«Tagesschulen wären sinnvoll»

Das Posting «Schule ohne Lehrer» über die Privatschule Villa Monte sorgte vergangene Woche für rege Diskussionen. Ein Kommentarschreiber etwa meinte, wenn eine kindgerechtere Schule den gleichen Output in Sachen Bildung brächte wie die Volksschule, würde er seine Kinder gern dorthin schicken. Und eine andere Leserin, eine Geschäftsfrau, wünschte, dass mehr Bewerberinnen und Bewerber einen solchen schulischen Hintergrund mitbrächten, da diese Abgänger selbstständiger denken könnten.

Ja, was für eine Schule brauchen wir? Eine, in der Schüler selbstständiger werden? Bei der man auch praktische Dinge fürs Leben lernt – zum Beispiel wie man eine Steuererklärung ausfüllt, wie dies die 17-jährige Schülerin Naina aus Köln Anfang Woche forderte und mit ihrem Tweet in den sozialen Netzwerken für Furore sorgte?

Ich griff einige der brennendsten Fragen der vergangenen Woche auf und stellte sie Professor Walter Bircher, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZ). Ein Gespräch über gesellschaftliche Ansprüche, freie Schulwahl und eine Verlängerung der Schulzeit.

Herr Bircher, kann eine Schule wie die Villa Monte eine «markttaugliche» Bildung bieten?
Die Stärke des Konzeptes der Villa Monte liegt in der Auswahl und der Begrenztheit der Schülerzahl – sie gewährleistet ein durchgehendes individuelles kinderzentriertes Lernen. Dabei ermöglicht die Durchmischung mit Schülern verschiedenen Alters ein intensives Voneinanderlernen. Selbstständig denken und handeln zu können, muss aber das Ziel jeder Schule sein. Als sogenannt markttaugliche Bildung erachte ich die Anschlussfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Also ob sie nach der Schule einen Einstieg ins Leben finden, der ihren Fähigkeiten entspricht. Das Problem ist aber, dass viele Eltern ihren Kindern eine möglichst gute Bildung auf den Weg geben möchten und dabei manchmal nicht wahrhaben wollen, dass sie ihr Kind überschätzen.

Woran fehlt es der Volksschule eigentlich, dass sie so umstritten ist?
Wir haben in der Schweiz sehr gute öffentliche Schulen. Wir neigen bloss häufig dazu, uns auf die Problemschulen zu fokussieren. Umstritten ist die Schule vor allem deshalb, weil so verschiedene Erwartungen und Ansprüche an sie gestellt werden. Man ist sich uneinig bei der Abgrenzung: welche Themen in der Schule behandelt werden sollen und in welchen Fragen die Eltern die Verantwortung übernehmen müssten.

Wo müssen die Eltern denn mehr Verantwortung übernehmen?
Eltern sollen ihre Kinder in erster Linie unterstützen, indem sie Interesse und Wertschätzung für das Erlebte und die Leistungen in der Schule aufbringen. Wichtig dabei ist, dass sie zu Hause gute Voraussetzungen für das selbstständige Lernen schaffen. Ebenso förderlich ist, wenn die Eltern bei den Kindern Neugierde wecken, sie für Neues begeistern können und sie motivieren, Fragen zu stellen. Der regelmässige Kontakt zu den Lehrpersonen und der Austausch über Beobachtungen und Erfahrungen helfen mit, den Entwicklungs- und Lernstand des eigenen Kindes besser kennen zu lernen.

Steht und fällt der schulische Erfolg eines Kindes nicht zu weiten Teilen mit der Persönlichkeit der Lehrperson – und weniger mit den Schulkonzepten?
Die Persönlichkeit eines Lehrers, einer Lehrerin ist zweifelsohne sehr wichtig. Daher braucht es Menschen, die motiviert sind – genauso wie gute Aus- und Weiterbildungen.

Immer wieder wird der Ruf nach einer Vielfalt von Schulen mit freier Schulwahl laut. Ist eine solche sinnvoll und machbar?
Eine freie Schulwahl ergibt dann Sinn, wenn die einzelnen Schulen sich in ihrem Profil unterscheiden und die Eltern eine echte Wahl haben. Die Volksschule orientiert sich heute an einem gemeinsamen Lehrplan mit einem verbindlichen Fächerkanon und definierten Niveaus für den Anschluss an eine Berufslehre oder weiterführende Schulen. Wenn heute Eltern eine bestimmte Schule für ihre Kinder möchten, begründen sie die Wahl oft mit persönlich gemachten Erfahrungen und nicht wegen eines spezifischen Schulprofils. Eine Steuerung aufgrund dieser individuellen Argumente wäre schwierig zu handhaben.

Aber wenn Eltern frei wählen könnten, würde das dafür deutlich zeigen, welche Schulen gefragt sind, und man könnte mehr davon anbieten.
Solche Modelle existieren tatsächlich schon, zum Beispiel in Holland. Da gibt es Schulen mit verschiedenen pädagogischen Konzepten, zwischen denen man frei wählen kann. Wenn wir das wirklich wollen, dann bräuchten wir allerdings ein ganz anderes Bildungswesen als heute. Ich persönlich finde es erstrebenswerter, Vielfalt innerhalb einer qualitativ hochstehenden Schule zu pflegen und die Schüler möglichst entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihrem Entwicklungsstand zu fördern. Nach welchem pädagogischen Konzept das geschieht, ist meiner Meinung nach weniger wichtig.

Wie erfüllt die Schule heute die Aufgabe, Kinder auf dem Weg zu Erwachsenen zu begleiten?
Kinder und Jugendliche lernen in der Schule, die Welt zu verstehen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen – und sich miteinander konstruktiv und friedlich auseinanderzusetzen. Damit die Schule diese Aufgabe erfüllen kann, müssen Schule und Elternhaus zusammenwirken. Doch durch die zunehmende Heterogenität unserer Gesellschaft hat die Bandbreite der Entwicklungs- und Lernstände der Kinder eher zugenommen. Daher fände ich es sehr sinnvoll, Tagesstrukturen zu schaffen, in denen die Kinder nicht nur unterrichtet werden, sondern auch zusammen essen und ihrem Hobby nachgehen können. Es gibt sehr gute Modelle in Deutschland. Dort werden die Kinder am Morgen von Lehrern unterrichtet und am Mittag von entsprechend geschulten Leuten betreut. Am Nachmittag können die Schüler Dinge tun wie zum Beispiel ein Motorrad reparieren oder filmen. So erwerben sie auch manuelle Fähigkeiten und sind gut betreut.

Die Ansprüche an die Schule sind extrem hoch. Können Lehrpersonen dem überhaupt noch gerecht werden?
Die Ansprüche an die Schule und die Lehrpersonen sind unter anderem durch die Individualisierung der Gesellschaft und die damit verbundenen verschiedenen Ansprüche gewachsen. Durch erhöhte Mobilität und Migration ist die Gesellschaft vielschichtiger und heterogener geworden. Hinzu kommen die sehr unterschiedlichen Leistungs- und Entwicklungsstände der Schülerinnen und Schüler. Das alles macht den Bildungs- und Erziehungsauftrag komplex. Und je komplexer diese Aufgabe ist, umso schwieriger wird es, sie zu erfüllen. Gerade darum wären die erwähnten Tagesschulen sinnvoll. Dort würde die immer grössere Verantwortung, welche die Schule heute übernehmen soll, auf verschiedene Fachkräfte verteilt.

Chancengleichheit ist ein hohes Ideal unserer Gesellschaft. Eine Utopie?
Eine absolute Chancengleichheit gibt es nicht. Es geht vielmehr darum, alle Kinder entsprechend ihren Möglichkeiten zu unterstützen und zu fördern. Das ist enorm schwierig. Ich habe selbst vor zwei Jahren im Rahmen eines Experiments während einer Woche unterrichtet, nachdem ich das seit den Siebzigerjahren nicht mehr getan hatte. Ich unterrichtete 22 Kinder, neun davon mit mangelhaften Deutschkenntnissen. Das hat mich stark herausgefordert. Ich war ständig im Dilemma, den schwächeren Kindern gerecht zu werden und die stärkeren nicht zu langweilen und zu unterfordern.

Was sagen Sie zur Aussage von Remo Largo, Kinder litten heute vermehrt unter psychosomatischen Störungen? Also unter körperlichen Beschwerden, verursacht durch seelische Belastungen?
Largo als Kinderarzt hat sicher entsprechende Belege dafür. Allerdings stellt sich die Frage, ob früher solchen Auffälligkeiten nicht weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde als heute. Unabhängig davon muss es ein Anliegen jeder Schule sein, solchen Beschwerden vorzubeugen und zu frühen Therapien von psychosomatischen Störungen beizutragen.

Ein User schlägt vor, die Schulzeit zu verlängern, um der zunehmenden Stoffmenge gerecht zu werden und die Kinder zu entlasten. Wäre das eine Lösung?
Es kann nicht das Ziel sein, Kinder länger als nötig in der Schule zu behalten. Eine generelle Verlängerung halte ich nicht für sinnvoll. Doch für gewisse Kinder ist es hilfreich, wenn sie mehr Zeit zur Verfügung haben. Eine individuelle Anpassung der Schulzeit würde unterschiedliche Entwicklungs- und Lerntempi berücksichtigen und schwächere Kinder entlasten.

166 Kommentare zu ««Tagesschulen wären sinnvoll»»

  • neven nikolaiic sagt:

    Tagesschule, so ein Quatsch! Nur damit Vati und Mutti noch mehr arbeiten können und die Kinder Fremdbetreut werden. Steckt Sie doch gleich in ein Heim in dem ihr Sie am Wocchenende besuchen könnt! Seht Ihr nicht, wie Egoistisch die Forderung einer Tagesschule ist?

    • Widerspenstige sagt:

      Ja klar, Väter wie Mütter haben eine teure Ausbildung in der Schweiz genossen (mit Steuergeldern notabene!) und sollten dafür dankbar sein. Als Gegenwert arbeiten Menschen ihrer Ausbildung entsprechend in ihrem Beruf u geben via Steuern zurück, auch wenn Kinder vor, während oder nach der Ausbildung entstanden sind. Was soll daran egoistischer sein als sich einfach nicht um gesellschaftliche Angelegenheiten kümmern zu wollen und sich im trauten Heim gemütlich zurückzulehnen ein Leben lang? Was sollte dieser Anwurf an arbeitende Väter wie Mütter hier, neven?

      • Katharina sagt:

        WS: egoismus ist eigentlich ehrlicher als das vortäuschen von ’solidarität‘. Steuern zahlen ja die meisten. Das ist also ein Strohmann Argument.

      • Sportpapi sagt:

        Einen Vorwurf mit einem Gegenvorwurf zu kontern ist zwar möglich, zeugt aber nicht von höherem Niveau. Zumal ich eigentlich davon ausgehe, dass die Mütter, die zu Hause Kinder betreuen und im freiwillig und ehrenamtlich Dorf mithelfen, dass ein Dorfleben stattfindet, dass die Kinder Angebote haben, usw., das die sich vermutlich mehr um gesellschaftliche Angelegenheiten kümmern als die, welche sich „nur“ durch ihren Job definieren. Oder wer sollte schon wieder mithelfen, freiwillig Mittagstische und Betreuung sicherzustellen? Doch nicht etwa die voll berufstätigen Eltern, oder?

