Von braunen Eiern und vergesslichen Osterhasen

Die Familienbräuche an Ostern sind zahlreich und äusserst verschieden. Das zeigen allein die folgenden sieben Anekdoten unserer Mama- und Papablogger. Wir wünschen Ihnen schöne Ostertage, liebe Leserinnen und Leser, was immer Sie damit anfangen!

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Auf der Suche nach dem perfekten Versteck. Osterhase in flagranti erwischt – hier in Peru. (AP, David Manley)

Braune Farbe auf brauner Schale von Markus Tschannen
Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Mutter hielt sich zwei Dutzend Hühner diverser Couleur und belieferte die Nachbarschaft mit Eiern. Zur Osterzeit wünschten die Kunden stets weisse Eier. Für uns blieben die Braunen übrig, die wir Kinder dann irgendwie bemalen durften. Blau auf braun, rot auf braun, braun auf braun – die Kunstwerke litten stets unter dem suboptimalen Untergrund. Ich habe mich noch nicht entschieden, aber vielleicht bringe ich meinem Kind ebenfalls bei, dass Eier zur Osterzeit stets braun sind.

Äpfel statt Eier von Gabriela Braun
Meine Familie väterlicherseits schwört auf eine alte Familientradition: Am Ostersonntag solle man als Erstes im Bett einen Apfel essen – und zwar schweigend, ohne zuvor auch nur einen Mucks von sich gegeben zu haben. Dann bleibe man das ganze Jahr über gesund, erzählte der Grossvater. Ich erinnere mich, wie wir uns als Kinder immer dazu zwingen mussten. Wir versuchten zwar fest an die Wirkung des österlichen Apfelessens zu glauben, aber das war nicht gerade einfach – handelte es sich beim Grossvater doch um den kränksten Menschen, den wir kannten.

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Kunststück! (Andrea Fischer-Schulthess)

Ein runder Liebesbrief von Andrea Fischer Schulthess
Seit ich ein kleines Kind bin, freue ich mich auf die Tage vor Ostern fast mehr als auf Ostern selbst. Denn dann werden die Eier bemalt. Und mit Bemalen meine ich wirklich bemalen. Färben kommt nicht infrage. Für jeden Ostergast wird ein individuelles Ei sorgfältig bepinselt oder mit Zeichnungen verziert. Die Wahl der Mittel ist dabei völlig frei: Bleistift, Wasserfarbe, Filzstift oder sogar Nagellack sind erlaubt. Dass die Eier danach teilweise ungeniessbar sind, nehmen wir in Kauf. Wichtig ist allein, dass jeder ein ganz persönliches Eier-Geschenk bekommt, eine Art runden Liebesbrief. Diese Tradition haben längst auch unsere Kinder verinnerlicht und an dem Tag, an dem ich damit aufhöre, habe ich entweder meine Augen, meine Hände oder mein Leben verloren. Jawohl, so wichtig ist diese Sache.

Der vergessliche Osterhase von Jeanette Kuster
Ein Ostersonntag ist mir speziell in Erinnerung geblieben. Wir Kinder waren wie jedes Jahr in aller Früh aufgestanden, um uns auf die Suche nach den Osternestchen zu machen. Wir fanden das meiner Schwester, das meines Bruders – nur meines blieb unauffindbar. Irgendwann stand ich mit Tränen in den Augen am Bett meiner Mutter. Ich war überzeugt, der Osterhase hatte mich vergessen. Die Mutter gab mir dann den entscheidenden Tipp (was mich trotzdem keine Sekunde vermuten liess, dass vielleicht sie das Nest versteckt hatte). Heute ist das Verstecken der Nestchen mein Job. Und es überrascht Sie vermutlich nicht, dass die jeweils nicht speziell gut versteckt sind. Keines meiner Kinder soll auf die Idee kommen, der Osterhase habe es vergessen.

Das stinkende Osterfeuer von Monika Zech
Als Vorspiel zu der Mitternachtsmesse entzündete der Sigrist in unserem Dorf jeweils am Karsamstag ein grosses Feuer auf dem Kirchenplatz. Er tat deswegen immer ziemlich aufgeblasen, war das doch eine unglaublich wichtige Aufgabe für ihn. Ein perfektes Opfer für Kinder. Und da wir direkt neben der Kirche wohnten, war es ein Klacks, ihn zu sabotieren: Wir schmissen so viele Gummibänder, wie wir in unserem Haus finden konnten, in das Feuer. Es war grandios, wie das heilige Feuer zu rauchen und zu stinken begann. Diesen Spass gönnten wir uns ein paar Mal – wir wurden nie erwischt.

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Eiertütschen: Wer gewinnt? (Keystone)

Zurück an den Tisch von Raphael Diethelm
Ostern war und ist für mich immer: ein Festessen. Und zwar das erste seit Silvester. Im Januar verdaue ich den kulinarisch intensiven Vormonat, im Februar bleibt die deftige Ergänzungsnahrung zum Wintersport glücklicherweise die Ausnahme, und im März denkt auch Mann wieder an die kommende Badesaison. Aber an Ostern wird zugeschlagen! Ohne Rücksicht auf Rückschläge. Und dabei spielen Schoggihasen und -eier nur die Nebenrolle. Nein, ich spreche vom Fisch, den wir – überhaupt sehr regelmässig, aber selten so aufwendig zubereitet – am Karfreitag essen. Er ist der leichte Auftakt für deutlich schwereres Geschütz, das wir in der Küche in den folgenden drei Tagen auffahren. Und das ist noch nicht alles: Neuerdings komme ich bereits am Gründonnerstag in den Genuss einer Tafelrunde; am offiziellen «Weihnachtsessen» mit den Arbeitskollegen. En Guete!

Das Aufstehen der Christen von Nils Pickert
In meiner Kindheit in der DDR haben meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern zu Ostern immer das Aufstehen der Christen gefeiert. Ja, Sie haben richtig gelesen: Nicht etwa die Auferstehung Christi, sondern das Aufstehen der Christen. Meine vollkommen religionsbefreiten Eltern feierten mit uns den Umstand, dass Christsein in einem Land, in dem Sozialismus als Staatsglaube verordnet war, an sich schon einen Akt des Widerstands markierte. Wir luden eine befreundete christliche Familie ein und während wir Kinder uns an heidnischem Ostereiersuchen erfreuten, legte meine Mutter die Hand auf die Schulter ihre Freundin und fragte: «Wie haltet ihr diese Scheisse hier bloss aus?» Die Freundin lächelte und blickte auf ihre Tochter, die kritisch einen Schokoosterhasen beäugte. «Manchmal hilft beten.» Das dritte Kind in meiner Ost-West-Beziehung mit meiner Frau ist gerade fünf Monate alt geworden. Lassen Sie sich also von einem ausgewiesenen Atheisten an Karfreitag sagen: Manchmal hilft beten.