Wann sind wir bereit für ein Kind?

Ein Gastbeitrag von Anicia Kohler*

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Rein ins Abenteuer: Kathrin Heigl wird in «Knocked Up» gänzlich ungeplant schwanger. Foto: Universal Pictures

Es gibt Menschen, die wissen, seit sie selbstständig denken können: Ich werde eine Familie gründen, eine fantastische Anzahl Kinder (drei oder mehr) haben, dazu vierzehn Hühner, zwei Hunde und vier Schildkröten. Bei anderen reift der Wunsch nach einer Familie erst später, wieder andere möchten kinderlos bleiben. Es gibt verschiedenste Lebensentwürfe, und grundsätzlich wird ihnen heute zum Glück allen Respekt gezollt.

Für uns Thirtysomethings bedeutet das nebst Chancen auch Probleme: Wir sind mit Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten aufgewachsen, wir sind Individualisten, Hedonisten, Superopportunisten – und wie die Etiketten nicht alle so lauten. Daran gewöhnt, dass wichtige Entscheidungen sorgfältig abgewogen, Zeitpunkte geplant und Rückzugsmöglichkeiten einberechnet werden können (und müssen), widmen wir uns dem Thema Familiengründung wie einem Businessplan. Sollen wir oder nicht? Basierend auf welchen Fakten? In zwei Jahren vielleicht? Sind wir wirklich total, zu hundert Prozent, bereit dafür?

Daran gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen – ein Kind zu bekommen, ist ja tatsächlich eine ziemlich folgenschwere Entscheidung. Das Problem ist nur, dass langes Nachdenken über das richtige Timing verschiedenen Realitäten zuwiderläuft. Zum einen ist da der Faktor Zeit: Im Idealfall beträgt die Wartezeit für das Projekt Familie vielleicht ein bis zwei Jahre – in dieser Zeit kommen Frisuren in und wieder aus der Mode, Finanzkrisen werden ausgestanden und Weltmeister gekürt. Kein Mensch kann eine absolute Bereitschaft ohne jegliche Zweifel über Jahre aufrechterhalten (schon gar nicht eine Schwangere, die eine Treppe erklimmen muss). Zum anderen der Faktor Biologie: Es gibt keine Garantie. Fast nichts am Fortpflanzungsprozess ist in unserer Hand, und es gibt keinen Wegpunkt, an dem nicht alles oder nichts schiefgehen kann.

Wenn sich zwei also grundsätzlich einig sind, dass sie irgendwann eine Familie gründen möchten, sollten sie die Phase des Brütens nach einem kurzen Überschlagen der Lebensumstände deshalb besser (noch) überspringen. Die wirkliche Frage ist nicht, ab wann man erwachsen genug sein wird, für den Rest des Lebens auf Schlaf zu verzichten. Sondern die, ob man sich genug gern hat, sich gemeinsam und kopfüber in ein völlig unfassbares Abenteuer zu stürzen. Mit der Einstellung komme, was da wolle – ob und wann und in welcher Ausführung es wolle. Sich aneinander festhaltend, sich tief in die Augen schauend und mit erwartungsvollem Lächeln. Live long and maybe prosper!

Mamablog Anica Kohler*Anicia Kohler ist Musikerin, Fachmitarbeiterin Prävention und Mutter eines fast fünfmonatigen Babys.

64 Kommentare zu «Wann sind wir bereit für ein Kind?»

  • Elly sagt:

    Muss man den Kinder kriegen? Nur wenn ich will und bereit dazu bin! Ob Schwiegereltern oder Bloggerin: Das ist mein Bier! Trotzdem Danke für den Tipp. Immerhin bist du ja seit kurzem selbst schon Mami.

    PS: Es gibt sicher noch andere mögliche Abenteuer als Kinder zur Welt bringen!

  • Armando sagt:

    Es ist ganz einfach: Je tiefer die Reproduktionsrate der Schweizer Einwohner sinkt, desto höher die Einwanderung. Ohne Einwanderung würde die Schweizer Bevölkerung schon heute abnehmen, weil viele Paare, ob verheiratet oder nicht, keine Kinder wollen oder dann nur eines. Der Schweizer Staat ist schwer mitschuldig an dieser Situation, denn eine wirkliche Familienpolitik, die den Namen auch verdient, gibt es bis heute in der Schweiz nicht. In skandinavischen Ländern ist das sehr anders.

