Warum Teenies Koreanisch lernen

Mamablog

Korea erobert die Welt: BTS-Fans vor einem Konzert der Band in Los Angeles. Foto: Getty Images

Haben unsere Kinder noch echte Idole? Die Frage hab ich mir angesichts der unüberschaubaren Vielzahl der sogenannten Influencer, denen die Jugend heute auf Social Media folgt, schon öfter gestellt. Die Antwort bekam ich, als unsere fast 14-jährige Tochter letzthin den Wunsch äusserte, Koreanisch zu lernen. Koreanisch? Hatte ich richtig verstanden? Italienisch oder Spanisch neben Englisch und Französisch, okay, aber Koreanisch? Hintergrund für die Koreanophorie, die Eltern von pubertierenden Mädchen können es sich vielleicht denken, ist die Begeisterung für den «K-Pop», die offenbar derzeit viele Teenager, vornehmlich weiblich, teilen.

«K-Pop» steht für Korea-Pop, eine der bekanntesten und erfolgreichsten K-Pop-Gruppen ist BTS (sie werden auch Bangtan Boys genannt). Was früher die Backstreet Boys waren, verkörpern heute diese smarten jungen Männer, sieben an der Zahl, die mit ihrem Textmix aus Koreanisch und Englisch und ihren wohlchoreografierten Tanzeinlagen die Herzen asiatischer, amerikanischer und nun auch europäischer Mädchen höherschlagen lassen.

«V» steht nicht mehr für «victory»

Die «A.R.M.Ys» («Adorable Representative M.C. for Youth»), wie die BTS-Fans genannt werden, sind mittlerweile auf allen Kontinenten zu finden. Auf den ersten Blick nicht auseinanderzuhalten, offenbart mir die Tochter die signifikanten Unterschiede der fast mädchenhaft anmutenden Schöngesichter. Und es ist der eine, der so besonders ist, und er heisst «V» (richtiger Name Kim Taehyung). Da ist es plötzlich – das Idol. Wenn V singt und tanzt, gerät das Blut der jungen Dame in Wallung und sie in einen Zustand verzückter Entrücktheit. Begegnet man ihr, spreizt sie Zeige- und Mittelfinger zu dem Buchstaben, der bei uns noch für Sieg stand. Insider erwidern den Gruss.

Mädchenschwarm: Sänger V. Foto: Korea Dispatch/Wikipedia

Bei mir werden da Erinnerungen wach. Mein Idol hatte auch ein spezielles Gesicht – und verschiedenfarbige Augen. David Bowie natürlich. Er war mit «Heroes» mein absoluter hero. Ich hätte alles gegeben, ihn einmal persönlich zu treffen oder wenigstens live on stage zu sehen. Nun scheint der Generationensprung manchmal gar nicht so gross zu sein, zumindest nicht im emotionalen, hormongesteuerten Bereich. Unsere Tochter möchte ihren V auch unbedingt treffen. Doch fürs Konzert müsste sie nach Berlin, alternativ nach London, was wir als besorgte Nesthäkchen-Eltern noch nicht zulassen wollen, weil uns Berlin wie London aus der Schweizer Perspektive für eine 14-Jährige zu gefährlich erscheinen.

Um ihm irgendwie näher zu sein, will sie zumindest schon mal seine Sprache lernen. Wie ernst es ihr damit ist, bewies sie unlängst in der Schule, als sie auf ein Testblatt ihren Namen in Koreanisch schrieb. Der Englischlehrer wunderte sich und fragte in die Klasse, wer denn bitte Ötteltö sei?

Unsere Tochter erklärte dem älteren Lehrer etwas verlegen ihre Begeisterung für die siebenköpfige, hübsche Boygroup und den daraus erwachsenden Wunsch, die Sprache zu lernen. Sein Kommentar: Wozu Männer doch gut sind!


Backstreet Boys auf Koreanisch: «Idol» von BTS. Video: Youtube

28 Kommentare zu «Warum Teenies Koreanisch lernen»

  • Gion Saram sagt:

    Diese Bubblegum Musik der K-Pop Jungs ging mir schon damals in Korea auf den Wecker. Es gibt in diesem Land auch Bands die nicht nur im Studio tanzen und singen können sondern auch live eine geile Show abliefern. Meine absoluten Favoriten sind Crying Nut aus dem Hongdae Viertel in Seoul. http://www.cryingnut.kr Live eine der besten Bands dich bisher gesehen habe.

