Unheimliche virtuelle Jagd

Mamablog

«Pokémon Go» ist «Augmented Reality» für Kinder. Foto: Koji Sasahara (Keystone)

Vielleicht sind sie Ihnen auch schon aufgefallen. Die Teenager-Grüppchen, die neuerdings allabendlich durchs Quartier streifen, das Smartphone stets fest im Blick. Ich bin ihnen nicht nur in unserer Siedlung begegnet, sondern auch schon unten am Fluss, als ich mit den Kindern aus der Badi heimwärts geradelt bin. Vermutlich waren sie dort gerade auf der Suche nach einem am Wasser lebenden Pokémon. Denn natürlich haben die 12-Jährigen nicht plötzlich das Spazierengehen für sich entdeckt. Nein, sie sind auf der Jagd nach virtuellen Tieren.

Das Smartphone-Game «Pokémon Go» hat weltweit eingeschlagen wie eine Bombe. Weil es das erste seiner Art ist: Es verbindet die reale mit der virtuellen Welt. Man spielt zwar auf dem Smartphone-Bildschirm, muss sich aber gleichzeitig im realen Raum bewegen. Denn nur wer herumläuft, entdeckt die überall versteckten Pokémons und kann sie mit etwas Glück und Geschick einfangen. Und nur wer den Weg zu einem sogenannten Pokéstop unter die Füsse nimmt, ergattert dort die benötigten Spielutensilien. (Mehr über «Pokémon Go» erfahren Sie in diesem Beitrag.)

Suva warnt vor Stolpern

Ein Game, das die Teenies aus der Wohnung bringt und sie erst noch zum stundenlangen Gehen motiviert? Klingt wunderbar. Wenn sie dabei nur nicht immer auf den Bildschirm starren würden. Bereits kursieren im Internet Geschichten von Pokémon-Jägern, die blind in ein Auto gelaufen sind oder von Gaunern in einen Hinterhalt gelockt wurden. Sogar die Suva sah sich genötigt, eine Warnung herauszugeben: «Aufgepasst vor Stolperfallen auf der Pokémon-Jagd» titelte der Unfallversicherer. Und liess verlauten, dass ein kleiner Stolperer grosse Folgen haben könne: «Vier von zehn Invalidenrenten werden infolge eines solchen Unfalls gesprochen.»


Die Pokémon-Jäger dürften solche Warnungen schnell vergessen, wenn ihnen ein seltenes Tierchen vors Smartphone hüpft. So wie sie in dem Moment überhaupt alles um sich herum vergessen. Genau das macht für viele den Reiz aus und hat schon so manche Kontroverse entfacht. So habe ich auf Facebook vor kurzem eine Diskussion mitverfolgt, in der sich jemand empört hat, dass sich die Leute mit solch einem Nonsens wie Pokémon beschäftigen, während sich sozusagen vor unserer Haustüre ein unglaubliches Flüchtlingsdrama abspielt. Deshalb brauche es eben zwischendurch Ablenkung und Spass, wandten die einen ein. Sich in einer virtuellen Welt zu verstecken, sei feige, fanden die anderen.

Entspannung in Parallelwelt

Dabei ist «Pokémon Go» bloss ein erster Schritt in Richtung «augmented reality» für die Massen. Als ich letztes Jahr eine Social-Media-Konferenz in London besuchte, wurden bereits Szenarien von lebendig werdenden Corn-Flakes-Verpackungen und virtuellen statt realen Konzertbesuchen entworfen, die sich spannend, gleichzeitig aber auch angsteinflössend anhörten. Gerade für mich als Mutter. Denn wer will seine Kinder schon in einer Welt leben sehen, in der die via Smartphone in «real time» übertragene Realität so schrecklich ist, dass man sich zur Entspannung in eine virtuelle Parallelwelt begeben muss? In der sich erweiterte und wirkliche Realität so sehr vermischen, dass am Ende nicht mehr klar ist, was wahr ist? Und in der jeder nur noch auf einen Screen starrt, anstatt dem Gegenüber auch mal ins Gesicht zu schauen – und dies nicht nur im Zug, sondern auch beim Herumlaufen auf der Strasse?

