Die Auferstehung des Osterhasen

MAMABLOG

Für Kinder ist es in Ordnung, wenn sie erfahren, dass es den Osterhasen nicht gibt: Sie geniessen das Fest sowieso. Foto: Dominic Favre (Keystone)

Glauben Sie an den Osterhasen? Mal ganz, ganz, ganz ehrlich? Gar nicht so einfach, oder? Sicher, der Osterhase ist erfunden – für Tradition, Religion und für die Kinder. Eine nette Sache. Und sooo flauschig. So weit sind wir uns einig.

Aber Hand aufs Herz: Irgendwie ist er noch da, dieser Glaube, dass da ein Hase kommt und Zuckerbomben und Eier im Garten versteckt. Oder in der Abwaschmaschine oder im Wäschekorb. Zumindest bei mir. Und sei es nur, weil ich Spass daran habe.

Spätestens als Eltern kommen ja selbst die Bodenständigeren zurück zum Osterhasen und zum Christkind. Die einen aus Pflichtgefühl, die anderen aus Nostalgie und Leidenschaft. Ich gehöre definitiv zu Letzteren und finde, es gibt nicht viel Schöneres, als mit Kindern gemeinsam Pläne auszuhecken, Eier zu bemalen und den Osterhasen zu überlisten.

Dazu legen wir ihm immer eine Karotte, die mein Mann nachts heimlich anknabbert – und zwar möglichst nur mit der einen Ecke des Vorderzahns. Es soll echt wirken. Wir stäuben einen dünnen Film aus Mehl um die Karotten herum, damit man die Spuren des Hasen sehen kann. Dazu stippt mein Mann mit den Fingern und der Handkante Hasenspuren ins Mehl, bevor wir die Nestchen verstecken. Ich liebe den Moment, wenn wir dann am Ostersonntagmorgen gemeinsam dieses kleine Kunstwerk bestaunen.

Ich stehe also dazu: Wir betrügen unsere Kinder mit System. Als sie kleiner waren, haben wir das noch bar jeden schlechten Gewissens getan. Mit Beginn der Schule, dem Zeitalter der Aufklärung quasi, haben wir an Weihnachten und Ostern auf die grosse Entzauberung gewartet. Darauf, dass die Kinder wissen wollen, ob es das Christkind und den Osterhasen überhaupt gibt.

Wohl war uns dabei nicht. Sollten wir ihnen einfach sagen: «Sorry, ihr Lieben, wir haben das alles nur behauptet, um euch damit eine Freude zu machen, und weil wir selbst so grosse Kindsköpfe sind? Und überhaupt tun es ja alle…» Und was dann? Würden sie uns je wieder ein Wort glauben?

Ein wenig haben sich unsere Befürchtungen bewahrheitet – doch das währte nur kurz. Die Kinder haben gefragt und wir haben geantwortet. Wir haben ihnen zu erklären versucht, was wir selbst nicht erfassen: dass es vieles gibt, was wir nicht wissen. Und dass dieses Viele nicht sichtbar ist und auch nicht in Worten Platz hat, weil es dafür schlicht zu gross ist.

Aus diesem Grund müssten wir Eltern manchmal ein wenig nachhelfen und aus einer abstrakten Idee ein Geschöpf machen, das wir verstehen können. So wird aus einer Feier des Unfassbaren, sei dies Gott, Jahwe, Allah oder einfach die Natur, etwas Fassbares und Liebenswertes, auf das sich alle feierlich freuen.

Die Kinder blieben skeptisch. So was kann jeder behaupten, um die eigenen Flunkereien schönzureden. Sie mussten sich das Ganze erst mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, während wir den Ball flach hielten und abwarteten, wie es weitergehen würde.

Sie entschieden sich relativ rasch. Ohne grosse Worte darüber zu verlieren und ohne unsere Glaubwürdigkeit ganz infrage zu stellen – zumindest nicht wegen des Osterhasen. Sie gaben uns zu verstehen, dass wir einfach alles so weitermachen sollten, wie bis anhin. Mehl, Fussspuren, Karottenknabbern, Nestchen verstecken. Und wehe mir, wenn ich mal erwähnen will, dass wir das waren. So was tut man nicht. Mit Familientraditionen ist nicht zu spassen.

«Same procedure as every year» eben.

Und wie ist es bei Ihnen?

28 Kommentare zu «Die Auferstehung des Osterhasen»

  • Katharina sagt:

    Ogtern ist kein Quantensprung.
    Auch nicht im Buchstabensalat.

    Letzterer ist gesünder, wenn er mit viel rationaler Skeptik gewürzt ist.

