Schauermärchen aus der Vergangenheit

Negerli

Unvergessliche Schallplatten: «Vom dumme Negerli» und «De gföhrlich Heiwäg». Foto: Mamablog

Ich dachte an nichts Böses, als ich vor zwei Wochen im Brockenhaus die Hörspielsammlung durchstöberte und plötzlich den Titel «Vom dumme Negerli» vor mir hatte, erzählt von Märlikönigin Trudi Gerster. Leicht schockiert hielt ich einen Moment inne. Natürlich weiss ich, dass vor nicht allzu langer Zeit noch andere Massstäbe gegolten haben und gerade mit Afrikanern in Kindererzählungen wenig zimperlich umgegangen wurde – der «Tages-Anzeiger» hat auch schon darüber berichtet. So plötzlich und unerwartet ein solches, aus heutiger Sicht rassistisches Kinderprodukt in den Händen zu halten, hat mich dennoch zutiefst irritiert.

Ich stellte die Platte zurück ins Regal und stiess wenig später auf ein Hörspiel, auf dessen Cover ein Mann im Auto abgebildet ist, der einem kleinen Mädchen ein Bonbon hinstreckt. «De gföhrlich Heiweg» stand über dem Bild. Auf der Rückseite erklärte die Erzählerin den Kindern, dass es den «bösen Mann» wirklich gebe. «Und er kann euch gefährlich werden, wenn ihr ihn nicht rechtzeitig erkennt.» Sie ermahnte die Kinder, sich die Geschichte mehrmals anzuhören. «Denn mehrmals gehört, werdet ihr alles besser verstehen und ausserdem auch nicht so schnell wieder vergessen

Auch ich konnte die Geschichte nicht vergessen. Und so ging ich zwei Tage später zurück ins Brockenhaus, um mir die beiden Platten zu kaufen und herauszufinden, was darauf wirklich erzählt wird.

Als ich leicht beschämt ab meinen Einkäufen an der Kasse stand, fing die Brockenhausverkäuferin plötzlich an zu lachen: «Oh, ‹De gföhrlich Heiweg› hatte ich als Kind auch!» Ich fragte sie, ob sie sich beim Zuhören denn nicht gefürchtet habe. Worauf sie entgegnete, sich nicht zu erinnern – «aber geblieben ist mir die Platte offenbar».

Nachdem ich mir die Geschichte angehört habe, überrascht mich das nicht. Zwar wird nichts explizit erzählt, aber die Kinder bekommen zu hören, dass diese «bösen Männer» die Kinder «schüüli plaged» und es auch Kinder gebe, denen niemand mehr habe helfen können. Die kleinen Zuhörer werden eindringlich vor allen Fremden gewarnt und es wird mehrmals wiederholt, dass so etwas jedem und überall passieren könne.

Hätte ich mir das als Kind angehört, wäre ich danach vermutlich nur noch voller Angst durch die Strassen gehetzt und bei jedem Fremden, der mir im Auto oder auf dem Trottoir entgegengekommen wäre, in Panik ausgebrochen. Erwischt hätte mich so zwar vermutlich keiner dieser «bösen Männer». Aber Spass hätte ich auf dem Schulweg auch keinen mehr gehabt.

Bei der Geschichte «Vom dumme Negerli» erschreckte mich beim Zuhören das «dumm» mehr als das «Negerli». Die Mutter nennt ihren Jungen nämlich immer wieder «dumme, dumme Bueb», ja einmal gar «de dümmschti Bueb vo Afrika». Bloss weil er, der doch alles richtig machen will, vor lauter Eifer immer alles falsch macht.

Ich sass stellenweise mit offenem Mund vor dem Lautsprecher. Mitanzuhören, wie eine andere (wenn auch fiktive) Mutter immer wieder ihr Kind beschimpft, war mir richtig zuwider. Trudi Gerster hingegen sagte noch vor wenigen Jahren in einem Interview, dass die Kinder «Wumbo, Wumbo» – wie die Geschichte später getauft wurde – heute immer noch sehr gerne haben.

Sind also wir modernen Eltern (denn mein Mann hat genau gleich reagiert) überempfindlich, wenn wir die «Geschichte vom kleinen Buben, der immer Dummheiten macht» als nicht kindertauglich taxieren? Übertreiben wir es mit unserer sanfteren Erziehung, bei der wir so grossen Wert auf die richtigen Worte legen und auf kinderfreundliche Aufklärung statt Angstmacherei setzen? Ich glaube nicht. Meiner Meinung nach ist es richtig und wichtig, dass wir heute gerade im Umgang mit Kindern stärker auf Formulierungen achten und uns bewusst sind, dass auch Worte verletzen können. Das Kind wegen einer Dummheit zu rügen, ist völlig legitim, es deswegen dumm zu schimpfen, sicher nicht.

Sehen Sie das genauso? Und erinnern Sie sich noch an Märchen, die Ihnen als Kind gefallen haben, Ihnen heute jedoch die Haare zu Berge stehen lassen?

142 Kommentare zu «Schauermärchen aus der Vergangenheit»

  • Katharina sagt:

    Keine Weichgespülten Märchen werden Emmerson verhindern.

    • Katharina sagt:

      Keine sprachlich ‚angepassten‘ Texte werden das Unverständnis darüber, dass ein weitverbreitetes Unverständnis in dem Land darüber, warum Blackfacing nun wirklich nicht geht, herscht, verhindern.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ach kommen sie, Katharina, das sind halt so die kleinen kulturellen Unterschiede… wir hier verstehen dafür nicht, warum man schwarze Teenager straflos totschiessen darf…

      • Katharina sagt:

        Bei Ihnen weiss ich nie so recht, ob Sie einfach gerne etwas provozieren.

        Emerson ist eine Stromfirma in Ferguson, MO. Die hatten nichts gescheiteres zu sagen, als dass sie sicher vor den Riots seien, die berechtigterweise aufflammten. Wie ich andernorts schrieb, flammt solches immer öfter auf. Ein Indiz der darunterliegenden Frakturen unserer nicht mehr zivilisierten Gesellschaft.Diese Ungleichheit in der Behandlung sträflichen Verhaltens zeigt dass R. hier noch lange nicht überwunden ist. Es wendet sich aber noch nicht gegen die Absurdität der 1%.

        Divide et impera eben. wie bei Euch.

      • Katharina sagt:

        Dann zu fordern, dass Märchen, die ja auch historische, in ihrer Zeit entstandene Kunstwerke sind, verhindert solches ausgrenzendes Denken nicht.

    • Katharina sagt:

      Keine weichgespülten Märchen werden verhindern, dass in dem Land Wahlsiege mit schwarzen Schäfchen gewonnen werden. Und dies ist von Erwachsenen gelebtes Vorbild, und damit direkt auf die Kinder wirkend – im Gegensatz zu den Märchen Grimm’s und anderer, die jedes Kind intuitiv richtig einordnen kann.

      Es ist das gelebte Vorbild der Elterngeneration, die prägt und das Gift der frühen Jahre verbreitet.

      In dem Sinn ist die ‚Empörung‘ über alte Texte geheuchelt. siehe Wahlen. DIE belegen den state of mind – gespiesen aus dem Gift der frühen Jahre.

      Ein Paradies – nur für die Insassen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Liebe Katharina,
      das ist nun etwas zu hoch für die Gemeinde. Aber ich folge Dir gern und mildere etwas ab.
      ‚im Gegensatz zu den Märchen Grimms und anderer, die jedes Kind intuitiv richtig einordnen kann.‘
      Das ist der Kern Deiner Aussage. Erwachsene sind zu doof, Geschichten ausserhalb ihres Kontextes zu verstehen, Kinder nicht. Dann muss man konsequent sein und Kinder nicht auch noch in diese glatt gebügelte Realitätsverweigerung hineinsteuern.

      • Katharina sagt:

        ML, der mittlere Teil meines Posts ist schön etwas unglücklich formuliertMeine Erfahrung ist, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter keine Berührungsängste haben und einfach aufeinander zugehen.

        Wir verlieren das aber irgendwann. Leider. Ein Satz in einer alten Schrift sagt, wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder….

        Hat etwas, nicht?

      • Muttis Liebling sagt:

        Wir werden ja am Ende wieder wie Kinder. Müssen nur alt genug dafür werden. Für mich ist Demenz ein würdiger Alterszustand, keine Krankheit. Man entledigt sich allen Ballastes, welchen man biographisch angehäuft hat. Wird phänomenologisch wieder zum Kind.
        Damit stirbt es sich leichter. Ich hoffe, dieses Glück zu haben.

