Hübsch verpackte Suizide

Nach dem Suizid von Hannah Baker (r.) kommt ein Mitschüler in den Besitz von Kassetten, die die Gründe für ihren tragischen Entschluss enthüllen: Darum gehts in «13 Reasons Why». Screenshot: Netflix

Es gibt Momente, da muss man sich als Elternteil schon sehr darum bemühen, dass einem die Kinnlade nicht bis zu den Knien fällt oder gleich das ganze Gesicht aus dem Kopf. Wenn einen die knapp zwölfjährige Tochter in bemüht beiläufigem Ton fragt, ob sie eigentlich «Tote Mädchen lügen nicht» (Originaltitel: «13 Reasons Why») auf Netflix gucken dürfe, ist das ein solcher Moment. Einfach, weil man mit der Frage überhaupt nicht gerechnet hat und sie auch am liebsten nicht beantworten will. Aber es hilft ja nichts.

Auch der alte Trick, ins Leere zu starren und sich möglichst nicht zu bewegen, bis das Kind entnervt und verwirrt weggeht, funktioniert leider gar nicht. «Schreibst du schon wieder Sachen in deinem Kopf auf, Papa? Hallo!?! Ich hab dich was gefragt!»

Schon in Buchform schwer auszuhalten

«Tote Mädchen lügen nicht» also. Na ganz toll. Eine auf einer Romanvorlage basierende Serie, bei der es um ein Mädchen geht, dass Suizid begangen und den Leuten, die es dafür verantwortlich macht, Aufzeichnungen über seine Motive hinterlassen hat. Das war schon vor zehn Jahren in Buchform schwer auszuhalten, aber dabei doch so genau beobachtet und klug formuliert, dass der Roman von Jay Asher aus dem Nichts ein internationaler Bestseller wurde.

Damals war die Kritik an dem Werk und seiner Umsetzung nicht annähernd so harsch wie heute. Das liegt an der Macht der Bilder. Und an dem sogenannten Werther-Effekt. Meine Tochter möchte nämlich eine Serie schauen, vor der die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention warnt.

Die visuelle Umsetzung ist verstörend

Eine Serie, vor der einige Schulen in Kanada bereits die Eltern gewarnt haben und die sich Minderjährige in Neuseeland nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten anschauen dürfen. Denn was dort gezeigt wird, ist bitterernst und geht tief unter die Haut: Isolation, Mobbing, sexualisierte Gewalt, Gleichgültigkeit, Verrat und Ängste. Die visuelle Umsetzung der Vorlage ist ausgesprochen detailreich und verstörend. Unter Heranwachsenden ist die Serie ein Hit.

Deshalb befürchten Fachleute auch eine Art Werther-Effekt 4.0 für die Generation Smartphone. Der Zusammenhang zwischen allzu realistischer, im schlimmsten Fall noch romantisierter medialer Darstellung von Suiziden und Nachahmungstaten wird seit vielen Jahren erforscht und gilt als gründlich belegt.

Das ist aber kaum der Grund, warum die Serie so einen Hype ausgelöst hat. «Die wird von Selena Gomez produziert», sagt meine Tochter und hat dabei keine Ahnung, was eine Produzentin ist. Egal: Irgendwas mit Selena Gomez eben. Darüber hinaus werden gerade die Themen angesprochen, von denen Jugendliche ganz unmittelbar betroffen sind und die die meisten von ihnen auf die eine oder andere Weise schon beschäftigt haben.

Suizid soll kein Tabuthema mehr sein

Deswegen verwahren sich die Verantwortlichen der Serie auch gegen die Kritik und verweisen darauf, für wie wichtig sie es halten, über das tabuisierte Thema Suizid zu reden, und Umstände, die dazu führen können, klar zu benennen. Eine der Darstellerinnen geht sogar so weit, zu fordern, dass «Tote Mädchen lügen nicht» an Schulen verpflichtend gezeigt werden sollte, weil sich die Jugendlichen anschliessend nicht mehr irgendwelchen Illusionen darüber hingeben könnten, wie mysteriös und geheimnisvoll die Tat sei und wie friedlich der eigentliche Akt.

Da ist was dran. In diesem Sinne müsste die Textzeile «An dem Tag als Kurt Cobain starb, lagst du in meinen Armen» aus dem Song «Schönste Zeit» von Bosse eigentlich «An dem Tag, an dem sich Kurt Cobain eine Überdosis Heroin spritzte, um sich dann mit einer Flinte in den Kopf zu schiessen, lagst du in meinen Armen» lauten. Klingt aber nicht mehr ganz so chic.

Froh, dass sie überhaupt fragt

Was mach ich also. «Ey, darf ich jetzt oder nicht?» Ich entscheide mich für unsere übliche Medienreihenfolge: Buch. Hörbuch, Film. In der Hoffnung, dass sie so nicht von einem Augenblick auf den nächsten in diese gewaltige und gewalttätige Bildsprache geworfen wird, sondern sich dieser in ihrem Tempo annähern kann. Und in der Überzeugung, dass es mir niemals gelingen würde, sie davon gänzlich fernzuhalten.

Wie gesagt: Generation Smartphone. Wenn es nicht ihres ist, dann das von anderen. So gesehen, bin ich schon froh, dass sie mich überhaupt gefragt hat. Also heisst es, Gesicht aufheben, Kinn hochklappen und bei Gelegenheit ein Buch kaufen. Über Suizid.

96 Kommentare zu «Hübsch verpackte Suizide»

    • mila sagt:

      Danke!

    • tina sagt:

      ja, sehr, danke susi! ich weiss nun gar nicht recht was ich denken soll. das widerspricht ja doch recht den erwartungen, nicht?
      ich hatte aber schon auch den gedanken, dass es vielleicht nicht nur ein zeichen von mangelnder beziehung ist, wenn man als eltern von jugendlichen nicht in all ihre sorgen miteinbezogen wird, sondern dass das einfach so ist, weil sie sich ablösen von den eltern. meine söhne sagten mir auch nicht selten, sie seien imfall nicht so blöd 😉 wenn es um dinge ging, wie gewaltszenen in filmen. darum machte ich mir schon gedanken, ob das wirklich so ist, mit dem nachahmeffekt. aber die meinung von 2 kanti schülern ist natürlich einfach deren ansicht und vielleicht nicht repräsentativ. trotzdem sehr interessant

    • Susi sagt:

      @mila & tina: Gerne! Ja, die beiden sind einerseits sicher nicht repräsentativ (und nicht labil/suizidal), andererseits fand ich es spannend, diese Meinungen zu hören. Mich hat beeindruckt, wieviele Schüler_innen die Serie offenbar geschaut haben, in der einen Klasse sind das ja fast alle.
      Auf jeden Fall gehen diese beiden Stimmen in die Richtung von Milas Argumentationslinie, und das ist sicherlich beruhigend!

      @tina: Ich habe als Teenie meiner Mutter noch recht viel erzählt, aber ev. ist das bei Mädchen etwas anders?

