Wie viel Bildschirm braucht das Kind?

Zucker für die Augen: Französische Primarschülerin mit einem iPad. Foto: Eric Gaillard (Reuters)

Vielleicht haben Sie in den vergangenen Tagen von der BLIKK-Medienstudie des deutschen Berufsverbandes Kinder- und Jugendärzte gelesen. Michèle Binswanger hat dazu eine schöne Alkohol-Analogie verfasst.

Die Studienresultate zeigen einen Zusammenhang zwischen Medienkonsum von Kindern im Kita-Alter und ihrer Entwicklung: Störungen des Schlafs, der Sprachentwicklung und der Konzentration könnten demnach die Folge von zu viel Zeit vor dem Bildschirm sein. Die Ergebnisse sind aus Sicht des Verbands alarmierend, und er schlägt vor, im Rahmen der kinderärztlichen Untersuchungen künftig eine Medienanamnese durchzuführen.

«Oh Gott, eine Studie», mögen nun manche aufschreien. «Auf Studien höre ich schon lange nicht mehr, die haben mir [Lieblingslebensmittel] schlecht gemacht.» Und sowieso ist das Thema ein emotionales: Kleine Geräte mit Bildschirmen – Zucker für die Augen. Für einige des Teufels, für andere normaler Teil des Lebens.

Aber es ist eben auch ein Thema, bei dem die elterliche Intuition zu kurz greift. Woher soll ich denn wissen, was der Handybildschirm mit meinem Kind anstellt? Natürlich ist Vernunft immer ein guter Ratgeber. Aber was ist in diesem Zusammenhang Vernunft? Eine halbe Stunde Tablet pro Tag? Oder ist es vernünftig, sein Kind in den ersten Jahren von allen Bildschirmen fernzuhalten?

Eigene Erfahrung reicht nicht weit

Kurz nach Brechti Geburt fiel mir eine Broschüre des Bundesamts für Sozialversicherung in die Hände. «Keine Bildschirme unter drei Jahren» lautete die kompromisslos deutliche Handlungsanweisung. Daran haben wir uns dann auch gehalten, mit ganz wenigen Ausnahmen. Zugegeben: Nicht nur, weil wir pädagogisch korrekt sein wollten. Es gab durchaus praktische Gründe: Wir besitzen keinen Fernseher, keinen Tablet-Computer, und auf unseren Handys würde das Kind doch nur die Einstellungen durcheinanderbringen.

Inzwischen ist der Brecht drei Jahre alt und kann kaum mit einem Touchscreen umgehen. Weder wischt er sauber in eine bestimmte Richtung, noch tippt er präzise genug, um zum Beispiel ein Bild zu öffnen. Es schmerzt beinahe beim Zuschauen. Ganz anders der Nachbarsjunge: Der konnte mit eineinhalb Jahren auf dem Smartphone seiner Eltern das App-Menü öffnen, Youtube starten und Videos abspielen.

Obengenannte Studie legt die Vermutung nahe, dass der Brecht in seiner Entwicklung nun etwas besser dasteht. Bestätigen kann ich das natürlich nicht. Ich weiss ja nicht, wie sich die Kinder unter anderen Voraussetzungen entwickelt hätten. Mindestens auf den ersten Blick hat der Nachbarsjunge aber die Nase vorn.

Schon bald wird von beiden Kindern nämlich eine hohe Medienkompetenz erwartet. «Digital Natives» entstehen kaum durch Bildschirmabstinenz. Kinder sollen fit sein für die technologisierte, mit künstlicher Intelligenz durchsetzte Welt, die sie als Erwachsene erwartet. Immer mehr Experten fordern denn auch, Kinder müssten früh programmieren lernen. Der Lehrplan 21 sieht Programmierunterricht in der Oberstufe vor.

Vertrauen auf Fachleute

Eine Gratwanderung und Herausforderung für die Eltern. Nach aktuellem Wissensstand müssen wir unsere Kinder also in den ersten Jahren vor elektronischen Medien behüten und sie danach intensiv begleiten. Dabei müssen wir rasch den Wendepunkt schaffen und sie innert kurzer Zeit zu erfahrenen, selbstständigen Medienkönnern machen.

Eine Herausforderung, die ich annehme. Im Interesse des Brechts werde ich diesen Plan nach bestem Wissen und Gewissen umsetzen. Besser kann ich nämlich auch nicht beurteilen, was zu tun wäre. Im Gegenteil: Ich bin froh, wird im Bereich der kindlichen Förderung seriös geforscht und geben Behörden sowie Fachleute Empfehlungen ab.

Es ist ja mitunter zum Volkssport geworden, Experten als unnütze Idioten abzustempeln. Am liebsten in einem Onlinekommentar, nachdem man sich eine Minute gedanklich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Einige vertrauen der Wissenschaft nicht einmal, wenn sich die Forschergemeinschaft zu über 99 Prozent einig ist – Stichwort Impfungen und Klimawandel.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde kritisches Hinterfragen wichtig. Im Zweifel scheint es mir aber immer noch vernünftiger, auf Fachwissen zu vertrauen, als auf Meinungen wie «Früher waren wir mehr im Wald» oder «Ich habe täglich vier Stunden ferngesehen, und mir hat es auch nicht geschadet».

Für den Brecht steht nun also die nächste Stufe gemäss gängigen Ratgebern an: zeitlich begrenzter und eng begleiteter Medienkonsum am Bildschirm. Nächstes Jahr kann er dann vielleicht auch Youtube öffnen.

77 Kommentare zu «Wie viel Bildschirm braucht das Kind?»

  • siu sagt:

    Herr Taschannen informiert sich. Als folge davon bekommt Brecht weder smartphone noch zucker. Brecht ist also weder dick noch medienabhängig.

    Andere eltern informieren sich nicht. Als folge davon bekommt das kind zucker und smartphone. Das kind wird dick und medienabhängig.

    Es besteht also ein zusammenhang zwischen medienkonsum und fettleibigkeit. Aber das eine ist nicht die ursache des andern! Wenn man dem zweiten kind das smartphone wegnimmt, isst es noch immer zucker, und wird noch immer dick sein.

