Mütterkrieg? Wir wollen doch alle dasselbe!

Differenzen überwinden: Zwei Mütter beim «Tramuki», einer transkulturellen Mutter-Kind-Gruppe in Zürich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Sie kritisieren einander wegen ihres Erziehungsstils, machen abfällige Bemerkungen über andere Lebensmodelle und können sich eine ganze Kommentarspalte lang über den falschen Nuggi aufregen: Mütter halten mit Kritik selten zurück, wenn es um andersdenkende und -handelnde Mamas geht. Sie füllen mit ihren Diskussionen mittlerweile sogar ganze Fernsehsendungen – auch auf seriösen Sendern wie unserem SRF.

Dabei können sie auch anders. Es gibt sie, die Momente, in denen alle Gegensätze und konträren Meinungen plötzlich nebensächlich werden und man sich nur noch auf das Gemeinsame konzentriert: Die Tatsache, dass wir alle Mütter sind und nur das Beste für unsere Kinder wollen.

Hasstirade wegen Babytrage

Auf Facebook, dieser virtuellen Parallelwelt, kann man beides immer wieder wunderbar beobachten. Weil die Emotionen dort so ungefiltert und direkt herauskommen. Sucht etwa eine Schwangere nach einem Occasions-Babybjörn, bekommt sie neben drei Angeboten auch 75 Hasstiraden, weil sie sich angeblich nicht richtig informiert habe und ihr Baby ihretwegen einen Rückenschaden davontragen werde.

Schreibt aber eine Mama, dass sie verzweifelt nach ein paar abgelegten Gratis-Babykleidern suche, da sie sich aus Geldnot keine kaufen könne, ist plötzlich alles anders. Überzeugte Hausfrauen und berufstätige Mütter, Langzeitstillerinnen und Schoppen-Fans, sie alle fühlen mit und wollen helfen. Am Ende bekommt die verzweifelte Mutter nicht nur ein paar

Gemeinsam gehts besser. Foto: Felix Kästle (Keystone)

Baby-Bodys, sondern jemand bringt ihr gratis einen Kinderwagen vorbei, andere schicken Spielsachen, jemand besorgt ihr sogar neue Fläschchen. Und die versprochenen Kleidchen dürften mindestens für ein ganzes Jahr reichen.

Niemand fragt sie zuerst, wie sie ihr Kind erzieht. Ob sie Co-Sleeping betreibt, oder das Baby abends alleine ins Bettchen legt. Ob das Kind gestillt wird, oder den Schoppen bekommt. All die Unterschiede, die sonst so unglaublich wichtig scheinen, sind plötzlich Nebensache.

Ein einziges Ziel

Wir sollten uns viel öfter darauf besinnen, dass wir am Ende alle dasselbe Ziel haben: Gute Mütter zu sein. Und dass es für jede von uns einfacher wäre, uns diesem Ziel anzunähern, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und motivieren würden, anstatt uns wegen jeder Kleinigkeit zu kritisieren. Nicht nur in Notsituationen und nicht nur zur Weihnachtszeit. Sondern das ganze Jahr hindurch.

38 Kommentare zu «Mütterkrieg? Wir wollen doch alle dasselbe!»

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Nichts gegen interessante Diskussionen, Eltern- und vor allem Mütterbashing kann ich aber nichts Positives abgewinnen. Wer andere und ihre Lebens- und Familienmodelle schlechtreden und madig machen muss, hat wohl am ehesten ein Problem mit sich und seinem Modell und ist mit seinem Leben(sentwurf) nicht im Reinen. Wer mit sich und seinem Leben im Klaren ist, hat es auch nicht nötig, andere abzuwerten. Jede Familie und somit auch ihre Bedürfnisse sind anders. Was für die einen stimmt, stimmt für andere nicht. Mit etwas mehr Leben und leben lassen, weniger Vorurteilen, Kritik und Anfeindungen, dafür mehr Mit- und Füreinander, mehr Toleranz und Akzeptanz steht einem friedlichen Zusammenleben nichts im Wege, egal ob LZS, Schoppenkinder, Trage- oder Kinderwageneltern, fremdbetreut oder nicht!