  • Klärli Benz sagt:

    Bedenklich finde ich persönlich, diese sehr amerikanische Darstellung von Mädchen, die finden, dass es das schlimmste überhaupt ist, von Mitschülern als Schlampe dargestellt zu werden. (Was im Endeffekt heisst, wer wirklich wechselnde Sexualkontakte hat, ist auch eine Schlampe und hat die Diffamierung verdient.) Da wünschte ich mir mehr weibliche Charaktere, die ihrem Umfeld selbstbewusst gegenübertreten. Die sich wehren und anderen Opfern helfen. Leider ist die Hauptdarstellerin dieser Serie das fleischgewordene Klischee einer amerikanischen HighSchoolSchülerin, welche sich selber immer nur in der Opferrolle sieht, sich darüber stört, dass sich niemand für sie einsetzt, selber setzt sie sich aber weder für sich noch für andere ein.

    • tina sagt:

      da hast du zum teil recht. aber schlampe genannt zu werden bedeutet halt auch, in der schule, wo man täglich hin muss, verächtlich behandelt zu werden. wer möchte schon zielscheibe sein. egal wie man die bedeutung des wortes genau definiert

  • Cesna sagt:

    Böse: Wer keine Zeit für seine Kinder hat, möge sie ins Internat schicken!
    Andernfalls Hinsetzen und zusammen gucken. Danach ist auch Reden darüber angesagt, und zwar mehrmals.
    Das ist die einzige Möglichkeit, endlich das Tabu Suizid zu durchbrechen und damit auch die eigenen Kinder davor zu schützen.

  • Heinz sagt:

    Ich bin sehr überrascht, wie kontrovers diese 13-teilige Serie behandelt wird. Mit dem Start des ersten Tapes war ich noch sehr vorsichtig. Wusste nicht so richtig, was ich davon halten soll. Doch irgendwie hat mich die Geschichte in einen eigenartigen Bann gezogen. Zum einen bestand da eine sichere Distanz und im gleichen Augenblick befand man sich direkt in der Geschichte. Ich finde, das Thema sollte genau so angesprochen werden. Es soll aufgezeigt werden, welche Konsequenzen Handlungen haben können und seien es auch nur kleine und unscheinbare Dinge. In den Köpfen und Herzen von Jugendlichen kann ein kleiner Hauch einen Wirbelsturm auslösen. Aus meiner Sicht will dies die Serie aufzeigen.

  • Tobi sagt:

    Finde die Serie sehr empfehlenswert. Es geht ja nicht primär um Suizid, sondern um Mobbing und die Folgen davon. Die Serie zeigt auch Täter – Jugendliche die bewusst oder unbewusst Mobbing betreiben. Eltern müssen sich auch damit auseinandersetzen, dass ihre Kinder potenzielle Mobbing-Täter sind. Vielleicht trägt die Serie damit dazu bei, dass Aussenseiter in Schulen besser integriert werden und Warnsignale erkannt werden.

  • Martin sagt:

    Wie wär’s mit „Nein“? Auf dem Internet den Kinderfilter rein, aber dann so Serien schauen? Beim Surfen auf dem Internet habe ich per Zufall ziemlich grässliche Seiten entdeckt, wo Fotos von echten Verbrechen bzw. Suiziden, Unfällen usw. gezeigt werden. Ich kann das heute noch nicht so richtig anschauen, also weshalb soll eine 12-jährige so etwas sehen? Da würde ich sie noch vorher Pornos schauen lassen, aber die sind dann ab 18 Jahren…

    • Renate Stiefel sagt:

      Hahaha! Pornos sind ab 18 Jahren, und für die deftigen Vorschau-Müsterli muss das Kind nur in der Lage sein, die Frage „Ich bin älter als 18 Jahre ja/nein“ korrekt zu beantworten. Weswegen rund 60% der 12-Jährigen schon harte Pornografie konsumiert hat.

      • Martin sagt:

        @Renate: Wenn man den Internetfilter einschaltet, sollten keine solchen Bilder oder Filme angezeigt werden. Wenn Kinder mit 12 schon ein Smartphone haben, sollten sich die Eltern überlegen, ob sie wirklich gute Eltern sind. Aber Pornos finde ich nicht so schlimm. Schliesslich geht es da um was schönes. Suizide hingegen finde ich eher grenzwertig. Mit 17 hätte/ habe ich wohl eher jemanden verdroschen, als mich umzubringen.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Die Serie ist ab 14, besagte Tochter noch nicht einmal 12. Noch Fragen?

    • Christoph sagt:

      Die Altersempfehlung ist eine unverbindliche Richtlinie und entbindet die Eltern nicht von der Pflicht, sich darüber Gedanken zu machen. Es kann gut sein, dass die 12jährige Tochter die Serie gut verträgt, der 17 Jahre alte Sohn aber überhaupt nicht. Jeder Mensch ist anders und gerade Kinder sind in der Entwicklung sehr unterschiedlich.

  • tststs sagt:

    Vorab: auch ich habe noch nicht die ganze Serie gesehen.
    Wenn man etwas daran kritisieren will, dann IMHO die folgenden zwei Punkte:
    1) Manche Bilder sind echt zu heavy für 12jährige (und bitteeee, das Argument „dann schaut sie es halt wo anders“ ist so was von fadenscheinig… dann könnte man gleich mit Ver- und Geboten aufhören)
    2) Ich nenne es mal „narrativer Fehler der Verharmlosung zur Folge hat“. Der Vorwurf zur Verführung (wie er auch zB beim Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gemacht wurde) sehe ich nicht durch die Darstellung o.ä. bestätigt, sondern in der narrativen Abfolge: Der Suizid liegt am Anfang der Geschichte. Trotz des Todes kann die Heldin weiterhin ihre Geschichte erzählen.

    • tststs sagt:

      Was als geniale Erzähltechnik gedacht war, erweckt jetzt u.U. halt den Eindruck, dass Suizid eben halt nicht so schlimm ist, das Leben geht ja doch weiter…
      Ich glaube, es würde auf Jugendliche – unterbewusst – mehr Eindruck machen, wenn der Suizid auch wirklich das Ende wäre!

  • Meret Leenders sagt:

    2/2
    „Das liege an dem pseudo-gschpürsch-mi, das Eltern und vor allem Lehrer an den Tag legen würden, wie wenn sie in der Bedienungsanleitung gelesen hätten, dass man mit den Kindern „reden“ muss. Wenn Eltern selbst so grosse Probleme haben, will man sie nicht noch mit dem eigenen Kram belasten (wie im Fall von Hannas Eltern). Hanna wurde auch alleingelassen in ihrer Traurigkeit, z.B. als sie das Geld verlor. Der Vater von Clay ist zwar da, aber es kratzt ihn nicht wirklich, was bei seinem Sohn abgeht, die Mutter wiederholt ständig, dass er alles erzählen müsse. Fakt ist aber, dass man nicht erst mit Reden anfangen kann, wenn etwas passiert ist, man muss sich als Kind gewohnt sein, dass in der Familie geredet wird, aber eben richtig.“ (Meinung meiner 16jährigen)

    • Reincarnation of XY sagt:

      das ist der Punkt
      Wir kommunizieren in erster Linie über unsere Taten. Wenn Offenheit nicht von klein auf gelebt wird, müssen wir uns nicht wundern, wenn unsere Kinder uns gegenüber nicht offen sind. Da nützten dann „uns kannst du alles sagen“-Sätze wenig.

