Der Friedhof der Haustiere

Ein Gastbeitrag von Regula Portillo*

A girl kisses a Guinea pig, disguised as a miner, during the Guinea pig food festival in Huacho, Peru, Sunday, July 20, 2008. Guinea pigs are native to the high Andes, and have been an important source of protein for indigenous people. Nowadays, in Peru, the animal is served with a generous portion of Andean tubers. (AP Photo/Martin Mejia)

Nur ein Meerschwein – oder doch mehr?     (Bild: AP Photo/Martin Mejia)

Gestern starb Luigi, unser Meerschwein.
Nachdem ich ihm und seinem Kumpan frisches Wasser, Heu und eine Karotte in den Stall gelegt hatte, fiel mir erst auf, dass Luigi tot war.

Mein erster Gedanke – auch das noch. Der zweite – warum wohl? Und der dritte, was jetzt?

Während ich darüber nachdachte, wie Meerschweinchen A aus dem Gehege zu holen sei, knabberte Meerschweinchen B bereits genüsslich an der Karotte, um die es nicht einmal hatte kämpfen müssen.

Arbeiten gehen und so tun, als hätte ich keine Zeit gehabt, mich darum zu kümmern? Darauf hoffen, dass es jemand anderes tat?

Allerdings blieb mir noch über eine Stunde Zeit, bis ich los musste, und bestimmt würden die aktuell 32 Grad die Angelegenheit nicht vereinfachen. Und dann war da ja noch Meerschweinchen B, dem ich den toten Kameraden im Stall nicht unbedingt zumuten wollte.

Also holte ich eine Kartonschachtel und stiess den schweren Tierkörper hinein. Es kostete mich einiges an Überwindung. Mit etwas Heu deckte ich Luigi schliesslich zu und schloss den Deckel.

Sollten die Kinder von Luigi Abschied nehmen können? Ja, war mein erster Gedanke. Wären sie traurig?

Ich brachte die Kiste in die Waschküche und hinterfragte, ob diese Kiste da wirklich stehen bleiben sollte, bis die beiden Jungs vom Kindergartenausflug nach Hause kämen und einen letzten Blick auf den starren, aufgedunsenen Luigi mit den von sich gestreckten Pfoten geworfen hätten?

Und was danach?

Im Garten beerdigen kam nicht infrage, denn erstens wohnen wir in einem Mietshaus und zweitens würde der Nachbarshund das Meerschwein bestimmt gleich wieder ausbuddeln.

Ich setzte mich an den Laptop und googelte. Sandra81 empfahl, das tote Meerschweinchen im Gefrierfach aufzubewahren. Beim Gedanken an unser Mini-Gefrierfach schüttelte ich unweigerlich den Kopf. Eingeklemmt zwischen Aufbackpizzas und Eiswürfeln, nein, das ging nun wirklich nicht. Ich stiess auf die Tierkadaverbeseitigungsanstalt. Das klang richtig. Dort würde ich hinfahren. Jetzt.

Fröhlich kamen die Buben am späten Nachmittag vom Ausflug zurück. Sollte ich vielleicht? – nein, besser gleich. Herausschieben würde nichts bringen.

Ich muss euch etwas Trauriges erzählen, sagte ich nach dem Abendessen. Luigi ist gestorben.

Die zwei Jungs schauten mich mit grossen Augen an. Aber warum? Wie hat er ausgesehen? Lag er auf dem Rücken? Wo ist er jetzt?

Ich hätte warten sollen, schoss es mir durch den Kopf. Die Hitze, der Hund, sagte ich entschuldigend und fügte an, Luigi dorthin gebracht zu haben, wo man tote Tiere eben hinbringt. Das scheint sie zu beruhigen.

Zum Tierfriedhof?
Ja, so ähnlich.
Was hast du zum Friedhofswärter gesagt?
Ich habe ihm erklärt, dass unser Meerschweinchen gestorben ist.
War er traurig?
Was hat er gesagt?
Dass es ihm sehr leid tut.

Und so ging es weiter und weiter. Ich erzählte meinen Kindern, dass ich Luigi in eine Kiste gestellt hätte (in Wirklichkeit war es eine Mülltonne, in die ich ihn mehr oder weniger hineingekippt hatte), dass er nun wahrscheinlich kremiert und erst dann
begraben würde, dass es so besser sei wegen der Krankheiten, nein, einen Grabstein bekäme Luigi nicht, aber vielleicht könnten ja wir irgendwo.