  • Widerspenstige sagt:

    Die klassischen Märchen wie zB der Gebrüder Grimm sind doch für Erwachsene geschrieben worden. Nur sehen das die Wenigsten so….
    Also ich erinnere mich an ein Kartenspiel, das mich faszinierte, weil es fürchterliche Szenen aus der Unterwelt wie Zauberer, Hexen, Gnomen und entsprechend dunkle Farbtöne in Nachtblau, Blutrot, Tannengrün und Zauberstäbe mit Sternblitzregen in allen Regenbogenfarben hatte. Es liess mich nicht mehr los in meiner Kindheit u ich hatte Albträume davon. Es war wohl ein Kartenspiel für geheime Sessions um Mitternacht in einem verlassenen Spukschlossverlies…. 😆

    • Franz Vontobel sagt:

      Die „Märchen der Gebrüder Grimm“ sind für überhaupt niemanden geschrieben worden, die Geschichten wurden mündlich überliefert – die Brüder sammelten bloss und schrieben auf.
      „Zielgruppe“ der Geschichten waren aber durchaus Kinder, nur schon daran zu erkennen, dass sehr viele der Märchen Kinder als Protagonisten haben.

    • Katharina sagt:

      WS:

      taro
      rota
      orat
      ator

    • Widerspenstige sagt:

      Oh dankeschön! Da ist eine Wissenslücke grad gefüllt worden u hat mich zu Wikipedia verleitet, woher denn dieses Sammelsurium stammen könnte. Und zu meiner Freude gesehen, dass weibliche Phantasie jener Zeit bemüht wurde durch die Grimms Brüder:
      Eine ihrer wichtigsten Quellen waren die Märchen, die die aus hugenottischer Familie stammende Dorothea Viehmann den Brüdern erzählte. An den Sammlungen waren z. B. auch die Brüder Werner von Haxthausen, August von Haxthausen sowie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny von Laßberg beteiligt.

      • Muttis Liebling sagt:

        Annette von Droste-Hülshoff, WS, wurde vor einigen Jahren noch in Lyrikseminaren als das Beispiel für oberflächliche Nicht- Poesie gehandelt. Das ist zwar trotzdem noch eine Ehre, denn richtige Nichtpoeten werden in dem Zusammenhang gar nicht gehandelt. Deshalb haben die meisten Fast- Fichter, ich inbegriffen, die immer wieder gern gelesen.
        Inzwischen ist sie rehabilitiert, weil von vielen Zeitgenossen, die der Mainstream für Dichter hält, überholt. Unangefochtener Spitzenreiter ist inzwischen Xavier Naidoo. Scheussliches Gesäusel in Reimform.

    • Widerspenstige sagt:

      Das waren wohl die ersten Tarotkarten, Kath? Seitdem bin ich verhext und habe Zugang zum Metaphysischen…. 😉
      Also solche Bildsprachen können ein ganzes Leben füllen und wie Du unten analysierst, Kath, ganze Volksseelen damit füttern und verleiten. Wer das Gegenteil behaupten will, muss zuerst die Kryptologie der Märchensprache entschlüsseln wollen. Die Magier sind unter uns, aber bezeichnen sich als ‚edle Ritter‘ und Schutzschilder vor den fremden Fötzeln etc.

      • Katharina sagt:

        Ich denke, C.G. Jung hat die Archetypen – oder wie Du, WS, sagts Kryptologie – gut herausgearbeitet. Besonders in seinem posthum veröffentlichten Roten Buch.

        ROTA TARO ORAT TORA ATOR ist eine Variante. (H)at(h)or – die Göttin der Liebe deren Gesetz (tora) der Liebe im immerfort drehenden Zyklus (rota) gebetet (orat) wird.

        Es ist eigentlich gar nicht so metaphysisch, sondern das Gesetz dieses Universums. Oder wie Galileo Galilei gesagt haben soll:

        Die Natur ist ein Buch geschrieben in der Sprache der Mathematik.

        überlege Dir, warum Cricket als Sport in Indien so populär ist.

  • plop sagt:

    Es gibt auch gute Negativbeispiele neuerem Datums: Warum hintersinnt man sich nicht, wenn man den Kindern diese saudoofe Serie der „Conny“ (Conny spielt Fussball) (Conny lernt reiten) etc vorliest? Ein Mädchen, blond etc, welches einfach IMMER alles erreicht was sie will? Ausserdem eine grosse Leere bei den Illustrationen, solche Büchlein gibts zuhauf und da stellt sich auch niemand gross die Frage, ob das gut fürs Kind ist…

    • Synn sagt:

      Danke danke danke! Ich kann Conny nicht ausstehen und die paar Bücher die wir aus dieser Serie haben (Geschenke!), lese ich nur ausnahmsweise vor, genau aus den genannten Gründen. Meine Kinder wissen das und mittlerweile ists ein Running Gag 😉

  • Habe mit meinem Sohn und seinen Cousins 101 Dalmatiner angeschaut. Nach einer halben Stunden sind alle drei Einsgeschlafen, da der alte Zeichentrickfilm für Ihren Geschmack zuwenig Action hat. Neben den Action-Reichen Gestiefelter-Kater und Madagascar III ist alles andere nur noch langweilig. Schaade, pädagogisch gelernt haben Sie dabei nicht. Nur das ein Zerbra Autofahren kann und ein EI über eine Riesen-Bohnen-Pflanze in die Wolke steigen kann…… Da machen die alten Geschichten mehr sinn, da Sie sie von schlechten Menschen fern halten will……

    • Susi sagt:

      Das Hauptproblem liegt darin, dass die Kinder sich teilweise ans schnelle Schneiden (durchschnittliche Länge eines Takes ist glaub etwa 3 Sekunden) der neueren Filme gewöhnt haben. Das geht vielen Erwachsenen auch so, dass sie die Langsamkeit genialer älterer Filme (wie beispielsweise Hitchcocks „Psycho“) nicht mehr aushalten, weil sie sich schnellere Schnitte gewohnt sind und die „langsamen“ Filme dann als langweilig abtun.

      • tststs sagt:

        Ein weiterer guter Punkt Susi; man könnte zB noch das Problem der Bild-Ton-Schere erwähnen (bis zu einem gewissen Alter können Kinder dies nicht unterscheiden, sprich: wen man sieht, der ist auch gerade am sprechen… Das und die erwähnte Schnittechnik führt zu Filmen, die so gar nicht kindgerecht sind, auch wenn sie keine brutale Gewalt enthalten!

      • Susi sagt:

        Heute sind wir uns ganz besonders einig, tststs 😀

  • tststs sagt:

    Die Wissenschaft ist sich da eigentlich ziemlich einig (wobei man vorausschicken muss, dass natürlich die Rezeption von medial vermittelten Inhalten bei Kinder noch nicht sooo lange erforscht ist): Schwarz-Weiss-Malerei ist durchaus angebracht, da (Klein)Kinder noch nicht über die nötigen Möglichkeiten verfügen, differenzierter wahrzunehmen. Der Böse ist böse, weil er bös ist und er bleibt auch bös und es spielt keine Rolle, weshalb er so ist (im Gegenteil, das Psychologisieren/Erklären/Entschuldigen des Bösen macht es für Kinder nur schwerer verständlich).

    • Susi sagt:

      Da kann ich nur beipflichten.

    • tststs sagt:

      Worauf ich hinaus will: Ja, Sie reagieren etwas überempfindlich, die Geschichten sind für Kinder idR ohne Probleme verdaubar. Und ja, es gibt das eine oder andere (empfindlichere) Kind, dass 1-2 Wochen lang nach dem bösen Mann Ausschau hält, aber auch das normalisiert sich.
      Und sie haben auch gar kein Problem damit, wenn mit einem Kind wüst geschimpft wird (ich kenne die Geschichte nicht, gehe aber davon aus, dass der Bub auch wirklich dumme Sachen macht.). Ich denke da zB an die Geschichten aus dem Strubbelpeter: wenn Du die Suppe nicht isst, dass wirst du sterben…

      • tststs sagt:

        hilfio: DANN wirst du sterben… Und es geht in der Geschichte nicht darum, dass die grausamen Eltern das armearme Kind sterben lassen. (und ein Kind käme auch nie auf die Idee nachzufragen, wieso denn die Eltern so gemein waren; es nimmt die Geschichte einfach so hin; nur die „empfindlichen“ Eltern sind schockiert, ob so einer undifferenzierten Darstellung 😉 )

      • alieno sagt:

        Hm. Aber genau dieses Hinnehmen ist es, was wir als Eltern ja eigentlich nicht fördern wollen. Der Strubelpeter (wie er ja hierzulande genannt wird) war schon seit Alienogedenken ein fragwürdiges Buch.