      Deswegen habe ich mich auch immer dagegen gewehrt, wenn Eltern ihre Beziehung auf Lügen aufbauen (indem sie sich z.B. hintergehen). Eine Lüge wirkt immer, selbst wenn sie nie ans Licht kommt. In so einer Atmosphäre kann nicht echtes Vertrauen wachsen.
      Auch wenn Eltern vor den Kindern heile Welt spielen, ist das eben kontraproduktiv.
      Dieses Verständnis ist bei vielen Erwachsenen nicht vorhanden. Oftmals weil man sich gerne selbst belügt.

      • tina sagt:

        xy, ja, obwohl ich finde, eigentlich hast du recht, finde ich es etwas am richtigen leben vorbei, zu erwarten, dass man immer alles offenlegt. kannst du dir nicht vorstellen, dass es gute gründe gibt, kinder nicht miteinzubeziehen in gewissen unschönen erwachsenenkram? der richtige zeitpunkt um die dinge offenzulegen, wann ist der dann?

      • Muttis Liebling sagt:

        Nun wäre nur die Frage, was eine Lüge ist?

    • mila sagt:

      @Meret: Diese Mutter, die immer ‚reden‘ will, keine Geheimnisse duldet, auf offenen Türen im Teenagerzimmer besteht… nachgerade ein abschreckendes Beispiel. Überhaupt verfügen diese Eltern, und allgemeiner: Erwachsenen, über keine gemeinsame ‚Sprache‘ mit ihren/den Kindern. Sie haben keinen blassen Schimmer (von nichts). Bedenkenswert.

      • tina sagt:

        mila, ich unterhalte mich ja nicht so selten mit meinen söhnen, wir haben es gut, aber ich höre mir auch an, ich habe keinen blassen schimmer von nix :). ich glaube, es ist halt wirklich so. mein bester freund sagte mir kürzlich, ich sei halt mutter und mütter nerven hauptsächlich ;-). also nicht ihn, sondern er meinte, dass meine söhne das so sehen würden. ich war etwas betüpft, aber hey, machen wir uns nichts vor, oder? 🙂

      • tina sagt:

        genau. geheimnisse müssen doch erlaubt sein. manchmal tu ich extra so, als ob ich gewisse dinge gar nicht mitgekriegt hätte und halte das um ehrlich zu sein für wichtig, dass man nicht alles wissen muss als mutter. aber ich muss mich auch regelmässig an der nase nehmen und mich selber daran erinnern, dass mein bild meiner söhne das mütterliche ist, was sich mit der realität nicht 100% deckt

  • Meret Leenders sagt:

    1/2 Die Serie verbieten bringt nichts. Oder hätten wir uns in dem Alter an das Verbot gehalten, bei den vielen Möglichkeiten, die Serie zu gucken? Ich jedenfalls nicht….
    Gemäss meiner 16jährigen Tochter ist die Serie absolut authenthisch. Auch wenn es nicht jedesmal im Suizid endet: genau so erleben viele Jugendliche Mobbing, tagtäglich und oft über lange Zeit, und weder Lehrer noch Eltern schneiden irgendwas mit. Ich war schockiert, dass in der Serie nicht eine einzige Person sich einem Erwachsenen mitgeteilt hat, nicht mal diejenigen, die „bloss“ Zeugen waren – alle haben geschwiegen. Haben die jungen Leute wirklich so wenig Vertrauen in die Erwachsenen? Was bräuchten sie denn, was können wir Erwachsenen tun, damit Mobbing nicht so viel Macht hat? Die Antwort meiner Tochter:

  • Sönne sagt:

    Letztlich verlässt mich das Gefühl nicht, dass viele Erwachsene, die sich so unglaublich über den schlechten Einfluss dieser Serie sorgen, sie selber nicht geschaut haben. Ich habe sie mir angeschaut. Sie hat mich berührt. Wieso so eine Angst um die Teenager? Mir hat die Serie eher den Spiegel als Muttrr vorgehalten und mich nachdenklich gemacht darüber, wie wenig wir Eltern wahrscheinlich von unseren Teenagern wissen. Und wie vorbehaltlos wir zu glauben scheinen, dass unsere eigenen Kinder nie die Bösen sind und Gemeines tun.
    Ich habe die Serie meinen Kindern (15 und 19 Jahre) empfohlen.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Kenne weder Buch, noch Serie, aber die Diskussion ist nicht neu. Es geht um die Darstellung menschlicher Abgründe und die Frage, ob ein solches Darstellen sinnvoll, konstruktiv oder destruktiv ist. Diese Frage kann man nie abschliessend und eindeutig beantworten. Denn es ist stets beides sowohl möglich, wie auch real. Es kann schaden und schadet. Es kann helfen und hilft. Was dem einen hilft, schadet dem anderen. Eine Kriegsdarstellung wirkt auf den einen abschreckend, auf den anderen anziehend. Selbst auf die Frage: ob eine Darstellung gewaltverherrlichend sei oder nicht viel mehr das Gegenteil, gibt es diametrale Wahrnehmungen.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Definitiv falsch ist die Zensur. Gesellschaften die unter einer Zensur leben, sind/waren nicht friedlicher, nicht weniger gewalttätig oder abgründig, ganz im Gegenteil. Sicher ist: Kunst/Darstellung ist nicht die Ursache von Gewalt oder Suizid.
      Es ist also richtig, wenn wir über Gewaltdarstellung diskutieren, reflektieren. Aber weit mehr Diskussion, Aufklärung müsste den tatsächlichen Ursachen gelten (im Idealfall stösst das Kunstwerk/die Darstellung eben eine solche Diskussion an).

      • Reincarnation of XY sagt:

        Die Frage nach dem richtigen Alter der Kinder lässt sich auch nur individuell lösen. Unser grösseres Kind, wird viel schneller verstört, als das Kleinere. Deshalb braucht es in dieser Frage: wann, wie, auf welche Weise? kompetente Eltern. Manchmal schauen Kinder etwas, das ihnen nicht gut tut. Das ist halb so schlimm, wenn das Vertrauen und die Kompetenz da ist, um mit den Eltern das ganze zu verarbeiten. So kann das, was schädlich ist, im Nachhinein sogar noch nützlich werden.

      • Stefan W. sagt:

        Lässt sich Ihre Behauptung „Gesellschaften mit Zensur sind nicht weniger gewalttätig“ empirisch belegen? Ich will überhaupt nicht der Zensur das Wort reden, aber das Land mit dem weitestgehenden Verzicht auf Zensur, nämlich die USA, hat nicht nur die meisten Gewaltverbrechen, sondern ist auch der Staat, der seit dem zweiten Weltkrieg bei weitem am häufigsten andere Staaten überfallen hat. Ich weiss nicht, ob man da einen Zusammenhang mit Zensur oder deren Fehlen konstruieren kann (oder sollte), aber jedenfalls kann man Ihre Behauptung mit dieser simplen Evidenz doch widerlegen, nicht wahr?

