Sprachlich sterilisiert: «Das Mami»

Plötzlich nur noch jöhh: Aus der urweiblichen Gebärerin wird schnell ein neutrales Mami. Foto: iStock

Ganz deutlich zeigen sich zwei Streifen auf dem Schwangerschaftstest. Sie markieren den Beginn einer eindrücklichen Metamorphose: Wenn alles gut läuft, wird die Frau in den folgenden Wochen und Monaten körperlich eine geradezu urweibliche Transformation durchmachen und schliesslich ein Kind gebären.

So viel zur Biologie. Daneben erlebt die werdende Mutter hierzulande eine weitere, der Biologie gegenläufige Veränderung: Sie erfährt – unauffällig, aber plötzlich – eine Geschlechtsumwandlung und wird sächlich. Jedenfalls auf grammatikalischer Ebene. Ab sofort ist sie in der Schweiz nämlich immer noch für viele «ein werdendes Mami», später dann «ein Mami».

Verbal versächlicht ab dem Moment, wenn weibliche Hormone wettrüsten. Und verniedlicht in einer Zeit, die von existenziellen Erfahrungen, weitreichenden Lebensumstellungen und ver-x-fachter Verantwortung geprägt ist und wird. Da muss man sich doch fragen: Läuft hier nicht etwas verkehrt?

Das Mami, jöhh, so herzig!

Vielleicht ist es ja die Niedlichkeit des Babys – jöhh! –, die bereits pränatal auf sein Mami abfärbt. Allerdings tut es dies, wenn, dann nur auf es – und auf das Gotti und das künftige Grosi. Niemals aber auf den Papi, den Götti oder den Grossvater.

Eine sprachliche Konvention, klar! Doch beeinflusst Sprache nicht auch, wie wir denken? Ist sie nicht Ausdruck unserer Kultur, unseres Selbstverständnisses? In diesem Fall käme man schlecht daran vorbei, sich zu fragen, was denn nun «das Mami» über das hierzulande vorherrschende Mutterbild aussagt …

So kuschelig sich «das Mami» wohl für viele Schweizer Ohren anhört, da schwingen doch – neben selbstloser Liebe für die Kinder – auch ein Teilverlust von eigener Identität und ein umfassender Verzicht auf Autonomie und Autorität mit. Das Mami hat man gern. Aber dass es eigene Bedürfnisse auch mal vor die der Kinder oder des Partners stellt oder gar aufmuckt: Passt irgendwie genauso wenig zu seiner Bezeichnung wie Ausschlafen zur Goldmarie.

Forderungen? Nicht von einem Mami!

Im Austausch mit den Kindern mag «das Mami» als Anrede einer liebevollen Koseform, einer liebgewordenen Tradition oder beidem entsprechen. Und obwohl ich für meine Kinder «die Mama» bin, stört es mich auch nicht, wenn mich im Privaten jemand «ein Mami» nennt – es kommt mir allenfalls etwas fremd vor. Wenn Mütter aber öffentlich zum Mami gemacht werden, bekomme ich schon mal stressbedingte Gebärmutterkontraktionen.

Zufällig stiess ich zum Beispiel vor einer Weile auf ein Stelleninserat. Gesucht wurde «ein Mami» mit akademischem Abschluss, «das» flexibel einige Stunden pro Woche zur Verfügung steht. Soll es froh sein, das Mami, wenn es aus dem Haus kommt und ein kleines Zubrot verdient. Der letzte Satz stand da natürlich nicht. Jedenfalls nicht explizit. Trotzdem kann ich nicht umhin, das Inserat so zu lesen. Ansprüche oder gar die Forderung nach mehr Lohn jedenfalls bräuchte so ein Mami doch wohl kaum zu äussern, Studium hin oder her.

Etwas überspitzt? Ja, bestimmt. Aber selbst die Mutter, die Mama, die Mami – und auch die Frau – müssen sich ja nach wie vor stark dafür einsetzen, wenn sie Gehör finden oder gar Gewicht haben wollen, sei es wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich oder auch privat. Jedenfalls meist stärker als männliche Kollegen. Ein Mami, zumal eines, das auch öffentlich als ein solches angesprochen wird, hat es da doch wohl noch ungleich viel schwerer.

Lesen Sie zur Mutterrolle auch die Postings «Die Rabenmütter der Emanzipation», «Mutterschaft ist ein Gesundheitsrisiko» und «Gratis-Kitas und zwei Jahre Elternurlaub!».

146 Kommentare zu «Sprachlich sterilisiert: «Das Mami»»

  • Maike sagt:

    Ich hätt jagerne, das mir die Autorin das mal erklärt: Zitat: So kuschelig sich «das Mami» wohl für viele Schweizer Ohren anhört, da schwingen doch – neben selbstloser Liebe für die Kinder – auch ein Teilverlust von eigener Identität und ein umfassender Verzicht auf Autonomie und Autorität mit. Zitat Ende.
    Das Mami ist halt schweizer Dialekt genau wie parkieren statt parken. Ich kann mir schwerlich vorstellen, das eine Mutter mit das Mami angesprochen, in eine Identitäskriese verfällt.

  • Groucho Marx sagt:

    Sterilisiert? Nicht doch. Ich sage nur: Das Milf!

  • Balthasar sagt:

    Spannend! Dass es auch anders sein kann, zeigt der Film «Prevenge» 😉 https://www.youtube.com/watch?v=UjL_KKxX_yE

  • David Webb sagt:

    Ein Blog Beitrag dass Spass macht aber, leider nicht weit genug geht. Ich habe mich als Englischsprachiger immer über „der, die, das“ und die möglichen gesellschaftlichen Folgen gewundert. „Die“ Frau ist weiblich, „das“ Mädchen, weil noch nicht geschlechtsreif, neutral, was besonders krass vorkommt wenn es durch das Pronomen „es“ bezeichnet wird. „Der“ Bub“ ist aber vom Geburt an männlich. Wäre nur halb so schlimm wenn Gegenstände die kein Geschlecht(n) haben, auch sprachlich keines hätten. Aber weit gefehlt, der Tisch, das Fenster, die Wand. Auch die Eigenschaften welche weiblich sein sollen: die Gewalt, Macht, Angst, Kraft, geben zu denken. Dagegen sind die Götter männlich. Möge Herr Ebel, Hüter der Deutschen Sprache(f) beim Tagi, den Faden weiterziehen.

    • Lala sagt:

      Also mit Ihren Eigenschaften übertreiben sie vollends.
      Die Liebe, Güte, Warmherzigkeit, Fürsorge….
      Der Krieg, Holocaust, Mord, Anschlag Terror, Verrat u.s.w.

      Man könnte sich genau so gut über die möglichen Gesellschaftlichen Auswirkungen der englischen Gleichmacherei sorgen.

      • lisbeth engel sagt:

        früher gab es für die Töchter auch eine weibliche Form, nämlich die Jungfrau.
        Der Jungmann Jüngling und die Jungfrau.
        Grüsschen
        eine Jungfrau

      • Eduardo sagt:

        „Die“ Frau ist weiblich, „das“ Mädchen, weil noch nicht geschlechtsreif, neutral, was besonders krass vorkommt, wenn es durch das Pronomen „es“ bezeichnet wird.“

        *************************************

        Das Mädchen ist grammatisch sächlich, weil es sich um eine Verkleinerungsform von „die Maid“ handelt, und Verkleinerungsformen sind im Deutschen immer ohne Ausnahme sächlich, also auch dann, wenn die Ausgangsform männlich ist: Das Männchen/Männlein, das Bübchen/Büblein, das Machochen/Macholein, das Frauchen, das Weibchen/Weiblein, das Kindchen/das Kindlein.

