Schon wieder Spaghetti?

Mamablog

Den Salat lassen sie stehen, von der Pasta können sie nicht genug bekommen. Foto: iStock

Hier dampfen die Spätzli, da brutzeln die Hacktätschli, dort köchelt ein Gemüseallerlei. Geschäftig orchestriert Mama mit Töpfen und Pfannen, mit hochgekrempelten Ärmeln und glühenden Wangen. Und die Kinder? Sind dankbar und futtern, nicht ohne zu loben die Muttern.

Schön wärs! Bei uns gibts mittags meist das pure Gegenteil. Die Zeit ist knapp, mein kulinarischer Eifer der Routine geopfert. Und ein nettes Wort der Kinder? Muhahaha!

Die Sache mit dem Mittagessen: Sie gehört ja zu den Dingen, die einem niemand vorher sagt! So wappnete ich mich damals, als ich Mutter wurde, zwar für kleinkindliche Trotzanfälle vor Supermarktkassen oder für vorpubertäre Unmutsbekundungen wegen abgestellter Bildschirme. Aber von der Herausforderung, täglich warm zu kochen, wurde ich irgendwie kalt erwischt.

Die Kinder sind wählerisch

Ein Luxusproblem, ohne Zweifel. Dennoch treibt sie mich sehr oft um, die Frage: Was soll ich heute bloss wieder Vernünftiges, Schmackhaftes, Gesundes auf den Tisch … naja, zaubern ist das falsche Wort, angesichts des Pragmatismus, der bei uns in der Küche vorherrscht.

Was also? Schon wieder Spaghetti? Kurz überschlage ich unseren Pasta-Konsum der letzten Tage und mache mir unweigerlich Sorgen um eine Übernutzung italienischer Weizenfelder … Doch jenseits von Spaghetti den Geschmack der Kinder – bestenfalls aller gleichzeitig – zu treffen? Wahrscheinlich ähnlich schwierig, wie für ein und dasselbe Menü sowohl von Schlachtplatte-Fans als auch von Freunden des leichten Salätchens ein «Daumen hoch» zu bekommen.

Mache ich dies, beschwert sich das eine Kind. Mache ich jenes, das andere. Koche ich einen Eintopf, heisst es: «Gibts nur das?» Backe ich eine Wähe, kommt ein «wäh». Und erfreche ich mich zu einer Gemüsebeilage, höre ich: «Iiih!» Überhaupt: Gemüse? Sowieso des Teufels. Dagegen war eine Pizza Diavolo mal bloss «zu scharf».

Kulinarische Kreativität ist nicht immer gefragt

Meist wende ich dann halt eine mehr oder weniger ausgeprägte Version der Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Methode an. Und ergebe mich im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit das nächste Mal dem Convenience-Food, werfe also zum Beispiel Fertig-Spinatplätzli in den Ofen. (Die gehen lustigerweise immer.)

Hie und da schaue ich mir aber auch neue Rezepte an und versuche mich so an einer schmackhaften Mixtur aus Zeitbudget, Kinderwünschen und Kühlschrankinhalt. Nicht immer verhält sich dabei der Aufwand proportional zur Begeisterung der Kinder. Was dann wieder zum «Gegessen wird, was auf den Tisch kommt» führt. Inzwischen haben wir aber – neben Pizza und den erwähnten Spaghetti – doch noch ein, zwei Gerichte mehr gefunden, die bei uns «funktionieren», d. h. es ist kein Höchstaufwand nötig, es ist Gemüse enthalten und niemand beschwert sich.

Zum Beispiel das Risotto mit Spinat und Tomaten, manchmal begleitet von Chipolata-Würstli, nach einem Rezept von Annemarie Wildeisen. Oder Polenta-Pizza, z. B. nach dem Rezept von Betty Bossi. Was zudem stets zuverlässig zu kindlichen Begeisterungsstürmen (ja, es gibt sie doch!) führt, sind Fajitas resp. Tortillas, die alle selbst mit Gurken und Tomaten, Mais, Käse, Guacamole und gebratenen Poulet-Stückchen füllen.

Nichts Extravagantes, wahrlich. Aber wenn ich eins bisher wiederholt erfahren habe, dann eben dies: Kreativität in der Küche ist bei uns ein Abenteuer mit höchst unbekanntem Ausgang. Weil ich manchmal gern auf Nummer sicher gehe, sind die erwähnten Gerichte inzwischen zu unseren Evergreens geworden. Und ich nähere mich erneut dem Punkt, an dem ich mich frage: Kann das alles gewesen sein? Ich mein, kulinarisch?

Und was kochen Sie so?

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