      • Martin Frey sagt:

        Ihr tumber Antiamerikanismus, Stefan W, geschenkt.
        Weitestgehender Verzicht auf Zensur? Am meisten Gewaltverbrechen?
        Mit über 56.000 Mordopfern starben 2014 allein in Brasilien mehr Zivilisten durch Gewalt als in den Krisengebieten Afghanistan, Irak, Syrien und der Ukraine zusammen. 33 Prozent aller Morde weltweit ereignen sich in Lateinamerika, die gefährlichsten fünf Städte der Welt liegen ebenfalls alle da: Caracas, San Pedro Sula und San Salvador weisen jeweils Mordraten jenseits der 100/100.000 Einwohner auf. El Salvador ist statistisch das weltweit gefährlichste Land außerhalb von Kriegsgebieten.
        Soviel zum Thema simple Evidenz… 😉

    • Muttis Liebling sagt:

      Im Allgemeinen geht es bei kommerziellen Kunstderivaten nicht um ‚Darstellung menschlicher Abgründe‘, sondern um Geld. Was Quote bringt, wird produziert. Da kann schon manchmal Kunst drunter sein, die Regel aber ist es nicht.

      Ich halte es schon für möglich, dass man Kinder, wie Jahrhunderte in gutbürgerlichen Familien üblich, dazu erzieht, Vulgärmedien zu erkennen und auszuschliessen. In den Haushalten meiner Kinder, in meinen, aller Freunde und Bekannte, gibt es kein TV ausser dem öffentlich Rechtlichen. Für die Nachrichten.

  • Dani sagt:

    Ich sehe hier in dem Beitrag noch eine weitere Illusion: „Buch. Hörbuch, Film.“ Pah, da lach ich mich weg. Beim nächsten Kumpel/Freundin mal rasch reinziehen, oder sich auf Youtube mal die besten Scenen rauspicken. Der Gedanke, dass sich das Kind über einen logischen Prozess an ein verstörendes Thema heranwagt, ist genauso romantisch, wie dass ein Suizid romantische/schöne Anleihen habe könnte. Das Problem liegt im Mensch. So unfähig wie wir sind, uns mit dem eigenen Ableben auseinander zu setzen (egal ob mit 30, 50 oder 70), so unfähig ist ein Kind, sich mit dem wahren Scheiterhaufen zu befassen, den ein Selbstmörder hinterlässt. Ich weiss wovon ich rede. Ich habe einen Verwandten erhängt in seinem Schlafzimmer gefunden. Keine Serie kann den Schmerz und die Wut darstellen.

  • Mike sagt:

    Guter Text aus mehreren Gründen. Erstens ist es sicher ein gutes Zeichen, dass die Tochter um Erlaubnis fragt, und gut, dass Sie das merken. Zweitens ist die Kompromisslösung „lies zuerst das Buch“ ein gelungener Ansatz, und drittens bin ich ausgesprochen dankbar dafür, dass jemand mal ohne Panikmache etwas zu dieser Serie schreibt und zeigt, wie man als Eltern einigermassen unaufgeregt und pragmatisch damit umgehen kann, dass Teenager solchen Dingen nunmal ausgesetzt sind. Wie Sie sagen, Generation Smartphone – sie sieht es sowieso, die Frage ist, wie man es handhabt.

  • Anh Toàn sagt:

    Da sollten Sie aber auch nicht Red Hot Chilli Peppers vor Ihren Teenagern hören:

    Wie lange, wie lange werde ich hinübergleiten
    Mich von meiner Seite trennen
    Ich glaube nicht
    Ich glaube nicht, dass es schlecht ist
    Meine Kehle zu durchschneiden
    Ist alles, was ich je hatte.

    • Anh Toàn sagt:

      Und da wäre noch Ideal:

      Komm wir lassen uns erschiessen
      An der Mauer Hand in Hand
      Komm wir lassen uns erschiessen
      Mit dem Kopf an der Wand
      Ich kann den Sonntag nicht ertragen
      Ich will keinen Montag mehr seh’n

      Langeweile killt nur langsam
      Du wirst sehen, es tut uns gut
      Mir ist heute so gewaltsam
      Mir ist nach Schüssen heut‘ zumut.

      Komm wir lassen uns erschiessen
      Zwei Schüsse mitten ins Gehirn
      Komm wir lassen uns erschiessen
      Ich hab‘ nichts zu verlier’n
      ….

      • Reincarnation of XY sagt:

        könnten Sie hier noch eine Quellenangabe liefern?
        kenne das Lied, aber weiss nicht mehr von wem es ist – definitiv jedoch nicht von den Red Hot.

      • Muttis Liebling sagt:

        Popmusik hat wohl eine zu kurze Einwirkzeit und der Text wird von der Musik emotional überlagert.

      • Anh Toàn sagt:

        @Roxy

        Der Song heisst „otherside“ und ist von den Red Hot Chilli Peppers, veröffentlicht 2000 auf der LP „Californication“: Vielleicht hätten Sie es auf Englisch erkannt, war der viert- bis fünftgrösste Hit (je nach Charts) der RHCP.

        Er bezieht sich auf eine ehemaliges Bandmitglied, Hillel Slovak, der 1988 an einer Überdosis Heroin starb.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Nein – ich meinte, das deutsche Lied, mittlerweile gegoogelt von Ideal.
        Ja, das wars. Wusste doch, dass ich das als Teenie mal gehört habe. Aber das ging runter wie Öl, diesen morbiden Text nahmen wir gar nicht ernst…

  • SrdjanM sagt:

    Wirklich, den ganzen langen Weg über das Buch, das Hörbuch und schlussendlich zur Serie?
    Wäre es nicht einfacher und besser, sich die Serie gemeinsam mit der Tochter anzuschauen und darüber zu sprechen?

    Gerade WEIL die Serie nicht so viel der Fantasie überlässt, wie das Buch und eine Begleitung auch viele einfacher und unmittelbar möglich ist…

  • Georgia Quora sagt:

    Ich hab die Serie bis zur 4 Folge geschaut. Ich schau sie aber nicht weiter. Es ist nicht etwas was mich interessiert. Mir ist schon bewusst das Suizid ein ernsthaften Thema ist. Für mich ist Neflix aber für Spass da und nicht um mich schlecht zu fühlen. Ich wollte nur wissen was es mit der Serie auf sich hat, weil alle darüber schreiben. Ich glaube, mit meinen fast 24 Jahren bin ich einfach schon zu alt, für diese Teenager probleme. Zudem finde ich die Serie viel zu amerikanisch.

    • Meret Leenders sagt:

      Gleich vorneweg: Klar ist es dein gutes Recht, Netflix so anzuwenden wie es für dich stimmt. Aber auch als 24jährige lebst du nicht im Vakuum und hast Teenager in der Familie/im Betrieb/im Bekanntenkreis und du kannst sicher sein, dass für mehrere von ihnen heute der Schulbesuch Horror ist. Und morgen auch. Und übermorgen. Mobbing passiert, nicht nur in Amerika. Und notabene nicht nur unter Teenagern. In meinen Augen ist genau diese Haltung „sind ja nur Teenager“ problematisch, denn dadurch werden diese sehr realen und manchmal lebensbedrohenden Vorkommnisse verniedlicht.

