Die nervigsten Kinderfiguren

Mickey, du nervst! Im schrillen Mickey Mouse Clubhouse bleibt die Handlung rätselhaft. (Foto: Walt Disney Studios)

Hat man ein Kleinkind, ist man permanent von Kinderfiguren umgeben. Bis man irgendwann keine Nerven mehr hat – dafür aber eine persönliche schwarze Liste:

Prinzessin Lillifee (CD)

Offenbar basiert die Figur auf einer Buchreihe und wird von einem umfassenden Produktmarketing in Rosa begleitet. Ich kenne die Prinzessin ausschliesslich von Tonträgern auf Schweizerdeutsch, die meine Tochter den ganzen Tag rauf- und runtersingt, was mir völlig ausreicht: Lillifee, eine kleine Blumenfee, die in einem Blütenschloss im Zauberland Rosarien lebt und Freunde hat, die Pupsi und Henry heissen, erlebt in ihren Musicalsongs mit teilweise schrecklich dissonanten Melodien allerhand Langweiliges. So lernt Lillifee Ballett tanzen, tritt in einem Zirkus auf und lernt immer wieder neue Gspäändli kennen.

Offenbar sind sie alle klein, denn die Titel dieser Musical-CDs sind sich sehr ähnlich: «Prinzässin Lillifee und die chli Seejungfrau», «Prinzässin Lillifee und de chli Delfin», «Prinzässin Lillifee und s chli Reh», «Prinzässin Lillifee die chli Ballerina». Rätselhaftester Songtext: «Maus und Säuli send ned de für gebore/Niemols werded d’ Rose musiziere/En Baum schribt keis Gedicht/Tier tanzed ned».

Meine Freundin Conni (Trickfilm)

Auch von Conni, dem Mädchen mit dem rot-weiss-gestreiften Shirt, gibts eine ganze Produkt- und Medienwelt, darunter CDs und Bücher. Hier stehen edukative, völlig fantasielose Geschichten im Zentrum («Conni lernt reiten/lernt backen/Rad fahren etc.»). Nie darf Conni etwas Sinnloses erleben, immer wird dem armen Kind etwas auf den Weg mitgegeben.

Am nervigsten sind die Conni-Videos. Schon nur die Tröten im «Hier kommt Conni»-Opener-Song bringen mich zur Weissglut. Sämtlichen Figuren, also die streberhafte Conni und ihre biedere Familie sowie ihre Freunde, sind äusserst schlecht animiert. Sie bewegen sich wie Roboter, und wenn sie lachen oder sich über etwas freuen, wirkt das aufgesetzt und falsch, weil die realistischen Stimmen der Schauspieler nicht zu den krüppelhaften Bewegungen der Trickfilmfiguren passen. Connis Mutter ist meine grösste Feindin: Sie hat immer eine super Erklärung auf Kinderfragen oder eine grossartige Bastelidee auf Lager und nie schlechte Laune. Ich kann es mir auch nicht erklären, aber ihr überlanger Oberkörper, der in einem formlosen grünen Oberteil steckt, sowie ihre praktische Kurzhaarfrisur machen mich rasend.

Meine Freundin Conni. (Quelle: Youtube)

Mickey Mouse Clubhouse (Trickfilm)

Ich stehe kurz davor, einen LSD-Trip zu schmeissen, weil ich wissen möchte, ob sich das wirklich so anfühlt wie das Leben von Mickymaus: Die Trickfilmfigur zappelt in einem poppig bunten Wunderland mit tanzenden Elefanten in lila Röckchen herum, fährt Autos mit Tasten und Lichtern in allen Farben des Regenbogens und hat alle paar Sekunden eine neue Idee. Niemand macht mich nervöser als Micky. Den Geschichten konnte ich bisher nie folgen, weil ich abgelenkt bin von Mickys zu hoher, unangenehmer Stimme.

Mickey Mouse Clubhouse. (Quelle: Youtube)

Die Eiskönigin (Bücher)

Von der Disney-Eiskönigin, der wohl mächtigsten Merchandise-Figur auf dem Planeten für Mädchen, gibt es auch Bilderbücher. Sie heissen «Ein frostiges Wunder» oder «Elsa und der Zauber der Eisblumen», und meist geht es darin um Eis, Schnee und die Gefahr der Kälte. Daneben existieren rätselhafte Storys um den Schneemann Olaf oder kleine Trolle. Das Lieblingsbuch meiner Tochter, die Geschichte «Im Tal der Trolle», habe ich noch nie kapiert: Eine Freundes-Crew um Elsa und einen Eislieferanten Kristoff reist an ein Trollfest, aber irgendwie geht es auch um Käfer und einen Kristall, um Schlitten und Polarlichter. Ich habe das Buch schon mehrmals für mich gelesen, um zu verstehen, worum es geht. Ich bin immer gescheitert. Da sind zu viele Darsteller und eine Dramaturgie, die ständig wechselt, bis ich dann beim Vorlesen meist irgendwann einschlafe

Weitere Postings, die Sie interessieren könnten:

Warum eine Medienkotz-Funktion sinnvoll wäre

Acht richtig gute Kinderbücher