    Leider wird in solchen studien oft eine kausale wirkung suggeriert, obwohl die studie nur eine korrelation aufzeigt. Deshalb doch die empfehlung, solchen studien grundsätzlich zu misstrauen, oder sie zumindest kritisch zu hingerfragen bezüchlich ursache und wirkung.

    • siu sagt:

      übrigens ist auch eine sogenannte „inverse kausalität“ sehr wahrscheinlich:

      wenn jemand ein kind hat, das hyperaktiv ist, und die eltern bemerken, dass es vor dem bildschirm ruhig ist, so werden sie wohl ab und zu (und öfters als wenn das kind nicht hyperaktiv ist) es vor den bildschirm setzen.

      in dem fall ist die hyperaktivität die ursache, und der medienkonsum die wirkung. ein zusammenhang besteht also, sogar ein kausaler. aber nicht so wie von herr Tschannen interpretiert… dem kind das smartphone zu verbieten würde möglicherweise nichts an seiner hyperaktivität ändern.

  • Sina sagt:

    Ich halte es für nicht realistisch, dass alle Kinder in der Lage sind zu programmieren. Und diejenigen, die es sind, können das getrost auf der Oberstufe oder noch später erlernen (wie das auch bei mir der Fall war). Ähnliches gilt für Fremdsprachen. Es ist nicht so, dass Kinder alles lernen (können), wenn man nur möglichst früh damit anfängt. Sorry.

    Des Weiteren habe ich mit Schrecken festgestellt, dass meine Generation (diejenige, die das Internet erschaffen hat und deshalb gerade noch nicht als digital native gilt) wesentlich mehr Ahnung hat davon, was hinter den Kulissen abläuft und wie das ganze funktioniert als viele heutige digital natives – viele von denen sind optimale Konsumenten, aber da hört’s dann mit der Kompetenz auch gleich wieder auf. Also: bleibt locker und offline!

    • second step sagt:

      Mir kommt das alles zu klischeehaft vor von „unserer Generation, welche das Internet erschaffen hätte“ und den „digital natives“ welche bloss Konsumentenkompetenzen hätten. Ich gehöre auch zu Ihrer Generation und habe überhaupt nichts erschaffen und Sie wahrscheinlich auch nicht. Wie alle anderen inklusive Ihnen bin auch ich bloss ein Konsument – machen Sie sich da keine Illusionen, auch wenn sie gelegentlich offline sind…. Unsere Generation hat bloss als erste das Internet im grossen Stil benutzt, aber das ist ja keine besondere Leistung. Zudem widersprechen Sie sich gerade: die „digital natives“ hätten keine Ahnung was hinter den Kulissen abläuft, aber Sie finden es gleichzeitig unnötig, dass die Schule es Ihnen beibringt. Dann wird es für die Armen natürlich schwierig…

  • mila sagt:

    Ohne alle Kommentare gelesen zu haben… Ich dachte ja, war überzeugt, ich würde auch zur Null-Bildschirmzeit-unter-3-Fraktion gehören. Und dann, tja dann, hat meine Tochter bei einer kleinen Freundin ein einfaches Kinderliedvideo gesehen. Die Freude, die sie daran hatte, liess mich anschliessend besagtes Video ins Abendritual aufnehmen, quasi als Auftakt vor dem Abendessen. Und sie darf ab und zu auch andere Kinderliedervideos schauen, für ein paar Minuten (zum Nägelschneiden, z.B.). Die Beobachtungen, die ich dabei mache: das Kind geht mit diesen Videos ‚mit‘, da sie sehr einfach gehalten sind. Sie sitzt keineswegs ’stumpf‘ vor der Glotze. Von einigen Videos profitiert sie sprachlich (Heimatsprache meiner Eltern, sie schnappt von selbst erste Worte auf), von anderen sozial:

    • mila sagt:

      sie begrüsst die (Tier-)Akteure, ahmt Tierstimmen nach, klatscht, winkt, sagt Adieu etc – kurzum, sie ‚interagiert‘. Selbstredend kann man das alles auch offline haben (das haben wir, selbstredend, ebenfalls zur Genüge), aber mittlerweile sehe ich nicht, weshalb ein solches Video nicht die Gutenachtgeschichte ergänzen kann, oder das Old-Mc-Donald-If-Your-Happy-etc. illustrieren. Die (aktive) kindliche Freude daran hat mich jedenfalls überzeugt.

      Wer einmal reinschauen will, hier ein englischer Tipp: Sweet Dreams und Supersimple Learning auf Youtube googeln.

    • Leser sagt:

      Aber Mila, darum gehts ja genau. Dieses mitgehen und darunter sind dann irgendwelche Werbebotschaften versteckt die ins Unterbewusstsein einfliessen.
      Sprache und sozialen Umgang erlernen Kinder bestimmt auch ohne Bildschirm (hat bei uns doch auch geklappt? zumindest teilweise ;))

    • mila sagt:

      Ich schrieb ja: selbstredend geht es ganz ohne, bzw. offline. Aber für mich muss die totale, absolute, völlig unwidersprochene Abstinenz nicht (mehr) sein. Doch das mit den versteckten Werbebotschaften müssen Sie mir noch etwas genauer erklären. Das klingt für mich so ein bisschen nach den Geschichten, die man sich früher über Rockmusik erzählte… (damals waren es noch Teufelsbotschaften, immerhin).

  • second step sagt:

    Leute die wie in einem unten stehenden Kommentar behaupten, der Programmierunterricht sei in der Oberstufe unwichtig haben irgendwie verpasst dass wir am Anfang des digitalen Zeitalters stehen. Wenn der Fortschritt so weitergeht werden unsere Kinder – so befürchte ich – in 20 Jahren einer Welt leben, wo man ohne „mobile Devices“ den Alltag gar nicht mehr bewältigen kann. Umso besser wenn die Schulen ihnen die Grundlagen vermitteln, wie diese Dinger eigentlich funktionieren. Genauso gut könnte man den Physik- und Chemieunterricht abschaffen, da ja kaum einer von uns in Zukunft beruflich die Flugbahn einer Rakete berechnen muss oder Aspirin zusammen mixt. Auch das könnte man den Fachleuten überlassen.