Vielleicht kennen Sie selber solche Gedanken auch. Vielleicht finden Sie aber auch, dass ich masslos übertreibe. Und womöglich hängt Ihre Meinung unter anderem mit dem Alter Ihrer Kinder zusammen. Denn während die 12- bis 14-Jährigen in meinem Umfeld fleissig Pokémon jagen und dafür vor den Ferien sogar die Schule geschwänzt haben, nutzen die 20-Jährigen ihr Smartphone lieber, um Selfies von sich und ihren Freunden zu machen – an Partys in der realen Welt, notabene, an denen sie sich ganz normal miteinander unterhalten und flirten. Wer hingegen genauso von der Rolle ist wegen «Pokémon Go» wie die etwas jüngeren Kinder, sind einige Mittdreissiger, die sich dank des Games vermutlich ein bisschen jugendlicher fühlen.

Vielleicht sind es also gerade auch wir Älteren, die wir uns so einfach und schnell in diese neuen Realitäten hineinziehen lassen – und diese deshalb als bedrohlich empfinden. Während die jüngere Generation den Spagat zwischen realer und virtueller Welt viel professioneller meistert und sich von ein paar virtuellen Tierchen gar nicht so extrem beeindrucken lässt.

Wie denken Sie darüber? Sind Ihre Kinder auf den «Pokémon Go»-Hype aufgesprungen, oder haben Sie sich an deren Stelle zu den Pokémon-Jägern gesellt?

72 Kommentare zu «Unheimliche virtuelle Jagd»

  • Cybot sagt:

    Kinder und Teenager? Ich hab das Game am Wochenende mit ein paar Kollegen, die es spielen, auch mal ausprobiert. Begegnet sind wir auf der Strasse aber keinen Kindern, sondern eher 30-40-jährigen Männern, die aussahen, als hätten sie das erste Mal seit 10 Jahren die Wohnung verlassen. Also Leuten wie uns. 😉

  • Zimy sagt:

    Ich würde sagen, in ca. 5-6 Monaten wird der Hype von selbst wieder nachlassen. Wegen der Aussentemperaturen.

  • Markus sagt:

    Ich weiss im Moment nicht, was nervtötender ist. Der Hype um Pokemon Go oder damit einhergehende Hysterie.
    Wenn ich morgens durch die Stadt gehe, dann sehe ich dutzende Menschen mit Blick aufs Smartphone; und nur ein Bruchteil davon spielt tatsächlich Pokemon Go. Die Mehrheit liest/schreibt WhatsApp/Mail/SMS-Nachrichten, liest irgendwelche Newsartikel oder Facebook. Nota bene lenken diese Tätigkeiten beim Gehen deutlich mehr ab als Pokemon zu spielen.
    Auch ist Pokemon Go (wie bereits bemerkt) keineswegs das erste seiner Art. Ingress gibt es schon seit über 3 Jahren und hat weltweit eine recht beachtliche Spielerbasis entwickelt.

  • Sonja Vetterli sagt:

    Verknöcherte Meinung die Sie hier zum Besten geben. Ich habe keine Kinder, bin ü50 und finde das Spiel einen lustigen Zeitvertreib der einem noch dazu anspornt sich zu bewegen. Mich ängstigen Jugendlich mehr die sich zuhause vor dem PC verschanzen und dort gamen bis zum umfallen.
    Pokemon go ist sowas von harmlos und spielt eben mehr in der Realität (da man sich im Freien befindet) als so manch andere Spiel. Als virtuell würde ich es nicht bezeichnen und schon gar nicht eine Parallelwelt.
    Ich denke mal es kommt auch immer darauf an wie man den Umgang mit solchen Medien seinen Kindern weitergibt. Dies ist die heutige Welt und es wird sich noch weiter in diese Richtung bewegen davor können und sollen wir uns nicht verschliessen sonst verbauen wir Ihnen die Zukunft

    • maia sagt:

      Vielleicht verbauen wir aber den Kinder die Zukunft wenn wir völlig unwidersprochen unsere Daten weitergeben und uns damit zu gläsernen Menschen machen, die jeder Autonomie beraubt werden.