        Im Falle von „das Mädchen“ stecken also nicht die heutzutage sofort vermuteten perfiden Hintermänner, Drahtzieher und Agenten des Patriarchats dahinter, und somit gibt es auch keinen Grund für feministische Empörung 😉

      • Eduardo sagt:

        „Man könnte sich genauso gut über die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen der englischen Gleichmacherei sorgen.“

        Stimmt, schließlich werden die Frauen durch den englischen Einheitsartikel „the“ rücksichtslos ihrer Weiblichkeit beraubt und derart neutralisiert auf eine Stufe z.B. mit Alltagsgegenständen und Tieren gestellt 😉

        Wie können Englischsprachige diese von ihnen täglich gedankenlos begangenen Diskriminierungen und deren üble gesellschaftliche Folgen bloß mit ihrem Gewissen vereinbaren? 😉

  • Beat sagt:

    Mami-Papi-Chindli – jööö-Verniedlichung höre ich meistens von Leuten, die vielleicht nicht dran denken, dass tägliche Verantwortung für Kinder noch ganz andere Seiten hat.
    Das lässt sich mit einem klaren Wort abstellen, wenns nervt.
    Natürlich führen Bezeichnungen, Vorstellungen in mir ein Eigenleben: So nehmen ich meine Welt wahr.
    Das muss aber nicht zwingend so bleiben.
    Dass auch Männernamen versächlicht werden, höre ich oft im Simmental.
    „Ds Alberti het gséét…“ Albert hat gesagt.
    „Ds Üeli isch nät dehiima..“ Ulrich ist nicht daheim. Dort stört sich niemand daran.

    Und vielleicht auch quer zu dieser Debatte verhalten sich meine ältesten Enkel.
    Die sagen mir seit Jahren “ s Grossvätterli“.

  • Tina sagt:

    „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ (Wittgenstein). Unsere Sprache beeinflusst und steuert unsere kognitiven Prozesse – sie ist das Medium, durch das hindurch wir die Welt erleben. Es ist somit nicht irrelevant, wie wir uns ausdrücken.

  • Widerspenstige sagt:

    Hier ein Auszug zur Forschung von Sprache und Geschlecht von Dr. Elisabeth Mantl, Kompetenzbüro für Gleichstellung, Familie, Demografie:

    Während in der Analyse des Sprachgebrauchs die Unsichtbarkeit von Frauen zu großen Teilen ihrem eigenen Gebrauch von Sprache und ihrer sprachlich zementierten Ohnmacht angelastet wurde, identifizierten die Sprachsystemanalytiker_innen die Sprache selbst als eigentliche Ursache für die Benachteiligung und Minderbewertung von Frauen. Damit wurde wissenschaftstheoretisch die Analyse des Sprachgebrauchs in eine Analyse des Sprachsystems überführt.

    • Widerspenstige sagt:

      So würden Frauen beispielsweise häufiger als Männer Verkleinerungsformen, relativierende Einleitungen, Konjunktivierungen, hyperkorrekte oder sich entschuldigende Formulierungen nutzen. Insgesamt drücke sich in dieser vermeintlich existierenden eigenen Frauensprache die Machtlosigkeit von Frauen aus. Sprachregeln und Sprachpraxis wurden als Abbild patriarchaler Machtverhältnisse gewertet, die Frauen in ihrer untergeordneten Rolle festhalten

      • tina sagt:

        natürlich hast du recht, und auch Tina, nur trifft das doch nicht auf die bezeichnung mami zu, oder ob man jetzt das oder die sagt. mami ist für die meisten einfach der mundart ausdruck für mutter.
        findet ihr familienmanager denn besser? ich weiss nicht wie man das nennt, aber es gibt bestimmt ein wort dafür: wenn man etwas extra hervorhebt und es damit kleiner macht

      • tina sagt:

        ich halte das für ein missverständnis, da leute, die in deutschland aufgewachsen sind, meinen, mami sei eine verniedlichung und oder zur sache degradiert

      • Widerspenstige sagt:

        tina, wie ich unten schon erwähnte, darf sich doch jede Mutter ‚ds Mami‘ nennen lassen, wenn sie es so will. Es geht um eine Verniedlichung sprich Versächlichung nur der Mutter ‚ds Mami‘, aber nicht beim Vater ‚ds Papi‘. Das muss doch einfach gleichwertig behandelt werden. Erst dann wird es sichtbar, wenn wir im Alltag ‚ds Papi‘ genau gleich gebrauchen wie ‚ds Mami‘ – im jeweiligen regionalen Dialekt natürlich – und keine Erheiterung beim Erwähnen dadurch auslösen.

    • Eduardo sagt:

      Dann müsste das frauendiskriminierende Patriarchat mittels der englischen Sprache besiegt und durch die türkische sogar endgültig vernichtet worden sein, denn im Englischen gibt es nur den Einheitsartikel „the“ und keinen diskriminierenden Zusatz „in“ („die Managerin“; engl. dagegen „the manager“ für Mann wie Frau), und im Türkischen existiert nicht einmal ein Artikel. Im Vergleich zu den deutschsprachigen Ländern sind die englischsprachigen und noch mehr die Türkei also zweifellos ganz besonders emanzipationsfreundlich 😉

  • Reincarnation of XY sagt:

    Wenn man Sprache kritisiert, sollte man schon etwas genauer sein.
    Was das schweizerdeutsche Mami betrifft, so muss festgehalten werden, dass man nie das Mami sagt. Sondern „s Mami“ und wenn man fragt wo isch s Mami. Antwortet man trotzdem. „Sie isch go poschtä“. (Wenigstens in unserem Kanton.) In anderen Kantonen sagt man nicht ’s Mami, sondern d‘ Mamä, was dann näher am Deutschen ist. Aber ich bin überzeugt, dass die Regionen wo „d‘ Mamä“ vorherrscht, die Mütter kein bisschen femininer sehen, als die Regionen, wo statt dem d ein s vorangestellt wird.
    Deswegen: viel Rauch um nichts.
    Wir müssten auch d’Meitli sagen, aber das wäre dann Mehrzahl.

    • Pseudonym sagt:

      Da stimme ich Ihnen zu. Ich stamme aus einer Region, in der die Mutter fast ausschliesslich mit Mama angesprochen wird. z Mami, s Mammi, das Mammi existiert dort so gut wie nicht. Und dennoch ist es eine Region, in der die Mütter die von Ihnen beschriebenen Metamorphose von der Gesellschaft sehr stark aufgedrückt kriegen.
      Dennoch bin ich von der Kraft der Sprache überzeugt, nur in diesem Fall überzeugt sie leider nicht.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Wenn Frau keine Probleme hat, dann sucht Frau halt. Sie kann ja in Zukunft hochdeutsch sprechen, so dass sie „die Mama“ heissen kann.

    Selbst bei der Stellenanzeige, welche Mütter bevorzugt, hat Frau noch etwas auszusetzen und würde es heissen, nur Männer und Frauen ohne Kinder, würde auch gemotzt werden.

    Kein Wunder, nimmt man Mütter noch immer nicht ernst. Vielleicht müsste Frau mehr Arbeiten, damit sie keine Zeit hat, sich Gedanken um solchen Nonsens zu machen.

    • Eduardo sagt:

      Wie die Professorin Berthe Widmer es mal an die Feministinnen gerichtet so schön sagte: „Wenn man unbedingt beleidigt sein will, wird man immer einen Grund dafür finden.“

      Aber o weh, jetzt geht vermutlich das Theater um „man“ los, das einige Feministinnen mit „Mann“ verwechseln 😉

  • Ruedi Lais sagt:

    Ich erkenne eine mögliche Diskriminierung nur bei der Gegenüberstellung von grammatikalisch männlichem „Papi“ und weiblichem „Mami“. Ansonsten ist die Vesächlichung schlicht eine grammatikalische Regel für deutsche Nomina mit Verkleinerungs-Suffixen, also -chen oder -lein. Diese gilt übrigens auch in anderen germanischen Sprachen. Wenn allerdings ältere Ehepartner einander mit „Mami“ und „Papi“ anreden (war vor 50 Jahren noch ziemlich verbreitet), gibt es mir schon ein bisschen zu denken.

