Warum insbesondere Frauen finanziell vorsorgen sollten

Die Lohnungleichheit und Teilzeitarbeit erschweren Frauen die finanzielle Vorsorge. Foto: iStock

Die Karriereverläufe von Frauen und Männern unterscheiden sich. Frauen sind öfter von Unterbrechungen im beruflichen Lebenslauf betroffen: Babypause, familiäre Verpflichtungen. Zudem arbeiten Frauen häufiger Teilzeit. Das kann substanzielle Auswirkungen auf ihre finanzielle Vorsorge haben und damit die finanzielle Zukunft massgeblich beeinflussen. Und wohlgemerkt: Altersarmut in der Schweiz ist mehrheitlich weiblich.

Sich schon früh mit dem Thema auseinanderzusetzen, lohnt sich für alle Frauen: Mütter, Nicht-Mütter, aktuell Erwerbstätige oder Nicht-Erwerbstätige, Angestellte, Selbstständige: Sie alle können vor veränderten Vorsorge-Herausforderungen stehen, beispielsweise durch Scheidung. Meist stehen noch viele Jahre vor uns – und dieser langfristige Horizont kann selbst aktiv beeinflusst werden.

Risiko Teilzeitarbeit

Wussten Sie, dass Frauen im Durchschnitt nicht nur weniger verdienen als Männer, sondern auch das Maximum ihres Lohns in der Karriere früher erreichen als Männer? Geschlechtsspezifische Lohnkurven aus den USA zeigen, dass der Zeitpunkt des maximalen Salärs bei Frauen im Durchschnitt rund 15 Jahre früher ist als bei Männern. Trotz des positiven Zinseffekts können Frauen weniger für die finanzielle Vorsorge ansparen. Grund ist, dass ihr Lohnmaximum im Durchschnitt tiefer liegt und sich ab dem Zeitpunkt des weiblichen Lohnmaximums die Schere zwischen den Geschlechtern weiter öffnet. Hinzu kommt, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben. Das bedeutet: Frauen müssen im Alter mit weniger Erspartem aus der finanziellen Vorsorge eine längere Zeit durchkommen.

Ein weiterer Grund für die geringere finanzielle Vorsorge ist die weite Verbreitung von Teilzeitarbeit. Aktuell arbeitet in der Schweiz mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen Teilzeit; bei Männern sind es weniger als ein Fünftel (BFS, 2018). Teilzeitangestellte erfahren Nachteile bei der AHV und vor allem bei der 2. Säule – einem wichtigen Pfeiler für die finanzielle Vorsorge. Wegen des Koordinationsabzugs können Personen mit tiefem Lohn ihren Lohn nicht oder nur zu einem kleinen Teil in der Pensionskasse versichern. Vom tiefen Lohn besonders betroffen sind Teilzeitangestellte mit tiefem Pensum. Und das sind meist Frauen: Jede vierte erwerbstätige Frau arbeitet hierzulande zu einem Pensum unter 50 Prozent (BFS, 2018).

Finanzberatung lohnt sich

Umso wichtiger ist es für Erwerbstätige, ihr Geld clever bei der privaten Vorsorge, der 3. Säule, anzulegen. Allerdings nutzen die private Vorsorge nur gut die Hälfte der erwerbstätigen Frauen, wie eine kürzlich publizierte Studie der Credit Suisse (2017) zeigt. Mehr noch: Meistgenannter Grund für keine private Altersvorsorge sind mangelnde finanzielle Mittel. Ist genügend Geld für die private Vorsorge vorhanden, so stellen sich Fragen wie: Wie lege ich das Geld optimal an? Stimmt es, dass ich mit einer Kontolösung in der 3. Säule am sichersten fahre?

Die Antwort darauf lautet: Nicht unbedingt, denn bei der heutigen niedrigen Zinssituation bedeutet diese Sicherheit möglicherweise einen realen Wertverlust. Nicht alle wissen, dass es nebst reinen Sparlösungen auch verschiedene Möglichkeiten des Anlagesparens gibt, mit höheren Aktienanteilen – das bedeutet erhöhtes Risiko, kann sich bei einem langfristigen Anlagehorizont und Lebensläufen mit Karriereunterbrüchen aber trotzdem lohnen.

Um sich ein Bild zur finanziellen Vorsorge und den damit verbundenen Möglichkeiten zu machen, ist es deshalb hilfreich, eine gute Finanzberatung zu haben. Diese sollte auf die eigenen Bedürfnisse, das Familienmodell, den Karriereverlauf und die Lebenserwartung von Frauen eingehen. – Wie sorgen Sie vor, und was sind Ihre Überlegungen dazu?

Lesen Sie zum Thema auch die Postings: «Frauen, redet über Geld!» und «Wenn Mama Taschengeld erhält».