  • maia sagt:

    Ich frage mich immer wieder, warum so ein Artikel ohne irgend einen Hinweis auf die Probleme mit dem Datenschutz erscheinen kann.

  • Leo Schmidli sagt:

    Vor den Sommerferien die Schule geschwänzt? Pokémon Go wurde aber erst nach Beginn der Sommerferien veröffentlicht…

    • Jeanette Kuster sagt:

      Bei uns haben die Ferien erst vor einer Woche begonnen – Pokémon Go wurde schon vorher gespielt. Man konnte es sich ja relativ einfach schon vor der offiziellen Lancierung in der Schweiz besorgen.

  • Widerspenstige sagt:

    … es gibt good news aus der Luft 😀 unser Schweizer Solarflugpionier Bertrand Piccard erfliegt die letzte Etappe von Kairo nach Abu Dhabi mit dem stärksten menschlichen Motor: der Leidenschaft zu einer Sache!
    Soeben gab er live Interviews aus seinem unbequemen Cockpit ua an ‚The Guardian‘ und ‚CNN‘. Wo ist der Enthusiasmus in der Schweiz über diese sensationelle Weltumrundung nur mit Solarenergie?!
    Hier für Interessierte http://www.solarimpulse.com/

    • Muttis Liebling sagt:

      Ökologisch sinnvoller ist es, für eine Weltreise das Sofa nicht verlassen zu müssen. Eine Software illusioniert die, inklusive nicht deterministischer Eingriffe.

      Wenn alle Menschen verkabelt sind, kann man auch alle miteinander verschalten, kann Gespräche und sogar körperliche Berührungen perzipieren lassen. Ich denke, das ist die Zukunft, die posthumane Gesellschaft.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ein anderer „Motor“ ging da leider vergessen: Sehr viel Geld. Der Mehrwert solch eher bizarrer „Rekorde“ ist hingegen meist fragwürdig. Dass sich daraus nennenswerte technologische oder gesellschaftliche Fortschritte ergeben, würde ich jetzt eher bezweifeln, insofern ist das primär mal eine nette Ego-Show für Piccard, dem es ja durchaus zu gönnen ist, dass er da von seinem Hobby gut leben kann. Aber was das mit dem Blog-Thema zu tun hat, ist eh nicht ganz klar, ausser dass in beiden Fällen Leute weitgehend zweckfrei durch die Welt gondeln..

  • Susi sagt:

    Zum Thema „Game verbindet virtuelle mit realer Welt“ gibt es übrigens einen Jugendroman (Thriller), der Teenies extrem gut ankommt: „Erebos“ von Ursula Poznanski (2011 erschienen). Da geht es um eine Schule, an welcher ein Game kursiert, das den Spielern auch Aufgaben in der realen Welt stellt, um ein Level höher zu kommen. Das Spiel verfolgt gleichzeitig ein Ziel und entwickelt sich selbst weiter (-> KI).
    Die Jugendlichen verschlingen die knapp 500 Seiten geradezu, sobald sie das Buch in die Finger kriegen.

    • Shanelll sagt:

      oh ja ein super Buch nicht nur für Jugendliche! und übrigens die gleiche Autorin hat einen Krimi geschrieben (für Erwachsene) in dem es um Geocaching geht. „fünf“ heisst der Krimi.

  • Widerspenstige sagt:

    Ich verstehe nicht, was daran wertvoll sein soll. Es ist eine Art von Zeitvertreib, der mE zu nichts weiterem gut ist, als noch mehr Verunsicherung, Hysterie bis zu Unfällen auszulösen. Geht doch besser Urban Gardening betreiben, davon kann man wenigstens etwas für sein Leben lernen und man ist auch stundenlang an der frischen Luft. Der ideelle Wert ist aber erheblich höher und ganzheitlicher.

    Ach ja, beim Urban Gardening verbraucht man nur seine eigene Energie und keine Batterien oder Strom. Und die Augen werden auch noch geschont vom Geflimmer auf ein Bildschirm. Ganz zu schweigen vom Riechorgan, das Würziges und Süsses erduften darf, wenn es dann spriesst und zusätzlich den Gaumen erfreut, wenn es reif für den Genuss ist. Wetten, dass das mehr Spass macht auf längere Sicht?

