«Du hast Glück, dass dein Mann dir hilft!»

Wer von beiden Elternteilen grad da ist, tut einfach, was zu tun ist. Foto: Ba Phi (Pexels)

«Lange nicht gesehen», sagte mir kürzlich eine Bekannte, «aber deinen Mann trifft man oft mit den Kindern.» Wir plauderten über Gott und die Welt und unsere familiäre Arbeitsaufteilung und bald fiel der Satz: «Du hast Glück, dass er dir so hilft.»

Ähm … natürlich schätze ich es, dass mein Partner eineinhalb bis zwei Tage in der Woche die Kinder betreut, während ich arbeite. Dass er einkauft, kocht und sowohl ihre Schuhgrössen als auch die Telefonnummern ihrer Lehrpersonen kennt. Aber mein Partner «hilft» mir nicht. Auch dann nicht, wenn er das Znüni für die Kinder bereit macht oder den Parkett krümelfrei hält. Wir erledigen unsere Aufgaben gemeinsam. Es ist unser Parkett, es sind unsere Kinder. Wer von uns grad da ist, tut einfach, was zu tun ist.

Ist das Glück? Nicht wirklich. Schon gar nicht ausschliesslich. Weder das elterliche Rollenverständnis noch die Arbeitsaufteilung eines Paares resultieren doch aus mehr oder weniger günstigen Fügungen des Schicksals. Beides dürfte eher aus dem stetigen Abgleich von Ideen, Wünschen und Erwartungen hervorgehen – und aus deren Umsetzbarkeit, klar. Hört sich weniger romantisch an als Glück, führt aber bestimmt zuverlässiger zu stimmigen Lösungen.

Kein Roulette-Treffer

Überhaupt: Ist ein Partner, der «hilft», ein Roulette-Treffer? Der Haushalt also eigentliches Schicksal der Frau? Und damit: der Brotgewinn reine Männersache?

Inzwischen müsste doch selbstverständlicher geworden sein: Man schaukelt das Ding nicht nur gemeinsam, es ist auch ein gemeinsames Ding. Dies sollte sich zumindest bei der Einstellung zeigen – wenn schon nicht in den Zahlen zur Erwerbsaufteilung: Gemäss dem statistischen Bericht «Familien in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik arbeiten nämlich nur 5,9 Prozent der Paare mit Kindern in der Schweiz beide Teilzeit. So erledigt auch heute noch in drei Vierteln der Fälle die Frau den Haushalt. Dies, obwohl die Mehrheit aller Mütter Teilzeit arbeitet. Nur knapp jede vierte ist nicht erwerbstätig.

Luft nach oben

Allerdings seien Frauen und Männer sehr zufrieden mit ihrer Aufteilung, steht im Bericht weiter. Warum werde ich dann als Frau mit Teilzeit erwerbstätigem Mann auf mein besonderes Glück hingewiesen? Ob es damit zu tun hat, dass die Zufriedenheit der Frauen unter jener der Männer liegt?

Befragt nach ihren Wünschen, geben weniger zufriedene Mütter an, der Partner sollte mehr zu Kinderbetreuung bzw. Hausarbeit beitragen. Während die Männer sagen, sie möchten selbst mehr beitragen können … Bei allen Sachzwängen also ist da noch Luft nach oben!

Dass das gemeinsame Optimum für jedes Paar etwas anderes ist, versteht sich von selbst. Streben die einen vielleicht nach Fifty-Fifty ohne Wenn und Aber, könnte für andere die Abmachung reichen, dass auch Vollzeit-Erwerbstätige abends mal Wäsche aufhängen. Darüber muss geredet und verhandelt werden.

Eltern statt Helden

Falls solche Gespräche dazu beitragen, dass irgendwann die Zahl der Eltern steigt, die beide Teilzeit arbeiten: umso erfreulicher. Zwar gönne ich allen familiär engagierten Vätern ihren Status als Glücksfälle. Noch lieber wärs mir jedoch, ihr häuslicher Einsatz wäre weniger bemerkenswert, sondern einfach gesellschaftliche Normalität.

Zumal sie für manche auch heute noch nicht nur hilfsbereite Helden sind, sondern auch (heldenhafte) Hilfsarbeiter. Als solche erhalten sie, überspitzt gesagt, ja gar hie und da noch Applaus fürs richtige Zuknöpfen des Babybodys. Und das hat doch nun wirklich niemand mehr verdient, der Elternschaft auf Augenhöhe lebt.

Übrigens: Ist mein Partner beruflich unterwegs, halte ich – wie umgekehrt er – daheim die Stellung. Ihm hat meine häusliche Hilfe allerdings noch nie jemand als Glück verkauft. Auch das sollte uns allen zu denken geben.

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