Da brach ich ab, denn plötzlich fühlte ich mich miserabel beim Gedanken, wie sich die Übergabe von unserem toten Meerschwein wirklich zugetragen hatte. Wie schnell und emotionslos das alles geschehen war. Nur ein Meerschwein, sagte der Verstand, aber doch immerhin unser Haustier, entgegnete mein Herz.

Ob es nicht besser wäre, den Peque (Meerschweinchen B) reinzuholen, damit er unsere Stimmen hören könne, fragte da mein Sohn. Bestimmt ist er sehr traurig, dass er seinen Freund verloren hat, fügte der andere nachdenklich hinzu.

Ich nickte beschämt – denn meine Kinder schienen etwas verstanden zu haben, was mir entgangen war – und sagte, ja, das machen wir.

Regula_Portillo*Regula Portillo studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg. Vor, während und nach dem Studium verbrachte sie mehrere Jahre in Norwegen, Nicaragua und Mexiko. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Frankfurt am Main und arbeitet als freie Texterin und Autorin.

73 Kommentare zu «Der Friedhof der Haustiere»

  • Helena sagt:

    Wir haben 4 Meerschweinchen, einen Kastrat und 3 Weibchen. Nach Ihrem Ableben werden wir sie vermutlich kremieren lassen, für uns gehören sie zur Familie. Wer diese Tiere als «doof» bezeichnet, hat vermutlich noch nie die Interaktionen in einem Rudel mit Männchen beobachtet. Es sind sehr soziale Tiere mit strenger Hierarchie und so intelligent, wie es halt zum Überleben in der Natur nötig ist. Als Fluchttiere auf der untersten Stufe der Nahrungskette sind es halt sehr vorsichtige Tiere, die aber mit viel Geduld äusserst zutraulich werden können. Schmusetiere sind sie aber überhaupt nicht.

  • Flo sagt:

    In Zusammenhang mit diesem Aretikel versuche ich mir gerade vorzustellen wie Eltern ihren Kindern erklären wohin/weshalb und wie ihr Haustier verschwunden ist – weil die liebe Mami oder der liebe Papi den Hund, die Katze oder gar das/die Meerschweinchen einfach ausgesetzt hat weil eine Ferienplatz nicht im Budget liegt.
    Zu lesen/höre und sehen in allen Medien vor den grossen Ferien wieviele ausgesetzte Tiere da plötzlich anzutreffen sind.
    Persönlich; einen Hund mit einer Kette an einem Baum im Sihltal, oder eine Schachtel voller ganz junger Meerchweinchen am Fusse des Uetlibergs

  • Flo sagt:

    Ich liebe alle meine Tiere über alles, diejenigen die verstorben sind und diejenige die noch bei mir ist – aber für ist da die Grenze zwischen Mensh und Tier.
    Bei meine verstorbenen Verwandten und Bekannten finde ich es tröstlich einen Ort zu haben wo man Zwiesprache halten kann zu haben –
    bei meinen eigenen und meine Hüte Tieren finde ich es schöner mich mit Foto an die gemeinsamen Zeiten und ihre eigenarten zu erinnern.

  • Blanche Wu sagt:

    Meiner Meinung nach sollte man nicht über reagieren. Unsere Katze habe ich auf dem Schulweg zerquetscht auf der Strasse vor dem Haus gefunden. Kein schöner Anblick. Meine Mutter reagierte darauf sehr neutral ohne grosse Gefühlsduselei…ich musste weinen, wir gingen zusammen zur Tierkadaverstelle und gut war es. Mir tat viel mehr der Bruder dieser Katze leid, da diese noch zwei Wochen nach seinem Bruder gesucht hat und total verwirrt war.

  • Brigitte sagt:

    Schlimm ist es wenn die Kinder keinen Abschied von ihrem Tier nehmen dürfen. Unsere Kinder haben immer all ihre Tiere begraben. Die ganz Kleinen wie Hamster und Mäuse halt im Balkonkistli. Meine Mutter hat auch unseren Hund einfach so entsorgt und mich vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Autorin sollte keine Haustiere halten, sterben gehört nun mal dazu. Auch meine Enkelkinder begraben ihre verstorbenen Tiere, sogar den Vogel der in die Scheibe geflogen ist. Es gibt ja auch noch Tierkrematorien, die Kosten halt etwas.