  • Martin Mayer sagt:

    Mit Medienkompetenz muss man viel früher anfangen. Sehr viele Eltern setzen die Kinder vor den Fernseher oder das Tablet und lassen sie dann allein. Meiner Meinung nach soll man die Medien grundsätzlich mit den Kinder/ Jugendlichen anschauen. Zumindest das erste mal. Aus diesem Grund scheuen wir auch kein Fernsehen mehr sondern nur noch ab DVD oder gespeicherte Filme.
    Es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen Zensur und Informationsüberflutung

  • Tasch sagt:

    In meiner Berufsschulklasse hatte sich anno dazumal ein Mitschüler das Leben genommen. Obwohl ich kaum Kontakt zu ihm hatte, war es ein einschneidendes Erlebnis, dass damals die ganze Klasse erschütterte.

    Wir lasen danach in der Klasse „Das Jahr ohne Pit: ein Tagebuch“ von Maja Gerber-Hess. Ich kann das Buch wirklich empfehlen, es geht altersgerecht und sensibel mit dem Thema um, ohne etwas zu verklären oder beschönigen.

  • Benjamin Kraus sagt:

    Was mich noch wunder nähme: Was waren die Werther-Effekte 2.0 und 3.0?
    Wie dem auch sei, interessant wäre hierbei, inwiefern die Serie im Vergleich etwa zum Buch/Film „It’s Kind Of A Funny Story“, in dem die Krise überwunden wird, auch einen Papageno-Effekt (http://lexikon.stangl.eu/14288/papageno-effekt/) zeitigen könnte.

  • Benjamin Kraus sagt:

    2/2: Deshalb glaub ich, stellt eine solche Serie nicht einfach nur eine Gefahr dar, sondern ist – bei hinreichender emotionaler und intellektueller Reife des jugendlichen Menschen und Einbettung durch die Eltern – auch eine gute Gelegenheit, Sprachbarrieren zu durchbrechen, um den Sachverhalt als solchen, aber auch die je eigenen Ängste und Nöte zu thematisieren. Und dies nicht in der Art des üblichen Elter-Kind-Gesprächs, etwas abstrakt und mit erhobenem Zeigefinger, sondern einfühlend aufgrund einer gemeinsamen Basis, in Form von gemeinsamer Rezeption, Rezension, Interpretation, Kritik und dialogisch weiterführenden Gedanken.

  • Benjamin Kraus sagt:

    1/2: Ist die Innenwelt eines (jugendlichen) Menschen bereits für seine peers oft undurchschaubar, so erst recht für Erwachsene. Und gerade auch für seine Eltern, obwohl sie doch glauben ihn seit jeher in- und auswendig zu kennen. Und wenn die Symptome der Suizidalität nicht richtig eingeordnet werden, die Ursachen nicht offensichtlich zu Tage liegen und aus welchen Gründen auch immer darüber nicht gesprochen wird (Tabus, Ängste, Rückzug etc.), ist das Umfeld entsprechend überrascht, schockiert, sprach- und fassungslos.

  • Andrea sagt:

    Also ich habe mir die Serie angeschaut und es geht hier nicht, um die Verherrlichung von Suizid. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Serie zeigt Zeichen, Situationen und Umstände auf, wie ein junger Mensch überhapt dazu getrieben werden kann, Suizid zu begehen. Klar, ein paar Stellen des Films sind verstörend, aber eine Vergewaltigung lässt sich einfach nicht schön darstellen! Wenn wir diesen Film verbieten, dann machen wir nur das, was in dieser Gesellschaft schon immer getan wurde: die Augen verschliessen, anstatt sich wirklich dem Problem zu stellen. Jeder Jugendliche sollte die Anzeichen von Mobbing, Isolation, Depression und möglichem Suizid kennen. Ein anschliessendes Gespräch mit den Jugendlichen unterstützt, dann die Erkenntnis. Denn erst dann werden wirklich Leben gerettet.

    • Carina Domini sagt:

      Ich gebe zu, ich habe die Serie nicht gesehen. Ich will mich nicht wieder in dieses Loch reissen lassen.
      Aber: Ist es denn nicht so, dass der Suizid als eine „mögliche Lösung“ oder vielleicht sogar „einzige Lösung“ dargestellt wird für Teenager, die vergewaltigt, gemobbt oder alleingelassen werden? Das finde ich dann doch problematisch.
      Und Leid in geballter Dramatisierung auf Teenager loslassen, die eh schon Weltschmerz haben, finde ich auch nicht die beste Idee. Also, als „Unterhaltung“ schon gar nicht.
      Wenn das Thema interessiert gibt es sicher bessere Literatur oder Filme und wenn Unterhaltung gefragt ist, auch…
      Dass man darüber spricht, wie unsere Handlungen andere Menschen verletzen können und bis zum Äussersten treiben können, finde ich ja auch richtig.

    • Susi sagt:

      @Carina: Ich glaube, das ist es, was mir irgendwie massiv gegen den Strich geht, der (enorme!) Unterhaltungswert dieser Serie. Es ist das, was ich als „reisserisch“ empfinde.

  • Jan Holler sagt:

    Habe 4 Folgen gesehen und es dann sein lassen. Das Niveau (der Dialoge) ist unterirdisch, selbst auf Stufe Teenager (sie sind 17), die Gespräche völlig belanglos, haben mit den Szenen meistens nicht viel zu tun und sind beliebig geschnitten und aneinander gereiht. Jede*r proviziert ständig jede*n, es ist ein Dauergestichel.
    Die „Täter“ der ersten vier Folgen, die von der Protagonistin der Serie als verantwortlich für ihren selbst zugefügten Tod gemacht werden, haben nicht wirklich etwas (so) Schlimmes gemacht. Die Mutter spielt so unterirdisch schlecht (läuft Wochen nach dem Tod immer noch mit der selben verheulten Hollywood-Standandard-Mimik herum), das ganze Setting ist schlecht.
    Einzig die Kameraführung, die Bilderwelten sind wie immer auf diesem Niveau 1A.

    • Sarah Livia sagt:

      Lieber Jan

      Niemeand macht dir deine professionelle Einstufung streitig. Aber das Thema dieser Serie ist ja genau jenes: So kleine belanglose Sachen können einen hormongesteuerten Teenager so der Massen aus der Bahn werfen. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen aber das ganze falsch interpretiert.

  • mila sagt:

    Ich habe vor Jahren das Buch gelesen, und schaue nun die Serie. Sie ist wirklich gut gemacht, aber, aus dem Bauch geschossen: keine Kost für Zwölfjährige. Gewisse Bilder (in Traumsequenzen) sind gelinde gesagt verstörend (Horrorkategorie), die Erzählung an sich ist komplex und uneindeutig. Ich hatte vom Buch nicht in Erinnerung, dass die tote Hauptprotagonistin eine nicht durchweg zuverlässige Erzählerin ist. Wenn Eltern ihren gerade-mal-Teenagern das Sehen erlauben wollen, sollten sie die Serie vorher in jedem Fall selber schauen. Und die Kinder dann schauend und diskutierend begleiten. Wertvoll ab einem höheren Teenageralter ist die Produktion sicherlich. Aber sie will gut eingebettet und verarbeitet werden.

    • mila sagt:

      Die empfohlene Alterfreigabe ist denn auch 14, nebenbei bemerkt.