  • Leser sagt:

    Ich muss immer öfters folgendes feststellen:
    Diejenigen die sich sooo fortschrittlich und auf dem Neusten stand geben, finden ihr Kind solle doch die neuen Technologien möglichst früh kennenlernen usw. sind oft diejenigen die am wenigsten Ahnung von Technik haben, die froh sind mit einem iPhone Fotos verschicken zu können und meinen wenn ein Kleinkind ein Gerät bedienen kann, welches extra so designt wurde, wäre es zukünftiger Informatiker. Dabei ist eher das Problem dass die Eltern technisch auf den Stand eines Kleinkindes stehen geblieben sind.
    Speziell Leute die aus der IT kommen und wirklich Ahnung haben, sind da generell viel skeptischer. Besonders bei ihren Kindern.

    • Sportpapi sagt:

      „Speziell Leute die aus der IT kommen und wirklich Ahnung haben, sind da generell viel skeptischer. Besonders bei ihren Kindern.“
      Das widerspricht meiner Erfahrung.

  • Anh Toàn sagt:

    Ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wie unseren 10 Monate jungen von Bildschirmen fernhalten. Auf dem Bildschirm ist meine Arbeit, die Tageszeitung, die Post. Am Fernsehen mag er Werbung (lachende Gesichter.)

    Ich habe keine Lust, dem Kleinen ständig zu sagen, Nein, das darfst Du nicht. Es reicht, wenn ich ihn nicht lasse, das Ladegerät an der Steckdose anzuschliessen.

    Übrigens setzt er sich auch schon mit Büchern auseinander, da reisst er dann Seiten raus. Das ist schwerer zu reparieren als die Einstellungen an Smartphone und Computer. In letzterem bin ich übrigens richtig gut geworden.

    Fazit: Zumindest ich werde besser im Umgang mit Smartphone/Compi, wenn er damit spielt.

    • Anh Toàn sagt:

      Kein Zucker bis drei, kein Bildschirm bis drei:

      Das Leben des Brecht beginnt am dritten Geburtstag, was Sex & Drugs & Rock’nRoll für einen Twen ist, ist Zucker und Bildschirm für einen zweijährigen.

      Erziehungsziel soll also sein, unsere Kindern klar zu machen, dass die zwei obersten Ziele des Lebens in dessen möglichst langer Dauer und darin liegen, weiter zu kommen, besser zu sein, beruflich, finanziell, als die anderen.

      Kurz: Erfolg und Gesundheit als moralische Verpflichtung.

      • Anh Toàn sagt:

        Der Leistungsdruck beginnt heute anscheinend mit der Geburt: Das ganze Leben von der Wiege bis zur Bahre ist an der Optimierung der eigenen Person orientiert: „In search of excellence“ heisst einer der erfolgreichsten Unternehmensratgeber aus den 80ern: Heute könnte man Erziehungsratgeber so nennen.

      • Anh Toàn sagt:

        Smartphones hätten ein Suchtpotential schreibt Frau Binswanger. Aber das Suchtpotential haben wir Menschen, wir können diese Sucht an den unterschiedlichsten Objekten ausleben, sogar Kaffeerahmdeckeli oder Gartenzwerge haben ein Suchtpotential, wenn Smartphones oder Computer eines haben.

        Der Vergleich mit Alkohol ist absurd: Alkohol braucht keine Sucht um schädlich zu sein. Alkohol ist ein Zellgift, hat selbst in geringen Dosen schädliche Auswirkungen auf unseren Körper: Sportmediziner sagen, 1 Bier nach dem Sport verdopple die Zeit, welche die Muskeln zur Regeneration brauchen.

      • Ganz ehrlich: Ich weiss nicht, ob Smartphones und andere Bildschirme unter 3 nun ein Problem sind oder nicht. Keine Ahnung, null. Deshalb höre ich in diesem Fall gerne auf ärztliche Empfehlungen.

        Es war aber auch kein Kampf, den Brecht bis 3 weitgehend von Bilschirmen und bis 2 von Zucker fernzuhalten. Das hat sich ziemlich einfach ergeben, sonst hätten wir es vielleicht auch nicht durchgezogen.

      • Jane Bissig sagt:

        @Anh Toàn: „was Sex & Drugs & Rock’nRoll für einen Twen ist, ist Zucker und Bildschirm für einen zweijährigen.“. Liebe ich.

        Wobei mein Kleines gar nicht soo auf Bildschirme abfährt. Brauche mich damit also nicht gross zu befassen. Aber Zucker definitiv. Der Rausch danach kann ekstatische Qualitäten zeigen. Das sind Momente, die ich ihm so wenig versagen kann und will wie später das Masturbieren. (Wobei ich zu letzterem natürlich eh nichts zu sagen habe.)

      • Martin Frey sagt:

        „Es war aber auch kein Kampf, den Brecht bis 3 weitgehend von Bilschirmen und bis 2 von Zucker fernzuhalten. Das hat sich ziemlich einfach ergeben, sonst hätten wir es vielleicht auch nicht durchgezogen.“
        Das ist beim Alkohol auch nicht wahnsinnig viel schwieriger, AT. Die Eltern haben es nämlich ganz einfach in der Hand. Es ist auch ihre Aufgabe.

      • Susi sagt:

        @M.T.: „Es war aber auch kein Kampf, den Brecht bis 3 weitgehend von Bilschirmen und bis 2 von Zucker fernzuhalten.“

        Wir haben das auch so gemacht, das Resultat war aber null nachhaltig; Süsses essen vor einem Bildschirm ist heute trotzdem eine der Lieblingsbeschäftigungen unserer Tochter…
        😉

      • Susi, ich mache mir da auch keine Illusionen.

  • Nicole sagt:

    Herr Tschannen, sie schreiben es oben in einem Kommentar richtig:
    „…Ein Hauptproblem der Wissenschaft ist, dass publizierte Studien ausserhalb der Fachmedien oft sehr verkürzt und entstellt wiedergegeben werden…“
    Dies ist auch bei der erwähnten BLIKK-Studie der Fall, die übrigens noch gar nicht veröffentlicht ist. Ich empfehle als zusätzliche Lektüre folgendes Blog, welches versucht, die Ursprungsstudie aufzuspüren, übrigens ohne Erfolg:
    http://www.junaimnetz.de/die-muetter-sind-schuld-und-die-smartphones-aber-am-meisten-die-muetter

    Das, was „die Medien“ verbreitet haben, hat weder Hand noch Fuss, genaueres kann man erst bei Veröffentlichung sagen.