      • mila sagt:

        @SP: Auf dem Dorf mag das noch so sein, dass Freiwillenhilfe von Vollzeitmüttern geleistet wird
        Aber in der Stadt sieht es anders aus, würde ich meinen.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Wenn Tagesstrukturen auf Freiwilligenarbeit bauen sollen, muss irgendjemand diese leisten. Und das werden kaum die Vollzeitarbeitenden sein.

      • Widerspenstige sagt:

        Es werden sich nur diejenigen angesprochen fühlen durch meinen Vorwurf, welche es betrifft. Die anderen, die mithelfen auch zB einen Mittagstisch aufrecht zu erhalten durch Freiwilligenbeitrag als Vollzeitmutter oder Vollzeitvater wird das gelassen überlesen oder gar keine Zeit haben, hier zu lesen, Sp. Du springst ja auch immer in die Bresche für Deine Anliegen, auch wenn das mE manchmal neben dem gewünschten Niveau daher kommt. Aber selber sieht man die eigenen Voten immer in einem anderen Licht, davon nehme ich mich nicht aus.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Du schreibst verworrenes Zeugs. Ich habe klar Stellung bezogen. Du kannst gerne darauf antworten. Aber bitte verständlich und zum Thema. Sonst macht das wenig Sinn.

    • angelina sagt:

      danke, seh ich auch so. meine vier kids sind froh bin ich immer zu hause. nur gibt es viele die fühlen sich mit solchen aussagen angegriffen.

  • Martina Müller sagt:

    Leider ist es so entweder unsere Eltern arbeiten den ganzen Tag und die Kinder werden von 8 bis 18 Uhr in die Tagesschule gebracht, oder einige haben eine Teilzeitstelle geben ihre Kinder aber auch den ganzen Tag ab, oder sie werden krank in die Tagesschule geschickt, weil es sehr lästig ist selbst die Verantwortung zu übernehmen. Wenn von der Schule zu Hause angerufen wird, muss man die Eltern noch mit langem Gesicht empfangen und den Lehrpersonen wird unterstellt das Kind würde sicher simulieren. Eine Tagesschule ist sicher sinnvoll, aber wo übernehmen Eltern noch Verantwortung?

    • martina baggi sagt:

      … und die dritte alternative, stellen sie sich das vor, dass ein elternteil hausfrau/hausmann ist und ganztags zu hause… aber soweit denkt man im kommunistischen zuerich nicht mehr… staatskinder müssen es sein, die ab geburt mit dem sozialistischen gedankengut gefüttert werden.zum glück wohnen wir nicht in zh.

      • angelina sagt:

        manche werden ja schon ein paar wochen nach der geburt fast ganztags abgegeben. find ich schlimm sowas. in den ersten 3-4 jahren braucht ein kind einfach die mama. ist jetzt meine meinung. mann kann sich schon organisieren um dem gerecht zu werden. ich bin überzeugt das geht. dann schränkt man sich halt ein. sie kommen früh genug in den kindergarten und die schule wo sie stundenlang fremdbetreut werden. aber eben, das ist meine meinung und damit bin wohl eine von wenigen mamis die das so sehen.

      • Carolina sagt:

        Na, dann seien Sie mal froh, dass Sie nicht in einem anderen europäischen Land geboren wurden – es gibt tatsächlich Nationen (und zwar einige), die halten es seit Generationen für selbstverständlich, ihre Kinder (sehr viel früher als hier) in eine Tagesschule zu schicken (meistens sogar obligatorisch) – alles Psychopathen? Alles vernachlässigte arme Kinder?
        Es gibt tatsächlich Alternativen zum Schweizer System – und sie funktionieren, stellen Sie sich das mal vor!

      • Sportpapi sagt:

        Das Schweizer System funktioniert aber auch, und es gibt wenig Grund es zu ändern.

      • Widerspenstige sagt:

        Es funktioniert nur noch am Rande, da sprechen leider Suizidraten eine andere Sprache….

      • Katharina sagt:

        SP: Wer nicht einmal die simpelsten Fragen, ‚welche Aufgabe hat Schule? Was muss gelernt werden?‘ beantworten kann, sollte sich als Experte davor hüten, perpetuiert das Schweizer System als das besteste aller zu proklamieren, und dass sicher kein Grund bestehe, warum doch viele Voten hier kritische Fragen stellen, ob das Konglomerat an von Tal zu Tal verschiedenen handgestrickten Lösungen den Bedürfnissen der Schweizer Gesellschaft im 21. Jahrhundert immer noch genügt.
        Aber ich rede ja aus Amerika, wo Tagesschule seit jeher Standard ist. Wir sollen ja allesamt bildungsferne Psychpathen sein.

      • Stranger sagt:

        Sportpapi, Kat, beweist Dir locker, dass er Recht hat. Proof by vigorous handwaving. Beliebt unter Wissenschaftlern.

      • Bernhard sagt:

        @Widerspenstige: „Es funktioniert nur noch am Rande, da sprechen leider Suizidraten eine andere Sprache….“

        1/ Achtung, liebe Widerspenstige. Wir müssen aufpassen, das „System“ nicht als Sündenbock für die erschreckende Suizidrate verantwortlich zu machen! Fakt ist, dass die Suizidrate in der CH seit 1980 massiv abgenommen hat (von 25 auf 11 pro 100’000 Einwohner! Quelle: BfS) und seither im europäischen Durchschnitt liegt. Und ebenso Fakt ist, dass die Suizidrate bei Jugendlichen deshalb höher ist als früher, weil das Internet mit seinen Schattenseiten als Katalysator „dient“…

      • Bernhard sagt:

        2/ Ich denke daher, dass das „System“ in der Schweiz nicht so schlecht ist. Finnland als „Vorzeigeland“ punkto Schulsystem hat z.B. eine höhere Suizidrate bei Jugendlichen. Aber das hat für mich ohnehin kaum etwas damit zu tun! Die Frage ist vielmehr, ob in einem Land wie der CH, in welchem sich fast alles nur ums Geld dreht, überhaupt jemals ein Umdenken stattfinden kann. Dass Kinder/Jugendliche nicht nur als zukünftige Wirtschaftskräfte und „Geldscheffler“, sondern in erster Linie als vollwertige Menschen akzeptiert und geschätzt werden. Aber: Dieses „Problem“ hat nicht nur die Schweiz…!

      • Sportpapi sagt:

        Zu WS hat ja Bernhard verdankenswerterweise schon alles gesagt. Von der Schule zur Suizidrate, da muss man schon erst einmal drauf kommen.
        @Katharina: Experten merken wohl, dass deine „simple“ Frage keineswegs simpel ist, und dass dazu weder unter Experten, noch Seitens der Auftraggeber (Politik, Gesellschaft) Einigkeit herrscht. Über das „handgestrickt“ würden sich die Bildungsexperten, die gerade den Lehrplan 21 erstellen, wohl etwas wundern…
        Aber zuletzt, Leseverständnis: Wo habe ich auch nur einmal gesagt, dass das Schweizer System das „besteste aller“ ist? Aber es passt für die Schweiz.

      • Katharina sagt:

        SP: Mit handgestrickt meinte ich, dass anscheinend jeder Kanton, ja sogar jede Gemeinde ein etwas anderes Schulsystem hat. Das macht Schwierigkeiten beim Familienumzug usw. wie Du andernorts sagtest, bestehen auch Probleme der Vergleichbarkeit, Messbarkeit. eine faire Chancengleichheit besteht ja nur, wenn alle Studenten mit den gleichen Latten gemessen werden. Sicher ist der Ausdruck etwas ’salopp‘.

      • Katharina sagt:

        ob es passt: ich lese hier nur, dass doch kritische Fragen aufgeworfen werden und sich die Gesellschaft in einem Wandel befindet. wie überall. Umgekehrt müssen aber Reformen dosiert sein, auch in ihrer Häufigkeit.

        Aber: Wenn unsere Regierung Euer System anschauen gehen, muss ja was dran sein. Und von da her verstehe ich, etwas an sich gutes nicht zu verschlimmbessern. Dass unser System das Thema Integration nicht schaffte, ist ja leider bekannt.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Freie Schulwahl und verschiedene pädagogische Ausrichtungen sorgen aber für noch mehr Heterogenität. Projekte wie HARMOS, die der (mehr oder weniger freiwilligen) Vereinheitlichung der Schulen über die Kantonsgrenzen zum Ziel haben, werden überall dort (erfolgreich) demokratisch abgelehnt, wo die Veränderungen zum aktuellen System zu gross sind. Meistens vor allem wegen der Einführung der obligatorischen Kindergärten (obligatorisch ab 4 Jahren finden offenbar viele als nicht kindsgerecht). Entsprechend ist klar, dass auch obligatorische Krippen etc. chancenlos wären.

      • Widerspenstige sagt:

        Wieso sind dann unsere Gefängnisse vorallem mit renitenten Jugendlichen überfüllt sprich jungen Männern? Sollte nicht da mal erheblich mehr investiert werden, bevor sie straffällig werden und/oder Therapien in Millionenhöhe anfallen? Was soll denn dieses Ausweichmanöver jetzt bedeuten? Oder stehen diese Jugendlichen nicht mitten in ihrer Ausbildung oder Weiterbildung, wenn sie durch das soziale Netz fallen? Da müssen alle hinsehen, Erziehungsberechtigte wie Lehrkräfte. Deshalb kann eine nationale obligate Tagesschule präventiv wirken. Aufhören, sich auf Lorbeeren ausruhen, die vertrocknet sind

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Es wird ja ganz viel investiert. So viel, dass einige dann wieder den Therapiewahn unserer Gesellschaft beklagen. Was das aber mit Tagesschulen zu tun haben soll, entgeht mir. Und ob die hier immer wieder erwähnten Länder, die Tagesschulen kennen, bezüglich Jugendkriminalität besser abschneiden, das möchte ich doch auch bezweifeln.

  • Katharina sagt:

    Als ich Primarschülerin war, war ich oft ein sog. Schlüsselkind. Mir tat das Zurückziehen nach Hause gut, weil ich, wenn ich längere Zeit in Gesellschaft verbringe, mich unwohl fühle und entsprechend ‚cranky‘ werde. Ist auch heute noch so.

    Später, in der Highschool und Gymi Zeit, hasste ich die langen Mittagspausen auf dem Schulareal. 90 Minuten … Bibliothek? Ich mochte Sport damals nicht so wie heute auch draussen sein nicht. Einen geeigneten Ort zu finden, wo ich der Stille frönen konnte, die ich ersehnte, war eine tägliche Herausforderung.