  • Maria sagt:

    Mein Ratschlag: nicht zu lange warten und planen. Wenn man mal bereit ist, „passiert“ dann plötzlich lange nichts. Falls es nicht auf natürlichen Weg klappt, kann man sich auf eine langwierige Zeit der Abklärungen etc. einstellen. Die hiesigen Kinderwunsch-Zentren für IVF/ICSI werden überannt, die Wartezeiten sind enorm. In unserem Fall: 6 Monate gewartet für das Erstgespräch. Danach viele Tests (Mann und Frau) und nach 8 Monaten nach dem Erstgespräch „offizieller Kandidatenstatus“ für eine ICSI erreicht. Nach 7 Monaten auf der Warteliste waren wir dann an der Reihe für den Start (!) der ICSI.

    • Frau E. sagt:

      Sie haben recht… Doch im Nachhinein ist man immer schlauer. Wenn man gewusst hätte dass es eben nicht nach Plan läuft. Geduld ist gefragt….wenn das so eindach wäre!!!!
      Diese von ihnen geschrieben Wartezeiten sind ja unglaublich!!!!
      Ich wünsche Ihnen alles Gute.

  • Luca Honigmeier sagt:

    Es gibt tatsächlichich einen Zeitpunkt, nämlich die Geburt. Und da ist es so: drehe und wende das Kind und schaue aber du wirst keine Gebrauchsanweisung finden und kein Rückgabeschein. Es ist irgendwie selbsterklärend und ultimativ. Man kann nicht alles planen aber man sollte doch auf Eventualitäten vorbereitet sein. Und hütet euch vor all den Müttern und Schwiegermüttern die vorgeben alles genau zu wissen … hört zu aber entscheidet selbst. Es geht schlussendlich nicht um euch sondern um ein neues Leben auf der Welt das ihr ermöglicht habt. Es wird den Weg finden, es zeigt euch was es braucht. Seid aufmerksam und versucht euch zu erinnern wie ihr eure KIndheit erlebt habt und wie ihr jetzt alles anders seht. Der Blickwinkel iens Kindes ist ein komplett anderer als eurer auch wenn ihr meint selbst noch Kind zu sein.

  • mengold sagt:

    falsche frage. wie wenn das leben eine konstante wäre, wo man ab dem zeitpunkt X bereit für ein kind sein könnte. kann ja sein, dass man sich 2015 bereit fühlt und wenig später nicht mehr, weil sich die lebensumstände geändert haben. wer weiss schon, ob er / sie für etwas bereit ist, das er nur vom hörensagen kennt.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Genau, es ist wie ein Fallschirmsprung. Entweder man will oder will nicht und wenn man will traut man sich oder eben nicht. Nur dass in diesem Fall der Fallschirmsprung in einigen Aspekten 18 Jahre, in anderen Aspekten lebenslang dauert…

  • Lia sagt:

    kein Mensch kann zu 100% für etwas bereit sein, was er nicht kennt. Diejenigen, die mit blindem Eifer ans Kinderkriegen ehen und sich nie fragen, ob sie das alles auch stemmen können, sind meist die, die glorios scheitern.

    • fabian sagt:

      was heisst schon glorios scheitern?
      das ist wohl definitionssache. wenn ich sehe, wie die einfachsten gemüter kinder auf die welt stellen und sie grossziehen, dann sollten es die vielen anderen auch schaffen.

  • Sylvie sagt:

    Toller Beitrag! Mein Mann und ich haben nach 2 Jahren Ehe den richtigen Zeitpunkt „gesucht“. Da es den nicht gibt, haben wir abgemacht, dass wenn er die nächsten Semesterprüfungen alle besteht, fangen wir an. Als er nicht alle bestanden hat, war kurz die Enttäuschung da und dann bei beiden derselbe Gedanke: „Scheiss drauf, wir fangen trotzdem an“ 😀 So war für uns der „richtige“ Zeitpunkt klar.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Hehe, anfangen ist der schönste Teil. 🙂 Mit dem „Erfolg“ kommt ja dann auch die Mehrarbeit. 😉

  • angelina sagt:

    ich wollte eigentlich nie heiraten und kinder haben. das habe ich gesagt bis ich mit 24 jahren meinen mann kennenlernte. vom ersten treffen an war dieses verbundenheitsgefühl da (das ist mein seelenpartner) als würde ich ihn schon ewigs kennen. kurz darauf war auch der kinderwunsch da und bei ihm ebenso. schon 2 jahre später war unsere erste tochter auf der welt. und nun haben wir 4 kinder und sind seit 10 jahren glücklich miteinander verheiratet. natürlich auch mit tiefen aber die haben wir auch gemeistert. ich bin stolz auf meine familie und würde wieder alles genauso machen.