  • malibe sagt:

    Selbstverständlich durften meine Kinder Abschied nehmen. Gehört sich doch einfach. Oder möchten Sie etwa dereinst nach dem Prinzip „aus den Augen aus dem Sinn“ entsorgt werden? Entsetzt? Da kann ich gleich noch einen drauf machen. Unsere Haustiere wurden alle nach angemessener Zeit der Trauer kremiert – und dann ganz stilvoll im Grab meines Vaters beerdigt. Insbesonders über die kätzische Gesellschaft dürfte er, der grosse Katzennarr sich besonders freuen. Die Kinder kamen immer liebend gerne an sein Grab. wohl auch wegen der angepflanzten Walderdbeereli – bei Erdbestattung notabene…

  • Lisa Hofer sagt:

    Ich bin etwas geschockt über die Reaktion der Autorin… Kinder müssen doch von ihrem geliebten Haustier Abschied nehmen können! Und das geht ja wohl nicht, indem man es hinterrücks möglchst schnell entsorgt. Die Kinder sollen doch begreifen können, was passiert ist. Sie sollen das tote Tierchen anschauen dürfen („Wie hat er ausgesehen? Lag er auf dem Rücken?“) und auch in den ‚Entsorgungsprozess‘ miteinbezogen werden („Wo ist er jetzt?“), wenn sie das Bedürfnis haben. Wenn man mit ihnen darüber spricht und ihre ‚Trauer‘, wie auch immer die aussehen mag, ernst nimmt, halten Kinder das gut aus!

  • ClBr sagt:

    Das Bild finde ich auch unpassend, da tatsächlich Meerschweinchen in Südamerika gegessen werden (was ich nicht unbedingt unpassend finde, aber halt diametral entgegengesetzt zum Jöh-Tierchen zur Unterhaltung der Jungmannschaft). Zur grundsätzlichen Thematik im Beitrag: ich durfte als Kind alle möglichen und unmöglichen Tierchen halten, musste sie aber selber versorgen. Daher war es auch ich, die jeweils die Toten fand. Ich glaube da ist der Fehler im System von Autorin Portillo.

    • Muttis Liebling sagt:

      So etwas geht heute gar nicht mehr. Rolle der Mama ist es, wie eine Firewall zwischen Kind und Wirklichkeit zu stehen. Da werden auch mal im Herbst die Blätter wieder an den Baum genagelt.

  • fufi sagt:

    Und hier die Luxusvariante:

    Bringt das tote Tier zum Tierarzt, auf dass dieser das tote Tier ans Tierkrematrorium sendet, sodass IHR wiederum ein paar Tage später einen Beutel mit Asche erhält, die früher das Tier war.

    Ich weiss ja nicht, wie das mit einem Meerschwein ist, aber mit einem Hund oder einer Katze, mit was wir 12 – 15 Jahre geteilt haben ….. !!!

    Und NEIN: Es geht NICHT um’s Tier!
    DAS ist nämlich TOT. Und zwar GANZ tot!
    Es geht um ihr wisst schon wen!

    Und irgendwie ist’s auch eine schöne Erinnerung an die Tiere!

    • Lichtblau sagt:

      Hallo Fufi
      Ein Langzeit-Familienmitglied wie einen Hund oder eine Katze angemessen in die Ewigkeit zu schicken, finde ich auch richtig. Ich war als Kind lange für die Idee eines Hundehimmels zu begeistern. Und auch unser Kater, der als Herzenswunsch unserer damals Siebenjährigen zu uns kam, wird dereinst nicht sang- und klanglos verscharrt werden. Wenn ich nur schon daran denke, wie mich das treue Tier bei jedem Wetter vom Bus abholt …

  • Katharina sagt:

    Jetzt ist mir gerade eingefallen, warum ich chinesisches Essen nicht mehr so mag.

  • Hans Käslin sagt:

    Meerschweinchen sind in Südamerika eine Delikatesse.

  • Lea sagt:

    Ich hätte vermutlich erstmals den Tierkadaver in der Wohnung aufgebahrt, um so genügend Zeit fürs Abschiednehmen und besprechens des weiteren Vorgehens zu haben. Um das Verwesen eines kleinen Tieres für 1-2 Tage zu verlangsamen, reicht eine Isolierschachtel (Doppelwandige Kartonkiste) in dem der Kadaver zusammen mit einem Kühlakku oder etwas Eis aufgebahrt wird.

