Wenn zu viel Entspannung stresst

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Mit den Gedanken weit weg von der Schule: Jugendlicher mit Gummiboot auf dem Walensee. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Drei Schulkollegen meines Sohnes werden in den Sommerferien in einen Sprachkurs nach England fahren, so wie einige andere Jugendliche der Parallelklassen auch. Ein anderer Kollege wird von seinen Eltern zudem während der letzten Ferienwoche in ein Institut für einen Kurs in Lerntechnik geschickt. Mein Sohn erzählt mir dies nebenbei bei einer Autofahrt. Ich höre zu, stutze, sage staunend «aha» und denke, dass ich das übertrieben finde. Voll das Luxusförderlernprogramm. Brauchen das 12- bis 14-Jährige wirklich? Nur wenige Sekunden später allerdings schleichen sich leise auch andere Gedanken ein: jene, ob ich vielleicht doch etwas verpasst habe. Ich mir über solche Förderferienwochen hätte Gedanken machen sollen. Bis zum Zweifel, ob ich wohl mit der schulischen und beruflichen Zukunft meines Jugendlichen allzu sorglos umgehe.

So schnell diese Gedanken auftauchen, so geschwind schüttle ich sie wieder ab. Nein, seine und unsere Ferienpläne sind prima, wie sie sind – auch ohne Extraförderung. Dennoch, ich kann es nicht leugnen, verunsichern mich solche Infos über das Tun der anderen immer wieder, wenn auch nur kurz. Sie bringen mich unweigerlich ins Grübeln. Ich frage mich, ob wir als Eltern auch alles richtig tun. Denn: Sind nicht wir zu einem grossen Teil für die Entwicklung der eigenen Kinder zuständig? Beziehungsweise: Wollen wir nicht alle das Beste für unsere Kinder?

Eltern stehen unter Druck wie noch nie

Solche Verunsicherungen sind für heutige Eltern offenbar typisch: Gemäss Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm sei die vielleicht wichtigste Erkenntnis ihrer Forschungsstudien diejenige, dass es kaum Väter und Mütter gebe, die sich dem Elterndruck, der Verunsicherung und dem Wettbewerb entziehen könnten. «Wie nie zuvor sind Elternschaft und Kindheit heute von einer wettbewerbsähnlichen Vergleichspraxis geprägt», schreibt Stamm in ihrem neusten Buch «Lasst die Kinder los». Gerade die Norm, als Eltern glücklich und professionell Eltern zu sein, die alles richtig machen und nichts verpassen, führe dazu, dass sie laufend von Selbstzweifeln geplagt seien.

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Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm. Foto: PD

Margrit Stamm beschreibt, weshalb auch an sich normale Mütter und Väter unter Dauerdruck und Dauerstress geraten können und sich dadurch relativ schnell einschüchtern lassen. «Weil unsere Gesellschaft verantwortliche Elternschaft mit ‹guter› Elternschaft gleichsetzt, gelten nur diejenigen Väter und Mütter als gute Eltern, welche Verantwortung für ihren Nachwuchs vollumfänglich tragen und darum besorgt sind, dass sie sich reibungslos entwickeln.»

Welchen Zielen folgt die Erziehung?

Grund für eine solche Haltung sei eine derzeitige Kultur der Sorge und Angst: Eingepackt in den Begriff der «verantworteten Elternschaft», appelliere sie an Väter und Mütter, alles für ihre Kinder zu tun. Die Eltern versuchten deshalb perfekt zu sein und keine Fehler zu machen. Als Folge davon förderten, umsorgten und kontrollierten Eltern ihren Nachwuchs nonstop, so Stamm. Im Zusammenhang mit der Bildung schreibt sie von Lerndoping und Bildungspanik, von Lernunterstützung und Fördermassnahmen; wobei Letzteres mittlerweile «zu einem Millionengeschäft in einem hart umkämpften Markt geworden ist».

Wie aber sollen sich Eltern in einem solchen Umfeld bewegen? Wie aus der Perfektionsspirale herauskommen, die vor allem ein Ergebnis ist von Verunsicherung und Zweifeln? Und was macht «gute» Eltern überhaupt aus? Auch solchen Fragen widmet sich die Erziehungswissenschafterin in ihrem – wirklich exzellenten und empfehlenswerten – Buch ausführlich: Dabei appelliert sie an die Eltern, sich etwas zu entspannen und sich öfter mal kritisch zu hinterfragen, weshalb man sich so und nicht anders verhalte. Eine zentrale Frage sei aber diejenige nach den Zielen, die man mit der Erziehung verfolge: Soll die Leistung oder die Lust am Tun im Mittelpunkt stehen? Das sei eine wichtige Unterscheidung. Denn im ersten Fall gehe es um Zweckgerichtetes, im zweiten Fall um Freude und Befriedigung – unabhängig vom Ergebnis.

Lesen Sie dazu auch das Posting «Ferienvermieser Hausaufgaben».

82 Kommentare zu «Wenn zu viel Entspannung stresst»

  • Nala sagt:

    Meine Tochter hat ihre Sprachferien jeweils sehr gemocht. Und als Vorbereitung auf die Matur war es auch sehr hilfreich. Sie fühlte sich nach 4 Wochen England bzw. 4 Wochen Frankreich sicher in der Sprache und hatte Hemmungen abgebaut die Sprache zu sprechen.
    Ich würde das jetzt aber nicht als „gute/schlechte“ Elternschaft taxieren, wenn man Kindern einen Sprachaufenthalt ermöglicht. A) müssen die Kinder den Aufenthalt auch wollen und B) kostet das ja auch noch eine Stange Geld, das nicht alle Eltern haben.
    Mit 12-14 ist man für die meisten „coolen“ Orte eh noch zu jung. Lieber zwischen 15 und 19 den Sprachkurs machen (hilft auch in einer Lehre wie ich an mir selber damals feststellten konnte)

  • annalou sagt:

    Ich erinnere mich immer an folgendes: Die Sommerferien beginnen, man freut sich mega und stellt sich alles vor: Schönes Wetter, Badi, lange aufbleiben….und dann die Realität: Alle Nachbarskinder sind weg und es schifft, wie wenn es Oktober wäre. Die Langeweile ist gigantisch. Und genau aus dieser Langeweile heraus kommt dann was Kreatives. Geht es im Text nicht vor allem darum, dass man (vor allem als Eltern) auch mal die Langeweile der Kinder aushalten soll und Ihnen dadurch auch Chancen gibt, selber was zu entwickeln ?