    Somit passte eine Tagesschule für mich nicht,

    • Katharina sagt:

      auch wenn sie, gerade wenn beide Eltern arbeiten, sich anbietet.

      Später dann studierte ich an der Uni Carnegie Mellon, also eine Campus Universität, wo wir Studenten auf dem Uni-Gelände wohnten. Für mich war das ideal, weil ich jederzeit in langen Pausen mich in mein Zimmer verziehen konnte, gleichzeitig aber den Kontakt zu Kommilitonen und Tutoren, Professoren kontinuierlich pflegen konnte, und das in meinem (langsamen) Tempo.

    • Katharina sagt:

      Dies meine Perspektive zu Tagesschule oder nicht. Rein rational finde ich Tagesschule eine immer wichtiger werdende Option, aber, wie mein Beispiel zeigt, nicht unbedingt die Beste.

      Es sollte daher so sein, dass die Wahl besteht, um die dem Kind entsprechende Umgebung bieten zu können.

      Nur: Ich weiss nicht, wie dies in einem Ansatz der integrativen Gesellschaft, und damit Schule, als öffentliche Aufgabe machbar ist, wenn die Gemeindegrösse einfach zu klein ist, um beide Varianten anzubieten. In einer grösseren Stadt ist dies sicher machbar.

      • Stranger sagt:

        Tagesschulen sollen darum unbedingt den Kindern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Ich habe solche nicht gebraucht, aber Kinder, die sie brauchen, leiden, wenn es sie nicht gibt.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Das wird aktuell gelöst mit Mittagstischen und von der Schule angebotener Betreuung nach Bedürfnissen der Nutzer (steht so sinngemäss im Gesetz). Die Tagesschulen, die in der Stadt Zürich zur Diskussion stehen, sind eigentlich reine Sparmassnahmen und führen dazu, dass die bestehende Wahlfreiheit abgebaut wird.

    • Katharina sagt:

      Aber wenn gerade für jüngere Schüler der nachbarliche Standort wichtig ist (was ich als richtig sehe), wie kann das gemacht werden, selbst in grösseren Städten?

    • Katharina sagt:

      Weiter interessiert mich der andere Aspekt zum heutigen Thema mehr: welche Aufgabe hat Schule? Was muss gelernt werden? ‚Lernen, wie gelernt werden kann‘, ist mir zu allgemein, auch wenn die Aussage stimmt. Selbst in der konkreteren Ausprägung, nämlich, lernen, wo und wie Information beschafft werden kann und wie gelernt wird, die ‚richtigen‘ Fragen zu stellen‘ ist mir zu allgemein und zu sehr auf das humboldtsche Universitätsideal fokussiert. Also der Nicht-Elite nicht handreichend.

      • Stranger sagt:

        Ein Blick in den LP21 erhellt das vielleicht ein wenig: Dieser legt viel Wert auf „Kompetenzen“, die gelehrt werden sollen. Konkrete Inhalte hingegen kommen darin wenige vor. Was die Quelle ist von viel Kritik.

      • Sportpapi sagt:

        @Stranger: Kompetenzen sind eigentlich sehr konkreter Inhalt. Zumal zu den Kompetenzen dann noch messbare Standards kommen sollten. Das Problem ist, dass viele das System der Kompetenzen nicht verstehen. Mit den Kompetenzen wäre eigentlich der Wechsel zu einer Outputsteuerung der Schule verbunden. Was aber wieder nicht geht, wenn zu viele Kompetenzen formuliert sind, und diese nicht sauber operationalisiert werden, also mess-/oder beobachtbar gemacht sind.

    • Katharina sagt:

      Sorry, wenn ich heute mehr Fragen stelle als gedanklich zu Antworten beitrage. Aber bei uns stellen sich nun mal bald die Fragen nach Schulplatz usw. und die Anmeldefristen sind lang. Immerhin sind hier einige Leute aus dem Metier und bevor ich mich da festlegen will, höre ich lieber einfach zu. So.. Tutor me, if you want.

      • Stranger sagt:

        Soweit ich weiss, bist Du in einem anderen Schulbezirk. Irgendwie, habe ich gehört, funktioniert der ziemlich anders als die hiesigen. Vom tutorisiert werden wirst Du wenig lernen…

    • Widerspenstige sagt:

      Katharina, es wurde bereits erwähnt und ua ML hat es mE gut dargelegt: Lernen lernen und lernen, kritische Fragen zu stellen um Zusammenhänge erkennen zu können. Wer nämlich sich scheut, Fragen zu stellen, wenn er/sie etwas nicht verstanden hat, dann wird dieser Mensch ein Leben lang daran scheitern, vorwärts zu kommen. Das habe ich mir früh hinter die Ohren geschrieben u bin viele Male deshalb belächelt worden. Aber im Nachhinein konnte ich dann doch feststellen, dass nicht alle, die schwiegen, das Gesagte auch richtig verstanden haben u nachgefragt haben.

      • Sportpapi sagt:

        Lernmethoden zu kennen ersetzt das Lernen nicht. Die Zeiten, da man glaubte, keinerlei Wissen mehr vermitteln zu müssen, sind längst vorbei.
        Und kritische Fragen stellen ist nicht das Gleiche wie nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Obwohl beides natürlich wichtig ist.

      • Widerspenstige sagt:

        Falsch verstanden, wie üblich, und so steht es nicht in meiner Aussage, Sp.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Ach ja. Denk noch einmal darüber nach.

  • Sportpapi sagt:

    Und noch zur freien Schulwahl. Ich finde es eine wichtige Qualität, dass die Schulen in den Quartieren stehen und von den Kindern aus eigener Kraft erreicht werden können. Die Schulen sind nämlich so auch der (allerdings freiwilllige) Treffpunkt in der Freizeit. Es ist auch wichtig, dass sich im Schulhaus die Kinder treffen, die benachbart wohnen.

    • Stevens sagt:

      Richtig, freie Schulwahl, das ist einfach Quatsch mit Sosse. Jede Schule hat das gleiche zu bieten und die Kinder haben in der Nachbarschaft in die Schule zu gehen. Punkt (Ausnahmen ev. in Problemgegenden)
      Auch dieses „jede Schule gibt sich ihr Profil“-Gelaber. Eine Schule gibt sich nicht ein Profil. Schule wird von der Lehrperson geprägt. Die Lehrperson, die bleibt den Kindern in Erinnerung. „der Schule ein Profil geben“ ist etwas für Leute, welche noch nie vor einer Klasse standen, oder ein Ersatzjöbbli für solche welche mit dieser anspruchsvollen Aufgabe gescheitert sind.

      • Stranger sagt:

        Tja, Stevens, das stimmt zwar, finde ich, wäre aber viel attraktiver, wenn es Du in einem netteren Ton vortragen würdest.

      • Carolina sagt:

        Das hat doch auch ganz wesentlich etwas mit dem Alter zu tun. Ich halte es auch für wichtig, dass Kindergärten und die ersten Primarschulklassen in der Nähe sind, für mich und meine Kinder. Aber ich halte es nicht für ein Dogma und bei mir und meinen Geschwistern und Freunden war es nicht so. Dafür haben wir über Jahre mit Kindern in der Ganztagesschule eine Interessengemeinschaft gebildet und dort unseren Freundeskreis gehabt. So what? Und nochmal: es gibt sehr viele Länder, in denen die Tagesschule Usus ist und nicht alle Kinder einen Dachschaden davontragen……

      • Sportpapi sagt:

        @Carolina: Nein, kein Dogma, nur ein Vorteil. Ebenso wie es auch nicht um schwarz/weiss geht. Natürlich werden die Schüler von einer anderen Schul-/Betreuungsform keinen Dachschaden davontragen. Aber wenn es nur darum geht, hätten wir auch die Schulen nicht entwickeln müssen, sondern hätten bei der Drillschule und den Rohrstöcken bleiben können. Nein, es geht nur darum, was wir heute für unsere Kinder besser oder schlechter halten, Vor- und Nachteile abzuwägen. Ein Mittagstischangebot finde ich toll, eine verkürzte Mittagspause weniger. Und die Schule soll enden, wenn der Unterricht um ist.

      • Sportpapi sagt:

        Dass die Kinder ohne Not ihre Freizeit an der Schule verbringen, immer unter Aufsicht von professionellen Pädagogen, halte ich nicht für sinnvoll. Dass das auch unser Vereinssystem gefährdet (das wiederum unsere Gesellschaft prägt), ist dabei auch nicht meine letzte Sorge.

      • mila sagt:

        @SP: Weshalb sollte es nach Schulschluss z.B. keine betreute Ufzgi-Hilfe geben? Ich würde diese sogar phasenweise obligatorisch erklären für Kinder, die ihre Hausaufgaben – aus welchen Gründen auch immer – zuhause nicht erledigen. Ausserdem könnten Vereine und Schulen verstärkt untereinander kooperieren, oder spricht etwas konkret dagegen? Dies würde unter Umständen dem Vereinsschwund entgegenwirken.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Es gibt doch keinen Vereinsschwund. Es gibt immer mehr Vereine, die kaum bestehen können, weil die Ansprüche immer weiter steigen, aber immer weniger Leute sich engagieren.
        Aufgabenhilfe gibt es doch längst. Kostet allerdings meist etwas. Obligatorisch sehe ich das keineswegs. Allenfalls auf Verordnung.

      • mila sagt:

        Eben: fakultativ. Von mir aus auch nach Kostenfaktor, sofern Familien es sich leisten können. Ich habe jedenfalls nichts dagegen, dass ein Kind aus eher prekären Verhältnissen von meinem Steuergeld unterstützt wird. Ich habe selbst von (kostenlosem) Deutschstützkurs im Kindergarten ‚profitiert‘.(Allerdings nicht wegen prekärer Verhältnisse…)

        Vereine finde ich toll, ich war in einigen: aber ‚Synergien‘ sollte man nutzen. Wenn man als Verein überleben will. Zuviel ‚Kantönligeist‘ ist nicht zweckförderlich – aber wir sind bekanntlich alles nur Menschen. 😉

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Was für Synergien denn? Wenn in einer Gruppe ein bestimmtes Betreuungsverhältnis vorgesehen ist, dann nutzt es nichts, zwei Gruppen zusammenzulegen. Und Leiter, die tagsüber Zeit haben, praktisch ohne Lohn zu arbeiten, gibt es praktisch keine. Die Idee, dass Vereine zusammenarbeiten sollen, ist nicht neu. Und ich leite selber ein Projekt, das in diese Richtung geht. Dies führt aber eher zu mehr Arbeit als zu weniger. Sprich: klappt nur, wenn es ein paar ganz engagierte gibt, die noch mehr machen wollen als bisher schon.

  • Sportpapi sagt:

    Hobbies am Nachmittag, im Rahmen betreuter Tagesstrukturen. Eines der grossen Erungenschaften der Schweiz (und der deutschsprachigen Länder) ist die Vereinslandschaft, die es mit ihrer Freiwiligenarbeit ermöglich, allen Kindern (und Erwachsenen) ein breites, kostengünstiges Freizeitangebot zu machen. Das ist mit ein Grund, dass wir bezüglich Gesundheit und Übergewicht international gut dastehen.
    Im Moment versucht man gerade, mit Spezialprämien den Aufbau von freiwilligem Schulsport zu forcieren. Aber die Lehrer möchten sich da nicht (mehr) engagieren. Wer soll es also diese Hobbies begleiten?