    Denn ohne diese soll die Gehirnaktivität sich vermindern, und mit dieser die kindlich begeisterten Fragen des Entdeckens sich mehren.

    • Muttis Liebling sagt:

      Gerade in der Kindheit ist reflektiertes Sein näher der Schizophrenie, denn der stumpfsinnigen Normalität. Dies zu fördern, wurden einst Märchen und die Religionsgeschichten erfunden, untrennbar mit dem Reifen des Gehirns verbunden.
      Kein Aufwachsen ohne Osterhase und Christkind! Nicht in der christlichen Welt, auch wenn man Atheist ist.

    • Katharina sagt:

      ML, meinst Du, die stumpfsinnige Normalität zu fördern sei Sinn von Märchen und Relgionsgeschichten gewesen?

      Ich denke, viele dieser Geschichten und Allegorien entstanden organisch, gerade der Orient hat ja eine grosse Tradition der Geschichtenerzähler, abends, auf dem Dorfplatz oder dem Nachtruheplatz der Karawanen, wo Geschichten und Fabeln ihrer Reisen zu einer grossartigen Erzählkunst verdichtet wurden. Kunst, also ohne direkten Zweck und Sinn.

      • Katharina sagt:

        2: Ich lebe nicht in der christlichen Welt, sondern in einer vielfältigen, die vorwärts schauen muss. In dieser besteht die Hoffnung auf eine Gemeinschaft, die aus vielen Wurzeln entstanden ist. Und ich möchte meinen Kindern die Freiheit lassen, selber zu entscheiden, wie und mit welchen ihrer Wurzeln sie sich identifizieren wollen. Also nehme ich ihnen diese Entscheidung nicht vorweg ab, sondern lasse sie selber sich in diese Entscheidung hineinwachsen. Ich bin nur die Gärtnerin des frühen Abschnitts ihres Lebensweges.

  • Hexe sagt:

    Allein schon, Kindern solche Märchen aufzutischen, müsste verboten werden. Sagen wir unseren Kindern doch die Wahrheit: Dass wir an Ostern das Wiederkommen des Lichtes, die länger werdenden Tage, das Wiedererblühen unserer Felder etc. feiern. Sie würden das verstehen. Stattdessen verkaufen wir sie für dumm. Genauso verhält es sich mit Weihnachten und anderen, noch gefährlicheren Lügen.

    • Hermann sagt:

      Das sind keine gefährlichen Lügen, sondern fantasievolle Geschichten, an denen sich die Kinder freuen, besonders dann, wenn sie noch Geschenke oder Suessigkeiten bekommen. Ich fragte meinen Erstklässler, ob er es falsch finde, wenn Eltern den Kindern erzählen, dass der Osterhase existiere, wenn sie genau wissen, dass das nicht stimmt. Seine Antwort: Das hängt davon ab, wie gross nachher der Schokoladenhase ist….

      • Nala sagt:

        Hermann: Also die Erstklässler bereits zu guten Konsumenten erzogen. Je grösser der Hase, desto grösser darf die Lüge sein.

        Ich sehe es wie Hexe. Wozu Märchen auftischen? Bei uns gabs nie einen Samichlaus, von Anfang an erklärte ich meinen Kindern, dass es früher mal einen Nikolaus gab, der armen Kindern Aepfel und Nüsse (!!) brachte und man das heute noch feiert und nachspielt und den Kindern darum Samichlaussäcke bringt. Weihnachten dasselbe – die Christen feiern die Geburt Jesus und darum kriegen die Kinder Geschenke (unsere Kinder bekamen übrigens keine Weihnachtsgeschenke).

      • Hermann sagt:

        Nala: Meine Kinder glauben schon lange nicht mehr an Samichlaus und Osterhasen. Was mein Erstklässler sagte war; Je mehr Schokolade, desto mehr Stumpfsinn kann ich vorgeben zu glauben. Unschweizerisch, ich weiss.

  • fan sagt:

    Ich habe gehört, dass an gewissen Orten der Osterhase mitsamt seinen Kindern die Nester versteckt und die Kinder dann jeweils noch etwas mit den Spielsachen spielen…. bei uns ist das jetzt auch so.