    • Muttis Liebling sagt:

      Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis es Endgeräte gibt, die nicht wie eine Exoprothese daherkommen, sondern induktiv angekoppelt werden und dann alle Sinne bedienen.

      Der Nachteil des Smartphone besteht darin, dass überhaupt ein Gerät benötigt wird, welches den Sehnerv optisch und das Innenohr sogar nur plump mechanisch bedient.

      Das geht auch immateriell. Das WLAN der Zukunft bedient das periphere Nervensystem direkt und das Beste ist, allein mit Bordeigenschaften kann man das nicht verhindern. Dafür gibt es keine Gebühren.

    • Reto sagt:

      Vor, nach und während des Gärtnerns hat man ja auch noch locker Zeit für ein Spielchen zwischendurch. Das Ganze widerspricht sich eigentlich nicht und es sollte sich auch nicht konkurrenzieren.

      So lange man nicht nur das eine macht, ist es wahrscheinlich schon OK.

  • Gundel sagt:

    Frau B, sie erinnern mich regelmässig an meine pietistische Grosstante.

  • s. boll sagt:

    ich finde es mehr als hirnrissig. zeigt einmal mehr auf auf welcher degenerierungsebene sich die menschheit bewegt – sprich am verblöden ist. verbote helfen da nicht, schliesslich ist die meinungs- und damit freiheit in unseren breitengraden ein privileg. machen lassen und damit auch die nase anrennen lassen.
    jeder einzelne wird dann von alleine klüger (bleibt zu hoffen mit minimalem schaden…).

    • Christoph Bögli sagt:

      Das altbekannte Lamento. Sowas haben erwiesenermassen schon Leute vor 3000 Jahren geschrieben, darum müssten wir heute längst sabbernde Zombies sein. Stattdessen bedienen die Leute komplexe Mini-Computer und navigieren damit geschickt durch die Gegend. Das Spiel selber mag ja absurd wirkt, spricht mit dem Jäger und Sammler-Konzept aber bloss urmenschliche Instinkte an.
      Es ist darum bedenklich, eine liberale Gesellschaft auf dem technischen Höhepunkt und mit der Musse, sich einem sozialen (!), friedlichen (!!) Zeitvertreib hinzugeben, als degeneriert zu bezeichnen. Angesicht von Jahrtausenden an totalitärem, mörderischem und ideologischem Wahnsinn (und all jenen, die uns gerne wieder dort hätten) fragt man sich, welche Vergangenheit Sie sich genau zurückwünschen..

  • Christoph Bögli sagt:

    „Pokémon Go“ ist keineswegs das erste solche Spiel geschweige denn Produkt, sondern wenn schon das erste, das das Konzept massentauglich umgesetzt hat. Die Idee ist aber natürlich nicht neu. Und ist auch nicht viel anders, als wenn man sich in einer unbekannten Stadt vom Smartphone zu einem Restaurant oder einer Sehenswürdigkeit lotsen lässt, was ja längst ein gängiger Vorgang ist. Entsprechend sehe ich auch nicht ganz, wieso hier wieder krampfhaft versucht wird, einen negativen Unterton reinzubringen. Prinzipiell ist es doch erfreulich, dass Leute zusammen und draussen was unternehmen und die (vermeintliche) Trennung von „realer“ und online Welt immer mehr verschwindet. Aber weils ein Videospiel ist muss daran offenbar immer irgendwas schlecht sein..

  • DS sagt:

    Ich, 31, spiele es gerne und nur anstatt anderer Spiele am PC. Es hat halt schon was Nostalgisches, wenn ich an meine Teenagerzeit zurückerinnert werde, als ich Pokemon auf dem Gameboy spielte. Für mich heisst das, ich gehe mehr raus und rede ab und zu kurz mit fremden Leuten, die im übrigen oft eher mein Alter haben. Und ihre Ängste bzgl. virtueller Welt sind eh längst real. Der Begriff des Smartphone Zombies (Smombie) wurde schon vor Pokemon Go geprägt.