  • Kira Kern sagt:

    Die Tochter meines Mannes spricht fliessend koreanisch und hat durch den Koreanisch-lerneifer jetzt auch einen koreanischen Partner gefunden. Manchmal kommts anders als man denkt 🙂

    • Tofa Tula sagt:

      Das ist schoen so. Pupertaere Traeumereien sollte man aber trotzdem als das sehen, was sie sind, pupertaere Traeumereien.
      Wenn schon, waere es sinnvoller, Chinesisch zu lernen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Chinesisch gibt es nicht. Mandarin oder Kantonesisch kann man lernen. Beides chinesische Sprachen aber ziemlich unterschiedlich, was man aber nur hört, wenn man einen von beiden kann.

        Koreanisch ist viel einfacher. Sagte mir eine Koreanerin, die im gleichen Mandarin- Kurs wie ich war.

      • Tofa Tula sagt:

        @Muttis Liebling.
        Sie wissen schon, was ich meinte.
        Hochchinesisch oder (Modernes) Standardchinesisch (chinesisch 普通話 / 普通话, Pinyin Pǔtōnghuà, fachlich: (現代)標準漢語 / (现代)标准汉语, (Xiàndài) Biāozhǔn Hànyǔ)[1][2] ist die Standardvarietät des Chinesischen, die Amtssprache der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) sowie eine der vier Amtssprachen Singapurs. Im asiatischen Raum nimmt es an Bedeutung zu. Das Koreanisch einfacher ist, ergibt sich schon von der Schrift her: Das moderne koreanische Alphabet besteht aus 19 Konsonantenbuchstaben und 21 Vokalbuchstaben, die sich auf 14 Zeichen für Konsonanten und 10 Zeichen für Vokale zurückführen lassen.

  • Maja Schmid sagt:

    Als Mutter von drei Fangirls gebe ich zu, dass ich am Anfang auch etwas konsterniert war. Warum ausgerechnet Koreaner? Inzwischen verstehe ich viel von BTS, kann die 7 Jungs unterscheiden und erkenne sogar ihre Stimmen in den Songs. Ausserdem habe ich meine Lieblingslieder und höre auch gerne K-Pop. Die Boys sind äusserst fähig, fleissig und doch bescheiden geblieben. Ausserdem tanzen sie toll. Ich zähle mich zu den K-Pop-Fans, auch wenn ich nicht für einen von ihnen schwärme!

  • hans muster sagt:

    Von kpop und bts mag man halten was man will – unabhängig davon: koreanisch ist eine wunderschöne Sprache, die zu lernen einem einen ganz anderen Horizont und Blick auf die Welt gibt, als dies eine verwandte Sprache aus Europa geben würde. Kann ich jedem nur empfehlen, egal ob teenager oder senior.

  • Maike sagt:

    Als zu meinem Jahrgang (54) passend die Rockmusik aufkam, hat sich die halbe Klasse eine Gitarre gekauft, um ihren Idolen nachzueifern. Das war damals noch ein richtiger finanzieller Einsatz. Dagegen wirkt koreanisch lernen eher harmlos.
    Aber ich finde es immer gut, eine Sprache zu lernen und dazu noch eine, mit der wir keinen eigenen Sprachstamm haben. Das ist eine extreme geistige Herausforderung. Zudem, bringt man es dabei zu einer gewissen Fähigkeit, macht ein Urlaub in diesem Lande deutlich mehr Spass.

    • Muttis Liebling sagt:

      Der Siegeszug der Gitarre begann früher als vor 54 Jahren und endete erst in den 1990’ern. Den Beatles wurde 1960 gesagt, die Zeit der Gitarrenbands ist vorbei. Teuer waren die Gitarren damals auch nicht.

      John Lennon hat sich dokumentiert eine Gibson Akustic um 1965 für lausige 650 Pfund gekauft, die letztes Jahr für irgendwelche Hunderttausende versteigert wurde. Aber auch ohne die Besitzerschaft Lennon bekäme man dieses Instrument nachgebaut heute nicht unter 3000, gebraucht nicht unter 30’000 Franken.

      Bei Holzinstrumenten kann man, so man Gehör hat, wenig falsch machen. Ausser primär billig zu kaufen. Keine Aktie wächst im Wert so schnell, wie gute Instrumente und keine neue Gitarre klingt so gut, wie eine alte.

      • Michael Schweingruber sagt:

        Also im Jahr 1965 waren 650 £ umgerechnet ungefähr 7800 CHF, das entspräche heute ca. 27000 CHF; eine Gitarre für diesen Betrag erachte ich als extrem teuer, auch für die Beatles.