  • Katja sagt:

    Bei 12 Wochen Ferien der Kinder und 4 Wochen eigenen Ferien kann der Grund für Sprachkurse oder sonstigen betreuten ausser Haus Beschäftigungen auch ein ganz einfach zeitlicher sein …

  • Anh Toàn sagt:

    „Wollen wir nicht alle das Beste für unsere Kinder?“

    Tja, ich weiss, ich will für mich das mein Kind nicht ein asozialer Trottel wird. Ich würde mich zumindest vor ihm daran stören. Woher sollte ich eigentlich wissen, was das Beste für ihn ist? Woher sollte ich seine Ambitionen kennen? Wenn ich ihn fördere und er wird Physiker, dann erfindet er eine noch vernichtendere Waffe, ist das dann besser für ihn, als wenn er einfach bekifft TV geglotzt hätte?

    Ich habe keine Angst davor ein schlechter Vater zu werden, ich bin überzeugt davon, dies ohnehin zu sein. Und ihn zu erziehen und zu bilden und so, mach ich zuerst mal, ganz ehrlich, mir zu liebe. Und hoffe, er kommt damit zu recht mal, dass ich nur das siebenundvierzig Beste für ihn gemacht habe.

  • Sepp sagt:

    Welches sind denn die Kinder die in der vierten Klasse schon Burnouts haben? Ich finde dieses foerdern in den Ferien unserer sonst schon sehr gefoerderten Kinder, tja wie soll ich sagen, irritierend. Diese teuren Kurse fuer die Mittelschicht aufwaerts, kann man ja wohl nicht mit den Nachhilfestunden wirklich schwacher Schueler vergleichen. Ich finde ebenfalls irritierend wenn 3 oder 4 jaehrige schon 3-4 Kurse belegen, vom Tennis ueber HipHop zu Fruehenglisch. Warscheinlich sind es die gleichen Eltern die hier die Menschen in Akademiker und bildungsfern aufteilen, wobei viele noch nicht verstanden haben, das bildungsnah noch lange nicht intelligent bedeuted.

  • Koller sagt:

    Keine Angst, sie weden mitkiffen..

    • Lisa sagt:

      Nicht unbedingt, hoffentlich! Bei mir haben die entsprechenden Erfahrungen zu einem absoluten Ekel nur schon dem Geruch von Hasch gegenüber und einem Schrecken gegenüber jugendlichem Alkoholkonsum geführt. Oder mussten Sie mit 14 Jahren in einer fremden Stadt und in einer Fremdsprache den Notfall aufbieten, weil eine Kollegin unansprechbar war (Alkoholvergiftung, wie sich herausstellte) und die anderen – älteren – Schüler, die den Sturm auf die Hausbar einer Gastfamilie angezettelt haben, nicht halfen? Glauben Sie mir, Koller, ich finde die Aussichten nur beschränkt amüsant.

  • Lisa sagt:

    Zu viel stressen ist ungesund, für alle Beteiligten. Aber ein ganz praktischer Hintergrund wird gar nicht angesprochen: ich habe jetzt 5 Wochen Ferien im Jahr (und lange hatte ich 4 Wochen), die Kinder haben 5 Wochen Ferien nur schon im Sommer. Rechne! Wie bin ich froh, dass die Kinder jetzt alt genug sind für Ferienkolonie, Pfadi-, J+S-Lager und dergleichen Dinge mehr. Sie sind gescheit beschäftigt, haben Gesellschaft, ich kann in Ruhe arbeiten – und sie lernen massenhaft fürs Leben und für die Schule. Ich freue mich, wenn sie ins Alter der Sprachkurse kommen! Dann muss ich mir nur noch darum Sorgen machen, wie sie mit kiffenden und saufenden MitschülerInnen und Anmache klar kommen. Aber genau dabei lernt man ja dann fürs Leben.

  • Vierauge sagt:

    Elterndruck, Verunsicherung und [Eltern-] Wettbewerb – hä?
    wer von Ihnen erlebt so etwas tatsächlich? Die Eltern die ich (in Aarau und drumrum) kenne, sind überhaupt nicht auf diesem Trip. Wir schauen, was uns für unsere 2 Jungs gut erscheint und was sie selbst auch gut finden können. Reibungslos entwickelt sich sowieso fast kein Kind, und was wissen wir denn, wie sich das Kind tatsächlich entwickelt sollte bzw. könnte.
    „Good enough“ Eltern zu sein reicht doch völlig!

    • Vierauge sagt:

      achja, statt Sprachkurs (falls zu teuer oder sonst nicht akzeptabel) bietet sich auch eine Reise in ein fremdsprachiges Land an. Wir haben da mit Familienurlaub in London oder Frankreich oder jetzt gerade mit eine USA-Reise sehr gute Erfahrungen gemacht, die Jungs haben ihre Kommunikationsfertigkeiten in englisch bzw. französisch merkbar verbessert. Und man erlebt was zusammen.

  • Anh Toàn sagt:

    Die Basis für mein Italienisch habe ich im Urlaub gemacht. Hatte da so eine Ferienliebelei, die nur italienisch sprach. Echt jetzt, hat gar nicht weh getan, im Urlaub italienisch zu lernen.