    • Susi sagt:

      „Wenn Eltern ihren gerade-mal-Teenagern das Sehen erlauben wollen, sollten sie die Serie vorher in jedem Fall selber schauen. Und die Kinder dann schauend und diskutierend begleiten.“
      Klar. Die wenigsten Eltern werden aber Zeit nehmen, sich diese Serie zweimal anzuschauen, und die Kinder treiben sich unbeaufsichtigt über das Handy auf Netflix rum. Altersfreigaben sind sowieso viel zu tief gesteckt. (Nemo und Lion King ab Null Jahren…)
      Viele 12jährige schauen sich Horrormaterial ab 18 an.

      Was ich sagen will: Kontrolle/Begleitung funktioniert in sehr, sehr vielen Fällen nicht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        „Was ich sagen will: Kontrolle/Begleitung funktioniert in sehr, sehr vielen Fällen nicht.“

        vor allem wohl dort gravierend, wo ein auffangendes, gesprächsbereites und selbstreflektierendes Umfeld nur in Ansätzen oder gar nicht vorhanden ist.
        Aber dort ist vermutlich diese Serie eher noch das kleinere Übel im konsumierten Gesamt-Kuchen.

      • Susi sagt:

        @Brunhild: Da stimme ich Ihnen völlig zu, genau dort liegt der Hund begraben!

      • mila sagt:

        Gerade weil man nicht unter Kontrolle hat, was das erweiterte Umfeld des Kindes macht, halte ich die eigene Begleitung für sehr wichtig. Restriktionen kann man, wenn schon, nur in den eigenen vier Wänden durchsetzen… und die Augen vor der allgemeinen Realität sollte man nicht verschliessen. Ich bin deshalb im Zweifelsfall für Medienbegleitung, statt für entsprechende Verbote. Die Hilfe, die man dem eigenen Kind für die Einordnung solcher Inhalte bietet, hilft zudem – vielleicht – auch anderen Kindern, welche von ihrem Elternhaus diese Art von Unterstützung nicht bekommen. Zumal ich an die Kraft des Dialogs (und-im-Dialog-Seins) glaube.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Mila – genau so ist es!
        Einfach immer am Ball bleiben.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Uns in diesen Zusammenhängen fragende Kinder setze ich mit Medaillenvergabe gleich 🙂

    „verstörend visuell umgesetzt“, ich frage mich welche Serien/Inhalten diesbezüglich mehr Schaden anrichten und eine Gegenkampagne verdient, dringend mehr Aufklärung über ihre Nachwirkungen benötigten.

    Angesichts unserer erschreckend hohen S-Rate haben bisherige Präventionskampagnen ihr Ziel jedenfalls noch nicht ganz erreicht, vielleicht trägt die Serie tatsächlich zu einer gründlicheren Auseinandersetzung bei?

    • Brunhild Steiner sagt:

      Die Medienreihenfolge halten wir ähnlich, überspringen allerdings das Hörbuch, hat sich bezüglich mittelalterlichem ans Lebendige gehen oder sonstigen „gut-gegen-böse“-Geschichten bewährt. Bei nicht existierenden Romanvorlagen haben wir auf Filmbeschreibungen/Kritiken zurückgegriffen.

    • Martin Frey sagt:

      Welche Präventionskampagnen, Frau Steiner? Oder anders gefragt, was tut die offizielle Schweiz gegen Suizide angesichts der Tatsache, dass sich durchschnittlich alle 3-4 Tage ein Jugendlicher das Leben nimmt?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @M artin Fr ey

        laut Text warnt die dt Gesellschaft für S-prävention, ich nehme an unsre „Raten“ unterscheiden sich nicht wesentlich; also haben dortige Kampagnen (die ich einfach mal annehme, weil nun gewarnt wird) noch nicht gewünschten Erfolg. Ob hiesige warnen habe ich noch nicht mitbekommen, in Erinnerung ist mir eine Kampagne wo es um „sich mitteilen können“ geht.
        Und eben, die Rate ist hoch. Wird sie durch solche eine Serie höher? Was ist mit allen anderen Problemen welche durch TV-Formate angetrieben werden könnten? Umgang mit Geld (hohe Jugendverschuldung), Selbstbild (diverseste Beauty und Datingshows) usw? Vom „nicht legalen“-Bereich noch gar nicht geredet?

      • Susi sagt:

        @Brunhild: „Was ist mit allen anderen Problemen welche durch TV-Formate angetrieben werden könnten?“

        Dass Suizid bezüglich Nachahmung besonders heikel ist, weiss man spätestens seit Goethes „Werther“. Was glauben Sie, warum man in der Zeitung kaum je davon liest? Warum die SBB von „Personenunfällen“ spricht?
        Über das Thema wird geschwiegen, aus gutem Grund.

      • Martin Frey sagt:

        „Über das Thema wird geschwiegen, aus gutem Grund..“
        Totschweigen ist auch die einzige Strategie, die die Schweiz hat. Die Prioritäten der millionenschweren Sensibilisierungskampagnen und Präventionsmassnahmen liegen ganz eindeutig anderswo.
        Dass das Geschwätz von „Personenunfällen“ bei SBB- Durchsagen als Prävention nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Wobei ich selbst da nicht davon ausgehe, dass mit diesem Euphemismus auch nur ein einziger Suizid verhindert werden kann.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ich würde kühn behaupten, es gibt keine Suizid- Prävention in dem Sinne, dass es Massnahmen gäbe, deren Applikation die Suizid- Rate dauerhaft senken könnte. Es gibt aber das Umgekehrte, den Nachahmer- Effekt, der die Rate temporär ansteigen lässt.

        Für Deutschland ist bekannt, dass extreme Verteilungen der Suizid- Rate, in Mecklenburg 5x mehr als in Bayern, sich über Jahrzehnte und Staaten erhalten. Das war beim Kaiser nicht anders als während der DDR- Zeit.

        Es gibt offenbar ein Konfessionsgefälle, welches den Leichenschau tätigenden Arzt im ländlich Katholischen eine natürliche Todesursache angeben lässt. Dennoch ist die echte Rate viel niedriger als im Protestantischen.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Dennoch gilt, dass die offiziellen Zahlen bezüglich Suizid nicht verlässlich sind. Die CH- oder die skandinavischen Zahlen werden eher korrekt sein, während man in Südeuropa eher mit 2 multiplizieren muss.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Nach der Kritik wären jetzt Lösungsvorschläge angesagt. Wie könnte denn eine Präventionskampagne aussehen? Braucht es das? Wirkt das?
        Und was wäre die Alternative zu Personenunfall bei den SBB? Ich wundere mich ja jeweils schon, dass man so deutlich wird (und nein, nicht jeder Personenunfall ist ein Suizid). Brauche ich ja nicht zu wissen, es reicht die Angabe, wie lange die Zugstrecke unterbrochen ist…

      • Martin Frey sagt:

        „Wie könnte denn eine Präventionskampagne aussehen? Braucht es das? Wirkt das?“

        Das könnten Sie bei jeder Präventionskampagne fragen, SP, und zwar zurecht. Nur will das in aller Regel niemand hören. Weil man meist nicht belegen kann, ob, und falls ja, in welchem Umfang das wirkt. Gemacht wird es trotzdem, eine ganze Industrie lebt mittlerweile davon.
        Ich kenne den Werther-Effekt, aber es gibt auch ggt. Annahmen. Selber bin ich nicht so überzeugt, dass Totschweigen wahnsinnig hilfreich sein dürfte.
        Sterbenswünsche, teils suizidale Gedanken sind ja nicht so selten. Oft spielen grad in dem Alter Ausweglosigkeit, Hilfsbedürftigkeit, Scham u.ä eine grosse Rolle, nebst psychiatrischen Diagnosen selbstverständlich. Ich könnte mir vorstellen, dass da Prävention ansetzen könnte.