  • Hermann sagt:

    Kinder haben als ein unfassbares Abenteuer? Jedem Mensch, der geboren wird, wird ein Leben zugemutet. Keiner von uns wurde gefragt, ob wir existieren wollen, wir wurden einfach „gemacht“. Recht selbstsüchtig von den Eltern. Besonders, wenn Kinder dann in schwierigen Verhältnissen aufwachsen müssen. Das hat dann mit Familienromantik wenig zu tun. Man frage sich daher, mute ich meinem Kind, das ich mir wünsche, sein Leben zu.

  • Heidi K. sagt:

    Aber trortdem: Es ist immer schön, zu erleben, wenn junge Menschen sich so an ihren Kindern freuen und ihnen ein liebevolles Zuhause geben. Mein Mann und ich, wir versuchen unseren Kindern alles zu geben und alle so zu behandeln, so wie es eben ihre Individualität erfordert. Keine leichte Aufgabe. Aber Kinder sind das schönste im Leben.

    Sorry; meinte vorhin, dass Eltern nicht mal mit 2 Kids richtig umgehen können….

    • 13 sagt:

      „alle so zu behandeln, so wie es eben ihre Individualität erfordert.“

      Das ist schön und häufig genau der Fehler vieler Eltern. Man muss mehrere Kinder nicht gleich behandeln. Meine Beziehung zu meiner Tochter und diejenige zu meinem Sohn unterscheiden sich in so vielen Dingen, die eine ist harmonischer, die andere dafür sehr spannend und doch liebe ich nicht eines mehr und das andere weniger.

  • Heidi K. sagt:

    Schade ist, dass nicht erwähnt wurde, dass Kinder leider nicht immer planbar sind. Wieviele ungewollte kinderlose Paare gibt es in der Schweiz? Die Dunkelziffer ist hoch, darüber spricht man nicht. Gibt auch keiner zu, dass man sich etwas wünscht, das nicht geht, aber alle anderen kriegen es mit Vergnügen. Im Leben ist nicht alles planbar. Auch das Wesen der Kinder nicht. So viele Male hab ich gesehen, dass Kinder nicht mal mit 2 Kids richtig umgehen können. Eins ist immer das Lieblingksind und vorzeigbarer. Auch das Wesen der Kinder passt nicht immer zu den Eltern. Auch tragisch. Aber trotzde

    • Muttis Liebling sagt:

      Kinder sind zu 98% planbar, allerdings nicht gegen die Biologie. Um die 20 klappt der Kinderwunsch beim 1. bis 3. Versuch. Ab 30 natürlich nicht mehr. Da sind alle Beteiligten zu alt für die Elternschaft. Deshalb ist es auch gut, dass es immer seltener klappt.

      • tststs sagt:

        @ML: Sie wissen aber schon, dass diese Zahlen momentan neu untersucht werden und es möglich ist, dass die bisherigen Fruchbarkeitsstudien so gar keine Gültigkeit mehr haben…?

      • Muttis Liebling sagt:

        @ts.. davon habe ich noch nicht gehört. Das würde mich aber sehr interessieren.

      • christel sagt:

        Schon fast fahrlässig, den Leuten einzureden so jung Kinder zu bekommen. Ich bin Hebamme und begleitete schon hunderte von Paaren nach der Familiengründung. Nicht vor dreissig wäre meine Devise!

      • Schlumpfine sagt:

        Ich wurde mit 34 Jahren auf Anhieb schwanger, mit 37 im dritten Zyklus. Kenne etliche (auch ältere) Paare, bei denen es ähnlich war.

    • 13 sagt:

      @ Heidi
      Haben Sie diesen Absatz überlesen?