    • Sportpapi sagt:

      Wer überall „Bashing“ erkennt und sich gleich angegriffen fühlt, hat allerdings auch eher ein Problem mit sich und/oder seinem Modell/Lebensentwurf.

  • doris sagt:

    Die Anwaltsgattin: Ihr Kommentar ist ein Affront gegenüber den Normalos, die sich soviele Kinder gar nicht leisten können/wollen und die dazuverdienen müssen/wollen. Abends kreisen dann die Gespräche ausschliesslich um die Kinder, weil man sonst ja nicht viel anderes erlebt. Werden die Kinder dann mal selbstständig, steht man dann da mit dem unerfüllten Bemutterungsbedürfnis und hat den Anschluss verpasst.

  • Urs M. sagt:

    Wir Väter werden genauso angefeindet von gewissen Müttern. Weshalb sollte sich diese Geringschätzung nur auf Väter beschränken. Das wäre ja sexistisch.

  • tststs sagt:

    Ähm ja, zur positiven Weiterentwicklung gehört eben nicht nur Lob, sondern auch Kritik…?!?

  • mira sagt:

    Prinzipiell finde ich es wichtig, dass man andere Meinungen und Familienmodelle respektiert und auch mal stehen lassen kann. Was mir aber immer wieder auffällt, ist, dass gerade Eltern (Frauen?) bezüglich ihren eigenen Entscheidungen und Handlungen ein sehr dünnes Fell haben und es schon als Kritik auffassen, wenn jemand es anders tut, als sie selber. Ich finde es wichtig, dass man Themen auch mal kontrovers diskutieren kann, ohne dass sich der andere gleich auf den Schlips getreten fühlt.

  • Sportpapi sagt:

    Die SRF-Sendung fand ich ziemlich interessant. Und vor allem: Die Mütter gingen meiner Meinung nach ziemlich wohlwollend oder zumindest tolerant miteinander um. Ähnlich wie hier, nebenbei, wo doch meist bei allen Meinungs- und vor allem Glaubensverschiedenheiten es doch irgendwie klar ist, dass alle sich sehr viel Mühe geben, es richtig zu machen.
    Andererseits kann nicht diskutieren, ohne auch unterschiedliche Standpunkte einzunehmen. Das war in den SRF-Sendungen so, und auch hier. Es ist doch gewollt, dass „Extrem“-Haltungen vorgestellt werden, um die Diskussionen in Gang zu bringen.

    • 13 sagt:

      Danke, ich habe exakt das Gleiche gedacht. Normalerweise schaue ich solche Sendungen gar nicht, aber nachdem ich soviel darüber gelesen habe, war ich neugierig und habe zumindest einen Faustkampf erwartet. Der Medienrummel um die Sendung erwies sich aber als völlig überzogen. Der Umgang war mehr als freundlich und reflektiert. Und wenn natürlich alle sagen, sie könnten das gegenteilige Modell nicht leben, dann ist das doch nachvollziehbar und bestimmt keine Kritik. Ich persönlich möchte keines der 4 Modelle leben (müssen).
      Ich glaube auch nicht, dass das hier kritisierte, tatsächlich ein „Mutterding“ ist. Das Netz eröffnet halt viele Möglichkeiten zur Diskussion und v.a. auch zu relativ anonymen Verteidigung von Extremhaltungen, was sich viele sonst nicht trauen würden.

