Die ersten drei Lebensjahre sind entscheidend

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Bindung ist das Wichtigste. Mutter mit ihrem elf Monate alten Sohn auf einem Spielplatz. (Keystone, Ken Ruinard)

Die Qualität der Bindung zwischen Eltern und Kind ist zentral für das Leben eines Menschen. Fühlt sich ein Kind während den ersten drei Lebensjahren aufgehoben, geliebt und akzeptiert, hat es – gemäss sogennanten Bindungsforschern – danach im Leben einfacher. Es kann sich in andere Menschen hineinversetzen, hat eine gute Sprachentwicklung, kann sich besser konzentrieren – und wird insgesamt in seinen Beziehungen ein glücklicherer Mensch. Doch das ist nicht alles. Gemäss Studienergebnissen sind  solche Kinder insgesamt gesünder, weil in der Regel weniger gestresst.

Eine frühe Kindheit mit unsicherer Bindung und belastenden Erfahrungen andererseits kann gravierende Auswirkungen haben: Von Herz-Kreislaufbeschwerden im Erwachsenenalter ist die Rede, von Rheuma, Asthma, ja gar Krebs.

Weshalb das so ist, auf welchen Untersuchungen diese Erkenntnisse basieren, und was die Definition einer guten – respektive schlechten – Bindung ist: Diesen Fragen widmet sich die Zeitschrift «Psychologie Heute» in ihrer aktuellen Ausgabe. «Unsere Kindheit – Wie sie die seelische und körperliche Gesundheit beeinflusst», lautet die Titelgeschichte. Im Zentrum steht dabei die Bindung zum Kind. Gemäss Forschern ist es letztlich die Qualität der frühen Bindung, die den Grundstein bildet für ein sicheres und gesundes Leben.

Doch was bedeutet das konkret? Und sind sich die meisten Eltern der Wichtigkeit einer frühen Bindung – auch bonding genannt – nicht schon längst bewusst? Der deutsche Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch glaubt nein. Er schätzt, ein Viertel der Kinder in Deutschland seien sogenannt «unsicher-vermeidend» gebunden. Diese Art Bindung entsteht, wenn die Bezugspersonen die Signale Ihres Kindes in Bezug auf Schutz und Sicherheit eher zurückweisen. Sie vermitteln dem Kind damit, dass es mit Stress allein zurechtkommen solle. Das Kind bremst dadurch sein Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung, bliebt innerlich aber gestresst. «Vielen Eltern ist die Feinfühligkeit für die Signale eines Kindes abhanden gekommen», sagt Brisch. Eine gute Bindung jedoch sei genauso lebenswichtig wie etwa Schlaf, Bewegung oder das Stillen von Hunger und Durst. «Bindung ist die emotionale Nahrung, die uns am Leben erhält.»

Eine Bindung muss ein Kind nicht ausschliesslich mit den Eltern haben. Weitere wichtige Bezugspersonen können Grosseltern, eine Krippenerzieherin oder Tagesmutter sein. Elementar dabei ist, dass diese Menschen verläßlich sind, feinfühlig – sowie liebevoll auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren. All dies kann gemäss Experten nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Angst, man verwöhne ein Kleinkind emotional zu sehr, ist gemäss Psychologen unbegründet.

Kümmern wir Eltern uns also um unsere Kinder und geben ihnen, was sie in den ersten Jahren vor allem brauchen: Elternliebe. Mischt man dies mit einer guten Portion Menschenverstand sowie einem Schuss Intuition und Reflexion, ist man gewiss nicht auf dem Holzweg. Mögliche Zusammenhänge, die zwischen frühkindlicher Bindung und Krankheit bestehen, schiebt man allerdings am Besten von sich. Solche Gedanken verunsichern und machen Angst. Ob das für ein Gedeihen einer guten Bindung förderlich ist, sei dahingestellt.

Was ist Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser? Was ist in den ersten Lebensjahren eines Kindes besonders wichtig?