    Ein Freund von mir hat seine Tochter, die Mühe mit Franzi hatte, in ein Ferienlager zum surfen in die Bretagne geschickt. Nix Sprachkurs, Windsurfen wo guter Wind und Wellen sind, mit Gleichgesinnten, die halt Französisch sprechen.

  • Franziska sagt:

    Wenn es dem Kind Spass macht? Ein Aufenthalt in einem anderen Sprachgebiet ist toll, auch wenn ein Halbtag gelernt wird. Ob aber ein „Lerntraining“ in den Ferien Spass macht? Ist aber wieder eines der Probleme der oberen Mittelschicht, wie so in Blog hier. Angst vor Abstieg der nächsten Generation. Leute, ihr könnt eh nicht soviel am Welten- und Wirtschaftslauf beeinflussen, wie ihr meint. In guten Zeiten findet jeder Arbeit, in schlechten bringt das Hamsterrad des Fleissigen nur bedingt was, es frustriert aber tüchtig. Als Arbeiterkind mit Aufstieg durch Bildung war ich ab 14 in mindestens die Hälfte der Ferien am Geldverdienen. War auch lehrreich, wobei ein Sprachaufenthalt wäre megatoll gewesen. Seht es locker mit der Förderung, Stichwort Hamsterrad …

  • Susan sagt:

    Ich hab bis jetzt eher das umgekehrte Problem: mein Kind will jeden erdenklichen Anlass oder Kurs oder Aktivität mitmachen, wovon es Wind kriegt, und ich muss dann schauen, was drin liegt und was nicht (finanziell und zeitlich). Soviel Energie und Neugier. Ich wünschte, da gäbe es mehr Bedürfnis nach „freier Zeit“ und sicherem Hafen. Gibt’s dafür auch ein Rezept? Zwang zur Entförderung? Mein zweites Kind ist übrigens nicht so. Zum Glück. (Obwohl es ja auch schon ist, diese ganze Abenteuerlust von aussen zu beobachten.)

  • Alpöhi sagt:

    Bekanntlich wächst das Gras nicht schneller, wenn man daran zieht. Auf die Sprachaufenthalte bezogen: Wenn das Kind das will und Spass daran hat – warum nicht? Aber für Fördermassnahmen mit Teilnahmepflicht sind die Ferien zu schade. Jedes Kind wird seinen Weg machen. Ob es ein wenig länger braucht oder schneller ist als andere, ist völlig belanglos. Welche Schule es macht, ebenfalls. Wichtig ist, dass es in einer Schulstufe ist, die seinen Fähigkeiten und Potentialen entspricht. Was die anderen machen, ist völlig egal.

    • Sportpapi sagt:

      „Bekanntlich wächst das Gras nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Bekanntlich ist das nur ein Spruch, der immer wieder gebracht wird. Aber auf eine falsche Fährte lockt. Gras, das fleissig gewässert und gedüngt wird wächst jedenfalls besser, als wenn man es einfach der Natur überlässt…

      • Reincarnation of XY sagt:

        Genau so ist es SP.

        Ansonsten haben sie eine schöne Einstellung Alpöhi und wahrscheinlich wird auch jedes ihrer Kinder seinen Weg machen (gerade weil Sie diese Einstellung haben und sie vermitteln). ABER ganz allgemein gilt: NICHT jedes Kind macht seinen Weg. Es gibt unzählige gescheiterte und verkrachte Existenzen. Es gibt auch nicht wenige Working Poor. Das waren alles auch mal Kinder.

      • Alpöhi sagt:

        SP: Giessen und Düngen ist schon ok. Aber der Gärtner muss akzeptieren, dass das Gras in seinem ureigenen Tempo wächst – nicht so, wie der Gärtner heute grad gern möchte.

      • Sportpapi sagt:

        Ja, der Gärtner ist ja nicht doof. Und lässt sich deshalb auch nicht mit so doofen Sprüchen für dumm verkaufen.

      • Alpöhi sagt:

        SP, oh, Sie könnten sich täuschen. Wenn Gärtnerei x mit der Migros einen Liefervertrag für 30’000 Kopfsalat für Freitag hat, und am Montag die Salatköpfe noch nicht da sind wo sie sollten, dann wird kräftig nachgeholfen.

        Nachhilfestunden sind ein gutes Werkzeug, um einen Kind, das im Rückstand ist, zu helfen die Lücken zu schliessen und aufzuholen. Wenn aber die ganze Klasse in die Nachhilfestunden geht, dann stimmt etwas nicht mehr im Gefüge.

      • Sportpapi sagt:

        Also, ich gebe mich geschlagen. Ich sehe ein, starke Förderung bringt starke Ergebnisse…

    • Lorena sagt:

      Reincarnation XY@ Dann gibt es aber auch die Kinder und Jugendlichen, die niemals den Erwartungen der Eltern gerecht werden koennen, trotz verbissener Bemuehungen der Eltern. Oft resultieren daraus tragische Schicksale.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja, die gibt es natürlich.
        Ich finde es nur ungerecht, Eltern die etwas positives für ihre Kinder tun, zum Beispiel einen Sprachurlaub buchen, gleich so etwas zu unterstellen. Und jegliche Bemühungen stets subtil oder direkt in dieses Licht zu stellen.
        Diese verbissenen Eltern haben ein psychologisches Problem, die wird man genau so oft auch im bildungsfernen Bereich finden. Nur haben sie dort evt. andere Erwartungen. Ganz egal welche, man wird ihnen nie genügen.

  • Alpöhi sagt:

    >> Leistung oder die Lust am Tun ?

    Wie wär’s mit beidem: „Lust an der Leistung“? Wichtig dabei ist einzig, dass die Kinder wissen, dass sie geliebt und akzeptiert sind weil sie da sind, nicht weil sie gut sind. Dies rüberzubringen ist dann meine Aufgabe als Elter. Vom ersten Tag an.