      • Jänu sagt:

        Kenne viele Väter, die zu gleichen Teilen oder auch mehr als ihre Frauen, die Kinder erziehen. Aber ich kenne keinen Vater, der sich jemals abschätzig, korrigierend oder besserwisserisch in die Erziehung des Vaters gegenüber eingemischt hätte. Im Gegenteil habe ich kennen gelernt, dass Väter sich gegenseitig fragen, wie sie mit Situationen umgehen, die einem im Erziehungsalltag öfter begegnen.
        Auf dieser Seite gibt es eine lange Liste mit Blogs von und für Väter. Ob dabei Interessantes ist, muss aber jeder für sich beantworten:
        http://ichbindeinvater.de/vaeter-im-netz-bloggen-fluchen-wickeln-eine-uebersicht/

      • Carolina sagt:

        Sehe ich genauso. Ich fand zwar die Sendung nicht besonders konstruktiv und war danach der Meinung , dass da schon relativ viele unterschwellige Kritik am Modell der jeweils anderen verteilt wurde. Aber ich gebe zu, dass das ein persönliches Ding sein könnte.
        Es ist jedoch etwas ganz anderes, ob auch kontroverse Themen im Fernsehen von einer Gruppe Mütter diskutiert werden oder ob ich aufgrund meines Lebensentwurfs mir doch relativ viel Kritik, Einsprachen bzw Verurteilungen aus dem Freundes- bzw Familienkreis anhören muss, die an meinen Mann (der lange Jahre Hausmann war) nie gerichtet wurden bzw völlig an ihm abgeprallt sind.
        Für mich war das Anlass, an meinem Selbstverständnis als Mutter zu arbeiten – heute bin ich mit mir selbst grosszügiger und daher auch mit anderen.

      • Carolina sagt:

        Was ich damit nur sagen will: eine Fernsehsendung kann sehr wohl Inputs und Einsichten vermitteln – aber mir waren da noch zuviele an ‚die Gesellschaft‘ bzw ‚die Männer‘ gerichtete Appelle, die davon ablenken, dass wir das schon selber hinkriegen müssen; dass wir sehr wohl Herrin über unsere Entscheidungen und Haltungen sind, dafür verantwortlich sind.
        Wie gesagt, nur wenn wir zu dieser Verantwortung stehen, können wir auch das, was andere machen, respektieren, ohne daran herumzukritisieren.
        Und gelungenes soziales Leben hat manchmal einen Preis: Schweigen bzw Prioritäten setzen.

      • Sportpapi sagt:

        @Jänu: Die Frage ist immer, was man als abschätzig bewertet. Aber doch, natürlich kenne ich einige Väter, und nehme mich da nicht aus, die auch mal Erziehungsmethoden anderer Eltern diskutieren. Weil das Ergebnis nicht überzeugt.
        Aber im Grunde ist es doch klar: Je mehr man sich selber mit dem Thema beschäftigt, je mehr man Herzblut investiert, desto mehr glaubt man auch, die Sachen richtig zu machen., Bzw. ist verletzlich, wenn (leise) Kritik geübt wird.
        Und da glaube ich schon, dass Männer, Väter, ihre Methoden vielfach weniger hinterfragen.

      • 13 sagt:

        @ Jänu
        Gibt es alles, aber ich schränke das nicht einmal auf Erziehungsthemen ein. Ich denke, gerade hier drin wird Tag für Tag der Nachweis erbracht, dass sich Männer und Frauen punkto Gesprächskultur in nichts nachstehen.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Ich denke, gerade hier drin wird Tag für Tag der Nachweis erbracht, dass sich Männer und Frauen punkto Gesprächskultur in nichts nachstehen.“

        „gerade hier drin“ haben Sie wohl recht, 13. Aber der MB ist in keiner Art und Weise repräsentativ für unsere Gesellschaft.

      • 13 sagt:

        MF
        Ich sprach nicht von „der Gesellschaft“, sondern vom „Internet“ und da ist es nicht ganz untypisch, teilweise sogar sehr harmlos. Von beiden Geschlechtern, ich erkenne da recht wenig Unterschiede.