  • Reto sagt:

    Ich find’s persönlich eigentlich völligen Quatsch und muss den Kopf schütteln, wenn ich, wie in NY oder anderorts, Dutzende von Erwachsenen auf einem Haufen sehe, die einem Pokemon nachrennen.

    Allerdings habe ich jetzt bei den Kindern auch nachgegeben, nach ein Gotti ihnen die App halt (leider) gezeigt hat und sie stunden lang spazieren gegangen sind.

    Die Kinder laufen jetzt mit einem Handy zu viert durchs Dorf und finden’s grausam spannend, die kleinen Monster zu jagen.

    Ich zwei Wochen oder notfalls etwas später, wird der Zauber wieder vorbei sein und sie werden sich wieder freuen, anstatt Pokemons Pilze sammeln zu gehen. Gestern war das Pilzen voll blöd, weil’s dort im Wald keinen Empfang gab und wir so nur Pilze gefunden haben ;o)

    • Carolina sagt:

      Zu Pilzen weiter oben……
      Verstehe trotzdem nicht, warum Pilze suchen erzieherisch wertvoller sein soll als Pokemons sammeln…….

  • Ylene sagt:

    Immer die alte Leier. Genau solche Befürchtungen hatte man auch schon beim Radio – und wahrscheinlich auch schon, als Ugh das erste Mal Feuer heim in die Höhle brachte. Lasst doch den Leuten ihren harmlosen Spass. Die eifrigsten Spieler in meinem Bekanntenkreis sind zwischen 35-50 und nicht etwa Kinder (und ja, ich habe selber Kinder und kenne deswegen auch noch einige mehr). Man kann durchaus politisch interessiert sein, ein Familien- und Eheleben führen, einen Job haben und dazu noch Pokémon Go spielen. (Man guckt einfach weniger TV 😉

  • Susi sagt:

    Genau wie mein Fitnesstracker „Zeit für Bewegung“ meldet, sagt Pokémon go „Zeit, nach draussen zu gehen“. Was will man mehr von einem Game?
    (Ich habe heute Morgen bereits zwei Pokémons gefangen, einen in unserer Küche und vorher einen im Hof. Jetzt bin ich auf dem Weg ins Fitnessstudio, ev. hat es dort auch welche…)

    • Franz Vontobel sagt:

      Ähm, Susi, waren nicht sie diejenige, die damals vor der Suchtgefahr von Minecraft warnte..?

      • Susi sagt:

        Ja, eben! Minecraft finde ich immer noch übelst.
        Die Welt brauchte ein Game wie Pokémon go! Weil man sich dabei an der frischen Luft bewegt, anstatt 80 Stunden nonstop am PC zu kleben und in einen Eimer zu Pinkeln, weil man keine Zeit für den Gang aufs Klo hat, wie bei einem MMORPG.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ähm, Minecraft ist aber kein MMORPG… Aber ich gebe zu: Pokémon Go bietet eine komplett neue Möglichkeit, sich beim auf’s Handy starren überfahren zu lassen… 🙂

      • Susi sagt:

        Habe auch nicht gesagt, Minecraft sei ein MMORPG (ich habe es übrigens auch installiert), habe mich wohl etwas unglücklich ausgedrückt, war grad noch anderweitig beschäftigt 😉

      • Susi sagt:

        Ich bin übrigens kürzlich auch fast hingefallen beim Gehen und auf den Bildschirm starren, weil ich eine Stufe übersehen hatte. Im Kinderhotel vor aller Augen, voll peino.

      • Carolina sagt:

        Das Stolpern und Hinfallen ist ja so neu auch nicht: als passionierte Pilzsammlerin falle ich regelmässig auf die Nase und stolpere über Wurzeln und Steine im Wald…….. (Echt jetzt! 😉 )

      • Franz Vontobel sagt:

        Naja, sie haben aber, um die „Übelkeit“ von Minecraft zu illustrieren, die Exzesse, die MMPORGs auslösen können als Zeugen aufgerufen – was ich als doch etwas manipulativ empfinde.
        Und was die Suchtgefahr angeht: Das Potential von Pokémon Go (gegenüber Minecraft) spielt da in einer ganz anderen Liga!