  • marsel sagt:

    Stören wir uns jetzt ernsthaft schon daran, dass ein WORT das falsche Geschlecht hat? Dann noch eines in Mundart, das wahrscheinlich alle paar Kilometer ein anderes hat? Klassisches Erste-Welt-Problem.
    Unser Kater sollte dann wohl auch sauer sein, dass „Katze“ im Deutschen weiblich ist…

    • Carolina sagt:

      Ich weiss heute auch nicht, ob ich lachen oder weinen soll….. Irgendwie ziehen wir (Frauen) die Probleme wirklich immer mehr an den Haaren herbei!
      Kein Tag, an dem es nicht einen Empörungsgrund gibt, nicht irgendein -ismus deklariert wird.
      Wir können ja mal eine Wette abschliessen, welcher -ismus morgen dran kommt…….
      Uebrigens: Ihre Katze hat vielleicht ein Problem damit, dass sie im Dialekt s‘ Büsi ist….. 😉

    • Widerspenstige sagt:

      Was heisst denn hier ‚first world problems ….‘? Mit Verniedlichung von essentiellen Wörtern im jeweiligen Sprachgebrauch kann man ein System mit bestimmten Rollenaufteilungen versteckt für Betroffene aufrecht erhalten und somit Modernisierungen bequem perpetuieren. Alleine das Erwähnen des Sachverhaltes löst Erheiterung aus. Ein probates Mittel um eine öffentliche Beschämung aufrecht zu erhalten.

      • Tina sagt:

        Genau so ist es. Danke.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Cool down WS – einfach mal die Froschperspektive verlassen.
        Das Deutsch ist mit seinem Neutrum eine Seltenheit. Das Sprache während patriarchalischen Zeiten gebildet wurde, gilt andererseits weltweit und natürlich schlägt sich diese Kultur auch in der Sprache irgendwie nieder. Von dem her können Sie natürlich überall „Beweise“ finden und ihr Leben lang über Neukonstruktionen tüfteln.
        Aber – es gibt wohl nicht einen einzigen Beweis, dass Mädchen oder Mütter in der Deutschsprachigen Kultur irgendwie diskriminierter wären, als in Kulturen welche das sprachliche Neutrum bei Personen nicht kennen.
        Sie erweisen ihrem Anliegen einen Bärendienst, wenn sie jetzt für Mädchen ein neues Wort erfinden etc.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Widerspenstige

        bloss dass es eigentlich gar nicht um Verniedlichung geht, sondern um- und das finde ich doch ziemlich konsternierend- um eine sehr seltsame Interpretation und komplettes ignorieren von tatsächlicher im Alltag, regional verankerter Grammatik usw etc. Da, tut mir leid, spricht für mich nicht eine Frau die sich vertieft mit Sprache, mit Herkunft, mit Verschiedenheiten und ihren Bedeutungen auseinandergesetzt hat.
        Was der Sache mit Bestimmtheit ebenfalls nicht dienlich ist!

      • Widerspenstige sagt:

        Gerne, Tina!
        Roxy, das wird ja nicht bestritten damit. Aber auch hier: Froschperspektive oder gar Maulwurfperspektive? Damit kann man noch besser darauf herum trampeln. Auch so eine Abwertung von Erwähntem. Besser Sie hätten Vogelperspektive genommen, aber das wäre ja dann eine Aufwertung des Gesagten. Kurzum: es geht mir hier um die Verniedlichung sprich Versächlichung einer Rolle, der Mutter vs. Vater.

        Deshalb meine Frage: Wird im Dialekt – das will ich doch nicht anzweifeln, dass es hier diverse Anreden gibt je nach Region, Brunhild – ‚ds Papi‘, also sächliche Form wie ‚ds Mami‘ geschrieben oder gesagt? Um das geht es.

      • Eduardo sagt:

        Kein Wunder, dass man die dauerbeleidigten, überall ständig raffinierte Diskriminierungen durch das heimtückische Patriarchat witternden feministischen Wissenschaftlerinnen kaum ernst nimmt.

        Frauen sollen halt nicht reden, sondern endlich handeln, ihre eigenen Firmen, Organisationen, Parteien usw. mit hundertprozentigem Frauenanteil gründen und so nach 3000 Jahren abermals das Paradies auf Erden verwirklichen.

        Viel Vergnügen dabei, denn angesichts des allzu hohen Anteils an dummen, egoistischen und perfiden Frauen in der Bevölkerung dürften derartige aus neurotisch-ideologischen Gründen geschaffene weibliche Zwangsgemeinschaften zur Hölle werden, ohne dass man dann noch den Männern die Schuld daran geben könnte.

    • Reincarnation of XY sagt:

      genau meine Nonna sagte immer „dä Katz“.
      Wir sagten unserem Kater immer d‘ Chatz. Und prompt fühlte SIE (der Kater) sich in ihrer Männlichkeit verletzt.

      Auch mir bereitet es unglaubliche Mühe, dass ich in Kreise meiner Kollegen ständig mit dem weiblichen Artikel verweiblicht werde. DIE Männer – also wie sollen wir mit einem solchen Artikel uns noch als echte Männer fühlen? Da müssen wir unbedingt was ändern. Wir müssten eine neue Endung für den männlichen Nominativ Plural finden….
      oder … vielleicht unsere Identitätskomplexe ablegen?

  • Martin Waldner sagt:

    Das kann ich nicht nachvollziehen. Die zukünftige Mutter ist doch schon ihr Leben lang ein Neutrum gewesen, erst ein Meitschi und dann ein Weib. Viel verstörender sollte es doch sein, dass sie nun neu auch noch maskulin ist – DER Elternteil – und dass ihr vormals männlich geglaubter Partner nun plötzlich auch noch feminin ist – DIE Bezugsperson.

  • Dahlia Meier sagt:

    Respekt und sich ernst genommen fühlen hat nichts aber auch gar nichts mit einer Bezeichnung oder mit du oder sie oder was auch immer zu tun. Wer das nicht einsieht hat in meinen Augen weit grössere Probleme als „sMami“ genannt zu werden.

    • Carolina sagt:

      Yep, das sehe ich ähnlich!

    • Fred Krüger sagt:

      Hm… Ich möchte auch nicht die ganze Zeit als Bohnenstange bezeichnet werden, nur weil ich gross bin. Also hat die Bezeichnung sehr wohl etwas damit zu tun wie wir wahrgenommen werden und schliesslich wie wir uns fühlen.

  • 13 sagt:

    Danke, Frau Oetterli.
    Ja, Sprache ist Ausdruck der Gesellschaft und beeinflusst diese. Und wenn ich hier wieder in so einigen Kommentaren lese, wie diese Stellt-Euch-nicht-so-an-Kultur gepflegt wird, wäre sie wichtiger denn je.

  • Lisa sagt:

    Wie bin ich einverstanden mit diesem Artikel – Danke! Es geht ja nicht darum, dass ein Kind die Mutter Mami nennt, sondern dass in der Öffentlichkeit Mütter als Mamis bezeichnet werden – Schlagzeile: „Frieda Hodel ist jetzt Mami“ – und, was ich noch schlimmer finde, dass sich Mütter selber gegenüber anderen als Mami bezeichnen: O-Ton (dem Lehrer gegenüber): „Ich bin s’Mami von der Xenia.“ Das empfinde ich a) als dümmlich und b) als unpassend.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Naja, warum nicht? Rein vom genannten Nachnamen her kann nicht immer auf das betreffende Kind geschlossen werden, und nicht immer hat eine Lehrperson bspw an einem Elternabend alle Nachnamen abrufbereit im Kopf, da ist es doch weder dümmlich, noch unpassend wenn man den link gleich selber liefert.

      • Lisa sagt:

        Ja, sicher. Ich gehe davon aus, dass zuerst der eigene Name genannt und dann darauf verwiesen sei, man sei die Mutter / der Vater (und nicht das Mami, der Papi) von… Ist bei mir selber sowieso nötig, da ich nicht den gleichen Nachnamen wie die Kinder habe. Also: Ich bin [Vorname], [Nachname], die Mutter von X.