  • Sportpapi sagt:

    Immer mehr psychosomatische Störungen? Der Nachfolger von Largo, Oskar Jenny, beklagt ja eher den Therapiewahn unserer Schulen. Alles eine Frage der Perspektive.

  • Sportpapi sagt:

    „Ich unterrichtete 22 Kinder, neun davon mit mangelhaften Deutschkenntnissen. Das hat mich stark herausgefordert. Ich war ständig im Dilemma, den schwächeren Kindern gerecht zu werden und die stärkeren nicht zu langweilen und zu unterfordern.“ Und ich befürchte, meistens gelingt es schliesslich auch nicht. Und dennoch wird mit Integration, jahrgangsübergreifendem Unterricht etc. immer noch mehr Heterogenität gefordert.

  • Sportpapi sagt:

    Wenn ich das richtig verstehe, sollen Tagesstrukturen dazu dienen, Heterogenität zu reduzieren, also zu normieren, indem man benachteiligte Kinder (auch) in ein förderndes Umfeld bringt.
    Ich glaube allerdings, dass man nur da eingreifen sollte, wo es nötig ist, und man nicht 80 Prozent der Kinder in ein für sie nicht passendes, oder zumindest unnötiges Modell pressen sollte, nur um die anderen 20% zu erreichen. Andererseits, freiwillig merken die Familien, die am meisten profitieren würden, ja meist nicht.

    • Stranger sagt:

      Ich war während der ersten drei Schuljahre in einer Tagesschule, danach nicht mehr. Mir hat beides gefallen, anderen vielleicht weniger, ich habe so etwas nie beobachtet. Die Möglichkeit, den ganzen Tag in der Schule zu sein, war gut für mich. Als meine Mutter uns dann neben ihrer Arbeit am Mittag noch bewirten musste, wurde ihr Leben sicher stressiger. Wir hatten keinen Vater zuhaus, und sehr viele Kinder heute haben das auch nicht.

    • babuschka miro sagt:

      genau so sehe ich das auch!ich unterrichte an einer unterstufe mit einem hohen sozial-index.die hälfte der klasse wird zu hause unterstützt,die eltern sind interessiert und die kinder werden zu selbststäbdigkeit erzogen.die andere hälfte erhält keine unterstützung,weder mit einem lernfördernden umfeld (zb.farbstifte,schere,leim,lego,holz,bücher…etc.),noch mit nachfragen zu hausaufgaben,allg. gelerntem.es ist sehr schwierig,die jüngeren kinder in ihrer selbstständigkeit zu fördern,wenn sie zu hause nichts machen/dürfen können.

  • Chris Fogg sagt:

    Tagesschulen sollten freiwillig sein. Meine Frau un dich haben uns klar für Kinder entschieden und geben dafür auch unsere Zeit. D.h. wir schätzen es sehr, dass unsere 3 Kinder über Mittag nach Hause kommen und wir das Mittagessen als Familie mit guten Gesprächen nutzen können. Kinder haben damit man sie möglichst abgeben kann, kommt für uns nicht in frage!

  • mamivo4 sagt:

    …ich und die kinder sind froh, dass wir eine schule gefunden haben, wo die möglichkeit besteht, 13 schuljahre zu absolvieren. wer mag, kann auch früher gehen. der eine ist früher bereit in die arbeitswelt einzusteigen oder auch früher bereit, in eine höhere schule überzuwechseln, der andere nicht. jedem die zeit, die er braucht!

  • Stevens sagt:

    Tagesschulen?
    Ich hab das Gefühl, ich war ein ziemlich normales Kind. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte als Kind das Haus um halb acht verlassen und wäre erst um halb vier, vier, wieder heimgekommen… Ohne Gelegenheit, dazwischen mal heimzukommen, die Kleider auszuziehen, mich in mein Zimmer zurückzuziehen.
    Mir graut davor. Ist das wirklich kindgerecht? Kann ich mir schwer vorstellen. Für die Kinder ist das doch Stress. Den ganzen Tag auf Achse. Niemals mal daheim runterkommen, sich erholen. Was muten wir da unseren Kindern zu…

    • mila sagt:

      So weit ich weiss, würden Tagesschulen bewusst auch Rückzugsräume zur Verfügung stellen. Einige Firmen tun das bekanntlich bereits.

      Allerdings bin ich der Meinung, dass ein Tagesschulangebot auf Primarstufe in jedem Fall fakultativ sein sollte. In der Sek I und II ist es oft so, dass die Schulen weiter entfernt sind, und entsprechend ein Nachhausegehen gar nicht möglich ist.

      • Stevens sagt:

        „würden Tagesschulen bewusst auch Rückzugsräume zur Verfügung stellen“
        Ich hab mir gedacht, dass das kommt.
        Ein „Rückzugsraum“ bringt vielleicht schon ein bisschen etwas. Aber es ist eben nicht das eigene Zuhause. Es ist nicht dasselbe. Nur zuhause kann man wirklich abschalten kann, sich zurückziehen, erholen, runterkommen.
        Und man ist da kaum alleine… Und welche Schule hat fünfzig „Rückzugsräume“?

        Nee: Tagesschule heisst, dass die Kinder acht, neun Stunden am Stück mehr oder weniger auf Achse sind… Und das ist aus meiner Sicht nicht Kindgerecht.

      • mila sagt:

        Kinder sind verschieden, die einen kommen mit Tagesstrukturen gut zu recht, andere nicht – viele sind sie sich auch von der Kita gewöhnt, bevor sie in den Kindergarten bzw. die Primarschule kommen.

        Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass die Frage lautet, ob es Tagesschulen geben wird, sondern wann. Und in welcher Form/Ausgestaltung.

      • Stevens sagt:

        @mila: „Kinder sind verschieden, die einen kommen mit Tagesstrukturen gut zu recht, andere nicht“. Natürlich ist das so. Die welche zurechtkommen sind ja nicht das Problem.
        Und für die anderen gibt es dann Therapeuten, Abklärungen, Beurteilungen, Papierkrieg, Ärger, schlechte Schulleistungen, weitere Therapien etc…
        Und dies könnte alleine mit etwas Ruhe über Mittag verhindert werden…

      • Sportpapi sagt:

        Rückzugsräume gabe es auch bei uns am Gymnasium. Zwei, wenn ich mich recht erinnere, für weit über 1000 Schüler…

      • mila sagt:

        Nun ja, was gab es an der Kanti tolleres als die mit Freunden verbrachte Mittagspause (im Sommer vorzugsweise im Park direkt vor der Schultür)? 😉

      • Stranger sagt:

        In unserer Tagesschule gab es am frühen Nachmittag eine Ruhestunde für die Kindergärtner. Die Schüler wollten die aber nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ja, wer keinen Rückzugsort braucht, braucht keinen…
        Mir ging es natürlich auch so. Aber da war ich ja auch schon 12j+

      • Carolina sagt:

        Stevens, wenn das so absolut stehen bleiben könnte, hiesse das, dass die englischen, französischen etc Kinder so ziemlich alle therapeutisch abgeklärt werden würden bzw in Therapie sind (falls Sie schon Kinder in der unsrigen Schule haben, nur so als Nebengedanke, werden Sie feststellen, dass die Abklärungsrate unglaublich hoch ist – wie passt das zusammen?). Ich bin in einem Ganztagessystem gross geworden und im Nachhinein, im Vergleich mit meinen eigenen Kindern, die hier zur Schule gingen, sehe ich Vor- und Nachteile: kein Schultyp kann jedem Kind gerecht werden, das ist nun mal eine

      • Carolina sagt:

        /2 Binsenweisheit. Aber da Sie sich ein wenig auf Rückzugsmöglichkeiten fixiert haben (was ich wirklich für einen wichtigen Punkt halte): in meiner Schulzeit und das ist auch heute noch so, gab es nach dem gemeinsamen Mittagessen verschiedene Möglichkeiten: die einen wollten Bewegung und konnten draussen herumspringen, die anderen, wie ich, brauchten ihre Ruhe und hatten Ecken, wo man zwar nicht allein war, aber wo Ruhe herrschte und man schlafen/lesen/was-auch-immer tun konnte. Für mich war es ein Kulturschock, als wir in die CH kamen und die Kinder standen, als sie klein waren, zwei Stunden

      • Carolina sagt:

        /3 nach dem Weggang schon wieder vor der Tür bzw später, als sie älter waren, zu einem gehetzten Mittagessen – von Ruhe konnte da überhaupt keine Rede sein. Für mich ist das bis heute noch nicht das Gelbe vom Ei und meine Kinder haben die Hetzerei über Mittag gehasst! Wir waren früher um 16 Uhr daheim, es gab keine Schulaufgaben mehr und der Nachmittag gehörte ganz uns, während meine Kinder mindestens solange ihre Aufgaben machen mussten, mit dem ganzen Gezwänge, das damit zusammen hängt.
        Heute würde ich fakultative Tagesschulen gutheissen, denn mMn sollten Eltern weiterhin die Wahl über die

      • Carolina sagt:

        /4 Schulform haben, die für ihre Kinder geeignet ist. Aber die Ideologie und die emotionalen Argumente darf man getrost aus dieser Diskussion herausnehmen, denn ganze Nationen als therapiebedürftig zu erklären ist ein wenig tunnelblickig.

      • mila sagt:

        Carolina, in der Tat: in Erinnerung sind mir keine interessanten Tischgespräche über Mittag mit meinen Eltern und Grosseltern geblieben. Sondern eben das Nachhause-Gehetze. Zum Rückzug reicht die Mittagspause nicht – ausser man wohnt gleich um die Schulecke. Zudem: wenn ich mich zurückgezogen habe – oft mit einem Buch, oder vertieft in ein Spiel – dann wollte ich aus diesem Rückzug nicht gleich nach ein paar Minuten wieder rausgerissen werden. So unterschiedlich sind nun mal die (Kinds-)Bedürfnisse.

      • Carolina sagt:

        Für meine Kinder waren Sek und Gymi jeweils in einem anderen Ort. Bis sie mit dem Velo zuhause waren, war es in der Regel viertel nach 12, dann wurde gegessen (schnell!), dann war ganz kurz Zeit für irgendetwas, dann mussten sie wieder los. Wir haben sehr schnell unsere gemeinsamen Mahlzeiten auf den Abend verschoben – aber dann richtig und in Musse.
        In der Primarschule unseres Sohnes wird heutzutage ein Mittagstisch angeboten, den er liebt. Er meldet sich freiwillig für Aemtli, lernt Sozialgefühl, denn er muss sich um die Kleineren kümmern etc. Finde ich eine gute Sache.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Mir ist das eine oder andere Mittagessen geblieben, das ausgefallen ist, weil wir erst heimgekommen sind, als wir bereits wieder weg mussten. Wir hatten tolle Schulwege, mit den Kollegen…
        Aber noch einmal: gegen einen freiwilligen Mittagstisch ist ja gar nichts einzuwenden (ausser dass dieser bei uns im Dorf natürlich auch zentral ist, rund einen Kilometer vom einen Primarschulhaus, weshalb es jetzt einen „Pedibus“ dahin gibt. Also nichts mit weniger Stress).