      • tststs sagt:

        @Alieno: Welches „Hinnehmen“ meinen Sie?
        Und IMHO beginnt der Fehler schon hier: „was wir als Eltern ja eigentlich nicht fördern wollen“ Wieso muss immer alles mit Lernen und Förderung zu tun haben… Märchen dienen keinem pädagogischen Zweck, sie dienen rein der Unterhaltung…

      • Manni Mann sagt:

        nein – nein. der Bub macht gar nicht so dumme Sachen, so wie der Michel aus Lönneberge eben gar kein böser Junge ist.
        Um bei Michel zu bleiben – er ist sogar ein lieber Junge und errinderisch, nur sein Vater ist ein Vollid… und schimpft und bestraft ihn.
        Die damaligen Autoren waren durchaus kinderfreundlich, denn sie wollten damit auch den damaligen Erziehungsstil blossstellen und die Kinder durch solche Kinderhelden trösten.

        da wir aber in einer anderen Zeit leben, ist das für viele nicht mehr nachvollziebar.

      • Manni Mann sagt:

        Meine Kinder hören die Klassiker, keine Frage. Aber manche zeigen schon abstruse Erziehungsansätze auf, die für das heutige Kind nciht mehr nachvollziebar sind.
        Lesen sie mal Pinocchio im Original. Dort wird dam Kind eingebläut, dass die gute Fee aus Herzenskummer stirbt, weil der Holtzjunge (wie halt Kinder so sind) vergisst seine Pflichten zu erfüllen.

      • Sportpapi sagt:

        Mein Dreijähriger liess sich gestern von mir Max und Moritz vorlesen. Es hat ihn nicht gerade verstört, als die beiden schliesslich geschrotet und aufgefressen wurden… Aber gut, er hat auch sonst nicht alles verstanden.

      • 13 sagt:

        „da wir aber in einer anderen Zeit leben, ist das für viele nicht mehr nachvollziebar.“

        Genau meine Worte.

      • tststs sagt:

        @13 und Manni Mann: Hier würde ich Ihnen widersprechen. Die klassischen Märchen und Geschichten behandeln zeitlose Themen wie Liebe, Mut, Verzweiflung, Hoffnung, Freundschaft. Und ich bitte Sie zu beachten, dass gerade Märchen NICHT darauf ausgelegt sind, dass Kinder etwas lernen, sie dienen lediglich der Unterhaltung.
        Anders zB bei Max und Moritz, die Kinder können dort auch rel. gut mit der Gewalt umgehen, weil sie ganz klar abgegrenzt und „zu Recht“ passiert.

      • Manni Mann sagt:

        tsts – Pinochhio ist nicht von Grimm – und Grimm war ja auch nicht Thema des Impulstextes. Meine Aussage bezieht sich nicht auf die grimmschen Märchen, sondern eben auf „pädagogische“ Kindergeschichten aus alten Zeiten.
        Bei Grimm widerspiegeln sich oft die brutalen Verhältnisse der damaligen Zeit. Und sicher sollte das Happy End – Hoffnung bewirken.

      • Muttis Liebling sagt:

        Struwwelpeter meinten Sie. Das sind aktuelle Geschichten, wir wissen dadurch, dass Anorexie (Suppenkasper) und ADHS (Zappelphilipp) schon länger bekannt sind Andere moderne Störungen (Borderline) finden wie nicht.
        Struwwelpeter und Grimms Märchen sind Sozialgeschichten, die sehr viele Rückschlüsse auf die Zeit zulassen. Für Kinder sind sie nur dann nicht geeignet, wenn sie entweder noch zu jung sind, Geschichten als Geschichten, nicht 1:1 Abbildungen zu verstehen, oder auch deren Eltern das nicht mehr können.

      • tststs sagt:

        @Manni Mann: ähm ja, was hat das jetzt mit Grimm zu tun?!? 😉
        Aber ja, ich war etwas voreilig und habe Pinocchio zu den Märchen gezählt, dem ist natürlich nicht so!
        „Bei Grimm widerspiegeln sich oft die brutalen Verhältnisse der damaligen Zeit“ oder sie zeigen einfach, dass vor 120 Jahren Gewalt genauso ein beliebter Unterhaltungsfaktor war wie im heutigen Hollywood… Und bedenken Sie, Grimms haben lediglich Märchen gesammelt (nicht selber erfunden), die Geschichten sind zT also noch viel älter…

      • tststs sagt:

        @ML: Hehe, hatte zuerst den Struwwel, dachte dann aber… 🙂
        Leider kann ich Ihnen nicht zustimmen. Wie gerade an anderer Stelle geschrieben, sind zB Grimms Märchen eben kein Abbild der Zeit, da sie die Geschichten nur gesammelt haben (und von einigen wissen wir, dass sie weit ins MA zurückgehen). Und gelled Sie, die Hälfte der Märchenfiguren gibt es nicht, auch im vorletzten Jahrhundert nicht 🙂

      • Manni Mann sagt:

        tsts – ja genau
        Der Gewaltfaktor hat die Menschen seit je her interessiert. Aber ohne diese alten Märchen würde heute keiner mehr auf die Idee kommen, dass Kinder armutshalber im Wald ausgesetzt werden. Dass fast jedes Kind eine Stiefmutter hat. Dass Kinder von Eltern/ bzw. Stiefmutter in fast Sklavenartigen zuständen aufwachsen.
        Wir würden Krimis schreiben, die eher mit unserer Erlebniswelt zu tun haben.

        Diese Märchen und die „pädagogischen Werke“ von gestern und vorgestern, sind zwei Paar Schuhe und stammen aus verschiedenen Zeiten. Das sorgt hier für einige Konfusion.

      • Manni Mann sagt:

        Ansonsten bin ich natürlich gegen jede Zensur. Denn wie sollen wir schau werden, wenn wir die menschlichen Werke von früher nicht mehr ungefiltert lesen können? Ist ist doch lehrreich zu sehen, wie Menschen früher gedacht haben, wo sie Schwerpunkte setzten etc.

        Natürlich kann man Klassiker auch neu Schreiben. Wer versteht noch Shakespeare z.B. da ist man um Neuschreibung froh. Aber das Original muss Wortgetreu erhalten bleiben.
        Und selbstverständlich sollen wir neue Geschichten, neue Kultur und neue Klassiker schreiben.

      • Manni Mann sagt:

        tsts – bezüglich Gewalt ja, ja aber das ist auch, weil WIR sie sozialisieren. Zu alten Zeiten konnten die Kinder durchaus auch aus Hänsel und Gretel lernen, dass es rechtens ist: Hexen zu verbrennen. Wie wir es ja in dem fröhlichen Kinderlied Hände klatschend singen: „Die Hexe soll verbrennen, die Kinder gehn nach Haus….“
        Solche Sachen, wie auch die zu Tode Folterung durch Füsse verbrennen, sind nur deshalb so unproblematisch, weil sie in unserer Welt völlig surreal dastehen und wir nicht zum Sonntagsnachmittagsvergnügen einer öffentlichen Hinrichtung oder Tortur beiwohnen.

      • Muttis Liebling sagt:

        @ts, Sozial-, nicht Zeitgeschichte, Kinder im Wald aussetzen war Usus, in Königsfamilien alle ausser einem umzubringen auch. Wir Erwachsenen müssen uns den Märchen mit Abstraktion nähern, was Kinder mit Fantasie können. Wir vergehen uns an unseren Kindern, wenn wir ihnen zeitgenössische Beschreibungen vorenthalten. Wie sollen sie dann später in der Schule Geschichte verstehen.
        Die glauben dann wirklich, dass nur ein paar schlechte Menschen das Elend der Zeit ausgelöst haben. Auch eine liebende Mutter hat ihre Kinder in den Wald geschickt, weil sie denen beim Verhungern nicht zusehen wollte.

      • tststs sagt:

        @ML&MM: Also die Grimms haben ab 1812 ihre Märchen veröffentlicht. Die Zeiten der Hexenverbrennungen, Königen, Prinzesinnen, Ritter und Drachen waren da schon eher vorbei.
        „Wir Erwachsenen müssen uns den Märchen mit Abstraktion nähern“ Es gibt schon neuere Theorien, die in die Märchen mehr hineininterpretieren. IMHO verkennen sie deren eigentlichen Sinn: die Familie am Abend in der Stube zu unterhalten… und wie gesagt: Gewalt (und notabene zB auch Schönheit) war damals schon ein Element, das zog. Das Märchen als Erzählstruktur hat ja bis Hollywood überdauert…aber jetzt wirds langsam OT 🙂

      • Manni Mann sagt:

        ja, aber sie haben sie veröffentlicht, alte Geschichten, die bis ins Mittelalter zurückreichen

  • 13 sagt:

    Ich finde, dass bei der Diskussion, ob sie kindesgerecht sind, das wichtigste vergessen wird: Es ist nicht mehr zeitgemäss. Texte werden immer vor dem Hintergrund des Zeitgeistes gelesen und weil Kinder nun mal nur ihre Zeit kennen, ich nehme an, der Geschichtsunterricht folgt erst später, setzen sie es auch in diesen Kontext. Darum werden viele Texte auch anders verstanden als früher. Würde heute in einem Nebensatz erwähnt werden, dass die Mutter dem Kind eine Ohrfeige gibt, würde mein Kind aufschreien. Nicht, weil es nicht weiss, dass es Gewalt gegenüber Kindern gibt, sondern weil es nicht

    • 13 sagt:

      begreifen würde, warum es denn niemand als was schlechtes anschaut, niemand reagiert und im schlimmsten Fall das Kind es als „verdient“ empfindet. Ich hätte mir vor 25 Jahren nichts dabei gedacht, weil es nun mal „normal“ war. Auch erkläre ich doch nicht meinem Kind, warum wir gewisse Begriffe nicht brauchen, um dann Geschichten zu erzählen, wo es als normales Wort gebraucht wird und wenn ich es tue, dann thematisiere ich es eben. Ein böse Stiefmutter wird auch anders verstanden, wenn ein Drittel der Klassenkameraden eine Stiefmutter haben, als früher, wo es eben die Ausnahme war.