      • Vierauge sagt:

        es geht nicht darum, dass man sich als „Mutter von“ vorstellt, sondern dass dies mit der Formel „DAS Mami von“ geschieht. Frauen sind keine Sachen, egal wieviele Kinder sie schon auf die Welt gebracht haben!

        Das ist mir gleich aufgefallen, also ich vor über 20 Jahren in die Schweiz gezügelt bin. Daran gewöhnt habe ich mich nach wie vor nicht 🙁

      • tina sagt:

        das ist hier halt auch ein personalpronomen. einfach verinnerlichen und nicht mehr nerven. mich schmerzt „die mami“ auch im ohr

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Vierauge

        also Entschuldigen Sie mal, aber dann hätten Sie sich vielleicht im Voraus ein bisschen mit den hierzulande üblichen Redewendungen und grammatikalischen Gegebenheiten befassen sollen. Was ist denn wenn wir nach UK ziehen, sollen wir uns dann dran stören dass alles nur noch unter „the“ segelt???

    • Berna sagt:

      Ich würde lieber sagen: „I bi d’Mueter vo…“ Aber „dini Mueter!“ ist leider ein Schimpfwort bei den Jugendlichen… Das wäre doch mal ein Thema für den Mamiblog (pardon, Mamablog).

  • Domenico sagt:

    Je tiefer der Schwellenwert für Empörung, desto grösser das Risiko, dass berechtigte Anliegen nicht mehr ernst genommen werden…

    • Max Zolliker sagt:

      Wie wahr! Ist wie bei den Lehrpersonen, Bauern und Touristiker: Wegen jeder Veränderung oder „Ungerechtigkeit“ ein Riesengeschrei. Irgendwann nimmt es niemand mehr ernst, selbst wenn es berechtigt wäre.

  • julia müller sagt:

    Unsere Söhne nennen uns Eltern, seit sie 15 sind, beim Vornamen. Auch in Mails, SMS, auf Glückwunschkarten usw. schreiben sie uns so an und wir antworten genau so – mit ihren/unseren Vornamen – zurück. Ist doch nicht schwierig, hier eine Lösung zu finden, wenn einen die Versächlichung, Verkleinerung, „Herabsetzung“ oder was auch immer stört. Bei uns hat das die Jungs gestört, nicht uns Eltern. Auch die beiden Schwiegertöchter nennen uns beim Vornamen. Uns gefällts.

  • Peter Müller sagt:

    Ein wirrer, einseitiger Artikel in einer seltsamen Sprache aus dem grossen Kanton. Zitat: „Doch beeinflusst Sprache nicht auch, wie wir denken? Ist sie nicht Ausdruck unserer Kultur, unseres Selbstverständnisses? In diesem Fall käme man schlecht daran vorbei, sich zu fragen…“
    Weshalb denn „nicht“ und „sich“?
    Auch vergisst die Frau, dass viele Mamis nur noch das Kind bewundert haben wollen, das sie da so herrlich geboren haben. Der Mann soll Geld nach Hause bringen und keine Ansprüche mehr haben.

  • Henriette sagt:

    Während des Studiums war ich eng mit einer Clique Basler Studenten befreundet. Da war ich halt immer s Henriette. S Ruth und s Maarianne gehörten auch dazu. Wir wurden aber sehr wohl als weiblich wahrgenommen. Das s ist halt eine baseldeutsche Eigenheit.

    • Fritz Nussbaumer sagt:

      @Henriette:
      Das sächliche „S“ ist eine Baselbieter Unart, wenn es für erwachsene Frauen verwendet wird. In der Region Baselstadt inkl. Vorortgemeinden wird das weibliche „D“ verwendet. Im übrigen tönt
      „D Mamme“ oder „D Mueder“ restpektvoller als „S Mammi“ aber dafür weniger herzlich. Bis in die 60er Jahre des letzten Jh. wurde die Mutter noch vielfach mit „Dir Mueder“ angeredet. Die direkte Anrede der Mutter mit „Mueder“ oder „Mamme“ höre ich heute wieder öfters.

    • fufi sagt:

      Ist auch im Garnerischen so.
      Da bleibt Frau zeitlebens s’Liseli.
      oder so.

    • Jane Doe sagt:

      Dafür heisst es im Baseldeutschen aber eigentlich „d‘ Mamme“ und nicht „s‘ Mami“ 🙂

  • Peter sagt:

    Mir kommen gleich die Tränen – vor Lachen.

  • Fierz sagt:

    Liebe Frauen hört auf zu denken! Es wird immer peinlicher. Merkt ihr nicht, dass ihr mit solchen Äusserungen nur euch selber schadet.

    • Marlen sagt:

      Dass in gewissen Regionen „DAS Helen“ und „DAS Mami“ gesagt wird, ist nicht von Belang. Dass aber FRAUEN SELBST sich als „Mami“ (Artikel egal) bezeichnen, ist ein Zeichen, dass diese „Mamis“ eben gar nichts anderes sein wollen als ein „Mami“, sicher keine Buchhalterin und keine Verkäuferin und keine CEO oder COO oder CFO oder wer weiss was, sondern eben ein „Mami“. Das ist auch in Ordnung, wenn sie Mutter sein wollen und sonst nichts anderes, denn diese Tätigkeit kann man erfüllend gestalten, aber ich bitte sehr darum, dass man nicht ständig der Umwelt auf den Wecker geht mit Gejammere, wie übel und miserabel man es habe. Man hat sich das Nest selbst gebaut, in dem man liegt. Gilt ganz besonders für Mütter, die sich Mami nennen.

  • Kurt Seiler sagt:

    Bin auch mal arbeitslos gewesen und wär froh gewesen wären alle Stelleninserate so klar formuliert gewesen.
    Wenn man sich heute schämt dass man ein Mami ist weiss ich auch nicht mehr weiter.

  • Röschu sagt:

    Klassisches First-World-Problem.
    Ich gratuliere Frau Oetterli zu Ihrem offenbar wunderbaren und problemlosen Leben, denn anders kann ich mir diese Tirade über eine Nichtigkeit nicht erklären.

    PS. Wie sagte schon Goethe: „Namen sind Schall und Rauch“.

  • Henri Lapin sagt:

    d Mamme. So heisst es in Basel. Habe meine Mutter nie anders genannt.

  • die Jasmin sagt:

    Schlimm sowas *kopfschüttel*… Wo bleibt denn die Liebe, Leidenschaft und die Hochachtung füreinander?

  • tina sagt:

    s mami oder au s heidi: das ist einfach schweizerdeutsch, was soll die aufregung. „die mami“ ist genau das selbe, nur halt in hochdeutsch.

    • Lisa sagt:

      Dann gehe ich davon aus, dass Sie sich z.B. der Lehrerin Ihrer Kinder gegenüber als „Ich bin s’Tini und s’Mami von XY“ vorstellen?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Lisa

        vermutlich macht sie das eher so: Ich bin Frau Müller/Meierwas auch immer, und die Mutter (wahlweise s’Mami oä) von soundso.

        Gäbe Ihnen das wirklich Anlass zu vermuten, tina hätte ein irgendwie geartetes Problem mit ihrer Selbstwahrnehmung?

      • Carolina sagt:

        Ich staune wirklich! Da wundern wir uns, dass uns gewisse Männer nicht ernst nehmen? Wenn wir uns tatsächlich von sprachlichen Traditionen (die übrigens nicht in Stein gemeisselt sind und die Sie persönlich nicht befolgen müssen) den Schneid abkaufen lassen? Und uns dann noch gegenseitig unterstellen, Huschelis zu sein, wenn wir diese Empörungskultur nicht unterstützen bzw einsehen?
        Tina/Brunhild: Genau!

