Wie man das Kleinkind im Haushalt einspannt

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen, Autoren und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während einer Woche Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag von Markus Tschannen erschien erstmals am 20. Januar 2016.

Kleinkind beim Sortieren der Wäsche

Motivierte Helfer: Zum Waschen müssen Kinder noch nicht einmal stehen können. (Fotos: Markus Tschannen)

Säuglinge sind lustig anzuschauen, aber ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis (KNV) ist absolut enttäuschend. Trotzdem sollten sich langfristig orientierte Eltern nicht voreilig von ihrem Neugeborenen trennen. Schon im zweiten Lebensjahr steigt der Return on Investment (ROI) deutlich: Ihr Kind kann sich jetzt für die durchbrüllten Nächte revanchieren.

Seine wohlgenährten Beine tragen es durch die Wohnung, sein Hirn versteht einfache Anweisungen, und die kleinen Händchen entwickeln eine ganz beachtliche Grobmotorik. Damit bringt es schon deutlich mehr zustande als der Staubsaugerroboter, für den Sie vor drei Jahren fast tausend Franken hingeblättert haben. Gut, staubsaugen kann es nicht. Blöder Vergleich.

Ansonsten ist Ihr Kind jedoch eine prima Haushaltshilfe. Was es an wiederholten Instruktionen benötigt, macht es mit Motivation wett. Seine Energie scheint endlos, und es ist sich auch nicht zu schade, sich dreckig zu machen. Jedes Kind arbeitet anders, aber die Erfahrungen mit unserem Brecht zeigen eindrücklich, was mit eineinhalb Jahren möglich ist:

Abfall trennen

Egal wo der Ghüdder in Ihrer Wohnung anfällt: Sie brauchen pro Abfallsorte nur noch einen einzigen Kübel. Was wegmuss, geben Sie Ihrem Kind zusammen mit dem magischen Wort «Altpapier», «Komposcht» oder «Normale Abfall … weisch, dä unterem Lavabo … nei … UNTEREM LAVABOOOO!».

Tipp: Unterschätzen Sie nicht die Motivation des Kindes. Unser Brecht hat in einem unbeobachteten Moment munter weiter sortiert. Wir mussten rund zwei Kilo Duplo, fünf Plüschtiere und die Katze des Nachbarn aus dem Altglas retten.

Putzen

Aggressive Reiniger sind immer etwas heikel, aber mit einem feuchten Tuch kann jedes Kleinkind umgehen. Damit putzt es den Tischrand, befreit Küchenfronten von den eigenen Fingerabdrücken oder schrubbt die Müslireste vom Tripp Trapp.

Tipp: Schenken Sie dem Kind zum ersten Geburtstag einen Staubwedel und der unterste Meter Ihrer Wohnung wird für immer glänzen.

Kind wäscht

Ein gutes Kind wäscht …

Waschen

Kleiden Sie sich bequem dort um, wo Sie gerade stehen. Ihr Kind wird die dreckigen Kleider danach in den Wäschekorb tragen. Später kann es die Waschmaschine füllen und den Startknopf drücken. Sie geben nur noch Sprachbefehle. Wie bei Siri.

Tipp: Falls Sie für unterschiedliche Wäsche mehrere Wäschekörbe führen, codieren Sie sie mit verschiedenen Farben. Zumindest wir machen das so, unser Brecht hat eine grausame Links-rechts-Schwäche.

Kind putzt

… putzt …

Wäsche auf- und abhängen

Kein Bücken mehr beim Aufhängen. Das Kind reicht Ihnen die Wäschestücke einzeln aus dem Korb oder, falls Sie unter 40 sind, aus der Ikea-Tüte. Abhängen funktioniert rückwärts nach demselben Muster.

Tipp: Benennen Sie die Wäschestücke beim Aufhängen. «Das ist Papas Edelweisshemd und das ist Mamas Schlüpfer.» Ihr Kind kann sich alles merken und wird später die getrocknete Wäsche korrekt sortiert vor den Schrank drapieren.

Kind staubt ab

… und staubt ab.

Bringdienst

Wissen Sie noch früher, als Sie vom Sofa aufstehen mussten, um sich ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank zu holen? Was waren das Zeiten. Heute schnippen Sie mit dem Finger, hören ein zackiges Stapfen, zweimal die Kühlschranktür und schon geht es mit einem frischen Bier in die zweite Halbzeit.

Tipp: Wenn Sie damals bei der Küchenplanung dachten, Sie seien schlau und lassen den Kühlschrank auf Kopfhöhe einbauen, dann haben Sie jetzt halt Pech gehabt. (Ich weiss, das ist kein Tipp.)

Spülmaschine ausräumen

Obwohl sich Kleinkinder beim Einräumen der Spülmaschine sehr ungeschickt anstellen, klappt das Ausräumen problemlos. Während Sie gemütlich die Gläser und Teller in den Schrank bei der Spülmaschine stellen, schleppt Ihr Nachwuchs die Pfannen und Salatschüsseln in die andere Ecke der Küche.