      • 13 sagt:

        Es gibt so viele gute Bücher, ältere wie neuere, grusligere und harmlosere, politisch korrekte und einfach nur lustige. Da besteht für mich schlicht kein Grund solche zu lesen, die heute nicht oder ganz anders verstanden werden (bis das Kind nicht alt genug ist, es im historischen Kontext zu sehen). Mal ehrlich: Klar gibt es gute Grimm-Märchen, aber haben Sie nicht einiges besseres gelesen? Ich schon.

      • Susi sagt:

        „Mal ehrlich: Klar gibt es gute Grimm-Märchen, aber haben Sie nicht einiges besseres gelesen? Ich schon.“

        Es gibt immer Besseres und Schlechteres. Die Grimm-Märchen gehören aber zu unserer Kultur, sie sind ein Meilenstein in der Literatur, aus der Epoche der Romantik nicht wegzudenken. In den Werken der deutschen (und teilweise auch internationalen) Literatur finden sich immer wieder intertextuelle Verweise zu Grimm-Motiven; die wichtigsten Märchen nicht zu kennen, ist m.E. eine Wissenslücke.

      • tststs sagt:

        Mhmmmm, da bin ich ganz bei Ihnen Susi, vor allem die Märchen abseits von der Disney Weichspülung (leider glauben heute 90% der Kinder/Jugendlichen, dass der Frosch durch einen Kuss zum Prinzen wurde; ich muss dann immer erklären, dass die Grimms ein wenig brutaler waren… 😉 )

      • tststs sagt:

        „Auch erkläre ich doch nicht meinem Kind, warum wir gewisse Begriffe nicht brauchen, um dann Geschichten zu erzählen, wo es als normales Wort gebraucht wird und wenn ich es tue, dann thematisiere ich es eben.“ Why? Erzählen Sie die Geschichte doch einfach und lassen die non-p.c.-Wörter weg…

      • Susi sagt:

        Ja, das Froschkönig-Alternativende, haha!
        Wir haben ein Grimm-Märchenbuch mit 900 Seiten; allerdings sind einige der weniger bekannten Märchen wirklich nicht zumutbar, da bin ich ja sogar selbst verstört nach dem Lesen 😉

      • Susi sagt:

        Übrigens findet meine Tochter den Teil, wo die Prinzessin den Frosch an die Wand schmettert, am allertollsten. Ich muss diese Stelle dann immer mehrmals erzählen und das Geräusch machen, das ertönt, wenn der Frosch aufklatscht.

      • Tina Hutzli sagt:

        Aus genau diesem Grund haben sich viele Geschichten – mein Lieblingsbeispiel sind da die von Ihnen genannten Grimm-Märchen über die Zeit verändert. Als Beispiel: In der ersten Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm war die böse Königin im Schneewittchen nicht die Stiefmutter, wie wir es heute kennen, sondern Schneewittchens eigene Mutter. Sie können sich ja den Aufschrei vorstellen! Deshalb haben die Grimms selber die Geschichte so umgeschrieben, dass die Stiefmutter ihre Stieftochter töten will. Also eigentlich die gleiche Diskussion wie heute.

      • 13 sagt:

        @ Susi
        Völlig richtig. Aber Sie bestätigen eigentlich, was ich sage: Es sind wichtige literarische Texte aus einer historischen Zeitepoche, welche einen wichtigen Einfluss auf die Literatur hatten und bis heute haben. Ich bin ja durchaus der Meinung, man sollte sie kennen. Die Frage ist: Ist das im Kleinkindalter interessant oder reicht es in einem Alter, wo zwischen dem historischen und den heutigen Kontext unterschieden werden kann. Ich lasse meine Kinder nicht ohne die klass. Märchen aufwachsen, aber eine grosse Rolle spielen sie bei uns (noch) nicht. Es gibt einfach wichtigeres.

      • 13 sagt:

        @ tststs
        Weil ich die Hoffnung hege, dass meine Kinder irgendwann auch selber Bücher lesen werden und ich da nicht vorhabe mit dem schwarzen Zensierstift dahinterzustehen 😉 Wenn es (ausnahmsweise) also mal ein Wort gibt, welches mich anspringt, sage ich es auch so. Es wird nicht zu einer Lehrstunde in p.c., sondern gehört für mich einfach zur Allgemeinbildung, welche die Kinder am besten im Alltag aufnehmen.

      • tststs sagt:

        „Ist das im Kleinkindalter interessant“ Meiner Erfahrung nach: ja! Wie Susi auch schreibt, haben Kinder an Gewaltszenen durchaus ihre Freude (Puff! Päng! Yeah). Und vllt ist es gerade das, was uns so verstört…. Hilfe, mein Kind flippt fast aus ab der Gewalt…da muss ich sofort Gegenmassnahmen ergreifen, sonst wird mein Kind noch als asozial abgestempelt…!

        Und dies alles, weil wir den Kindern einen „Erwachsenenrahmen“ überstülpen…

      • Susi sagt:

        @13: „Ist das im Kleinkindalter interessant oder reicht es in einem Alter, wo zwischen dem historischen und den heutigen Kontext unterschieden werden kann.“

        Kleinkindalter ist schon ideal, denn ab einem gewissen Alter entwickeln die Kinder eine Art Abwehrhaltung gegenüber Märchen und im späten Teenager- oder jungen Erwachsenenalter werden wohl nur noch die wirklich an Literatur(-geschichte) Interessierten Grimms gesammelte Werke lesen…

      • 13 sagt:

        @ tststs
        Ich halte meine Kinder nicht von Gewaltszenen fern, weder von Geschichten, noch von Bildern. Es ist für mich einfach eine einfache Frage: Geht es nur um de Geschichte? Dann kenne ich bessere (nicht zwangläufig harmlosere), welche auch (noch) in unsere Zeit passen. Oder geht es um die historische Bedeutung, dann finde es dann relevant, wenn sie sich auch für Geschichte interessieren.

        @ Susi
        Wenn Kinder später nicht mehr daran interessiert sind, sondern nur im Kleinkindesalter, so sie die Zusammenhänge doch nicht verstehen, frage ich mich erneut, nach der Bedeutung dieser Werke.

      • 13 sagt:

        Sehen Sie, ich sehe das pragmatisch. Ich selber bin ein Bücherfreak und lese alles, was mir in die Hände fällt. Und natürlich hoffe ich sehr, dass meine Kinder diese Liebe auch kennenlernen und übernehmen. Wenn sie das tun und sie die gleiche Freude an Literatur haben, wie ich sie hatte und habe, dann wird es sie auch interessieren, egal wie alt sie sind. Wenn nicht, dann wird ihnen dieses Wissen auch nicht für ihr Leben von Bedeutung sein. Ich finde da einfach, dass wir etwas zu nostalgisch sind. Nur weil diese Geschichten schon in x Generationen erzählt werden, sind sie nicht was besseres.

      • Susi sagt:

        @13: „Wenn Kinder später nicht mehr daran interessiert sind, sondern nur im Kleinkindesalter, so sie die Zusammenhänge doch nicht verstehen, frage ich mich erneut, nach der Bedeutung dieser Werke.“

        Es reicht doch, wenn sie die Märchen im Kindesalter des Unterhaltungswertes wegen schätzen und man später auf die Zusammenhänge hinweisen kann. Das löst dann ein richtiges Aha-Erlebnis aus, das man nicht hätte, würde man sich die Märchen zur Wissenserweiterung aneignen.

      • Susi sagt:

        Die Grimm-Kompilation ist nach der Bibel das weltweit meistgelesene/-verbreitete Buch, da ist mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft, wie man deren Bedeutsamkeit anzweifeln kann.