      • tina sagt:

        ja, ich sage einfach meinen vor- und nachnamen.
        bei allem verständnis für die lächerlichkeit von ch-dialekten: diese überheblichkeit nervt. es ist nicht falsch, es ist dialekt. gewöhn dich dran. nimm einen kurs. komm vom hohen ross runter

      • flori antha sagt:

        @Tina: ganz nebenbei gibt es auch in Deutschland Dialekte, in denen Mädchen/Frauen mit einem bestimmten Artikel im Neutrum angesprochen werden. Aber das scheint der Verfasserin des Artikels wohl entgangen zu sein.

  • Matthias Zürcher sagt:

    Ach, lasst doch einmal die Sprache sein, wie sie halt nun einmal ist. «Der Baum», «die Eiche», «das Meer» – was hat das mit Männlichkeit, Weiblichkeit und Sterilität zu tun? Nichts. Und haben männliche italienische Künstler und Touristen ein Problem, weil es halt «artista» und «turista» mit einer scheinbar weiblichen Endung heisst? Kaum. Oder bereitet es dem Offiziersburschen Sorgen, weil er «die Ordonnanz» ist? Ach wo. Die Dogmatisierung im Bereich Sprache nimmt immer mehr zu und führt zu grauslichen Texten – hoffentlich kommt bald wieder eine Zeit, in der Sprache wieder nüchterner gesehen wird.

  • Max Zolliker sagt:

    Die Frauen trifft es wirklich hart, zuerst sind sie DAS Baby, dann DAS Mädchen und kaum Die Frau werden sie wieder zu DAS Mami und verlassen schlussendlich die Welt als DAS Omi.

  • Samichlous sagt:

    Danke Frau Oertli!
    Mir haben die italienische sinnlich klingende „la Mamma“ und die elegante französische „la maman“ schon immer besser gefallen, weshalb ich auch meine Mutter „d Mama“ nenne. Das geht auch auf Schweizerdeutsch. Bei uns gibt es kein Grosi und kein Mami, sondern „d Mama“. Und die Grossmutter wollte von Anfang an kein „Grosi“ sein und ist jetzt eine stolze Grossmama., und das geht auch bei der Gotte : „d Gotte Sophie“.

    • Lala sagt:

      So wie es Schweizer in der Regel aussprechen ist „d’Mama“ weder sinnlich noch elegant… Es endet ja dann auch im „d Mammme“.

      Das ganze ist sowieso individuell aber hier irgend eine weise als „besser“ zu bezeichnen ist schlicht lächerlich.

  • Papperlapapi sagt:

    Hat etwas! Wirklich schauderhaft finde ich die Versächlichung bei Vornamen. S’Vreni, S‘ Emily (nein, nicht Semmeli), S’Heidi. Wenn Mütter ihre Töchter so nennen, mag es noch gehen, aber Männer ihre Frauen?
    Meine Kinder sagen allerdings auch s‘ Mami, bis heute habe ich darüber nie nachgedacht.

    • Hermann Klöti sagt:

      Im Höchstalemannischen Walliserdeutsch werden umgangssprachlich auch Männernamen „per Diminutiv neutralisiert“ – die Schweizer Dialekte bieten zahlreiche Varianten an. Aufgewachsen bin ich mit unzweideutigen „Mueter“ und „Vatter“. Aber bleiben wir doch bei der Vielfalt!

  • Lina Peeterbach sagt:

    Das passiert ja nicht nur mit Müttern. Vor allem im Bernbiet hört man – speziell von älteren Herren (aber auch Damen!!!) – nach wie vor zwischendurch mal das Pronomen „Äs“ (=Es) für Frauen. Ich höre das regemlässig von meinem Chef, auch meine ehemalige Schwiegermutter hat es benutzt. So fiel z.B. mal gegenüber meinem damaligen Mann der Satz: „Darf Äs auch mitkommen?“, während ich am selben Tisch sass. Es war keine eigentlich unhöfliche oder unfreundliche Familie, sondern einfach sehr altmodisch. Mir hat es trotz aller Erklärungen (Tradition etc.) die Nägel aufgerollt. Sprache und Kultur sind 2 Seiten einer Medaille, und Frauen als „Es“ zu bezeichnen ist im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemäss – Tradition und Dialekt hin oder her!

    • Colisa sagt:

      bin ich ganz deine Meinung Lina.
      „S Frölein“ gibt es zum Glück nur noch sehr selten…

    • Beat Fisch sagt:

      Na ja – haben Sie schon gehört im Raum Aargau / Luzern.
      En Frau, En Schär , en en en
      Das finde ich noch viel schlimmer

    • Peter sagt:

      Im Walliserdeutsch ist es umgekehrt: z’Dävi, z’Chrigi, z’Thomi.

    • Max Zolliker sagt:

      Traditionen und Dialekte ändern sich. Zwei unverheiratete Grosstanten von mir (sie lebten in völlig unterschiedlichen Gegenden in der Schweiz) , haben bis zu ihrem Tod (im 21. Jahrhundert!!) mit Nachdruck Wert darauf gelegt, als „Fräulein“ angesprochen zu werden.

    • Lala sagt:

      Im Schweizerdeutschen steht „Es/En/E“ aber halt nicht für genau das gleiche wie Das/Den im Hochdeutschen.
      Aber naja… Dazu müsste man sich ja 10-15 Sekunden Gedanken machen statt sich direkt brüskiert oder gar diskriminiert zu fühlen (Schockschwerenot, ich hoffe sie haben kein Trauma davon gezogen).

      • Lisa sagt:

        Die sächliche Form für weibliche Wesen ist im Hochalemannischen, die sächliche Form für männliche Wesen im Höchstalemannischen zuhause. Beides ist allerdings am Aussterben bzw. im Rückzug. Aber im Artikel geht es ja gar nicht in erster Linie darum, sondern um die sächliche Form in der öffentlichen Bezeichnung. Miss Schweiz XY ist Mami, aber Ex-Mister-Schweiz ist Vater! (Naja, der Beutel ist Papi, aber vielleicht muss ja beim beschränkten Raum der online-News abgekürzt werden. Da zählt jeder Buchstabe.).

      • Carolina sagt:

        Lisa: Das ist alles eine Sache der Wahrnehmung und des Kontextes: bei einem Elterntreffen weiss ich nicht, warum ich mich nicht mit ’s’Mami vo‘ vorstellen sollte. Bei einer Konferenz in der Praxis stelle ich mich mit meinem Titel vor.
        Mir kommt es wirklich so vor, als ob überall auf Teufel komm raus nachgebohrt wird, wo man sich noch verletzt, beleidigt und eingeschnappt fühlen könnte.
        Es liegt doch an Ihnen, woher Sie Ihr Selbstwertgefühl beziehen – eine sprachliche Tradition im Dialekt, die dieses ins Wanken bringt, scheint mir eine faule Ausrede zu sein (ich sage jetzt mal nicht das böse, böse Wort, das mit O anfängt und mit r aufhört)……

  • Schreibkraft sagt:

    Das Stelleninserat ist eine Frechheit. Denn natürlich steht da – zwischen den Zeilen – dass man doch bitte schön! keine Forderungen stellen soll, und schon gar nicht finanzieller Natur, sondern froh sein darf, überhaupt arbeiten zu gehen. Nein, für das Chefli möchte ich auch nicht arbeiten. Aber, die sprachliche Versächlichung beschränkt sich keinesfalls auf die Mutter, sehr geehrte Frau Oertli. So bin ich für mein Patenkind das Gotti, ob ich will oder nicht. Sie sehen, man muss nicht einmal gebären, um seine weibliche Identität zu verlieren.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Warum sehen Sie die Bezeichnung „Gotti“ nicht als etwas das Sie auszeichnet? Für uns sind die Gottis unsrer Kinder spezielle Menschen, wo wir uns für das Entstehen eines besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Kind-Gotti (resp Götti) eingesetzt haben. Man könnte diese Bezeichnung auch als Privileg sehen, anstatt als Beweis dass der eigenen weiblichen Identität das Wasser abgegraben wird…

  • brendle sagt:

    Ich bin sehr gerne „das Mami“ und „das Grossmami“, die Mami tönt so deutsch.

