Wenn die Familie weit weg wohnt

Immer wieder von den Grosseltern Abschied zu nehmen, ist schwierig – nicht nur für die Kinder. Foto: iStock

Unsere Zwillingssöhne waren ein halbes Jahr alt, als wir von Bern nach Mexiko-Stadt zogen. Da wir im Flugzeug nur zwei Koffer mitnehmen konnten, haben wir unser Hab und Gut auf dem Dachboden im Haus meiner Eltern eingestellt. Auch wenn das Gepäck leicht war, die Herzen waren es nicht: Der Abschied von meiner Familie und unseren Freunden ging uns sehr nah. Es tat weh, mitzuerleben, wie sich meine Eltern von ihren zwei jüngsten Enkeln, die nur wenige Monate zuvor in ihr Leben getreten waren, verabschieden mussten. Trost war, dass nun meine Schwiegereltern auf der anderen Seite des Atlantiks an der Reihe waren: Ihre Freude war riesig, als sie uns und insbesondere ihre beiden Enkelsöhne in ihrer Heimat in Empfang nehmen durften. Abschiedsschmerz da, Wiedersehensglück dort – zwiespältige Gefühle, die ein Stück weit zu unserer Beziehung gehören und uns auch in Zukunft begleiten sollten.

Während der drei Jahre, die wir in Mexiko-Stadt lebten, waren die vier Grosseltern für unsere Kinder auf unterschiedliche Art und Weise präsent. Die mexikanischen Abuelos im Alltag, die schweizerischen Grosseltern durch zahlreiche Briefe und Postkarten oder während Ferien, die sie entweder bei uns oder wir bei ihnen verbrachten. Mit unserem erneuten Wohnortswechsel nach Frankfurt am Main, wo wir seit sechs Jahren leben, verschoben sich die Enkel-Grosseltern-Beziehungen nochmals, auf beiden Seiten blieb der möglichst enge Kontakt aber bestehen.

Wenn die Grosseltern älter werden

Langsam kündigt sich nun allerdings eine neue Etappe an: Die Mobilität meiner Schwiegereltern nimmt ab, und Besuche bei uns werden schwieriger. Für uns vier wiederum ist eine Reise nach Mexiko mit hohen Kosten verbunden, die wir, gebunden an Arbeitszeiten, Stundenpläne und Schulferien, nur selten aufbringen können. Meine Schwiegereltern leiden unter der Distanz zu ihren beiden einzigen Enkelkindern; wir manchmal unter Schuldgefühlen, sie nicht besser unterstützen zu können. Auch die Kinder vermissen ihre Grosseltern. Die Situation ist, wie sie ist, und daran etwas zu ändern, ist derzeit schwierig. Insofern bringt es wenig, die Situation ständig zu bedauern – zumal bei uns ja auch noch erschwerend dazukommt, dass mein Mann und ich aus zwei verschiedenen Ländern stammen und wir in einem Drittland wohnen. Unabhängig davon, wo wir leben, die Eltern des einen sind immer weit weg.

Besinnung auf die eigenen Wurzeln

Wahrscheinlich war uns dieses Dilemma früher weniger bewusst, weil gegenseitige Besuche immer möglich und wir primär auf unsere eigene Familie konzentriert waren. Trotzdem staune ich manchmal, mit welcher Sorglosigkeit wir damals weggegangen sind.  Heute stellen wir uns die bekannten Fragen, die mit «was wird sein, wenn…?» beginnen, viel häufiger. Auch bilde ich mir ein, dass man sich im Alter stärker auf die eigenen Wurzeln besinnt. Insofern bleibt es spannend – nicht nur für unsere Kinder, die ihren Lebensmittelpunkt bald selber bestimmen werden, sondern auch für meinen Mann und mich, wenn wir entscheiden müssen, wo wir spätere Lebensabschnitte und schliesslich unseren Lebensabend verbringen wollen. Natürlich kann auf dem Weg dorthin vieles passieren. Was ich aber jetzt schon weiss: Egal wo, ich möchte ein Gästezimmer und einen Dachboden haben, auf dem unsere Söhne ihren Besitz lagern können. Denn unabhängig davon, wofür sie sich im Leben entscheiden, ich wünsche ihnen, dass sie stets mit leichtem Gepäck unterwegs sein können – und mit möglichst leichten Herzen.

