Die 7 nervigsten Kinderbuchfiguren

Kinderbücher sind toll und viele möchte man nicht missen. Aber manche sind nur furchtbar. Nennen wir das Grauen beim Namen.

Ein Papablog von Nils Pickert*


Vorsicht! Bobo Siebenschläfer schleicht sich in die Haushalte ahnungsloser Eltern.

Wenn man sich mit einer Zehnjährigen und einem Achtjährigen noch einmal auf das Abenteuer Nachwuchs einlässt, hat man vieles von dem vergessen, was einen in den Anfangsjahren begleitet hat. Den Schlafmangel und die glucksenden Glücksgeräusche. Dieses unfassbar schrille Kreischen, das ihr Zahnen begleitet, und wie zart sich diese Babyköpfchen anfühlen. Über ätzenden und über grossartigen Dingen liegt gleichermassen ein Schleier des Vergessens. Mit einer Ausnahme.

Schon vor der Geburt meines Jüngsten wusste ich, dass ich alles daran setzen muss, dass ER mir diesmal erspart bleibt: Bobo Siebenschläfer! Ja genau: Lange Zeit haben wir nur im Flüsterton und als er, dessen Name nicht genannt werden darf, von ihm gesprochen. Schon vor vielen Monden haben wir sein finsteres Machwerk («Das grosse Buch von Bobo Siebenschläfer») aus unseren Hallen verbannt und leben seither in Frieden. Aber es ist ein trügerischer Friede.

Auf geheimen Wegen schleicht er sich in die Haushalte ahnungsloser Eltern, die sich fortan auf Monate in der bekannten «Und täglich grüsst das Siebenschläfertier»-Zeitschleife befinden, in der sie immer wieder dasselbe vorlesen und hören müssen. Das droht auch uns wieder.

Deshalb sei an dieser Stelle vor ihm und den anderen gewarnt. Ja, es gibt andere wie ihn, die Eltern furchtbar auf die Nerven gehen und sie bis in ihre Träume verfolgen. Und ja, auch die finden genau wie Bobo jeden Tag aufs Neue Kinder und Eltern, die sie einfach nur toll finden. Das dürfen die auch. Genau wie wir anderen die zum Kotzen finden dürfen. Daher nun ohne Umschweife meine Liste der nervigsten Kinderbuchfiguren.

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1. Bobo Siebenschläfer
Tatsächlich sollen schon Eltern nach der Lektüre sieben Monate in Schlaf gefallen sein. Bobos Leben besteht daraus, das zu bekommen, was er haben will, und an verschiedenen Orten zu weinen. Manchmal hält er auch ein Schläfchen mit Papa im Garten, während Mama im Haus putzt und kocht. Die 70er-Jahre freuen sich darüber. Alle anderen können es nicht fassen.

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2. Karlsson vom Dach
Motorisiertes Arschloch mit einer Schwäche für Süssigkeiten und einem Hang zu Tyrannei und Menschenverachtung. Karlsson vom Dach kann fliegen. Ja UND?! Dafür ist er ein unerträglich selbstsüchtiger, gieriger Sack in den besten Jahren. Fehlt eigentlich nur, dass er von sich ausschliesslich in der 3. Person spricht. Karlsson gefällt das.

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3. Prinzessin Lillifee
Darf überhaupt nichts. Also ausser lieb und nett sein, ständig ihre Tiere füttern, ohne jemals selbst etwas zu essen, und einen so zarten Hals zu haben, dass ihr Kopf eigentlich wie eine welke Blüte umknicken müsste. Prinzessin Lillifee lehrt Tausende Mädchen, sich nicht den Raum zu nehmen, der ihnen zusteht, sondern sich immer brav zu bescheiden. Man wünscht ihr, dass sie sich über all das mal beschweren kann. Passiert aber viel zu selten.

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4. Bob der Baumeister
Ist auf beängstigend soziopathische Weise nur mit seinen Maschinen beschäftigt. Bob und sein Fuhrpark machen das schon. Wie? Nicht so wichtig. Realistische Darstellung von Handwerk? Ach was, wieso denn! Und dass er mit Flexi, Mixi und Conti in Bobhausen wohnt, ist auch irgendwie gruselig.

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5. Die Olchis
Finden alles super, was Menschen eklig finden oder finden sollen. Essen Schrauben, baden im Dreck und hassen Ordnung. Das soll total befreiend und belustigend wirken, ist aber doch nur der Versuch, die Pipi-Kacka-Kotz-Popel-Phase von Kindern zu kapitalisieren.

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6. Leo Lausemaus
Ihr Kind will nicht schlafen/teilen/baden/essen/etc.? Da gibt es doch ein Buch für. Leo Lausemaus heisst die hohle Nuss, die lediglich dazu dient, Vorschulkindern ihr mannigfaches Fehlverhalten aufzuzeigen und mit einem gigantischen moralischen Zeigefinger auf den Pfad des elterlichen Willens zurückzuführen. Warum sich die Mühe machen, Kindern eine gute Geschichte zu erzählen, wenn man sie stattdessen hemmungslos belehren kann?!

mecki

7. Mecki
Rassistischer Fernsehzeitungsigel, den Deutschland mal so dufte fand, dass nach ihm ein Haarschnitt benannt wurde. Ansonsten treibt sich Mecki seit den Fünfzigern bei Chinesen, Indianern und Negerlein herum, um zu zeigen, dass Kolonialismus und Stereotypisierung ja auch was Heimeliges haben können. Wird seit 2007 wieder neu verlegt. Ist nicht totzukriegen.

Viele andere hätten hier noch erwähnt werden müssen. Im Fernsehen mag das Sandmännchen seine Clint-Eastwood-Schweigenummer ja noch durchziehen können, aber in Buchform ist es schlicht öde. Thomas die Lokomotive ist nicht niedlich, sondern kidnappt arme Menschen, um mit denen dahin zu fahren, wo er will. Benjamin Blümchen sollte mal jemand sein ständiges «Töröö!» zurück in den Rüssel stopfen. Und ja, Sams, auch du. Du nervst. Hau endlich ab mit deinen dämlichen Folgebänden, die nur dazu da sind, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Einige habe ich bestimmt vergessen. Aber die können Sie ja ergänzen.

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.