  • Cornelia Zuberbühler sagt:

    Ihre Zeilen sind für mich der Aufsteller des heutigen Morgens und sprechen mir aus der Seele! Als Eltern muss man sich zum einem von den eigenen, unrealistischen Ansprüchen an sich selbst, alles richtig machen zu wollen, emanzipieren resp. verabschieden. Zum anderen kann es entsprechend unserer individuellen Persönlichkeit, unterschiedlichen Umweltbedindungen und Lebenssituationen eben auch nicht das „richtige“ allgemeingültige Lebensmodell geben, das bei allen funktioniert. Als Eltern sind wir ja ohnehin einem ständigen sich verändernden Entwicklungsprozess unterworfen. Daher gilt Leben und leben lassen. Die Besinnung darauf, dass wir alle unseren Kindern unser Bestmögliches für ein eigenständiges, erfülltes Leben auf den Weg mitgeben wollen, hilft dabei Vorurteile zu überwinden.

  • Malena sagt:

    Mir gefällt der Appell, und es gibt Methoden die helfen können, ausgeglichener und toleranter zu werden (z.B. sich die Tatsache bewusst machen, dass sowohl ich wie das Gegenüber irgendwann sterben werden, vielleicht schon morgen). Trotzdem, zwei Relativierungen:
    „Wir haben alle dasselbe Ziel: gute Mütter zu sein“ Naja, auch nicht mehr als alle das Ziel haben (also wirklich, schonungslos ehrlich, resultatorientiert, nicht als Selbsttäuschung um sich gut zu fühlen), gute Menschen zu sein (inkl. Weinstein, IS etc.).
    Wieso Verständnis und Toleranz vor allem für andere Mütter? Auch anwendbar auf kinderlose Frauen, Männer, AusländerInnen, AutofahrerInnen, politische GegnerInnnen, VeganerInnen und FleischesserInnen? Zusatzaufgabe: RassistInnen, SexistInnen, LinksextremistInnen, IslamistInnen?

    • mila sagt:

      Schonungslos ehrlich? Als (anzustrebendes) Ideal in jedem Fall von Vorteil, aber man sollte sich keine Scheuklappen hinsichtlich der ‚Realisierung‘ aufsetzen… Und da fängt es an. Wenn man sich nur schon ab und an beim Fremd-Urteilen ertappt, ist vieles gewonnen. Nichts, wenn man sich für unglaublich reflektiert, und tolerant, hält. Aber das meinten Sie vermutlich. 😉

    • Sportpapi sagt:

      Relativierung zur ersten Relativierung: Ich denke schon, dass hier zumindest viele Mütter und Väter mitdiskutieren, die sich Gedanken machen und wirklich einen guten „Job“ machen wollen.
      Aber das andere stimmt natürlich. Die gewünschte Toleranz führt auch zu einer gewissen Beliebigkeit bzw. Desinteresse. Und wer Werte hochhält, wird eben auch werten und bewerten.
      Die Frage ist letztlich, in welchen Fällen wirklich verschiedene Wege zum Ziel führen, und wo eben nicht zu viel Abweichung möglich ist.

  • Regina Probst sagt:

    Zum Ersten: Wenn man nicht will, dass Mütter zum Negativthema werden, soll man nicht darüber schreiben, sondern über Eltern. Was Aufmerksamkeit erhält, Eher mehr. Leute lesen immer das heraus., was ihren Meinungen entgegenkommt und vergessen das andere viel schneller.
    Das gilt auch für die SF-Reportage.
    Zum Zweiten: Sobald sich Frauen als hilflose Opfer präsentieren (Frau ohne Geld), werden sie mit Fürsorglichkeit anderer Frauen überschwemmt. Kommen sie aber dominant oder als „schlecht“ Handelnde rüber, geschieht das Gegenteil – der Shitstorm. Kein Respekt mehr. Das sind eben die alten Rollenvorstellungen, die aktiviert werden.
    Frauen sollen sich einfach selber lernen zu akzeptieren und am Selbstwert arbeiten, dann fallen sie da auch weniger herein, weder als Opfer noch als Täterin.

  • Samira Maurer sagt:

    Sehr guter Bericht, der mir aus dem Herzen spricht, weil ich von sehr vielen weniger privilegierten Müttern angefeindet werde, da ich es mir als Anwaltsgattin leisten kann, ausschliesslich Mutter von unseren vier Kindern sein zu dürfen und keiner geregelten Arbeit nachgehen zu müssen, da wir eben nur das Beste für unsere Kinder wollen.