Tipp: Reservieren Sie einen Unterschrank für Kinderteller, Tupperware, Schneidebrettchen und andere unzerstörbare Utensilien. Diesen Schrank verwaltet das Kind nun komplett selber. Dabei lernt es derart gut Verantwortung zu übernehmen, dass es später auch mit Katze, Hund oder Pony zurechtkommt und mindestens ein Jahr früher von zu Hause auszieht.

Massage

Ihr Kind krault Ihnen nach einem harten Arbeitstag gerne den Rücken. Für eine richtige Massage können seine Händchen noch nicht genug Druck aufbauen, wohl aber seine Knie.

Tipp: Wenn Sie sehr verspannt sind oder auf richtig kräftige Massagen stehen, dann bitten Sie Ihr Kind, sich mehrmals rhythmisch auf Ihr Genick fallen zu lassen. Ich hatte zwar noch nie das Bedürfnis, der Brecht bietet es mir aber von Zeit zu Zeit spontan an.

Unterhaltung

Falls Sie sich die Billag sparen wollen, kann Ihr Kind Sie mit Showeinlagen unterhalten. Bewährt haben sich rudimentäre Tänze und einfache Gesänge. Denken Sie sich die Moderation vom Epiney einfach dazu.

Tipp: Verkaufen Sie den Fernseher, erwerben Sie vom Erlös diverse Paillettenkleider in Grösse 86 und holen Sie sich den Eurovision Song Contest in Ihr Wohnzimmer.

Und bevor Sie jetzt denken «der Tschannen schreibt blöds Züüg»: Ich schwöre, wir haben das alles erfolgreich umgesetzt. Natürlich gab es auch Rückschläge. Beim Giessen der Pflanzen zum Beispiel. Das Kind hat wohl gegossen, aber halt nicht die Pflanzen. Ebenfalls nicht empfehlenswert sind: Fenster putzen, Kartoffeln rüsten und das Auto auftanken. Hier ist klar im Vorteil, wer auch noch ältere Kinder hat.

22 Kommentare zu «Wie man das Kleinkind im Haushalt einspannt»

  • Simone Schmitt sagt:

    Der Beitrag ist einfach nur witzig und wenn man andere Beiträge des Autoren kennt, weiss man auch, dass dieser Artikel nicht all zu ernst zu nehmen ist.
    Frau Meyer hat wohl ihren Humor beim Lesen ausgeschaltet?!
    Ausserdem macht es Kindern wirklich Spass beim Haushalt zu helfen, wobei man meist ja mehr Arbeit dadurch hat….

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      ihr letzter satz ist natürlich wahr. hier hilft nur ein gewisser drill – kommandieren, kontrollieren, korrigieren.

  • Hans Weder sagt:

    Ich kann der Schilderung von Herrn Tschannen vollumfänglich beipflichten und weitere Beispiele aus der Welt des Kochens hinzufügen:
    Die kleinen tapferen Kinderhände können Nahrungsmittel hervorragend auspacken und, wo dies vor der Veredelung am Herd angezeigt ist, gleich selbständig mit dem ausladenden Einsatz von Wasser reinigen. Weitere hilfreiche Dienstleistungen umfassen das Umrühren von (mit Vorteil) eher zähflüssigen Massen, das Kneten von Teig und, natürlich, alle erdenklichen Spielweisen des kreativen Garnierens. Mit etwas Training bringt die unermüdliche Assistenz auf Zuruf sogar die gewünschten Gewürze und erkennt beim Abschmecken, welche Ingredienzen fehlen oder, im ungünstigeren Fall, zu freigiebig verwendet wurden. Alles mit 2,5 Jahren. Da kann die Kitchen-Aid einpacken.

  • Muttis Liebling sagt:

    Da fällt mir nur ein Witz aus der Frühzeit der Arztpraxis- Computer ein.

    Kunde an Hotline: In der Anleitung steht, ich soll die Abrechnung auf eine formatierte Diskette kopieren. Wie formatiert man eine Diskette?

    Antwort: Hänseln Sie Ihren 4- jährigen Sohn mit dem Satz, dass er das nicht kann und schauen Sie dann zu, wie er es macht.

  • Cs sagt:

    Herrlich, Tränen gelacht, herzlichen Dank für die aufmerksam beibachteten und dokumentierten Zeilen.

  • Bänz Meier sagt:

    Kinder früh einbinden und Dinge fürs Leben beibringen. Punkt. Alles andere ist Schwachsinn. Katharina Mayers Aussage verstehe ich kein bisschen.