      „Zum anderen der Faktor Biologie: Es gibt keine Garantie. Fast nichts am Fortpflanzungsprozess ist in unserer Hand, und es gibt keinen Wegpunkt, an dem nicht alles oder nichts schiefgehen kann.“

      Ich behaupte mal, wir haben heute in den meisten Fällen die Möglichkeit zu planen, wann wir KEIN Kind wollen, wann wir eins wollen, ist eine andere Frage.

      • Martin Frey sagt:

        Sehr richtig, 13. Dies wird von den Leuten, die nie mit derartigen Problemen zu kämpfen hatten, gerne ausgeblendet.

      • 13 sagt:

        Das ist so. Ich hatte selber zum Glück gar keine Probleme, aber in meinem doch häufig sehr akademischen Umfeld staune ich manchmal schon, wenn ich höre: „Mit 38/40 kann ich ja immer noch Kinder haben“. Ich denke dann jeweils: „Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du es kannst. Selbstverständlich ist das nicht.“ Aber auch hier stellt sich die Frage, wie wichtig das einem ist. Einige sagen sich, es wäre schön, wenn es klappt, wenn nicht, ist es auch ok, für andere ist es der Lebenstraum. Für mich war das Risiko, dass es nicht einfach werden könnte, auch ein Grund früher anzufangen (Mitte 20).

      • Martin Frey sagt:

        Finde ich sehr vernünftig, wenn es die Lebensplanung und -situation zulässt. Für die meisten Menschen ist es halt ein Lebenstraum, auch Leute die sich dessen nicht so bewusst sind wachsen da oft irgendwann einfach hinein. Und leider unterschätzen manche die Tücken der Natur, meines Erachtens gerade Leute, die gewohnt sind, alles im Leben minutiös planen zu können. Dabei ist fast das einzige, was man nicht minutiös planen kann, das Kinderkriegen.

    • Frau E. sagt:

      Danke Frau K. für ihre wahre Aussage. Ich bin eine die immer alles super geplant hat und beim Thema Kinderkriegen musste ich lernen, dass es auch „schief“ gehen kann und es Geduld braucht (wäre schön wenn es über dieses Tabuthema auch mal einen Blog gäbe). Bei mir oder uns ging es länger bis wir sagen konnten wir lassen es zu… Doch dieser Entscheid hat mich irgendwie stark gemacht und befreit von den tausend hin unh her Gedanken… Wenn sich alle so viele Gedanken machen würden gäbe es wohl nicht so viele Kinder.

  • Dani sagt:

    Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, ich denke das müssen viele Elternpaare heute merken. Für mich ist es keine Entscheidung die ich während eines Essens fälle. Für mich spielen da viele Komponenten mit, aber als erstes wohl mein eigenes Gefühl in der Partnerschaft und zur Partnerin. Es ist dieses eine tolle warme Gefühl, dieses „Hier will ich für immer sein“ Gefühl. Wenn das nicht kommt, tja, dann lieber nie Kinder haben. Wenn es für meine Partnerin ok ist, dann kann ich auch gut ohne Kinder leben. Ein erfülltes Leben mit meiner Partnerin ist mir wichtiger, auch ohne Kinder. ;o))

    • Flo sagt:

      Es ist dieses eine tolle warme Gefühl, dieses “Hier will ich für immer sein” Gefühl. – wie wunderbar sie das beschrieben haben – leider hält bei vielen diese schöne Gefühl oft nicht für immer – Resultat; Alleinerziehende, Patchworkfanilien und viele Hin- und Her gerissene Kinder.
      Was mir, in meinem Umfeld, weiter auffällt. Der Druck der schwangeren Freundinnen auf viele Frauen!

    • Teilzeitpapi sagt:

      “Hier will ich für immer sein” Gefühl

      Jep. Wie mein Vorschreiber dachte auch ich beim Lesen, dass das „Hier“ mit der Ankunft von Kindern massiv umgekrempelt wird. 😉 Und das Zusammenleben von drei Menschen ist normalerweise konfliktreicher als das von zwei Menschen. 😉

  • Regula Spühler sagt:

    „Die Frage ist die, ob man sich genug gern hat“… sehr schön geschrieben.
    Aus meiner Sicht sollte man sich dem Kind zuliebe bitte auch fragen, ob man das Leben an und für sich genug gern hat. Und dafür wiederum ist es notwendig, dem Leben und dem Unvorhersehbaren Platz einzuräumen.
    Das ist weniger schwer, als es tönt und macht erst noch Spass. Sich freuen am Leben ist schon erreicht, wenn Sie sich an den Farben der Wolken freuen und Unvorhergesehenem Platz einräumen entspannt ungemein. Nun stellen Sie sich vor, all dies gemeinsam mit ihrem Kind zu erleben … wunderbar, oder?

