Krankenschwester sei Dank!

Eine einfühlsame Betreuung der kleinen Patienten hilft enorm – auch den Eltern. (Foto: iStock)

Am Wochenende ist unser Sohn beim Fussballspielen unglücklich auf den Arm gefallen und hatte so starke Schmerzen, dass ich mit ihm sofort zur Kinderpraxis ins Spital fuhr. Er, der nicht wehleidig ist und normalerweise nach jedem Sturz gleich wieder aufsteht, wimmerte auf dem Weg ins Spital nur so vor sich hin – es war klar, dass etwas gebrochen sein musste. Ich fühlte mich hilflos, denn ausser Trösten und gut zureden konnte ich während der Fahrt nicht viel machen.

Auch mir standen für einen Moment die Tränen zuvorderst. In der Kinderpraxis, die dem Spital angeschlossen ist, teilte man uns zuerst mit, dass eigentlich gleich Feierabend sei – wir aber trotzdem noch hereinkommen dürfen. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Pflegefachfrau bekam unser Sohn ein Schmerzmittel verabreicht. Die Ärztin würde sich gleich um ihn kümmern, sagte sie und brachte auch mir ein Glas Wasser. Es sei nicht leicht, das eigene Kind leiden zu sehen. Ja, das stimmte. Schon etwa eine Stunde später standen wir wieder draussen: unser Sohn mit einem müden Lächeln im Gesicht und einem in YB-Farben eingegipsten Arm. Was wohl seine Freunde dazu sagen würden?

Ein Gips für die Ewigkeit

Ich atmete tief durch und liess das Geschehene Revue passieren: Wie tapfer unser kleiner Fussballer, und wie freundlich die Ärztin, der Radiologe und die drei Pflegefachfrauen, mit denen wir zu tun gehabt haben, doch gewesen waren. Kompetent und ausgesprochen herzlich haben sie sich um ihn gekümmert. Und dies, obwohl mindestens drei davon längst im bestimmt wohlverdienten Feierabend hätten sein sollen. Die Ruhe der Ärztin hatte sich innert Kürze auch auf mich übertragen, und die Geduld und Hingabe, mit der sich die Pflegefachfrau um einen würdigen YB-Gips bemühte, lenkte unseren Sohn von seinen Schmerzen ab. An diesen Gips würde er sich bestimmt ein Leben lang erinnern und seinen Unfall später auch mit Positivem verknüpfen können.

Natürlich reichen Freundlichkeit und Anteilnahme allein nicht aus, um jemanden gesund zu machen, doch ein positives Umfeld spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle – auch für die Eltern. Denn das Gefühl, gut aufgehoben und am richtigen Ort zu sein, ist kaum je wichtiger, als wenn es um die Gesundheit des eigenen Kindes geht.

Die gute Seele der Station

Nun ist ein gebrochener Ellenbogen zwar nicht lustig, aber auch kein Weltuntergang. Die Schmerzen sind schon fast weg, und der Gips wird es in vier Wochen auch sein. Ganz anders ist die Situation für Familien, deren Kinder schwer erkranken und über lange Zeit im Spital bleiben müssen. Schier unvorstellbar, was die Betroffenen durchmachen, welche Schmerzen, Sorgen und Ohnmachtsgefühle sie aushalten müssen.

Die kürzlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlte Sendung «Mona mittendrin» ermöglichte einen Einblick in den Alltag auf der Krebsstation des Kinderspitals in St. Gallen, dokumentiert, was eine Krebsdiagnose für die jungen Patienten, deren Eltern und Geschwister bedeutet – und wie wichtig die Arbeit der Pflegenden unter diesen Umständen ist. Das Pflegepersonal ist die gute Seele der Station, sorgt dafür, dass die drückende Schwere, die auf den schmalen Kinderschultern lastet, nicht Überhand gewinnt. Die Doku zeigte eindrücklich, dass die Bedeutung einer einfühlsamen Betreuung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ich bin dankbar, dass wir in der Schweiz über ein so gutes Gesundheitssystem verfügen und dankbar auch dafür, dass in der Ausbildung zur Pflegefachperson offenbar sehr vieles richtig gemacht wird.

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28 Kommentare zu «Krankenschwester sei Dank!»

  • Sabine sagt:

    Der Krankenschwester sei Dank? Warum nicht der Ärztin?