  • Samichlous sagt:

    Kleinkinder haben ja oft ein großes Interesse daran, was die Eltern gerade tun. Sie spielen oft lieber „Abstauben“ als für sich allein mit einem extra für sie hergestellten künstlichen Spielzeug. Spielen ist Lernen. Wenn Kinder Interesse an Haushalt zeigen, geht man auf Ihre Bedürfnisse ein. Kinderarbeit hingegen wäre erzwungen. Sie wollen von den Großen lernen, dazugehören und auch Teil der Familie sein.
    @Katharina ich verstehe was Sie meinen. Etwas anderes ist es, wenn wir unsere Kinder schon aufs Arbeitsleben trimmen und in Tagesstrukturen zwängen, und ihnen diesen Stress antun.

  • Gabriela sagt:

    Also ich finde es super. Kinder sollen früh spielerisch im Haushalt miteinbezogen werden. Natürlich muss man die Kindheit respektieren und behüten. Aber man muss das Kind auch erziehen und für das spätere selbständige Leben vorbereiten. Mit diesen Tipps, lernt das Kind früh, dass wenn man ein schönes Zuhause haben will, es etwas dafür tun soll. So vermeidet man später die Dienstmagd des Teenagers zu sein und man tut was Gutes für den/die zukünftige/n Ehepartner/in. Es ist ein wichtiger Beitrag für die Allgemeinheit.

  • Katharina Mayer sagt:

    Holla, wir sind alle gegen Kinderarbeit. Und hier wird das Kleinkind schon früh in den Arbeitsprozess integriert. Ich finde das nicht richtig. Die schöne Kindheit endet ohnehin zu früh mit der Einschulung, Tagesstruktur und später mit 45 Jahren Arbeitsleben. Lasst den Kleinen doch die ersten unbeschwerten Jahre!

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      jaja. aber man kann gar nicht früh genug damit anfangen, die sprösslinge mit ämtchen zu betrauen. vor allem bei den mädchen ist es wichtig, die „basics“ früh zu erlernen. (waschen, bügeln, putzen, kochen). dies macht sie dann später zu begehrten hausfrauen.

      • Tina sagt:

        Herr Rittermann, auch die Buben sollten die Basics früh erlernen, damit sie später ebenfalls zu begehrte Partner für die Frauen werden.

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        tina. natürlich haben sie recht. die buben sollten schon möglichst früh beginnen, monopoly zu spielen. damit sie die ökonomischen grundlagen intus kriegen, um die künftige holde substantiell unterhalten zu können.

    • 13 sagt:

      Dass es ein „Arbeitsprozess“ ist, ist doch die Erwachsenensicht, für Kinder ist es einfach nur spannend das Gleiche zu machen wie die Grossen. So wie ich den Staubsauger anwerfe stehen bei mir drei Knöpfe bereit mit der Frage: „Dürfen wir helfen?“ (ok, nur zwei davon formulieren die Frage so, aber da das Dritte mit einem sehr motivierten „dadada“ auf dem Staubsauger herumdrückt, gehe ich mal davon aus, dass es das Gleiche meint.) Ich wünsche oftmals die Kinder könnten in der Schule so lernen, dass sie einfach einbezogen werden.

      • Reto sagt:

        @Rittermann: Ihre Ironie ist fehl am Platz. Im welchem Jahrhundert leben Sie?! denn. Ihr Verhalten gegenüber Frauen ist nicht Zeitgemäss und unangebracht.

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        das würde ich so nicht sagen, herr „reto“. ich bezeichne mich mal gerne als „wertkonservativ“. die frau in ihrer ursprünglichen bestimmung schätze ich sehr.

      • Franz Vontobel sagt:

        Nicht füttern, Reto!

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        tina. diese diskussion hatte ich in der tat auch schon mit meiner gattin. ich würde in dem fall dann einfach eine haushalthilfe engagieren.

    • Cybot sagt:

      Es ist keine Arbeit, wenn es dem Kind Spass macht. Es geht hier ja nicht darum, 18 Stunden pro Tag Steine zu schleppen – das ist wirkliche Kinderarbeit.

      • Tina sagt:

        Herr Rittermann, selbstverständlich dürfen Sie so denken. Aber was denn, wenn die Frau krank wird oder aufsmal nicht mehr da ist?! Dann wäre es doch von Vorteil, wenn der Mann die Hausarbeiten auch bereits als Kind gelernt hätte, da wäre er seiner Mutter sicher dankbar gewesen.

      • Tina sagt:

        Und wenn sich das jemand nicht leisten kann? Ihre Antwort ist sehr oberflächlich und egoistisch. Ich lese fast aus Ihren Zeilen heraus, dass es Ihnen finanziell gutgeht. Was, wenn das mal nicht mehr so ist?! Dann werden Sie auf den Boden kommen, gezwungenermassen. Und ich bleibe bei meiner Meinung, auch würde ich meinen Sohn so grossziehen, dass er die Hausarbeiten machen kann, so hat es bereits meine 90jährige Grossmutter mit ihren Kindern gemacht, Mädchen und Knaben werden gleich behandelt.

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