    • Zimy sagt:

      Vielen Dank für den Link. Wirklich sehr interessant.

    • Jan Holler sagt:

      Ganz vielen Dank. Der Link ist entlarvend (und der Text darin übrigens gut geschrieben). Eine typische Medienente also.
      Aber wer fragt da schon gross nach? Unser Mamapapablogger ist jedenfalls direkt in den Honigtopf gefallen. Es geht hier leider, wie so oft, eigentlich nur darum, der Welt zu zeigen, wie richtig man alles macht und wie viel Wert man darauf legt, gut informiert und damit auf der Höhe der Zeit zu sein. Es strahlt das Vorbild.
      Dabei ist das alles gar nicht so schwer. Kinder verhalten sich gemäss ihren Vorbildern. Kinder, deren Eltern dauernd mit dem Smartphone spielen, wollen auch so ein Spielzeug. Kinder, deren Eltern viel draussen sind, sind auch draussen. Kinder, deren Eltern lesen, lesen auch. Aber darüber zu schreiben ist wohl langweilig.

      • Martin Frey sagt:

        Was genau ist denn an diesem Link so wahnsinnig entlarvend, Herr Holler?
        Oder anders gefragt, weshalb halten Sie (und andere), bei allen Schwächen und Vorbehalten die man einwenden kann, die vorab publizierten Schlüsse für so quer in der Landschaft liegend, um Sie derart nonchalant als Medienente vom Tisch zu wischen?

      • Lichtblau sagt:

        Kinder, deren Eltern lesen, lesen auch. Das galt für mich (ich habe schon früh die Bibliothek meiner Eltern rauf und runter gelesen). Das galt und gilt aber leider nicht für meine Tochter, die kürzlich die sorgsam für sie gehegten Klassiker der Jugendliteratur entsorgen wollte. Naja, sie hatte bereits die Wahl.

    • Dem will ich nicht widersprechen, Nicole. Dass hier offensichtlich Studienresultate kommuniziert werden, aber (zumindest noch) kein einsehbares Dokument veröffentlicht wurde, ist störend und fördert natürlich die verkürzte und entstellte Wiedergabe von Forschungsresultaten. So wie ich es verstehe handelt es sich bei „BLIKK Medien“ um ein längerfristiges Forschungsprojekt, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Ob mit der Medienmitteilung jetzt eine (erste) fertige Studie oder wie schon 2016 Zwischenerkenntnisse kommuniziert werden sollen, kommt nicht klar heraus.

    • Nicole, der Artikel in Ihrem Link ist allerdings auch mit Vorsicht zu geniessen, und mir trotz berechtigter Kritik etwas zu polemisch. So können die genannten Fallzahlen durchaus statisisch signifikante Resultate hervorbringen. Da kann der Mann der Autorin noch so sehr seine Augenbrauen hochziehen. Auch scheint es mir mehr darum zu gehen, dass die Medien voneinander abschreiben. Das hat mit der Studie hingegen wenig zu tun, denn die Medienmitteilung dazu lag von Anfang an vor.

      • Martin Frey sagt:

        Das haben Sie jetzt aber noch zurückhaltend formuliert, Herr Tschannen. 🙂
        Bin 100% bei Ihnen heute.

      • Das wärmt mein Herz. 🙂

      • Martin Frey sagt:

        😀

      • Nicole sagt:

        Ich habe bis jetzt keine Pressemitteilung von den Verfassern selbst gesehen, nur irgendwelche difusen „leaks“. Der von Ihnen verlinkte Artikel in Ärzteblatt ist der erste, den ich lese, der nicht extrem polemisch und plakativ nur mal grundsätzlich das smartphone und die Eltern verteufelt. Deshalb habe ich das Blog verlinkt. Ihre eigenen Gedanken zur Mediennutzung von Brecht finde ich übrigens differenziert und nachahmenswert. Entschuldigen Sie, wenn das anders rüber kam.

        (Dieser Kommentar wird Ihnen übrigens stillend und mit dem smartphone gesendet, man hole die Fackeln und Mistgabeln 🙂 )

      • Nicole sagt:

        Darauf will ich genau hinaus. Was wir in den Medien lesen, hat höchstwahrscheinlich wenig mit der Studie selbst zu tun (die ich nicht verurteilen kann, da ich sie nicht kenne).
        Und ja, der blogartikel ist polemisch, ist in einem blog oft der Fall, wie Sie wissen, von Zeitungen erwarte ich eine Überprüfung der Quellen.

      • Doch, doch, die Medienmitteilung ist von den Verfassern der Studie, bzw. den Auftraggebern (Drogenbeauftragte der Bundesregierung und BVKJ) herausgegeben. Die Quelle ist also weniger das Problem. Es gibt auch ein Factsheet über Methoden, Stichprobengrösse, etc. sowie eine Präsentation, die allerdings gerade „überarbeitet wird und deshalb nicht zur Verfügung steht“. Mir fehlt einfach der „Longread“, also ein Paper, das dem interessierten Leser mehr Tiefe bietet. Aber wirklich dubios ist die Geschichte nicht.

  • Jan Holler sagt:

    Ball flach halten: Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen *übermässigem* Medienkonsum und Einschlaf-, Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen (nicht quantifiziert).
    Die Uni Genf hat eine empirische Studie zum Einschlafen und Schlafen gemacht und kommt zum Schluss, dass Bildschirmnutzung nach 21.00 Uhr die nächtliche Schlafdauer und -qualität beeinträchtigt und den Einschlafzeitpunkt verschiebt.
    Tschannen soll sich mal beruhigen: Es wird mitnichten von Kindern eine hohe Medienkompetenz verlangt, sie sollen Medienkompetenz erlernen (s. Bildungsstrategie der Stadt Bern). Statt so undifferenziert mit dem Thema umzugehen, weil der Sprössling gerade mal 3 Jahre alt ist, sollte man besser auf sein Bauchgefühl hören. Aber toller Papa, nimmt die „Herausforderung“ an! Wow!

