Braucht es einen Streik?

FRAUENDEMONSTRATION, FRAUENBEWEGUNG, FRAUENSTREIKTAG,

Genug ist genug: Pfeifkonzert einer am nationalen Streiktag, 2011.

In einem Interview mit der deutschen Zeitung «Zeit» rufen zwei prominente Schweizer die Frauen dazu auf, endlich für sich einzustehen: Fordert Tagesschulen, wehrt euch, seid politisch aktiv, tretet in den Arbeitsstreik! Das proklamieren der bekannte Kinderarzt Remo Largo und die angesehene Ökonomin Monika Bütler. Was ist geschehen?

«Was Familien wirklich helfen würde», lautet die Überschrift des Gesprächs mit Remo Largo und Monika Bütler von letzter Woche. Die beiden Experten sind sich mehrheitlich einig in der Antwort darauf: Elternzeit, kostengünstige und qualitativ gute Krippen und Ganztagesschulen sowie Unternehmen, die Verständnis für Familie zeigen. Das alles soll Familien helfen.

Solche Forderungen sind nicht neu. Den Ruf nach besseren Bedingungen für erwerbstätige Mütter und Väter hört man seit vielen Jahren schon. Remo Largo glaubt daher, dass vor allem Frauen mehr für ihre Anliegen kämpfen sollten. «Die nächsten Jahre werden entscheidend sein», sagt Largo. «Nun müssen die Frauen ihre Forderungen für eine kind- und familiengerechte Gesellschaft stellen. Leider halten sie sich immer noch vornehm zurück.» Wenn der Staat fordere, dass mehr Frauen erwerbstätig seien, müsse er sie unterstützen.

Prof. Dr. Monika Bütler

Ökonomin Monika Bütler.

Monika Bütler nimmt diesen Steilpass gerne auf. Sie fordert etwa, dass die «übermässige Besteuerung des Zweiteinkommens in der Schweiz» gesenkt werde. Sie verhindere, dass gut ausgebildete Frauen mehr arbeiten würden. Bütler glaubt, dass die Frauen mitverantwortlich sind dafür, dass in dieser Hinsicht nicht viel passiert. Weil die Krippen- und Schulzeit der Kinder relativ kurz sei, würden sich die Mütter irgendwie arrangieren. Danach interessierten sie sich nicht mehr für Anliegen zur Verbesserung der Situation von erwerbstätigen Müttern mit kleinen oder schulpflichtigen Kindern. Doch wenn sie keine Ansprüche gegenüber den Arbeitgebern hätten, so Bütler, «dann passiert halt nichts».

KINDERARZT, AUTOR,

Kinderarzt Remo Largo.

Remo Largo bringt sogar das Druckmittel Streik ins Spiel, um bessere Strukturen für Familien zu erkämpfen. Wir Schweizerinnen sollten fordern: «Wir arbeiten nicht mehr, bis ihr die Rahmenbedingungen für die Familien verbessert habt.» Wir Frauen müssten verlangen, dass unsere Steuererträge mehrheitlich zur Unterstützung der Familien eingesetzt werden.

Vor 24 Jahren schon, 1991, legten am Frauenstreiktag eine halbe Million Schweizer Frauen ihre Arbeit während eines Tages nieder. Zum Streik aufgerufen hatte der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Anlass war das zehnjährige Bestehen des Verfassungsartikels «Gleiche Rechte für Mann und Frau». Die Forderungen damals? Endlich eine tatsächliche Lohngerechtigkeit – sowie eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben. Also vielleicht, liebe Frauen, sollten wir tatsächlich mal wieder streiken.

Was ist Ihre Meinung? Was sollte verbessert werden? Was hilft Familien wirklich?

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Streikende Zürcherinnen am 1. Frauenstreiktag 1991. Fotos: Keystone