Lesen Sie zum Thema auch die Postings «‹Konnichiwa› und ‹Härzlech wüukomme›», «Weiblich, verheiratet, sucht …» und «Die besten Elterntipps fürs Fliegen».

44 Kommentare zu «Wenn die Familie weit weg wohnt»

  • Holger Wahl sagt:

    Ich war ein solches Kind, das fern von jeder Familie und immer wieder woanders aufgewachsen ist (mein Vater war UN-Mitarbeiter). Und als betroffenes Kind möchte ich Ihnen Mut machen, zu gehen: man vermisst nur, was man einmal hatte. Keine wirkliche Heimat zu haben habe ich immer als Bereicherung erfahren, als Freiheit, mich auf den Ort und die Menschen einlassen zu dürfen, ohne ständig den Vergleich mit „daheim“ im Kopf zu haben: „Home is, where I hang my hat“. Die Verbindung zu meinen Grosseltern, auch wenn ich sie nur alle 2 Jahre oder weniger gesehen habe, ist eine tiefe und herzliche gewesen, das hat weniger mit Entfernung als mit dem Umgang damit zu tun. Jeder muss das natürlich für sich entscheiden, aber für Kinder ist es aus meiner eigenen Erfahrung immer eine Bereicherung.

    • Regula Portillo sagt:

      Lieber Holger Wahl
      Ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Sie treffen mit Ihren Worten genau die Themen, die mich beschäftigen. „Keine wirkliche Heimat zu haben“ auch als „Bereicherung“ zu betrachten und nicht immer nur als Nachteil, finde ich ein spannender Ansatz.
      Beste Grüsse

  • Sabrina Guggenbühl sagt:

    Ich habe 20 Jahre in Südamerika gelebt und habe noch mein Haus, Land dort für Ferien. In der Schweiz lebe ich nun wieder seit Jahren, kann aber keine Wurzeln mehr fassen. Lebe hin und her gerissen…….entwurtzelt.

  • Dan sagt:

    Irgendwann muss sich jede(r) entscheiden wo die Prioritäten liegen. Dann müssen auch die Konsequenzen angenommen werden, und die so positiv wie möglich umsetzen. Bin seit 25 Jahren in den USA, welches nun mein zu Hause ist. Das ständige Autofahren war mir zuerst zu wider, bis ich feststellte, dass man mit dem Auto super Sachen erleben kann, und das mache ich auch.
    Also Frau Portillo: Schweiz, México, oder 50/50 auf den Azoren? Oder ist Selbstverwirklichung in Frankfurt doch wichtiger? Wie auch immer, ziehen Sie es durch, aber bitte lassen Sie das Gejammer. Sie gehören zu den „worried well“, wie dies ein mir bekannten Psychiater despektierlich benannte.

    • USCHIFL sagt:

      Gut gesagt!

    • Regula Portillo sagt:

      Lieber Dan
      Ich jammere nicht (auch nicht in meinem Beitrag). Ich habe nur darüber nachgedacht, wie sich Dinge und Gefühle verändern, je länger man weg ist.
      Beste Grüsse

    • Felix Frei sagt:

      Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum dass bei jedem Blog Eintrag und sei er nur so Harmlos gleich rum gemäckelt wird. Ich lebe z.B. auch in Deutschland im tiefsten Bayern und kann die Gefühle von Frau Portillo sehr gut nachvollziehen. Ich bin oft hin und her gerissen und die Rückkehr in die Schweiz ist auch ein Thema, das ist kein jammern sondern ein abwegen und Nachdenken über gewisse Dinge.

  • k. miller sagt:

    Das mit dem „Zurück zu den Wurzeln“ ist so eine Sache. Ich werde öfters gefragt, ob ich nach der Pensionierung wieder nach Deutschland ziehen würde. Oder nein, ich werde nicht gefragt – es wird irgendwie als selbstverständlich angenommen. Dabei ist die Schweiz seit bald 30 Jahren mein „Daheim“. Zwar habe ich noch enge Beziehungen zu meinem „Geburtsort“, aber wenn ich ehrlich mit mir selbst bin: ich sehe den Ort so, wie er damals war. Dabei hat sich soviel geändert, und ich bin immer nur zu Besuch und nicht Teil des Alltags. Ein „Problem“ vieler Migranten – aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen!