    Vor kurzem wurde an dieser Stelle noch über genderneutale Erziehung diskutiert. Und nun ein solcher Titel im Mamablog? Obwohl der Text selbst eine ganz andere Sprache wählt? Offenbar sind Stereotypen doch ganz tief in unserer Gesellschaft verankert.

  • Miguel de Antoni y Maura sagt:

    Ideal wäre die Kombination „Dr.House&DalaiLama“.
    Leider habe ich viele empathische Fachpersonen getroffen, doch nur wenige echte Experten auf ihrem Gebiet. Was nützt mir eine nette Schwester, wenn sie keine IV setzen kann? Oder der Arzt, der mich anlächelt und emotional abholt, aber fachlich sonst anno 1830 stehen geblieben ist. Eierlegende Wollmilchsäue sind kaum zu finden, konzentrieren wir uns also auf beste eierlegende Hühner, kuschelige Wollschafe, effiziente Milchkühe und … Sie wissen, was ich meine. Weiten wir unser „Auffangnetz“ aus, statt alles bei einer Person/Institution suchen und erwarten zu wollen. Individuell, den eigenen Bedürfnissen ausgerichtet. Eigenverantwortlich.

  • Cybot sagt:

    Gutes Pflegepersonal ist für grosse Patienten genau so unbezahlbar.

  • petite sagt:

    Bei Kindern sind neben gutem Pflegefachpersonal auch Spitalclowns sehr hilfreich, das habe ich als Kind erlebt. Ich lag nach einer Schädeloperation im Kinderspital, als mich so ein Clown besucht hat. Meine Mutter hat mir erzählt, das sei das erste Mal nach der OP gewesen, dass ich mich freiwillig aufgesetzt hätte.

  • Markus sagt:

    Danke dem Pflegepersonal, das sich täglich – und nächtlich! – liebevoll und einfühlsam um Kinder kümmert.
    Die Arbeit mit Kindern ist im Gesundheitswesen vermutlich dankbar: die kleinen jammern nur, wenn wirklich Schmerzen da sind, nörgeln nicht dauernd herum und Hypochonder (aka „Puls“-Zuschauer) gibt es unter ihnen noch nicht.

    • tststs sagt:

      Schliesse mich dopplet an
      1. Das Danke an alle Pflegenden
      2. Jaaa, ich glaube auch, dass es in der Spitalpflege eher die Erwachsenen sind, die sich „wie Kinder aufführen“… 😉

  • Brunhild Steiner sagt:

    Herzlichsten Dank!!!

    Und hoffen wir dass die Pflegeinitiative durchkommt!!!

    • Martin Frey sagt:

      @Steiner
      Vorab, man kann die alltäglichen Pflegeleistungen nicht hoch genug würdigen, und das tut der Beitrag. Was mich auch freut: bis dato ist noch kein Kommentar publiziert worden, der am Begriff „Krankenschwester“ herummäkelt… 😉
      Die Pflegeinitiative ist aber schon nochmals ein anderes Thema, bei aller Sympathie für den Beruf sind die Meinungen dazu doch geteilt:
      https://www.nzz.ch/meinung/pflegeinitiative-die-guten-und-die-boesen-ld.1365697

    • Röschu sagt:

      „Und hoffen wir dass die Pflegeinitiative durchkommt!!!“
      Damit der ohnehin schon enorm aufgeblähte Gesundheitsapparat in Zukunft noch teurer wird, unsere Krankenkassenprämien noch weiter und noch schneller steigen und das gesamte System irgendwann kollabiert, weil wir es uns schlicht nicht mehr leisten können?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Röschu

        nein, sondern damit motivierte und lang-im-Beruf-verbleibende-Pflegefachkräfte gesichert sind!

      • Klärli Benz sagt:

        @ Röschu: Als Alleinerziehende habe ich immer am Existenzminimum gelebt. Das Geld für die Krankenkasse hat mich aber nie gereut. Wir haben die beste Gesundheitsversorgung der Welt. Es gibt mir nichts wichtigeres, als dass ich und meine Liebsten davon profitieren können. Da verzichte ich gerne auf Reisen und Luxus.
        Wo wir sicher nicht sparten sollten, ist das Pflegepersonal. Sie leisten so Grossartiges, werden aber immer stärker belastet und der Lohn ist ja auch nicht gerade das Wahre.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ja, wir dürfen wirklich dankbar sein, für die gute Versorgung und für das Personal, das auch rein menschlich einen guten Job macht.
    Ich muss sagen: den Kindern geht es hier wirklich sehr gut, ob in der Schule, beim Arzt oder im Spital, immer erlebe ich die Fachpersonen als sehr kinderfreundlich.

