Verbessern Sextoys das Liebesleben?

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Abgesehen vom praktischen Nutzen macht sich eine Dildosammlung auch als optischer Blickfang gut. Foto: Raisa Durandi

Wie nützlich sind solche Spielzeuge?

Liebesspielzeuge haben sich mittlerweile aus der erotischen Schmuddelecke befreit und finden sich heute immer häufiger in Paarhaushalten wieder – bei Jung und Alt. Waren früher Dildos, Analplugs und Handschellen tabuisiert und wurden Vibratoren des Öfteren in verharmlosenden Delphinformen maskiert, so zeigt die Marktforschung einen steigenden Trend in der Nutzung von Sextoys. Paare finden sich vermehrt gemeinsam in Erotikläden wieder und lassen sich vom Produktangebot inspirieren. Laut zwei Studien, welche in den USA durchgeführt wurden, berichten rund 45 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen, schon mal einen Vibrator benutzt zu haben.

Interessanterweise klagten diese Personen auch über weniger Sexualprobleme wie Erektionsstörungen, Lustlosigkeit oder mangelnde Erregung. Eine vom grössten Sexspielzeughersteller Deutschlands durchgeführte Umfrage zeigte zudem, dass die Mehrzahl der Benutzer gleich mehrere Exemplare auf dem Nachttisch stehen haben und dass immerhin noch 9 Prozent der 50- bis 70-Jährigen sich gerne von Spielzeugen beglücken lassen. Zudem geben rund die Hälfte der Frauen und rund drei Viertel der Männer an, die Toys gemeinsam mit ihrem Schatz zu benutzen. Dem Grossteil der Benutzer geht es darum, Neugierde zu stillen, Varianten zu entdecken und so ihr Sexleben zu erweitern. Diese Zahlen sollen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sexspielzeuge für viele trotz aller Ästhetik eine heikle Angelegenheit bleiben. Viele dieser Hilfsmittel werden zwar gekauft, aber nur selten gebraucht.

Die Meinungen bezüglich des Nutzens solcher Hilfsmittel im Bett gehen nach wie vor auseinander – auch bei den Sachkundigen. In der klinischen Praxis wird der Einbezug von Hilfsmitteln hauptsächlich dann von einigen Experten empfohlen, wenn eine «biologische Notwendigkeit» besteht. Wenn also etwa der Penis des Partners nicht mehr steif genug wird, man sich jedoch nicht auf die Wirkung von pharmakologischen Krücken wie Viagra und Co. verlassen möchte. Auch kann es helfen, eine Brücke zu einem neuen Körperbewusstsein zu schlagen, gerade bei Frauen, die Probleme haben, sich selbst anzufassen, oder nur selten zum Orgasmus kommen. Hier können Sextoys helfen, sich besser kennen zu lernen und den Vaginalbereich besser zu spüren und so die mit dem Schambereich verbundene Hemmschwelle zu bezwingen.

Andere raten vom Gebrauch von Liebesspielzeugen ab, da es dazu führt, dass sich die Partner weniger mit dem Körper des Gegenübers auseinandersetzen und durch das Plastikwerkzeug weniger taktile Intimität hergestellt wird. Zudem fürchten einige, dass es das Erregungsspektrum einschränkt und das Erreichen eines Orgasmus schwieriger macht. Dies ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Bei einem gesunden Sexleben oder ausgeprägter Fingerfertigkeit ist ein Sextoy zwar überflüssig, aber Probieren geht letztlich über Studieren. Und danach kann jeder für sich (oder gemeinsam) entscheiden, ob es das Liebesleben beflügelt oder das Designerteil bloss zur optischen Aufwertung des Nachttisches benutzt werden soll.

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri beantwortet einmal wöchentlich eine Leserfrage zum Thema Sexualität und Liebe. Diese wird vertraulich behandelt und ohne Namensnennung publiziert. Schreiben Sie uns auf sexologisch@tages-anzeiger.ch.

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