  • Matthias Gysin sagt:

    Das tönt jetzt vielleicht ein wenig hart aber für Migranten ist das normal. Auch wir haben das Problem, dass meine Familie zu 50% aus Venezuela ist. Nach dem desolaten Zustand und 10 jähriger Versorgungskrise hat meine fast 70 jährige Schwiegermutter sich entschieden von damals Peru nach Venezuela nun weiter nach Chile auszuwandern zu Ihrem Sohn. (unerreichbar weit weg für uns Distanzmässig). Wir wollten Sie zu uns in die Schweiz holen, leider steht uns da die Fremdenpolizei im Weg, denn trotz venezolanischem Gesetz und Unterhaltspflichtug darf sie aus einem Nicht Schengenland trotzdem wir alle arbeiten und aufkommen nicht permanent zu uns kommen. Wir beschreiben Peru, Venezuela und Chile gerne als Drittweltland die Schweiz ist da familiär nicht dasselbe. Wir haben da keine Wahl.

  • 13 sagt:

    Ein schöner Bericht. Wir liebäugeln aufgrund einer konkreten Chance immer wieder mit der Auswanderung und genau das ist der Punkt, der uns immer wieder zurückhält. Unsere Kinder sind auch Enkelkinder, Nichten, Neffen, Cousinen, Cousins etc. Dürfen wir einfach so diese Beziehungen einschränken? Auch wenn der Kontakt einigermassen intensiv bleiben könnte, so wäre es nie das Gleiche. Würde es nur uns betreffen, wäre die Antwort klar, aber so?

    • Peter sagt:

      Ja, Sie dürfen diese Beziehungen einschränken, denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wie Sie richtig sagen, kann der Kontakt gepflegt werden. Befasst man sich mit einer Auswanderung kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden muss ja oder nein. Eine Auswanderung ist nicht „einfach ein Umzug“ wie ein Wohnungswechsel, ABER sie muss auch nicht definitiv sein. Ja, es gibt Momente wo die Distanz ein Problem wird, aber wer wirklich will, kann den Kontakt problemlos aufrecht erhalten, auch wenn’s nicht bei einem Fondue ist. Gruss aus Kanada.

  • Julia King sagt:

    Ich möchte hier (ohne die Autorin dabei verletzen zu wollen) auf das Schicksal von Millionen von Gastarbeitern uns sonstigen Imi- und Emigranten hinweisen die gehen mussten (von zu Hause) weil Sie überhaupt keine Perspektive im Heimatland sahen. Die alles, Familie, Freunde, Umgebung zurücklassen mussten und im neuen Heimatland so gar nicht willkommen waren. (und auch heute nicht sind!) Zu gehen weil man „Erfahrungen sammeln will“ oder „bessere Berufsaussichten hat“, ist ein bisschen jammern auf dem hohen Niveau!

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Julia King
      weshalb lesen Sie dann überhaupt noch Bl ogs?
      Jedes zur Debatte vorgestellte Thema hat nichts mit der Lebenswirklichkeit der globalen Mehrheit zu tun, also warum sich dann überhaupt drüber austauschen, und wie dekadent erst all die Innenarchitektur- und Schönheitstipps auf diesem Kanal…. .
      Was Sie tun könnten um uns diesen Bereich näher zu bringen, schreiben Sie doch einen Beitrag darüber und senden ihn mal ein, vielleicht würde er sogar veröffentlicht. Das bringt mehr als uns ein schlechtes Gewissen einreden.

      • Julia King sagt:

        Ach Frau Steiner, niemandem wollte ich ja schlechtes Gewissen einreden, schon gar nicht Ihnen. Innenarchitektur und Schönheitstipps lese ich sehr gerne, andere Blogs auch (dort wird ja auch nicht gejammert) . Manchmal um zu sehen was andere Menschen (anders als mich) beschäftigt und manchmal entdecke ich doch Ähnlichkeiten. Frau Portillo verdient so Ihr Geld, ist mir schon klar. Die gleichen Sorgen teilen Millionen Menschen.