    • Und die Studie der Uni Genf widerspricht der BLIKK-Medienstudie, oder was genau wollen Sie uns sagen?

    • second step sagt:

      @ JH: Ohne die Genfer Studie zu kennen, aber Ihre Zusammenfassung derselben ist „just smashing“: wenn man spät abends fernseh schaut geht man später ins Bett und schläft weniger lang….cool. Wenn die Uni Genf das als Conclusion publizieren konnte dann gilt meine volle Bewunderung den Autoren, die es geschafft haben den Editor und die Reviewer damit zu überwinden. Ist ja auch eine Leistung die man zuerst liefern muss…….
      Kann es mir aber so simple fast nicht vorstellen (wobei gerade in der Medizin gibt es ja nichts, dass man nicht irgendwo noch unterbringt), daher wäre es noch interessant zu wissen was das für eine Untersuchung war. Kennen Sie die Autoren, Journal, Jahr etc?

  • 13 sagt:

    Gleich wie vor einiger Zeit beim Zuckerthema, ist auch hier meine persönliche Erfahrung die, dass man solche Dogmen beim ersten Kind gut durchziehen kann. Die jüngeren Geschwister ziehen im Normalfall automatisch mit. Und wenn man sich des Einflusses bewusst ist und es sich auch immer wieder vor Augen führt, dann gibt es keinen Grund, sich nicht auf die elterliche Intuition zu verlassen. Wenn das 2-jährige zwar die Youtube- und die Fotoapp erkennt, aber daneben auch Trampolin springen, Trottinett fahren, auf einem Bein stehen, den Purzelbaum schlagen kann, einen Kreis zeichnen und 20 verschiedene Tiere benennen kann*, merkt man doch recht schnell, dass das Verhältnis nicht so schlecht ist.

    *Die Aufzählung dient nur als Beispiel, nicht als Vorgabe, was ein 2jähriges können muss.

    • Sisifee sagt:

      Danke, 13! Und wie auch beim Zucker halte ich es für eine gute Strategie, nicht die Bildschirm-Präsenz zu verteufeln, sondern die Nicht-Bildschirm-Präsenz zu stärken. Seit wir die Regeln für unsere Mittelstufen-Kinder massgeblich gelockert haben, verzichtet eines unserer Kinder fast jeden zweiten Tag zugunsten des Fussball-Platzes auf die Bildschirmzeit. Wir sind sehr viel im Wald, die Kinder bewegen sich viel, gehen in die Pfadi und machen Sport, und wenn sie dann mal an einem Regensonntag zwei Stunden vor der PS4 verbringen statt 45 Minuten, geht die Welt auch nicht unter.

    • Sportpapi sagt:

      Purzelbaum und Salto sind auch bei uns die Voraussetzung für Bildschirmzeit… 🙂

      • 13 sagt:

        Haha! Aber einen Purzelbaum lernt man kaum vor dem Bildschirm. Wenn ein Kleinkind, und um die geht es doch hier, einen schafft, ist das meistens ein Zeichen, dass die Bewegung nicht zu kurz kommt.

      • Sportpapi sagt:

        Es ist ein Zeichen, dass es vermutlich eine Stunde pro Woche im MUKI/VAKI-Turnen verbringt. Und/oder fördernde Eltern hat.
        Aber wir haben unseren Kindern tatsächlich auch schon sportliche Aufgaben gestellt, die zu üben waren, und als Belohnung winkte Bildschirmzeit.

      • 13 sagt:

        Nein, in zumindest in unserem Fall weder noch. Bei den älteren Geschwistern oder anderen älteren Kindern abgeschaut und geübt, bis es klappte. Wir glauben eher an den angeborenen Ehrgeiz der Kinder als an Belohnungen, die keinen Zusammenhang zur Tätigkeit haben, oder „Förderungsmassnahmen“ bei 2jähigen 😉

      • Sisifee sagt:

        ;-)).
        Aber so abwegig ist es gar nicht. Seit zu viert oder zu sechst PS4 gespielt wird an den Wochenenden, heisst die Regelung bei uns: Doppelt so viel Zeit draussen verbringen wie vor der Kiste.

      • Sportpapi sagt:

        „Wir glauben eher an den angeborenen Ehrgeiz der Kinder als an Belohnungen, die keinen Zusammenhang zur Tätigkeit haben, oder „Förderungsmassnahmen“ bei 2jähigen “
        Hier wird ein negativer Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Bewegungszeit postuliert. Das haben wir aufgenommen…
        Und selbstverständlich bin ich für Förderung, egal ob durch die Eltern oder älteren Geschwister. Wobei ich glaube, dass ich da nur ehrlicher bin als andere. Denn niemand überlässt seine Kinder einfach sich selber. Und warum es richtig ist, dass ein Kind angeleitet wird, z.B. sich selber anzuziehen, aber falsch, eine Rolle zu machen, weiss ich nicht…

      • 13 sagt:

        @ SP
        Es gibt keinen Zusammenhang, meine Bemerkung war eher, dass die meisten Kinder, die Bildschirmzeit haben, nicht diese ausschliesslich haben, sondern sich daneben immer noch genügend bewegen.
        Der Unterschied zwischen Geschwister und Eltern ist derjenige, dass das Geschwister etwas macht, das Kleine denkt: „Wow, das will ich auch können“ und es dann probiert, die Eltern aber häufig kommen und sagen: „Komm, Du musst es so und so machen!“. Und natürlich überlässt man die Kinder nicht sich selber, man beaufsichtigt sie. Dazu muss ich sie aber nicht anleiten, ich erachte das freie Spiel als wichtiger als den Purzelbaum. Auch das Anziehen übe ich nicht aktiv mit einem 2jährigen. Bisher kam bei jedem das Interesse von sich aus und dann half ich etwas.

  • Michael sagt:

    Immer wieder herrlich zu lesen, wie so die gesammelte Elternschaft sich die neumodischen IT-Techniken wie Handy und Tablet schön redet, damit sie offensichtlich endlich mal Luft von ihrem Nachwuchs haben. Gib dem Junior oder der Juniorin ein Tablet mit möglichst bunten Bildern und es ist beschäftigt. Rede es Dir dann noch schön, das das Kind frühzeitig an die neue Welt herangeführt werden muss, hol Dir ein Bier aus dem Kühlschrank und lege Dich damit auf dem Sofa schlafen.
    Das ist sowas von einem elterlichen Armutszeugins. Steht zwar nirgends beschrieben, aber wenn man sich für Nachwuchs entschieden hat, dann muss man sich auch persönlich um sie kümmern, mit ihnen lesen, spielen, basteln – die Welt erklären. Und es nicht irgendenem Gadget überlassen.