      • Sportpapi sagt:

        @Susi: Auch in der Bibel hat es so Zeugs drin, mit dem wir unsere Kinder besser nicht belasten sollten… 🙂

      • Susi sagt:

        Das Zielpublikum der Bibel sind ja auch nicht unbedingt Kinder.

        Aber niemand zweifelt die Bedeutung der Bibel an, oder?

      • Susi sagt:

        Jetzt mal ehrlich, man kann ja von der Bibel halten, was man will, aber wer keine Ahnung von der Genesis hat, kann kulturell irgendwie schon ein wenig einpacken…

      • Franz Vontobel sagt:

        Na, Susi? Gerade auf dem kulturimperialistischen Trip? Der Grossteil der Nicht-christlichen Welt kann also „kulturell grad mal einpacken“…

        mmh…

      • 13 sagt:

        Ich zweifle nicht ihre globale Bedeutung an, sondern die Bedeutung für den Einzelnen, der vielleicht nicht daran interessiert ist. Fehlt einem dann etwas? Fehlt einem etwas, wenn man die Bibel nicht im Einzelnen gelesen hat? Oder wenn einem beim Wort „Genesis“ zuerst die Band in den Sinn kommt? Ist doch auch Kultur;-)
        Es ist ja nicht so, als würden sie gar keine Märchen kennen, die wichtigsten haben wir schon irgendwann gelesen, aber wenn sie eine Geschichte hören wollen, ist das eher nicht Schneewittchen. Und da bin ich nicht unglücklich (die feministische Seite in mir erst recht nicht;-))

      • Franz Vontobel sagt:

        Abgesehen davon schlägt „Lord of the Rings“ die deutschen Märchenbrüder…

      • tststs sagt:

        „Dann kenne ich bessere (nicht zwangläufig harmlosere), welche auch (noch) in unsere Zeit passen.“
        Ja eh, da will ich Ihnen gar nicht widersprechen; aber ich persönlich finde es schade, wenn die Kinder die alten Märchen nicht mehr kennen, gehören für mich halt zum Kanon (aber damit sind ja nicht Sie gmeint). Was ich allerdings nicht verstehe: „Oder geht es um die historische Bedeutung“. Was meinen Sie damit? Märchen sind ja eben zeitlose Klassiker…

      • Katharina sagt:

        ‚Das Zielpublikum der Bibel sind ja auch nicht unbedingt Kinder. ‚ das träfe zu, wenn religionsunterricht, bzw die Lektüre solcher gewaltverherrlichenden pronösen texte dem pron gleichgestellt würden, also für minderjährige off limits.

      • Susi sagt:

        @Franz: Sie wissen doch, ich als Fundi muss ich natürlich die Schöpfungsgeschichte verteidigen…

        Und Sie meinen also tatsächlich, dass Nicht-Christen noch nie etwas von Adam und Eva gehört haben?
        Wie dem auch sei, Fakt ist halt einfach, dass die Bibel global das meistgelesene/-verbreitete Buch ist.

        Seit wann soll „Lord of the Rings“ die Grimm-Märchen denn überholt haben?

        @13: Ich meinte natürlich nicht die Bezeichnung „Genesis“, sondern deren Inhalte. Eben Adam und Eva.

      • Susi sagt:

        @Katharina: Religionsunterricht ist heute wohl etwas anders als früher, behandelt auch andere Weltreligionen etc. zumindest in der Schweiz. Im Bible Belt ist’s wohl anders . 😉

      • Katharina sagt:

        .. und die anderen texte sind dann allesamt kosher, susi ,-)

      • Susi sagt:

        Ich glaub, da wird Zensur geübt… Ich erinnere mich auf jeden Fall an keine Splatter-Texte.

      • tststs sagt:

        Auch hier muss ich wieder ein bisschen Gegensteuer geben: Es gibt sehr viele Texte in der Bibel (ich denke da vorallem an die Gleichnisse), die äusserst kindgerecht sind. Obwohl ich heute Atheistin bin, blicke ich sehr wohlwollend auf meinen (kath.) Religionsunterricht zurück, vllt. deshalb, weil er eher „christlich“ (Nächstenliebe, Verzeihen, Geduld, Verpflichtung einem höheren Prinzip gegenüber) geprägt war als von Ritualwahn und der Auflistung von Ver- und Geboten.

      • Franz Vontobel sagt:

        Gegenfrag, Susi: Wissen sie denn wenigstens der Spur nach über den Schöpfungsmythos des z.B. Islams Bescheid?

        Je nach Quelle sind „Lord of the Rings“ oder „A Tale of two Cities“ die weltweit meistverkauften Bücher.
        Ich weiss nicht, wie da die Hausmärchen reinpassen, die sind wohl schwierig zu zählen, da die in einer Unzahl von verschiedenen Ausgaben herausgegeben wurden…

      • 13 sagt:

        @ tststs
        “Oder geht es um die historische Bedeutung”. Was meinen Sie damit?

        Es war die Antwort auf Susis Input, dass Märchen wichtig sind, damit man auch später Texte der Epoche lesen kann. Dass da ein Aha-Effekt kommt, der eben fehlt, wenn man das Märchen nicht kennt.

      • Susi sagt:

        @Franz: „Gegenfrag, Susi: Wissen sie denn wenigstens der Spur nach über den Schöpfungsmythos des z.B. Islams Bescheid?“

        Die abrahamistischen Religionen unterscheiden sich da nicht gross voneinander.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ok, Susi, das stimmt – Punkt für sie.

        Ich persönlich finde halt eher, „wer keine Ahnung von Mittelerde hat, kann kulturell irgendwie schon ein wenig einpacken…“ ob er was von Adam, Eva oder Bernd dem Brot weiss, ist mir relativ egal… 😀

      • Susi sagt:

        wie viele Punkte brauche ich, um einen Toaster zu gewinnen?
        🙂

      • Franz Vontobel sagt:

        Um sich dann damit an Bernd zu vergreifen? Dazu biete ich ganz sicher keine Beihilfe! No Toaster for you!

      • Susi sagt:

        hehe, schade!

    • Sportpapi sagt:

      Wenn meine Kinder Kasperli-Kassetten hören, stellen sie eigentlich keine Fragen. Sie sind einfach in der Geschichte.

    • Katharina sagt:

      ‚Texte werden immer vor dem Hintergrund des Zeitgeistes gelesen und weil Kinder nun mal nur ihre Zeit kennen, ich nehme an, der Geschichtsunterricht folgt erst später, setzen sie es auch in diesen Kontext‘ – klar, darum wuchsen ja mehrere Generationen ‚unheilvoll‘ auf, weil sie Tom und Jerry sahen – Eine Show, die auf einigen Kanälen nun mit einem Vorspann gesendet wird: ‚may contain ethnically unsuitable content‘ – weil die Nanny in den älteren Episoden eben, wie oft real üblich, eine schwarzafrikanerin ist.

      sorry, aber das ist absurd. Da lacht sogar die NAACP.

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Entschuldigung, ich verstehe ihren Kommentar nicht. Bei Aussage war, dass der gleiche Text heute anders gelesen wird als früher, auch anders verstanden und darum Sachen, die früher als nicht furchterregend oder komisch angeschaut wurden, es heute werden, und umgekehrt.

  • Luise sagt:

    Nicht zu vergessen die bösen, bösen Märchen, mit denen frühere Generationen aufgewachsen sind… Höchste Zeit, dass Grimm und Co. der Zensur der politisch Korrekten zum Opfer fallen.

    • Susi sagt:

      Das mit der Zensur ist Realität geworden. Ich hab eine Rotkäppchen-App runtergeladen und traute da meinen Ohren nicht: Der arme Wolf nagt am Hungertuch, hat nur noch eine Essiggurke und schlingt darum quasi nolens volens Rotkäppchens Korb runter. Die Grossmutter versteckt er glaub in einem Wäschekorb. Von den Korb-Inhalten kriegt er Bauchweh und muss ins Spital, dort bekommt er Medizin und es geht ihm bald wieder besser. Das altruistische Rotkäppchen geht ihn besuchen und bringt ihm Essen mit.

      Hier wird den Kindern erstens das schwarz-weisse Weltbild, das ihnen Sicherheit gibt, genommen und zweitens mutet man ihnen keine negativen Gefühle mehr zu.
      Kein Wunder, dass solche Kinder später Drogen konsumieren müssen, um die Illusion der rosa Wolke aufrecht zu erhalten. 😉

      • tststs sagt:

        @Susi: Ernsthaft? Kein Witz? Mit Spital und so? U-N-F-A-S-S-B-A-R!

