Tote Fasane statt Wintersport

Staunen, lernen und Glace essen: Viele Museen haben eigens für Kinder zugeschnittene Angebote. (Foto: iStock)

Es sind Sportferien, und ein Plan muss her.

Weil die Frau diese Woche zu arbeiten hat, zogen wir unsere Snowboardwoche vor – in die Weihnachtsferien. So haben wir jetzt keine Sportferien, sondern einfach eine schulfreie Woche im Februar.

Früher hätten wir den Brecht mit seinem Lieblingsessen, ein paar Büchern und Lego locker eine Woche unterhalten. Aber im Alter ist er anspruchsvoll geworden. Ein Plan muss her.

Blick in den Kalender, vielleicht hat sich das Kind ja schon selber verplant. Aber da kann man von einem knapp Fünfjährigen nicht viel erwarten. Schwimmkurs am Montag, sonst nur weisse Seiten. Sollen wir seine Freunde zum Spielen einladen? Auch schwierig. Maximilian-Jason stemmbögelt in Adelboden, Lea-Marihuana kämpft im Schatten des Matterhorns mit dem Schlepplift, und die Familie von Joël ist «chli ad Wärmi gfloge». Haben vermutlich zu Hause keine Heizung. Egal. Ein Plan muss her.

«Hey Papa, gehen wir mal wieder ins naturhysterische Museum?» Oha, der Brecht hat einen Plan.

Kinder im museumsfähigen Alter

Ein Plan, auf den ich spontan nicht gekommen wäre. Dabei waren wir mit dem Brecht auch schon in ein, zwei Häusern. Einmal kurz im besagten Naturhistorischen Museum. Aber damals hatte er noch nicht genug Ausdauer für die 140 Dioramen der Ausstellung «einheimische Kleintiere» – vollgestopft mit Ausgestopftem.

Offenbar hat das erste Kindergartenhalbjahr aus dem Brecht inzwischen einen neugierigen kleinen Wissenschaftsfreak gemacht. Preiset den Kindergarten!

Eine Woche später haben wir fünf Museumsbesuche hinter uns und dabei drei kindgerechte Konzepte identifiziert:

  1. Der Stoff ist für Kinder ohnehin interessant
    Der vom Tod faszinierte Brecht zum Beispiel liebt Skelette und ausgestopfte Viecher: «Ist das Tier echt? Wer hat das totgemacht? Wie kann man eine Robbe totmachen? Gibt es dort drüben Glace?»
  2. Das Museum bietet eine aufwendige Parallelwelt
    Während die Eltern alte Postkutschen und Computer aus den 60ern bestaunen, kann das Kind einen Meter tiefer nach dem Eichhörnchen Ratatösk suchen, das sich mit diversen Rätseln 12-mal im Museum versteckt – beim letzten Posten natürlich direkt neben der Glacetruhe.
  3. Die Ausstellung ist gleich ganz für Kinder konzipiert
    Alles darf man mit Glacefingern angriffeln, überall sind Podeste zum Hochsteigen. Es gibt Sand, Wasser, Experimente für alle Sinne und wenn man es als Erwachsener langsam gesehen hat, muss man das Kind mühsam vom Zerrspiegel wegzerren. Notfalls mit noch mehr Glace.

Brechts Favorit: Das Naturhistorische Museum in Bern. (Quelle: Youtube)

Ein Gelassenheits-Abo

Da der Brecht jetzt jede Woche tote Iltisse und Schabrackenspitzmäuse beobachten will, haben wir uns die Flatrate gegönnt: den Schweizer Museumspass. Sein Vorteil liegt darin, dass man alle Launen des Kindes gelassen hinnimmt.

Der Brecht möchte nach 10 Minuten wieder raus und lieber in ein anderes Museum? Kein Problem. Er will am nächsten Tag nun doch ins erste Museum? Klar. Bei Chagall im Kunstmuseum wird es ihm rasch zu bunt? Gehen wir halt direkt eine Glace essen.

Man muss nicht mehr vor jedem Bild interessiert den Kopf schräg halten und nach jedem Knopfdruck den Sprechtext fertighören. Auch unschöne Auswüchse des Preis-Rausschlagens fallen weg: «Dann laufen wir jetzt halt heulend durch die Sonderausstellung Noemi, wir haben doch nicht 18 Franken nur für die Sammlung bezahlt!»

Klar, bei den aktuellen Glacepreisen ist die Pensionskasse nach einem Jahr Museumspass trotzdem verpfändet. Bis es so weit ist, freue ich mich über jede Empfehlung. In welcher Ausstellung sollte man mit einem fünfjährigen Brecht unbedingt Glace essen gehen?

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