  • Roxy sagt:

    Das hat man davon, wenn man die Jugend nicht frühzeitig in sarkastischem Witz schult: Tracks von Monty Python, Family Guy. , Simpsons ….

  • Lisa sagt:

    Bay City Rollers – doch zu besserem Englisch haben sie uns nicht animiert. Aber wir trugen plötzlich alle Karoschals…

    • Muttis Liebling sagt:

      Dass Beste an TV- Übertragungen aus dem britischen Unterhaus ist das wohlklingende Englisch. So grausam, wie amerikanisches Englisch klingt, so fast eine Kunstform sein ist britisches Englisch.

  • Esther Müller sagt:

    Ich dachte schon, dass das mit dem Koreanisch lernen eine Idee meiner Tochter ist, deren Onkel etwa 9 Sprachen spricht. Aber es scheint eher das BTS-Virus zu sein…. was soll’s eine Sprache mehr schadet ja nicht oder?
    In dem Sinne schade ist es nicht F-Pop (Französisch-Pop).

  • Werner Boss sagt:

    Berlin, London! 14 Jährige! Habe ich richtig gelesen? Sind das nicht die, welche uns Alten vorhalten, wir hätten sie um ihre Zukunft betrogen? Wo ist da nun der Klimaschutz? Schon wieder verflogen? nur wegen eines Koreanischen Bubis?

    • tststs sagt:

      Ah, wo ist sie, die viel genannte Altersmilde?
      Wahrscheinlich auch schon wieder verflogen…

    • Christoph Bögli sagt:

      @Boss: Also nach Berlin kann man auch bequem mit dem Zug fahren. Mal davon abgesehen, dass es nach wie vor extrem lächerlich ist, so zu tun, als müsste man ein Heiliger sein, nur um auf ein grundsätzliches Problem hinzuweisen. Das ist letztlich nur ein peinliches Totschlagargument, damit sich Leute wie Herr Boss bloss nicht hinterfragen müssen..

      • werner boss sagt:

        Ja Hinterfragen ist ein gutes Stichwort! Das gehört zur Grundausstattung eines jeden Linken Plauderi, eben so wie „Totschlagargument“! Nur von der Sache verstehen muss man deswegen noch lange nichts!

      • tststs sagt:

        Neinei, Herr Bögli, bei Leuten wie Herrn Boss gibt es nichts zu hinterfragen. Seit Geburt verfügen sie über höchste moralische Massstäbe und Kompetenzen. Die Weisheit kam mit der Muttermilch und eine Meinungsänderung gab es im ganzen Leben noch nie. Geschweige denn von irgendwelchem Verhalten wider besseren Wissens. Niemals. Nie.

        Und die politische Gesinnung können solche Leute übrigens anhand von 2 Sätzen im Mamablog identifizieren 😉

      • Cybot sagt:

        Auch nach London kommt man übrigens problemlos mit dem Zug, das haben wir als Jugendliche Anfang der 90er gemacht. Und einmal sind wir sogar bis Schottland gefahren. Aber damals waren Flüge auch noch teuer, vor allem wenn man noch das Velo mitnehmen wollte.

    • Samira Maurer sagt:

      Nein, das sind nicht diejenigen, denn es gibt verschiedene 14jährige – ich kenne zumindest solche, die sich für Klimaschutz einsetzen und solche, denen es ziemlich egal ist und ganz viele, die irgendwo dazwischen stehen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Man kommt selbst nach Hanoi problemlos mit dem Zug. Nicht nur, wie Kim jung un von Pjöngjang aus, auch von Zürich. Man muss sich nur 2 Wochen Zeit nehmen.

    • Lisa sagt:

      Genausowenig wie ich als Erwachsene mich in einen Topf mit Ihnen, Werner Boss, werfen lassen will – denn wir haben ganz offensichtlich grundverschiedene Ansichten und Haltungen – genausowenig sollte man die Jugendlichen in einen Topf werfen. Aber da Sie ja zu den „Alten“ gehören, wissen Sie sicher, dass es in allen Generationen unterschiedliche Meinungen zu unterschiedlichen Themen gibt. Soviel Weitsicht traue ich Ihnen zu. Oder doch nicht?

    • Taetae sagt:

      Hormone verleihen Flügel, würde ich dazu mal sagen!

  • Koller sagt:

    Lassen wir mal den Geschmack, bei seite. In einem Jahr kommt der nächste Splin, hoffen wir es werde nicht usbekisch.

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