Getrennt glücklich

Mamablog

Versuchen, ein attraktiver Vater zu sein: Szene aus dem Film «Boyhood». Foto: PD

Mehr als 40 Prozent der Ehen in der Schweiz werden geschieden. Und sehr oft sind diese Eheleute auch Eltern. Es müssen also nicht nur zwei Erwachsene ihr Leben neu organisieren, sondern auch eines oder mehrere Kinder. Wie sie dies tun und wie glücklich sie dabei sind, diesen Fragen ist die Single-Plattform «Single mit Kind» nachgegangen.

346 Personen haben an der Umfrage teilgenommen. Die grosse Mehrheit von ihnen (206) lebt das sogenannte Residenzmodell: Das Kind wohnt fix bei einem Elternteil, der somit auch den Grossteil der Verantwortung trägt. Der andere Elternteil sieht das Kind nur an einzelnen Wochenenden.

Doch auch andere Familienmodelle sind am Kommen. 83 Personen gaben an, das Pendelmodell zu praktizieren. Will heissen: Der Nachwuchs wohnt (meist zu gleichen Teilen) bei Mama und bei Papa, pendelt also zwischen den zwei Wohnsitzen hin und her. Voraussetzung ist, dass die getrennt lebenden Eltern relativ nahe beieinander wohnen – schliesslich muss das Kind von beiden Wohnsitzen aus zur Schule gehen können. Immerhin 43 Personen haben sich auch nach der Trennung ihr Nest erhalten: Im Nestmodell nämlich wohnt das Kind immer in derselben Wohnung und die Eltern sind diejenigen, die zwischen dem Familiennest und ihrer neuen Singlewohnung hin und her wechseln.

Doch wer ist nun wie zufrieden mit seiner Situation? Am glücklichsten sind die Mütter und Väter, die sich die Kinderbetreuung und Verantwortung gleichmässig aufteilen: Fast 90 Prozent von ihnen sagen, dass sie ihr Lebensmodell «okay» oder sogar «das beste überhaupt» finden. Mit dem verbreiteten Residenzmodell hingegen zeigen sich fast 30 Prozent (sehr) unzufrieden.

Überraschend ist dieses Glücksgefühl-Barometer nicht. Wer sich für eine gleichberechtigte Erziehung und Wohnsitze nahe beieinander entscheidet, hat sich in der Regel im Guten getrennt. Das Konfliktpotenzial ist per se tief. Ganz anders beim Residenzmodell, bei dem der eine womöglich mehr Verantwortung übernehmen möchte, dies aber nicht darf, und der andere sich mehr Unterstützung wünscht, sie aber nicht bekommt.

Spannender ist die Frage, wie man die Sache angehen soll, damit auch das Residenzmodell für alle Beteiligten funktioniert. Ein Freund von mir lebt mittlerweile schon mehr als 15 Jahre so und er lebt gut damit. «Ich will unser Modell nicht als das ideale darstellen», sagt er, «natürlich vermisst man als Vater sein Kind, wenn man es nur jedes zweite Wochenende bei sich haben kann.» Die Sorge, sein Sohn könnte sich von ihm entfernen, hatte er jedoch nie. «Es liegt an einem selber, die Wochenenden attraktiv zu gestalten, sodass das Kind gerne zu einem kommt.» Also zwei Tage lang das grosse Spass- und Verwöhnprogramm abspulen, um möglichst gut dazustehen? Er verneint: «Ich meine vielmehr, das man an diesen Tagen wirklich auf sein Kind eingeht, sich ihm intensiv widmet. Ein attraktiver Vater ist.»

Sein Geheimrezept für eine gut funktionierende, getrennt lebende Familie ist der anständige Umgang der Eltern miteinander. Klingt selbstverständlich, ist es aber gerade bei Paaren, die sich im Streit getrennt haben, oft nicht. «Auch wenn sie mich manchmal genervt hat, ich habe nie schlecht über meine Ex-Frau geredet vor dem Kind. Und sie hat es genauso gehandhabt.» Der Sohn habe während der Beziehung genug unter ihren ewigen Kämpfen leiden müssen. «Einmal, als wir Streit hatten, kletterte er mitten im Café auf einen Tisch und schrie: «Hört endlich auf!» Und das als Zweijähriger!» Da sei ihm klar geworden, dass es so nicht weitergehen könne. «Eine Trennung ist schmerzhaft fürs Kind, aber ewiger Streit ist viel schlimmer. In so einem Fall krampfhaft zusammenzubleiben oder sich als Getrennte weiter zu bekämpfen, halte ich für sehr egoistisch.»

Leben Sie eines dieser drei Familienmodelle? Und wie schaffen Sie es, dass alle Beteiligten damit glücklich sind?