Die grosse Kindergarten-Krise

Mamablog

«So, lass uns jetzt wieder nach Hause gehen»: Nicht selten haben Kinder in den ersten Wochen auch mal genug vom Kindergarten. Foto: Keystone

Der Tag hatte richtig gut begonnen: Alle waren einigermassen zügig abmarschbereit, mein Mann war gerade mit dem Kleinen in die Kita geradelt und ich wartete mit meiner Grossen auf die Nachbarsmädchen. Da legte meine Tochter ihre Tasche und den Chindsgibändel plötzlich in die Ecke und verkroch sich mit den Worten «Ich gehe heute nicht in den Kindergarten!» ins Bett.

Die erste Kindergartenwoche war absolut problemlos verlaufen, sie rannte jeden Morgen begeistert los und schien sich schon am zweiten Tag zu Hause zu fühlen in der neuen Umgebung. Und dann plötzlich dieser Sinneswandel.

Ich war völlig überrumpelt. Wenn Probleme auftauchen würden, so dachte ich, dann an den ersten zwei, drei Tagen. Aber doch nicht erst eine Woche später? Ich fragte sie nach den Gründen, ob etwas vorgefallen sei, von dem ich nichts wusste. Doch das einzige Problem schien zu sein, dass es ihr schlicht zu viel Kindergarten geworden war. «Ich will einfach wieder einmal zu Hause sein», sagte sie, «wieder einmal etwas mit dir machen und nicht immer in den Kindergarten gehen.»

Nach einem längeren Gespräch brachte ich sie schliesslich aus dem Bett und wir gingen gemeinsam los. Alles war gut, bis wir vor der Kindergarten-Tür standen und sie in Tränen ausbrach. Ich tröstete sie, so gut ich konnte, und gab ihr zum Abschied meinen kleinen Schutzengel in die Hand, damit sie mich den Tag hindurch ein Stück weit bei sich haben und sich beschützt fühlen würde. Dann musste ich sie schluchzend zurücklassen und es zerriss mir fast das Herz.

Ich fühlte mich machtlos, der Situation völlig ausgeliefert, als ich ihr den Rücken zukehrte und davonlief. Weil ich keine andere Möglichkeit hatte, als meine Tochter gegen ihren Willen dorthin zu bringen und sie traurig zurückzulassen. Und ich konnte sie nicht einmal damit trösten, dass sie dafür morgen zu Hause bleiben dürfe. Ob sie will oder nicht, sie muss am nächsten Tag wieder hingehen.

Völlig verspätet auf dem Weg zur Arbeit, schüttete ich meinen Freundinnen via Whatsapp mein Herz aus. Und ich war überrascht zu hören, dass solche Kindergarten-Krisen ein paar Wochen nach dem Start gar nicht so selten sind. Eine Mama erzählte mir, ihr Junge sei zuerst zwei Wochen lang strahlend aus dem Haus gegangen. Jetzt, in der dritten Woche, habe er plötzlich enorm Mühe. Eine andere hatte gestern fast genau das Gleiche erlebt wie ich, und bei der dritten gab es zwar keine aktive Chindsgi-Verweigerung, dafür lagen beide Kinder eine Woche nach Schulbeginn krank im Bett.

Es scheint, dass ganz vielen Kindern der neue Alltag erst nach ein, zwei Wochen so richtig bewusst wird und sie erst dann realisieren, dass sie nun jede Woche Montag bis Freitag das heimische Nest verlassen müssen. Vielleicht setzt auch plötzlich die grosse Erschöpfung ein, nachdem die erste Aufregung verflogen ist.

Die Kindergartenlehrerin sagte mir heute Morgen (als Erklärung und wohl auch zum Trost), dass die Kleinen in der Regel etwa sechs Wochen bräuchten, bis sie sich wirklich an den neuen Lebensabschnitt gewöhnt haben. Gut möglich also, dass wir bis zu den Herbstferien noch ein paar Mal mit solchen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen haben werden.

Deshalb bin ich heute besonders gespannt auf Ihre Kommentare: Haben Sie spezielle Tipps auf Lager, um solche emotionalen Durchhänger aufzufangen? Und wie geht es Ihrem Kind zwei, drei Wochen nach Schulbeginn? Hat es heute auch mehr Mühe als am ersten Tag?