    • Sisifee sagt:

      Michael: Ich werde da gerne konkret und ehrlich. Oh ja, ich habe den DVD zeitweise als Babysitter eingesetzt, und zwar immer dann, wenn ich – schon ziemlich auf den Felgen – Nachtessen zubereitet habe. In der Kleinkinder-Phase meiner beiden Jungs kam mein Mann jeweils spät nach Hause von der Arbeit und wir hatten die Wahl: a) Mami setzt die Kids 30-40 Minuten vor den Bildschirm, kocht in Ruhe und setzt sich entspannt an den Familientisch – oder b) „kümmert sich persönlich“ um zwei wilde Rabauzen, während sie – unfallfrei natürlich – einen warmen Znacht zubereitet und schliesslich fix und fertig, entnervt oder in Tränen aufgelöst die Mahlzeit viel zu spät serviert.
      Ich persönlich entschied, dass Variante a) meinen Kindern erheblich weniger schadet als Variante b).

      • Michael sagt:

        Das liebe Sisifee weckt bei mir die Frage, wie es unsere Eltern – speziell wohl dann auch die meinen gemacht haben. Mein Bruder und ich sind 1.5 Jahre auseinander, Vater arbeitete und Muttern hatte den Rest. Unsere Kleinkindphase hatten wir so um 1958 – also eine absolut fernsehfreie Zeit. Und trotzem haben wir diese Zeit vollkommen unfallfrei überlebt. Und ich bin mir sicher, wir hatten immer etwas warmes Znacht, ohne das meine Mutter entnervt oder gar in Tränen aufgeweicht war.
        Auch hier empfinde ich die DVD Lösung als Eingeständnis, das Dir Dein Wohl mehr am Herzen liegt.

      • Sisifee sagt:

        Lieber Michael, dann war wohl Ihre Mutter sehr viel begabter und stressresistenter als meine. Und als ich selbst. Mich würde es aber interessieren, wie Sie selbst es denn handhaben in Sachen Medienkonsum? Die Zeit ist ja nicht stehen geblieben seit den 50ern.

        Da nun aber meine Kinder mit den Eltern leben müssen, die sie auf die Welt gebracht haben, bin ich tatsächlich der Ansicht, dass auch mal eine Entscheidung zu Gunsten meines Wohls gefällt werden darf und dass dies durchaus im Interesse aller ist. Und auch wenn die Kinder vor dem Abendessen etwas „Maulwurf“ schauten, gab es doch immer genug des Tages, um zum Lesen, Spielen, Basteln, Herumtollen.

  • Reto Eggimann sagt:

    Zur Frage, wie Eltern ihre Kinder Schritt für Schritt Richtung Medienkompetenz begleiten können, empfehle ich «Fit und fair im Netz» von Felix Rauh. Gut lesbar und mit konkreten Tipps.

    • Lace sagt:

      @Michael. Was waren das für Zeiten!Den ganzen Tag draussen,unbeaufsichtigt!Mutti hatte zwar viel zu tun,aber die Kinderlein den ganzen Tag draussen,also doch ungestört..So war die Kindheit meines Vaters!7 Kinder,Papa immer am arbeiten und Mutti den ganzen Tag mit Hausarbeit,Kochen usw.beschäftigt.Die Kinder waren den ganzen Tag draussen,ab und zu wurde der 2 jährige im Wald vergessen,nicht so schlimm…Hätten meine Grosselten Heute gelebt,die Kids wären den ganzen Tag am Handy.

  • Martin sagt:

    Für die ganz jungen Kinder gibt es genügend andere Gebiete wo sie sich austoben können. Ich verstehe den Mehrwert nicht, was ein Handy/Tablet bringt.

  • Mirjam sagt:

    Lieber Herr Tschannen, Sie sprechen mir aus dem Herzen! Während meines Studiums habe ich mich intensiv mit Neuropsychologie beschäftigt und gelernt, wie stark das Gehirn strukturell und funktionell durch Bildschirmkonsum negativ verändert werden kann (Plastizität) – v.a. in den ersten Lebensjahren! Ich empfehle allen Eltern die Bücher von Manfred Spitzer, der auch für Laien einigermassen verständlich und fundiert über die Gefahren des Bildschirmkonsums schreibt, ohne dabei zu polemisieren.
    Ich selbst habe drei Kinder im Altern von zwei bis elf Jahren, die ohne Fernseher, aber mit Tablet und Computer aufwachsen, und Schritt für Schritt in einen verantwortungsbewussten und zurückhaltenden Konsum eingeführt werden. Es gibt in der Schule oder mit „Gspänli“ überhaupt keine Probleme.

    • 13 sagt:

      @ Mirjam
      Na ja, dass Manfred Spritzer ein kluger Mann ist, würde ich nicht bestreiten, aber dass er nicht polemisiert, stimmt so nicht. Im Gegenteil finde ich seine Theorien der „katastrophalen Folgen“ und dass wir alle „dumm“ werden, nicht gerade hilfreich für einen verantwortungsvollsten Umgang mit technischen Geräten.

  • Sisifee sagt:

    Grundsätzlich ist es sicher von Vorzeil, als Eltern dem digitalen Wandel möglichst angstfrei zu begegnen. Stellen wir uns doch einfach vor, was man zu Zeiten hätte befürchten können, als der Buchdruck erfunden worden ist: Kinder, die lesen, bewegen sich zu wenig und werden negativ beeinflusst (Werther!). Das Geschichtenerzählen von Mund zu Ohr trat zurück zu Gunsten der einsamen Lesestunden. Wir haben es gut überlebt (ausser die Werther-Nachahmer).
    Wir lange mit begrenzten Zeiten gut klar gekommen, ab der Mittelstufe braucht man einen anderen Umgang, weil auch noch Internet und soziale Medien ein Thema werden. Ich versuche, die Kinder möglichst nahe zu begleiten, Medienkompetenz schein wir wichtiger als Limitierung.