      • Carolina sagt:

        Sek und Gymi waren bei uns jeweils im Nachbarort. Bis die Kinder mit dem Velo zuhause waren, war es in der Regel viertel nach 12, dann wurde gegessen (schnell!), dann war ganz kurz Zeit für irgendetwas, dann mussten sie wieder los. Wir haben sehr schnell unsere gemeinsamen Mahlzeiten auf den Abend verschoben – aber dann richtig und in Musse.
        In der Primarschule unseres Sohnes wird heutzutage ein Mittagstisch angeboten, den er liebt. Er meldet sich freiwillig für Aemtli, lernt Sozialgefühl, denn er muss sich um die Kleineren kümmern etc. Finde ich eine gute Sache.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Die Oberstufe (Gymnasium) besuchte ich 15 Kilometer weg, und genoss es, ausser Haus zu essen (allerdings nicht wirklich gesund…). Altersgerecht halt. Andere verzichten nur aus diesem Grund auf das Langzeitgymnasium, damit die Kinder über Mittag nicht auswärts sein müssen.

    • angelina sagt:

      @stevens

      genau meine meinung. aber die wenigsten sehen das leider genauso. wenigstens gibt es noch ein paar die auch so denken. meine kinder jedenfalls schätzen den rückzugsort zuhause. und wie sie sagten, zuhause ist einfach etwas anderes als ein rückzugsraum.

      • tina sagt:

        man muss vielleicht unterscheiden. es gibt dinge, die wünschen sich kinder, aber man muss eben kompromisse machen, und das ist dann auch nicht so schlimm.
        meine kinder fanden teils aspekte am hort gut und andere schlecht. gut fanden sie, dass sie nicht im schulhause bleiben mussten über mittag, tatsächlich, obwohl ich ja sicher war, die tagesschule wäre besser für sie gewesen.
        tagesschulen in italien zum beispiel bedeuten, dass die schüler am frühen nachmittag fertig sind. das heisst, sie können dann die ruhe zuhause geniessen. heimhetzen+zmittagrunterschletzen findet auch nicht jeder gut

      • Sarina sagt:

        „Kinder sind verschieden“ ich würde eher sagen, Kinder werden in verschiedene Strukturen gepresst. Selten haben sie eine Wahl geschweige den werden sie einmal nach ihrem Empfinden gefragt. Ich kenne kein Kind, dass nicht lieber zuhause in der Kuschelegge mit den Legos spielen möchte und dafür lieber in der Tagesschule ist. Es geht hier rein um wirtschaftliches Interesse, es wird früher oder später ein Zwang werden (weil das Geld dringend benötigt wird), dass beide Elternteile arbeiten. Heute kann der grösste Teil der Mittelschicht noch entscheiden – dass ginge dann nicht mehr. Kindgerecht?

      • angelina sagt:

        @sarina

        ich frage mich ob eine tagesschule rein finanziell rentiert, ist sie doch auch ein kostenpunkt. ausserdem gibt es viele die wollen einfach auf nichts mehr verzichten müssen und gehen deshalb arbeiten, oder sie brauchen abwechslung. jedem das seine. für mich und meine 4 kinder stimmts so. natürlich müssen wir aufs geld kucken aber das hat ja auch einen lerneffekt.

      • mila sagt:

        @tina: Ich empfand dieses Heimhetzen als Kind auch extrem mühsam. Der Vorschlag von 13 (Tagesstruktur mit 5-7 Stunden pro Tag mit Schluss um 15.00 h) hätte für mich insofern bestens gepasst.

    • 13 sagt:

      @ Stevens
      Ich würde mich auch als ziemlich normal bezeichnen, fand es aber immer ein Riesenstress heimzugehen und dann wieder los zu müssen, wenn man sich zu Hause eingerichtet hat. Wie auch die Tatsache, dass die Schule an einem Tag bis zu 9 Lektionen hatte, am anderen 4. Ich würde mir eine Zwischenlösung wünschen. Eine Schule, die an einem Stück (mit Essenspause) täglich 5-7 Lektionen hat, je nach Altersjahr natürlich, dann sind alle gegen 14.00 Uhr, allerspätestens 15.00 Uhr fertig und ein anschliessendes Angebot (freiwillig!) an Betreuung und Freizeitaktivitäten!

    • Sarina sagt:

      Angelina, sie haben mich, glaube ich, falsch verstanden. Ich bin klare Befürworterin für alleinig bestimmte Tagesstruktur. Dass die Kinder nachhause dürfen und können. Aber wenn solche Tagesstrukturen schweizweit eingeführt werden, wird die Entwicklung, dass jeder arbeiten muss garantiert nicht gestopt sondern im Galopp vorangetrieben.

      • angelina sagt:

        @sarina

        doch, ich habe es schon so verstanden. das war als ergänzung gedacht, quasi ein gedankensprung von mir 😉

    • Franziska sagt:

      Das ging mir auch so. Ich brauchte über Mittag meine Ruhe um alles zu verarbeiten. Ab der fünften Klasse haben wir jeweils kurz etwas gegessen und ich durfte mich danach in mein Zimmer zurückziehen, meistens mit einem Buch. Niemals wäre dies für mich in einem zur Verfügung gestellten Ruheraum in der Schule möglich gewesen. Kinder können grausam sein gegen andere, und ich war von Natur her eher jemand der sich anpasste, deshalb war es ideal für mich, dass ich nach Hause konnte.

      • angelina sagt:

        @franziska

        war bei mir auch so. 9 jahre gemoppt etc. zuhause war der rückzugsort für mich, mein halt mit meinen tieren und der mutter.
        aber es gibt natürlich auch andere dehnen macht das gar nix aus, die brauchen das nicht.

      • Stranger sagt:

        Genau, alle sind anders. Eine gescheit gemachte Tagesschule kann aber die meisten Kinder zufrieden stellen. Immerhin ist sie weltweit ja kein seltenes Modell, und wir Schweizer sind etwa gleich wie alle anderen…

    • Nina sagt:

      Stevens, „kindgerecht“, was ist das? Ich meinerseits wäre mit einer Tagesschule viel besser zu schlage gekommen, ich hasste es, über Mittag nach Hause stressen und dann wieder in die Schule rennen zu müssen, die Umstellung von Schule zu Home und dann wieder Schule fiel mir sehr schwer.

    • Denise Ganzmann sagt:

      Für diese Kinder ist es nur eine Sache der Gewohnheit. Ob ein Kind über den Mittag im eigenen Garten spielt oder auf dem dem eigenen Sofa ein Buch liest scheint meiner Meinung nach nicht so relevant. Wenn Kinder nichts anderes kennen, können sie sich auch in den von der Schule zur Verfügung gestellten Rückzugsräumen erholen.

  • zweistein sagt:

    Warum bloss Tagesschule?
    Warum nicht Wochenschule?
    Ich meine Jahresschule?
    Kaum sind die kleinen Knöpfe auf der Welt, werden sie vom Staat abgeholt.
    Und am 65. Geburtstag in dei wohlverdiente Rente entlassen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Sicher ist ein Internat das Beste für alle Kinder. Allein wegen der Tagestruktur, der Vormittag, erst recht der frühe Morgen vor 9:00 Uhr ist für das Lernen nicht eben geeignet. Internate bilden dies ab, indem wichtige Fächer auf den Nachmittag verlegt werden und gemeinsames Lernen in den frühen Abendstunden stattfindet.
      Für die, welche nicht ins Internat können oder wollen ist die Tagesschule die zweitbeste Lösung. Es sei denn, Eltern sind pädagogisch und inhaltlich in der Lage, diese Struktur nachzubilden. Aber das können die Wenigsten.

      • Bernhard sagt:

        @ML: „Internate bilden dies ab, indem wichtige Fächer auf den Nachmittag verlegt werden und gemeinsames Lernen in den frühen Abendstunden stattfindet.“

        Bei mir war’s grad umgekehrt: Am Morgen sämtliche Lektionen (von 7:10 Uhr bis 12:30 Uhr mit je 5-Minuten-Pausen) reingedrückt, damit die Nachmittage jeweils frei für Sport und andere Freifächer waren. Das abendliche gemeinsame Lernen kann ich aber bestätigen. Ein Problem von nicht staatlichen Internaten ist einfach die finanzielle Abhängigkeit von den Klienten. Folglich regiert i.d.R. das Geld (was natürlich kaum ein Rektor zugeben würde…).

      • 13 sagt:

        Der frühe Morgen ist für das Lernen nicht geeignet? Ich habe insgesamt rund 19 Jahre (Aus)bildung hinter mir und habe den grössten Teil des Stoffs morgens gelernt, teilweise vor 6.00 Uhr, dafür war ich schon immer ab 19.00 Uhr kaum aufnahmefähig.

      • Muttis Liebling sagt:

        Diese Tagesstruktur wird in den britischen Eliteinternaten gepflegt, Bernhard Bueb, der langjährige Direktor von Schloss Salem, hat die dort eingeführt und in seinem Buch ‚Lob der Disziplin‘ beschrieben.
        Lernphysiologisch liegt es auf der Hand. Wissen wandert während der Tiefschlafphasen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis, allerdings in einer emotional bewerteten Reihenfolge. Je mehr Aufregendes zwischen Lernen und Schlaf passiert, umso weniger wird von dem Gelernten langzeitgespeichert. Da bleibt dann mehr die/der Schulkamerad/in mit dem hübschen Gesicht in Erinnerung.

      • Bernhard sagt:

        @ML: Aber hat nicht gerade Salem unter Bueb sehr negative Erinnerungen bei den ehemaligen Schülern und Schülerinnen hinterlassen (gerade wegen dem teilweise unmenschlichen Disziplingehabe der Vorgesetzten)? Das kann und darf doch nicht das Ziel einer Schule sein. Unabhängig von den Lernzeiten!! Gleiches wird doch aktuell auch von den britischen Eliteschulen berichtet, wo es nur noch um Leisten, Leisten, Leisten geht! So macht man eine ganze Generation kaputt! Wo bleibt da die Freude am Lernen und der Spass am Leben?

      • Bernhard sagt:

        @ML z. 2.: Ich denke, wenn die Schülerinnen mit Spass und Freude ans Werk gehen, dann spielt es eine eher untergeordnete Rolle, wann die Lernzeit stattfindet. (Immer vorausgesetzt, Körper und Geist hatten genügend erholsamen Schlaf). Dies wiederum scheint mir in einem auf Disziplin ausgerichteten Internat nicht wirklich das Problem zu sein…). Meine Morgenlektionen dauern von 7:10 bis 9:45 Uhr. Ich konnte bislang keinen signifikanten Lern- und Leistungsunterschied ausmachen im Vergleich zu den Nachmittagsklassen (13:05 – 15:40 Uhr). Gibt es nicht sowieso die Chronotypen „Eulen“ und „Lerchen“?

