Warum Kevin keine Karriere macht

Ein Papablog von Tobias Schubnell*

Prinz George bei seiner Taufe: Bei Königskindern ist die Namenswahl einfach. Foto: Keystone

Prinz George bei seiner Taufe: Bei Königskindern ist die Namenswahl einfach. Foto: Keystone

Sehen Sie, es gibt Paare, die wissen, wie ihr Kind heissen soll, noch bevor sie mit dem Kinderkriegen begonnen haben. Es gibt Paare, die wissen schon vor der Geburt den Namen ihres zukünftigen Kindes, und es gibt uns, meine Frau und mich, die den Namen zwei Wochen nach der Geburt einreichen.

Meine Mutter stand kopf, als wir nach einer Woche noch immer keinen Namen für unseren Sohn hatten. Alles eine Frage der Einstellung, finde ich. Meine Frau und ich sind die ganze Sache ziemlich entspannt angegangen, der Name muss wohlüberlegt sein, wird er doch das Leben des Kindes prägen. Nur: Wie wählt man den Namen am besten aus?

Kaum gefällt dem einen Partner ein Name, fangen die Probleme an: Wir assoziieren Namen mit Menschen, die wir in unserem Leben getroffen haben. Oder man wird vom familiären Umfeld beeinflusst, wie zum Beispiel, dass jener Name wie derjenige des Hundes unseres verstorbenen Nachbarn lautet. Schön. Das macht es nicht einfacher. Man fängt an, sich durch Studien zu wühlen, welcher Name für eine erfolgreiche Karriere steht und welcher am meisten auf Abneigung stösst.

Kevinismus nennt man das Ganze. Es beschreibt die sich wie ein Flächenbrand verbreitende Form von Kindernamen, die aus dem Ikea-Katalog entnommen wurden. Den ahnungslosen Kindern werden exotische Namen – von fragwürdigen Doppelnamen bis hin zu Städtenamen – mit auf den Lebensweg gegeben, ohne dass sich die Kinder dagegen wehren können.


(«…wer aber Philipp, Alexander, Marie oder Sophie heisst, ist Oberschicht und klug.» Kabarettist Robert Griess. Quelle Youtube)

Stellen Sie sich vor, wohin das führen wird, wenn in der Vorschule nur Cheyenne-Chantals und Justin-Kevin-Enrikes in den Reihen sitzen. Es sind nicht nur Kleider, die Leute machen, sondern auch die Namen. Es scheint, als würde Kindern mit «ausgeprägten» Namen im weiteren Leben eher ein gesellschaftlicher Nachteil entstehen. Daher ist es vonnöten, dass man sich nicht zu sehr von der Gegenwart beeinflussen lässt, sondern auch ein bisschen weitsichtiger und geschickter denkt. Der Name sollte daher zu einem Vorschulkind sowie auch zu einem Erwachsenen passen.

Meine Frau und ich haben jedenfalls den perfekten Namen gefunden. Ich bin sicher, dass sich mein Sohn nicht beschweren wird, auch wenn er zwei Wochen ein namenloses Geschöpf war.

subnell_AUTOR*Tobias Schubnell ist 25 Jahre jung und seit 5 Monaten stolzer Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Frau derzeit arbeitsbedingt in Mostar, Bosnien. Er arbeitet als Inventory Controller in einer bosnischen Firma, welche medizinische Geräte verkauft.