  • Sina Leemann sagt:

    Also wir haben jetzt seit ein paar Jahren Au-Pairs bei uns in der Familie. Und ich kann dazu nur sagen: die meisten haben sichtlich Mühe, die Verantwortung für sich und ihr Tun selber zu tragen. Die sind sich alle gewohnt, dass Mami und Papi sich dann schon drum kümmern und anweisen und kontrollieren und intervenieren. Das war mir ein Denkzettel, ich will bewusst versuchen, meine Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen. Ich dachte ja immer, dass ich das schon tue, weil es mir sehr wichtig ist, aber mittlerweile habe ich realisiert, wie viel Druck von aussen auf die Eltern kommt, eben mehr zu intervenieren und sich in die Verantwortlichkeiten des Kindes einzumischen… Kind kommt zu spät in die Schule? Statt das Kind zu rüffeln, werden die Eltern gerüffelt. (1)

    • Sina Leemann sagt:

      (2) Kind ist gemein mit seinem Gspändli auf dem Schulweg? Statt das Kind darauf anzusprechen und zurechtzuweisen, kriegt man als Mutter den Telefonanruf. Da kann man sich viel Mühe geben, das Kind Verantwortung übernehmen zu lassen – wenn die anderen nicht mitziehen, ist es in der Tat eine Herausforderung! Traut den Kindern mehr zu, das halte ich für enorm wichtig!!

      • Asoka sagt:

        Am besten kümmert man sich nicht zu sehr um die anrufenden Eltern. Nach dem x-ten Anruf einer Mutter, mal mein eines, mal mein anderes Kind betreffend und nachdem sich die berichteten Gemeinheiten zwei Mal als glatte Lügen herausgestellt haben, ignoriere ich das ganze Gemeckere. Nicht die Eltern sollen es mir sagen, sondern das Kind meinem Kind (nach freier Wahl, wer die Gemeinheit begangen hat). Nachdem ich das klar so gesagt habe (den Eltern), waren meine Kinder anscheinend plötzlich netter ;). Dies gehört zwar nicht zum Thema des Artikels, ist aber eine mögliche Lösung des Problems, Sina :)))

  • Reincarnation of XY sagt:

    Und stets der liebe „gesellschaftliche Druck“.
    Vielleicht tut man etwas auch aus persönlicher Überzeugung, aus Freude, aus Einsicht? Warum sollen alle Eltern so verunsicherte Personen sein, die etwas nur tun, weil sie das Gefühl haben, die Gesellschaft erwarte dies?

    Ich für meinen Teil möchte meinen Kindern ein möglichst breites Fundament vermitteln, weil ich mir für sie wünsche, dass sie mal einen tollen Beruf ausüben können, der ihnen Spass macht und auch genug Geld einbringt.
    (Und Nein – ich habe noch keine teuren Förderkurse für sie gebucht. Schicke sie auch nirgendwohin, wo sie selbst nicht hin wollen. Völlig lasch, völlig easy. Aber hey, ich sag doch nicht über jeden, der das tut. Der sei jetzt verunsichert und folge einem gesellschaftlichen Trend.)

    • Muttis Liebling sagt:

      Ziel ist die beste Leistung, welche sich aus Mittelwertverhalten heraus erzielen lässt. 2-3 mal im Leben wird man in Situationen geraten, welche Höchstleistungen erfordern, öfter sollte man sich das aber nicht zumuten.

      Wenn Lernen Spass macht, so ging es mir zeitlebens bis heute, macht man das auch jeden Tag, egal ob Weihnachten oder Ferienzeit ist. Dafür reichen aber handelsübliche Bücher. Ganz grundsätzlich würde ich keine kommerziellen Angebote nutzen.

      Ich kann mir aber vorstellen, dass Eltern, welche Leistungsdruck und Wettbewerb am Arbeitsplatz für ’normal‘ halten, diesen Druck auch auf ihre Kinder weitegeben. Da ist wie so oft, Zielkorrektur bei Mama und Papa, nicht Systemkonformverbiegen der Kinder angesagt.

    • Alpöhi sagt:

      ML: Ziel ist, das zu machen was man besonders gut und besonders gern macht (was meistens das selbe ist). Denn nur was wir mit Leidenschaft machen, machen wir besonders gut. Und nur wenn wir das machen was wir besonders gut können, haben wir einen Vorsprung auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt. Und last but not least macht es so auch am meisten Spass.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Wie bereits gesagt: Sprachkurse gab es schon vor 30 Jahren und waren auch damals beliebt.
    Ist jetzt die Schreiberin so uninformiert? Oder schustert man bewusst alles und jedes zu einem „modernen Trend“ um so einem Artikel pseudo- gesellschaftsrelevante-Aktualität zu geben? Dazu natürlich wieder ein Buch. Über den angeblichen Druck unter dem Eltern stehen, wegen eben diesen „Trends“.
    Ferien-Sprachkurse gab es schon früher. Ihr Nutzen hängt wohl, ähnlich wie bei Flötenstunden, vor allem von der Motivation der Kinder ab, die sie besuchen. An sich eine tolle Sache. Schön, wenn man sich das leisten kann.

  • Camponovo sagt:

    Es sollte für alle Kinder immer genügend ungeplante Zeit geben, in denen sie tun und lassen können, was sie wollen, wenn sie dann eine Sprache lernen wollen, ok, aber ungeplant ohne fixe Zeiten.

    • Lorena sagt:

      Seh ich auch so. Dieses total organisierte Lern-, Sport- und Freizeitprogramm mancher Eltern erstickt jegliche Kreativitaet der Kinder im Ansatz. Wenn sich die Kinder auch mal langweilen, finde ich gar nicht so schlecht. Dann muessen Sie halt selber aktiv werden und das tun sich naechmlich auch.

