Mehr Männer in die Kitas!

Praktikaten in der Kleinkindertagesstätte kita4you, Zürich, Kreis 4, 11.9.2014, © Dominique Meienberg

Eine Seltenheit: Männliche Praktikanten in einer Zürcher Kita. (Bild: Dominique Meienberg/TA)

Kinderbetreuung ist Frauensache. So scheint das zumindest in vielen Köpfen verankert zu sein, weshalb es immer wieder die Frauen sind, die sich in Sachen Karriere gefälligst zurückzunehmen haben, sobald die Kinder da sind. Und deshalb trifft man auch in Kitas und Schulhorten höchst selten auf Männer, die sich beruflich um die Kleinen kümmern.

Die Zürcher SP möchte das jetzt zumindest in den städtischen Betreuungseinrichtungen ändern und fordert eine Männerquote: Männer und Frauen sollen zu je mindestens 35 Prozent in solchen Einrichtungen vertreten sein.

Barbara Leimbacher, Leiterin Personalmanagement der Stiftung GFZ, hält es grundsätzlich für eine gute Idee, dass mehr Männer in der Kita arbeiten würden. «Die Frage ist einfach, woher die Männer nehmen, wenn nicht stehlen?» Die GFZ, die 13 Kitas in der Stadt Zürich führt und rund hundert Tagesmütter und -väter beschäftigt, hat insgesamt 27 männliche Angestellte in ihren Kindertagesstätten. Neun davon arbeiten allerdings im Bereich Haushalt und Kochen, der Rest ist im pädagogischen Bereich tätig. «Wir haben zurzeit vier ausgebildete Fachmänner Betreuung Fachrichtung Kinderbetreuung, vier Lernende, acht Mitarbeiter, die ein Praktikum absolvieren und elf Zivildienstleistende», erklärt Leimbacher.

Einer von ihnen ist Felix. Der ausgebildete Fachmann Kinderbetreuung wünscht sich zwar mehr Männer in den Kitas, «auch den Kindern zuliebe», ist aber gegen eine Quote. Hilfreicher wäre es seiner Meinung nach, die Löhne zu verbessern und das Image seines Berufs generell etwas aufzupolieren.

Dass er in der Kita arbeitet, hat in seinem persönlichen Umfeld nie für dumme Sprüche gesorgt. «Ich hatte ursprünglich Schreiner gelernt mit dem Ziel, später in einer Behindertenwerkstätte oder mit Jugendlichen zu arbeiten», sagt er. Deshalb sei es nicht so abwegig gewesen, sich irgendwann spontan für ein Kita-Praktikum zu bewerben. Er bekomme aber sehr wohl mit, dass die Gesellschaft männliche Kleinkind-Erzieher nicht ganz ernst nehme. Oder sie sogar unter Generalverdacht stelle. «Ist gerade wieder irgendein Pädophilie-Fall in den Medien, kommen von den Eltern sofort mehr Fragen zu meiner Person», sagt er. Persönlich nimmt Felix das nicht. «Ich versuche, diese Ängste entgegenzunehmen und sie vor allem ernst zu nehmen», sagt er. Meist sei es dann so, dass die Mütter und Väter nach einer Weile wieder das Gespräch suchen und sich fast dafür entschuldigen würden, dass sie ihm misstraut hätten.

Spezielle Verhaltensregeln für männliche Angestellte kennt die GFZ nicht. «Wir wählen unser gesamtes Personal sehr sorgfältig aus. In der täglichen Arbeit legen wir Wert darauf, dass alle unsere Mitarbeitenden sich an verbindliche Qualitätsstandards, Prozesse und Regeln halten», sagt Leimbacher, «so achten wir etwa darauf, dass niemand ohne Absprache mit einem oder mehreren Kindern allein ist. Das sorgt für einen sicheren Rahmen und schützt sowohl die Kinder, als auch die Fachkräfte vor missbräuchlichen Kontakten.» Gerade skeptische Eltern fühlten sich durch solche Regeln ernst genommen in ihren Befürchtungen.

Felix war besonders zu Beginn seiner Arbeit in der Kita dankbar für diese Regeln. «Skepsis kann einem ja nicht nur von den Eltern, sondern auch innerhalb des Teams entgegengebracht werden», sagt er. «Deshalb war ich anfangs umso glücklicher, dass zum Beispiel beim Wickeln jemand zuschaute und ich sozusagen beweisen konnte, dass ich nichts zu verbergen habe.»

Während die Erwachsenen bisweilen mit Bedenken auf männliche Mitarbeiter reagieren, sieht es bei den Kindern ganz anders aus. Die finden es meist grossartig, wenn ein Mann auf ihre Gruppe kommt. «Ein Mann spielt anders mit Puppen, er erzählt die Kinderbücher anders – das schätzen die Kinder sehr. Ich profitiere sozusagen vom Exotenbonus», sagt er lachend.

Für Leimbacher ist es nur logisch, dass die Kinder so begeistert auf männliche Betreuungspersonen zugehen. «Kinder brauchen beide Geschlechter. Gerade auf die emotionale Entwicklung der Knaben wirkt es sich sehr positiv aus, wenn sie vermehrt auch von Männern betreut werden.» Solange aber die Fachkräfte in der Kinderbetreuung so wenig gesellschaftliche Anerkennung und vergleichsweise tiefe Löhne bekommen, so lange werden ihrer Meinung nach die Männer fernbleiben. «Und zwar nicht nur den Kitas, sondern auch dem Kindergarten und den schulischen Einrichtungen.»