      • Pauline sagt:

        Dieses „uns“ ist echt ein „Problem“im MB !

      • Brunhild Steiner sagt:

        eben, es geht um Sorgen welche viele teilen (und nicht um jammern!), wo man aus Interesse mitlesen und entdecken kann was andere Menschen beschäftigt. (Was Sie ja offenbar bei anderen Themen durchaus in Anspruch nehmen wollen, aber warum dann hier die „rote Fahne“ hissen?)
        Da wir in Westeuropa leben, meistens Westeuropabetreffend… . Bloss weil es in Nicht-west-europa härter sein kann sollte man nicht drüber austauschen was uns hier betrifft? Weshalb das nun als „jammern“ disqualifizieren?

    • Elena sagt:

      Ich finde aber, das Thema des Textes ist mehr, dass das die Autorin und ihr Partner nicht aus demselben Land kommen. Diese dauernde Zerrissenheit zwischen hier und / oder dort.

  • Anja sagt:

    Wir stehen gerade vor einer ähnlichen Situation. Die Eltern meines Exfreundes wandern nächstes Jahr aus und mir tut es sehr weh, dass unser Sohn den direkten Kontakt mit Ihnen verlieren wird. Vorallem werden sie so weit weg sein, dass auch Besuchsferien nicht machbar sein werden. Ich merke, wie schwer Ihnen diese Entscheidung fällt, aber ich verstehe auch Ihre Gründe dafür. Und solange sie sich diesen Wunsch noch erfüllen können, finde ich es mutig und schön, den Weg zu gehen – auch wenn es schmerzlich ist.

  • Barbara Grohé sagt:

    Der Bericht hat mich sehr aufgewühlt. Als der erste Enkel vor 27 Jahren geboren wurde, bin ich mit meinem Mann und dem 6monatigen Sohn nach Taiwan übergesiedelt für eine bestimmte Zeit. Das war, insbesondere für meine Mutter, nicht einfach. Zu dieser Zeit gab es weder Skype, noch eMail sondern bloss Briefverkehr und Fotos zu verschicken. Auch die einmal im Jahr stattfindene Heimreise war eine Tortur mit Kleinkind (Taipei/Hongkong/Frankfurt/München). Die Tochter wurde in Taiwan geboren. Nach 4 Jahren zogen wir dann in die Schweiz – wieder Ausland. Man verliert viel, auch wenn man sich sehr bemüht Kontakte zu halten. Und man nimmt den Kindern auch viel von Heimatgefühl. Heute würde ich mir diesen Schritt, mit Kleinkindern ins Ausland zu gehen, zweimal überlegen.

  • Stella sagt:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Jahrelang war ich das einzige Familienmitglied in der Schweiz und habe dann noch einen aus einem anderen Erdteil stammenden Mann geheiratet. Die inzwischen erwachsene Tochter lebt 10 Flugstunden entfernt. An neue Reiseziele denken wir kaum, der Jahresurlaub wird bei und mit den verschiedenen Familienmitgliedern verbracht. Zum Glück gibt es Facetimewhatsupundsoweiter.. ich erinnere mich noch bestens an die horrenden Telefonrechnungen und Luftpostsendungen in den 1980er-Jahren.

    • Anh Toàn sagt:

      Bei Partnerschaften über Kontinente ist immer ein Teil der weiteren Familie weit weg. Insbesondere mit Kindern ist die weitere Familie (aus Sicht des Kindes vor allem Grosseltern und Cousins, aber auch Tanten) wichtig. Aber auch für die Partner selber sind Geschwister und zumindest manchmal auch Schwager und überhaupt die weitere Familie hilfreich, als Ratgeber, Ablenker, Schulter zum ausweinen, was auch immer. Ich habe mal einen Artikel gelesen, der zum Schluss kam, wir hätten so viele Scheidungen, weil in der modernen Familie die weitere Familie zu wenig präsent sei. Mutter, Vater und Kind(er) sind einfach nicht genügend Leute. Bei 24Std. Reisezeit ist immer ein Teil dieser Familienmitglieder weit weg. Der Jahresurlaub ist im anderen Daheim.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Anh Toàn
        mit dieser Scheidungserklärung wäre ich vorsichtig, als die Familien hierzulande noch näher aneinander dran waren, mitsamt den damaligen Lebensbedingungen, war eine Scheidung oft aus wirtschaftlich bis sozialen Gründen nicht denkbar.
        Natürlich kann eine erweiterte Familie, sofern keine ungesunden Mechanismen wirken, ungla ublich beflügelnd & unterstützend wirken; aber das können auch Freunde, wenn man aus welchen Gründen auch immer nicht auf eine zahlreiche Herkunftsfamilie setzen kann, und da muss nicht mal „Ausland“ der Grund dafür sein…

      • Christina sagt:

        Wie wahr! Das setzt voraus, dass die Angeheirateten freudig aufgenommen werden, was leider nicht immer der Fall ist. Meine Mutter kam aus der Fremde. Mein Vater hatte sie dort gefunden, als er dort viele Jahre arbeitete. Sie war mehrsprachig und lebenstüchtig und konnte es spielend mit ihren Schwägerinnen hier aufnehmen. Doch die Schwiegerfamilie hat diese Mesalliance gar nicht goutiert. Die Folgen: Die eine, liebevolle Grossmutter war weit weg und arm, die andere in der relativen Nähe reich und hässig, sodass wir schliesslich kaum Grosseltern hatten und wenig Kontakte zur weiteren Familie. Der Beziehung der zurückgewanderten Eltern hat das nicht gut getan, auch wenn sie sich nicht scheiden liessen.

      • Tofa Tula sagt:

        Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes schmeckt immer besser. Heutzutags, wo man dem Pultnachbar eine Mail schreibt, anstatt mit ihm zu sprechen, sind ferne Laender nicht viel weiter weg. Die ganze Familie freut sich auf das traute Zusammensein an Weihnachten und nochmehr, wenn es vorbei ist. Solange wir weiter daran arbeiten, eine mehrere Generationen umfassende Grossfamilie zu verunmoeglichen, wird die Leere weiterbestehen.

      • Anh Toàn sagt:

        @Brunhild Steiner: „..das können auch Freunde…“

        Freunde können das selten, Freunde sind ausserhalb der Familie, gerade mit kleinen Kinder. Allenfalls wenn Freunde im gleichen Alter Kinder haben: Mit kleinen Kinder geraten die Freunde in den Hintergrund.

        @Christina: Ja, das klappt nicht immer: Bei mir fand es meine Mutter furchtbar, dass ihr Sohn eine 25 Jahre jüngere Frau aus einem fernen Land heiratet. Aber kaum hat meine Mutter meine Frau getroffen, waren ihre Vorbehalte weg: Glück gehabt.

  • Chaiteetrinkerin sagt:

    Dass man sich im Alter eher auf seine Wurzeln besinnt, kann man so per se nicht sagen. Bin selbst als Kind im Ausland aufgewachsen, beide Grosseltern waren in der Schweiz, wir immer auf einem anderen Kontinent. Die Wurzeln mögen wohl theoretisch im Heimatland liegen, wo man sich zu Hause und aufgehoben fühlt ist aber nicht immer das Heimatland. Man sollte sich also nicht auf die Wurzeln besinnen, sondern darauf, wo man sich wirklich daheim fühlt.

    • Tofa Tula sagt:

      Danke fuer diesen ehrlichen Kommentar. Der Geburtsort wird oft ueberbewertet, die Geborgenheit die man dort vielleicht vorfand, eher nicht. Findet man diese woanders, stimmt es wieder und alles ist gut.