    • Jane Doe sagt:

      Na ja, vielleicht werden Sie gar nicht angefeindet, weil Sie die privilegierte Anwaltsgattin sind, sondern weil Sie so unglaublich arrogant klingen. Sie kommen nämlich gerade ganz genau so rüber wie die intoleranten Mütter, die die Autorin im Text beschreibt.

      • Alps sagt:

        You made my day, Samira Maurer, und ausgezeichnete Antwort, Jane Doe! Der Kommentar zeigt exemplarisch die fehlende Toleranz für Modelle, die andere Familien leben. Ich selber fühle mich privilegiert, dass ich trotz Familie 100% arbeiten kann, und selbstverständlich wollen auch wir das Beste für unser Kind.

    • Sportpapi sagt:

      Wenn Sie so mit dem Herzen bei der Sache wären, hätten Sie vielleicht gemerkt, was Sie so im Vorbeiweg gerade ausgesagt haben…

    • Papperlapapi sagt:

      Sie merken schon, dass in ihrer Aussage mittönt:
      „Das Beste für die Kinder ist, wenn die Mutter den ganzen Tag zuhause ist“. Und man raushören kann: „Eine Mutter die arbeiten geht, obwohl sie es sich leisten könnte, es nicht zu tun, will nicht das Beste für ihre Kinder“…

    • Carolina sagt:

      Ihr Kommentar illustriert doch gleich wunderbar, wie manche der Anfeindungen zustande kommen; vor allem Ihr letzter Satz (den Hinweis auf die Anwaltsgattin lasse ich jetzt mal weg) impliziert genau das, was GB heute sagt, nämlich dass Ihre Lebensform die einzig richtige sein soll. Das ist natürlich Unsinn, wir Frauen könnten uns das Leben wirklich einfacher machen, wenn wir akzeptieren bzw respektieren, dass die allermeisten Eltern/Mütter ihren Kindern nicht schaden wollen, dass unterschiedliche Lebensstile eine Errungenschaft sind!

    • Anneliese Meyer sagt:

      Samira Maurer: Streng genommen haben Sie dies jetzt auch nicht besonders wertfrei formuliert. 🙂

    • mira sagt:

      Da sind sie in guter Gesellschaft mit 99% aller Frauen – egal ob sie nun einen Anwalt oder einen Rohrputzer geheiratet haben 😉

    • Jänu sagt:

      Aha, das wundert aber nicht wirklich. „sein zu dürfen“, „eben“, „das Beste“. Das ist wohl die Überheblichkeit, die anderen, die nicht können, sondern die müssen, die machen, was möglich ist, sauer aufstösst.
      Zum Bericht: Könnte es sein, dass Intrigieren eine Eigenschaft ist, die vor allem bei Frauen ausgeprägt ist? Männer und Bullying, Frauen und Intrigen?

      • Andrea sagt:

        Es stösst auch denen sauer auf, die ebenfalls nicht müssen, sondern wollen, weil sie sich über den eigenen Beruf identifizieren und nicht über den ihres Mannes.

      • Carolina sagt:

        Wenn ich jetzt mal von mir ausgehe und ganz brutal ehrlich bin, haben Sie sicher recht – ich bin ja auch immer schnell dabei, die Dünnhäutigkeit und Kritikunfähigkeit vieler Frauen zu monieren.
        Aber genau darum geht es ja hier – und ich finde, es ist etwas ganz anderes, ob in einem Panel im Fernsehen Frauen auch kontroverse Themen anschneiden oder ob im privaten Kreis intrigiert, aufgeschnitten oder – gefühlt zumindest – be- und verurteilt wird. Aber ja, da müssen wir uns meistens an der eigenen Nase fassen! Und es gilt, was ich auch lernen musste (unvollkommen, mit Rückschlägen!): wer selbstverantwortlich mit seiner eigenen Lebenssituation umgehen kann, hat es nicht nötig, die anderer herunterzumachen.