      • Muttis Liebling sagt:

        @Bernhard, laut Wikipedia hat die Mehrzahl der Salem- Absolventen den Druck im Nachhinein als positiv empfunden. Für mich waren Freude am Leben und Freude am Lernen nie ein Widerspruch, bis heute. Ab eines gewissen Levels braucht es Druck, den macht man sich aber meistens selbst. Wenn ich nicht jeden Tag ein paar kluge Seiten lese und selbst ein paar davon schreibe, fühle ich mich unglücklich. Von typischen Freizeitbeschäftigungen kommt mir kein Glücksgefühl.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Bernhard, die Chronotypen gibt es bei Erwachsenen. Ich selbst lese und schreibe lieber ab 4:00 Uhr, bevor ich zur Arbeit gehe. Aber Pubertierende sind eher Eulen. Das Problem der Schulen ist deshalb, dass sie dem Erwachsenenrhythmus, nicht dem der Schüler folgen.

      • Bernhard sagt:

        @ML: „Wenn ich nicht jeden Tag ein paar kluge Seiten lese und selbst ein paar davon schreibe, fühle ich mich unglücklich.“ Das ist natürlich der Wunsch-Schüler-Typ jeder Lehrperson! Der innere Antrieb, täglich etwas zu lernen, zu (er)schaffen. Das ist für die geistige Entwicklung schon sehr wichtig! Ich frage mich einfach, ob dieser Drang tatsächlich in jedem Menschen steckt (und oftmals einfach durch eine unstimmige (Lern-)Struktur erstickt wird), oder ob es Menschen gibt, die diesen Antrieb einfach nicht verspüren und daher nicht lernhungrig sind. Egal, welches Konzept man ihnen bietet.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Bernhard, deshalb schrieb ich oben, Lernen lernen. Dafür ist Schule da, nicht Steuererklärungen ausfüllen oder Geschichtsdaten auswendig lernen. Es gibt nichts Grossartigeres als Erkenntnisse zu gewinnen.

      • Carolina sagt:

        ML: Auch eine Eliteschule wie Salem (und die public schools Englands) stehen und fallen mit dem Lehrpersonal. Unengagierte, unmotivierte Lehrkräfte werden wahrscheinlich schnell ausgesiebt. Die public schools (die meistens Internate sind) sind aus ganz anderen Gründen problematisch – alle Eltern, die wirklich das Beste für ihre Kinder wollen, werden sich hüten, sie dorthin zu schicken (vor allem in frühem Alter). Kleine Seelen sind in der Regel dort nicht gut aufgehoben. Und was BB in Salem angeht: für mich fällt das in die Kategorie ‚uns hat Disziplin auch nicht geschadet‘.

      • Carolina sagt:

        Bernhard: Die Probleme mit den public schools in England sind viel schlimmer: in der Regel werden Kinder (oft nach Geschlechtern getrennt) sehr früh dorthin geschickt, weil ‚man‘ das so macht. Der unablässige Gruppendruck, die Hierarchiebildung, eine fast schon unmenschliche Konkurrenz untereinander und oft keinerlei Möglichkeit, sich zurückzuziehen sind notorisch! Für mich sind viele dieser Institute nicht viel besser als Gefängnisse für Kinder!
        Und ich teile Ihre Meinung zu BB: eine der interessanten Feststellungen über Kinder, die selber sehr hart angefasst wurden als Kinder und oft sehr

      • Carolina sagt:

        /2 litten, ist ja, dass sie dann im Erwachenenalter die Gewalt in ihrer Erziehung (Gewalt im Sinne von psychischem Druck und Unterwerfung, der dann gerne beschönigend Disziplin genannt wird) verharmlosen und sogar ihren eigenen Kindern angedeihen lassen. Dafür gibt es einen Ausdruck, der mir aber gerade nicht einfällt – ML, Sie haben sicher einen auf Lager, oder?

      • Muttis Liebling sagt:

        Carolina man kann Schule vom Auftrag, oder von den Kindern her denken. Wenn ich eine Wohlfühleinheitssauce denke, sind es die Kinder, wenn ich einen Bildungsauftrag sehe ist es ein Schema, das gern wie Drill aussehen kann. Den Hauptsatz der Wärmelehre muss man eben kennen, wenn man den versteht, erübrigen sich viele Irrtümer im Leben, z.B. das Geld Geld erzeugen kann.
        Wirkliche Freiheit beginnt bei Freiheit des Denkens, die lernt man nicht in Wohlfühlumgebungen. Es darf ruhig weh tun. Schon in der Schule.

      • Katharina sagt:

        hmm, seltsam, Carolina. Meine Mama war mit mir eher distanziert und sehr bedacht auf Disziplin, erstklassige Manieren und Auftreten usw. Auch wenn ich sie innig liebe (sie ist nicht mehr hier und vieles habe ich sicher verklärt), beschäftigt mich, dass, wie oft gesagt wird, die Tochter so wie ihre Mutter wird, wenn sie Mutter wird. In der Schule war ich immer eine Einzelgängerin, aber die Lehrer mochten mein Strebertum, sodass ich da recht gut durchsegelte. Das ist mir soeben eingefallen, wegen Deinen Ausführungen zu BB und hart anfassen.

      • Katharina sagt:

        Und da beschäftigt mich eben, was wenn ich aus Angst, zuviel auf Eigendisziplin meiner kleinen zu achten, su sehr ins gegenteil abdrifte? Und später dann, um das Ruder umzudrehen, zu viel auf Härte machen muss, und sich der Zyklus wiederholt? Ich weiss es betrifft nicht so sher die schulart (tagesschule et. al.) Nur eine Anfrage zu Deiner Meinung.

      • Carolina sagt:

        Katharina, zu BB (und dem Gerede von ML dazu) habe ich eine ganz dezidierte, auf persönlicher Erfahrung eines lieben Menschen beruhende Meinung, mit der ich hier aber lieber vorsichtig bin. Aber ich weiss von einigen meiner Freunde und Kollegen, was es bedeuten kann, auf eine public school zu gehen (wie gesagt: trifft sicher nicht auf alle zu). Vor allem als ‚in sich geschlossenem Biotop‘, wo oft eine Kontrollinstanz zu fehlen scheint, wo Angst und Verzweiflung, Alleinsein und Heimweh eines Kindes (und hier sind manchmal 8-10 jährige Kinder gemeint) nicht nach aussen dringen, wo gnadenlos

      • Carolina sagt:

        /2 Unterwerfung gefordert wird unter die Aelteren, die die Qualen, die sie erleiden, unreflektiert weitergeben können – all das macht mich sehr, sehr misstrauisch, wenn es auch um Internate hier geht.
        ‚Es darf ruhig weh tun‘ – von ML gesagt, frage ich mich unwillkürlich, was wohl dazu geführt hat, dass er ein Soziopath ist (eigene Worte, nicht wahr, ML?). Auf einer persönlichen Ebene meine ich, dass Kinder auch Widerstand brauchen, dass sie an von den Eltern gesetzten Grenzen wachsen lernen, dass sich ihre eigene Meinungsbildung nur dann wirklich gesellschaftsfreundlich formt, wenn man sie zu

      • Carolina sagt:

        /3 Achtsamkeit und Respekt anderen gegenüber auffordert – und das tut tatsächlich manchmal weh oder wird nicht eingesehen. So gesehen ist Ihre Form der ‚Disziplin‘ für mich einfach Erziehung, ein Weg, den Kindern beizubringen, dass sie nicht alleine sind auf dieser Welt. Solange das nichts mit ‚den-Willen-brechen‘ zu tun hat, halte ich das für völlig normal und selbstverständlich. Meine Mutter war eher kühl, wir sind mitgelaufen, um unsere Bedürfnisse mussten wir uns mehr oder weniger selber kümmern – ich habe verzweifelt versucht, diese Haltung mit meinen eigenen Kindern zu vermeiden, aber

      • Carolina sagt:

        /4 manchmal kommen diese Defizite hoch. Ich lerne gaaaanz, gaaaanz langsam, mit mir selber ein wenig nachsichtiger zu sein – solange die Kinder ein Gespür dafür haben, dass vieles aus Liebe geschieht, dabei aber auch Fehler gemacht werden, gibt es, glaube ich, keinen Anlass zur Sorge. Allerdings gebe ich sofort zu, dass ich da noch sehr viel Arbeit habe……. 😉

      • Katharina sagt:

        Danke für die Antwort, Carolina. Ihre Mama war also auch kühl. Interessant diese Gemeinsamkeit zwischen uns (neben vielen anderen, so denke ich). Oft ist es ja so, dass, wer sich reibt am anderen, sisters in mind sind.

        Mein Bruder war in einem Internat, in der Innerschweiz. Das Institut hat einen guten Ruf. Seine mMn Empathielosigkeit führte dazu, dass ich keinen Kontakt zu ihm haben will. Er war mehr oder weniger von der Familie getrennt und bekam nicht mit, was da ablief, und als es offen gelegt wurde, kapselte er sich ab. /

      • Katharina sagt:

        Ich weiss nicht, was im Internat mit ihm geschah, aber er lebt alleine, sehr reich. Ich bin da im Vergleich nur Peanuts.
        Was Sie über britische public schools sagen deckt sich mit meinem Misstrauen und meiner Kritik an den öffentlichen Schulen hier. Niemand schickt seine Kinder dorthin, wenn es anders geht. Ich kenne aber die Situation in Britannien nicht. Denke aber, dass die eher undurchlässige Klassenhierarchie ähnlich wie hier ist. /

      • Katharina sagt:

        Dennoch: der Disconnect in der amerikanischen Gesellschaft hat ein Ausmass erreicht, das den ‚Leim‘, der eine zivilisierte Gesellschaft zusammenhält, komplett austrocknete. Ein symbolisches Beispiel: Clooney gab anlässlich der Preisverleihung am Golden Globe eine gute Rede, die mich in ihrer Bescheidenheit, und dass es wichtigeres gibt (Paris) als jene Hollywood Posse, beeindruckte. Dann wurde der nächste Preis und die nominierten angekündigt. Mit einem völlig deplazierten Witz: ‚You will have to take your own Helicopter home tonight‘. /

      • Katharina sagt:

        Der Witz ist an und für sich real für jene Leute und genau in seiner Deplaziertheit und Ignoranz Symbol für den State of the Union. Es beängstigt mich, weil solche Leute wirklich das Geringste an Einfühlungsvermögen für diejenigen, die nur einen Häuserblock weiter nichts, aber auch gar nichts an der wiedererlangten Prosperität Amerikas teilen. Sie sind ausrangiert, ohne Chance. Der Disconnect beginnt aber schon in der Schule. Nach Schichten getrennt. Diese Leute sind also noch nie in ihrem Leben wirklich einen Menschen in Fleisch und Blut begegnet und etwa in der Klasse zusammengelebt, /