    • Teilzeitpapi sagt:

      „sollte man sich dem Kind zuliebe bitte auch fragen“

      ob man für das Kind auch noch da sein möchte, wenn man mit der Partnerin oder dem Partner nicht mehr zusammen ist und ob man dies auch der Partnerin und dem Partner einräumen möchte, egal wie giftig der vorangegangene Streit gewesen war. Mal so die Realitäten berücksichtigt…

  • Pascal Sutter sagt:

    Mal schnell alle falschen Vorstellungen von Prä-Eltern auf die Seite: Der richtige Zeitpunkt ist nie aber er liegt vor 40. Das ist die einzige Regel.

    • Muttis Liebling sagt:

      Deutlich vor 30!

      • Franz Vontobel sagt:

        Sie werden weich, ML – bis vor kurzem war’s doch noch 20..?

      • Muttis Liebling sagt:

        Wo ist der Unterschied zwischen Alter der Eltern bei Geburt des 1. Kindes deutlich vor 30 und meiner Standardformulierung, das 1. Kind sollte im Alter 19- 22 Jahre der Mutter geboren werden?

        Und ab 30 sind Männchen und Weibchen zu alt für Kinder. Passt doch alles.

  • Anna Halter sagt:

    Toller Artikel. Sehr schön geschrieben. Anicia sollte mehr Mamabloggen 🙂

  • Ernst sagt:

    Wir hätten vor 50 Jahren gerne eine Familie gegründet wenn es wie heute ist: Vaterschafts- , Mutterschaftsurlaub, Kindergrippe, Kindergeld, Sozialhilfe etc.Wir konnten uns keine Kinder leisten.

  • Teilzeitpapi sagt:

    „Mit der Einstellung komme, was da wolle – ob und wann und in welcher Ausführung es wolle. Sich aneinander festhaltend, sich tief in die Augen schauend und mit erwartungsvollem Lächeln.“

    Bei der Einstellung fehlt mir (oder ist es zwischen den Zeilen?) und da zu sein für die Familie, komme, was da wolle. Die wirkliche Frage finde ich, ob man bereit ist, Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen, dessen Wohlergehen und Gedeihen von einem abhängig ist. Das ist nicht nur Action und Abenteuer, sondern auch – unbeliebte? – Aufgabe und Verpflichtung.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Beim Lächeln würde ich übrigens eher ein erwartungsloses empfehlen. Es hilft beim Anpacken, was da kommen mag, denn man wartet nicht auf etwas, sondern ist offen dafür, was eben kommt und ansteht. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Der Weg ist das Ziel. Viel Freude und auch Ihnen ein langes und gutes Leben.

    • tststs sagt:

      Achtungachtung vor dem heranrasenden Rasenmäher: 😉
      Bei solchen Formulierungen kommt mir schüüch das Würgen… Nachwuchs (in all seinen Stadien) ist so ziemlich die natürlichste Sache der Welt; es ist weder Abenteuer, noch Projekt; es geht nicht darum, ob man sich dabei in die Augen schaut (ich dachte sowieso, wichtiger sei der Blick in dieselbe Richtung); es ist keine Frage der Einstellung und schon gar nicht Sinngebung (weder als Weg noch als Ziel)…
      Wäre die Nachkommenschaft schon seit jeher so dermassen Objekt des Diskurses, wären wir wohl vor lauter Schnurrerei ausgestorben…

      • Nele sagt:

        Find ich auch, dass Nachwuchs die natürlichste Sache der Welt ist und ein viel zu grosser Rummel darum gemacht wird. Und bin ich eigentlich die Einzige, deren Kind durchschläft? Ich verstehe den gestörten Schlaf für den Rest des Lebens im Artikel nicht.