    • Sisifee sagt:

      Zum anderen ist es auch wichtig, was am Bildschirm konsumiert wird. Das ist ein Punkt, der mir in vielen Studien fehlt. Unsere zwei jüngeren Kinder haben sicher vor 3 Jahren Zeit vor dem Bildschirm verbracht – wenn, dann allerdings mit Barbapapa und dem kleinen Maulwurf. TV (Kika) gab es bei uns erst ab dem Kindergarten-Alter.
      Auch bei den Games ist es ein grosser Unterschied, ob es ums möglichst rasche Reagieren oder um strategisches Denken geht.

      • Martin sagt:

        KiKa und SuperRTL werde ich sperren, 100%. Da ist die Verteilung gefühlte 70% Werbung und 30% Spongebob.

      • Zimy sagt:

        Das ist auch meine Meinung, Sisifee. Ich kann mir vorstellen, dass es problematisch ist, wenn das Kind das Smartphone bekommt, um es sich vom Hals zu halten, aber wenn man daraus gemeinsame Medienzeit macht, ist es vielleicht gar nicht so schlimm? Hier muss noch weiter geforscht werden. Unser Kind darf täglich unter Aufsicht 30 min das Tablet nutzen. Am liebsten sieht es sich auf Youtube Videos mit Kinderliedern an, die es dann auch offline gerne singt. Auch mag es Kochvideos, und auf seinen Wunsch haben wir schon gemeinsam Gerichte nachgekocht. Das sind doch durchaus positive Impulse. Allerdings sehen wir auch ganz klar das Suchtpotenzial, ergo die Notwendigkeit des Zeitlimits und auch der Aufsicht, weil der Weg zu zweifelhaften Inhalten bei Youtube kurz ist.

      • Ich habe heute mit dem Brecht zwei Folgen Piggeldy und Frederick geschaut. Das ist so spannend, es käme mir gar nicht in den Sinn, ihn das alleine schauen zu lassen.

  • Nick sagt:

    Man sollte erst mal schauen, wer die Studie durchgeführt und wer sie finanziert hat. Welche Interessen und Ideologien stecken möglicherweise dahinter? Was soll erreicht, was verhindert werden? Und man sollte mal in die Vergangenheit schauen. Vor was wurde nicht schon gewarnt: „Kugelschreiber verderben die Handschrift“, „Vom Fernsehen bekommst du viereckige Augen“, „Krimis und Western machen gewalttätig“, „Enge Jeans machen Jungs unfruchtbar“, usw. usw. Alles Blödsinn, wie wir heute wissen. So lange keine klare Kausalität zwischen Tätigkeit (hier: Bildschirmnutzung von Kindern) und Resultat (Entwicklung der Kinder) festgestellt werden kann, sollte sich niemand von solchen Studien beeindrucken oder gar verrückt machen lassen.

    • Absolut einverstanden. Insbesondere die Studienherkunft kritisch zu hinterfragen, sollte für einen aufgeklärten Menschen selbstverständlich sein. Allerdings sollte das m.E. nicht in einen generellen Beissreflex gegenüber der Wissenschaft ausarten.

      Ihre Beispiele finde ich allerdings etwas plakativ: Das mit den viereckigen Augen dürfte kaum einer Studie entsprungen sein. Und natürlich gibt es überholte Erkenntnisse, aber blenden Sie nicht aus, wie sehr uns die Forschung weitergebracht hat.

      Ein Hauptproblem der Wissenschaft ist, dass publizierte Studien ausserhalb der Fachmedien oft sehr verkürzt und entstellt wiedergegeben werden. Das wird aus einer differenzierten Erkenntnis schnell einmal „Erdbeeren sind ungesund“.

      • Martin Frey sagt:

        „Ein Hauptproblem der Wissenschaft ist, dass publizierte Studien ausserhalb der Fachmedien oft sehr verkürzt und entstellt wiedergegeben werden. Das wird aus einer differenzierten Erkenntnis schnell einmal „Erdbeeren sind ungesund“.

        Auf den Punkt gebracht, Herr Tschannen.

      • Jan Holler sagt:

        Hätten Sie es doch auch hier gemacht, kritisch zu hinterfragen, siehe Beitrag von Nicole ganz oben. Nick zu raten, er solle nicht … ausblenden, ist darum paternalistisch. Und der letzte Abschnitt Ihrer Antwort ist angesichts der Recherche, auf die Nicoles Link verweist, der Blumentopf, der Ihnen auf den grossen Zeh fällt.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Nick

      ach ja, die Vergangenheit…,
      dumm nur dass da manches wäre vor dem nicht zu früh gewarnt werden hätte sollen, sogar ohne auf „Studien zwecks wasserdichtem Nachweis“ zu warten.

      Mit den Folgen von jahrzehntelangem nachlässigem Umgang auf verschiedensten Gebieten können wir uns nun dafür herumschlagen, bspw Deponien welche unter grösstem Aufwand saniert werden müssen usw etc.

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Aber es ist eben auch ein Thema, bei dem die elterliche Intuition zu kurz greift. Woher soll ich denn wissen, was der Handybildschirm mit meinem Kind anstellt?“

    Wunderbare Formulierung, manchmal fehlt es ein bisschen an Einsicht, dass uns Elternschaft nicht automatisch zu Universalgelehrten gemacht hat 😉

    Finde Ihren Weg sehr begrüssenswert, und über diesen „Druck“ welchen externen Vorgaben unsre Kinder dann alles möglichst schnell&effizient genügen sollten: nicht zu viele Gedanken/Sorgen machen!
    Der Druck ist unbestritten da, jedoch bin ich nach wie der Überzeugung dass auf die lange Sicht gesehen, Kinder mit organisch gewachsener Entwicklung/Verwurzelung die besseren Chancen haben werden.