      • Sina Leemann sagt:

        Jo, also ich vertrete die goldene Mitte. Die Kinder sich langweilen lassen bis zum Abwinken finde ich auch nicht das gelbe vom Ei. Kreativität setzt freien Zugang zu sinnvollen Ressourcen voraus, und wenn die eben nicht so zugänglich sind (z.B. Natur, Bastelmaterial, Gspändli im näheren Umfeld), dann ist der Einsatz von Eltern durchaus oft nötig. Leider.

      • Sina Leemann sagt:

        Bzw. ich müsste wohl sagen „gute Kreativität“. Sprich, Kinder mit zu viel Langeweile und zu wenig Möglichkeiten kommen durchaus auch auf schlechte Ideen… Oder halt auch auf gar keine (Vernachlässigungseffekte). Ein paar gute Voraussetzungen für positive Langeweile braucht es schon.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja genau – es gibt nämlich auch gelangweilte und nicht geförderte Kinder, deren Kreativität sich dahingehend entwickelt, dass sie Raub-Touren organisieren, Schnaps und Drogen verhökern, andere Jugendliche mobben.
        Eine weitere Realität.

        Aber hier wird (wieder einmal) eine gute Sache – Eltern, die ihre Kinder sinnvoll unterstützen – schlecht gemacht, in dem man die Sache in einem möglichst schlechten Licht präsentiert und den Eltern noch möglichst einfältige (ja gar jämmerliche) Motive unterstellt.

      • Lorena sagt:

        Reincarnation XY@ Warum denn gleich so aggressiv? Wenn Sie das Gefuehl haben, Sie wissen immer genau was das alternativlos Richtige ist fuer Ihre Kinder, Ihren Mann, Ihre Eltern und alle Ihre Mitmenschen, dann sind Sie mit Sicherheit keine Ausnahme.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ich bin nicht aggressiv – ich rede aus Erfahrung

        das ist schon der x. Artikel, der Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern in ein negatives Licht stellt und zum xten mal schreiben Kommentatoren, wie gefährlich dieses Fördern und Achthaben auf Kinder sein soll.
        Praktisch erlebe ich aber nur umgekehrtes: Kinder mit bildungsnahen Eltern haben, welche sie in ihrer Entwicklung gefördert haben, sind gut rausgekommen und haben tolle Perspektiven und viele, auf sich selbst gestellte Kinder, sind auf die schiefe Bahn gekommen. Das habe ich selbst erlebt und beobachte es am Laufmeter.
        Warum sollte es aggressiv sein, wenn ich das sage?

      • Alpöhi sagt:

        RoXY: Ihre Erfahrung, dass Kinder bildungsnaher Eltern gute Perspektiven haben, wogegen sich selbst überlassene Kinder es eher schwierig haben, unterschreibe ich sofort.

        Aber darum geht es doch gar nicht im Artikel. Sondern: Genügt es, bildungsnahe Eltern zu haben, die sich kümmern und die das Kind situativ fördern? Oder braucht es zusätzlich noch Sommerferien-Sprachaufenthalte und weitere Angebote der privaten Kursindustrie?

      • Reincarnation of XY sagt:

        Alpöhi die Frage nach dem „brauchen“ ist immer falsch. Sie ist billig.
        Ausser essen und trinken „braucht“ der Mensch fast nichts. „Brauchen“ tun wir nur das Existenzminimum. Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass wir mehr haben können.
        Ein Kind braucht tatsächlich Nachhilfe. Und als Nichtbetroffener ist es herzlos, wenn man dann darüber den Mund verzieht. Ein anderes Kind würde es nicht brauchen, hat aber Freude daran und sieht einen Nutzen. Warum sollte man über dieses den Mund verziehen?
        Sie selbst machen Dinge, die viele von uns nicht brauchen. Das braucht uns doch nicht zu stören, solange die Familie Alpöhi damit glücklich ist und niemand anderem schadet.

      • Alpöhi sagt:

        RoXY: Völlig einverstanden. Ich habe doch nichts dagegen, wenn Familie xy ihr Kind nach England in den Sprachaufenthalt schickt. Warum sollte ich?

        Aber jetzt lesen wir nochmal den Eingangsabschnitt des heutigen Blogs:

        „Drei Schulkollegen meines Sohnes werden in den Sommerferien in einen Sprachkurs nach England fahren, so wie einige andere Jugendliche der Parallelklassen auch. … Mein Sohn erzählt mir dies nebenbei bei einer Autofahrt. Ich höre zu, stutze, sage staunend «aha» und denke, dass ich das übertrieben finde. … Nur wenige Sekunden später allerdings schleichen sich leise auch andere Gedanken ein: jene, ob ich vielleicht doch etwas verpasst habe … Zweifel, ob ich wohl mit der schulischen und beruflichen Zukunft meines Jugendlichen allzu sorglos umgehe.“

      • Alpöhi sagt:

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        „…sei die vielleicht wichtigste Erkenntnis ihrer Forschungsstudien diejenige, dass es kaum Väter und Mütter gebe, die sich dem Elterndruck, der Verunsicherung und dem Wettbewerb entziehen könnten. … Gerade die Norm, als Eltern glücklich und professionell Eltern zu sein, die alles richtig machen und nichts verpassen, führe dazu, dass sie laufend von Selbstzweifeln geplagt seien.“

        Was also ist zu tun?

      • Reincarnation of XY sagt:

        Alpöhi – die Frage ist einfach: ist dem so? Sind wir wirklich unter einem ungesunden gesellschaftlichen Druck? Ich spüre nichts davon.
        Ich sehe, dass die Kinder heute in der Schule weit besser betreut werden als ich. Das finde ich gut.
        Ich sehe, dass Eltern ganz verschieden sind und verschiedene Prioritäten setzen und kenne niemanden, der die Dinge nur aus gesellschaftlichem Druck tut. Auch hier im Blog: nur Leute die sagen „ja, ganz schlecht“. Aber nicht einen, der sagt „ach ja, ich tat das alles aus gesellschaftlichem Druck, obwohl ich nicht überzeugt war“. Nicht einer!
        Also wird hier ein Problem herbeigeredet? Oder schlimmer: wird hier Leuten, die andere Prioritäten setzen unterstellt, sie würden das aus fragwürdigen Motiven tun? Ich vermute letzteres.