      • angelina sagt:

        @nele

        danke. das mit dem „gestörten schlaf“brachte mich auch etwas ins grübeln. unser 4 kinder haben schon nach wenigen wochen durchgeschlafen.

      • Susi sagt:

        @Nele: Zum Durchschlafen: Kommt auch auf das Stillen an. Ich hatte ein sehr grosses Kind (4100 g Geburtsgewicht) und stillte es 7 Monate voll. Soviel Milch nur tagsüber zu produzieren war irgendwie nicht möglich, darum musste halt auch noch nachts nachgeholt werden.
        Kinder, die die Flasche bekommen, schlafen in der Regel am schnellsten durch.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die einzig klare Erklärung: Fast nichts ist so leicht, wie Kinder zeugen, bekommen und erziehen. Bisher konnten das 99.999% aller Menschen vor uns, seit 2 Millionen Jahren.
        Im gegenteiligen Fall, tststs, so ist es, wären wir längst ausgestorben und diese Diskussion gäbe es nicht. Wir sind der Beweis dafür, dass das mit den Kindern kein Thema ist.

      • 13 sagt:

        @ Nele/Angelina/Susi
        Ich wurde nur wenige Wochen gestillt, bin über 30 und schlafe selten bis nie durch, unabhängig der Kinder. Es liegt mir einfach nicht, 5 Stunden sind das absolute Maximum am Stück und nur dann der Fall, wenn ich völlig übermüdet bin. Ich habe zwei Kinder, eines schlief praktisch ab der 2. Woche durch, das andere erwacht heute mit über 3 Jahren immer noch in den meisten Nächten. Behandelt wurden sie genau gleich. Menschen sind nun mal verschieden und wirkliche Regeln gibt es nicht. Alles ist normal. 😉

      • 13 sagt:

        @ ML
        Natürlich konnten sie es. Sie hatten auch nicht gross eine andere Wahl, denn das Ausleben eines Grundbedürfnisses führte zu Kindern. Diese Wahl haben wir dank der Verhütungsmittel und damit können wir, müssen aber nicht und v.a. können sagen, wann nicht. Das macht es nicht unbedingt einfacher.

      • Muttis Liebling sagt:

        @13, ich schrieb es ja schon oft, dass orale Kontrazeption und die Interruptio fast zeitgleich von allen entwickelten Ländern freigegeben wurden, um die Müttersterblichkeit nach gepfuschten Abort zu senken und den Frauen die Möglichkeit einzuräumen, den Zeitpunkt der Geburt planen zu können. Niemand wäre Mitte der 70’er auf die Idee gekommen, dass parallel die Fertilität sinkt und Geburten an das biologische Ende der Fruchtbarkeitsperiode verschoben werden. Ich halte das auch nur für ein zufälliges Zusammentreffen. Man sieht das an den unterschiedlichen zeitlichen Dynamiken.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Die Verseltenung und die damit verbundene ideelle Aufwertung von Geburtlichkeit hängt mit so ziemlich allen gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen zusammen, welche seit ziemlich genau 1976 die westliche Welt verändert haben. Ich persönliche hoffe, dass wir dies am Beispiel der chinesischen Mittelschicht in den nächsten Jahren noch einmal etwa detaillierter beobachten können. Wesentlich erscheint mir die Reifungsverzögerung, von welcher die asiatischen Staaten bisher verschont blieben.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @die „ist doch alles so natürlich was soll das Gerede auch immer???-Fraktion

        Verehrte Damen und Herren, behalten Sie bitte auch im Auge, dass dieses „natürlich“, früher,
        in Zeiten weniger Redens „dafür einfach machen und es hat funktioniert“,
        auch ziemlich brachiale Methoden dazu gehörten
        damit es dann so schnell und unkompliziert funktioniert hat,
        zudem sind engere Bezugspersonen oft auch im schnellen Rhythmus weggestorben
        und es ging einfach um den Kampf ums Leben,
        von daher finde ich es ganz gut, dass wir soviel drüber reden, reflektieren und überlegen können… .