    • Muttis Liebling sagt:

      Ausstopfen ist ja auch nicht so teuer. Da kann das Lealein seine Meersau noch mit in die WG nehmen.

    • Lichtblau sagt:

      Aufgebahrt? So richtig feierlich? Vielleicht noch unter Abspielen der passenden Musik? Sorry, aber bei Ihrem Post musste ich kurz ganz pietätlos grinsen. Obwohl ich aus Erfahrung weiss, dass solche Rituale Kindern in guter Erinnerung bleiben. Was für eine Seebestattung via Klo nicht unbedingt gilt 🙂

  • Greatsheep sagt:

    Oje, was für ein Theater einer Wohlstandsverwahrlosten. Abschied nehmen (auch die Kinder), aus der Kiste nehmen, aus Hygienegründen in einen Plastikbeutel und im Tiefkühler zwischenlagern. Später ein Begräbnis. Wo ist das Problem? Gibt sonst Einweghandschuhe wenn man wieder im Mittelpunkt stehen möchte.
    Kürzlich musste ich auch ein Schweinchen Einschläfern lassen. Man erklärt es den Kindern, dass es nicht mehr geht und gut ist. Kinder haben da mehr Verständnis und Unbefangenheit, es sei denn als Erwachsene verdirbt man sie solchem rumzicken und Geschwurbel.
    Und nein, Meersäue sind nicht dumm.

  • Widerspenstige sagt:

    Nachdenklicher Artikel und der letzte Satz sagt alles…

    • Muttis Liebling sagt:

      Wenn ich versuche, Deine Bemerkung in einen Kontext zu stellen, würde ich sagen:

      Es ist sicher erzieherisch wertvoll, ein Kind temporär mit einem geeigneten Tier zu koppeln. Dazu sollten als erstes gleiche Anfangsbedingungen herrschen. Kind und Tier sind frei geboren und wurden nicht speziell für diesen Kontakt gezüchtet.

      Als zweites behalten beide ihren natürlichen Lebensraum, was im Grossstadthaushalt nicht einfach, aber für Kleintiere möglich sein kann.

      Dann erlebt das Kind den gesamten Lebenszyklus dieses tierischen Begleiters, welcher im Gegensatz zu seinem Kumpel aus dem Tierladen

    • Muttis Liebling sagt:

      2/ 3x- mal länger ist und nicht fast immer mit Krebs endet.

      Dann kann man auch einem Vorschildkind sagen, dem xy ging es gut und nun ist er im Tierhimmel, bei seiner Mama.

  • Carolina sagt:

    Als ich las, wie RP als erstem Gedanke ein ‚oh nein, auch das noch‘ kam, musste ich laut lachen! Das kenne ich sehr gut. Kam dazu, dass ich schon immer ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Meersäuli hatte – ich finde, sie sind extrem doof (ja ja, ich weiss, Tierschützer, müsst Euch nicht melden) und ich habe es meinen Schwiegereltern damals extrem übel genommen, als sie uns unvorbereitet ein Paar mitgebracht haben. Aber die Kinder mochten sie, spielten mit ihnen (was immer das heisst) und pflegten sie gut – und als das erste das Zeitliche segnete, brachte ich sie dazu, das Alleingelassene zu

    • Carolina sagt:

      /2 Nachbarn ins Gehege mit einigen Meersäuli zu bringen, wo sie es auch besuchen konnten. Aber das überhaupt-nicht-trauernde Meersäuli wurde dadurch total gestresst und war bald wieder bei uns. Verstehe ich heute noch nicht: was muss man in solchen Situationen tun, wenn das M gar nicht paar- oder rudel-gehalten werden will? Erschiessen?
      Jedenfalls starb es dann auch irgendwann und wir haben ihn neben seinem Freund in einer kleinen Zeremonie begraben – war wichtig für die Kinder, es nicht einfach wie Kehrricht zu entsorgen.