  • Martin Frey sagt:

    Wie bei anderen wichtigen staatlichen Aufgaben schätzt man den Wert eines gut funktionierenden Gesundheitswesens erst, wenn man es nicht mehr hat. Oft reicht es, wenn man sich im Ausland behandeln lassen muss.

    • Muttis Liebling sagt:

      Die Medizin und die Pflege funktionieren hervorragend, aber nicht das Gesundheitswesen. Das Gesundheitswesen ist das mit am schlechteste der OÊCD- Staaten. Nur das der USA ist noch schlechter.

      Patienten bemerken aber nur die Medizin, nicht das Gesundheitswesen. Ausser wenn einmal im Jahr die KK- Prämien erhöht werden. Dann raunt ein Stöhnen durch den Raum, allerdings ohne den Grund dafür zu erkennen. Ohne zu wissen, dass die Kostensteigerung nicht auf medizinischen oder demographischen Gründen beruht, wie rosstäuschend begründet wird, sondern politisch gewollt und erzeugt ist.

      Die Hauptaufgabe des CH- Gesundheitswesen besteht darin >=12% BIP zu generieren, selbst wenn das zu Lasten der med. Qualität geht.

      • Martin Frey sagt:

        Ich wusste, dass Sie das sagen würden, ML. 🙂
        Aus Sicht der Betroffenen ist das relevant, was die Autorin erlebt hat. Nicht falsche Anreize, Ineffizienzen, Bürokratisierungen. Sondern die Menschlichkeit, die Patientenzentriertheit, und last but not least die Qualität der medizinischen Versorgung zählen für das Individuum. Und zu alldem kann man nicht genug Sorge tragen.

      • Röschu sagt:

        @MF
        Wie Sie richtig erkannt haben, werten die meisten Menschen persönliche, emotionale Befindlichkeiten höher als rationale Erwägungen zu Gunsten aller. Und genau deshalb steigen letztlich unser aller Krankenkassenprämien immer und immer weiter.

      • tststs sagt:

        Jedes Mal nach einem meiner Spitalaufenthalte, oder auch bei Behandlungen von Freunden, reuten mich die KK-Prämien nicht mehr…
        Ja, unser System ist teurer. Aber anders als andere (hier und an anderer Stelle) glaube ich nicht, dass es einzelne kostentreibende Faktoren sind (mal sind es die unnötigen Notfallbesuche, mal ist es die böse Pharmaindustire, dann sind es wieder die Regionalspitäler etc etc), sondern dass es die Gesamtheit ausmacht. Also nochmals, ja, wir leisten uns da eine ziemliche Luxusversion, aber mir persönlich ist es dies wert.

      • Martin Frey sagt:

        @Röschu
        „Wie Sie richtig erkannt haben, werten die meisten Menschen persönliche, emotionale Befindlichkeiten höher als rationale Erwägungen zu Gunsten aller.“
        Ich glaube, beides ist wichtig, und beides wird durchaus gewichtet. Vielen Menschen sind rationale Erwägungen nicht fremd. Oder anders formuliert, vom YB-Gips haben Sie nicht viel wenn er nicht sitzt. 🙂
        Ob davon Krankenkassenprämien steigen steht auf einem anderen Blatt. Persönlich denke ich eher nein.

      • Martin Frey sagt:

        @tststs
        „Also nochmals, ja, wir leisten uns da eine ziemliche Luxusversion, aber mir persönlich ist es dies wert.“
        Ich glaube, das ist auch die Haltung des Gros der Bevölkerung. Zum Leidwesen derer, die immer gleich alles schlechtreden und von Grund auf verändern wollen.