  • Dani sagt:

    Ja, der Gedanke betreffend des Alters und der Eltern kommt schneller als man denkt. In den jungen Jahren streamt man noch durch die Welt, zieht von Kanton zu Kanton, macht sich keine Gedanken wer nun wen besucht. Den Gedanken habe ich mir auch nicht gemacht, als ich vor 3 Jahren nach DE ausgewandert bin. Nun aber ist mein Vater 70, und meine Mutter wird 66. Es wäre viel leichter näher zusammen zu wohnen, ihre Rente würde in DE länger reichen, aber ich darf nicht erwarten dass sie nach DE ziehen, aber da ich gerade in DE baue, werde ich auch nicht in die CH ziehen. Schon ein seltsames Denken, und ich weiss noch heute nicht, was denn nun eigentlich Richtig ist.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Dani
      wenn Ihre Entscheidung als „Falsch“ gewertet wäre, würde das ja bedeuten dass Kinder, sobald deren Eltern in ein gewisses Alter kommen, grundsätzlich ihren Wohnort in deren Nähe haben müssten…, und bei vorhandenen Schwiegereltern müsste Los geworfen werden damit gleich alle am selben Ort versammelt sind; wär vielleicht durchaus praktisch, aber ob richtig?
      Wir können nicht das Leben für unsere Eltern leben, auch nicht für unsere Kinder, bloss für uns mit einer angemessen wahrgenommenen Verantwortung für Familie/Umfeld.

      • Christina sagt:

        Im anderen Blog nebenan geht es darum, ob Grosseltern die Kleinen hüten möchten, müssten, sollten. Das setzt aber eine gewisse Nähe voraus und hat auch mit den gewählten Prioritäten der Beteiligten zu tun. Arbeitsplatz, Wohnung sind Randbedingungen, aber nicht einfach gegeben und unverrückbar. Je nach Wahl gibt’s Nachteile zu Gunsten von Vorteilen. Und ebenso ist es, wenn die Eltern alt werden. Rundum Optimierung ist jetzt für die mittlere Generation Mode. Die Einsamkeit kommt später. Wie sagte doch unsere alte Giovanna: „E dopo?“

      • Tofa Tula sagt:

        Ein Altersheim ist fuer die Bewohner oft weiter weg von der „Familie“ als ein ferner Kontinent.

  • Leo Schmidli sagt:

    1. Ich denke, dass aufgrund wachsender Mobilität es in Zukunft eher nicht mehr „den“ Ort gibt, an dem man seinen Lebensabend verbringt. Man ist vielleicht im Sommer hier, im Winter dort, dazwischen woanders. Ich erwarte eine noch höhere Flexibilität.
    2. Wenn die Grosseltern weiter weg wohnen hat dies auch etwas Gutes: Alle Beteiligten schätzen die gemeinsame Zeit viel stärker. Es ist dann wirklich Qualitätszeit.

    • k. miller sagt:

      Ich denke auch, dass die Mobilität noch viel grösser werden wird. Was auch die Beziehungspflege verändern wird. Mit Skype und Whatsapp lässt sich zwar viel, aber nicht alles abfangen. Man wird sehen, was kommt…

  • Jänu sagt:

    Wir sind 10-12 Stunden (früher) weit weg von unseren gesamten Verwandten aufgewachsen. Die damals junge Familie ist emigriert. Hatten auch im Sommer die Grosseltern besucht. Es hat niemand wirklich darunter gelitten ausser dem dann folgenden heftigen, aber irgendwie schönen Trennungsschmerz. Dieses (gesucht?) schlechte Gewissen, das hier oft im Mamablog ausgebreitet wird, hat mit persönlichen Befinden zu tun. Sollen das nun andere auch haben, die in vergleichbaren Situationen sind?
    Die Distanz hatte bei unserer Familie eher zu einer engeren Bindung zur Herkunft geführt. Während dort wo ich aufgewachsen bin, die Enkelkinder kaum oder nur wenig Kontakt und wenn, einen eher unpersönlichen zu ihren Grosseltern hatten.

    • Carolina sagt:

      Das ist aber auch Ihr persönliches Befinden, oder? Es wird auch hier wieder ganz viele unterschiedliche Befindlichkeiten geben, es ist aber trotzdem interessant für mich zu hören, wie Menschen mit diesen Trennungen, die ich selber kenne, fertigwerden. Meine Erfahrung ist, dass von uns vier Geschwistern jedes anders darauf reagiert hat, immer wieder auf die gewohnte und geliebte Umgebung und die Grosseltern verzichten zu müssen – für unsere Brüder war es jeweils ein Abenteuer, für meine Schwester und mich fürchterlich. Der Trennungsschmerz hatte jeweils gar nichts Schönes, er hat sich tief in unsere Seelen gegraben und dazu geführt, dass wir beide einen schon fast obsessiven Wert darauf legen, dass unsere Kinder in sicheren, stabilen Umgebungen aufwachsen.