      • Nala sagt:

        Naja Carolina, wenn man Dich jahrelang mit nur einer Person auf einer Alp hält und Dich dann nach dem Tod dieser Person kurzerhand nach New York verfrachtet, wärst Du vermutlich auch ziemlich gestresst. Unser letztes Schweinchen wurde am Todestag des zweitletzten in eine andere Gruppe von 6 Schweinchen gebracht und war sofort aufgenommen und hat sich wohl gefühlt. Sozialisierte Schweinchen haben weniger Probleme. Und es gibt keine Meerschweinchen, die gar keine Paar/Rudelhaltung wollen. Aber natürlich gibt es auch unter Meerschweinchen Sympathie und Antipathie.

      • Carolina sagt:

        ‚…. Und es gibt keine Meerschweinchen, die gar keine Paar/Rudelhaltung wollen….‘ Woher wissen Sie so etwas? Unser übrig gebliebenes Meerschweinchen war jedenfalls total gestresst mit seinen neuen Gspänli – als es wieder in seiner angestammten Umgebung war, ganz allein, lebte es noch eine ganze Weile ziemlich zufrieden (sofern man das beurteilen kann). Und wenn wir Tiere schon mit unserem menschlichen Auge betrachten: wie würden wir uns fühlen, wenn man uns, sobald unser Gefährte gestorben ist, in einen neuen vorsetzt? (Achtung: Ironie!)

    • Susi sagt:

      “ ich finde, sie sind extrem doof (ja ja, ich weiss, Tierschützer, müsst Euch nicht melden)“

      Aber Meerschweinchen SIND extrem doof!

      😀

      • Rolando sagt:

        Als unsere 2 Meerschweinchen das Zeitliche segneten, hielten wir auch eine Zeremonie ab und bin noch heute sehr froh darüber. Denn seit mehreren Jahren habe ich nun schöne Pantoffeln mit Öhrchen.
        Ich sagte es damals schon meiner Frau: Meerschweinchen sind für 2 Dinge gut… Zum Sezieren üben oder zum essen.

      • Franz Vontobel sagt:

        Diskriminierung! Auch Meerschweinchen sind Menschen!

      • Susi sagt:

        Ja, und sie sind auch nicht dumm, im Fall! (steht nämlich weiter unten!)

      • Muttis Liebling sagt:

        Gilt nicht rekursiv und ist deshalb falsch. Nur Männer sind Schweine.

      • Nala sagt:

        Die Frage ist, was heisst sie SIND doof? Meerschweinchen sind sehr intelligent. Allerdings sind es Flucht- (und Futter-)Tiere. Im Rudel beobachtet kann man ganze soziale Gefüge erkennen. Wir sollten Tiere allerdings natürlich nicht mit menschlichen Werten vergleichen. Da schneidet so gut wie jedes Tier doof ab.

      • Lichtblau sagt:

        Für Hamster gilt das aber nicht. Wir hatten als Kinder ein ausgesprochen schlaues Tier, das sein Hamsterrad schon bald verschmähte und sich regelmässig nach Art eines Houdini aus seinem Käfig befreite. Dann unterwanderte es die eingebaute Badewanne, vor der morgens regelmässig Geröll lag. In Zeiten der Freiheit erschien es auf Zuruf („Eeeetienne! Eeeessen!“), fast wie ein Hund. Nach dem Ableben dieses Alphatieres zog ein nervöses Hamsterpärchen (männlich) ein, das nicht annähernd das selbe Format zeigte. Diese Nobodies hatten bei uns einen schweren Stand – kein Wunder, bei dem Vorgänger.

    • Stranger sagt:

      Carolina, was könnte ein Tierschützer dagegen haben, dass Du Meerschweinchen für dumm erachtest? Ich glaube: Nichts. Vielleicht hat er eine andere Ansicht, verglichen mit Amöben sind Meerschweinchen reine Einsteins. Verglichen mit dem Menschen sind sie stockdumm. Hier ist kaum jemand anderer Ansicht.

      Gut, mit Christoph Blocher habe ich die Meerschweinchen jetzt nicht verglichen. Aber ich denke, der ist zwar viel gescheiter aber auch viel, viel, viel böser als so ein Nager.

  • Hans Schneider sagt:

    Den Stress der Schreiberin kann ich nicht verstehen. Wie wäre es mit gradliniger Ehrlichkeit?

    • Muttis Liebling sagt:

      Da gibt es doch ein schönes Kinderlied:

      Der Hahn ist tot, der Hahn ist tot
      er kann nicht mehr krähn
      kikiri, kikira

      Hahn mit Sau und krähn mit grunzen substituieren. Fertig ist die Ehrlichkeit.

