Best of: Tschüss, Pille

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autoren und Autorinnen. Deshalb publizieren wir einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag erschien erstmals am 21. Februar 2018.

Mamablog

Ohne künstliche Hormone wird der Umgang mit dem eigenen Körper entspannter und lustvoller. Foto: iStock

Ich kann mich noch ganz genau an das Entsetzen jeder einzelnen Person erinnern, wenn ich von meiner Verhütungsmethode erzählte: «Waaaaas? Willst du etwa schwanger werden?!» Nein, wollte ich nicht. Ich wollte einfach nur ohne Pille und Spirale verhüten, und zwar mithilfe der symptothermalen Methode. Nach neun Jahren hatte ich Hormone im wahrsten Sinne des Wortes satt. Ein Fremdkörper wie die Spirale kam aber auch nicht infrage.

Also ergoogelte ich mir meine Alternative. Denn ein Rat von meiner Gynäkologin? Fehlanzeige. Sie drückte mir stattdessen ein Rezept für den Verhütungsring in die Hand, das ich nie einlöste. Im Internet stiess ich dann auf die Natürliche Familienplanung (NFP) und die damit verbundene symptothermale Methode, also die Kombination aus Temperaturmessung und Zervixschleimbeobachtung. Ich war skeptisch. Funktioniert das wirklich? Die Zahlen sprachen für sich: Richtig angewendet, ist die Methode zu 99,7 Prozent sicher. Ich beschloss, es damit zu versuchen. Mein heutiger Mann war wenig begeistert und gab sein Okay letztendlich nur, weil wir uns einen Verhütungscomputer anschafften.

Frau braucht nur die richtigen Tools

Mit einem Verhütungscomputer lässt sich die Fruchtbarkeit überwachen. Foto: PD

Natürliche, hormonfreie Verhütung ist nämlich mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen. Keine Frau muss mehr akribische Temperaturkurven auf einen Zettel kritzeln und über der Auswertung brüten. Längst gibt es kleine Zykluscomputer und geeignete Apps, die uns Frauen tatkräftig dabei unterstützen. Sich die Regeln der Methode anzueignen, bleibt aber trotz Technik unerlässlich!

Die symptothermale Methode beruht dabei auf einem ganz einfachen Fakt: Die Eizelle ist pro Zyklus nur 12 bis 18 Stunden befruchtungsfähig. Hinzu kommen maximal fünf Tage, die Spermien unter optimalen Voraussetzungen im weiblichen Körper überleben können. Daraus ergeben sich sechs fruchtbare Tage pro Zyklus, an denen überhaupt nur verhütet werden muss, an allen anderen Tagen ist eine Befruchtung ausgeschlossen. Mithilfe der symptothermalen Methode lassen sich diese sechs Tage jeden Monat zuverlässig aufs Neue bestimmen, dafür braucht Frau noch nicht mal einen regelmässigen Zyklus.

Sichere Verhütung, erfolgreiche Kinderwunsch-Planung

Über drei Jahre haben mein Mann und ich erfolgreich mit der symptothermalen Methode verhütet. Bis wir uns ein Kind gewünscht haben. Dann haben wir die Methode einfach «umgedreht», und ich bin direkt im ersten Kinderwunsch-Zyklus schwanger geworden! Auch jetzt, fast 18 Monate nach der Geburt, verhüten wir wieder natürlich. Ich nutze dafür moderne Tools, die ich auf meiner Website vorstelle und weiterempfehle.

Die Entscheidung, natürlich zu verhüten, hat mein komplettes Leben verändert. Anstatt mich mit Hormonen vollzupumpen, beschäftige ich mich nun jeden Tag intensiv mit meinem Körper und Zyklus. Ich bin immer wieder erstaunt, zu welchen kleinen Wundern unser Körper fähig ist, und kann die Zeichen, die er mir sendet, eigenständig deuten. Ich habe gelernt, meinem Körper zu vertrauen, was mir zudem ein neues Selbstbewusstsein gegeben hat. Nie wieder würde ich meinen Zyklus – so wie damals unter der Pille – ausschalten. Im Gegenteil: Ich erlebe meinen Zyklus als etwas völlig Natürliches und bin dankbar, meine Fruchtbarkeit jeden Monat aufs Neue so intensiv beobachten und spüren zu dürfen.

Lesen Sie dazu auch: Verhütung, die krank macht?