  • Lucrecia sagt:

    Wenn damals aus 7 Kindern eines etwas erfolgreicher wurde und keines Schlimmes tat, dann reichte das, um von der Gesellschaft als gute Eltern bewertet zu werden. Wenn die anderen mittelmässig abschnieden, dann waren die selbst schuld. Aber heute gilt die 2-Kinder-Norm und das arme Kinder-Duett muss alle Erwartungen erfüllen.

    „Ich will aber nur das Beste für mein Kind.“
    Ja, ja.
    Ich glaube, wer selber zufrieden ist mit seinem Leben, lässt seine Kinder in Ruhe.
    Ich kenne niemanden, der nach massivem Eltern-Coaching beruflich sehr erfolgreich wurde. Wohl aber welche, die trotz schlechten Karten (Dyslexie zB) es ganz alleine geschafft haben. Weil sie es wollten.
    Wenn das Kind Hilfe möchte, dann ja. Aber nicht „ich schick dich dorthin, sonst scheiterst du“. Verunsichert nur.

    • Sportpapi sagt:

      „Ich kenne niemanden, der nach massivem Eltern-Coaching beruflich sehr erfolgreich wurde.“
      Doch, eigentlich kenne ich ganz viele solche.

      • Lucrecia sagt:

        Interessant. Beispiel?

      • Susi sagt:

        Ich schliesse mich SP an: Natürlich können Eltern einen entscheidenden Einfluss haben auf den Bildungsweg ihrer Kinder. Das beginnt damit, dem Kind Lernstrukturen zu vermitteln, es beim Lernen zu unterstützen, wenn das dann nichts bringt, ihm Nachhilfeunterricht/Zusatzkurse bis zum Abwinken zu bieten, es im Zweifelsfall in eine sündhaft teure Privatschule zu schicken, wo es dann durch die Matur geschleppt wird und somit das Ticket für eine akademische Laufbahn erhält.
        Ich kenne auch ganz viele solche.

      • mila sagt:

        Solche Exemplare kenne ich auch… Wobei die Frage ist, obs wirklich zum beruflichen ‚Erfolg‘ geführt hat (definiere ‚Erfolg‘). Respektive, zu allgemeiner ‚Zufriedenheit‘ (definiere Zufriedenheit). So manch ein ‚ungeförderter‘ Handwerker scheint mir am Ende ‚glücklicher‘, als ein mit ach-und-krach durchs Studium gebrachter Kader-Zögling. Der vielleicht einen besseren Lohn hat, aber eine angeschlagene Psyche/Gesundheit.

      • Susi sagt:

        @mila: In der Glücksforschung wird da klar abgegrenzt, solche Leute sind sicher nicht glücklicher als andere.
        „Beruflich erfolgreich“ wird allgemein wohl durch Einkommen und Funktion (bzw. Machtposition) definiert. Und da hat man mit einem akademischen Abschluss sicher bessere Karten.

      • mila sagt:

        Wobei Lucrecia danach gefragt hat, ob man beruflich ’sehr‘ erfolgreich werden kann durch entsprechendes Coaching. Da würde ich meinen, nein. Für Grosserfolg (‚das Beste leisten, wozu man imstande ist‘, und damit noch überdurchschnittlich reüssieren, gemessen auch unter Akademikern) muss man in aller Regel lieben, was man tut. Aber dies nur zur Ergänzung.

      • Susi sagt:

        Wer ist denn „beruflich sehr erfolgreich“?
        Der CEO bei Unilever? Bill Gates?
        Oder reicht es auch, wenn ich in der Schulleitung bin?

      • Susi sagt:

        P.S.: Ich bin nicht in der Schulleitung. War nur so ein Beispiel aus der Ich-Perspektive.
        😀

      • Sportpapi sagt:

        Susi hat ja vieles schon angeführt. Nur würde ich mich keineswegs auf Kinder fokussieren, die schulisch Schwierigkeiten haben. Viel mehr ist das fördernde „bildungsnahe“ Umfeld, verbunden mit hohen Erwartungen, sicher ein Grund, weshalb vielfach schulisch gute Leistungen erzielt werden, die Matura eigentlich die Norm ist. Dann geht es weiter mit einem zielgerichteten Studium, wobei Nebenjobs mehr dem Erfahrung sammeln als dem Gelderwerb dienen. Auslandsaufenthalt, Prestige-Uni, gutes Netzwerk, usw.
        Mein früherer Chef hatte vier Kinder, die alle mindestens einen Doktortitel haben (und zuvor alle Leistungssport betrieben). Das kommt nicht von nichts!

      • Sportpapi sagt:

        Susi, warum bist du nicht in der Schulleitung? Wäre aber langsam Zeit!

      • Reincarnation of XY sagt:

        SP und Susi haben völlig recht.
        Ich habe in sehr, sehr viele Familien hineingesehen. Es sind definitiv die zu bevorzugen, die sich um den Werdegang ihrer Kinder kümmern.
        Und sorry, aber diese Sprüche wie „lieber arm und gesund, statt reich und krank“, sind sozialromantischer Kitsch. Trostpflaster all jener, die nicht viele Perspektiven im Leben haben. Man stellt sich einfach vor, dass die Leute denen es besser geht als einem selbst, tendenziell unglücklicher seien. Und natürlich findet man auch immer einen konkreten Fall, wo es ja tatsächlich so ist.
        Im Allgemeinen jedoch ist es eine erwiesene Tatsache, dass Wohlstand punkto Glück und Gesundheit, der Armut vorzuziehen ist.