      • Katharina sagt:

        um nur eine Ahnung zu haben, wie ihre Existenz ausschaut. Mit dem Resutat, dass beide Seiten aneinander vorbeireden. Gekoppelt mit Angst braut sich also ein Cocktail der Abschottung und andererseits Verzweiflung zusammen. Wer nichts mehr zu verlieren hat…/

        (vor diesem wartet etwas auf freischalten)

      • Katharina sagt:

        Es ist einer der Gründe, warum ich hier mitlese und trotz der mMn etwas Engstirnigkeit etwa eines SP seine Voten doch sehr ernst nehme. Immerhin spricht daraus ihm und anderen Lehrpersonen hier eine langjährige Erfahrung. Aber oft auch zeigen sie, wie schwer das ist und sagen vielleicht zu sich: ‚Kat does not know what it is like here‘. Mag sein. Ich denke auch, dass sie sich alle bemühen, das beste zu wollen und sie vielleicht erahnen, dass der amerikanische Disconnect als negatives Beispiel steht, obwohl wir es schaffen wirklich brilliante Lute hervorzubringen.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: „dass der amerikanische Disconnect als negatives Beispiel steht, obwohl wir es schaffen wirklich brilliante Leute hervorzubringen.“ Ich mag mich eigentlich nicht an den USA orientieren, aber im Wesentlichen geht es bei meinen (engstirnigen – ich würde ja sagen beharrlich-konsequenten…) Voten gerade um das. Dass wir in der Schweiz ein (Volks-!) Schulsystem haben, das im Wesentlichen vor allem versucht, gewissermassen gesellschaftlichen Kitt zu schaffen, das Verbindungen und Kontakte schafft. Zumindest bis zum Ende der Primarschule.

      • Sportpapi sagt:

        Nur treibt man es mittlerweile mit der „Chancengleichheit“ und „Integration“ etwas zu weit, meiner Meinung nach, weshalb wohl die Balance nicht mehr stimmt. Aber trotzdem bin ich überzeugt, dass die Idee einer Volksschule, die alle durchlaufen, für unsere Gesellschaft die richtige ist. Und dass Reformen, wenn schon, innerhalb dieser Schule ablaufen sollten. Deshalb bin ich grundsätzlich Gegner von Privatschulen, die wieder bestimmte Bevölkerungsgruppen abtrennen. Vor allem aber bin ich gegen Privatschulen, die sich nicht an unsere Lehrpläne etc. halten müssen.

      • Widerspenstige sagt:

        Sp:’Vor allem aber bin ich gegen Privatschulen, die sich nicht an unsere Lehrpläne etc. halten müssen.‘ Wieso eigentlich? Ist es nicht das Ziel einer Schule, lebenstüchtige Menschen zu bilden und sie mit allem, was dazu nötig ist in den Alltag zu entlassen? Wie in der Bildlegende oben bei Naina steht, bemängelt diese Gymnasiastin, dass sie zwar ein Gedicht viersprachig analysieren kann, aber nichts weiss über Steuern, Mietverträge, Versicherungen etc. Das sollte mE im letzten Grundschuljahr im Stundenplan kurz einbezogen werden. Woher kommen soviele Jugendliche zB in Schuldenfallen? Eben.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Wieder einmal grosser Eintopf, alles ein bisschen verrührt. Also: Wenn es Regeln gibt, sollen die gelten (weil sie als sinnvoll erachtet werden). Sonst kann man das auch ganz lassen.
        Was dann schliesslich in einem solchen Lehrplan steht, darüber kann man streiten. Ja, wenn es Haushaltskunde geben muss, dann kann man von mir aus auch lernen Steuererklärungen auszufüllen. Man kann aber auch lesen lehren, so dass die angehenden Steuerzahler die Wegleitung selber studieren können. So schwierig ist das ja nicht, gerade wenn man noch wenig zu versteuern hat.

      • Widerspenstige sagt:

        Sp, und Du bist wieder einmal in Deinem Schubladendenkmuster verhädert. Wozu ein Haushaltsfach, wenn es Deutschlektionen gibt u da ein Mietvertrag als Beispiel ausgefüllt werden kann statt ein Aufsatz schreiben zu lassen? Wo sind die Scheren in Deinem Kopf? Wozu sind Regeln gut, die für alle gelten sollen was Schulfächer anbelangt, aber sonst kann man sich über den Inhalt der Schulfächer streiten?! DAS ist der Punkt. Wozu das Ganze? Damit Regeln eingehalten werden, egal wie das Ergebnis lautet oder was Sp? Das Ergebnis ist wichtig und nicht der Weg dorthin sprich ob Staatsschule oder Internat!

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Wenn ich könnte, würde ich extra für dich noch langsamer, noch deutlicher schreiben. Geht wohl nicht. Also dann halt in Wiederholung. Wenn wir einen Lehrplan als verbindlich erklären, weil wir glauben, dass es das ist, was Kinder in der Schule lernen sollen, dann soll er für alle gelten. Lehrpläne geben Inhalte, künftig Ziele vor, nicht die Methoden. Die Diskussionen müssen deshalb geführt werden, wie die Regeln aussehen sollen. Wenn diese aber sowieso nicht zählen, kann man sie auch weglassen.

  • angelina sagt:

    also für die steuererklährung braucht es doch nicht extra ein fach. das kann man von den eltern lernen. ausserdem ist das schnell gelernt und dauert nicht stundenlang. schule ist für mich rechnen, schreiben und fremdsprachen lernen . turnen ist auch gut und hauswirtschaft sicher hilfreich, könnte aber auch gut zu hause gelernt werden einen haushalt hat schliesslich jeder, ausserdem ist das auch kein hexenspiel.

    • Bernhard sagt:

      @angelina: „also für die steuererklährung braucht es doch nicht extra ein fach. das kann man von den eltern lernen.“
      Das stimmt: Wer Eltern hat, welche über all diese Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, braucht dies nicht auch noch in der Schule zu lernen. Aber was ist mit all den anderen? In meinen Berufsschul-Klassen sind es (Erfahrungswerte aus den letzten rund 12 Jahren) etwa 20%, welche Themen wie Steuererklärung, Sozialpolitik und Staatsfinanzen, Recht und Wirtschaft sowie Politik bereits gut bis sehr gut beherrschen. Der Rest hat entweder nur begrenzt oder dann gar keine Ahnung davon!

      • angelina sagt:

        @bernhard
        ich denke es kommt doch auch aufs kind und das alter an oder nicht? in der primarschule hätte mich sowas noch überhaupt nicht interessiert, sowas wurde erst zum thema als ich älter wurde. und wenns nicht interessiert wirds schwer zu vermitteln. so quasi beim einen ohr rein, beim andern wieder raus.

      • Bernhard sagt:

        @angelina: In der Primarschule macht eine Steuererklärung in der Tat wenig bis gar keinen Sinn… 😉 Meine Schüler sind 16 aufwärts. Wann sollen Sie diese Dinge lernen/erfahren, wenn nicht dann? Und wer soll es ihnen beibringen, wenn es die Eltern nicht können/wollen? Da bleibt eigentlich nur noch die Schule!

        @mila: Das hängt/hing wohl ganz vom Gymi-Typus ab. Ich hatte nie sowas wie Staatskunde oder ähnliches. Und ich musste fast 25 werden, ehe ich zum ersten mal mit solchen Themen in Kontakt kam… 😉

    • mila sagt:

      Also, zu meinen Zeiten gab es zumindest im Gymi das Fach ‚Staatskunde‘ – gab/gibt es das in Berufsfachschulen nicht? Nur hat es die wenigsten interessiert… 😉

      • 13 sagt:

        Bei uns (auch Gymi) war „Staatskunde“ im Fach Geschichte integriert und nahm dort ein zweiwöchiges Projekt ein. Was bedeutet, dass wir tatsächlich mehr über die Staatsformen zur Zeit der franz. Revolution wussten als über die heutige. In einem Land mit direkter Demokratie und auch dem Anspruch des Staates, dass der Bürger viel Eigenverantwortung trägt (Steuererklärung, aber auch Anträge für Prämienverbilligungen etc.) finde ich das sehr wenig und knapp. Und ein Grossteil wird das leider nicht von den Eltern lernen können.

      • tina sagt:

        tatsächlich 13? ja, in der berufsschule ist das ein fach. es interessiert trotzdem kaum jemanden.
        wieso sollten das die meisten nicht von den eltern lernen können? ich glaube allerdings, dass man aus eigenem interesse auch selber an die infos kommt.
        und nein, die steuererklärung braucht man nun wirklich nicht in der schule zu üben. dazu gibts eine wegleitung, so schwierig ist das hierzulande ja nicht (im gegensatz zu anderen ländern, wie ich hörte)

      • mila sagt:

        Ich habe selbst für eine kurze Zeit Staatskunde/Geschichte parallel am Gymi unterrichtet. Normalerweise würde man sagen, dass Geschichte die Schüler vermutlich mehr interessiert. Es kommt aber auf die Umsetzung an. Anstatt sich staubtrocken ans Lehrmittel zu halten, kann man aktuelle Gegenwartsbezüge herstellen – ich hatte das ‚Glück‘, dass gerade die US Wahlen im Endspurt waren. So konnte ich die Schüler mit einer spannenden Debatte abholen, und zugleich unterschiedliche Demokratiemodelle durchnehmen. (PS: Die Idee stammte nicht von mir, sondern von der Lehrerin, die ich vertreten habe.)

      • mila sagt:

        Ein zweiwöchiges Projekt finde ich allerdings zuwenig, die Staatskunde fand wöchentlich über ein Semester verteilt statt (das war auch in meiner Schulzeit so).

        @tina: Nein, man muss sicher nicht in der Schule lernen, Steuererklärungen auszufüllen. Lesekompetenz sollte dafür in der Schweiz genügen. Allerdings scheint diese bei Abschluss der Schulzeit nicht bei allen in hinreichender Form vorzuliegen (s. u.a. PISA-Ergebnisse). Das ist hier das eigentliche Problem.

      • 13 sagt:

        @ Tina
        Ja, leider. Dabei wäre es doch das perfekte Alter, gerade beim Eintritt der Volljährigkeit.
        Viele können es nicht von den Eltern lernen, weil sehr viele selber damit überfordert sind. Teilweise sprachlich, teilweise inhaltlich. Und die Wegleitung ist für mind. 30% der Bevölkerung auch nicht klar formuliert. Wenn ich den Leuten eine Liste schicke, sie sollen mir die Lohnabrechnungen, Steuererklär., Mietvertrag, KK-Police und Belege zu anderen Ausgaben schicken, ruft mich jeder 3. an, weil etwas unklar ist, und gut die Hälfte der „Dossiers“ ist unvollständig.

