Den perfekten Moment für ein Baby gibts nicht

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Unsichere Stelle, kleine Wohnung, Reisepläne: Viele Paare schieben den Kinderwunsch vor sich her. (iStock)

Sie wünschten, sie hätten es früher getan. Sie hätten sich eher an das – wie sie es nennen – «Projekt Kind» herangewagt, statt sich immer wieder einzureden, die Zeit sei noch nicht reif. Doch die Freundin wollte damals lieber nochmals zwei, drei Jahre arbeiten, um mehr Geld auf der Seite zu haben. Ihrem langjährigen Lebenspartner kam das gerade recht. Immerhin konnte er sich endlich durchringen, seiner Partnerin zu sagen, er wolle mit ihr eine Familie. Er hatte keine Eile; beide genossen weiterhin entspannt die Zweierkiste.

Sechs Jahre später ist es nun so weit: Die Frau 39, der Mann 44 – und im Kinderwagen das einjährige Kind. Die beiden sind insgesamt zufrieden, gestehen sich aber ein, dass sie zu lange gewartet hätten, ein Baby zu machen, «und wir jetzt schon so alt sind». Sie wünschen sich noch ein Geschwisterchen für ihr Kind. Der Mann rechnet vor, dass er knapp fünfzig sei, wenn es auf die Welt komme, sofern seine Partnerin überhaupt noch schwanger werden könne. «Und ist das Kind ein Teenager, bin ich bereits Rentner!»

Was soll man als Aussenstehende dazu sagen? Ja, ihr werdet nicht mehr die Jüngsten sein, wenn das Kind den Zwanzigsten feiert. Eure eigenen Eltern sind dann 80 oder 90, wenn sie noch leben. In sechs Jahren schult ihr euer Kind ein. Aber das war ja wohl abzusehen, oder?

Offenbar nicht wirklich. Immer wieder höre ich von Paaren, die spät Eltern geworden sind, dass sie die durchwachten Nächte fertigmachten, sie wenig Schlaf nicht so locker wegstecken würden, sie wegen ihrer Kniearthrose mit den Kindern keine Bälle kicken könnten – und jüngere Eltern um all dies beneiden: Als Dreissigjähriger sei man im Gegensatz zu ihnen noch voll im Saft.

Gut, auch für junge Eltern sind lange Nächte ohne viel Schlaf durchaus anstrengend. Es mag die späten Eltern zudem darüber hinwegtrösten, dass eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie zum Schluss gekommen ist, sie seien im Vergleich mit jüngeren Müttern und Vätern die besseren Eltern: Über 35-Jährige sollen mehr auf ihr Kind eingehen können als jüngere und es besser unterstützen. (Lesen Sie den Mamablog-Beitrag «Die Gnade des späten Gebärens»).

Dennoch glaube ich, dass es jüngere Eltern tendenziell einfacher haben. Sie sind nicht nur körperlich fitter, sondern geben sich in vielen Dingen entspannter, auch was den Alltag mit Kindern anbelangt. Allen Paare, die wissen, dass sie gemeinsam Kinder haben möchten, solls drum gesagt sein: Wagt es einfach. Schiebt eure Kinderpläne nicht jahrelang hinaus. Wartet nicht auf die nächste Lohnerhöhung, die grössere Wohnung, die familienfreundliche Stelle oder darauf, dass auch das befreundete Pärchen endlich so weit ist. Der perfekte Moment wird nicht kommen.