  • Anna sagt:

    Ich finde es seltsam, wie Dinge durcheinander gebracht werden. Der (christliche) Glaube an Gott hat rein gar nichts mit dem Hasen oder sonstigen Gestalten zu tun, und das Christkind, wortwörtlich, bezieht sich auf Jesus und nicht auf den Weihnachtsmann. Aber als Atheist ist man warscheinlich erfreut, mit dem Weihnachtsmann/Osterhase gleich jeden möglichen Glauben an Gott in den Köpfen der Kinder zu vernichten. Eier suchen ist ein Brauch den ich so in anderen Teilen Europas nicht kennengelernt habe, man könnte einfach dazu stehen und nicht noch das Wort „religios“ im gleichen Kontext schreibe

  • Stylewatch sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag, der zeigt, wie schön solche Familienbräuche / Rituale sind. Schon meine Eltern haben solche Rituale eingeführt, wir haben sie übernommen und nun ist bereits die dritte Generation daran und will diese weiterpflegen. Alle haben reichlich Spass daran, und wehe, wenn es nicht genau so gemacht wird, wie früher der Papa etc.

  • Jeanne sagt:

    Meine Mutterwar noch im hohen Alter gerührt, wie ihre Mutter im Bauernhaus das Christkind inszenierte, die Kinder in der Kammer über dem Kachelofen, ein weisses Nachthemd, eine verlorene goldene Locke, Aufregung pur, der Baum mit Nüssen und Äpfeln…. An Ostern die versteckten Eier, gefärbt mit Zwiebeln und Kräutern. Liebevolle, wunderbare Erinnerungen, die sie auch ihren Kindern schenkte und ich heute meinen.

  • Pedro sagt:

    Bei uns in der Kindheit wurde der Samichlaus missbraucht, um einzuschüchtern und Angst zu machen. An den Osterhasen haben wir nie geglaubt, obwohl das für mich der schönste traditionelle Brauch ist, auch weil da Frühling ist. Und das Osterfest jeweils etwas Fröhliches, optimstisches hat bei uns. Dagegen sind die Heiligen-Darstellungen auf Gemälden und an Kirchenwänden immer deprimierend, alle Mensch dort gucken leidend, trauernd, ehrfürchtig oder grimmig. Ich hab noch nie eine lächelnde Person (ok, vielleicht Maria) auf einem Gemälde gesichtet. Mich muss man schon in eine Kirche schiessen!

  • Roli sagt:

    Wir Erwachsene betreiben alles mit viel zu viel Ideologie. Egal um welchen Brauch es geht.
    Kinder glauben was sie möchten oder das was ihnen mit aller Macht in den Kopf gewaschen wird.

    Wenn ich als aktiver Chlaus jeweils die leuchtenden Augen der Kinder sehe und mit wie viel Freude und Aufwand zum Teil lange Gedichte gelernt werden kann ich nur sage, last Kinder Kinder sein wenn sie erwachsen werden können und werden sie sich ihre eigene Meinung bilden.

    • Carolina sagt:

      Stimmt, finde ich auch. Kinder hinterfragen tatsächlich nicht, ob der Samichlaus oder der Osterhase ein logisches ‚Konstrukt‘ ist – und wenn sie damit anfangen, ist auch der Glaube bald dahin. Meine Kinder sind mit einer wilden Mischung aus Weihnachts-/Chanukka-/Osterbräuchen aufgewachsen und haben es geliebt. Der Uebergang zum Nicht-mehr-glauben war immer fliessend und wir alle können nicht mehr sagen, wann das war. Ein paar Traditionen haben sie, glauben wir heute, aufrechterhalten, um die geliebten Grosseltern nicht vor den Kopf zu stossen und der kleine, auch langsam ungläubige Bruder,

      • Carolina sagt:

        /2 wird weiter beglückt. Für mich wird es auch dann stimmen, wenn diese Feste und die damit in jeder Familie anderen verbundenen Traditionen langsam zu Familientreffen mutieren, damit man zusammen ist.

        Und Roli: schön geschrieben! Wir veranstalten jedes Jahr am Samichlaustag ein Grillfest (!) im angrenzenden Wald, wo sich die ganze Strasse trifft und für die Kleinen der Samichlaus kommt. Es ist jedes Jahr eine Freude, das Glück zu sehen, das von diesem Anlass ausgeht.

  • Hermann sagt:

    Natürlich glauben meine Kinder an den Osterhasen und das Christkind. Der Osterhase ist aus Schoggi, ein Pfund schwer und schaut vom Kühlschrank herab. Er hat keine Ohren mehr, denn diese wurden letze Nacht geklaut. Und an Weihnachten ging das so: Meine Frau und ich hatten am Heiligabend zu viel Weihn getrunken und vergassen, die Geschenke unter den Christbaum zu legen. Am Weihnachtsmorgen weckte mich dann mein Erstklässer früh auf und gab mir einen Zettel. Darauf hatte er geschrieben „FU Daddy“, weil er keine Geschenke fand…

  • Maria Felder sagt:

    Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals nicht gewusst zu haben, dass meine Eltern Osterhase, Christkind und Zahnfee sind. Dass sie diese Figuren spielen, war mir klar. Das hat nichts daran geändert, dass ich Weihnachten und Ostern gemocht habe. In meiner Vorstellung habe ich zwar meinen Vater gesehen, wie er die Osternester versteckt – aber ich war jahrelang der Überzeugung, er trage dabei ein Hasenkostüm und hopple durch die Wohnung. Kinder können meiner Meinung nach ruhig aufgeklärt werden, ohne dass ihnen etwas entgeht. Sie mystifizieren ihre Welt auch ganz alleine.