      • Susi sagt:

        @SP: Hätten die eine ADHSlerin wie mich in der Schulleitung, ginge es mit unserer weisch wie Schule bergab!
        😉

      • mila sagt:

        Ja, das mit dem Sozialkitsch sollte man tunlichst vermeiden. Ich kenne jedoch tatsächlich Menschen, denen das ‚auf gute Leistung (über-)trimmen‘ nncht gut bekommen ist. Bis hin zur Psychose (wobei die vielleicht auch so zustande gekommen wäre, man kann es nicht wissen). Ich denke das eher so: würde mein Kind ein handwerkliches oder musisches Geschick aufweisen, würde ich es sicher nicht in ein ‚zielgerichtetes‘ (BWL- oder Jus-)Studium zu ’steuern‘ versuchen. Obwohl ich selbst Akademikerin bin. Allerdings, das bildungsnahe Umfeld dürfte das Seine prägen. Mein Kind wird jedenfalls mit dem Vorschul-Gedanken aufwachsen, dass Schule, Lernen etwas Tolles ist – mal schauen, ob es so gut wie einst bei mir funktioniert…

      • mila sagt:

        Gute, fachlich beschlagene Handwerker sind übrigens in aller Regel nicht ‚arm‘ dran – manche bringen es auch zum erfolgreichen selbständigen Unternehmer. Während der Zwangstudent womöglich seine Existenz auf (Berufs-)Lebensdauer in protegierter Nullaussichtsposition fristet. Nur so nebenbei bemerkt.

        (Ach, ich bin einfach ein bisschen Privatschulerfahrungsgeschädigt… Was da alles am Ende irgendeinen Abschluss/Titel hat, von irgendeiner Timbuktu-Uni, und danach Sohn-/Tochter-von-xy-Anstellungen – als Erfolg würde ich einen solchen Werdegang jedenfalls nicht bezeichnen.)

      • Alpöhi sagt:

        ich sehe es wie mila.

        Und jetzt mal aus Sicht eines ehemaligen Kindes, dessen Mutter Lehrerin und dessen Vater selbständiger Gewerbler war: Ich hätte es aufs Gymi geschafft, ich war aber zu faul und zu verträumt dazu und hatte lieber Freizeit als Hausaufgaben. So wurde es halt Sek und Handwerkerlehre. Dann zehn Jahre auf dem Beruf gearbeitet weil ich daran Freude hatte. Erst dann, als ich es wirklich wollte, Technikerschule gemacht und mit 5,8 abgeschlossen. Ich bereue nichts und möchte nie im Leben mit einem Akademiker tauschen, der zwei linke Hände hat, sobald etwas im Haushalt kaputt ist 😉

      • Reincarnation of XY sagt:

        klar mila – man kann immer und alles übertreiben und es gibt immer dieses schlimme Beispiel. Aber erfahrungsgemäss ist das eher Ausnahme als
        Regel. Ich glaube, 90% von den Kindern die Sprachferien machen, sehen das als tolle Möglichkeit.
        Und Nachhilfe haben oft lernschwache Kinder, die das wirklich brauchen, und die sonst als Working Poor enden würden, und nicht als Unternehmer.
        Siehe den Artikel den SP gepostet hat. Es meldet sich hier wohl niemand, der ein solch lernschwaches Kind hat, der hier wieder einmal über übereifrige Eltern herzieht.
        Ich kenne zwei aus der Verwandtschaft. Ohne Förderung wären die untergegangen, jetzt haben sie die Kurve gekriegt. In meinem Erleben gibt es vielmehr positive, als negative Beispiele.

      • Sportpapi sagt:

        @Alpöhi: Ich hätte es auch ins Handwerk geschafft. War aber viel zu faul dazu, und bin deshalb in der Schule geblieben. 🙂
        Aber die „Akademiker mit den zwei linken Händen“ ist etwa genauso klischiert wie der dumme Handwerker, oder?
        Mir sagte mal ein sehr engagierter Reallehrer, der immer alle seine Schüler in eine Lehre vermitteln wollte: Das Problem sei, dass die schlechten Schüler meist auch handwerklich nicht zu gebrauchen seien, und umgekehrt. Die Handwerker, die ich kenne, die Meister wurden und den Betrieb leiten, die hatten jedenfalls (fast) alle auch gute Schulnoten.

    • Asoka sagt:

      Beispiel: mein Bruder. Er hat Nachhilfe in Französisch bekommen. Eine Französin oder Welsche bei uns zu Hause. Mit der Zeit hat er seine Hemmungen abgelegt, der Knorz war beseitigt und heute kann er die Sprache.

      • Lucrecia sagt:

        Finden Sie, das sei ein „massives Eltern-Coaching“ gewesen? Und ist er damit „beruflich sehr erfolgreich“ geworden?
        Wenn man falsch verstehen will, dann versteht man halt falsch.
        Ich habe nie behauptet, dass so was nichts bringt.

      • Sportpapi sagt:

        Was ist denn „massives Eltern-Coaching“? Wenn es Sprachnachhilfe nicht ist, dann ist es auch der Sprachaufenthalt in den Ferien nicht. Und es bezieht sich gar nicht auf das heutige Thema?

      • Asoka sagt:

        Ja, da wollte ich wie Sportpapi antworten. Wo liegt der Unterschied zwischen dem Sprachaufenthalt und der Privatnachhilfe. Ausser, dass der Sprachaufenthalt vielleicht aufregender ist und das Kind auch sonst noch was lernt (Selbstständigkeit zum Beispiel). Und wieso so gehässig, Lucrecia? Da könnte ich den Satz mit dem falsch verstehen ja beinahe zurückgeben…

      • Asoka sagt:

        PS. Ja, es hat ihn beruflich weitergebracht. Auch persönlich, so weit ich das sehe.