      • Bernhard sagt:

        @Tina: „so schwierig ist das hierzulande ja nicht“

        Erzählen Sie das mal dem armen Tropf aus Dürnten…Natürlich bringt die Mehrheit die Steuererklärung irgendwie hin. Es beruhigt einfach ein bisschen, wenn man weiss, dass man es sicher richtig gemacht hat (und daher sicher auch nicht zu viel an den Fiskus abliefert). Zudem finde ich es schon noch wichtig, dass sich die Menschen bewusst sind, wann es Steuerbetrug und wann Hinterziehung ist. Und welche Konsequenzen die beiden Varianten haben. Oftmals wird einem dies erst bewusst, wenn es schon zu spät ist…

      • Sportpapi sagt:

        Staatskundeunterricht ist wichtig. Aber die Steuererklärung muss nun wirklich nicht ein Thema in der Schule sein. Ausser man möchte Steuerbetrug und Steuerhinterziehung und das Staatsverständnis dahinter diskutieren…

  • Muttis Liebling sagt:

    In was für eine Welt werden die Kinder, welche in 10 Jahren die Schule beenden, entlassen? Hoffentlich nicht in die gleiche, wie heute, welche gekennzeichnet ist durch Ressourcenverschwendung, Überbewertung kommerzieller Beziehungen und Entsozialisierung.
    Mathematik ist auch in Nordkorea nicht anders als in CH. Wer Mathematik beherrscht, lernt schnell, eine Steuererklärung auszufüllen, obwohl die meisten Menschen in der Welt das nie tun müssen. Schule muss allgemeine, keine konkreten Fertigkeiten entwickeln. Die grundlegendste ist das Lernen zu lernen.

    • Muttis Liebling sagt:

      2/ Einen Erziehungsauftrag der Schule stelle ich in Zweifel. Das bleibt den Eltern vorbehalten. Allerdings muss die Schule Wissen vermitteln, auf welchem Wertsysteme fussen. Dazu dienen Fächer wie Geschichte, Polit- und/ oder Sozialkunde, aber auch Literatur, Musik, Sport usw..
      Zuviel Nähe zur Jetztzeit schadet, zumal formulierte Jetztzeit immer den Stand von vor 20-30 Jahre bedeutet.

    • Dani sagt:

      Um eine Steuererklärung auszufüllen braucht es nicht viel Mathematik.

    • Bernhard sagt:

      @ML: „Wer Mathematik beherrscht, lernt schnell, eine Steuererklärung auszufüllen, obwohl die meisten Menschen in der Welt das nie tun müssen.“

      Diesen Zusammenhang sehe ich nun nicht ganz. Nach meiner Erfahrung hat das Ausfüllen der Steuererklärung hauptsächlich mit der Lesekompetenz (Lesen und Verstehen der Wegleitung) zu tun. Das Rechnen übernimmt dann der Taschenrechner bzw. das PC-Programm!

      • Franziska sagt:

        Ich habe damals im KV gelernt eine Steuererklärung auszufüllen. Von dem her (und wegen anderen Vorteilen) finde ich eine Lehre nach dem Beruf sehr erstrebenswert. Wir haben nicht dasselbe Bildungssystem wie Deutschland und ja, jemand der „schlau“ genug ist das Gimy zu absolvieren, ist meiner Meinung nach auch „schlau“ genug für das Lesen der Wegleitung. Ich glaube nicht, dass die Schule alles Wissen lehren kann, es gibt nämlich auch noch so etwas wie selbstständiges Denken und Eigenverantwortung…

  • The American sagt:

    Ich kann der Idee von Tagesschulen zustimmen und denke, dass sowohl Kinder wie auch Eltern davon profitieren. Bisher habe ich jedoch noch nicht begriffen, wie das denn finanziert werden soll. Im Ausland sind Schulen mit Tagesstrukturen oft entweder sehr limitiert und oft angewiesen auf Freiwilligenarbeit der Eltern (öffentliche Schulen) oder aber sehr, sehr teuer (Privatschulen). Ich kenne allerdings das deutsche Modell nicht..

    • Denise Ganzmann sagt:

      Es wird nicht so teuer wenn die Eltern den Kindern das Essen selbst mitgeben und die Betreuung über den Mittag von z.B. Tagesmüttern/vätern gestellt wird. Das Problem in der Schweiz ist, dass alles immer höchsten Qualitätsstandards entsprechen muss d.h. von der Schule gestelltes warmes Essen, Lehrer als Betreuungspersonal etc.

      Hier in Holland läuft es genau so wie ich oben vorgeschlagen habe. Erstaunlich ist, dass ich noch nicht feststellen konnte, dass dabei psychische Schäden entstanden sind.

      • Sportpapi sagt:

        Eben, Denise Glanzmann. Wie The American schreibt: Im Ausland sind Schulen mit Tagesstrukturen oft entweder sehr limitiert und oft angewiesen auf Freiwilligenarbeit der Eltern (öffentliche Schulen) oder aber sehr, sehr teuer.
        Und ja, bezahlbar soll es sein, aber dennoch höchsten Ansprüchen genügen. Auf Freiwilligenarbeit beruhen, nur nicht auf der eigenen Mithilfe. Sollen doch dann wieder die hier für wenig Geld arbeiten, die man sonst gerne auslacht, weil sie eine „traditionelle“ Arbeitsteilung pflegen und am Tag Zeit haben, sich zu engagieren.

      • Denise Ganzmann sagt:

        Sie haben mich nicht verstanden, Sportpapi. Die Betreuung über den Mittag ist keine Freiwilligenarbeit sondern eine bezahlte Stelle. Diese wird meist besetzt von z.B. Wiedereinsteigern/innen. Meiner Meinung nach macht es jenes Betreuungspersonal es sehr gut; auch ohne hochstehende pädagogische Ausbildung. Am Morgen ein z’Mittag für die Kinder zu machen benötig übrigens nur wenig Zeit.

      • Sportpapi sagt:

        @Denise Glanzmann: Die Mittagstische werden oft genau so organisiert, wie Sie vorschlagen. Nur dass noch gekocht wird. Tagesmütter sind allerdings meist eher nicht Wiedereinsteigerinnen, sondern Mütter, die bei den Kindern zu Hause bleiben, und noch etwas dazuverdienen wollen.

    • Widerspenstige sagt:

      Das Beispiel Holland zeigt, dass es funktioniert und dass sogar ziemlich humorvolle Menschen daraus hervor gehen. Viele Comiker/Entertainer kommen aus Holland wie zB ein Rudi Carell selig (er war ein absolutes Multitalent), De Mol Entertainment mit Linda und Bruder John etc. Es kommt also ganz auf die Einstellung der Eltern darauf an, was sie sich unter Tagesstruktur vorstellen. Es kann wie hier beschrieben unkompliziert u in Zusammenarbeit mit Tagesmüttern bzw. -Vätern organisiert werden und/oder Koch-/Aufgabenhilfe gemeinsam unter den SchülerInnen etc.

      Ähnliches gilt im Tessin schon länger

      • Sportpapi sagt:

        Hm, die Schweiz zeigt doch auch, dass es anders funktioniert. Und dass dabei sogar ziemlich humorvolle Menschen herauskommen…

      • Widerspenstige sagt:

        Sportpapi, gib mir Beispiele, wie humorvoll die Schweizer Kabarettszene aussieht und was hier unter Entertainment verstanden wird. Bildung soll die Menschen beflügeln und Kreativität hervor zaubern wie in einer Villa Monte bestens bewährt. Kreative Menschen können nämlich mit Hiobsbotschaften wie diese Woche von einer SNB verkündet besser umgehen als der Rest. Aber was sage ich da….wirst Du sowieso nicht verstehen (wollen).

      • Sportpapi sagt:

        Gerade vor kurzem habe ich wieder einmal gemerkt, wie unterschätzt ein Peach Weber doch ist. Ursus und Nadeschkin finde ich toll und viele andere auch.
        Gestern habe ich mit einem Zirkus-/Cabaret-Dir ektor aus der Schweiz gesprochen, der umgehend auf die Hio bsbotschaften dieser Woche zu sprechen kam. Weil er Unternehmer ist, und Löhne bezahlen muss. Und bei aller Kreativität nicht immer weiss, wie das gehen soll.

  • Mühlemann Hans-Rudolf sagt:

    Schade, dass sich Eltern nicht weiterbilden wenn sie den Kindern nicht helfen können – Angebote gäbe es genügend. Eltern wären zudem im Arbeitsmarkt gefragten, hätten sie einen besseren Rucksack gefüllt mit Wissen. Geht man am Samstag in einen Einkaufspalast vergnügen sich Eltern mit Kindern an den Essenständen man könnte ja auch etwas sinnvolleres machen – oder?

    • Weiss Rita sagt:

      Wenn sich Eltern weiterbilden und diesen Input in der Schule gegenüber der Lehrperson vorbringen – dann heisst es: Geht mich nichts an, wir sind hier in der Schule, da ist nur das richtig, was ich (die Lehrperson) als richtig betrachte. So gehört diese Woche in einem Elterngespräch…

    • Sportpapi sagt:

      Geht man am Samstag in Sport- und Freizeitanlagen, vergnügen sich Eltern mit ihren Kindern dort und tun etwas sinnvolles. Wenn ich aber in den Mac Donalds gehen, verrückt, essen dort alle Hamburger…

      • angelina sagt:

        @mühlemann hans-rudolf

        vermutlich gehen sie in der zeit auch einkaufen?! wir gehen zum beispiel gerne samstags ins ilfis-center da dort eine coole rutsche für die kids ist. wir verbinden danach den einkauf auch grad mit einem zmittag das wir dort konsumieren.

    • 13 sagt:

      Was gibt es denn Sinnvolleres als am Wochenende zusammen mit den Kindern Spass zu haben? Also der Förderwahn nimmt langsam echt bizarre Ausmasse an.

      • Bruce sagt:

        Ist wirklich sehr kindgerecht im Einkaufszentrum, 13?! Man könnte wandern, Bächli stauen, brötle, in den Zoo, an den See, in ein Dinosaurier Museeum. Rein aus Freude am Kind und am Leben.

      • 13 sagt:

        Ist denn der Zoo und das Dinosaurier Museum elterngerecht (bei ersten stellt sich noch die Frage, ob tiergerecht)? Oder stellen Sie den Fokus immer nur auf die Kinder? Nicht dass wir das alles nicht machen (ausser dem Dino-Museum, oh Graus), aber ich halte nichts davon, mit Kindern immer eine spezielle Kinderwelt zu bauen und sie darin aufwachsen zu lassen. Fein säuberlich von der Erwachsenenwelt isoliert. Sie sollen im Alltag präsent sein und am Leben der Eltern teilnehmen. Da gehört Einkaufen wie Hausarbeit nun mal dazu.

    • fgee sagt:

      Der Lehrer will nicht wissen, ob ich als Vater die Hausaufgaben meiner Tochter lösen kann. Es ist deshalb legitim und sinnvoll, das Kind mit ungelösten Hausaufgaben in die Schule zu schicken. Nur so kann der Lehrer bemerken, dass seine Message noch nicht angekommen ist.

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