      • Carolina sagt:

        MF: Zufällig kenne ich mich mit der Thematik einigermassen gut aus, und habe das schon des öfteren hier gesagt: das einzige, was man mit einiger Sicherheit zum Thema Jugendsuizid feststellen kann, ist der Nachahmereffekt. Das, was Sie Totschweigen nennen, halte ich für die einzig mögliche Reaktion. So wenig Berichterstattung wie möglich, aber im Privaten ist es unumgänglich, dieses Thema nicht zum Tabu zu erklären.
        Man kann, wie es bereits geschieht, Telefonnummern von Beratungsstellen verbreiten, Gesprächskanäle offenhalten und solche Serien begleitet anschauen, aber die Fälle sind Legende, in denen auch in liebevollen Familien ein Jugendlicher scheinbar völlig unvermittelt und ohne die geringsten Vorzeichen S begeht.

      • Martin Frey sagt:

        Das glaube ich gerne, Carolina. Wobei ich die Totschweigstrategie im OeV für reine Augenwischerei halte. Auch hat das mit Prävention nichts zu tun. Eine solche sollte bei der vulnerabelsten Generation (eben die über die wir sprechen) dort ansetzen wo die Motive liegen. Und da hilft Authentizität m. E. mehr als Negieren. Was sicher nicht geht: Kindern und Jugendlichen diese Serie einfach mal vorsetzen frei nach dem Motto „setzt euch damit auseinander“, wie es den Machern offenbar vorschwebt.
        Ein Beispiel zur Suizidprävention auf die Schnelle, wie es mir eher vorschweben würde:
        https://www.youtube.com/watch?v=xIuu-IpyVS0
        Für mich sehr eindrücklich.

      • Sportpapi sagt:

        @MF: Nutzt es nichts, so schadet es sicher auch nichts. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, in Erweiterung von Unglücksfällen und Verbrechen (da sehe ich es auch kritisch) jetzt auch noch über Selbstmorde breit zu berichten.
        Nur weil man darf, muss man ja nicht.
        Ansonsten: Präventionskampagnen wirken teilweise, wenn das auch schwierig überprüfbar ist. Vielfach ist das aber auch nur der schwache Ersatz eines für die Schweiz untypischen Verbots.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi:
        „Nutzt es nichts, so schadet es sicher auch nichts.“ fand ich noch nie ein sehr stichhaltiges Argument, wenn es um Millionenausgaben geht. Denn wir sprachen ja von Präventions- und Sensibilisierungskampagnen.
        Ein anderes Argument ist das voyeristische Breitschlagen von süffigen Details, das sehe ich gleich. Das war aber auch nicht meine Anliegen.

      • Sportpapi sagt:

        Todschweigen kostet mal gar nichts. Ich weiss nicht, ob es zum Thema millionenschwere Kampagnen gibt.

      • mila sagt:

        Ich habe gelegentlich den Eindruck, dass gerade hyperpädagogische Sensibilierungsversuche (mit entsprechenden ‚Aufrufen‘) am ‚Zielpublikum‘ vorbeireden. Da scheinen mir das Buch/die Serie allemal erfolgsversprechender, indem sie die Jugendlichen in ihrer Erfahrungs- und Erlebenswelt abholen. Auch wenn die amerikanischen Verhältnisse nicht 1:1 auf die hiesigen übertragbar sind.

    • Susi sagt:

      @Brunhild: „Angesichts unserer erschreckend hohen S-Rate haben bisherige Präventionskampagnen ihr Ziel jedenfalls noch nicht ganz erreicht, vielleicht trägt die Serie tatsächlich zu einer gründlicheren Auseinandersetzung bei?“

      Jugendliche werden sich sicherlich lieber eine Netflix-Serie anschauen als sich auf anderweitiger Theorie-Ebene mit dem Thema auseinander setzen. Ob ein Teenie-Suizid-Krimi zur Prävention beiträgt, wage ich höchst ernsthaft zu bezweifeln. Dazu kommt, dass man eine Serie (im Gegensatz zum Spielfilm) nicht einfach mal zeigen kann, sondern dass der Grossteil der Jugendlichen sich das unbegleitet reinziehen wird.

      • Susi sagt:

        Ich hatte schon mit suizidalen Jugendlichen zu tun. Man bewegt sich da im Umgang ständig unter höchster Anspannung auf Eierschalen.

        Die Vorstellung, dass sich jemand in einer solchen Phase diese Serie anschaut, lässt mir die Haare zu Berge stehen.

      • Martin Frey sagt:

        „Die Vorstellung, dass sich jemand in einer solchen Phase diese Serie anschaut, lässt mir die Haare zu Berge stehen.“
        Mir auch, Susi. Aber im Fall des Autors wäre ich noch entspannt, fragt die Tochter ja immerhin, und macht das ganz transparent.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        ich kenne weder das Buch noch die Serie; aber ich weiss aus eigener Erfahrung ebenfalls wie es sich anfühlt wenn sehr Nahestehende von diesem Thema begleitet sind.

        Und doch frage ich mich, angesichts all der anderen Inhalte denen Kinder&Jugendliche ausgesetzt sind, ob die Warnungen berechtigt sind und dadurch Leben gerettet werden können.

      • Susi sagt:

        Ich kenne die Serie, sie ist als filmisches/erzählerisches Werk sicher spannend, aber genau darin liegt ja das Problem. Soll man aus diesem Stoff einen reisserischen Krimi/Thriller für Jugendliche kreieren?
        Ob durch die Warnungen Leben gerettet werden können? Solche Warnungen sollten gar nicht nötig sein, weil eine solche Serie für Jugendliche (ab 14!) schlicht nicht lanciert werden dürfte.

      • mila sagt:

        Ich sehe das etwas differenzierter. Die Serie, das Buch, haben primär das ‚Ziel‘, Mobbing zu beleuchten – also Suizidprävention von umgekehrter Seite, indem Jugendliche/junge Erwachsene dazu aufgefortdert werden, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Und klar, diese Serie steigt ‚hoch‘ ins Thema ein, zu hoch für, eben, Zwölfjährige. Aber soll man ältere Jugendliche unterschätzen? Sie kriegen wesentlich ‚Krasseres‘ mit. Schauen wesentlich ‚Krasseres‘. An manchen US Schulen ist das Buch inzwischen Pflicht-Lesestoff. Aber über Bücher erreicht man mE nur entsprechend (lese-)affine Jugendliche, vielleicht bietet die Serie eine andere Zugangs-Chance.