      • Susi sagt:

        Ja, aber es gibt eben Süchte und Süchte. Wenn Kinder mit einem Handy gemeinsam durch die Gegend jagen, ist das schon ein anders, als wenn sie nur vor dem Bildschirm hocken.
        So kürzlich geschehen an einer Party, wo sämtliche Kinder ausser meiner Tochter nur Minecraft spielten. Meine Tochter: „Ich frage mich, warum ich überhaupt hergekommen bin.“
        Mit Pokémon go sind sie jetzt wenigstens in Bewegung. Also ein viel kleineres Übel.

      • Susi sagt:

        @Carolina: Im Wald stehen wenigstens nicht noch andere Eltern herum und werden Zeugen der Peinlichkeit!
        😀

      • Franz Vontobel sagt:

        Nur weil sie sich dazu bewegen ist es ein kleineres Übel – das reicht? Ist das nicht eine etwas naive Sicht der Dinge?
        (Btw: auch ein Heroin-Junkie muss sich bewegen, um an seinen Stoff zu kommen…)

      • Susi sagt:

        Sie bewegen sich stundenlang. Und sie sind stundenlang an der frischen Luft und lernen die Umgebung kennen…
        Der Vergleich mit dem Heroin hinkt darum massiv!

      • Franz Vontobel sagt:

        Für mich war und ist das eigentliche Problem von Pokémon schon immer v.a. ein ästhetisches – die Pokémons sehen sowas von, sorry, Schei**e aus!

      • Franz Vontobel sagt:

        Sie lernen die Umgebung kennen??? Sie starren auf ihr Handy und suchen das Pokémon – sie interessieren sich einen Dreck für die Umgebung!

      • Franz Vontobel sagt:

        Aber egal, ich lass ihnen gerne ihre Meinung – habe einfach oft den Eindruck, dass sie die Prädikate „wertvoll“ bzw. „übelst“ oft v. a. aufgrund des Kriteriums „gefällt Susi“ bzw. „gefällt Susi nicht“ verteilen…

      • Susi sagt:

        Ja, Franz, ich schreibe ja auch „finde ich immer noch übelst“. Ist meine Meinung dazu, die ich aber auch immer begründe.
        Ich-Mitteilung, weisch….

  • Reincarnation of XY sagt:

    ich habs gleich runtergeladen und war einer der ersten der mit meinen Jungs, die schon seit ein zwei Jahren ausgewiesene Pokemon Fans sind, ein Paar gefangen.
    Was daran unheimlich sein soll? Ist doch super, ein Game bei dem sie sich bewegen müsen. Und sogar noch die Umwelt kennenlernen (Sehenswürdigkeiten oder „ehemalige Dorfmitte“) Wow!
    Schade nur, dass ich keine Daten Flatrate auf meinem Handy-Abo habe….

    Weitaus unheimlicher ist mir ihre Generation. Generation FB, ständig am Chatten, Twittern und Liken. Songtipp dazu: Deichkind „like mich am A….“

  • Franz Vontobel sagt:

    Gerade dann, wo man noch weniger sicher ist, ob man morgen einander noch hat,

    Genau! Weil gerade hier in der CH tanzen wir ja auf dem schon rumpelnden Vulkan und jeder Tag kann mit hoher Wahrscheinlichkeit der letzte sein! Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum (das Arschgeweih unter den Lebensmottos, btw.)!

    • Lucrecia sagt:

      Lebe dein Leben.
      Schätzen Sie sich glücklich, dass Sie den Krieg, die Zerstörung und den Chaos nur aus der Tagesschau kennen.

      • Franz Vontobel sagt:

        Oh, sie leben demnach in einem Land, in dem sie „den Krieg, die Zerstörung und das Chaos“ aus erster Hand miterleben… das wusste ich nicht und entschuldige mich zerknirscht…

  • Bauer sagt:

    Bald piepst es, wenn das Handy via Gesichtserkennung gesuchte Menschen erkennt. Schöne neue Welt!