      • 13 sagt:

        @ ML
        Dass die Möglichkeit, den Zeitpunkt einer Geburt, wie auch die Anzahl der Geburten!, zu kontrollieren dazu führte, dass heute die Geburten auch wirklich zum gewollten, kontrollierten Zeitpunkt in der gewollten und kontrollierten Anzahl stattfinden, halten Sie für einen Zufall? Eine etwas spezielle Theorie, aber wir sind es uns ja gewöhnt…;-)

      • Muttis Liebling sagt:

        @13, die jüngst publizierte Familienstudie

        http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Das-Ideal-der-2KindFamilie–/story/30310309

        belegt u.a., dass die Geburten nicht zum vorab gewünschten Zeitpunkt und nicht in der vorher gewünschten Anzahl erfolgen.

      • Teilzeitpapi sagt:

        @ML: Wenn man sich alles gleichzeitig wünscht geht halt etwas nicht in Erfüllung…

      • 13 sagt:

        @ ML
        Diese Studie belegt gar nichts. Wenn ich mir mit 20 sage, ich will mit 25 ein Kind, aber dann aus welchen Gründen auch immer bis 35 verhüte, also aktiv eine Schwangerschaft verhindere, dann habe ich es trotzdem selbst gewählt, erst nach 35, sofern es klappt, Mutter zu werden.

      • Konrad de Conrad sagt:

        Projekt – Lebensplanung. „Ja mach‘ nur einen Plan – sei nur ein grosses Licht…“; meinte schon der alte Brecht. Und der muss es wissen, sah er ja viel Planereien und Planwirtschaften – in den verschiedensten Varianten. Kinder werden geboren, ob inner- oder ausserhalb einer Partnerschaft. Gut für die Kinder ist immer, wenn sie wohlwollend – und von vernunftbegabten Eltern/ Verantwortlichen begleitet werden. So gut als möglich. Das ist wahrlich kein Abenteuer, aber braucht viel Zeit und Kraft. Und Projekt? Bitte verschont mich damit. Das passt schon nicht mit der Def. ‚Projekt‘ überein –

      • Konrad de Conrad sagt:

        Gemeinsam Kind(er) – Projekt(e) wäre nur – auch Kinder durchlaufen Phasen …
        (Aber ein Backtracking ist bei solchen Phasen (der Kinder) – schon logischerweise – unmöglich).

      • Michael sagt:

        Herrlich – ich habe zwei Mädels von 24 und 26 und ich sage Euch, ich kann das mit dem gestörten Schlaf durchaus nachvollziehen. Es geht hier nicht nur darum, das der Nachwuchs nun endlich durchschläft, das ist peanuts verglichen mit dem was noch kommt. Es geht um die Gedanken und Sorgen die man sich macht, das es dem Nachwuchs gut geht und er heil durchs Leben kommt, was ich ihm geschenkt habe.. Passiert nichts in der Disco, schaffen sie den Abschluss, schaffen sie die Prüfung, kommen sie gut aus dem Urlaub zurück.

  • Teilzeitpapi sagt:

    „für das Projekt Familie“

    „in ein völlig unfassbares Abenteuer“

    Genau, wer Kinder/Familie als Projekt sieht wird die Unterschiede dann bald merken. 😉

  • tststs sagt:

    Und ich dachte, für Kinder braucht es lediglich GV, nicht eine GV… 😉

    • Brunhild Steiner sagt:

      … im idealen Fall eine kleine GV vor dem möglicherweise folgen-entscheidenden GV…

    • Konrad de Conrad sagt:

      Viele kleine GV – könnten sogar zu einem GAU führen. Den kann nicht einmal eine GV richtig abhandeln. Verschärft wird das Ganze, dass das in rel. kurzer Zeit, und an verschiedenen Orten, sehr wohl möglich ist. Mit der ganzen Globalisierung geht es heutzutage – noch schneller. Man(n) wird auf einen Schlag – ein sog. Multiple-Papa.
      Ok, es gibt solche, die sind sogar stolz darauf…

  • Mascha sagt:

    was für ein netter Beitrag, vielen Dank dafür :-)!

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Es gibt keine Garantie.
    Fast nichts am Fortpflanzungsprozess ist in unserer Hand,
    und es gibt keinen Wegpunkt, an dem nicht alles oder nichts schiefgehen kann.“

    Sehr schön formuliert, allerdings sollte mensch die Wahrscheinlichkeiten nicht gänzlich aus den Augen verlieren, und da sind bezüglich der Chancen „alles oder nichts“ die Linien schon ein bisschen gezogen… .

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