Zehn lausige Tipps

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Ratzekahl abschneiden ist das allerletzte Mittel: Machen Sie Läuse zu etwas Normalem! Foto: Reuters

Wieder mal Ferienende. Wieder mal Lauszeit. Zum gefühlten 1012. Mal. Im Ernst, ich weiss nicht mehr, wie viele Lauskuren wir mit unseren Kindern schon durchexerziert haben. Was die verschiedenen Mittel, Ammenmärchen und Tricks angeht: Fragen Sie mich. Ich hab sie fast alle gesehen. Ja, ich erinnere mich sogar noch an die vorsintflutliche Methode, bei der mein Bruder und ich uns zwei Tage lang unter juckendem Turban gelangweilt haben. Die Quarantäne war uns so peinlich, als hätten wir Lepra, Krätze und Pickel gleichzeitig. Deshalb hier ein paar Tipps, sozusagen «schöner Leben mit Läusen».

  1. Keep cool. Falls Sie neu sein sollten im Laus-Business, möchte ich Sie hiermit erst mal beruhigen. Regen Sie sich ab! Alles andere lohnt sich nicht. Läuse sind eklig, sie fressen einem Geld und Zeit vom Kopf, und sie nerven. Das ist alles wahr. Aber sie sind nicht peinlich. Wenigstens nicht peinlicher als volle Windeln, ungewaschene Kompostkübel oder die Stilleinlage, die man versehentlich bei Freunden auf dem Sofa liegen gelassen hat.
  2. Schluss mit den Ammenmärchen. Jeder kann Läuse kriegen. Sogar die hysterischsten Sauberkeitsfanatiker. Die haben einfach eine noch grössere Krise als wir Normalos, wenns krabbelt. Das ist der einzige Unterschied. Deshalb rate ich Ihnen: Setzen Sie auf Wissen statt auf Panik. Und Wissen gibt es ganz viel, zum Beispiel auf Kopflaus.ch. Die Site ist zwar hässlicher als jede Laus und wird von einer Pharmafirma finanziert, aber sie ist gut.
    Wenn Sie auch nach dieser Lektüre noch das irrationale Gefühl haben sollten, die Dinger verfolgten Sie und Ihre Familie persönlich bis ans Ende der Welt, kann ein Besuch bei der Lausberatung des Schulärztlichen Dienstes helfen. Spätestens dort werden Sie locker werden. Versprochen. Ich habs getestet.
  3. Machen Sie Läuse zu etwas Normalem. Mir hilft es, die Sache mit den Läusen in den gleichen Topf zu werfen wie Erkältungen, Grippen oder Magenverstimmungen. Läuse und Bazillen bewohnen nun mal die Erde gemeinsam mit uns. Wenn sie sich unsere Leiber als Zuhause aussuchen, ist das noch keine Katastrophe. Es ist einfach etwas, mit dem man rechnen muss. Darum haben wir immer eine Flasche Lausmittel bereit (ein Silikonprodukt, welches man nur eine Stunde einwirken lassen muss, also nicht viel länger als eine Schönheitsmaske).
  4. Verschonen Sie Ihre Wohnung. Wenn Sie Läuse haben, müssen Sie deswegen weder umziehen noch Ihre Wohnung durchdesinfizieren noch die ganze Bettwäsche und alle Stofftiere tiefgefrieren. Läuse interessieren sich nämlich nicht für Ihre Möbel und den anderen Kram. Sie wollen Köpfe. Und gehen deshalb nur von Kopf zu Kopf.
  5. Seien Sie ein Kontrollfreak. Alle Köpfe einer befallenen Familie müssen kontrolliert und allenfalls behandelt werden. (Ausser Sie haben entweder kaum Haare, wie mein Mann, oder die vorhandenen Haare sind so heftig gefärbt, dass keine Laus Ihren Schädel auch nur mit dem kleinen Zeh betreten würde, wie bei mir.)
  6. Reden Sie über Ihre Läuse! Ich mag es nicht, wenn Menschen über ihre Verdauung referieren, und auch auf Details ihres Liebeslebens bin ich nicht sonderlich erpicht. Aber über Läuse muss man reden. Der Fairness halber. Es ist Ehrensache, Bekannte zu informieren und Läuse sofort zu behandeln. Geteiltes Leid ist hier definitiv nicht halbes Leid.
  7. Seien Sie stur. Halten Sie sich an die Infos der Packungsbeilage des Lausmittels. Machen Sie alle drei Wiederholungen zum richtigen Zeitpunkt. Kontrollieren Sie die Haare der Kinder während der Behandlungsdauer alle zwei Tage mit dem Lauskamm, möglichst mit Pflegespülung im Haar. Dabei flutschen auch unentdeckte Nissen (Eier) raus. Das ist zwar sehr, sehr langweilig. Aber vor dem TV gehts, und es ist immer noch besser als Chipsessen oder Nägelkauen.
  8. Keinen Sündenbock suchen. Sparen Sie sich die Spekulationen, woher die Läuse gekommen sein könnten. Das bringt nichts und kann Kinder in eine missliche Lage bringen. Es reicht schon, dass es die Kleinen ständig juckt.
  9. Fummeln Sie. Lassen Sie mal wieder die Affenmama raus. Geniessen Sie es, ganz offiziell an Ihren Kindern rumzupfen und kraulen zu dürfen. Muss vielleicht ja nicht grad an der Ladenkasse oder auf dem Pausenplatz sein. Aber im Ernst: Wenn Sie eine Nisse sehen, schnappen Sie sie. Sonst ist sie für immer weg wie ein Geistesblitz vor dem Einschlafen.
  10. Und last, but not least: Wechseln Sie einfach mal die Perspektive. Und sehen Sie sich diesen kleinen Film an:Hart ist das Läuseleben: Szene aus «South Park». Video: Youtube

 PS: Wenn Sie besonders viel Geld und besonders wenig Nerven haben, gibt es neu noch den Rundumservice: www.antilaus.ch