Handy-Diät für die ganze Familie

Wenn das Familienleben zur Nebensache wird: Viele Kinder und Eltern sind vom Handy abhängig. (Bild: iStock)

Das Handy des Kindes wegsperren; für einen Tag, eine Woche – oder wie Karly Tophil es sich vorgenommen hatte – für ein ganzes Jahr. Woran sicher viele Eltern von Jugendlichen schon mal gedacht haben, setzte die Mutter aus dem englischen Cornwall in die Tat um. Sie hatte genug davon, dass ihr Sohn an nichts anderem interessiert war als an seinem Smartphone.

Jeden Morgen hatten sie dieselben Auseinandersetzungen, weil der 13-jährige Dylan an seinem Handy klebte, statt sich anzuziehen und sich für die Schule bereit zu machen. Dasselbe nachmittags: Kaum daheim, schlampte er in aller Eile bei den Hausaufgaben, um sich danach stundenlang auf Social Media zu tummeln. Gleichaltrige, die sich dort nicht aufhielten, interessierten Dylan nicht mehr. Er hatte seine eigene Welt und nahm nur mehr widerwillig am Familienleben teil.

Die positiven Auswirkungen der Auszeit

Bis Karly Tophil sich entschied, dem Sohn das Smartphone wegzunehmen. Die Umstände ihres Entschlusses und ihre Erfahrungen damit waren vor wenigen Tagen dem englischen «Telegraph» einen Artikel wert. Die Mutter posiert auf einem Bild Arm in Arm mit ihrem Jungen. Auf einem anderen sieht man ihn auf dem Bett liegen, in seinen Händen das Handy. Eine Homestory mit Happy End.

Drei Monate lang zog es die Mutter letztlich durch und hielt Dylans Smartphone unter Verschluss. Während dieser Zeit habe sich Erfreuliches getan, erzählt sie: «Nach 6 Wochen wurden seine Schulnoten besser. Dylan wurde gesprächiger und hatte mehr Energie. Er begann, im Haushalt mitzuhelfen, sich für uns zu interessieren. Und er wollte plötzlich wieder nach draussen gehen und mit seinem kleinen Bruder spielen.» Sie sagt, diese Handy-Auszeit sei für die Familie eine grossartige Sache gewesen – und sie empfehle es anderen Eltern, es ihr gleichzutun.

Leichter gesagt als getan? Aber sicher. Doch es würde vielen Kindern und Eltern enorm guttun, da gebe ich Dylans Mutter recht. Dabei könnten die Eltern – gemeinsam mit ihren Kindern – auf Smartphone-Diät gehen. Ob es um eine Auszeit von drei Monaten, einer Woche oder um jeweils ein, zwei Stunden pro Tag geht, halte ich nicht für sonderlich relevant. Wichtig ist vielmehr, dass wir alle – Eltern, Kinder und Jugendliche – lernen, sinnvoll mit diesen Geräten umzugehen. Das ist eine Herausforderung. Denn nicht nur viele Jugendliche sind abhängig von ihren Mobilgeräten; deren Eltern sind es oft genauso.

Der Dauerblick aufs Handy

Doch es ist an uns Erwachsenen, unsere Kinder auch im Umgang mit Smartphones und Games zu begleiten und ihnen Vorbild zu sein. Das geht schlecht, wenn wir uns mit dem Kind unterhalten und gleichzeitig eine Whatsapp-Nachricht beantworten. Oder es nicht schaffen, während des gemeinsamen Mittagessens das Telefon auf lautlos zu stellen und ausser Sichtweite zu legen.

Ich bin weit davon entfernt, zu sagen, unsere Familie habe die Sache im Griff. Mein Sohn und ich zanken uns fast täglich wegen seines Handykonsums. Muss er für die Schule lernen, nehme ich das Gerät hin und wieder für ein paar Stunden zu mir. Doch auch ich selbst muss mich immer wieder dazu ermahnen, nicht so oft auf einen Bildschirm zu schauen. Ich will nicht, dass meine erste und letzte Handlung des Tages der Blick aufs Handy ist. Also habe ich vor zwei Wochen damit begonnen nachts das Smartphone aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Diese Regelung gilt für meinen Sohn schon seit zwei Jahren.

Wie regelt ihr den Handykonsum in der Familie?