        Übrigens, was mir gerade einfällt: „mutet man ihnen keine negativen Gefühle mehr zu“. Erstaundlicherweise kennen Kinder hier ihre Grenzen sehr gut; wenn zu „gfürchig“ wird, halten sie sich automatisch die Augen zu. Oder man merkt wirklich physisch, wie sich der Körper bei Spannung (egal ob vorgelesen oder TV-geschaut) anspannt und mit Auflösung der Situation wieder entspannt…

      • Susi sagt:

        Nein, kein Witz! Voll die Härte, oder?

        Stimmt, meine Tochter weiss sich auch immer sehr gut zu schützen vor zu gfürchigen Inhalten.

      • Muttis Liebling sagt:

        Politisch korrekt kommt der Wolf in einen Kuschelzoo und wird zum Vegetarier. Die Grossmutter trinkt statt Wein nur noch Himbeersaft und Rotkäppchen füttert den Wolf mit Rübli (bis der an den Blähungen platzt). Das wird aber ausgeblendet.

  • Luise sagt:

    Mein Gott! Mehrere Generationen sind mit solchen Geschichten aufgewachsen, mit Sicherheit nicht traumatisierter als andere und bestimmt auch nicht rassistischer als die heutigen Menschen. Die „politische Korrektheit“ erfasst wirklich jeden Lebensbereich. Wie ermüdend das ist….

    • Muttis Liebling sagt:

      Politische Korrektheit ist nicht nur ermüdend, sondern gemäss dem Psychiater und Psychotherapeuten Manfred Lütz eine Persönlichkeitsstörung.
      Es gibt keine schlimmen Wörter, es gibt auch keine schlimmen Beschreibungen. Es gibt nur die Unfähigkeit, mit Wörtern und Beschreibungen umzugehen.

  • Heidi K. sagt:

    Unsere Welt hat sich drastisch verändert; nichts ist mehr gleich geblieben (seit meiner Jugend (44j). Kein Wunder, dass gewisse „Klassiker“ nicht mehr passen. Vor allem kann man wegen der neuen Schreibordnung nicht mal mehr die alten Bücher zum lesen geben, damit sie es nicht falsch lernen. Ich finde ich es gut, wenn die Kids aufgeklärt sind über die Gefahren im Alltag, ob das jetzt der Verkehr, Pädos oder Drogen etc. sind. Nichtwissen kann sich heute keiner mehr leisten. Eine heile Welt vorzugaukeln ist grobfahrlässig. Unsere Kids sind informiert und wissen, wann und wo sie frei sein dürfen.

  • Hitz sagt:

    Ich lese hier immer wieder mal mit vor Staunen offen stehendem Mund, wenn die Mamablog-Damen ihre Sorgen um das Kindeswohl in ihren garantiert keimfreien, mit Plüsch ausgepolsterten und von bunten Regenbogenponys bewohnten Stuben offenbaren. Man sollte Kinder nach Möglichkeit sowohl in physischer wie auch in psychischer Hinsicht (also im Hinblick auf böse Wörter und Geschichten) in Watte verpacken und ihnen imm wieder versichern, dass die Welt da draussen vor allem gross, bunt, zuckersüss, kuschelwuschel-weich und einfach nur total Schokosahne-Milchpudding ist!

    • alieno sagt:

      Ja, zuweilen finde ich die Aufzählung von Firstworldproblemen auch ziemlich bemühend. Aber so ist sie, die Welt. Eine Mutter aus meisten Gebieten dieser Welt dürfte sich im Mamablog nicht wiederfinden. Das ist schade, aber der Mamablog wird in der Schweiz für die Schweiz gemacht.

      • tststs sagt:

        „…aber der Mamablog wird in der Schweiz für die Schweiz gemacht“ Was ist daran schade? Wäre es nicht geradezu vermessen, wenn wir hier etwas über die Erziehungsprobleme in Afrika schreiben und diskutieren würden?
        Und ja, im Normalfall würde ich Ihnen beim Punkt der „Firstworldproblems“ zustimmen; aber unser Umgang mit Kindern kann auch als Gradmesser für den Fortschritt der Kultivierung genutzt werden (Sie wissen schon, unsere Bundesverfassung und so „…die Stärke des Landes sich misst…“)

    • Manni Mann sagt:

      vielleicht können sie wegen ihren Vorurteilen den Beiträgen auch nciht folgen Hitz –
      heute ging es um das erstaunen das ein Kind „dumm“ – ich finde es gut, dass tägliche Demütigung nicht mehr unser Erziehungskonzept ist, gegen das wohl Trudi Gerster schon damals via Geschichte Stellung nahm (was unsere Bloggerin wiederum evt. falsch gedeutet hat).
      Die zweite Frage, war die nach dem Erziehungskonzept der Angstmacherei.

      Finden sie es etwa als Rückentwickllung wenn wir uns nicht mehr Hauptsorgen um unsere rein animalischen Bedürfnisse machen müssen? überleben (Nahrung, Bedeckung, Fortpflanzung)

      • Hitz sagt:

        Ja, Manni Mann, klar, die Fragestellung ist für mich zu komplex und ich kann dem allem nicht folgen. Ich bitte Sie…
        Das mit dem dumm haben Sie selbst schon ausgeführt. Das mit der Angstmacherei: Es gibt auf dieser Welt Dinge, vor denen Angst zu haben durchaus intelligent ist. Dass man das einem Kind nicht mittels Ethikseminar sondern mit simplem schwarz-weiss-Muster beibringt, ist einfach normal. Das wusste man halt noch, bevor der tägliche Pflichtmacchiato für gelangweilte Journis eingeführt wurde.
        Und ich muss Sie enttäuschen: Ihre Haupsorgen drehen sich immer noch ums überleben…

      • Hitz sagt:

        …ob sie sich dessen bewusst sind oder halt eben nicht. Aber genau aus diesem Grund gehen Sie arbeiten und regelmässig einkaufen. Der Umstand, dass diese Sorgen bei uns heute in der Regel schnell beruhigt sind, ändert nichts daran, dass dies dem Menschen immer gleich bleiben wird.

        Und dies noch: Der Vorurteils-Vorwurf als argumentativer moralischer Passepartout wirkt leicht hilflos und auch sehr illusorisch. Glauben Sie, keine Vorurteile zu haben oder bzw. ohne solche durchs Leben gehen zu können?

  • Susi sagt:

    Solche Geschichten sind doch ein wenig das, was Horrorfilme für Erwachsene sind. Mein Mann und ich lieben jegliche Art von Horror, sich so richtig gruseln in der sicheren Stube hat für gewisse Leute halt einen Reiz. Und genauso mögen einige Kinder die Stellen im Märchen, wo sich das Mädchen das Fingerlein abschneidet, um es als Schlüsselchen zu benutzen, besonders gern.
    Schaden wird’s wohl kaum, den Kindern sowas zu erzählen, vor allem weil bei den meisten Grimm-Märchen die Welt am Schluss wieder in Ordnung ist. (Andersen hingegen erzähle ich aber nicht, die enden immer so fürchterlich…)

    • Susi sagt:

      Die Frage jedoch bleibt, ob man sowas trotzdem erzählen möchte, auch wenn es längerfristig nicht schadet, kurzfristigen ängstigen tut’s ja schon.

      Und die Geschichte vom Negerli ist nochmal ein anderes Kapitel. Ich hab als Kind auch „Schorsch Gaggo reist nach Afrika“ geliebt. Der Löwe kann sich darin sprachlich besser ausdrücken als der Negerhäuptlng. Krambamboli („Bumbum, wababum“). Unvorstellbar, sowas heute den Kindern zu servieren.

    • Sportpapi sagt:

      Hm, ich finde ja die Kasperli-Hörspiele äusserst spannend, weil ein Zürich-Deutsch verwendet wird, inklusive vieler Schimpfworte, das längst Geschichte ist. Spannend. Die Kinder scheinen das gar nicht zu bemerken.

  • Sina sagt:

    1) Mann bin ich froh, in einer Zeit aufgewachsen zu sein,wo man sich noch nicht bei jedem wort überlegen musste, was falsches, rassistisches, böses oder was auch immer zu sagen. Ich in schon länger der Meinung, dass man alles übetreiben kann und dies leider auch viele (vorallem überkorrekte Eltern) auch sehr gerne tun. Aber ist es denn besser, die Kinder in einer scheinbar so überkorrekten, heilen Welt aufwachen zu lassen, damit sie danach mit 10 oder 12 Jahren völlig geschockt von der Schule heimkommen und die Welt nicht mehr verstehen? Denkt man nurmal an die Märchen zbsp. Grimm, oder…

    • Sina sagt:

      2) Wilhelm Busch, oder auch an die so geliebten Kasperlitheater oder Pipi Langstrumpf… ich bin froh, durfte ich das noch ungefiltert zu hören kriegen… hauptsache für mich sind bei diesen Geschichten, dass es ein „Happy End“ gibt, oder etwas Lehrreiches am Schluss kommt. und ganz ehrlich, auch wenn „negerlein“ oder ähnliches heute anscheinend nicht mehr erlaubt sind, werde ich meinen Kindern diese Geschichten genau gleich erzählen. Man sollte/kann ja den Kindern nach dem Erzählen auch beibringen, dass man das nicht sagt und dass das nur eine Geschichte ist, oder nicht? ich hoffe schon!