  • Sabr sagt:

    Sprachlich sterilisiert: „Das Mädchen“. Der Junge oder de Bueb nicht.

    • tina sagt:

      s büebli 😉

    • Hotel Papa sagt:

      Das Mädchen ist grammatikalisch ein Diminuitiv und damit sächlich. Sie können sich ja über die Verkleiderungsform aufregen, aber letztendlich ist es „die Maid“ in klein. Bevor man den Artikel vergewaltigt, kann man ja ein neues Substantiv schaffen…

    • Hermann Klöti sagt:

      „Mädchen“ ist ein Diminutiv (zu Maid) und neutral, wie alle Diminutive – z.B. das Büblein/Bübchen, Knäblein, Väterchen, Mütterchen. Von „sprachlicher Sterilisierung“ kann nicht die Rede sein!

      • Reto Derungs sagt:

        Genau so ist es. So einfach. Die Frau, das Fräulein. Der Hund, das Hündchen. Die Flasche, das Fläschchen. Der Ort, das Oertli (dort liegt wohl das Hundeli begraben). Was Papier nicht alles erdulden muss.

      • 13 sagt:

        Rein grammatikalisch eigentlich korrekt. Wobei gesellschaftlich noch die Frage zu klären wäre, warum der Bub, der Knabe, der Junge eigene Wörter erhalten, anstatt dass man sie einfach das Männlein nennt, und die Mädchen nur als „die kleine Maid“ wahrgenommen werden. Und schon sind wir gleich weit…

      • Widerspenstige sagt:

        13, ja, das ist (wie schon oft gestellt) eine gute Frage. Woher kommt diese Vielfalt und aus welchen (Hinter-)Gedanken sind diese in Deutsch entstanden. Gibt es im Französisch oder Italienisch oder Englisch oder Rätoromanisch gar sinnverwandte Ausdrücke für Knabe, Junge, Bub?

      • Hotel Papa sagt:

        In den romanischen Sprachen ist dafür eine Gruppe von Menschen männlich, sobald sich ein einzelner XY darunter mischt.
        .
        Im Englischen ist es oft „you guys“, unbesehen des Geschlechts. (Obwohl es das Äquivalent „gals“ auch gäbe.)
        .
        First world problems… Prügelt auf unsere Vorväter und -Mütter ein, dass sie die Sprache so wachsen liessen.
        .
        Wir haben es heute in der Hand. Die Mutter meiner Kinder ist „D‘ Mama“. Problem gelöst. Meine Mutter war „’s Muetti“, und hatte in ihrem Leben andere Probleme als linguistische Spitzfindigkeiten.

      • Niklas Meier sagt:

        Man sagte(e) doch „die Dirne“. Aber heute geht das auch nicht mehr. Nein, ich denke das käme falsch rüber und kein Mädchen (oder deren Mutter) würde sich darüber freuen.

  • Adriano sagt:

    Als männliches Kind – dem man in der Deutschschweiz altertümlich „Bub“ oder „Knabe“ sagt – brachte ich das Wort „Mami“ nicht über die Lippen. „Das Mami“, aber auch der „Papi“, waren für mich äusserst peinliche Begriffe, das darin enthaltene Niedliche und dazu die keinen Widerspruch duldende Erwartung an die biologischen Kinder, die Eltern nach ihrer Funktion zu benennen, empfand ich als ganz und gar grauenhaft. Und so gab ich Vater und Mutter (auf gut Deutsch übrigens OHNE Artikel!) frei gewählte Ersatznamen, die aber nichts mit den Vornamen meiner Erzeuger zu tun hatten, denn die Eltern beim Vornamen zu nennen, ist auch heute keinesfalls die Regel. Übrigens lässt sich „das Mami“ noch steigern, indem eine Mutter ihrem Kind gegenüber in dritter Person auftritt: „´S Mami chunnt grad!“

  • "s Mutti" sagt:

    Es ist ärgerlich als Frau/Person auf die Mutterrolle reduziert zu werden.

    Was die Gesellschaft über Mütter und Väter denkt, lässt sich kurzfristig nicht ändern. Aber wenn man sich weniger am Bild der anderen über einem selbst orientiert und sich mehr daran orientiert, was man selbst von sich hält, werden solche Themen bedeutend einfacher. Dann nämlich kann man einfach so richtig stolz sein „ein Mami“ oder auch „ein Papi“ zu sein. Als solche leistet man nämlich 24 Stunden unglaublich viel. Dass das Menschen ohne Kinder nicht sehen können (ich hatte früher auch keine Ahnung!), schmälert die Sache nicht!

    • Lisa sagt:

      Mit der Anrede (oder Selbstbezeichnung gegenüber anderen) „Mami“ reduzieren Sie sich nicht auf die Mutterrolle. Sie spielen damit die Mutterrolle herunter. DAS ist der Punkt!

      • Widerspenstige sagt:

        Richtig erkannt, Lisa!
        Ich benutze diese Bezeichnung immer dann, wenn ich das Umfeld brüskieren möchte mit dem Satz ‚Ich bin dann das Mami von XY‘, mit einem Augenzwinkern dazu, welches signalisieren soll, dass ich das ironisch gemeint habe. Es gibt dann lustige Fragen wie: ‚War das jetzt nicht ernst gemeint oder wie soll ich das verstehen?‘. Es ist ein Twiggerausdruck in gewissen Kreisen und es zeichnet sich schnell ab, wer sich wie betroffen fühlt 😉

  • Lucia sagt:

    Man kann auch alles zu Tode diskutieren und „Probleme“ darin sehen wo keine sind…

    Ich geh mal Reiskörner zählen. Mich nahm schon immer Wunder, wie viel in einer 1kg Packung drin sind…

    • Colisa sagt:

      Lucia, man kann immer sagen das seien keine Probleme. Es geht um die Gleichstellung der Frau und das finde ich schon sehr wichtig! Und fängt halt schon bei der Sprache an.
      Schauen Sie sich mal Werbung aus den 70er Jahren an….haarsträubend das Frauenbild! Oder wie mit Frauen in anderen Kulturkreisen umgegangen wird…schlimm oder? Aber wenn Sie lieber Reis zählen wollen….

      • fabian sagt:

        Wenns um Gleichstellung geht, weshalb diskutieren wir dann nicht über den Militärdienstzwang des Mannes? Anstatt über semantische Nichtigkeiten?

    • Arnold Egloff sagt:

      besser cha mes nöd säge !

    • Lala sagt:

      Wägen Sie eines und rechnen sie hoch ;).

      • Lucia sagt:

        Colisa…
        Und was möchten Sie dagegen nun tun? Kurz mal die Welt retten gehen? Viel Spass, Erfolg und Nerven.

        Ich benötige meine Nerven die Reiskörner fertig zu zählen. Ich sags Ihnen, e riesä Büez!

      • zysi sagt:

        Lucia, ich helfe Ihnen gerne – sagen Sie mir, wenn Sie in der Hälfte sind 😉 – ich übernehme dann den Rest.
        Übrigens, wussten Sie, dass in den 70er Jahren Reis zählen zum Haare raufen war; immer diese unterschiedlichen Korngrössen gegenüber heute, wo ja jedes Korn haartupf-genau-gleich-gross ist 😉 schon fast langweilig, trotz der Büez!

    • Widerspenstige sagt:

      Wer den Franken nicht ehrt, ist den Rappen nicht wert!

  • sepp z. sagt:

    Die Sprache von Müttern ist ja meist arg infantilisiert, am besten noch in Kombination mit erhöher Stimmlage. Da passt das Mami ja bestens dazu.

    Derweil wir Männer seit Jahrzehnten auf gleiches Rentenalter und eine anständige Wittwerrente warten.