      • mila sagt:

        Und: Empfinden Sie die Serie wirklich als reisserisch? Ich nicht. Sie holt uns Schauende mit den, ich sags mal so, drastischeren Mitteln ab, die wir, die die heutigen Jugendlichen, im Grunde schon längst gewohnt sind. Nicht nur in/aus fiktiven Stoffen, sondern auch aus non-fiktiven (allgemeines Stichwort mediale Darstellung). Davor sollte man die Augenklappen nicht verschliessen.

      • Martin Frey sagt:

        Ich kenne selber auch weder Buch noch Serie, kann mir aber vorstellen, wie problematisch das sein wird. Jugendliche lassen sich primär von anderen Jugendlichen inspirieren, und das leider auch bei solchen Taten. Insbesondere bei bestehendem Identifikationspotential.
        Dass die Macher von Aufklärung und „anti-Suizid“ schwadronieren, würde mich nicht sehr beruhigen. Nur zu oft dienen gutgemeinte „anti-“ Produkte dann doch der Inspiration. Wir kennen das ja von den sog. Antikriegsfilmen nur zu gut.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        ich bin dennoch unschlüssig; was ist mit allem anderen das „nie lanciert hätte werden sollen“?
        All der Müll der konsumiert wird? Das Selbstbild, Umgang mit sich und Beziehungsverhalten nachhaltig prägen kann?
        Irgendwie kommt mir das einfach ein bisschen scheinheilig rüber, es existieren x TV-Formate welche labile Menschen sehr destruktiv beeinflussen können, wir könnten stundenlang darüber debattieren um am Ende immer wieder auf die ähnlichen Schlussfolgerungen zu kommen, dass ein sehr entscheidender Punkt das entsprechende Umfeld sein wird.
        Den Nachahmereffekt bestreite ich nicht, ich möchte einfach aufs „mit unterschiedlichen Ellen messen“ hinweisen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        soeben Ihr 9:21 gesehen, ich glaube der gemeinsame Nenner ist gar nicht so unbedeutend klein, im Beitragssinne einen aufmerksamen Tag mit Inspiration 🙂

      • Susi sagt:

        @Brunhild: Gleichfalls! 😀

      • Susi sagt:

        @mila: Ich bin hier völlig auf MFs Schiene. Ich finde eine solche Serie einfach überflüssig, weil die Gefährlichkeit der verschiedenen Wirkungsebenen halt so schwer einzuschätzen ist.
        Man müsste „reisserisch“ definieren. Es geht ja hier um sehr viel Kalkül der Protagonistin, um sehr weitgreifende Planung, um Rätsel etc. So wird eine wahnsinnig spannende Geschichte aufgebaut, von der man kaum mehr loskommt. Je nachdem schaut man sich alle 13 Folgen am Stück an. Sowas kann dann schon einen ziemlichen Impact auf die Psyche haben.
        Mir persönlich gefällt die Serie. Aber als Prävention kann ich mir sie beim besten Willen nicht vorstellen. Und beides (Filme/Jugendliche) gehören ja in meinen Arbeitsbereich.
        Gibt es auch nur einen einzigen Nachahmungssuizid, ist das einer zu viel.

      • mila sagt:

        Gemeint war: Mobbing-Prävention, als – indirekte – Suizidprävention. Und wenn dadurch auch nur ein Leben gerettet werden kann, und Jugenddepressionen verhindert…

      • Susi sagt:

        Mobbende Jugendliche sollten nach heutigem Stand eher gestärkt werden, anstatt dass man ihnen mit dem Fingerzeig vor Augen führt, was ihre Taten bewirken können. Eine gute Mobbing-Prävention sieht wirklich anders aus.

      • mila sagt:

        Wofür genau lassen wir denn Jugendliche Romane lesen, Filme sehen, und Serien… bzw. warum machen wir das selber? Weil wir (gerade eben ohne direkten Fingerzeig…) in die Haut eines anderen schlüpfen können. Seine Sicht einnehmen. Und so unser Verständnis erweitern. Prävention sehe ich im Sinne des Wortes als vorbeugende Massnahme. Wo Mobbing stattfindet, ist eigentlich schon keine Prävention mehr angezeigt. Sondern Intervention. Und da sind sicherlich je nach Sachverhalt andere Vorgehensweisen gefragt.

      • Susi sagt:

        @mila: Bei Präventionen/Aufklärungen, sei das nun in den Bereichen Sexualität, Drogen, Essstörungen, Mediengebrauch oder Mobbing, ist es stets eine Gratwanderung, die Kinder oder Jugendlichen zu sensibilisieren, ohne sie zu motivieren. Warum sollte eine Combi von Mobbing und Suizid hier sinnvoll sein? Warum nicht die Möglichkeit aufzeigen, wie so eine scheinbar ausweglose Situation im Guten endet? Ist im Grunde das selbe wie beim positiven Formulieren.

      • Susi sagt:

        zum anderen: „Wofür genau lassen wir denn Jugendliche Romane lesen, Filme sehen, und Serien… bzw. warum machen wir das selber? Weil wir (gerade eben ohne direkten Fingerzeig…) in die Haut eines anderen schlüpfen können.“

        Ganz ehrlich, da gibt es ziemlich viel mehr Gründe, wäre ja etwas gar simpel. Und es kommt mir jetzt grad etwas merkwürdig vor, sowas von Ihnen zu hören (sie wissen ja, dass ich Jugendliche in Filmanalyse/Medienkunde und Literatur unterrichte). In den Sinn des Bücherlesens und Filmschauens zu tauchen ist wohl dann doch ein Fass ohne Boden für so wenig Zeichen…

      • Susi sagt:

        Und zu guter Letzt: Es ging mir hier nie um die gut aufgehobenen, begleiteten Jugendlichen, wie das wahrscheinlich Ihr Kind und auch das von N.P. sind, sondern eben um diejenigen, die sich solchen Dingen unbeaufsichtigt aussetzen. Brunhild sagt sowas an anderer Stelle, wo ich ihr beipflichte. Und genau für diejenigen ist es dann eben ein Problem, da kann man dann lang sagen, die Eltern hätten halt den Medienkonsum besser überwachen sollen etc. Solche Eltern sind meistens von anderen Dingen absorbiert, und darum trifft es eben genau die labilisierten Kinder, nicht diejenigen, die sowieso einen stabilen Hintergrund haben.

      • mila sagt:

        Ich lese/schaue aus genau diesem einen Grund, mein Leben lang (und manchmal auch aus rein eskapistischen Gründen, aber dann nicht etwas wie die 13 Reasons Why…). Und Carolina oben erwähnt es, das Thema betrifft alle Familien(segmente). Auch gut situierte/aufgehobene Kinder (Erwachsene) sind vor entsprechender Vulnerabilität nicht gefeit. Und nein, ich denke nicht, dass ein ‚gutes Ende‘ die Lösung aller Probleme bringt. Weil das Leben selbst nicht nur gute Enden hat/nimmt. Aber ja, ich habe mich schon sehr oft gefragt, wieso manche Menschen resilient(er) sind, andere nicht. Und eine Antwort darauf habe ich bislang noch nicht gefunden. Ich sehe sie auch ehrlicherweise nicht in grossangelegten, gutgemeinten Kampagnen. Wenn schon, im nahen Zwischenmenschlichen.

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