    • k. miller sagt:

      Es liegt im Wesen eines Blogs, dass persönliche Ansichten beschrieben wird. Ein Blog ist keine wissenschaftliche Abhandlung.

  • Maura Hailey sagt:

    Danke für Ihren sehr berührenden Artikel – leichtes Gepäck hilft, einfacher durchs Leben zu gehen. Auch ich habe Zwillingsgrosskinderli nebst einer Sweetheart-Prinzessin. Bin mit 48 ausgewandert, reiche Lebenserfahrung. Und seit 4 Jahren zurück. Meine 3 Grosskinder samt ihren Eltern sind froh, Skype, face time und recorded Cd’s, die mein Mann und ich für die jungen Familien besprochen haben, vorbei sind. Ja, der Artikel weckte einiges in mir. Danke vielmals dafür!

  • loulou55 sagt:

    Ich habe im Alter meine Wurzeln über Bord geworfen, bin ausgewandert und habe mich komplett neu ausgerichtet.
    In der Schweiz ginge es mir heute garantiert schlechter.

    • Peter Freithaler sagt:

      Interessant. Das habe ich auch vor, bzw. bin mitten in der Vorbereitungsphase. Ich lebe aber nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland. Allerdings fühls ich mich mit der immensen Überflutung von kulturfremden Menschen nicht mehr wohl, bzw bedroht.
      Mein Sohn studiert zZt noch seinen Bachelor, den Master wird er dann in unserer neuen Heimat, Chile, machen.

      • Tofa Tula sagt:

        Es wird zwar eine andere Art von kulturfremden Menschen sein, aber ganz bestimmt ganz anders als in Deutschland. Ueben Sie jetzt schon, auf Kleinigkeiten wie Puenklichkeit, Genauigkeit und aehnliche Ingredienzen des deutschen Alltags zu verzichten, dann koennte es klappen. Ich warne von allzu schoenfaerberischen Erwartungen, ausser Sie begeben sich in so einer Art chilenisches Kleindeutschland wo Sie haupsaechlich unter Landsleuten sind. Denken Sie auch daran, wie weit das Konsulat oder die Botschaft von ihrem Wohnsitz entfernt sind (Lebenschbescheinigung, etc.).

      • Christina sagt:

        Gratuliere! Und dort sind SIE dann kulturfremd unter vielen anderen Kuturen, ehemaligen Europäern, Indigenen, Nachkommen von schwarzen Sklaven. Aber vermutluch halt weiter bgen als hier zu Hause. Und bedroht werden Sie dort höchstens von Kriminellen und nicht von armen Asylbewerbern.

  • Christoph Bögli sagt:

    Die Situation ist natürlich herausfordernd, gerade bei solchen Distanzen. Aber auf der anderen Seite hat das auch sein Positives: Oft ist in solchen Situation der eigentliche Kontakt dafür umso intensiver und z.T. paradoxerweise zumindest über Telefon/Internet sogar häufiger als bei vielen, die gleich bei der Familie um die Ecke wohnen. Zumindest habe ich erlebt, dass bei solchen Distanzbeziehungen viele oft mehrmals wöchentlich mit den Eltern reden und diese für längere Zeiträume besuchen. Hingegen kenne ich viele, die in unmittelbarer Nähe der Eltern wohnen, aber mit diesen kaum je ernsthaften Kontakt haben. Wenn etwas jederzeit erreichbar ist, kann das auch eine Gefahr sein, denn dann bleibt vieles im Konjunktiv weil man jederzeit könnte, aber es dann doch nicht tut..

  • doris sagt:

    Dieser Bericht ging mir grad sehr nahe, wunderbar geschrieben. Auch regelmässiges Schreiben und Skype (sofern das möglich ist) ersetzen den realen Kontakt zwischen Grosseltern und Kindern nicht, helfen aber doch ein wenig.

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