  • Lucrecia sagt:

    Spielen, tanzen, lieben, ficken — leben! — während unsere Welt untergeht, während Menschen sterben, flüchten, Amok laufen, trauern? Auf jedem Fall.
    Gerade dann, wo man noch weniger sicher ist, ob man morgen einander noch hat, ob man nächste Woche willkürlich gelähmt, enstellt, taub, was noch immer wird, ob es das, was uns Spass macht, langfristig noch geben wird, erst recht das Leben in vollen Zügen geniessen. Was würdest du tun, wenn dein Liebster/Kind nächstes Jahr tot ist? Ein Jahr vortrauern? Flüchtlinge haben alles verloren. Wir haben (noch) alles und sollen es umso mehr geniessen. Besonders die Kinder und Jugendlichen sollen sich die Kindheit/Jugend nicht vermiesen lassen. Leichtigkeit als Angstbekämpfungswaffe.

  • Samira sagt:

    Ich bin aktive Geocacherin und hatte einen Account bei Ingress (letztetes war mir schlussendlich zu abstrakt) Bei beidem rennt man mit einem Bildschirm vor der Nase als Jäger und Sammlerin durch die Gegend. Notabene Gegenden, die man ohne Ein Ziel vor Augen nie besucht hätte.
    Entweder hat man dieses Sammelgen oder eben nicht (Mein Mann hält es für total stupid) -ich würde es deshalb nicht am Alter festmachen und nein, jugendlich fühle ich mich absolut nicht.
    Gestern bin ich beim geocachen zwei Jugendlichen begegnet – am selben Ort hat es einen Pokemon. Wir hätten das Denkmal im hinteren Winkel eines Parks sonst nie besucht und gesehen…ich bin übrigens fast 50….

    • Carolina sagt:

      Ich musste erst mal googlen, um herauszufinden, was ein Geocoach ist. Verstehe ich es richtig, dass es sozusagen Pokémon Go ohne Pokémon ist?
      Grundsätzlich halte ich das Alter schon für wichtig: Jugendliche sind etwas ganz anderes als 7-jährige, die mit dem Bildschirm vor der Nase durch die Gegend stolpern. Wie immer sind elterliche Kontrolle/Interesse/ggfs Einschreiten wichtig, wobei bei Jugendlichen Gelassenheit vielleicht angebrachter wäre als Hysterie.

      • Franz Vontobel sagt:

        was ein Geocoach ist.

        Etwas ähnliches wie ein Nati-Coach..? 😉

      • Laurence sagt:

        Geo-Cache, nicht geöffnet-Coach (von cacher – verstecken)

      • Laurence sagt:

        Blöde Autokorrektur. Nochmals: Geo-Cache und nicht Geo-Coach.

      • Carolina sagt:

        Da liess Freud mal wieder grüssen, sorry!

      • Samira sagt:

        Eher umgekehrt: pokemon go ist geocaching ohne echtes logbuch am Zielort. Und Geocaching ist die moderne Variante (als das vorher rein militärische Gps für die Allgemeinheit freigegeben wurde) vom sog. Letterboxing. Letzteres gibt es seit über 150 Jahren.
        Somit ist Pokemon go nichts anderes, als eine zeitgenössische Variante eines alten Spiels.

    • Michael sagt:

      Jetzt weiss ich endlich, warum es in letzter Zeit so einen Hype mit diesen externen Handyaacus gibt ! Grausamer Gedanke, sollte der Accu während einer Pokomon- oder Schnitzeljagd plötzlich schlapp machen. Und das Denkmal liebe Samira, hätte man sicher auch ohne ein Handy gefunden, man hätte nur etwas in der einschlägigen Literatur lesen müssen.

      • Susi sagt:

        „Und das Denkmal liebe Samira, hätte man sicher auch ohne ein Handy gefunden, man hätte nur etwas in der einschlägigen Literatur lesen müssen.“

        Das Denkmal, lieber Michael, findet man eben ohne einschlägige Literatur mittels Pokémon oder Geocaching.

      • Samira sagt:

        Nein, hätte man nicht. Da in den Ferien und in den üblichen Touristenliteratur nicht zu finden und der lokalen Sprache nicht mächtig. Gut gewartete Caches bieten oft auch Infos, an die man sonst nie oder nur per Zufall gerät – z. B. der Basler Zünftecache hat mich mit viel Wissen versorgt, welches ich sogar beim Einbürgerungsgespräch anbringen konnte….

