hmm… meinen Herzensbauern habe ich nun, aber ein eigenes Pferd ist weit und breit nicht in Sicht

    Übrigens: Pferde (und Kühe) stinken nicht. Als Hundehalterin stört mich der Geruch unseres nassen Labbys mehr, als Stallgeruch. Unser Nachbarhund stinkt dermassen, dass ich immer sofort die Hände waschen muss, selbst wenn ich danach direkt in den Stall misten gehe.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Was stinkt ist subjektiv.
      Des Menschen erstes verführerisches Parfüm, empfinden wir heute als grässlichen Gestank.

  • Helium sagt:

    Ich denke, die Anzahl Mädchen, die sich für Pferde interessieren ist im Vergleich zu allen Mädchen doch noch relativ gering. Als ich jung war, gab es in unserem Bekanntenkreis gerade mal zwei Mädchen, die geritten sind und eine, die voltigiert hat. Im Umfeld meiner Töchter kennen wir vier oder fünf Mädchen, die regelmässig reiten gehen (kann man sich heute vermutlich eher leisten) und das bezogen auf sicherlich 80 bis 100 Mädchen. Dass es in unserem Kulturkreis unüblich ist, dass Jungen reiten, zeigt sich daran, dass im Umfeld meiner Töchter kein einziger Junge Reitstunden nimmt.

  • werner boss sagt:

    Ach so, für Frauen sind natürlich die Gründe wieder ganz anders! Nein eifersüchtig wäre ich nie und nimmer auf ein Pferd und das mit gutem Grund! Ich hörte mal eine Psychologin ( in) ! von einem Mann sagen der gerne ein Pferd besessen hätte, dass diese Gefühle einer unstillbaren Überheblichkeit der Person Ausdruck gäben! Ganz so falsch, lag diese Psychologin nicht, wie ich im nachhinein beobachtete. Mit einer Ausnahme, der Zuflucht für nicht so glückliche Menschen!

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Sie müssen mehrheitlich nur Schlechtes in Ihrem Leben erfahren haben, dass Sie Pferdeliebhabern solch böse Beweggründe unterstellen.

      • Werner Boss sagt:

        von Siebenthal, haben Sie meine Differenzierung nicht gelesen? Im übrigen habe ich das als die Meinung Einer Psychologin und nicht meiner dargestellt. Aber diese Psychologin scheint doch Recht zu behalten!

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        „Ganz so falsch lag diese Psychologin nicht, wie ich im nachhinein beobachtete“ Zitat Ende.

        Ausnahmen gibt es bei Ihnen nur bei unglücklichen Menschen, die Zuflucht suchen.

        Schön, wenn man so Schubladen zur Hand hat.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Nun, wir können vielleicht festhalten, dass es nicht Liebe sein MUSS.
      Menschen sind verschieden und gehen deshalb aus verschiedenen Gründen Beziehungen ein.

      Weder einseitiges glorifizieren, noch einseitiges pathologisieren wird der Sache gerecht.

      Dass bei uns Pferde eine Mädchendomäne geworden sind, ist sicher ein kulturelle Sache. Es gab einmal eine Zeit, da waren Pferde eine Männersache.

      So wandelt sich die Kultur im Lauf der Zeit.

      • tststs sagt:

        Da müssen Sie nicht einmal die Zeiten wechseln, RoXY, eine geografische Verschiebung tut’s auch 😉

      • Martin Frey sagt:

        „Dass bei uns Pferde eine Mädchendomäne geworden sind, ist sicher ein kulturelle Sache. Es gab einmal eine Zeit, da waren Pferde eine Männersache.“
        Das war zu den Zeiten so, als das Reiten direkt mit der Jagd sowie mit Krieg assoziiert war. Beides ziemte sich für Frauen ja bekanntlich nicht.
        Heute haben sich die Verhältnisse weitgehend umgekehrt, und bis auf wenige Exemplare im Reitsport haben die meisten Männer das Reitfeld geräumt.

      • Roxy sagt:

        ja natürlich tststs, aber ich mich ja auch kurz fassen… einmal mehr zeigt sich, dass viele Geschlechterstereotypen kulturell bedingt sind.

        Zu ihrer freudologischen Deutung, MF:
        Hier, wie in allem, sollten wir vor vorschnellen Verallgemeinerungen absehen.

        – Gewisse Menschen finden es überwältigend eine Beziehung zu einem Tier aufzubauen.
        – Andere benutzen das als Eskaptismus, weil sie sich mit Menschen schwer tun.
        – Bei anderen ist es so, wie sie es sagen.
        – Andere werden schlicht durch Freunde angesteckt und es ist ein Hobby wie jedes andere für sie.
        – Und wieder andere leben dadurch narzisstische Machtallüren aus.
        – ….
        Gleiches Verhalten, kann aus unterschiedlichsten Gründen geschehen. (Freud war ein Pionier, er konnte noch nicht alles wissen.)

      • Martin Frey sagt:

        Ja, Roxy, ich bin ja alles andere als ein Freudianer. Trotzdem aber finde ich diese Ansätze und Gedankenspielereien amüsant. Erklärungsversuche gibt es viele, wissen tun wir aber erstaunlich wenig über die weibliche Faszination für Pferde.
        https://www.srf.ch/wissen/pferde-in-der-schweiz/ein-grosses-starkes-wesen-bei-dem-man-sich-geborgen-fuehlt
        https://blogs.faz.net/tierleben/2015/01/30/mein-pferd-ist-mein-therapeut-eine-studie-erklaert-warum-frauen-reiten-645/

  • K. Geiger sagt:

    Da werde ich sicher zuschlagen. Selbst eine ehemaliges „Pferdemeitli“, durfte ich mir jetzt mit 54 Jahren den Traum vom eigenen Pferd erfüllen, eigentlich habe ich das nicht mehr für möglich gehalten. Ich freue mich auf das Buch!

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Sie Glückliche Bei mir wird sich der Traum vom eigenen Pferd trotz eigenem Hof kaum verwirklichen lassen.

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