      • Jänu sagt:

        Carolina, das ist ein treffender Satz: „wer selbstverantwortlich mit seiner eigenen Lebenssituation umgehen kann, hat es nicht nötig, die anderer herunterzumachen.“ Oder: man wird nicht grösser, wenn man andere kleiner macht. Ich denke auch, dass oft Minderwertigkeitskomplexe dazu führen, andere Lebensweisen zu kritisieren oder gar zu verurteilen. Die Sendung mit den 4 Müttern hat das zumindest hervorgebracht. Im Stile: „Hach nein, das wäre nichts für mich, meine(!) Kinder brauchen mich.“ oder eben „wir (ich!) wollen das Beste für unser(e) Kind(er)“.

      • Martin Frey sagt:

        @Jänu
        „man wird nicht grösser, wenn man andere kleiner macht.“
        Das ist sicher richtig. Auf das Thema gemünzt muss es jedoch heissen:
        „man fühlt sich aber grösser, wenn man andere kleiner macht.“ Das klassische Radfahrerprinzip halt, ein zutiefst menschlicher Zug.
        Und das ist wohl ein Stück weit die Erklärung dafür, dass (falls) Frauensolidarität spielt, sie tendenziell „nach unten“ gerichtet ist, wie im Beispiel der Autorin. Ansonsten herrscht (etwas pauschalisierend) wohl überwiegend Konkurrenzkampf oder ggf. sogar Missgunst vor.
        Mangelnde Souveränität im Alltag sowie im eigenen Lebensentwurf, oder wie Sie konstatieren „Minderwertigkeitskomplexe“ (ver)führen letztendlich dazu, an anderen herumzukritteln und sich dabei gut zu fühlen.

      • Jänu sagt:

        Martin, da haben Sie selbstverständlich auch recht. Es geht um das Gefühl, um das Sich-besser-fühlen. Aber schlussendlich bringt das keine Befriedigung. Es ist leer, ohne Substanz und fördert weder Selbstvertrauen noch Selbstliebe und der Minderwertigkeitskomplex wird weiter genährt.
        Vielleicht verhalten sich einfach viele dieser Menschen regressiv. Dazu passt auch diese, besonders in der Schweiz, furchtbare Sprache voller Diminutive, immer eine oder zwei Oktaven zu hoch, die den Kinder nicht gerecht wird. Man verhält sich ähnlich, wie die (unreifen) Kinder.
        In meiner Umgebung sind die Mütter in der grossen Mehrheit jedoch sehr pragmatisch. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Mütter, die mit einem Bein im Berufsleben stehen. Dort kann man sich ein solches Verhalten auch kaum leisten.

      • Sportpapi sagt:

        Wo kann man sich ein „solches“ Verhalten denn leisten, Jänu?
        Sind es denn nur die Vollzeit-Hausfrauen, die „herumkritteln“?
        Oder doch nicht?

      • Jänu sagt:

        Das kann man sich eigentlich nirgendwo leisten. Aber man hört es doch immer wieder. Geht man Einkaufen, ist auf dem Spielplatz, fährt im Zug im Kinderabteil, wo auch immer, es gibt die Eltern, die mit ihren Kindern reden, als seine sie selber halbe Kinder.
        Und dann steht man doch als Erwachsener da und findet seine Bestätigung, in dem man andere verurteilt.
        Sie schrieben oben, dass man auch über andere redet. Warum nicht? Aber muss man es auch den anderen vorhalten?
        Die Sendungen mit den 4 Müttern ist ein hervorragender Anschauungsunterricht. Die 2 im Beruf sehen ihre Mutterrolle durchaus kritisch, geben zu, auch an sich zu denken. Die beiden anderen sind wenig kritisch gegenüber sich selber. Sie benutzen ihre Kinder als Rechtfertigung fürs eigene Verhalten und platzieren Vorwürfe.

    • Samira Maurer (die echte!) sagt:

      Hey, wer postet da unter meinem Namen!?
      Das nervt! :

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