  • Papperlapapi sagt:

    Das letzte verstorbene Meerschweinchen habe ich gemeinsam mit den Kindern (Tochter war echt traurig) im Garten beerdigt. Mit früher verstorbenen habe ich es gehalten, wie mit Mäuse- und Vogelopfern der Katze: in ein Robidogsäckli und darin in den Abfallsack.

  • Susi sagt:

    Der Artikel zeigt, dass Kinder ein sehr viel entspannteres Verhältnis zum Tod haben als Erwachsene.

    Ich hab mich allerdings über die Beklommenheit der Schreiberin schon etwas gewundert. Und klar möchten andere Abschied nehmen vom Haustier, einfach entsorgen geht gar nicht. Meine Mutter hat damals ein verstorbenes Meerschweinchen auch in ein Kistchen gebettet und in den Müll getan, bevor ich daheim war. Weil ich es aber unbedingt nochmals sehen und streicheln wollte, musste ich dann nach dem richtigen Müllsack im Container suchen… Kindheitserinnerung der anderen Art.

    • Susi sagt:

      Wir hatten uns dann im nahegelegenen Wald, der am Friedhof anschloss, eine kleine Ecke ausgesucht, in der wir unsere Haustiere beerdigten. Da liegen ganz viele Meerschweinchen, ein Wellensittich und ein Zwerghamsterpärchen. Ist glaub nicht mal legal, aber immerhin befindet sich die Stelle ja grad am Zaun zum Menschen-Friedhof.

      • Kathy sagt:

        Nein, das ist nicht legal (Schutz der Wildtiere vor Krankheiten). Tiere bis 10kg Körpergewicht dürfen aber im eigenen Garten in einer Kiste begragen werden (ca 1m Tiefe sollte das Loch haben), ausser es handelt sich um ein Grundwasserschutzgebiet. Im beschriebenen Fall hätte das Meerschweinchen in einer Kiste mit Pfeffer/Chili bestreut vergraben werden dürfen, ohne Angst vor dem Hund.

      • Susi sagt:

        Mit Pfeffer/Chili bestreut???

        Wir gingen in unserem Fall einfach davon aus, dass es unmittelbar neben dem Friedhof halt nicht so drauf an kommt. Dass es wahrscheinlich nicht legal ist, erfuhr ich dann später mal.

      • Franz Vontobel sagt:

        Pfeffer/Chilli: kein Hund gräbt das wieder aus…

      • Muttis Liebling sagt:

        Chlorkalk macht es auch.

      • Muttis Liebling sagt:

        Oder vorher taufen lassen, dann kann man es auch auf dem Friedhof bestatten.

      • Lea sagt:

        Als vor vielen Jahren mein Pony starb, wollte ich es mit Pfeffer und Salz bestreuen. Meine Eltern hatten Angst, um meine Gesundheit und liessen es verbrennen.

      • Stranger sagt:

        Pfeffer und Salz ist in Ordnung, allerdings kann man das Viech auch einfach panieren mit Ei und Brotkrümeln vor dem Braten…

        Im Ernst: Wir haben zu Tieren, wie eigentlich zu vielen Teilen der Umwelt ein hochgradig zwiegespaltenes Verhältnis. Die Unterscheidung in Kuscheltiere einer- und Nutztiere anderseits ist total willkürlich. Darum hält es jeder Mensch ein bisschen anders. Die einen sind Hardcorevegis, die nie auch nur daran denken, ein Tier zu essen, die anderen essen alles, was sich bewegt, und zwar an einem feinen Merlot.

      • Stranger sagt:

        Ich habe zwei Katzen, und die beiden werden sicher nie gegessen, da sie zu meiner Familie gehören. Freilaufende niemandem gehörende Katzen zu verspeisen halte ich aber für ok.

      • Muttis Liebling sagt:

        Katzen und Hunde verspeist man nicht, weil sie Fleischfresser sind. Menschen im nahen Osten verspeisen Schweine nicht, weil die Allesfresser sind. Pflanzenfressende Tiere haben nur pflanzen- affine Viren im Blut. Die kann Mensch unbedenklich geniessen.
        Im Norden kann am vor Hygieneregeln Schwein essen, weil es zu kalt für tier- affine Viren ist. Im Nahen Osten nicht.

