Kinderbücher zum Tasten, Riechen und Entdecken

Sechs Büchertipps, um gemeinsam die Welt zu erkunden und zu verstehen. Foto: iStock

Lassen Sie Ihre Kinder an Ostern doch mal Bücher suchen statt Eier. Als Orientierungshilfe im Kinderbuch-Dschungel habe ich für Sie meine ganz persönliche Best-Kinderbücher-Ever-Liste zusammengestellt. Für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung.

Die Trotzphase besser verstehen: «ICH knack die Nuss»

Gorillino, der kleine Gorilla, ist stark. Obwohl er sehr klein ist. Und obwohl er so klein ist, kann er alles allein. Auch eine harte Kokosnuss knacken. «Nein, ich schaff das allein!», sagt er jedem Tier, das ihm helfen will. Das Krokodil, der Elefant, die Giraffe – sie alle haben die besten Tipps für Gorillino. Doch wer braucht schon Erwachsene, die alles besser wissen? Gorillino kommt auch so zum Ziel. Ein kartoniertes Buch zu Selbstbestimmung und dem Wort «Nein!». Wichtig. Lustig. Und es lässt Eltern die Trotzphase ein bisschen besser verstehen.
Atlantis, ISBN 978-3-7152-0623-3

Zum Staunen und Entdecken: «Alle Welt. Das Landkartenbuch»

«Alle Welt» steht schon einige Zeit in unserem Bücherregal. Immer und immer wieder nehme ich es hervor. Wenn ich Fernweh habe. Wenn ich meinen Kindern ein Land zeigen will, bevor wir auf eine Reise gehen. Wenn mich mein Sohn zu einem Krieg in einem Land fragt. Dieses Buch zeigt 51 Länder und die Kontinente in Karten, Bildern und Vignetten. Die Traditionen des Landes, seine Geschichte, die Hobbys der Bewohnerinnen und Bewohner, Sehenswürdigkeiten, Nationalgerichte, Kleidung. Ein Wimmel-Reise-Geschichts-Atlas, der einen zu Entdeckungen einlädt. Und uns die verschiedenen Menschen und Kulturen ein bisschen besser verstehen lässt.
Moritz-Verlag, ISBN 978-3-89565-270-7

Zum Ertasten und Beschnuppern: «Maulwurf Max»

«Maulwurf Max» ist der neuste Streich von Roger Rhyner und Patrick Mettler. Die beiden realisierten bereits die Duftbücher rund um den »Geissbock Charly«, die tausendfach verkauft wurden. Ihr neustes Werk ist mit der Idee und der Unterstützung des Schweizerischen Blindenbundes entstanden. So kann man die Geschichte von Max in Blindenschrift ertasten, die Zeichnungen fühlen und einzelne beschnuppern: ein Buch, das alle Sinne fordert – für blinde und sehende Kinder: Der Maulwurf Max erlebt allerhand Abenteuer, riecht feine Erdbeeren und eklige Zwiebeln. Doch plötzlich wird es ernst. Max ist umgeben von Rauch und einem beissenden Gestank. Er weiss sofort, da ist Gefahr! Zusammen mit seinen Freunden, dem Wiesel und dem Geissbock Charly, hilft er den Hühnern im brennenden Stall. Ein sehr gelungenes Buch, das auch sehenden Kindern die Blindenschrift näherbringt und Berührungsängste abbauen kann.
Wörterseh-Verlag, ISBN 978-3-03763-090-7

Für jeden, den man liebt: «Da bist du ja!»

Ich habe dieses Kinderbuch meinem Mann zum Hochzeitstag geschenkt, so schön fand ich es. «Plötzlich warst du da. Und dann habe ich gesagt: Nanu, da bist du ja endlich und … RUMMMMMS, kam diese Liebe. So gross, dass sie niemals Platz in mir hat.» Lorenz Pauli schildert Kindern philosophisch, romantisch und tief bewegend die Liebe. Dinge, die auch wir Erwachsenen immer wieder lernen müssen. Ein Buch zum Vorlesen im Kindergarten- oder Primarschulalter, für Erwachsene oder sogar für Teenager mit Liebeskummer. Kurz: für jeden, den man liebt. «Erzähl mir vom Ziel!», rief das Kleinere. «Ich glaube, das Ziel ist, immer wieder ein kleines Stückchen Anfang zu finden. Ich liebe dich schon morgen wieder neu und anders.» – «Und wenn ich mich verändere?», fragte das Kleinere. «Liebst du mich dann weniger?» – «Nein, ich liebe dich einfach. Ich glaube, das kommt von ganz tief innen. Und ich liebe etwas ganz tief in dir drin.» Wem wird es da nicht warm ums Herz?
Orell Füssli, ISBN 978-3-7152-0690-5

Eine Sprache für sich: «Wazn Teez?»

«Wazn teez?» – «Mi mori an Plumpse.» – «Wazn fümme Plumpse?» – «Mi nanüt.» Ein ganz normaler Dialog in einem ganz und gar nicht alltäglichen Kinderbuch. In Fantasiesprache bewundern Insekten eine wachsende Pflanze und wollen auf und in ihr wohnen. Dabei erleben sie Abenteuer, werden bedroht von einer Spinne und von einem Vogel gerettet: «Aaaahhhh!», «Hoi Uugi!», können sie da nur rufen. Etwas scheu, trotzdem neugierig und mutig sind die Tiere in dieser Geschichte. Das Buch ist liebevoll illustriert, poetisch und voller Humor. Als ich dieses Buch das erste Mal las, war es, als entdeckte ich die Welt meiner Tochter: als Mutter eines Kindes, das auch mit bald vier Jahren nur in seiner eigenen Fantasiesprache, in Lauten und Gebärden spricht, eine sehr versöhnliche Herzensangelegenheit.
Nord Süd, ISBN 978-3-314-10386-5

Ein Kettenmärchen mit Gebärden: «Das Häschen und die Rübe»

Die Autorin hat mit diesem Buch etwas ganz Besonderes geschaffen. Zu jedem Bild gibt es auf der Textseite Zeichnungen von Gebärden nach der deutschen Gebärdensprache. Für unsere Tochter ein wunderbares Buch, um in spielerischer Weise Gebärden zu üben. Und trotzdem ist diese Geschichte für jedes Kind geeignet. Die Autorin erzählt von Freundschaft, Genügsamkeit, Empathie und Frieden: Einfühlsame Aquarelle zeigen verschneite Winterlandschaften und erzählen die Geschichte vom kleinen Häschen, welches kaum etwas zu essen findet. Als es endlich zwei Rüben entdeckt, möchte es dem Esel eine geben, denn auch diesem knurrt der Magen. Der Esel kennt das Lämmchen, welches ebenfalls Hunger hat. Und so möchte er die Rübe auch mit dem Lämmchen teilen. Das Kettenmärchen nimmt seinen Lauf. Für mich ein tolles Beispiel, wie integrativ Gebärden funktionieren und alle Kinder die spannenden Gebärden kennen lernen können.
Loeper-Literaturverlag, ISBN 978-3-86059-189-5

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern mit ganz viel Sonne, Büchern, Liebe und Schoggi!

Weitere Kinderbuchtipps fürs Osternest: Zum Blog >>

Wie man mit einem kleinen Kind Zeit zum Lesen findet: Zum Blog >>