    • Stefan sagt:

      Dossiers ist der Trick
      Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit kein Bildschirm bis 3 Jahren und jetzt ist unser Sohn 4.5J. und darf am Weekend jeweils 30 Minuten iPad mit Apps oder YouTube Video (Pixi & Co.) Als Ergänzung wir verzichten auf Fernseher. Ab Sommer kommt er in den Kindergarten dann gibt es eine neue Regelung. Es ist wie mit Schokolade, Chips oder Alkohol. Die Menge sollten die Eltern am Alter abpassen. Ab 16 Jahren müssen sie es selber entscheiden und die eigenen Erfahrungen machen. Doch klar, ohne Medien wäre es einfacher doch wir leben halt im 2017.

  • Martin Frey sagt:

    Völlig einverstanden Herr Tschannen, wir halten das genau gleich, wie offenbar auch ein Grossteil der IT Bosse die ebenfalls in den Angelegenheiten zu den low tech Eltern zu zählen sind. Wir haben übrigens mit drei Jahren erstmals mit einer halben Stunde Kika pro Tag begonnen, und sicher nicht mit YouTube. Über den Bildschirm zu wischen ist da kein Wissensvorsprung, das hat Ihr Kind innert 5′ aufgeholt.
    Und ob später gemäss LP 21 Programmierunterricht in der Oberstufe sinnvoll sein soll, bezweifle ich stark. Denn wer von uns hat jemals in seinem Leben programmieren müssen, abgesehen von IT-Fachleuten, wäre da die rhetorische Frage? Bis Kinder selber tatsächlich einen solchen Beruf ausüben würden, wäre zudem all das Programmierwissen garantiert hoffnungslos veraltet.

    • Programmieren für Kinder finde ich interessant. Ich glaube, es geht dabei nicht einmal in erster Linie um IT-Berufe sondern um ein grundsätzliches Verständnis von Technologie, die ja im Leben eine immer wichtige Rolle spielt: Es geht um „weg vom Anwenden, hin zum Verstehen“. Ersteres ist eine reine Konsumentensicht, die wir in den anderen Schulfächern auch nicht einnehmen. Sonst würden wir im Chemieunterricht nur lernen, wie man Waschmittel dosiert.

      • Martin Frey sagt:

        Das sehe ich etwas anders, Herr Tschannen. Die Bedeutung von Mathematik beispielsweise kann man m. E. nicht hoch genug einschätzen, auch in 100 Jahren wird sie als Denk- und Lebensschule ihren Platz haben. Obwohl ich selber das Fach gehasst habe ;-).
        Programmieren hingegen ist in meinen Augen etwas für Fachleute und nicht für Anwender. Ich mag mich gut an meine Informatik am Gymi erinnern, ein sympathischer, immer ziemlich versifft wirkender IT-Freak der uns irgendwelche Programmiersprachen beizubringen versuchte. Nichts von alledem, was wir damals gelernt hatten, ist heute noch von Bedeutung, und zwar nicht zuletzt darum, weil die Entwicklung so schnell ist.
        Insofern hinken auch die Vergleiche mit anderen naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern.

      • Brunhild Steiner sagt:

        also konsequenterweise müsste man dann ja ein bisschen was übers Innenleben/Funktionsweise so einer Waschmaschine (und nicht bloss deren Softwaregestaltung) lernen. 😉

      • Sisifee sagt:

        Ich glaube, es kommt stark darauf an, was man programmieren lernt. Ich hatte in den 80ern Unterricht in Basic und Pascal, ich habe es nie gebraucht und weiss nichts mehr, habe allerdings einen leisen Eindruck, was hinter dem Bildschirm steckt, damit alles funktioniert – und das ist doch schon mal etwas.
        Wenn die Kinder mit dem LP21 zum Beispiel lernen, ein Game selbst zu entwickeln, lernen sie auch sehr viel über die grundlegenden (Sucht)-Mechanismen eines Games, was ja zu begrüssen wäre. Wenn sie dann auch noch lernen, das selbst entwickelte Game zu vermarkten, sind sie punkto digitaler Alltagstauglichkeit schon recht viel weiter. Aber vermutlich sind das Zukunftswünsche.

    • Martin sagt:

      darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Ich erachte es als keine erwähnenswerte Leistung ein Tablet/Smartphone zu bedienen. Wenn dann in der Schule alle Kinder damit herumlaufen und Gruppendruck kommt, werden wir vermutlich mitgehen. Aber dann richtig, ich würde es sofort mit Programmieren verbinden, bsp mit Microcontroller.
      Wichtiger als mit dem Handy zu spielen ist der Chinesischunterricht (Mandarin).

    • Zimy sagt:

      Sicherlich wird die Programmiersprache veraltet sein, aber die grundlegenden Prinzipien der Programmierung glaube ich nicht. Um ernsthaft zu programmieren, braucht es ein gewisses mathematisches Verständnis, weshalb es sinnvoll ist, dies erst später zu unterrichten. Aber ich glaube, auch kleinere Kinder können schon lernen, dass man auf eine bestimmte Art und Weise mit dem Computer kommunizieren muss, damit er tut was man will. Ich selbst durfte als Kind auch schon am PC spielen (2 Floppy-Laufwerke und 640 KB RAM, hach!), aber die Spiele zu öffnen war komplizierter als tap und wisch. Mit 7 konnte ich schon den PC selbst aufbauen (welches Kabel wozu wohin?), starten und die Spiele unter MS-DOS aufrufen (B:\>dir, dann [spiel].exe). Hat imho nachhaltig was fürs Technikverständnis gebracht.

    • Sonic sagt:

      Das tolle am Programmieren ist, dass man dabei sauber und logisch denken lernt. Das brauchen nicht nur IT-Spezialisten. Ich kann ‚Scratch‘, eine für Kinder entwickelte Programmiersprache, wärmstens empfehlen. Für Kinder sobald sie lesen können. Damit kann man einfache und komplexere Spiele (oder auch anderes) selber programmieren. Innovativ und kreativ.

    • Sonic sagt:

      Programmiersprachen veralten nicht alle. ZB C wurde in den 70er Jahren erfunden und ist immer noch die Grundlage für ganz viele moderne Programmiersprachen. Microcontrollerr wie Arduino laufen mit C++.
      Das coole am Pogrammieren finde ich auch, dass man damit etwas zum Laufen bringt. Die Kinder haben das Gefühl, wow, das läuft und ich habe den Computer dazu gebracht das zu tun, was ich will. Ich finde das äusserst kreativ.

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