  • Nala sagt:

    Vorallem sollten Sie dringend ein zweites Meerschwein besorgen. Meerschweine sind Rudeltiere und dürfen nicht mehr einzeln gehalten werden. Und ehrlich, zwei Meerschweinchen langweilen sich auch extrem. Ein Rudel (4-8) Tiere – da ist Spass, Spannung, Spiel, Action. Und nein, das Meerschwein B wollte kaum zu den Zweibeinern rein. Stimme vom Zweibein heisst vorallem Futter 🙂
    Wir haben unsere Meerschweinchen (6 an der Zahl) alle auch nur zur Tierkadaverstelle gebracht. Das ist ja nur der Körper des Tieres. Weshalb sollte man den auch behalten. Ok, vielleicht gäbe das ein netter Muff.

    • Widerspenstige sagt:

      Ja das ist eben DIE Frage: ist es wirklich nur ein Tierkörper ohne Recht auf respektvolle Behandlung auch nach seinem Ableben?

      • Muttis Liebling sagt:

        Diese Frage beantwortet sich auf dem Schlachthof.

        Unsere Vorfahren, die Jäger, haben am erlegten Tier gebetet: Verzeih mir Tier, das ich Dir das angetan habe. Dein Tod ist mein Leben.

      • Nala sagt:

        @Widerspenstige: Gut wenn man es so betrachten will, müsste natürlich auch ein Tier entsprechend kremiert begraben werden. Persönlich wär es für mich auch kein Problem, wenn auch Mensch nur auf der „Kadaverstelle“ landen würde. Für mich ist der Mensch nicht die Hülle. Die muss man mitunter abstreifen (sprich man stirbt). Weder Mensch noch Tier wird wirklich nach dem Ableben etwas spüren. Die respektvolle Behandlung ist wohl auch eher für die gedacht, die mit den sterblichen Ueberresten „arbeiten“ müssen.

  • M. Zupeuc sagt:

    Das Foto ist aber sehr unpassend.
    Wenn man das Kind sieht dann kann man erkennen, dass das Tier bestimmt ein „Cuy“ aus Peru, Bolivien oder Ecuador ist.
    Und wissen Sie was dort damit gemacht wird? Sie müssen es ja wissen. Sie waren doch in Lateinamerika, oder?
    Dort wird es gegessen, wie Kaninchen. Guten Appetit.

    Meiner Meinung nach man sollte überhaupt keine Haustiere in der Stadt haben, armes Tier der ganze Tag in einen Käfig eingesperrt. Auf dem Land ist etwas anders, da ist fast ein Muss.

    • Susi sagt:

      Es ist also okay, ein Kaninchen zu essen, ein Meerschweinchen aber nicht? Meerschweinchen sind extrem viel dümmer als Kaninchen, das weiss jeder, der beides schon als Haustier gehalten hat.
      Kommt mir vor wie das Gezeter der Leute bezüglich Pferdefleisch. Gleichzeitig aber genüsslich Schwein (um Längen klüger als das Pferd!) essen.

      Da passt wieder mal mein Lieblingszitat aus George Orwells „Animal Farm“: „All animals are equal. But some are more equal than others.“

      • M. Zupeuc sagt:

        @Susi Wovon sprechen Sie?
        Ich meine nur dass das Foto umpassend ist.
        Die Verbindung zwischen „Wie erkläre meine Kinder der Tod eines Tieres“ und ein Foto die zeigt ein Tier mit Menschen wo eigentlich NICHT als Haustier gesehen wird sonst eher als Teil der Nahrungskette finde einfach unpassend. Das ist alles.
        Noch, Was soll die „Klugheit“ eines Tier mit ihr Verzehr zu tun? Je dummer desto besser oder umgekehrt? Was für ein Unsinn.

      • Susi sagt:

        Das Meerschweinchen auf dem Bild hat klar die Funktion eines Haustieres – Nutztiere werden weder mit Puppenkleidern noch mit Küssen bestückt. Und ja, manchmal wird ein Haustier auch gegessen. Passiert auf den Bauernhöfen auch. Darum ist es extrem unpassend?

        Natürlich geht es um die Intelligenz von Tieren, denn je (offensichtlich) intelligenter ein Tier, umso näher ist es beim Menschen und umso grösser ist die Hemmschwelle, es zu essen. Wir essen ja auch keine Menschenaffen. In unserer Kultur keine Hunde und eher selten Katzen, wer es tut, wird geächtet.