      • tina sagt:

        tsts: ich zahle für mich und meine söhne über 700 pro monat für die grundversicherung. das ist über 10% meines einkommens. und wenn ich dann mal 2mal jährlich zum arzt MUSS, weil nach 5 tagen „grippe“ ein arztzeugnis her muss, dann muss ich das wegen der hohen franchise ja auch noch selber zahlen.
        also klartext: meine söhne und ich brauchen die 8500 versicherungsprämienkosten jährlich nie für uns selber sondern wir spendieren das grosszügig ans system…. und darum kann ich nicht von „ich leiste mir“ sprechen.
        klar, sobald , mit einem spitalbesuch sieht die lage sofort anders aus und darum wechselt auch die eigene perspektive, würde meine auch.
        mit spitalpersonal habe ich darum auch kaum erfahrungen 🙂 und darum bin ich natürlich froh

      • Sportpapi sagt:

        @tststs: “ ja, wir leisten uns da eine ziemliche Luxusversion, aber mir persönlich ist es dies wert.“
        Dennoch muss man es sich letztlich leisten können. Und angesichts der Steigerungsraten bei den Kosten kommt früher oder später definitiv der Punkt, an dem das System an die Wand gefahren wird.
        Ausserdem ist es wie immer in einem solidarischen System: Man ärgert sich über die, welche das System ausnutzen.
        Persönlich würde ich mir schon etwas mehr Eigenverantwortung und einen etwas reduzierten Katalog bei den Grundversicherungen wünschen.

      • Röschu sagt:

        @tststs
        „Also nochmals, ja, wir leisten uns da eine ziemliche Luxusversion, aber mir persönlich ist es dies wert.“
        Problem ist halt, dass sich immer mehr Leute diese Luxusvariant gar nicht mehr leisten können, selbst wenn sie wollten.

      • tina sagt:

        ja klar MF, als besserverdiener kann man sich 10% natürlich eher leisten, aber für besserverdiener kostet es sowieso weniger als 10%.
        und das hat null und nichts mit „immer alles (?!) schlechtreden“ zutun, sondern einfach mit einer finanziellen belastung, die für leute mit weniger hohem einkommen einfach grösser ist.

      • Martin Frey sagt:

        @tina
        Wenn ich höre, dass ein Teil der Prämienverbilligungen jeweils nicht abgeholt wird, dann weiss ich halt auch nicht weiter. Und auch die grössten sozialistischen Redenschwinger beanspruchen für sich die Maximalvariante, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Habe noch nie jemanden getroffen der mit der jeweils zweitbesten Variante zufrieden war.

      • tina sagt:

        keine ahnung was du sagen willst, ich hoffte, du erkennst, dass es die einen leute sehr viel mehr kostet als andere und das ein wirklich heftiger ausgabeposten ist, von dem leute, die nie zum arzt müssen, rein gar nichts haben.
        das muss gesehen werden!
        und ich will das nicht mit einem blöden spruch wie deinem (immer alles schlechtreden?!) in verbindung gebracht haben.
        prämienverbilligung: je tiefer das einkommen, desto mehr entlastet sie einen, das ist ja auch richtig so. wenn du nicht ganz unten bist, und die kinder nicht mehr klein sind, dann entlastet sie eben kaum mehr – wie in meinem fall.
        ich gehe davon aus, dass leute, die die prämienverbilligung nicht abholen 1) nichts davon wissen oder 2) andere „einnahmequellen“ haben, wie beispielsweise wohlhabende eltern

  • Muttis Liebling sagt:

    ‚Ich bin dankbar, dass wir in der Schweiz über ein so gutes Gesundheitssystem verfügen…‘

    Das Gesundheitssystem der Schweiz zu einer industriellen Krankheitsbewirtschaftung verkommen. Es ummantelt eine hervorragende Medizin und Pflege, ist aber nicht auf deren Ziele, sondern auf Gewinnerwirtschaftung fokussiert.

    Es ist gemessen an seinen Leitungen doppelt so teuer, als aus rein medizinischen Gründen notwendig wäre. 50% der Kosten wandern in die Abrechnungsadministration und die medizinisch nicht begründbare Mengenausweitung. Es wird nach Preisliste therapiert, nicht auf Heilung.

    Noch krasser ist das Verhältnis der Kostenzunahmen. Da sind nur 20% auf Medizin zurückführbar. 80% der jährlichen Prämiensteigerung verschlingen die direkten und indirekten Folgen der Kassenabrechnung.

    • Michael Klein sagt:

      Aber man will ja keine Gemeinschaftsversicherung in der KK. Lieber ganz viele, die alle das gleiche versichern – aber auch alle einen CEO zahlen müssen.

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