  • Mia Maria sagt:

    Ich bin selbst Mitdreissigerin und habe meine Freude an dem Spiel. Ich spiele es bestimmt nicht, um mich jünger zu fühlen sondern einfach, weils Spass macht. Es appelliert etwas an die Urinstinkte – das Jagen und Sammeln dieser Tierchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Mühe hat, die reale Welt von dem Spiel abzugrenzen. Es ist doch nur ein Spiel??? Man kann das Smartphone auch einfach ausschalten! Insbesondere finde ich, es gibt zig Situationen, in denen es unangebracht ist, zu spielen – in Kirchen, auf Friedhöfen (auch wenn bestimmte Pokemon angeblich nur da vorkommen), bei Verabredungen, die nicht zum Pokemon spielen getroffen wurden….. Auch wird man mich nicht auf allzu belebten Plätzen oder im Coop erwischen. Da macht man sich schon ein Bisschen zum Affen.

  • Hans Hintermeier sagt:

    „Während die jüngere Generation den Spagat zwischen realer und virtueller Welt viel professioneller meistert“ Schön wäre es, ich glaube gerade das Gegenteil ist der Fall, weil die Impulskontrolle bei Kindern noch nicht voll entwickelt ist. Impulskontrolle muss man auch nicht am Handy entwickeln. Besser ist es sich ein Hobby/Interesse zu suchen, das nicht am Bildschirm stattfindet. Man sieht überall auf der Strasse nur noch Erwachsene/Kinder, die ins Handy starren. Zunehmend wird auch von sogenannten Experten verharmlost, das sei alles kein Problem für die Kinder. Also mich beunruhigt das schon. Ein Handy ist zum Telefonieren da und nicht zur Freizeitbeschäftigung. Konsequenz: schauen in welchem Umfeld das Kind verkehrt und App-Blocker installieren (IT-Überlegenheit stets ausbauen).

    • Hans Hintermeier sagt:

      Natürlich sollte man auch viel mit den Jugendlichen reden, sich für sie interessieren. Jugendliche verstehen Gesellschaftskritisches recht gut. Vor allem, wenn sie selber bereits ein Hobby/Interesse pflegen (gut integriert sind), haben sie auch nicht das Gefühl etwas zu verpassen.

    • Franz Vontobel sagt:

      Ach, Herr Hintermeier… dieselben Zeilen hätten sie zu entsprechenden Zeiten wohl auch über „Schundliteratur“, Comics, TV und „das Internet“ geschrieben…

  • Shanelll sagt:

    Bisher habe ich mehr zwischen 25-35 das Spiel spielen sehen. Ich und mein Partner gehören ebenfalls dazu. Wir gehen tatsächlich wieder mehr spazieren und haben dank der App mehr von unserem Quartier kennengelernt. Ich fühle mich jetzt dank dem Game nicht „jugendlicher“ ich bin bloss, wie viele meiner Generation mit Pokemon aufgewachsen.

  • Franz Vontobel sagt:

    Noch was: Nintendo ist dank der App nun anscheinend mehr wert als z.B. Sony – obwohl die App „gratis“ ist… einmal dürft ihr raten, was für Nintendo (und interessierte Drittparteien) die App so wertvoll macht…

    • Olaf sagt:

      Die App ist für Nintendo nicht wirklich wertvoll: Nintendo gehört ca. 30% der Marke Pokemon. An der Firma die das Spiel entwickelt hat hält Nintendo keine Beteiligungen (Google schon) und an den Umsätzen über den App Store verdient Nintendo auch nichts (Apple schon).

      • Franz Vontobel sagt:

        Mit der App verdient eh niemand – aber mit den erhobenen Daten und der Möglichkeit, Werberaum innerhalb des Spiels zu verkaufen. Darauf wollte ich raus…

  • Franz Vontobel sagt:

    Weil es das Erste seiner Art ist: Es verbindet die reale mit der virtuellen Welt.

    Ist es natürlich nicht. Da gibt’s z.B. „Ingress“ (2013), um nur einen Vorläufer zu nennen.

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