      • Kathy sagt:

        @ Susi, das hat aber nichts mit der Intelligenz zu tun. Schweine sind erwiesenermassen deutlich intelligenter als Hunde oder Katzen, trotzdem essen wir sie öfter. Sie sind aber im Gegensatz zu den beiden genannten keine ausschliesslichen Fleischfresser, was meiner Meinung nach mehr damit zusammenhängt. Menschenaffen werden dort, wo sie vorkommen, sehr wohl gegessen. Genauso wie Delphine (wovon schon nur wegen des Quecksilbers abzuraten ist) zum Beispiel. Bei uns werden hingegen Würmer nicht gegessen, obwohl sie in den meisten Augen wohl deutlich dümmer sind als bspw. Rinder.

      • Susi sagt:

        @Kathy: Ich wusste nicht, dass Menschenaffen in gewissen Gegenden offiziell gegessen werden. Was Sie schreiben, ist interessant. Mir ist einfach aufgefallen, dass immer mit der Intelligenz der Tiere argumentiert wird (bzw. wie „edel“ ein Tier ist, und das wird i.d.R. an der Intelligenz festgemacht). Ja, Schweine sind sehr intelligent, ich meinte, etwa so wie Schäferhunde.

        Ihrem Post nach werden die Tiere aus anderen Gründen als moralischen verzehrt oder eben nicht, das finde ich dann auch völlig nachvollziehbar.

      • Sama sagt:

        @Susi
        Das abgebildete Meerschwein hat klar die Funktion eines Nutztieres. „Fiesta de Cuy“ ist ein traditionelles Bauernfest, bei denen die Tiere kostümiert und das schönste Kostüm preisgekrönt wird- die Tiere aber werden ganz normal gegessen.

    • Widerspenstige sagt:

      Das war ein ewiges Dilemma, dem ich jeweils ziemlich zwiespältig gegenüber stand – den Haustieren in einer Wohnung ohne grössere Auslaufsmöglichkeiten. Unsere Tochter wollte alles mögliche von Haustieren, was die Söhne eher kalt liess. Sie rebellierte so stark, dass die Lehrerin mich darauf ansprach, ihr doch bitteschön ein süsses Tierchen zuhause zu gönnen. Sie werde ganz traurig, wenn es um Tiermärchen gehe. Mein Herz geriet in Schieflage in solchen Momenten u so zogen Hamster, Kanarienvögel, Frösche, Gottesanbeterin, Kater bei uns nacheinander ein. Die waren immerhin kleiner als Pferde…

      • Muttis Liebling sagt:

        Hättest eine Katze nehmen sollen. Als Kind (Opa hatte Bauernhof) hatte ich immer welche. Aber die kratzen, wenn sie lieb haben wollen. Wenn sie mir, wie der anderen Katze das Fell kraulen, blieben bei mir Wunden zurück. Dann haben sie noch, wenn man sie frei laufen lässt und weiblich sind, ständig Junge,
        Wenn man sie aber nicht freilaufen lässt und nur Kater will, ist man ein ganz böser Katzenvater. Die Konstellation regt Kinder viel mehr zur Liebe zum Tier und zum Überdenken der Tierhaltung an, als der im 60×60 Käfig eingesperrte Meersaukastrat. Selbst wenn er wollte, er darf nicht …

      • Franz Vontobel sagt:

        Hey, WS, etwas OT, aber hier hat’s einen sehr interessanten Artikel für sie:
        http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/die-komplizinnen-der-nazis/story/26882417

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Widerspenstige

        da bin ich jetzt grad ein bisschen erleichtert, unsre Tochter ist auch so ein zwangsverordnet-haustierloses Wesen, und was sie darüber, resp über mich, denkt nicht immer schmeichelhaft (also eigentlich nie), aber von Schulseite bin ich noch nie drauf angesprochen worden, hoffe das bleibt so…

    • Riisli sagt:

      Das Bekleiden des Meerschweinchens hat übrigens nichts damit zu tun dass es ein Haustier im Sinne eines kuscheligen Gschpänli für das Kind wäre. Sondern damit, dass eine Art „Festival“ gibt, an denen die kreativsten Kostüme bewertet und gekrönt werden. Nur zur Information.

      Und jawohl, mit einiger Wahrscheinlichkeit wird das Cuy danach gegessen. Ist auch lecker.

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