      • tststs sagt:

        Bis auf den letzten Punkt bin ich mit Ihnen einverstanden. Aber Sie sollten „verbotene“ Begriffe weglassen; alles andere führt (resp. kann) zu Überforderung: Ein Kind kann nicht versteheh, dass ein Begriff nicht erlaubt ist, wenn er eben gerade vorher verwendet wird…
        „Aber ist es denn besser, die Kinder in einer scheinbar so überkorrekten, heilen Welt aufwachen zu lassen“ Ich weiss, ich bin auf weiter Flur alleine, aber jajaja! Versuchen Sie die heile Welt solange wie möglich aufrecht zu erhalten, sorgen sie für eine möglichst sorglose Kindheit… es wird noch früh genug konfrontiert…

      • plop sagt:

        Ja tsts, jajaja! Sie sind nicht ganz allein – ich versuch das auch. Nun habe ich bis jetzt leider noch keine wirklich guten Kinderbuchautore (Vorlesebücher) aus dem „Jetzt“ gefunden – verglichen mit Ottfried Preussel, Michael Ende und den Grimms (etc) scheinen mir viele neue Bücher zu arm an Bildern. So lassen wir halt kritisches weg, bei der Pippi war das allerlei zum umformulieren…

      • Muttis Liebling sagt:

        @Sina, ‚dass das nur eine Geschichte ist‘ verstehen die Kinder meist von selbst. Die haben noch genug Fantasie, zwischen der Realität und Geschichten zu unterscheiden. Den überkorrekten Eltern ist diese Fähigkeit abhanden gekommen.
        Das setzt sich in heutigen Geschichten für Erwachsene fort, alles wird aus der Sicht von hier und heute gewertet, egal, ob es anderen Ortes oder in der Vergangenheit passiert(e).
        Die Gebrüder Grimm haben die Märchen auf das Niveau ihrer Zeit verharmlost. Heute reicht das nicht mehr, obwohl Kinder das verarbeiten könnten. So lernen es sie Verarbeiten gar nicht erst.

  • Markus Notter sagt:

    Die Kinder vor dem ‚bösen fremden Mann‘ zu warnen ist nicht wirklich nötig, das Risiko, dass ein Kind während seiner Schulzeit jemals auf einen solchen Typen trifft ist verschwindend klein. Die möglichen Konsequenzen, wenn ein solcher ‚böser fremder Mann‘ dann doch auf das Kind treffen würde sind natürlich dramatisch. Aber glaubt wirklich jemand, dass ein 5jähriges Kind einem erwachsenen Mann entkommen könnte, nur weil man ihm/ihr ein paar Tipps gegeben hat?
    Ich warne meine Kinder eher vor der ‚gestressten Frau‘ im SUV, dieses Risiko ist auf dem Schulweg viel grösser…

  • sibylle sagt:

    ich (50) kann mich an beide Geschichten sehr gut erinnern. Beim „gföhrliche Heiweg“erinnere ich mich, dass meine Eltern die Geschichte doof fanden, eine Bekannte hatte sie uns erzählt. Sie fanden, echte Bedrohungen gingen erher von bekannten Menschen aus. Das“ dumme Negerli“ habe ich geliebt. Ich kann mich heute noch an die Stimme von Trudi Gerster erinnern, sie hat mich schlicht fasziniert und die dummen Dinge, die dem Buben passieren waren für mich tröstlich. „Negerli“ stand als Name, es hätte auch „dumme Peterli“ heissen können…..Kinder empfinden Geschichten anders als Erwachsene vermuten

  • Manni Mann sagt:

    Sie wären als Kind nicht traumatisiert gewesen. Kinder sind erstaunlich robust. Ob Grimms kannibalische Hexe oder der böse Mann… nach dem ersten Schreck, wird es einfach so hingenommen und ganz normal weitergelebt.

    Ansonsten ist es schon erstaunlich, wie sehr wir uns verändert haben. Mir fiel auf wie der Michel aus Lönneberga stets „böse“ geschumpfen wird, obwohl er doch nur erfinderisch ist.

    Belustigt schockiert war ich, als die Kinder aus der Schulbibliothek „Tim im Kongo“ mit nach Hause brachten. Rassistischer geht es kaum noch. Aber die Kinder haben das nicht gemerkt….

  • Muttis Liebling sagt:

    ‚Sind also wir modernen Eltern (denn mein Mann hat genau gleich reagiert) überempfindlich…?‘
    Ja, die sog. modernen, ich würde lieber sagen, neumodischen Menschen haben sich in ein idealisiertes, übernormalisiertes Schneckenhausien zurückgezogen.
    Wie schon erwähnt werden spätere Generationen noch viel mehr entsetzt sein, wenn sie mit der Unterhaltungskost, allgemein der Medienkompetenz der FB- Generation konfrontiert werden. Ich wette 1.1000, dass fast alle Serien, welche heute die Klatschspalten und die gesprächsähnliche Kommunikation füllen, auf dem Index landen. Als menschenverblödend.

  • pablo sagt:

    Macht doch nicht immer so ein „gschiss“ – Der respekt gegenueber anderen menschen laesst sich nicht durch den ersatz von worten sondern nur durch beispiel und vorleben vermitteln.Und leider ist der böse onkel seltener auf der strasse, sondern vielmehr der „gute onkel“ im eigenen haus zu suchen.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Meiner Meinung nach beginnt der Respekt mit den richtig gewählten Worten, doch.

      • semmelweiss sagt:

        @pablo: Richtig, der „Böse Mann“ ist oft die Mutter oder andere Verwandte oder „Freunde“ – jedenfalls nicht zwingend ein Mann.

      • tststs sagt:

        Nur ist das moralisch-ethische Konstrukt „Respekt“ nicht gerade kindergerecht! (Klein)Kinder verhalten sich deshalb anständig, weil sie Sanktionen fürchten. (Also natürlich kann man dem Kind sagen: „Aus Respekt darfst Du nicht mit dem Finger auf andere Leute zeigen“ und es nimmt das Verbot war; aber unter dem abstrakten Begriff „Respekt“ kann es sich noch nicht viel vorstellen…

    • Teeniemutter sagt:

      Frau Kuster, Sie haben recht: richtig gewählte Worte sind der Anfang, allerdings aber wirklich auch nicht mehr, die restilichen 90% sind Vorleben. Mit den richtigen Worten allein machen wir uns es leider zu einfach.

  • Charles sagt:

    Sie fragen, ob Sie überempfindlich seien. Ja, das sind Sie. Und übrigens, ein Afrikaner ist nicht zwingend ein „Neger“, und Letzterer ist nicht zwingend ein Afrikaner. Wenn Ihr Kinder diese Geschichten nicht überleben, sind sie eben nicht lebenstauglich. Es ist Ihre Aufgabe als Eltern, Ihren Kindern Geschichten und Erlebnisse zu erklären. Verschweigen bringt keine Vorteile.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Es geht doch nicht ums Verschweigen. Ich erzähle meinen Kindern seit Jahren das Buch «Max geht nicht mit Fremden mit», dort wird der «böse Mann» auch thematisiert, aber eben auf eine (wie ich finde) kindgerechtere Weise. Meine Kinder haben auf jeden Fall keine Alpträume deswegen.
      Übrigens: In der Neufassung der Geschichte wurde das Negerli zum Afrikanerli. Deshalb rede ich von Afrikaner.

      • semmelweiss sagt:

        „Der böse Mann“ ist ein Klischee, es ist genauso oft die „böse Frau“. Erzählen Sie dies Ihren Kindern auch? Hier an meinem Wohnort wurde vor Jahren ein Kind am hellichten Tag vom Spielplatz entführt und ermordet, von einer Frau und ihren Helfern. Weltanschauung schützt vor Realität nicht!

      • Jeanette Kuster sagt:

        „Der böse Mann“ in „“, weil es eben nur eine Bezeichnung ist. Natürlich kann das auch eine Frau oder sogar ein älteres Kind / Jugendlicher sein.
        Dennoch: Dass es genauso oft „die böse Frau“ ist, bezweifle ich.

  • fabian sagt:

    naja.
    heute ists nicht mehr der böse mann auf dem heimweg.
    die kinder werden ja mit dem helikopter zur schule gebracht.
    aber vor dem pädophiIen mann warnt man auch heute noch die kinder und die geselIschaft.

