Wie schwer ist Vatersein?

Unser Papablogger lernt, dass es verschiedene Arten von Vätern gibt. Foto: Markus Tschannen

Mir ist dieses Buch in die Hände gefallen: «#Vatersein» von Barbara Weber-Ruppli. Genauer gesagt hat mir der Verlag ein Rezensionsexemplar geschickt. So läuft das. Leider warte ich noch auf ein Rezensionsexemplar des neuen «Lamborghini Urus». Ist das nicht ein typisches #Vaterauto? Ich würde mich aufopfern, das Fahrzeug gründlich auf seine Väter- und Familientauglichkeit zu testen.

Dass mir das Buch zugeschickt wurde, erwähne ich deshalb, weil ich es mir aufgrund seines Umschlags nie gekauft hätte. Was sollte mir die Lektüre schon bringen? Warum muss man #Vatersein thematisieren, etwas so Normales. Ach und #Hashtags finde ich sowieso albern.

Mich langweilt in der gesellschaftlichen Männerdebatte diese pathologische Einordnung der Männerseele. Diese «Baustelle Mann», inklusive der Väter, die in ihrer Rolle nicht zurechtkommen. Der Feminismus sagt, Männer seien nicht die Verlierer des Feminismus. Ganz meine Meinung. Und doch zeichnet der öffentliche Diskurs ein Bild des orientierungslosen Mannes. Ich kann das nicht nachvollziehen, denn ich fühle mich nicht orientierungslos. Weder als Mann noch als Vater.

Jedes Vaterporträt ist ein neuer Krimi

Und ja, auch das Buch «#Vatersein» schlägt mitunter in die Kerbe der männlichen Unsicherheit. Den Hauptteil des Textes machen elf Väterportraits aus. Die Porträtierten kämpfen mit inneren Konflikten. Einige haben ein gespanntes Verhältnis zum eigenen Vater, das sie nie ganz überwinden. Viele haben Mühe, die Rolle zu finden, die sie sich eigentlich wünschen. Auch äussere Zwänge wirken auf sie ein, aber man hat den Eindruck, die meisten Väter stehen sich primär selber im Weg.

Vielleicht liegt es ja auch an der Auswahl der Männer. Oder an der Gewichtung der Lebensereignisse und Gefühle durch die Autorin. Auf jeden Fall zeichnen die meisten Porträts eben dieses Vaterbild, dem ich nie viel abgewinnen konnte.

Und trotzdem überzeugen die Geschichten. Sie sind gründlich verfasst und interessant zu lesen – erzählen von Lebensereignissen und immer wieder von der Befindlichkeit der Protagonisten. Sie zeigen mir: Es gibt sie eben, diese Väter mit Konflikten, die in ihrer Rolle nicht so leicht zurechtkommen. Mit einigen der porträtierten Väter wiederum kann ich mich durchaus identifizieren.

Zwei Arten von väterlichem Kinderwunsch

Für den unterschiedlichen Umgang mit dem Vatersein gibt es bestimmt viele Gründe. Einen interessanten Ansatz geben die kurzen Expertengespräche, mit denen das Buch beginnt. Der Philosoph, der Männeraktivist und die Familiensoziologin kommen zwar nur kurz zu Wort, eine Erkenntnis heben aber gleich zwei der drei Personen hervor: Es gebe Männer mit einem wortwörtlichen Kinderwunsch: «Sie wünschen sich ein Kind und eine eigenständige Beziehung zu diesem.» Bei anderen Männern wiederum sei der Kinderwunsch mehr der Wunsch nach der Familie als Lebensform: «Hier geht es um den Status des Familienvaters […] und weniger um das Kind als unmittelbares Beziehungsgegenüber.»

Ich gehöre zur ersten Sorte. Mein Kinderwunsch war gross, der damit verbundene Familienstatus zweitrangig. Ich hätte mir notfalls auch vorstellen können, alleinerziehend zu sein. Vielleicht fühlt sich die Vaterschaft deshalb sehr natürlich an. Ich habe mit dem Kind genau das erhalten, was ich mir wünschte.

Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich sehe mich nicht als Supervater und bin bestimmt kein besserer Mensch als die porträtierten Männer. Aber ich fühle mich in meiner Vaterschaft und meinem Mannsein weitgehend frei von inneren Konflikten. Das Buch machte mir deutlich, dass sich #Vatersein auch komplizierter anfühlen kann. Umso mehr bin ich froh, verläuft meine Vaterschaft so selbstverständlich und natürlich. Ich hoffe, es bleibt dabei.

#Vatersein ist im Arisverlag erschienen.

Lesen Sie dazu auch die Postings «Väter, ran an die Babys», «Warum kriegen wir Kinder?» und «Schweizer Väter stehen auf verlorenem Posten».