      • Erika sagt:

        Reincarnation XY@ Falls Sie, wie ihr Synonym vermuten laesst, in einer Sekte aktiv sind, empfehle ich Ihnen, Ihre Kinder davon fern zu halten. Und ja, ich spreche aus Erfahrung.

  • Asoka sagt:

    Ich finde es schade, dass die Sprachkurse im Text beinahe ins lächerliche gezogen werden. Oder andere Ferienaktivitäten, welchen ein wenig nach Schule riechen. Auch die leichte Selbstgefälligkeit der Autorin, dass ihr Ferienprogramm das bessere sei, finde ich unnötig.
    Als Jugendliche wollte ich immer sehr gerne in einen Sprachkurs gehen. Ich durfte aber nicht (Begründung der Eltern: es sei zu teuer – vielleicht wollten sie mich ja auch nicht alleine ziehen lassen in dem Alter). Es gibt also auch Kinder die Spass haben an einem solchen Programm. Es muss nicht immer nur schlecht sein, wenn eine Freizeitaktivität etwas von Schule hat. Überhaupt stelle ich teilweise eine Bildungsfeindlichkeit fest, die mich befremdet. Als würden die Kinder nur leiden, wenn sie was lernen…

    • mila sagt:

      Exakt meine Gedanken – gerade Sprachkurse, verbunden mit einem Auslandaufenthalt, haben für manche (viele) Jugendliche einen grossen Reiz. Selbst wenn das ‚Lernen‘ allenfalls Nebensache bleibt.

    • Lucrecia sagt:

      Das Problem ist auch der heutige Glaube, dass alle gleiche Chancen haben, wenn man nur alles richtig macht, richtig fördert.
      Wenn einer mittelmässig oder schlecht abschneidet, dann wurde eben nicht alles getan, was zu tun gewesen wäre.
      Früher sagte man, der ist intelligent, der ist handwerklich geschickt, oder eben nicht. Man sah die Ressourcen und Talente — oder den Mangel daran — beim Kind. Heute ist es Tabu. Jetzt meint man, die Eltern/Erzieher haben es in er Hand, das „Programm“ des Kindes zu entwickeln. Teilweise eine gute Entwicklung, aber hier ist halt die Kehrseite.

    • Mascha sagt:

      Vielen Dank für diesen Kommentar, Asoka. Die latente Bildungs- und berufliche Erfolgs-Feindlichkeit in diesem Blog, kombiniert mit einer gewissen selbstgerechten Haltung finde ich auch bedenklich. Zieht sich übrigens durch alle Bereiche: Propagieren von Teilzeitarbeit, Kinder jaaa nicht überfordern (bzw. fördern hier) usw. Vielleicht sollte die Redaktion sich überlgen, in welcher Art von Umfeld wir leben und was es für die Bildungs- und Berufsbiographie von Kindern und Eltern bedeutet.

      • Blog-Redaktion sagt:

        Ich sehe das überhaupt nicht so. Das Posting ist weder bildungs- noch erfolgsfeindlich. Der heutige Erfolgsdruck auf Eltern und Kinder ist jedoch teilweise enorm. Das kann man durchaus thematisieren und diskutieren, finde ich. /gb

    • Sina Leemann sagt:

      Genau, ich habe mehrere Schulferien lang gejobbed, weil ich mir einen Englisch-Ferien-Sprachkurs zusammensparen wollte, da meine Eltern mir keinen solchen finanzieren konnten. Das war eines der Highlights meines Lebens!

    • Stevens sagt:

      @Asoka:
      Ging mir ähnlich.
      Ein Sprachkurs in Englisch würd ich nicht unbedingt unter dem bösen Titel „Förderung“ laufen lassen. Sondern eher als sinnvolles Erlebnis.
      Und weiter: Ein normaler Arbeitnehmer hat vier Wochen Ferien im Jahr. Die Sommerferien dauern fünf Wochen. Wie macht Frau Braun das?

      Und diese Selbstgefälligkeit hab ich auch schon mehrfach bei den Autorinnen und auch Kommentarschreibern hier entdeckt.
      „Was neeein, IIICH mach das nicht so. Das betrifft nur andere. Ich machs natürlich anders.“

      Fände es spannend, mal die Stimme von denen zu hören, die solche Angebote nutzen. Die Beweggründe wären spannend. Frau Braun sollte doch die Eltern kennen, die ihren Jungen in den Lerntechnik-Kurs schicken. Lassen sie sie doch mal einen Blog dazu schreiben…

  • Philipp Rittermann sagt:

    mein hirn arbeitet per-ma-nent. auch in den ferien.

  • dres sagt:

    Ach, die Kinder dieser Strebereltern sehe ich jetzt nicht als dramatische Konkurrenz für den eigenen Nachwuchs.

  • Nina Kohler sagt:

    Dass Schüler in den Ferien ins Lager fahren und dabei einen Sprachkurs oder andere Förderung erleben gab es auch schon früher. Meine Eltern haben mich ins Sommerlager nach Gruyères geschickt, wo am Morgen Französisch gelernt wurde und am Nachmittag Sport (Reiten, Schwimmen, Surfen, Tennis) getrieben wurde. Am Wochenende wurden mit Schülern aus befreundeten Internaten Discos veranstaltet. Das war vor gut 25 Jahren. Nach dem ersten Mal hat mir das so gut gefallen, dass ich die 3 folgenden Sommerferien auch wieder dahin gehen wollte, und einmal war auch mein Bruder mit dabei. Heute habe ich selbst eine Tochter, und auch wenn sie noch zu jung dafür ist, bin ich überzeugt, dass solche Lager eine gute Sache sind. In einem anderen Umfeld kann wohl mancher Lernfrust abgebaut werden.

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