Wie viel ist Ihnen die Kinderbetreuung wert?

Tagesmutter auf einem Spielplatz im Kanton Bern. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Für sie gibt es keinen Mindestlohn: Tagesmutter auf einem Spielplatz im Kanton Bern. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Das Thema Fremdbetreuung ist eines, das berufstätige Eltern früher oder später zwangsläufig beschäftigt. So mussten sich auch FDP-Nationalrat Andrea Caroni und seine Frau damit auseinandersetzen. Sie wollten ihr Kind nicht in eine Krippe bringen, sondern es von einer Nanny im eigenen Zuhause betreuen lassen. Als Caroni sich jedoch genauer informierte, beschloss er, auf das Modell Tagesmutter umzuschwenken. Der Grund: Nannys sind dem sogenannten Normalarbeitsvertrag (NAV) für Hauswirtschaft unterstellt und müssen deshalb einen Mindestlohn von 18.55 Franken pro Stunde beziehungsweise 160 Franken pro Tag erhalten. Der NAV gilt nämlich für alle Personen, die Arbeiten wie Putzen, Waschen, Kochen erledigen und sich um die Betreuung von Kindern, Betagten oder Kranken kümmern – vorausgesetzt, sie tun dies während mehr als fünf Stunden pro Woche.

Tagesmütter hingegen, die fremde Kinder bei sich zu Hause betreuen, gelten als Selbständigerwerbende. Einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn gibt es für sie nicht, empfohlen werden Stundenlöhne von rund 8 Franken pro betreutes Kind.

Caroni hält es laut dem «Tages-Anzeiger» für «widersinnig, dass der Ort der Betreuung für den Preis ausschlaggebend» sei. Er verlangt deshalb in einer Motion, dass die Betreuung von Kindern (und allenfalls auch Betagten und Kranken) vom Normalarbeitsvertrag ausgenommen werde. Weil «solche Regulierungen die Kinderbetreuung verteuerten und ein Hindernis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie» seien.

Ich gehe mit Caroni einig, dass die Fremdbetreuungskosten in der Schweiz zu hoch sind. Es ist absurd, dass Mütter zu Hause bleiben, nur weil sie es sich finanziell nicht leisten können, arbeiten zu gehen. Bloss: Die Nannys oder das Krippenpersonal schlechter zu bezahlen, ist ganz bestimmt nicht die Lösung.

Zugegeben, der Unterschied zwischen dem Lohn einer Tagesmutter und dem einer Nanny ist frappant. Die zwei Jobs sind aber nicht miteinander zu vergleichen. Die Tagesmutter ist in der Regel eine Mutter und Hausfrau, die zusätzlich ein fremdes Kind betreut. Sie stellt kein spezielles Programm auf die Beine für das ihr anvertraute Kind, sondern lebt ihren gewohnten Tagesablauf mit ihrer Familie. Eben mit dem einzigen Unterschied, dass sie noch zu einem weiteren Kind schaut.

Die Nanny hingegen steht am Morgen früh vor der Haustüre ihres Arbeitgebers, um das Kind zu übernehmen. Sie verbringt den Tag im fremden Zuhause, wo sie nicht selten auch noch gewisse Haushaltsarbeiten erledigt. All das rechtfertigt die höheren Kosten durchaus.

Gerade von einem Vater sollte man erwarten können, dass er versteht, was für eine wichtige Arbeit gute Kinderbetreuerinnen und Nannys leisten. Immerhin erziehen sie unseren Nachwuchs bis zu einem gewissen Grad mit und sind wichtige Bezugspersonen für unsere Kinder. Für diese Arbeit haben sie nicht nur Anerkennung verdient, sondern auch einen anständigen Lohn.