Schule? Nein, Bettruhe!

Rechtliches Attest: Das Daheimbleiben zur Pflege von kranken Kindern wird im Arbeitsrecht erwähnt. (iStock)

Muss das Kind daheimbleiben? Zahlreiche Eltern haben sich diese Frage wohl gerade heut Morgen gestellt. Soll das Kind wirklich in die Kita, den Kindergarten, die Schule? Es wirkte angeschlagen, hustete … Also den Fiebermesser in die Achselhöhle des Kindes schieben und hoffen, dass die Temperatur normal ist. Kurz darauf der Thermometer-Check: Erleichterung. Kein Fieber. Zum Mann oder zur Frau: «Dann lass es uns versuchen, Schatz.» Und zum Kind: «Also Liebes, dir geht es zwar nicht so gut, aber Fieber hast du keines. Du gehst heute Morgen zur Schule, ok? Dann sehen wir weiter. Wenn es dir am Mittag nicht besser geht, dann kommst du heim, oder es holt dich jemand von uns ab, gell.»

Problem für vier Stunden gelöst. Vielleicht. Hoffentlich.

Krank zur Schule?

«Aber du bist doch krank, wieso kommst du trotzdem zur Schule?» Zahlreiche Lehrer haben diese Frage wohl gerade heut Morgen einem Kind in ihrer Klasse gestellt. Die Lehrerin oder der Lehrer versteht nicht, dass ein Kind bei starkem Husten oder Schnupfen zur Schule geht, statt daheim zu bleiben und sich auszukurieren. Das zumindest berichten Kindergarten- und Primarschullehrer in meinem Bekanntenkreis immer wieder. Ihr Eindruck ist, immer mehr Kinder würden krank zur Schule geschickt. Riefen sie darauf die Eltern an, um ihnen mitzuteilen, das Kind sei krank, so dauere es «nicht selten bis zu zwei Stunden», bis ein Elternteil daheim sei oder das Kind abgeholt werde.

Ferdinanda Pini kennt diesen Konflikt. Die Ärztin und Leiterin des schulärztlichen Dienstes Kanton Zürich bestätigt, dass es Kinder gibt, die von ihren Eltern krank in die Schule geschickt werden – «aber Statistiken dazu führen wir nicht». Sie ist sich des Druckes bewusst, unter welchem arbeitstätige oder alleinerziehende Eltern oft stehen: «Doch es ist falsch, wegen des Jobs das Kind zur Schule gehen zu lassen. Denn kranke Kinder gehören heim, und ihre Eltern auch», sagt Ferdinanda Pini. Sie betont, dass das Daheimbleiben zur Pflege von Kindern ausdrücklich im Arbeitsrecht erwähnt ist. Das sei vielen Eltern allerdings oft zu wenig bewusst.

Doch wann genau soll denn nun ein Kind wegen Krankheit daheimbleiben? Die Ärztin beantwortete für den Mamablog die gängigsten Fragen, die ihr Eltern stellen:

1. Wann soll ein Kind daheimbleiben?

Bei jeder ansteckenden Krankheit mit Fieber, wie z.B. Scharlach (Streptokokken-Angina), Masern, Röteln, Mumps, wilde Blattern (Windpocken), echte Grippe oder Erkältungskrankheiten. Aber auch bei übertragbaren Erkrankungen, die nicht immer Fieber verursachen, etwa beim Brechdurchfall (z.B. durch Noroviren) oder Keuchhusten. Das Kind muss so lange daheimbleiben, bis die Behandlung abgeschlossen ist, oder so lange wie vom Arzt oder von der Ärztin verordnet.

2. Wie schnell soll ein krankes Kind von der Schule abgeholt werden?

Wenn ein Kind wie vorher beschrieben erkrankt ist, sollte es möglichst schnell nach Hause gehen bzw. von einem Elternteil abgeholt werden. Wichtig jedoch ist, dass ein krankes Kind am Morgen gar nicht erst in die Schule geschickt wird und die Eltern es abmelden und entschuldigen.

3. Was müssen Eltern bei einem kranken Kind beachten?

Einem kranken Kind muss man auf alle Fälle Zeit lassen, bis es genesen ist. Und ein krankes Kind sollte auf alle Fälle zu Hause bleiben können – für den eigenen Schutz und Wohlergehen wie auch zum Schutz vor Übertragung von anderen. Viele Infekte werden durch Viren verursacht, wie z.B. in dieser Saison die richtige Grippe oder andere Erkältungskrankheiten. Diese können nur symptomatisch behandelt werden: Fieber senken (auch mit Hausmitteln), Husten und Schnupfen lindern (mit Tees und Sirup) und vor allem Bettruhe gewährleisten und viel trinken. Die bakteriellen Infekte wie z.B. Keuchhusten und Scharlach sollten mit Antibiotika behandelt werden, und die Behandlung erfolgt unter Aufsicht eines Arztes.

4. Bei welchen Anzeichen soll das Kind sofort zum Arzt?

Bei hohem Fieber. Wenn die Beschwerden nicht abklingen oder sich gar verschlechtern. Bei Atembeschwerden oder wenn das Kind nichts behalten kann (Gefahr der Austrocknung beim Brechdurchfall). Oder wenn sich das Bewusstsein trübt und das Kind nicht mehr essen und spielen mag. Dann sollten die Eltern auf alle Fälle die Hausärztin oder ihren Hausarzt kontaktieren. Aber auch immer dann, wenn sie in Sorge sind, also auch wenn es sich um eine sogenannte Bagatelle handeln könnte. Bei Fragen rund um einen Krankheitsausbruch an Schulen bzw. dessen Eindämmung kann die zuständige Schulärztin oder der Schularzt kontaktiert werden.

5. Wie lange dürfen arbeitstätige Eltern daheimbleiben?

Bis zu drei Tage, wenn sich die Betreuung der Kinder nicht anders als durch die Eltern organisieren lässt. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, bei Krankheit oder Unfall in der Familie, bei Familien mit eigenen Kleinkindern oder Kindern im schulpflichtigen Alter bezahlten Urlaub zu gewähren.

Lesen Sie dazu auch das Posting: «Nein, nicht schon wieder krank!»