    • tina sagt:

      genau so sehe ich das auch. lustig, die vorstellung vom vater im hasenkostüm 🙂

    • 13 sagt:

      Dem kann ich mich nur anschliessen. Das Christkind gibt es bei uns nicht, gab es auch nie. Den Samichlous, den Osterhasen und die Zahnfee schon. Ich gehe mal davon aus, dass meine Tochter weiss, dass es das nicht gibt, gleich wie sie weiss, dass sie kein Pirat ist, nur weil sich laut schreiend mit einem Holzschwert bewaffnet von einem Sofa zum anderen hüpft. Dem Zauber und der Phantasie tut das keinen Abbruch.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Hier auch :)! Bei uns gabs das Christkind auch nicht, wir wussten jeweils dass die Mutter die Päckli unter den Baum legte und auch, von wem diese Geschenke alle sind (Grosis, Göttis, Gotten,…). An den Samichlous hingegen habe ich echt geglaubt und war total enttäuscht und traurig, nachdem mir meine Eltern damals mit ca. 8 die Wahrheit sagten. An den Osterhasen glauben meine Kinder, genau so wie noch an den Samichlous. Wie lange und wie fest sie daran glauben bzw. schon daran zweifeln, weiss ich aber nicht so genau ;). Es geht doch nichts über strahlende Kinderaugen beim Finden des Nestlis:)!

    • 13 sagt:

      Ich organisierte mal einen Waldspaziergang mit Samichlous suchen für die Kinder in der Nachbarschaft. Leider erkrankte der eigentlich bestellte Samichlous an dem Tag an Grippe. Meine Schwester sprang spontan ein. Sie trug Plateau-Stiefeln, hatte violette Haare, stark gezupfte Augenbrauen, lackierte lange Fingernägel und ein Lippenpiercing. Nachfragen kamen keine, alle (Kleinkinder wie Schulkinder) fanden sie den coolsten Samichlous überhaupt und hatten keine Probleme mit dem etwas speziellen Aussehen.

  • Naseweis sagt:

    ich denke die Kinder signalisieren uns das ganz genau; nämlich dann wenn sie anfangen ernsthafte Fragen zu stellenö. Vermutlich kommen die Fragen heute früher als noch vor Jahren, dies nämlich weil schon bald nach den Sommerferien in den Grossverteilern die Samichläusli auftauchen.
    Ich bin immer erleichtert das ich keine kleinen Kinder mehr mit zum Einkaufen mitnehmen muss und denen dann erklären soll weshalb wir im T-Shirt durch die Migros pilgern und dort schon Samichläusli und der erste Weihnachtsschmuck zu sehen ist.
    Ich finde es schön wenn Kindern noch an so harmlose dinge glauben!.

  • Muttis Liebling sagt:

    Kinder beginnen ab dem 3. LJ sich strategisch zu verhalten, was auch bedeutet, zwar unbewusst, aber systematisch die Unwahrheit zu sagen. So verstehen sie auch intuitiv Metapher und Rituale. Nur Erwachsene sind dafür manchmal zu verbildet, d.h. haben sich zu Strategieunfähigkeit verbiegen lassen.

  • Stephan Baumann sagt:

    Ich bin zum Glück ohne Christkind aufgewachsen, den Nikolaus habe ich nie gemocht, den Osterhasen haben wir selbst gespielt und uns gegenseitig Sachen versteckt. Meine Mutter hat immer wieder versucht, uns dazu zu bekommen, dass wir an religiöse Geister glauben, aber der Einfluss von meinem Vater war hier stärker.
    Dadurch, dass wir uns gegenseitig Sachen versteckt haben, war es ein Fest für die ganze Familie, das einzige Christenfest, welches ich bis heute mag und mit meinen Kindern auch weiter führe, auch wenn es bei uns überhaupt nichts mit dem heiligen Hasen zu tun hat.

    • Dani S. sagt:

      Der Hase ist auch nicht heilig, sondern heidnischen/keltischen Ursprungs. So wie die ganzen anderen, von der Kirche adaptierten, Bräuche/Feste (Kristbaum, Totentag …)

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