  • René Nidegger sagt:

    Die nächste Generation wird sich die heutigen Fernsehsendungen anschauen und mit offenem Mund nicht verstehen, wie wir so etwas gut finden konnten.

  • Gerold Luginbühl sagt:

    Himmel, es ist doch ein Unterschied, ob in einer Geschichte der Bub von seiner Mutter dumm geschimpft wird oder ob man seine Kinder als dumm beschimpft. Geschichten und Dramen sollen eine katarsische (meinetwegen heute: aufklärerische) Wirkung haben. Darum sind sogenannte pädagogische Geschichten wie die vom Heimweg ziemlich ätzend und unnütz, während die vom Negerli Kinder vermutlich anspricht, weil es einfach eine gute Geschichte ist. So funktioniert Literatur. Rassistisch ist die Geschichte übrigens nicht. Der Junge ist ja nicht dumm, und schon gar nicht, weil er Afrikaner ist.

    • Rüdiger sagt:

      Nur der Begriff Negerli ist rassistisch. Aber das wollten sie sicher noch schreiben nicht?

      • Gerold Luginbühl sagt:

        @Rüdiger: Naja, der Platz zum Schreiben… Aber „Negerli“ ist an sich tatsächlich nicht rassistisch, er bezieht sich ausschliesslich auf die Hautfarbe, hier eines Knaben. Vor 50 Jahren benutzte man diesen Begriff wie selbstverständlich. Aber da überhaupt die Einstellung der Europäer zu Menschen aus dem schwarzen Kontinent mehr oder weniger konsequent rassistisch war, verbindet man heute die damalige Menschensicht mit dem Begriff „Neger“ und empfindet ihn daher als unangebracht. Hoffen wir, dass nicht nur die Begriffe wechseln, sondern tatsächlich auch die Einstellung!

      • tststs sagt:

        „Aber “Negerli” ist an sich tatsächlich nicht rassistisch, er bezieht sich ausschliesslich auf die Hautfarbe“ Humbug… würde es sich auf die Hautfarbe beziehen, wäre es bei uns immer noch das „Schwarzerli“…

  • Mutter sagt:

    Letzte Nacht hatte mein 3jähriger Sohn einen Albtraum, weil er ein Memory gespielt hat, auf dem der Chindlifrässerbrunnen abgebildet war… er hat von Monstern geträumt, die ihn aufessen…
    …eigentlich bedenklich, dass so eine Brunnenfigur immer noch mitten in unserer Hauptstadt steht…

    • karin frech sagt:

      o.m.G.

    • Anastasia sagt:

      @Mutter; Das meinen sie jetzt aber nicht ernsthaft mit dem Brunnen? Ich hoffe doch schwer, dass das ironisch gemeint war.

    • plop sagt:

      Hey! Ich hatte als Kind auch furchtbare Angst vor dem Memory, war wohl dieselbe Ausgabe – der Kindlifresserbrunnen, der Böögg und noch andere Bilder, ich mochte das gar nicht… Den brunnen muss ich mir mal wieder anschauen.

  • Dieter Schmid sagt:

    Hoffentlich sind nicht alle Eltern so empfindlich wie Jeanette Kuster. Sie schreibt so, wie wenn heute alles besser wäre als früher. Einerseits müssten gemäss ihrer Zensur auch viele Grimm-Märchen verboten werden. Anderseits gab es noch kaum eine gewalttätigere junge Generation als die heutige, gefördert durch Fernsehen, Internet und Videospiele.

    • René Engesser sagt:

      Genau Herr Schmid. Geb ich Ihnen total recht !!
      Heute sehen sich die Kids lieber Pornos auf dem Handy an…oder schlagen als Jugendliche irgendeinen Passanten nieder,
      Da kann so ein Märchen schon verstörend wirken…

      Liebe Eltern : sucht doch nicht in jeder Ecke nach irgendwelchen Verfehlungen…

    • Tinka sagt:

      Die Brüder Grimm haben ja bereits zensuriert… andere Volksmärchen sind weitaus blutiger und brutaler. Und was ist mit Struwwelpeter?
      Oder dem armen Michel von Astrid Lindgren, der auch immer nur das Beste will und am Ende im Schuppen eingesperrt schnitzen muss?
      Nein, zu viele Gedanken sollte man sich nicht machen. Zumal ein Unterschied besteht, ob es sich um erzählte Geschichten oder gesehene Bilder (z.B. im Fernsehen) handelt.

    • Sehr geehrte Herren Schmid und Engesser

      Die Mär von der verzogenen Jugend wird nicht wahrer, je öfter man sie erzählt. Die Generation Ihrer Eltern hat sich bereits über die Jugendlichen echauffiert und die Generation Ihrer Grosseltern über diejenige Ihrer Eltern, usw. Es geht in dem Artikel aber auch nicht um Jugendliche, sondern um Kinder.

      Was die Kritik an den neueren Medien TV, Internet, Videospiele (Die Liste lässt sich beliebig erweitern.) betrifft, so gibt es dafür m.W.n. keinerlei Beweise. Medien sind fast immer Spiegelbilder der Realität, und wir Erwachsenen sind Teil eben dieser.

      • Lächerlich ihre Argumentation. Wie es aussieht, haben Sie keine Kinder. Ein Spiegelbild der Realität!
        Das die Kinder Orientierungslos in einem Stadium der Unmacht befinden ist offensichtlich. Wir die Erwachsenen oder Eltern scheuen uns, richtige Vorbilder mit rundungen und Kanten zu sein, da wir vor allem und jedem Angst haben. Mann kann ja etwas falsch machen. Die Vorbilder in den Medien sind alle gemiemt. Alles nur show, welches die Kinder noch nicht verstehen können. Von was für Wertvorstellungen sprechen wir dann noch. Die alten Geschichten haben sich bewährt.

      • Herr Nikolaic, Sie verstehen meine Aussage nicht. Ich spreche nicht von einem perfekten Abbild. Es geht darum, dass alles was in den Medien gezeigt wird für ein entsprechendes Zielpublikum angefertigt ist. Das gezeigte ist also nicht Spiegelbild der Zielgruppe, sondern von deren Erwartungen.
        Weiter gibt es natürlich auch Dinge, welche nicht gemiemt sind. Oder glauben Sie die Tagesschau sei „alles nur Show“?
        Abgesehen davon bin ich mit dem zweiten Teil Ihres Kommentars einverstanden. Ich kann mir aber vorstellen, dass Sie den Begriff „Vorbild“ anders definiere als ich.

  • Ueli Burkhard sagt:

    Wie ist es mit dem Märchen „Tischlein deck Dich“? Da meckert der Vater auch immer an den Söhnen rum, glaubt lieber seiner Ziege („ich bin so satt und mag kein Blatt“), verstösst die Söhne gar. Am Ende sieht er aber seinen Irrtum ein.

    Die Geschichte „vom dumme Negerli“ kenn ich nicht. Kann es sein, dass auch in dieser Geschichte die Mutter schliesslich eines besseren belehrt wird? Ich glaube, jedes Kind macht mal die Erfahrung, dass es nur das beste will und es kommt trotzdem schief raus. Wenn am Ende der Geschichte dann aber doch alles gut ist, kann das auch erlösend wirken.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Ja Ueli Burkhard, die Geschichte endet tatsächlich positiv. (Oben im Text finden Sie übrigens einen Link zu einer «Wumbo, Wumbo»-Aufnahme auf Youtube.) Sie haben vermutlich recht mit Ihrer Bemerkung. Nach meinem Empfinden müsste die Geschichte dennoch ohne diese ewigen Beschimpfungen erzählt werden (und das würde sie heute sicher auch), der erlösenden Wirkung zum Schluss würde das ja keinen Abbruch tun.

  • Lichtblau sagt:

    Ein wahrhaft schauerliches Märchen ist „Die roten Schuhe“ von Andersen. Hauptperson ist ein Mädchen, dem für seine Tanzlust die Füsse vom Scharfrichter abgehackt werden. Andersens Märchen liebte ich genau so lange, bis ich selbst ein Kind hatte. Als ich sie dann vorlesen wollte, schienen sie mir klar zu makaber.

  • Hanna sagt:

    Wir hatten eine ganze Reihe von Büchern mit Kurzgeschichten, in denen Kinder schlimme Sachen passieren. Zum Beispiel Kinder, die nicht auf ihre Eltern hören, den Campingkocher selbst benutzen und das eine Kind dann so schwere Verbrennungen hat, dass es Hauttransplantationen braucht. An die anderen Geschichten kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an ein Bilderbuch mit dem bösen Mann. „Geh nie mit einem Fremden mit“ hiess es. Wo ein Mädchen ebendies tut und zum Glück ihr Sandkastenfreund den Eltern Bescheid sagt. Sehr Angst hatte ich danach eigentlich nicht. Ist wohl vom Kind abhängig.

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