Homeoffice und seine Tücken

Mamablog

Wer ständig zu Hause arbeitet, gefährdet seine Gesundheit und Karriere.

«Ah, du machst Homeoffice!?» Das Gegenüber grinst breit und beginnt schelmisch mit den Augen zu zwinkern.

In der Regel verstehen die Leute zwar, dass Homeoffice nichts mit Rumhängen, Serien gucken und parallelem Kinderhüten zu tun hat. Sondern mit konzentriertem Arbeiten. Jetzt zum Beispiel sitze ich daheim, schreibe diesen Text, und um mich herum ist es – anders als im Grossraumbüro – schön still. Niemand stört mich, nichts lenkt mich ab. Ich arbeite entspannt und komme zügig voran.

Und dennoch. Dennoch habe ich immer wieder das Gefühl, ich müsse mich anderen gegenüber für den Arbeitstag daheim rechtfertigen. Ihnen klar machen, dass ich nicht auf der faulen Haut sitze. In Mails betone ich an solchen Tagen, dass ich übrigens jederzeit und immer erreichbar sei; entschuldige mich überschwänglich, dass ich an einer kurzfristig anberaumten Sitzung nicht teilnehmen kann. Und erzähle den Kollegen immer wieder ungefragt, dass ich an meinen Homeoffice-Tagen oft viel länger arbeiten würde als im Büro – was auch stimmt. Diese längeren Arbeitstage haben wohl auch damit zu tun, dass man selbst konstant ein klein wenig ein schlechtes Gewissen hat: Man denkt, die anderen würden denken, man mache zu wenig.

Die Sorge, etwas zu verpassen

Doch wenn ich zu Hause arbeite, stehe ich zur selben Zeit auf wie immer, sitze aber nach dem ersten Kaffee schon am Computer. Der Arbeitsweg entfällt. Über Mittag mache ich nur kurz Pause, die Wohnung verlasse ich meist nicht. Oft fällt mir erst um 18 Uhr beim Runterfahren des Computers ein, dass ich den ganzen Tag gar nie draussen war und mich kaum bewegt habe. Dann muss ich höllisch aufpassen, nicht schlecht gelaunt zu werden, weil mir die Decke auf den Kopf zu fallen droht.

Mehr als einen Tag würde ich nicht von daheim aus arbeiten wollen. Zu sehr würde ich mich im Abseits fühlen. Viele Infos und Ideen, auch wenn es nur klitzekleine sind, erhält man nicht per Mail, sondern in Gesprächen. Unter anderem deswegen empfehlen Arbeitspsychologen ständiges Homeoffice nur bedingt: «Eines der grössten Probleme beim Homeoffice ist, dass keine zufälligen Gespräche stattfinden», sagte Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut der Wirtschaftswoche. Hofmann forscht zu flexiblen Arbeitsformen.

Doch das ist nicht alles: Studien unterstreichen, dass Arbeitnehmer im Homeoffice häufiger gestresst und einsam sind – und seltener befördert werden als Büroarbeiter. Auf folgende drei «Homeoffice-Fallen» gilt es laut Experten deshalb besonders zu achten:

1. Grenzen setzen
Achtung vor einer Mehrfachbelastung: Während viele Arbeitnehmer im Homeoffice mit ihren Vorgesetzten vereinbaren, zu welchen Zeiten sie erreichbar sind, gibt es für die Familienmitglieder nur selten Regeln. Doch auch dem Partner und den Kindern muss klar sein: Arbeiten von zu Hause aus ist kein Privatvergnügen, Störungen sind unangebracht.

2. Keine Karriere
Menschen, die von daheim aus arbeiten, sind fleissig: Sie leisten mehr und sind selten krank. Studien zeigen allerdings auch: Sie werden seltener befördert. Viele Chefs denken wohl noch immer: Wer nicht im Büro ist, der arbeitet auch nicht. Karriereberater empfehlen deshalb, nicht ausschliesslich von zu Hause aus zu arbeiten.

3. Keine Freizeit
Auch hier bestätigt eine Studie: Wer von zu Hause oder unterwegs arbeitet, arbeitet länger als die Kollegen im Büro. Die Gründe: Diese Mitarbeiter sind sich Flexibilität gewohnt, sie sind häufiger auch ausserhalb der Arbeitszeit erreichbar.

Ich kann alle drei Punkte nachvollziehen, aus der eigenen Erfahrung auch das meiste bestätigen. Ja, Homeoffice hat seine Tücken. Trotzdem bin ich froh, kam mir mein Vorgesetzter mit dem Arbeitstag daheim entgegen. Nur wenn dies möglich sei, sagte ich ihm vor vier Jahren, würde ich mein Pensum von 60 auf 80 Prozent aufstocken und die neue Funktion übernehmen. So konnte ich den wöchentlichen Mittagstisch, den ich mit meiner Nachbarin hatte, weiterführen. Ich wollte meinen Sohn, damals noch Primarschüler, nicht noch öfter fremdbetreuen lassen.

Auch wenn die Homeoffice-Tage damals einen Riesenstress bedeuteten und sich meine Arbeitstage entsprechend ausdehnten: Sie ermöglichten mir, daheim präsenter zu sein. Homeoffice, wenn ich selbst krank bin, sollte ich mir allerdings schleunigst abgewöhnen. Das kann nicht gesund sein.

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