    • robert sagt:

      Sie haben ihn ihrem Businesskurs doch bestimmt auch gelernt, dass man die Botschaft dem Empfänger anpassen soll, oder? 😉

  • Malena sagt:

    Gibt es Evidenz dafür, dass es Mütter in der Deutschschweiz „ungleich viel schwerer haben“ als Mütter in der Romandie, in Deutschland, Frankreich oder Italien?
    Ändert sich etwas, wenn die DeutschschweizerInnen von heute an „die Mami“ sagen? Sicher, vermutlich, oder nur vielleicht?
    Und Sprachen die im Artikel nicht unterscheiden zwischen weiblich und männlich (z.B. Englisch, Arabisch…): wirkt sich daspositiv oder negativ aus auf die (Gleich)Stellung der Frau?

    • Martin Frey sagt:

      😀
      Aber wer will schon sich um Sachlichkeit bemühen wenn man so schön Empörungsreflexe bedienen kann?
      Und wie so oft muss man sagen, nehmt Euch an der eigenen Nase. Sprecht etwas weniger von „s‘Mami isch/macht/will…“ wie Stefan W es ebenfalls ausführte. Das wäre ein Anfang, und das gesamte Umfeld würde es wohl insgeheim verdanken.

    • mila sagt:

      Wie von Mutti weiter unten ausgeführt, macht die Drittpersonrede bei ganz kleinen Kindern durchaus Sinn. Man muss nur schauen, dass man selbst auch den Absprung schafft, wenn das Kind die Ich-Rede entdeckt… Das fällt anscheinend manchen Müttern etwas schwerer, als den Kindern. Wobei, oft kommt eben noch das zweite dazu, und dann findet man irgendwie aus der „s Mami tut xx“-Geschichte gewohnheitsbedingt fast nicht mehr heraus.

      • tina sagt:

        dass das sinn macht möchte ich stark bezweifeln 🙂

      • Martin Frey sagt:

        @mila
        „Man muss nur schauen, dass man selbst auch den Absprung schafft, wenn das Kind die Ich-Rede entdeckt…“
        Das ist der entscheidende Punkt. Alles, was darüber hinaus das Kind unnötigerweise klein halten will, ist nicht wirklich zielführend. Aber genau darum geht es nicht so selten, wenn man ehrlich sein will.

      • mila sagt:

        tina, natürlich können sich die Sprachforscher irren. Wissenschaft entwickelt sich stetig weiter, in zehn Jahren oder so wird man Eltern womöglich dazu anhalten, mit Babies und Kleinkindern in möglichst hochkomplexen Satzstrukturen zu sprechen…

        MF, ich habe eher selten den Eindruck, dass man Kinder künstlich kleinhalten will. Bei vielen scheint es die schiere Macht der Gewohnheit zu sein (bei wie gesagt zwei oder drei kleinen Kindern in schneller Abfolge).

      • Martin Frey sagt:

        @mila
        „..die schiere Macht der Gewohnheit“ ist sicher Hauptgrund, weshalb auch Leute wie wir da immer wieder ‚reinfallen‘, die das eigentlich nicht unnötigerweise verlängern möchten.
        Aber es gibt auch Leute, ja ganze Soziokulturen, die das teils richtiggehend pflegen. Tun Sie sich mal zb. italienische Kindersendungen an, und dann solche zb. auf Kika als Vergleich. Dann erkennen Sie, worauf ich hinaus will. Dass diese Kinder irgendwann dann auch so reden, sich dementsprechend verhalten, kommt dann nicht ganz von ungefähr. Davon, dass sie als Erwachsene die Muster dann wiederum weitergeben, ganz zu schweigen…. 😉

      • tina sagt:

        hallo schwarzweiss 🙂
        hochkomplex ist es ja nicht, wenn man „ich“ sagt

      • mila sagt:

        Ok, MF, ich beginne so langsam zu verstehen, weshalb es in gewissen Regionen tatsächlich dazu kommen konnte, dass man ganz ernsthaft eine ‚Karriere‘ als leicht infantile Fernsehdame (wie war der Ausdruck dafür nochmal) anstreben kann… 😉

      • Martin Frey sagt:

        @mila
        😀
        Von nichts kommt nichts, meine ich. Die Kinder sind letztendlich unser aller Produkt. Und wo es anderswo vielleicht Tierärztin, Anwältin, oder was auch immer ist, in Italien ist „Velina“ (der Gipfel dessen, wovon wir hier reden) seit Jahren Top-Berufswunsch der Mehrheit der Mädchen. 😉
        Persönlich finde ich das eigentlich bedeutend schwerwiegender als die Diskussion, welcher Artikel man welchem Mundartausdruck voranstellt, und was das wohl implizieren könnte. Nur um nochmals den Bogen zum Thema zu schlagen.

      • mila sagt:

        Absolut! Zumal wir dazu noch die private Freiheit haben, s Mami zu sein, oder d Mama, oder welche x- (Mundart-)Variationen es sonst noch gibt… (nicht wenige wurden hier genannt). Sicher ist es etwas unglücklich, wenn in einem (öffentlichen) Inserat ein Mami gesucht wird. Aber daraus ein Politikum zu machen, dem Arbeitgeber etwaig noch böswillige (Ausnutzungs-)Absichten zu unterstellen, scheint mir doch sehr gesucht, respektive ziemlich verfehlt.

    • Emanuel sagt:

      Als Freiburger, der also wirklich mit beiden Sprachen und Kulturen vertraut ist darf ich sagen, dass es in der Westschweiz trotz sprachlicher Korrektheit nicht anders ist als in der Deutschschweiz. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft wird gleich wenn nicht sogar noch konservativer ausgelegt. Von daher finde ich den Blog halt einfach etwas unsinnig, weil man wirklich komplett auf Fakten verzichtet und einfach mal die eigene Befindlichkeit auf die Gesellschaft überträgt. Aber eben, ist ein Blog und da darf Mama/Papa schreiben was sie/er will…

  • Peter sagt:

    Sonst keine Probleme? Na dann wäre ich froh!

    • Samichlous sagt:

      @Peter

      Vielleicht können Sie sich besser in die Autorin und Deutschschweizermütter hineinversetzen, wenn Sie sich vorstellen, ab heute würden Sie alle Arbeitskollegen, Chefs, Kunden, Nachbarn nur noch „ds Peterli“ nennen. „Hoi Peterli, wie gohts?“ Fühlt sich schon irgendwie anders an?

      • tina sagt:

        achwas, am arbeitsplatz wird doch niemand s’mami genannt, so ein quatsch

      • Schlumpfine sagt:

        Der Vergleich hinkt ein wenig, da man von Drittpersonen (ausser den eigenen Kindern) ja nicht mit „Mami“ abgesprochen wird.
        In unserer Familie sagen wir „d‘Mama“. Interessant ist, dass die Kinder mich in besonders anlehnungsbedürftigem Zustand von sich aus „Mami“ nennen, wohl, weil es zärtlicher und feiner tönt. Mich stört dies nicht.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Das Originalinserat wär jetzt noch hilfreich gewesen, so klingt es tatsächlich verunglückt formuliert; aber andererseits, warum freuen Sie sich nicht darüber dass eine Firma offenbar explizit eine Frau mit zu betreuenden Kindern sucht? Angesichts der Kritik, dass sich viel zu wenige darum bemühen würden?

    Ja, Sprache ist wichtig.
    Interessant wäre in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit Ländern mit anderer Sprachregelung/Sprachempfinden, und was sich von dem „weniger-in-der-Mami-Kiste-verortet-sein“ als frauenfreundliches Resultat im wahren Alltagsleben, im Umgang mit Frauen (mit und ohne Kinder) zeigt.
    Da hab ich den Eindruck ich würd in CH trotz allem „s Mami“ hin oder her, nicht zu schlecht fahren… .

    • Hotel Papa sagt:

      Schweden hat sich doch vor eineiger Zeit einen neues, geschlechtsneutrales Pronomen verordet? Das scheint funktioniert zu haben, man hört jedenfalls nichts mehr davon.

  • Michael sagt:

    Recht haben Sie Frau Oertli!

