Endlich glücklich im Bett

Keine Ahnung, was die Wissenschaft dazu sagt: Das Vater-Kind-Bett. Foto: iStock

«Wie schläft eigentlich der Tschannen?», fragen Sie sich bestimmt. Oder Sie haben andere Sorgen. Trotzdem gebe ich Ihnen jetzt mal ein Update. Immerhin habe ich vor über zwei Jahren aus der Familienbetthölle berichtet.

Kurz für alle, die diesen teuflischen Bericht nicht nachlesen möchten: Der Brecht terrorisierte meine Frau und mich in unserem eigenen Bett. Er fuchtelte die Nacht durch und liess sich nicht dazu überreden, in seiner eigenen Schlafstätte zu liegen.

Was danach geschah:

Wir gaben die Hoffnung auf und stellten Brechtes Bett «zum Mitnehmen» an die Strasse. Ein junges Paar griff sofort zu. Ich mochte ihnen gönnen, dass ihr Kind im eigenen Bett schläft. (Das ist selbstverständlich gelogen. Warum die und nicht wir?)

Die Matratze – unendliche Weiten

Ein Jahr später kam unsere Chance: Wir zogen in unser neues Heim – mit Kinderzimmer. Wochenlang hatten wir dem Brecht vorgeschwärmt, wie toll es ist, ein eigenes Zimmer zu haben. Wir zogen gemeinsam los und kauften ihm ein neues Bett. Brechtel freute sich sehr. In der Nacht X schlief er glücklich ein und durch. Das Familienbett wurde wieder zum Elternbett. Halleluja, preiset den Herrn!

Doch kurz darauf musste das vormalige Familienbett weitere Verluste einfahren. Meine Frau schlich sich nachts immer öfter ins Gästezimmer. Sie schläft nicht besonders tief. Jede Bewegung und jedes Geräusch stören sie beim Einschlafen. Da ich nicht wie vorgeschlagen aufs Atmen verzichten wollte, einigten wir uns bald: Sie sollte fortan offiziell im Gästebett schlafen.

Das Elternbett wurde also zum Papabett. Mir sollte es recht sein. Viel Platz und ungestörte Nächte … wobei, nicht ganz. Ich war nun allein für den Brecht zuständig. Ausgleichende Gerechtigkeit nennt man das. Irgendwie musste ich ja für meinen guten Schlaf bestraft werden.

Ein- bis zweimal rief der Brecht pro Nacht aus seiner Kammer – weil er seine Wasserflasche nicht finden konnte, weil ihn Monster verfolgten, oder weil er auf der Flucht vor selbigen die Decke weggestrampelt hatte. Ich stand auf, lief zu seinem Zimmer, erfüllte die Wünsche und wachte über ihn, wenn er nicht mehr einschlafen konnte. Sollte es länger dauern, klemmte ich ihn unter den Arm und nahm ihn mit. Immer öfter, bis auch das zum Normalfall wurde. Eines Tages legte ich den Brecht am Abend gleich in mein Bett.

Irgendwann stimmt es für alle

Wir sind also wieder so weit wie vor zwei Jahren. Damals, als Muttern regelmässig aus dem Familienbett floh. Mit einem gewaltigen Unterschied: Es stimmt jetzt für alle. Der Brecht und ich schätzen die gegenseitige Gesellschaft, die Frau ihre Ruhe. Die ganze Familie schläft gut.

Die getrennten elterlichen Schlafstätten haben unsere Liebe keineswegs geschmälert. Im Gegenteil: Nächtliche Konflikte um Platz, Temperatur, Decken und Geräusche bleiben aus.

Was Erziehungsexperten zum Vater-Kind-Bett sagen, weiss ich nicht. Da alle zufrieden sind, kann es so falsch nicht sein. Wenn die erste grosse Liebe ins Haus steht, wird der Brecht schon aus meinem Bett ausziehen. Hoffe ich zumindest. Zu dritt ist es nämlich wirklich eng.

Mit dieser Einschränkung kämpfen wird ab und zu schon heute. Nämlich dann, wenn die Schwiegermutter das Gästezimmer und der Schwager das Kinderzimmer annektieren. Aber wir ziehen unser Erfolgsmodell jetzt durch: Der Brecht und ich im Elternbett, die Frau auf einer Matratze im Ankleidezimmer.