Die schlimmsten aller Kosenamen

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Kein Kommentar: Denn ich will kein Wurm und auch kein Engel sein. (iStock)

Schwangerschaft und Familiengründung sind ein Fest der ulkigen Begrifflichkeiten. Über die Abkürzungen der Forenmuttis wie MuMi oder SS habe ich mich an dieser Stelle ja schon einmal ausgelassen. Aber auch ausgeschriebene und gesprochene Wörter treiben mir oft ein Fragezeichen ins Gesicht.

Familienmanager(in)

Hausfrau und Hausmann klingt altbacken. Aber ob es deswegen einen Anglizismus aus der Wirtschaftswelt braucht? Damit verbessern wir doch nicht die Wahrnehmung der Hausarbeit, sondern heben wieder das Finanzkader auf ein Podest. Und wenn schon, dann gleich richtig: Wie wärs mit Chief Family Officer, Familienvorstandsvorsitzende oder Familienprokurist?

Ja, ich habe den Begriff Familienmanager auch schon verwendet und mich dann eine Woche lang dafür geschämt. Die folgenden Wörter kämen mir allerdings nicht über die Lippen:

Familienvater und Kindsvater

Während Mutter für sich allein gut genug klingt, braucht der Vater immer mal wieder einen Präfix. Aber jeder Hobbymathematiker weiss: Zwei schöne Wörter ergeben ein Schimpfwort (in Fachkreisen auch als Schafseckel-Theorem bekannt). Väter werden deshalb immer nur bei persönlichem Fehlverhalten zum Familien- oder Kindsvater: «Die Hälfte aller Familienväter geht ins Puff» oder «Der Kindsvater hat sich abgesetzt» sind typische Sätze. Für ganz schlechte Väter gibt es noch die Kombination als Steigerungsform: «Der Familienkindsvater hat sich ins Puff abgesetzt.»

Familienvater und Kindsvater. Klingt wie Familienpackung und Kinderschokolade, ist aber des Teufels.

Kennenlernzeit

Einer der beliebtesten Glückwunschsätze nach der Niederkunft lautet anscheinend: «Ich wünsche euch eine schöne Kennenlernzeit.» Gut gemeint, aber ich muss nichts kennen lernen, was ich selber gemacht habe. Ausserdem wäre «Haha, viel Spass mit dem Kindspech!» weitaus ehrlicher und klänge weniger wie Watte.

Die wahren Klassiker sind aber sechs weitverbreitete Kosenamen fürs Kind. Einer kitschiger als der andere:

Bohne

Warum ausgerechnet Bohne? Weil das Kind in der fünften Schwangerschaftswoche mal die entsprechende Form hatte? Dann wäre jetzt nach der Geburt eher «Butternusskürbis» oder «viel zu spät geerntete Zucchetti» angebracht.

Kleine Maus

Mäuse verbreiten Krankheiten, kacken, wo sie gerade essen, und nagen alles an. Der Vergleich passt also ganz gut. Warum aber die entzückten Gesichter beim Blick in den Kinderwagen? Viel passender wäre eine entsetze Fratze und dazu passende Worte: «Ihh, ekelhaft, diese kleine Maus.»

Wurm

Kein Kommentar.

Erdenbürger

«Willkommen, Kiddo. Was sind wir froh, bist du kein Alien geworden. Übrigens gehörst du jetzt zum Bürgertum, hier deine Abstimmungsunterlagen.» So die wörtliche Auslegung des Begriffes. Intendiert ist freilich dessen mystische Bedeutung. Frauen – und es sind immer Frauen –, die Erdenbürger sagen, hängen auch Traumfänger auf und schwitzen dabei Glitter. Geht es eigentlich noch spiritueller als «Erdenbürger»?

Engel

*seufz*

Prinzessin

Männer, die ihre Tochter Prinzessin nennen, hätten wohl besser einen Piraten bekommen. Meine Theorie: Sie erziehen ihre Prinzessinnen zu Erwachsenen, die später Dinge wie «Erdenbürger» und «Engel» sagen.

Ich verstehe es nicht. Bohne, Maus und Wurm entsprechen so gar nicht meinem Humor. Vielleicht kann es mir ja jemand von Ihnen erklären, liebe Leserinnen und Leser. Oder ich akzeptiere einfach, dass solche verqueren Schnusigkeiten zum Wunder der Geburt (*uäääks*) dazugehören. Und überhaupt: Wer bin ich, zu urteilen, ich nenne mein Kind Brecht.