Geschenke-Stress mit dem Ex

Ein Gastbeitrag von Christine Finke*

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Einhorn ist nicht gleich Einhorn. Aber wenns ein Geschenk vom Papa ist… Foto: Sascha Kohlmann/flickr.com

Wir haben hier ein ziemlich grosses weisses Einhorn. Das war, jedenfalls ansatzweise, auch das, was sich meine jüngste Tochter von ihrem Vater gewünscht hatte – allerdings in vier Nummern kleiner, und eigentlich hätte es auch Musik abspielen und rosa sein sollen, aber was solls, dem geschenkten Einhorn schaut man nicht ins Maul. Immerhin hatte es ein Geschenk gegeben vom Vater, das war nicht in jedem Jahr so, und mein Kind war glücklich.

«Ooooh, Mama, wie schön! Schau, was der Papa mir Tolles geschenkt hat!», freute sie sich und umarmte ihr Einhorn, das fast so gross war wie sie selbst. «Öh. Ja. Sehr schön», brachte ich schmallippig zustande und verkniff mir einen Fluch. Dann beschloss ich, mich mitzufreuen, weil mein Kind so glücklich war. Nur als sie dieses Einhorn mit in mein Bett schleppte, wo sie gelegentlich übernachtete, war bei mir wirklich das Ende der Toleranz erreicht. «Dieses Kuscheltier kommt nicht mit in mein Bett, bei aller Liebe», verkündete ich. Es war, als hätte mir der Ex ein trojanisches Pferd in meine Wohnung geschickt und wollte sich nun zurück in mein Bett schleichen. Die Jüngste schmollte kurz, verzog sich dann aber zum Kuscheln mit dem Einhorn in ihr eigenes Bett. Was mir sehr recht war. Im Endeffekt hatte der Kindsvater mir also einen Gefallen getan und dabei geholfen, mein Bett für mich zurückzuerobern. Auch gut.

Das Kinderzimmer hier in der Wohnung ist klein, und die Jüngste muss es sich mit dem Bruder teilen, was auch auf absehbare Zeit so bleiben wird. Insgeheim dachte ich, dass wir bald einen Anbau brauchen, falls der Vater sich zukünftig auf diese Dimension von Geschenken versteift, aber das war nicht nötig, denn in den darauffolgenden Jahren gab es nur schnöde Gutscheine für alle drei gemeinsamen Kinder, worüber die sich ungefähr so freuen wie ich mich über Socken zum Geburtstag, aber aus rein praktischen Erwägungen ist mir das lieber. Nur ist halt Liebe nicht praktisch, und für die Kinder zählt Zuwendung und das Gefühl, dass ihre Wünsche erhört werden oder sich jemand Gedanken macht. Und dahingehend haben viele Alleinerziehende jedes Jahr mächtig Spass mit den Kindsvätern, wenns um Weihnachten geht.

Erschreckend viele getrennte Väter schenken gar nichts zu Weihnachten, auch das hatten wir im Jahr direkt nach der Trennung – oft sind das diejenigen, die auch keinen Unterhalt zahlen oder sonst den Kontakt nicht halten. Für die Kinder ist das ein Stich ins Herz. Auch, weil Kinder untereinander vergleichen und erzählen, wer was von wem bekommen hat. Und wenn da der eigene Vater nichts schenkt, ist das nicht nur schmerzhaft, sondern auch den Freunden aus den «intakten» Familien schwer zu erklären.

Dann gibts noch die getrennten Väter, die mit Wonne Geschenke kaufen, zum Beispiel kompliziertes Lego mit x Teilen oder eine elektrische Eisenbahn, die sie bei sich behalten, mit der Begründung, dass das Kind beim Vater etwas zum Spielen haben sollte. Für das beschenkte Kind ist das eine ziemliche Enttäuschung, will es doch die Geschenke gerne mitnehmen und auch seinen Freunden zeigen. Und wenn es heimlich vermutet, der Vater wolle vielleicht selbst mit der Gabe spielen, wer kann ihm das verübeln?

Ramschgeschenke, auf denen noch «Reduziert!»-Aufkleber prangen, Geschenke, die überhaupt nicht altersgerecht sind, nerviger Elektronikkram – all das landet unterm Tannenbaum, berichten Alleinerziehende und rollen mit den Augen. Und sagen Sie jetzt nicht, die Frau habe selbst Schuld, das alte Argument, sie hätten sich den Vater für die Kinder schliesslich ausgesucht und müssten nun damit leben, wie er sei und auch wie er schenke. Denn manche getrennten Paare schaffen es ja doch, sich abzusprechen, was die Geschenke für die gemeinsamen Kinder betrifft. Und das ist prima – aber leider viel zu selten der Fall. Das nächste Einhorn kommt bestimmt. Vielleicht ist es dann ein echtes Pferd. Oder Meerschweinchen. Halleluja!

Christine Finke im Hof*Christine Finke bloggt als «Mama arbeitet» und lebt mit ihren drei Kindern (6, 9 und 15) allein. Sie ist Kinderbuchtexterin, Autorin und Stadträtin in Konstanz.