  • Stefan W. sagt:

    Wer eine Frau, die nicht seine Mutter ist, als „Mami“ tituliert, hat meines Erachtens irgendwo ein Rad ab. Allerdings sind das nicht selten die Mamis selbst, die sich und Andere so nennen: „S‘ Mami muess rasch go d’Händ wäsche“, sagt die zweifellos weibliche erwachsene Frau, sich selbst neutralisierend, zu ihrem Kind, das sie bestimmt auch verstanden hätte, wenn sie „ich“ gesagt hätte.
    Meine Frau und Ich haben unseren Kindern gegenüber nie in der dritten Person von sich selbst gesprochen, und sie haben sich trotzdem, soweit ich es beurteilen kann, normal entwickelt. Also, liebe Mütter, nennt euch selber weniger „das Mami“, dann werden es auch andere weniger tun.

    • mila sagt:

      Ich gestehe, ich habe auch schon in der dritten Person von mir gesprochen – als ‚die Mama‘. Entsprechend habe ich auch kein Mami-Problem. Und dereinst, so die Umstände es zulassen, werde ich kein Omi sein. Sondern die Oma, oder vielleicht sogar die Nana. Aber ich hab auch kein Problem damit, wenn andere s‘Mami oder s‘Omi (s‘Grosi) sein wollen. Eine jede nach ihrem Belieben.

    • "s Mutti" sagt:

      Kleine Kinder verstehen erst nach und nach die Bezeichnungen „Ich“, „Du“, „mein“, „dein“ etc. Sie verstehen Nomen wie „s Mami“ bedeutend besser.
      Folglich sprechen Mütter mit sehr kleinen Kindern von sich selbst als vom „Mami“, damit sie vom Kinder verstanden werden. Das selbe tut „de Papi“, „s Grossmami“, „de Grosspapi“ etc, wenn er/sie von der kindlichen Sprachentwicklung etwas Ahnung hat.
      Gleich verhält es sich mit dem süsslichen Singsang, den Eltern bei Neugeborenen und Babies meist automatisch anschlagen. Das Kind reagiert besser auf diese Frequenz.
      Schaden nimmt aber sicherlich auch das Kind nicht, bei dem die Bezugspersonen von sich als „Ich“ reden. Es wird einfach länger gehen, bis das Kind das gesprochene versteht.

      • tina sagt:

        ich hatte allerdings echt nie den eindruck, dass meine kinder nicht verstehen wenn ich von mir in der 1. person spreche. wäre mir nie in den sinn gekommen, von mir in der 3. person zu sprechen….kleine kinder verstehen noch viel nicht so ganz genau, aber man kann doch trotzdem einigermassen normal mit ihnen sprechen. warum gabs auch kein wauwau sondern nur hunde

      • Stefan W. sagt:

        Kann ich nicht bestätigen, s’Mutti. Deutliche Unterschiede zur Sprachentwicklung der Gschpänli konnten wir nie feststellen. Ich denke, das ist ein urbaner Mythos, dass man mit Kindern in Baby-Sprache sprechen muss, damit sie einen verstehen. Ich sehe es eher umgekehrt: Kinder sollen Erwachsenensprache lernen, nicht Erwachsene die Babysprache.

      • "s Mutti" sagt:

        Machen sie doch nächstes Mal wenn sie um ein – sagen wir – 1.5 Jahre altes Kind herum sind folgenden versuch. Sagen sie zu ihm einen Satz wie „bring ihm/ihr (anwesenden Mann/anwesende Frau) das (irgend ein Gegenstand)“ und schauen was passiert. Versuchen Sie es dann noch einmal mit „Bring das bitte dem Mann/der Frau“. Die Chance ist bedeuten höher, dass das Kind ihrer Aufforderung nachkommen wird.

        Wenn sie ca 1.5 Jahre Zeit haben zu warten, wird sie das Kind auch mit dem ersteren Satz verstehen. 😉

        So oder so wird es die Erwachsenensprache lernen, wenn es Erwachsen wird 😉

      • Stefan W. sagt:

        Naja, die Versuchsanordnung ist unfair, Mutti. Der Versuch müsste sein: „Bring mir XY“ vs. „Bring dem Papi XY“. Ich habe gesagt „Bring mir bitte XY“, und das hat auch geklappt. Ob es mittels „Papi“ früher geklappt hätte, weiss ich natürlich nicht. Aber selbst wenn: Worin liegt denn der Sinn, dem Kind zuerst falsches Deutsch beizubringen, um das dann später zu korrigieren?

        Naja, egal. die Kernbotschaft ist wohl ohnehin: Kinder sind offensichtlich flexibel genug, um sowohl mit infantil sprechenden als auch mit erwachsen sprechenden Eltern zurecht zu kommen 🙂

        Wirklich schräg finde ich es erst, wenn erwachsene Männer ihre Frau „Mami“ nennen…

      • Hotel Papa sagt:

        Mein Vater hat mich einmal geschollen mit: „Gang mol i’d chuchi go luege, öb dr vatti dört isch!“
        Ich bin losgedackelt und habe erst unterwegs gemerkt, was hier läuft. Da war ich zwischen 3 und 4 Jahre alt.

      • mila sagt:

        Stefan W., da bei mir diese Phase noch nicht lange her ist: ‚bring der Mama xx / komm zu Mama etc’ hat in der Tat eine (kleine) Weile lang besser bzw. zuverlässiger funktioniert. Das ändert sich nach wenigen Monaten wieder. Man sollte diese Phase entsprechend nicht überstrapazieren. Das gleiche gilt für Sprache allgemein, Anweisungen sollten für Sprachanfänger klar und kurz gehalten werden (wenn man sich denn wirklich Gehör verschaffen will). Aber bei Erklärungen, Plaudereien usw. macht es wiederum Sinn, sprachlich aus dem Vollen zu schöpfen. In einer verkürzten Babysprache (wie auch so manche Väter sie praktizieren, auch noch bei 3-Jährigen +) zu verharren, hilft dem Kind in seiner Sprachentwicklung nicht weiter.

    • Joe Schweizer sagt:

      Man kann ja wirklich überall etwas reininterpretieren wenn man will.
      Ob Ihre Interpretation auch stimmt, bezweifle ich jedoch sehr stark!

    • Merlin sagt:

      Meine Nachbarn nennen und rufen sich gegenseitig „Muetter“ und „Vatter“. Krass!

    • Martin Frey sagt:

      „Schaden nimmt aber sicherlich auch das Kind nicht, bei dem die Bezugspersonen von sich als „Ich“ reden. Es wird einfach länger gehen, bis das Kind das gesprochene versteht.“
      Ich sehe es eher umgekehrt, Mutti. Es wird einfach länger gehen, bis das Kind die unnötig infantilisierte Sprechweise abzulegen weiss und sich altersgerecht artikulieren lernt. Das mit dem oft viel zulange gehörten „gudigudi“ Singsang stösst da ins selbe Horn. Von wem soll das Kind etwas anderes lernen? In der Schule etwa?
      Im Säuglingsalter ist das selbstredend noch kein Problem, aber ein Teil der Eltern, meist halt eben die Muttis und Grossmuttis, schaffen da den Absprung nicht, oder nur verzögert.

    • mila sagt:

      S Mutti hat Recht, ganz kleine Kinder sprechen aus eben diesem Grund auch von sich selbst in der dritten Person. Aber ich mag (mochte) nicht permanent in der dritten Person von mir sprechen, und meine Tochter ist jetzt auch schon im der Ich-/Du-Phase. Damit hst sich das Thema erledigt.

      • Lisa sagt:

        Danke, Stefan, danke, danke! DAS ist ja das erste Problem, diese verniedlichende Selbstbezeichnung. Was schaudert es mich an Elternabenden, wenn sich mir wildfremde Personen mit „Ich bis Mami vo de XY“ vorstellen! Ich will doch wissen, wie die Frau heisst, mit Vor- und Nachnamen! Alles andere finde ich ziemlich unhöflich.

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